Anne Wilson Schaef: Leben im Prozess

Untertitel: Wahrheiten den Weg der Seele zu leben

Das Buch ist sicher die Krönung des Lebenswerkes von Anne Wilson Schaef. Ihre großen Themen sind: weibliche Wirklichkeit, Sucht und Co-Abhängigkeit, Wege der Heilung und die Botschaften der Urvölker (sie selbst ist eine indianische Älteste).
Sie hat als Psychotherapeutin gearbeitet, bis ihr bewusst wurde, dass auch Psychotherapie nur ein „Reparatur-System“ innerhalb der TMM-Kultur ist, wie sie es nennt: technokratisch, materialistisch, mechanisch.

„Sucht kann als eine Reaktion des Menschen auf eine technologische Welt gesehen werden.“ (S. 35)

Sie geht soweit zu schreiben:

Beim Schreiben des Buches „Mein Weg zur Heilung“ musste ich wohl oder übel eingestehen, dass Psychotherapie nicht nur nicht hilfreich und nicht heilend, sondern schädlich war. (S. 35)

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Was ist „Leben im Prozess“?


Es ist eine besondere Variante dessen, was wir in den letzten Jahren als „Leben im Hier und Jetzt“ z.B. über Eckhart Tolle gelernt haben. In dieser „Bewegung“ gehen manche Autoren so weit zu sagen, es gäbe keine Vergangenheit und keine Zukuft. All das seien Illusionen des EGO-Verstandes. Es gäbe nur das ewige JETZT. Das sieht die Autorin in erfrischender Weise anders! Prozesse vollziehen sich (natürlich) in der Zeit. Das Buch führt uns in die „Heiligkeit des Augenblicks“ – ohne Vergangenheit und Zukunft zu leugnen, oder das Lernen zu leugnen.

Leben im Prozess bedeutet, eine tiefe und dauerhafte spirituelle Verpflichtung sich selbst und dem Leben gegenüber einzugehen. (S. 38)

Das Leben ist ein fortwährender Prozess des Lehrens und Lernens. (S. 52) … Lernen ist ein Prozess. Es ist kein Ergebnis. (S. 54)

Symptome treten auf, wenn der Mensch nicht mehr aktiv an seinem Prozess teilnimmt. (S. 57) … Wir verlieren unseren Platz in dem sich entwickelnden Universum. (S. 75)

Leben im Prozess handelt vom spirituellen Erinnern. Leben im Prozess handelt vom Abstreifen alter, zerstörerischer Muster, Überzeugungen und Gewohnheiten. Wenn wir spirituell, körperlich, gefühlsmäßig und geistig völlig in Harmonie mit uns, mit anderen und dem Planeten leben, so leben wir im Prozess. Leben im Prozess ist eine tiefe Verspflichtung, mit seinem Leben eins zu sein. (S. 99)

Prozess ist die eigentliche Essenz des Lebens. (S. 75)
Vergiss nicht: Gott ist ein Prozess. Mein Prozess ist Gott.
Gott ist mehr als mein Prozess. (S. 99)

Wenn wir unseren Prozess leben, ist alles im Leben eine aktive Meditation. … Leben im Prozess ist ein heiliges Vertrauen. (S. 100)

Grundwahrheiten für ein Leben im Prozess


Ich möchte die Themen dieses Lebens im Prozess aufführen:

