Claudi Alsina: Der Satz des Pythagoras

Untertitel: Die Heilige Geometrie von Dreiecken

Ein ganzes Buch nur über den Satz des Pythagoras?!

Ja, und dieses Buch wird diesem größten Lehrsatzes in der Mathematik auch gerecht. Der Leser bekommt eine Ahnung, wie bedeutsam der Satz wirklich war und ist – nicht nur für Geometrie-Prüfungen in der Schule. Dabei ist es gar keine Frage mehr, dass Pythagoras es nicht selbst war, der den Satz entdeckt hat. Er ist sicher älter und von den Babyloniern und Ägyptern übernommen. Doch es ist das Verdienst des Pythagoras, diesen Satz in seiner Allgemeinheit als erster wissenschaftlich bewiesen zu haben.

Pythagoras war es, „der begriff, dass die Gewissheit von Behauptungen auf Beweisen gegründet werden musste, bevor man sie für weitere logische Demonstrationen verwenden konnte, und das tat er auch, sogar noch vor Euklid, dem großen Sammler und Neuordner der klassischen Mathematik.“ (S. 13)

Wir sind hier an der ursprünglichen Schnittstelle bei Pythagoras von Zahlenmystik und Mathematik als Wissenschaft. Das griechische Wort „mathema“  meinte ursprünglich ganz allgemein „das, was gelehrt wird“ (S. 22) und „mathematikoi“ (von Pythagoras selbst geprägt) „jene, die an Wissen interessiert sind“ (S. 34). Für Pythagoras waren die Weisen und Wissenden alle, die hinter der Erscheinung der Dinge die Ordnung der Zahlen und die Harmonie von Zahlenverhältnisse entdeckt haben. Bei Pythagoras waren mystische Weisheit und exakte Wissenschaft noch ein und dasselbe. (Sein Credo: „Alles ist Zahl.“) Auch unser gängiges Wort „Arithmetik“ von „arithmos“ (Zahl) und „techne“ (Wissenschaft) heißt nichts anderes als Zahlenwissenschaft. (S. 126) Es ist in diesem Zusammenhang auch gut zu wissen, dass das lateinische Wort „Quantum“ nichts anderes als „Zahl“ heißt. Quantenphysik als Zahlenphysik?! Da öffnen sich noch Horizonte!

Das, was wir heute als „Satz des Pythagoras“ kennen, war ursprünglich ein rein praktisches Wissen, wie man im Bau rechte Winkel ohne Zirkel und Dreieck konstruiert. (Geodreiecke und Zirkel gab es damals noch nicht im Schreibwarengeschäft um die Ecke zu kaufen – kleiner Scherz …)

Wir wissen, wie wichtig die Zahlen 3, 4 und 5 in der Zahlenmystik des Pythagoras sind. Und plötzlich erkennt er: 3 hoch 2 (3×3 = 9) plus 4 hoch 2 (4×4 = 16) gleich 5 hoch 2 (5×5 = 25) – und kann diese verblüffende Gleichung noch als rechtwinkliges Dreieck darstellen. Das ist ein sogenanntes „Pythagoreisches Tripel“. Von dieser ersten Formel bis zur uns bekannten Verallgemeinerung a Quadrat plus b Quadrat gleich c Quadrat … ist noch ein weiter und genialer Weg! Zu bedenken ist auch: Es gab damals in Griechenland noch keine arabischen Ziffern, keine Algebra und nur ganze Zahlen (auch in Brüchen).

Das Buch stellt einige weitere „wunderbare Beweise“ (S. 45 – 52) dar (auch von Leonardo da Vinci), die zeigen, dass dieser „berühmteste Lehrsatz der Geschichte“ (S. 39) alles andere als Pipifax ist. Das Buch zeigt auch auf, wie aus dem Satz des Pythagoras auch die erste irrationale Zahl „Wurzel aus 2“ (= 1,41421 … oder PI) entwickelt wurde, der Albtraum des Pythagoras: Disharmonie statt purer Harmonie ganzer Zahlen.

Der Autor geht in dem Buch alle theoretischen und praktischen Anwendungen des Satz des Pythagoras nach, für den Leser ein AHA! und WOWW! nach dem anderen.

Für die weite Auswirkung des Pytagoreischen Satzes schreibt der Autor S. 57:

Also ist der Satz des Pythagoras auch für die Topographie, Karthografie, Flug- und Schiffsnavigation und natürlich auch für die Architektur, das Ingenieurwesen und jede Art von Tätigkeit, die Messungen erfordert, von Bedeutung.

Und zusammenfassend mit einem Augenzwinkern S. 103:

Wenn es jedoch so erscheint, als wollten wir etwas anderes behaupten, sei gesagt, dass man auch ohne Kenntnis des Pythagoreischen Satzes leben kann. Seine Präsenz in beinahe jedem Winkel des menschlichen Denkens (schöne subtile Formulierung, Hervorhebung von mir – JS) und in vielen Bereichen der Natur ist jedoch faszinierend.

Die okkulte Pythagoreische Zahlenkunde (Zahlenmystik)

Der Autor geht in diesem Buch im Wesentlichen den fundamentalen Auswirkungen des Satz des Pythagoras in der abendländischen Mathematik nach, deutet jedoch auch die „geheimnisvoll-mystische Aura“ dieses Satzes an. Beide haben dazu geführt, dass sich im Erbe des Pythagoras dann zwei unterschiedliche Schulen entwickelten, einerseits die „Mathematiker“, die diese wissenschaftliche Seite des Pythagoras fortführten (dazu gehörten sicher auch Platon und Euklid) und andererseits die „Akusmatiker“, die die zahlenmystische Seite in Geheimen (Okkulten) fortführten. Heute würden wir sagen: die wissenschaftliche Linie und die mystisch-esoterische Linie.

„Akousmatikoi“ sind „diejenigen, die hören“ (S. 34). Ein Akusma ist ein geheimnisvoller Satz, den man nicht rational lösen kann (wie ein Koan im Zen), seine tiefe Wahrheit nur fühlen kann, indem man auf sein Inneres „hört“. Ein solches Akusma des Pythagoras lautet beispielsweise: „Was ist das Weiseste? Die Zahl.“ Oder ein anderes: „Nicht ohne Licht reden!“ Damit ist natürlich keine Kerze gemeint, sondern das innere Licht. Andere Akusmata aus den „Goldenen Versen“ klingen ohne Einweihung nur banal oder verrückt wie „Hebe keinen Kranz auf.“ (Eine kleine Sammlung solcher Akusmata im Buch S. 26)

„Akusmatiker“ sind im Sinne des Pythagoras nicht nur Hellhörige (die z.B. die Sphärenklänge der Planeten hören können), sondern die mystisch Eingeweihten der esoterischen Schule der Pythagoreer.


Im Nachwort zitiert der Autor den britischen Philosophen, Logiker und Mathematiker Bertrand Russell („Philosophie des Abendlandes“) über Pythagoras (S. 145):

„Ich kenne keinen anderen Menschen, der im Bereich des Denkens so einflussreich war wie er. Denn, wenn wir das, was wir als Platonismus kennen, analysieren, werden wir herausfinden, dass es sich im Grunde um die Lehre der Pythagoreer handelt.“

Das Buch geht zurück an die Schnittstelle von Zahlenmystik und wissenschaftlicher Mathematik in ihrem Ursprung als Arithmetik und heiliger Geometrie. Diese beiden Linien der pythagoreischen Schulen gibt es heute noch und beiden sei dieses Buch empfohlen: den Wissenschaftlern, um die zahlenmystische Essenz der Wissenschaftn zu verstehen, und den Esoterikern, um die mathematische Schönheit und Allgegenwärtigkeit der Zahlenmystik in der Wissenschaft zu verstehen. Das Buch baut Brücken zwischen Wissenschaft und Spiritualität.

