Bettina Franke: Handbuch Alltag

Untertitel: Haltung, Atmung, Lebenssinn

Das Buch muss an seinem Titel scheitern. Er ist viel zu hoch gegriffen. Der Titel erweckt Erwartungen, die das Buch nicht erfüllen kann. Schade. Ich habe bewusst Dan Millmans „Erleuchteter Alltag“ vorher besprochen (> MEHR), ein wirkliches Kontrastprogramm. Ganz unfreundlich gesagt, ist das „Handbuch Alltag“ eine Fußnote zu Millmans „3. Tor – schenke deinem Körper neue Energie“, 15 Übungen eines tägliches Trainingsprogramm für den Körper (S. 109 – 142). Und noch etwas ist auffällig: Die Autorin hat dieses Buch ursprünglich als Übungsbuch für ihre Klienten verfasst. Dieses Begeitprogramm für ihre Heilpraxis kann das Buch nicht abstreifen, „begleitende Arbeit“ wird angeboten.

Genug der „Relativierung“ des Buches! Was ist seine wahre Seele, wenn wir vom Missgriff des Titels absehen?

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Spiritualität in den Alltag integrieren


Ja, vielleicht wäre dies ein passender Titel, ohne gleich ein Komplettprogramm als „Handbuch“ zu versprechen. Denn das Buch setzt bei einem echten Problem vieler spirituell Suchender an: wunderbare Erfahrungen auf Seminaren und Retreats – und dann bricht diese Energie im schnöden Alltag wieder zusammen. Hier setzt das Buch zu Recht an. Es setzt bei der Befreiung unserer Körperintelligenz an. Ein entfremdeter Alltag entfremdet uns auch von unserem Körper. Ihn wieder bewusst wahrzunehmen, ihn zu der würdevollen Haltung seiner wahren Größe zurückzuführen, ist sicherlich auch der Schlüssel. Der bewusste Atem: unserem Körper wieder kraftvolle Seelenenergie einzuhauchen. Wenn wir zu unserer Selbstliebe zurückfinden wollen, dann zeigt sich das zuerst in der Liebe unserem Körper gegenüber, der Achtsamkeit, dem Aufrichten, seine Befreiung von Haltungsschäden. Ein spiritueller, duchlichteter Körper ist einfach anmutig. Die Autorin verweist auf den Zusammenhang zwischen All-Liebe und All-Tag. Der All-Tag ist das „Spielfeld“, um die All-Liebe wirken zu lassen.

Ob Körperarbeit dabei ausreicht? Ich verschärfe meine Frage einmal: Kann Körperarbeit die eigentliche Schattenarbeit ersetzen? Wie mit dem umgehen, was bei den Übungen „hoch kommen“ kann? Ist nicht gerade seine Schatten im Alltag zu durchlichten, seinen Facetten immer bewusster zu werden, der Kern des spirituellen Alltags? Die 17 abschließenden Seiten über Lebenssinn, Lebensaufgabe und Lebensweg sind dazu nicht sehr erhellend.

Mein Fazit: Ich schätze, es ist vor allem ein Frauenbuch für einen spirituellen Alltag. Spirituellle Männer meditieren eher bewegungslos in der Stille (Zen, Mantra). Und wenn Männer ein tägliches körperliches Übungsprogramm absolvieren, wird es anders ausfallen (eher nach Dan Millmans friedlichem Krieger). Es bedarf täglich ca. 2 Stunden Übungszeit. Die von der Autorin besprochene Übungs-CD (mp3-Format) sind sehr hilfreich und erleichtern die Übungen. Sehr angenehm ist, dass die Übungen zwar dem Yoga angelehnt sind, doch so „alltagstauglich“ gemacht sind, dass jede Übende damit keine Probleme hat und sofort „im Anfängergeist“ beginnen kann..

Sie sind – die entsprechende Übungszeit vorausgesetzt – leicht anzuwenden. Das ist zweifellos die Stärke des Buches: Yoga anzuwenden, ohne gleich eine Yoga-Expertin sein zu müssen. Ja! Und noch etwas: Spirituelle Frauen leben ja eher „im Fluss“, im „Geschehen-Lassen“ im „Nichts-Tun“ (einem oft falsch verstandenen Wu-Wei). Das Buch ist schon ein guter Aufruf, sich im Alltag nicht gehen zu lassen, sondern aktiv etwas zu tun. Spiritualität ist auch aktives Handeln. Zweifellos auch eine Stärke des Buches. Es bedarf (eher männliche) Willensenergie, um diese (eher weiblichen) Übungen täglich durchzuführen. Der alltägliche Tanz männlicher und weiblicher Energien. Das ist für mich zweifellos der Schlüssel in einen „erleuchteten Alltag“.

Und vielleicht schließt sich hier der Kreis eines Titels, der für mein Empfinden angemessen wäre: Spiritualität in den Alltag integrieren. Ein körperliches Trainings-Programm für friedvolle Herzenskriegerinnen. Ich denke, das trifft den Inhalt des Buches eher – und würde die Zielgruppe des Buches präziser ansprechen.

Nicht zu vergessen: Das Buch enthält kraftvolle Pinselstriche von Eva Hocke (an ZEN erinnerend) und nahezu unzählige Begleitfotos von Wynrich Zlomke, die neben der Übungs-CD zur praktischen und sicheren Umsetzung der Übungen sehr hilfreich sind.

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