  • Ehrlichkeit: „Um im Prozess zu leben, müssen wir ehrlich mit uns selbst, mit anderen und mit unserem Gott werden.“ (S. 118)
  • Wahrnehmen: „Wahrnehmen ist aktiver als Gewahrsein. … Wahrnehmen ist manchmal alles, was wir tun müssen, um Fülle zu erleben.“ (S. 121) „Um wahrzunehmen müssen wir lernen, in unserem Körper zu sein.“ (S. 125)
  • Zeit für sich alleine nehmen: „Wir brauchen Zeit zu lernen, wahrzunehmen und klare Wahrnehmungen zu haben.“ (S. 129) Für mich ist aufwachen ein Prozess, bei dem ich mich einstimme, meinem Inneren lausche, meinem Geist zuhöre und darauf warte, dass sich mein Leben entfaltet.“ (S. 131)
  • Aktive Teilnahme am Leben: „Passivität ist die höchste Form der Nichtteilnahme“ (S. 135) am Leben. „Trägheit ist einfach ‚falsche Aktivität'“ (S. 136) „Wenn wir teilnehmen an unserem Leben und dem Leben um uns herum, beginnen wir zu erkennen, dass es im Leben um das Lernen geht, und um zu lernen, müssen wir Fehler machen.“ (S. 138)
  • Die Ganzheit im Kontext erfahren: „Wir existieren im Kontext. Wir sind Teil der geschaffenen Ordnung. … Wir beginnen zu erkennen, … dass unsere Gemeinschaften immer größer werden, wenn wir spirituell wachsen. Wir werden eins mit der ganzen Schöpfung. … Alles ist heilig.“ (S. 140) Leben im Prozess heißt einfach, dass unsere erste und wichtigste Beziehung unsere Beziehung zu unserer Spiritualität ist.“ (S. 142)
  • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen: „Die Verantwortung für unser Leben zu übernehmen heißt, die Realität unseres Lebens zu akzeptieren, zu heilen, zu lernen, zu integrieren und weiterzugehen.“ (S. 147) „Verantwortung ist der Weg zur Freiheit.“ (S. 159)
  • Überwindung des Dualismus: „Dualismen werden errichtet, indem wir mit unserem Intellekt ein falsches Gegensatzpaar aufstellen.“ (S. 160) „Wann immer wir einen Rückfall in unseren Dualismus haben, nehmen wir nicht mehr an unseren Prozessen teil.“ (S. 167)
  • Heilen auf seelischer Ebene: „Leben im Prozess ist ein Weg des Heilens und Lernens. Aufgrund der menschlichen Natur kommen unsere Lernmöglichkeiten oft in Form von Verletzungen.“ (S. 168)
  • Vertrauen und die Illusion der Kontrolle aufgeben: „Wenn wir beginnen, uns aus einer kontrollierenden Lebensweise herauszubewegen hin zu einer prozesshaften Lebensweise, sieht die Welt anders aus. … Die Veränderung findet im Inneren statt, wenn wir unser Anhaften aufgeben und beginnen, unsere Spiritualität, unseren lebendigen Prozess und unsere Heilung an die erste Stelle in unserem Leben zu stellen. … unser Lebensprozess ist Gott.“ (S. 174 f.)

Womit beginnen?


Auch für die Autorin liegt die Wahrheit in der Weisheit des Körpers. Er hilft uns, unserem Selbstbetrug auf die Schliche zu kommen. Unser Emotionalkörper als „Schmerzkörper“ (Tolle)  trennt uns von unserer Körperweisheit. Und deshalb ist der Schlüssel, unseren Emotionalkörper zu heilen, um unseren wahren Gefühlen folgen zu können.

Am besten beginnt man damit, sich zu fragen, ob das, was wir lesen oder hören, sich richtig für uns anfühlt. Wir müssen lernen, zwischen Gefühlen und Emotionen zu unterscheiden. Emotionen sind Gefühle plus verwirrtes Denken plus Adrenalin. Emotionen sind Gefühle, die Amok laufen. Wir müssen lernen, wie wir zur Reinheit unserer wirklichen Gefühle zurückfinden. Wir müssen lernen zu warten. Wir müssen Frieden schließen mit unserer Verwirrung und unserem Mangel an Klarheit und auf nichts aufspringen, was unserem Denken entspringt. Die Zeit ist gekommen, dass wir unsere Fähigkeiten zu unterscheiden, zu fühlen und intuitiv wahrzunehmen wieder erlernen. Wenn wir geduldig mit unserer Wahrnehmung warten, geben wir uns die nötige Zeit, um unsere innere Arbeit zu tun: Zu prüfen, was für uns stimmt und diesem dann aus vollem Herzen nachzugehen. (S. 40)