Ich würde mir wünschen, dass jeder junge Mensch, der Spaß an Rechnen und Mathematik hat, dieses Buch kennt. Es kann Horizonte für Zahlenmystik und Zahlenwissenschaft öffnen.



Der Satz des Pythagoras: Die Heilige Geometrie von Dreiecken (Klick)

John Martineau (Hg.) Quadrivium

Das Buch bezieht sich auf Pythagoras, doch nicht auf seine mystischen Weisheitslehren, sondern auf den Kern seiner Wissenschaften. Als Begründer der griechischen Wissenschaften war sein Verständnis der Wissenschaft noch HEILIG („siencia sacra“).  Diese Wissenschaften sind als „Quadrivium“ (Der vierfache Weg) bekannt: 1. die heiligen Zahlen, 2. die heilige Geometrie, 3. die Spärenmusik und Harmonik und 4. die Astrologie. Dieses Buch stellt den Kern der ursprünglichen geheimen Heiligen Wissenschaften nach Pythagoras auf sehr anschauliche und moderne Weise dar.

Der Herausgeber schreibt treffend in der Einleitung:

Das Buch, das Sie in den Händen halten, ist eine seltene Schatztruhe voll traditionellem, einst geheimem, doch zu allen Zeiten nützlichem und zudem unsterblichen Wissen, das niemals veraltert. Es ist universal: Es verspricht eine magische Reise durch alle Kulturen – heilige und wissenschaftliche, heimische und fremde, antike und moderne. QUADRIVIUM ist ein Buch aus sechs Büchern – mit Themen aus der Arithmetik, Geometrie, Musik und Astrolomie. (S. 1)

In der Einführung schreibt Keith Critchlow (S. 3 – 4):

Das QUADRIVIUM wurde erstmals um 500 v.Chr. von Pythagoras als die Tetraktys formuliert und gelehrt …
Unsere Seele, deren Unsterblichkeit Sokrates in Platons PHAIDON nachwies, hat ihren Ursprungt an einem Ort vollkommener Weisheit, bevor sie im Körper geboren wird. Ziel dieser Wissenschaften war es daher, durch Vereinfachung zurück zu dieser Ganzheit zu gelangen und zwar auf der Basis des Wissens, das man durch das Studium der Disziplinen des Quadriviums erlangen konnte. Und das Ziel – seit alters her der Zweck aller Suche nach Erkenntnis – bestand darin, ihre Quelle zu finden.

Die sechs Bücher sind:

Buch 1: Die heiligen Zahlen: Die geheimen Eigenschaften der Menge (Miranda Lundy): Von der Monade (EINS) bis Zwölf und mehr, das VERHÄLTNIS der Zahlen zueinander … bis hin zur NULL als „Nicht-Zahl“

Buch 2: Die heilige Geometrie (Miranda Lundy): „Die heilige Geometrie demonstriert, wie sich Zahlen im Raum entfalten. Im Unterschied zur profanen Geometrie werden ihre Operationen und Begriffe symbolische Werte zugeordnet, so dass sie, wie gute Musik, der seelischen Entwicklung des sich mit ihr Beschäftigenden zuträglich ist.“ (S. 63)

Buch 3: Platonischer und archimedische Körper (Daud Sutton): Dieses Buch zeigt, wie sich Zahlen im dreidimensionalen Raum in der Form von Körpern entfalten.

Buch 4: Der Harmonograph: Eine Einführung in die Mathematik der Musik (Anthony Ashton). Es ist ein im 19. Jahrhundert erfundenes Instrument, das selbstständig harmonische Zeichnungen auf Papier bringt. Der Harmonograph ist in der Lage, harmonische Klänge in Bilder umzuwandeln.

Buch 5: Elemente der Musik: Melodie, Rhythmus & Harmonie (Jason Martineau). Das Buch vertieft den Zusammenhang zwischen Musik und Mathematik im Sinne der angewandten Harmonie.

Buch 6: Das kleine Buch des Zufalls im Sonnensystem (John Martineau): Dieses Buch weckt wieder den Zauber der Astronomie, Zahlen-Proportionen am Himmel mit der Sonne, Mond und Planeten. Hier ist der Übergang von der exakten Astronomie hin zur deutenden Astrologie noch sehr naheliegend.

Ich denke, mit unserer Bildung wäre es anders bestellt, wenn alle Jugendlichen, die ihr Abitur (Matura) gemacht haben, die Inhalte dieses Buches kennen und beherrschen würden. Es beinhaltet „Allgemeinbildung“ im wirklich humanistischen Sinne. So bekommt Wissen einen ganz andren Sinn: Der Mensch im Kosmos und der Harmonie mit dem Göttlichen. So erhalten die jungen Menschen einen ganz anderen Zugang zur heiligen Wissenschaft. So hat Wissen noch etwas mit Herz und Seele zu tun.

Inge von Wedemeyer (Hg.): Paythagoras

Untertitel: Weisheitslehrer des Abendlandes

Das Buch von Inge von Wedemeyer ist eine sehr kompetente und liebevolle Zusammenstellung von Texten über Pythagoras als Weisheitslehrer des Abendlandes. Es ist perfekt geeignet, um einen ersten Eindruck von einem Pythagoras zu bekommen, wie er nicht in unseren Philosophie-Büchern zu finden ist. Die Herausgeberin Inge von Wedemeyer hat wichtige Texte aus der Pythagoras-Literatur aufgenommen, einige Originalbeiträge eingestellt und  kurze Zitate zu Pythagoras gesammelt.

Es ist kein Wunder, dass Pythagoras wieder aktuell wird, denn seine Philosophie war wirklich noch in der Mystik begründet und ist das Herz der griechischen Weisheitslehre. Die Autorin schreibt:

Sie alle sind Wegweiser, um mit ihrer Hilfe wieder zu der verloren gegangenen Harmonie mit dem Schöpfer und dir Schöpfung aufzusteigen. (S. 8)
Heute fragt man wieder nach seiner Lehre, denn die Menschheit scheint in eine Epoche einzutreten, in der sie in hohem Maße die Fähigkeit zur Transzendenzoffenheit zurückgewinnt. (S. 11)

Zu den Autoren des Buches gehören mit Beiträgen (Auszügen):

  • Edouard Schuré
  • Jamblichos
  • Inge Rumler (Originalbeitrag)
  • Hans Kayser
  • Julius Schwabe
  • Hans Scavernoch
  • B.L. van Waerden
  • Eduard Baltzer
  • Frédéric Lionel (originalbeitrag)
  • Franz Vonessen
  • Antoine Fabre d‘ Olivent
  • Ulrich Abele (eine Hommage an Pythagoras)
  • Rudolf Haase


Nicht zuletzt findet sich in dem Buch auch die Übersetzung der 71 „Goldenen Verse“ von Pythagoras durch Gerda von Gerlach. Das kleine Büchlein enthält alle maßgeblichen Verehrer des Pythagoras.

Ein absolut empfehlenswertes Buch, eines meiner Lieblingsbücher zu Pythagoras.

 

Peter Hubral: Geheime Dao-Schöpfungslehre

Auch wenn mich niemand verstehen sollte: Das Buch ist der ABSOLUTE HAMMER! Damit will ich zum Ausdruck bringen, dass ich meine Begeisterung für das Buch noch kaum in Worte fassen kann. Ganz krass gesagt: Jetzt habe ich mein eigenes Buch über Zahlenmystik und Pythagoras erst richtig und in seiner Tiefe verstanden!

Es geht in meinem Buch ja auch nicht um Zahlen und Arithmetik, sondern um mystische Bewusstseinszustände, die sich in den „Zahlen“ 0 , 1 , 2 , 3 , 4 ausdrücken lassen. Hubral legt in diesem Buch dar, dass das die Schöpfungslehre aller Weisheitslehren des Altertums ist, was er insbesondere an Laotse und Pythagoras darstellt.  Ich verstehe jedes Wort, auch wenn das Buch wirklich keine leichte Kost ist. Mein Gott, und ich bin „alleine“ darauf gekommen. Es ist eine wunderbare Bestätigung meiner eigenen Seelenreise zu Pythagoras.

Jetzt aber zum Buch selbst!

Der Autor Dr. Peter Hubral („Professor für Geophysik und Hobby-Philosoph“ – laut Buchbeschreibung) ist langjähriger Praktizierender einer Dao-Schule (Taijixue.de) in der Tradition des Fangfu, einem Schüler Laozis (Laotse) in direkter Linie. Diese langjährige Dao-Praxis (ein unkonditioniertes, formloses Stehen – anders also als das Sitzen bei Buddhisten und Meditierenden) hat ihn zur tiefen Erkenntnissen dessen geführt, was das Daodejing (Tao Te-king) wirklich lehrt. Hier der „große Pfad (Weg) und die Dao-Schöpfungslehre“ in eine Grafik gebracht (S. 33):

In dem Buch wird deutlich, dass die „Geheime Dao-Schöpfungslehre“ kein weiterer Schöpfungsmythos ist, sondern DIE SCHÖPFUNGSLEHRE überhaupt, die über jedem Schöpfungsmythos und erst recht Evolutionstheorie steht. Sie ist in China niemals vergessen worden und in der Taijixue-Schule nach Fangfu bis heute bewahrt, entwickelt und lebendig geblieben.

Paradigmenwechsel in der Sicht unserer antiken Philosophie

Diesen eigentlichen Weisheitskern des Laozi „uns Westlern“ nahezubringen, ist schon eine große Leistung des Buches. Der Autor weist zwar darauf hin, dass man im Grunde nur als „Praktizierender“ in die Tiefe der Weisheitslehre eintauchen kann, versucht aber, es auch dem (in der DAO-Praxis) Ungeübten nahe zu bringen. Doch der „zündende Funke“ des Buches liegt darin, dass der Autor die Weisheitslehrer unseres Abenslandes, insbesondere Pythagoras und Platon in ein völlig neues LICHT stellt. Er erkennt in seinen Lehrern die (nahezu gleiche) Tiefe der Schöpfungslehre von Laozi und den Daoismus. Ich will nur ein Beispiel aus dem Buch geben.

„Gewöhnlich“ wird das griechische Wort für „Philosophie“ auf Pythagoras zurück geführt und meine „Liebe zur Weisheit“. Wer hat je daran gezweifelt, dass das eine korrekte Übersetzung ist?

„In Wahrheit“ war unter phílosophia aber etwas anderes gemeint: Mit phília zu sophía, d.h. aus dem NICHTS (tun) = phília zur WEISHEIT = sophá kommen. Es zeigt den WEG, dass Weisheit keine Kopfgeburt ist, auch nicht von Mathematikern, Geometrikern, Astrologen und Musikern (dem auch falsch verstandenen „Quadrivium“), sondern aus dem formlosen, unkonditionierten, urteilsfreien NICHTS kommt. Nur so kann wirklich unkonditioniert Neues entstehen.

Das Buch ist voll von (potentiellen) Geistesblitzen, die den Leser erleuchten können, wenn er dafür offen ist. Die Feuerwand ist wohl Aristoteles, der selbst kein Praktizierender war und seine Philosophie eine „Kopfgeburt“, ein regelrechter VERRAT an der eigentlichen Weisheitslehre seiner Vorgänger. Aus Weisheit hat er philosophisches Wissen gemacht. All das klingt jetzt sicher ungeheuerlich. Doch das Buch führt bei einem offenen Herzen wirklich zu einem „Paradigmenwechsel“ unseres Verständnisses für die Weisheitslehre unserer Antike und Abendlandes.

Und war nicht jeder spirituell Suchender schon irritiert, dass wir in der Suche nach der ursprünglichen Weisheitslehre in Indien und China gesucht, sie aber nicht im Abendland gefunden haben?

Es liegt nicht daran, dass unsere abendländischen Weisheitslehrer minderbemittelt waren, sondern VERZERRT wurden und dann in Vergessenheit gerieten. Das Buch von Peter Hubral gibt uns den Schlüssel in die Hand, sie neu zu verstehen, Pythagoras in Augenhöhe von Laozi und Buddha zu sehen (alle 3 waren ja mehr oder weniger Zeitgenossen).

Was aber noch wichtiger ist: Wir finden jenseits von Schöpfungsmythen und Evolutionstheorie die EIGENTLICHE Schöpfungslehre, die 500 v.Chr. schon den Weisen auf unserem ganzen Planeten bekannt war. Das Buch von Peter Hubral hilft uns, dazu wieder Zugang zu finden, KLARHEIT in der großen Verwirrung wieder zu finden. Das Buch enthält einen vertiefenden Anhang, der gut einen Drittel des Buches umfasst.

Geheime Dao-Schöpfungslehre: Moderne Dao-Praxis erklärt die älteste und aktuellste chinesische und universelle Welt- und Selbstentstehung

 

Ilknur Özen: Herz-Geometrie Mandalas

Ich habe hier schon einige Bücher über die „Heilige Geomrtrie“ vorgestellt. Das Buch von Ilknur Özen stellt eine neue Art von Herz-Geometrie als Mandalas vor, die nicht nur Kreise und Sterne, sondern Herzen in Mandalas herausstellt. Sie schreibt, dass das Herz weltweit wie kaum ein anderes Symbol in Wort und Bild vertreten ist. Ja, doch auch erst seit ca. 20 Jahren. Ich weiß noch, dass ich für eine Firma ein Logo entwickeln sollte und gehörte zu den Pionieren, die im Logo ein Herz eingebunden haben unter dem Slogan „Wissen mit Herz“. Das Herz als Symbol hat sich in diesen letzten 20 Jahren durchgesetzt – und das ist gut so!

Die Autorin hat dem mit ihrem schönen Mandala-Buch Rechnung getragen. Korrekt gesagt: Es sind 36 Zeichnungen der Herzgeometrie (in der Regel 2 Kreise mit einem Dreieck verbunden) in doppelter Ausführung (Vorder- und Rückseite zum Ausmalen). Oft sind die Herzen sofort zu erkennen, manchmal muss man genauer hinschauen, um sie wahrzunehmen. Das Buch lädt dazu ein, diese Mandalas auszumalen und die Herzen deutlich heraus zu stellen. Ich habe meinen Enkeln (6 – 8) dieses Büchlein zum Ausmalen geschenkt und selbst meine Freude daran. Es ist gar nicht so einfach, diese Mandalas mit Zirkel und Lineal selbst zu erstellen. Das macht besonders Freude und ist eine gute Übung für muster-erkennende Wahrnehmung.

Das Buch ist mit einer kurzen Einleitung zweisprachig. Für die englische Version ist das Buch einfach nur auf den Kopf zu stellen.