Mein Fazit: In diesem Buch geht es um den spirituellen Alltag gelebt als „Leben im Prozess“: den Alltag zu heiligen. Es hat eine große philosophische Tiefe, in meinen Augen eines der besten Bücher spiritueller Lebens-Philosophie.
Das Buch ist in keiner Weise flach, ist wohltuend unterscheidungsfähig. Es kann eine ganze Bibliothek flacher esoterischer Literatur ersetzen, wenn man sich dann in die ganze Tiefe des „Lebens als Prozess“ einlassen will.

So spielt auch das Lernen und Lehren eine große Rolle. Das Buch kann zu einem Lebensbegleiter im wahrsten Sinne des Wortes werden, um sich dem Leben als Prozess voll und ganz hinzugeben, zur eigenen geheilten Ganzheit zu gelangen und der Schöpfung zu dienen.

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Nachgedanke

Vorweg: Anne Wilson Schaef gehört zu meinen > Lieblings-Autorinnen. Zwei Bereiche sehe ich „trotzdem“ anders:

Ich stimme beim Thema „Dualität“ der Autorin zu, dass unser Verstand „Gegensatzpaare konstruiert“, um Dinge benennen zu können, die eigentlich EINS sind. Und doch gibt es für mich eine „göttliche Dualität“: Das Göttliche kam in den Prozess der Schöpfung, indem es das ZWEITE erschuf.

Die Autorin sieht das Thema Geld nur als Ausdruck des Materialismus, also unserer äußeren, auf Geld fixierten Wahrnehmung der Wirklichkeit. Für mich ist Geld eine „neutrale Energie“, der wir auch „Seele einhauchen“ können. Unsere inneren Werte manifestieren sich über einen transformatorischen Umgang mit Geld im Außen. Geld ist für mich ein Medium, um im Außen etwas bewegen zu können, auch im spirituellen Sinne. Wir können unsere Seele für Geld verkaufen, doch unsere Seele ist stärker und kann das Geldsystem auch wieder transformieren. Im spirituellen Umgang mit Geld bekommt es eine Seele. So wird Geld zur Heilenergie.

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3 Kommentare

  • ich erlebe jetzt eine umwerfende krise. Und da fiel mir „zufällig“ ‚Leben im Prozess‘ in die hände. Ich kaufte es mir, und es scheint mein begleiter werden zu können. ich hoffe es. Dr. Anne Wilson Schaefs art, ihre überzeugung klarzumachen und weiterzugeben beeindruckt mich sehr. Wie gut, dass es solche menschen gibt! wir versöhnen uns mit dem was ist.

    • Ja, sie ist eine bewundernswerte Frau und hat ein großes Lebenswerk nicht nur für die Frauenbewegung vollbracht. Sie ist sehr ehrlich auch mit ihren eigenen Themen. Jede Krise ist immer eine Wende zu mehr Lebendigkeit, auch wenn es am Anfang ausweglos erscheint. WENN man/frau dann durch ist, entpuppt es sich als Geschenk des Lebens, als Weckruf, wieder auf den eigenen Weg zu kommen. Ich wünsche Ihnen alles LIEBE dabei.

    • Claudia Baumfried

      Liebe Frrau Haase!
      Schön, dass sie das Leben im Prozess Buch gefunden und gelesen haben. Ich bin schon seit einigen Jahren bei Anne Wilson Schaef im „Training“ Und Frage mich ob sie Interesse hätten an einem unserer Workshops in Deutschland oder Österreich teilzunehmen. Ich bin sehr Dankbar für diese Arbeit.

      Mit freundlichen Grüßen

      Claudia Baumfried

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