Ilknur Özen: Herzgeometrie Mandalas / Heart Geometry Mandalas

Irene Lauretti: SEELEN-Zahlen


Irgendwann erkennen wir, dass unser Lebensweg eine Seelenreise ist. Je früher wir uns dessen bewusst werden, desto stimmiger und bestimmter können wir unsere Bestimmung leben: Wir lauschen der Stimme der Seele.

Der Geist ist logisch, doch die Seele ist analogisch, d.h. die Seele spricht mit uns in Bildern (Träumen, Mythen, Märchen, Geschichten, Symbolen, Metaphern, …) Wir müssen die Sprache der Seele zunächst lernen wie eine Fremdsprache.

Traditionellerweise war die Sprache des Geistes die Philosophie und Wissenschaft, die Sprache der Seele die Astrologie. Die uns bekannte Horoskop-Astrologie ist leider perspektivisch (Nordhalbkugel) und patriarchalisch verzerrt (außer Venus nur römische Götternamen der Planeten). Doch wir leben in einer neuen Zeit, einer neuen Energie und brauchen auch für die Sprache der Seele neue Bilder. Um sich von den  problematischen Aspekten der römisch geprägte Horoskop-Astrologie zu lösen, greifen immer mehr Autorinnen und Autoren auf die „reinen Zahlen“ und ihre Bedeutung zurück: Zahlen-Symbolik und Numerologie. Beide – Astrologie und Numerologie – starten ja mit den Geburtszahlen und ihre Bedeutung für die Seelenreise. Und die Seele spricht mit uns auch über Zahlen. Es ist sozusagen das ABC der Sprache der Seele.

Ich sehe in dem Buch „Seelenzahlen“ der Autorin Irene Lauretti eine neue Qualität der Numerologie, die ausdrücklich auf die Seelen-Qualität der Grund-Zahlen ausgerichtet ist. Darüber hinaus weist sie auf die 4 Meisterzahlen 11, 22, 33 und 44 hin und die ganz besonders mystische Zahl der 23. Der Impuls für das Buch hatte die Autorin 7 Jahre vor dem Aus-Formulieren in Trinidat (!) von einer „Erdfrau“ erhalten, die die Seelenqualität der Monats-Zahlen und der Monate ihr geheimnisvoll übermittelt hat. Aus diesem geheimen Schatz und seiner Deutung ist nun dieses Buch einer neuartigen Numerologie entstanden.

Es geht dabei vor allem um die drei SEELEN-Zahlen des Lebens (Tageszahl, Lebenszahl und Schicksalszahl), die quasi für die ganze Seeleninkarnation gültig sind PLUS einer daraus berechneten Geamtzahl, die als das GANZE noch einmal bestimmte Aspekte betonen kann. Die Seelenzahlen haben auch einen dynamischen Aspekt bezogen auf das aktuelle Jahres-Datum (2018 als 11 = 2) als „aktuelle Lebenszahl“. Darüber hinaus such einen „Katalysator-Monat“ und einen „Katalysator-Jahr“ als „Turbo-Zeiten“ für die eigene Seelenreise. Anders als anderer Numerologen, die von einem
7er-Zyklus oder 9er-Zyklus ausgehen, geht die Autorin von einem 10er-Zyklus aus, was sofort einleuchtend ist. Wenn man darüber hinaus noch das Tierkreiszeichen, den Aszendenten und die Mondstellung am Geburtstag numerologisch mit einbezieht, so liegt ein ganzer Komplex von statischen und dynamischen Zahlen, die die ganz persönliche „Seelenfrequenz“ ausmacht. Kurz: eine sehr komplexe Numerologie der Seele, zu dem man über das Buch Zugang bekommt, ohne ein großes astrologisches Studium absolvieren zu müssen.

Es gibt ja Partner-Astrologien, doch von einer Partner-Numerologie habe ich bisher noch nichts gelesen. Das scheint mir auch neu in dem Buch zu sein. Durch den Vergleich der SEELEN-Zahlen zweier Partner können sich die SEELEN-Zahlen einer Partnerschaft zweigen – mit besonderen Spiegelungen (ein intensives Resonanzverhältnis), allgemeinen Aufgaben und Herausforderngen
wie auch aktuellen Themen in einem neuen Jahr.


Besonders interessant ist der Hinweis in dem Buch, dass es auch für eine Familie über Generationen bestimmten karmische SEELEN-Zahlen gibt und die Zahlen sogar Aufschluss darüber geben können, wer ein familiäres karmisches Thema ein für allemal (er)lösen kann.

Was ich an dem Buch sehr sympathisch finde: Er erklärt dir nicht dein
ganzes Leben für deinen neugierigen Verstand, sondern liefert mehr eine
„Übersetzung“ von Seelenbotschaften über Zahlen. Irgendwann brauchst du kein Wörterbuch der Seele mehr, sondern verstehst deine Seele und ihre Sprache in den Zahlen unmittelbar.

 

 

Irene Lauretti: Seelenzahlen (Klick)

Matthias Beck: Krebs

Untertitel: Körper, Geist und Seele einer Krankheit

Im Grunde ahnt es jeder: Jede Krankheit ist einzigartig und der Weg der Heilung genau so unvergleichbar und individuell. Doch „Einzigartigkeit“ ist natürlich ein riesiges Problem für eine naturwissenschaftliche Medizin. Hier zählt Vergleichbares, Normierbares, Statistik, allgemein gültige Therapie-Methoden. Die naturwissenschaftliche Medizin kennt bei Krebs bekanntlich nur 3 Therapien: Operation, Bestrahlung, Medikamente („Chemo-Therapie“).

Lange Zeit schien Krebs nahezu ausschließlich durch einen genetischen Defekt verursacht zu sein, genetisch determiniert. Das Aufkommen der Epigenetik hat die deterministische Sicht der Genetik auch in der Sicht und Behandlung von Krebs „über den Haufen geworfen“. Diese recht respektlosen Worte passen zum dramatischen „Paradigmenwechsel“ in der Genetik. Epigenetik hat inzwischen über 1,5 Millionen Faktoren unterschieden, die Einfluss auf das Abschalten und Aktivieren der Gene nehmen können. Gott sei Dank! War es doch beängstigend, dass wir 99% gleiche Gene wie Affen und sogar noch 95% gleiche Gene wie Mäuse haben. Da muss es doch noch etwas ganz anderes geben, als nur die Gene! Die Epigenetik öffnet uns die Welt des „ganz anderen“ als Menschen jenseits der Genetik. Die Epigenetik hat so auch das Verständnis von Krebs als Geisel der Menschheit grundlegend verändert: Epigenetik erweitert das Verständnis für die Ursachen der Krankheit Krebs, ermöglicht aber auch dem Patienten, den eigenen Beitrag zur Heilung aktiv mitzugestalten, einen grundsätzlich neuen Weg im Leben einzuschlagen.

Wir brauchen eine personalisierte Medizin   

Um nicht missverstanden zu werden: Der Autor Univ.-Prof., Dr. med., Dr. theol. Matthias Beck wirft nun die naturwissenschaftliche Krebs-Therapie keinesfalls „über den Haufen“, sondern erweitert die Sichtweise der Krankheit und ihrer Heilung weit über das Naturwissenschaftlich-Medizinische hinaus. Er macht mit der Forderung ernst, die Disziplinen müssen bei der Bekämpfung von Krebs zusammenarbeiten. Denn Krebs ist letztlich immer eine Krankheit von Körper, Geist und Seele – also bedarf auch der Heilungsprozess immer auch die Beachtung aller drei Dimensionen: Körper, Geist und Seele. Und so ist im Heilungsprozess nicht nur die Naturwissenschaft gefordert, sondern auch die Geisteswissenschaft wir Psychoonkologie, ja auch die Philosophie und die Theologie, wenn es um die Seele geht. Hier ist allerdings auch der Patient in hohem Maße selbst gefordert, sich auf den Weg der Heilung bis zur Heilung seiner Geist-Seele zu machen.Das Wichtigste des Weges der Heilung kann ihm letztlich niemand abnehmen.

Teil 1: Krebs – Naturwissenschaft und Philosophie im Dialog

Krebs ist mehr als eine persönliche Krankheit oder eine Zivilisationskrankheit. KREBS ist DAS Symptom für fehlgesteuertes Leben, für Lebensverweigerung. 

Auch Krebszellen sind lebendige Zellen, aber sie leben an der Ordnung des Gesamtorganismus vorbei. (S. 13)

Lebt nicht auch die Menschheit an der Ordnung der Schöpfung vorbei? KREBS als Symptom kann alles in Frage stellen … bis zu der Frage hin, ob die Menschheit sich zum Krebsgeschwür auf Mutter Erde entwickelt hat. (So weit geht der Autor nicht!)

Doch der Autor diskutiert in diesem Teil des Phänomen des Lebens, um diese „krankhafte“ Trennung zwischen LEIB und SEELE endlich in unserem Denken zu überwinden, auch die Trennung zwischen Natur- , Geisteswissenschaft und an der Seele orientierte Philosophie und Theologie:

Zur Beantwortung derartiger Fragen müssen Erkenntnisse der Medizin, Psychologie, Philosophie, Theologie, Spiritualität integrativ zusammengebracht werden. (S. 18)

Der Autor beschreibt die Seele als das Lebensprinzip bei Aristoteles und vor allem bei Thomas von Aquin, in dessen Theologie Körper, Geist und Seele noch eine Einheit waren:

Die Seele formt also in dieser Philosophie den Körper zum Leib. Nur in der Einheit von (Geist-) Seele und Leib kann der Mensch (sich) erkennen. Damit ist jeder Leib-Seele-Dualismus ausgeschlossen. (S. 29) …
Während in der Sichtweise des Thomas von Aquin die Seele noch als innerste Mitte des Menschen mit Vernunft, Verstand, Gefühl, Emotion, Intuition und den Blick auf Absolutes umfasste, beschreibt der Seelenbegriff Freuds und jeder der nachfolgenden Psychologie nur noch die Welt der Gefühle, des Erlebens und Verhaltens. (S. 32)

Unsere „moderne“ Psychologie ist sozusagen seelenlos geworden., hat ihre steuernde Mitte verloren. So wird die Krankheit des Denkens und unseres ganzen medizinischen Systems zur Krankheit der Seele in der Lebensverweigerung von Krebs. Krebs als unsterbliche Zelle erinnert darin nur noch an die Unsterblichkeit der Seele, ihre Ausrichtung auf Höheres als eine endliche Zeitspanne zwischen Leben und Tod.

Teil 2: Die Bedeutung von Geist und Seele bei Krebserkrankungen

Im zweiten Teil geht der Autor an das Wesen der Krebserkrankung als

  • Desintegration und Zerstreuung statt Integration
  • Isolation statt Kommunikation auch mit der eigenen Seele
  • Außensteuerung statt Selbsterkenntnis
  • mangelnde Abgrenzung statt Eigenstand

Genau genommen findet der Mensch nicht in sich selbst seinen Eigenstand, sondern in seinem Seelengrund. Je mehr er dort ankommt, desto mehr ist er bei sich. (S. 78)

Teil 3: Die Spirituelle Dimension des Menschen

Auch wenn das Buch eine klare theologische Ausrichtung hat, so ist es nicht auf eine bestimmte Religion orientiert, sondern allgemeiner auf Spiritualität, die persönliche Antwort jedes einzelnen auf die GOTTESFRAGE.

Auch wenn der Begriff der Spiritualität sehr vieldeutig geworden ist:

Es soll nur so viel angemerkt werden, dass Spiritualität … etwas mit der Ausrichtung des Menschen auf die Dimension des zugrunde liegenden Seins zu tun hat: sei dies eine kosmische Dimension, die Dimension der Natur, das Leerwerden des Menschen in asiatischen Meditationsmethoden oder der Bezug zu einem personalen Gott wie im Judentum, Christentum, Islam. Spiritualität hat also – wie der Begriff sagt – mit Geist zu tun, mit menschlichem und „göttlichem“. (S. 83)

Es ist dabei wichtig, ein Gefühl für „Unstimmigkeit im Leben“ zu bekommen. „Entscheidend ist, wie der Mensch von der Unstimmigkeit zur Stimmigkeit findet.“ (S. 90) Diese Unstimmigkeit kann bis zur „Verfinsterung der Seele“ (S. 92) gehen. Um diese Zerstreuung durch „finstere, dubiose Kräfte“ zu überwinden, gilt es sich einzustimmen auf die „innere Wahrheitsstimme“, die göttlichen Antriebe im Menschen.

Auf dieser Ebene geht es darum, dass der Mensch seine tiefste Wahrheit, Berufung und Identität findet und nicht an ihr vorbei lebt. (S. 96)

Krebs kann ein Weckruf zur Wende im Leben sein, doch die Krankheit ist nicht völlig zu enträtseln, und das Buch macht keine Heilsversprechen.

So ist nicht jedes Leiden und jede Krankheit ein Indiz für das Herausfallen aus der innersten Mitte und nicht jeder, der mit seiner Wahrheitsstimme im Einklang lebt, ist immer gesund und leidfrei. (S. 115)
Die offenen Fragen wollten nicht beantwortet werden, es sollte auch nicht der Eindruck erweckt werden, dass man Spiritualität oder christlichen Glauben instrumentalisieren kann, um gesund zu werden. (S. 122)

Letztlich geht es um „eine größere Resillienz, also eine bessere Widerstandskraft gegen die Herausforderungen der Zeit“ (S. 122). Ja, und das leistet das Buch!

Weit mehr als nur ein Buch über Krebs, ein Buch über das LEBEN

Der Autor schreibt selbst im Vorwort: Das Buch „ist aber kein Ratgeber, den denen gibt es genug.“ (S. 7) Das Buch steht über allen Ratgebern zum Krebs, ordnet sie quasi ein … und es geht viel tiefer – bis an das Wesentliche im Leben. Es ist an keiner Stelle ein trockenes Fachbuch, auch wenn es einen sehr ausführlichen Anhang zur fachlichen Vertiefung hat. Das Buch liest sich für einen Laien leicht. Ich kann es nicht nur Menschen empfehlen, die direkt oder indirekt als Angehörige von Krebs betroffen sind oder sich ernsthaft um eine Krebs-Prophylaxe bemühen. Das Buch ist empfehlenswert für Fachkräfte wie Seelsorger, die Krebs-Patienten begleiten. Das Buch ist sogar eine wunderbare Einführung in die theologisch orientierte Philosophie des Lebens am konkreten Beispiel der Krankheit Krebs. Jeder, der sich ernsthaft Gedanken über das Leben macht, über den Zusammenhang von Körper, Geist und Seele, kann das Buch mit großem Gewinn lesen.

 

Matthias Beck: Krebs: Körper, Geist und Seele einer Krankheit (Klick)

Paul Ferrini: Weckruf der Seele

Untertitel: Wie wir selbsterschaffenes Leid erkennen, transformieren und heilen


Das neue Buch von Paul Ferrini ist wieder ein „Weckruf“, sich nicht in den Strukturen des Ego zu verheddern, sich nicht selbst zu täuschen, sondern den Weg zur Befreiung aus Leid und Schmerz konsequent weiter zu verfolgen. Ein großes Thema des Buches ist es, sinnvoll mit Schmerz und Leid umzugehen. Weder das Identifizieren mit dem Leiden in einer Opfermentalität noch das Ignorieren des Leidens in Gefühlskälte und Ego-Aktionismus können uns aus dem Leiden befreien.

Oft sind wir blind für die eigenen Unzulänglichkeiten. Da kann die Seele mit ihrer Unruhe zu einem „Weckruf“ werden.  In diesem Buch von Paul Ferrini steht die SEELE im Mittelpunkt der Gedanken.

Die Seele ist geduldig, doch wenn wir ihre Signale nicht hören, kann sie immer „unruhiger“ werden, immer mehr auf Lösungen hindrängen – bis es beim Nichtbeachten des Weckrufs der Seele zu einem Erdbeben im Leben kommen kann. „Aber wenn du zu lange im Gefängnis sitzt, wird deine Seele vielleicht unruhig. Und ein Gefängnis ist kein passender Ort für eine unruhige Seele.“ (S. 60)

Wenn Schmerz wirklich ein Weckruf ist, dann ist unser Schmerz nicht länger nötig, sobald wir aufwachen. Wenn die Botschaft gehört wurde, kann der Überbringer nach Hause gehen. Und es ist immer eine Botschaft der Liebe. Liebe dich selbst, und liebe deinen Nächsten, und all das wird vorbei sein. Krieg und Hunger werden ein Ende haben. Schwerter werden zu Pflugscharen. (S. 21)

Es ist vor allem wichtig, auf die Wachstumsbedürfnisse der Seele zu achten:

Freiwillige Veränderung in Kooperation mit dem Wachstumsbedürfnis unserer Seele kann ohne Kollateralschäden vonstattengehen. Aber unfreiwillige Veränderungen – Veränderungen, die passieren, nachdem wir uns wiederholt geweigert haben, dem Weckruf unserer Seele zu folgen – können unser Leben in seinen Grundfesten erschüttern. (S. 61)

Es geht immer und immer wieder darum, seine Lektionen zu lernen.

Auf welchem Weg du dich auch befindest, es gibt keinen Ersatz für die spirituelle Praxis. Uns spirituelle Praxis erfordert ein hohes Maß an Geduld und Disziplin. Es bedeutet, täglich präsent zu sein, auch wenn es schwer oder unbequem wird. (S. 22)

Ein großes Thema des Buches ist es, sich bewusst zu sein, dass nicht von Gott die Hölle erschaffen wurde, sondern dass jeder sie sich selbst erschafft.

Die meisten Scharlatane, die in der Verkleidung eines spirituellen Lehrers daherkommen, versprechen dir den Himmel und schicken dich zur Hölle. (S. 37)

Nur musst du die Verantwortung selbst übernehmen, dass du dich blenden und in die Hölle hast schicken lassen. Denn am Ende betrügt jeder nur sich selbst.

Gott hat dir einen freien Willen gegeben. Dieses wunderbare Geschenk ließ dir die Wahl, ob du im Himmel oder in der Hölle leben willst. (S. 98)

Das Buch ist wieder typisch Ferrini: Es liest sich sanft wie eine Meditation. Als Leser fühlst du dich nicht angeklagt, sondern nur erinnert und wie von liebevollen Eltern ans Licht geführt. Es ist durchaus nicht einlullend, warnt vor „spiritueller Arroganz“, spricht klare Worte.

Viele Hinweise, deinen Weg zu gehen, auch mit Verzweiflung umzugehen, mit Groll dem Göttlichen gegenüber. Es bedarf keiner Reparatur. Du bist von Grund auf Gut und ein Kind Gottes. Es gilt nur den ganzen Müll beiseite zu räumen, um deine wahre Natur wieder leuchten zu lassen. „Du brauchst Gott nicht, um heil zu werden. Alles, was du brauchst, ist die Erinnerung an deine Unschuld.“ (S. 107)

Am Ende geht es um das bedingungslose Vertrauen in den Fluss des Lebens, aber auch um den Respekt vor ihm als Naturgewalt. Auch wenn ein Fluss gefährlich und Übermut unangebracht sein kann, der Fluss ist es, der uns ans Ziel der Reise trägt.

Es gibt auf dieser Reise keine Rezepte: „Ich vertraue darauf, dass du den Weg findest, der für dich funktioniert.“ (S. 168) Außer zwei Tipps:

  • Erstens: Senke deine Erwartungen
  • Zweitens: Sei dankbar für das, was du hast (S. 184)

 

Weckruf der Seele: Wie wir selbsterschaffenes Leid erkennen, transformieren und heilen (Klick)

 

Uwe Böschemeyer: Gottestleuchten

Untertitel: Begegnungen mit dem unbewussten Gott in unserer Seele

Der Autor ist Psychotherapeut und arbeitet mit seinen Klienten mit geführten Imaginationsreisen in die Seele. Die Entdeckung, die er dabei gemacht hat, ist faszinierend: Alle seine Klienten – ob im religiösen Sinne gläubig, ob spirituell oder agnostisch – haben im Inneren Bilder, die eindeutig Symbole auf den „unbewussten Gott“ (Victor Frankl) in uns verweisen.

Auch in diesem Buch geht es um den Sinn des Lebens. Alles Leiden kommt daher, dass wir keine Antwort auf diese Frage gefunden haben. Denn nur die Antwort nach dem Sinn gibt dem Leben Halt. Es gibt das Göttliche in uns. Es ist meist unbewusst, kann aber bewusst gemacht werden! Die Grundthese des Buches ist: Die Beziehung zu Gott und dem Göttlichen kann man nicht machen, sondern sich dafür nur öffnen.

Der Autor und Therapeut hat solche Imaginationsreisen in die „Mitte der Seele“ als einen universellen Weg gefunden, das Göttliche in sich zu erfahren und über „ausgebildete Bilder“ bewusst zu machen. Es ist sozusagen der „mystische Weg für jeden“.

Der Autor nennt dies „Wertimaginationen“ und weist ausdrücklich darauf hin, dass dies kein neuer „Heilsweg“ ist oder eine therapeutische Technik, sondern ein „jedem Menschen möglicher Zugang zur geistigen Basis seines eigenen Lebens und damit zum Grund des Seins.“ (S. 23)

Der unbewusste Geist ist die Basis des bewussten Geistes, mehr als das: er ist die Basis menschlichen Daseins überhaupt. Er ist Dreh- und Angelpunkt des Frankl’schen Menschenbildes. Es ist die „Mitte“ der Seele. er ist zugleich der Grund, die Mitte und das Ziel der Weltimagination. (S. 25)

Alle Klienten haben „innere Verbündete“, die oft als männlich und weibliche Verbündete die Menschen auf ihre innere Seelenreise begleiten. Diese Reisen führen sie zu Seelenqualitäten wie dem verborgenen Lachen, der neuen Freiheit, der Mitte der Seele, zum Sinn des Lebens, zur Unverletzbarkeit, zum Ort der bedingungslosen Liebe, zum Lebenstraum, zum Tor der Transparenz, zum Urvertrauen. Dabei begegnen einem persönliche Gestalten wie Engel und andere Vertraute. Das Göttliche wird persönlich erfahrbar. Es sind „personifizierte, reale Gefühlskräfte, die darauf warten, endlich wirken zu dürfen. Sie sind nur darauf aus, sich mit unserem Bewusstsein zu verbinden.“ (S. 124)

Viele spirituelle Bilder zeigen, dass alles Leben trotz seiner unüberschaubaren Vielfalt zusammengehört und eine belebte Einheit und Ganzheit, ein Netzwerk bildet. (S. 127)

Es ist dabei durchaus nicht alles Licht. „Nach dem Studium mehrerer Tausend Wertimaginationen, in denen das Licht eine besondere Rolle einnahm, habe ich die Überzeugung gewonnen, dass im Unbewussten die Dunkelheit zwar quantitativ überwiegt, qualitativ jedoch das Licht stärker ist als sie, jedenfalls für den, der es sucht und sich nach ihm ausrichtet. … Das Dunkle im Leben drängt sich von selbst auf – das Helle muss man suchen … Die dunklen Kräfte kommen ungerufen – für die ‚guten Mächte‘ muss ich mich öffnen.“ (S. 129)

Und wer sich öffnet, der kann das „Gottesleuchten“ erleben! Ein wirklich sehr beeindruckendes Buch, das einen die „Geist-Seele“ in sich erleben lässt: der unbewusste Geist, der sich in den Symbolen der Seele erfahrbar macht.

 

Gottesleuchten: Begegnungen mit dem unbewussten Gott in unserer Seele (Klick)

Fritjof Capra: Verborgene Zusammenhänge

Vernetzt denken und handeln – in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft

 

Das letzte Buch von Fritfof Capra, das ich hier bespreche, wendet seine Erkenntnisse aus einem Systemdenken des Lebens aus auf die Gesellschaft an. Das Ziel Capras ist hier, „eine einheitliche sys­temische Theorie für das Verstehen biologischer und sozialer Phänomene zu entwickeln“ (S. 100)

In der Einleitung zum Buch heißt es:

„In diesem Buch lege ich dar, wie sich das auf die Komplexitätstheorie zugrundeliegende neue Verständnis vom Leben auf den Bereich der Gesellschaft übertragen lässt.“ (S. 11) …

„Meine Ausweitung der systemischen Methode auf den Bereich der Gesellschaft schließt aus­drücklich die materielle Welt mit ein. Das ist ungewöhnlich, denn traditionellerweise interessie­ren sich Sozialwissenschaftler nicht sehr für die Welt der Materie. Unsere akademischen Disziplinen sind nun einmal so organisiert, dass sich die Naturwissenschaft mit materiellen Strukturen befasst, die Sozialwissenschaften hingegen mit sozialen Strukturen, die im Prinzip als Verhaltensregeln verstanden werden. Künftig wird diese strikte Trennung nicht mehr möglich sein …“ (S. 15 f.)

 

„Mit anderen Worten: Die Konstruktionsprinzipien unserer künftigen sozialen Organisationen müssen mit den Organisationsprinzipien vereinbar sein, die die Natur entwickelt hat, um das Lebensnetz zu erhalten. Unabdingbar ist hierfür ein einheitliches begriffliches System zum Verständnis der materiellen und sozialen Strukturen. Dieses Buch will einen ersten Entwurf für ein derartiges System liefern.“ (S. 16)

Zunächst fasst das Buch noch einmal die wesentlichen Erkenntnisse der früheren zusammen als „das Wesen von Leben“ und „Geist und Bewusstsein“. Hier sind alte Erkenntnisse z.B. noch präziser auf den Punkt gebracht. Lebenden Systemen eigen ist nicht nur die Kognition, sondern ihre Fähigkeit zum Neuen:

„Dieses spontane Entstehen von Ordnung an entscheidenden Punkten der Instabilität ist eines der wichtigsten Konzepte des neuen Verständnisses von Leben. Fachlich nennt man es Selbst­organi­sation, oft spricht man einfach von ‚Emergenz‘. Dieses Phänomen der Emergenz ist eines der Kennzeichen von Leben. Es gilt als der dynamische Ursprung von Entwicklung, Lernen und Evolution. Mit anderen Worten: Kreativität – die Erzeugung neuer Formen – ist eine Schlüssel­eigenschaft aller lebenden Systeme.“ (S. 32)

Capra sieht die Überwindung der kartesischen Trennung von Geist und Materie gekommen:

„Geist und Materie gehören nicht mehr zwei separaten Kategorien an, sondern können als zwei komplementäre Aspekte des Phänomens Leben verstanden werden – als Prozessaspekt und als Strukturaspekt. Auf allen Ebenen des Lebens, angefangen bei den einfachsten Zellen, sind Geist und Materie, Prozess und Struktur untrennbar miteinander verbunden. Zum ersten Mal haben wir eine wissenschaftliche Theorie, die Geist, Materie und Leben vereinigt.“ (S. 60 f.)

Capra unterscheidet vier Schulen der Bewusstseinsforschung (S. 67 ff.):

  1. „neuroreduktionistisch“ (Geist = Neurowissenschaften)
  2. „funktionalistisch“ (Geist sogar im Sinne künstlicher Intelligenz)
  3. „mystisch“ (Geist als nicht erkennbares Mysterium)
  4. „neurophänomenologisch“ (Gehirnphysiologie und bewusstes Erleben sind gleichberechtigt und wechselseitig voneinander abhängig)

Ich will hier Capras Kritik an der mystischen Sicht des Bewusstseins ausführlich darlegen:

„Weniger bekannt ist eine kleine Schule von Philosophen, die sich ‚Mystiker‘ nennen. Sie behaupten, das Bewusstsein sei ein tiefes Mysterium, das von der menschlichen Intelligenz aufgrund von deren immanenten Grenzen nie zu ergründen sei. Diese Grenzen wurzeln, aus ihrer Sicht, in einer nicht reduzierbaren Dualität, die sich als die klassische kartesianische Dualität von Geist und Materie erweist. Während uns die Introspektion nichts über das Gehirn als physikalisches Objekt vermittle, könne uns das Studium der Gehirnstruktur keinen Zugang zum bewussten Erleben verschaffen. Da die Mystiker das Bewusstsein nicht als Prozess betrachten und das Wesen eines emergenten Phänomens nicht erkennen, sind sie nicht in der Lage, die kartesianische Kluft zu überbrücken, und gelangen zu der Schlussfolgerung, dass das Wesen des Bewusstseins für immer ein Mysterium bleiben werde.“ (S. 69)

Trotz dieser Kritik an der mystischen Sichtweise des Bewusstseins als „Mysterium“, fasst Capra die Einführungskapitel zusammen nach der Frage der Spiritualität des Lebens.

„Da die Atmung in der Tat ein zentraler Aspekt des Stoffwechselprozesses bei allen Lebens­formen – außer den einfachsten – ist, ist der Atem des Lebens offenbar eine vollkommene Metapher für das Netzwerk von Stoffwechselprozessen, das das definierte Merkmal aller lebenden Systeme ist. Geist – der Atem des Lebens – ist das, was wir mit allen Lebewesen gemeinsam haben. Er nährt uns und hält uns am Leben.“ (S. 97 f.)

 

„Ja, wir gehören dem Universum an, wir sind darin zu Hause, und die Erfahrung des Zugehörigseins kann unser Leben zutiefst sinnvoll machen.“ (S. 99)

Capra bringt den An-Satz seiner Synthese in einen Satz und in die Darstellung eines Dreiecks:

 „Wenn wir lebende Systeme aus der Perspektive der Form untersuchen, stellen wir fest, dass ihr Organisationsmuster ein selbsterzeugendes Netzwerkmuster ist. Aus der Perspektive der Materie ist die materielle Struktur eines lebenden Systems eine dissipative Struktur, d.h.- ein offenes System fern vom Gleichgewicht. Aus der Prozessperspektive schließlich sind lebende Systeme kognitive Systeme, bei denen der Kognitionsprozess eng mit dem Muster der Auto­poise verknüpft ist. Dies ist, kurz gesagt, meine Synthese des neuen wissenschaftlichen Verständnisses vom Leben.
In der Darstellung unten habe ich die drei Betrachtungsweisen als Punkte in einem Dreieck wiedergegeben, um hervorzuheben, dass sie auf grundlegende Weise miteinander verbunden sind. Die Form des Organisationsmusters lässt sich nur erkennen, wenn sie in Materie ver­körpert ist, und in lebenden Systemen ist diese Verkörperung ein fortlaufender Prozess. Somit muss ein vollständiges Verstehen irgendeines biologischen Phänomens alle drei Perspektiven umfassen.“ (S. 101)

„Wenn wir versuchen, das neue Verständnis des Lebens auf den Bereich der Gesellschaft zu übertragen, stoßen wir auf eine verwirrende Vielzahl von Phänomenen – Verhaltensregeln, Werte, Intentionen, Ziele, Strategien, Konstruktionen, Machtverhältnisse, – die in der nicht­mensch­­lichen Welt größtenteils keine Rolle spielen, aber für das Sozialleben des Menschen von wesentlicher Bedeutung sind.“ (S. 103)

Doch mit diesem Übergang zur Selbstrefelexion und Kultur in der menschlichen Gesellschaft erhält das „Dreieck des Lebens“ eine vierte Dimension:

„Sozialwissenschaftler bezeichnen dies oft als die ‚hermeneutische‘ * Dimension, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass in der menschlichen Sprache, die ihrem Wesen nach symbolisch ist, die Sinnvermittlung von zentraler Bedeutung ist und dass menschliches Handeln aus dem Sinn hervorgeht, den wir unserer Umwelt zuschreiben.
Folgleich behaupte ich, dass sich das systemische Verständnis des Lebens auf den soztialen Bereich ausdehnen lässt, indem man den anderen drei Betrachtungsweisen des Lebens die Perspektive von Sinn hinzufügt. Dabei verwende ich ‚Sinn‘ als Kürzel für die Innenwelt des reflexiven Bewusstseins, die eine Vielzahl von miteinander zusammenhängenden Merkmalen aufweist. Ein vollständiges Verständnis sozialer Phänomene muss daher die Integration von vier Perspektiven umfassen – das Studium von Form, Materie, Prozess und Sinn. (S. 104)

Capra-Fußnote: * Vom griechischen hermeneuein = erklären, auslegen

Capra entwickelt diese Begriffe weiter für ein Verständnis von Kultur und Technik.

Das Buch geht im Teil II ein auf die „Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“ mit vielen Ideen für ein nachhaltiges Wirtschaften statt der kurzfristigen Profitorientierung des Globalen Kapitalismus.

Sehr lesenswert ist der Epilog „Die nachhaltige Welt“. Es gibt zwei Trends, die auf Kollisionskurs sind: „Das Ziel der globalen Wirtschaft ist die Maximierung von Reichtum und Macht ihrer Eliten – das Ziel des Ökodesigns ist die Optimierung der Nachhaltigkeit des Lebensnetzes.“ (S. 338)

„Der sogenannte ‚globale Markt‘ ist eigentlich ein Netzwerk von Maschinen, die nach dem Grundprinzip programmiert sind, dass das Geldverdienen den Vorrang vor Menschenrechten, Demokratie, Umweltschutz oder irgendeinem anderen Welt haben sollte.“ (S. 338)

 

„In der gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft geht der zentrale Wert des Geldverdienens Hand in Hand mit der Verherrlichung des materiellen Konsums. Ein nicht enden wollender Strom von Werbebotschaften verstärkt die Wahnvorstellung der Menschen, die Anhäufung materiel­ler Güter sei der Königsweg zum Glück, der wahre Sinn unseres Lebens.“ (S. 339)

 

„Diese Verherrlichung des materiellen Konsums hat tief reichende ideologische Wurzeln, die über Wirtschaft und Politik hinausgehen. Seine Ursprünge liegen offenbar in der universellen Verbindung von Männlichkeit und materiellem Besitz in den patriarchalischen Kulturen.“
(S. 340)

Auch in diesem Wahn nach materiellem Besitz erkennt Capra das patriarchalische Weltbild und seine Verwurzelung in unserem Konsumverhalten. Er wiederholt seine Hoffnung, dass die „Erlösung“ aus diesem Paradigma und Wirtschaftsmuster in der feministischen und ökologischen Bewegung liegt.

„Unter den vielen basisdemokratischen Bewegungen, die sich heute um einen gesellschaft­lichen Wandel bemühen, befürworten die feministische und die ökologische Bewegung den tiefgrei­fend­sten Wertewandel, Erstere durch eine Neudefinition der Geschlechterbeziehungen, Letztere durch eine Neudefinition der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Beide können erheblich zur Überwindung unserer Besessenheit vom materiellen Konsum beitragen.“
(S. 341 f.)

 

„Dementsprechend sucht feministisches Bewusstsein Erfüllung in nährenden Beziehungen und nicht in Anhäufung materieller Güter. Die Ökologiebewegung gelangt zur gleichen Position auf einem anderen Weg. Ökologisches Bewusstsein erfordert systemisches Denken – ein Denken in Beziehungen, Zusammenhängen, Mustern und Prozessen –, und Ökodesigner befürworten den Übergang von einer Güterwirtschaft zu einer Dienstleistung-und-Fluss-Wirtschaft. In einer solchen Wirtschaft zirkuliert die Materie ständig, so dass der reine Konsum von Rohstoffen drastisch reduziert wird.“ (S. 342)

Auch in diesem Buch geht es Fritjof Capra ausschließlich um Geist, Kognition und Bewusstsein, nicht um die Seele. Umso schöner sein Schlussabsatz des Buches, in dem er Václav Havel zitiert, dem tsche­chischer Dramatiker, Essayist, Menschenrechtler und Politiker:

„Die Hoffnung, an die ich oft denke …, verstehe ich vor allem als einen Geisteszustand, nicht als einen Zustand der Welt. Entweder haben wir Hoffnung in uns, oder wir haben keine Hoffnung – sie  ist eine Dimension der Seele und im Grunde nicht von einer bestimmten Beobachtung der Welt oder einer Einschätzung der Lage abhängig … [Hoffnung] ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgehen wird, sondern die Gewissheit, dass etwas sinnvoll ist, egal wie es ausgeht.“ (S. 345)

 

Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Konsequenz Fritjof Capra sein Lebenswerk über 30 Jahre vom „Tao der Physik“ (1975) über „Verborgene Zusammenhänge“ (2002) hinaus verfolgt hat. Jedes Buch ist ein Meilenstein der Analyse, der Vision und der konkreten politischen  Programme weiter auf dem Weg der Umkehr, der Wende, des Neubeginns für eine meschliche Kultur. Längst geht es nicht mehr darum, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Spiritualität zu bauen, sondern das globale Leben wieder einer auf eine nachhaltige Welt auszurichten. Capra ist nicht nur ein Mahner und Visionär, sondern auch ein Prophet und Wissenschaftler, wie wir viele seiner Art brauchen.

 

Capra: Verborgene Zusammenhänge: Vernetzt denken und handeln – in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft (Klick)

 

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