Peter Bieri: Wie wäre es, GEBILDET zu sein?

Mit dem EXTRA: „Die Vielfalt des Verstehens“ Ich bespreche dieses Buch, weil Bildung und Selbstbildung mein Thema ist – obwohl das Büchlein mich auf nahezu jeder Seite zum Widerspruch reizt. Ich trenne meinen Widerspruch gegenüber der Buchbesprechung in einer polemischen Replik  (> Mehr). Im A6-Format mit 93 Seiten enthält zwei Essays (Vorträge), das erste Essay (S.7  – 41) trägt den

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Peter Bieri: Wie wäre es, GEBILDET zu sein?

Mit dem EXTRA: „Die Vielfalt des Verstehens“

Ich bespreche dieses Buch, weil Bildung und Selbstbildung mein Thema ist – obwohl das Büchlein mich auf nahezu jeder Seite zum Widerspruch reizt. Ich trenne meinen Widerspruch gegenüber der Buchbesprechung in einer polemischen Replik  (> Mehr). Im A6-Format mit 93 Seiten enthält zwei Essays (Vorträge), das erste Essay (S.7  – 41) trägt den Titel des Büchleins, das zweite den Titel: „Die Vielfalt des Verstehens – über die Sprache der Wissenschaft und die Sprache der Literatur“ (S. 43 – 93). Der Autor versteht den Menschen als „sprechendes Tier“ (S. 17), so macht des Sinn, sein Verständnis über Sprache (also den zweiten Teil) genauer zu verstehen. Tatsächlich hat mich der zweite Teil dem ersten gegenüber versöhnlicher gestimmt.

Der Titel ist schon etwas merk-würdig, irritierend, nahezu provokativ – und so geht es im ganzen Text weiter.

Der Autor unterscheidet erst einmal Ausbildung und Selbstbildung:

Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel, etwas zu können. Wenn wir uns dagegen bilden, arbeiten wir daran, etwas zu werden – wir streben danach, auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu sein. (S. 7 f.)

(Selbst-) Bildung unterscheidet der Autor im Folgenden

  • als Weltorientierung
  • als Aufklärung
  • als historisches Bewusstsein
  • als Artikuliertheit
  • als Selbsterkenntnis
  • als Selbstbestimmung
  • als moralische Sensibilität
  • als poetische Erfahrung

Zusammenfassend: Bildung ist Leidenschaft bis zum „heftigen Ekel“ (S. 40) allem gegenüber, was Bildung verhindert.

Die Thesen des Autors sind sehr dicht. Es lässt sich nicht wirklich „zitieren“. Ich will nur zwei (Kern-) Sätze herausgreifen, um einen Geschmack über den besonderen Schreibstil des Autoren zu geben:

Der Gebildete, können wir nun sagen, ist einer, der über seine seelische Gestalt selbst bestimmt, indem er sich nicht an das einmal aufgebaute Selbstbild klammert, sondern einen stetigen Prozess erneuter Selbstbewertung zulässt und die damit verbundene Unsicherheit aushält, das Ganze im Bewusstsein der Kontingenz. Dadurch wird er im emphatischen Sinne ein Subjekt. (S. 33 f.)

Und der letzte Satz des 1. Essays:

Ein wahrhaft Gebildeter scheut sich auch nicht vor Donquichotterien und davor, für lächerlich gehalten zu werden. Denn wie gesagt: Es geht um alles. (S. 41)

Die Vielfalt des Verstehens

Im zweiten Essay geht es in diesem Stil weiter:

Die Sprache verwandelt die Welt als eine Dimension kausaler Kräfte in eine Dimension verständlichen Geschehens. Wir sind von morgens bis abends damit beschäftigt zu verstehen, was um uns und in uns geschieht. Das können wir nur, weil wir sprechende Tiere sind. (S. 45)

Der Autor unterscheidet „Natur verstehen“ (S. 51 – 52) und „Handlungen und ihre Gründe verstehen“ (S. 52 – 58) und schlussfolgert:

Wenn es um Kontrolle, messgenaue Vorhersagen und Machbarkeit geht, brauchenb wir den einen Filter (des Verstehens, JS), wenn wir Vernünftigkeit und Sinn im menschlichen Tun erkennen wollen, den anderen.“ (S. 63)

Bei dem abschließenden Teil über die Sprache der Literatur (S. 63 – 93) geht es um „erzählendes Verstehen“ (S. 64) mit einigen erhellenden Beispielen literarischer Sprachkunst der Genauigkeit. Auch hier noch ein Stil-Beispiel des Autors, was „sprachlicher Schutt“ sei:

„klebrige Sprachgewohnheiten, tradierende Kategorienfehler, verrutschte Bilder, leer laufende logische Partikel, versteckte Widersprüche, unerkannte Redundanzen.“ (S. 68)

Alles klar?

Laszlo / Peake: Unsterbliches Bewusstsein

Untertitel: Kontinuität des Selbst jenseits des Gehirns

Das Buch beginnt im Prolog im ersten Satz gleich mit der „großen Frage“:

„Endet unser Bewusstsein – unser Geist, unsere Gedanken, unsere Seele – mit dem Tod unseres Körpers?“ (S. 9) Und als wichtige Endnote zu diesem Satz: „Wir sollten Bewusstsein und Gedanken synonym verwenden, von Geist und Seele aber nur im spirituellen und/oder religiösen Kontext sprechen.“ (S. 10)

Das Buch sucht also nicht die „Unsterblichkeit von Geist und Seele zu beweisen – möglicherweise ist es im streng wissenschaftlichen Sinne nie zu „beweisen“. Es geht vielmehr um einen auch in der Wissenschaft gängigen Begriff des „Bewusstseins“. Das Buch hält sich streng an wissenschaftliche Kriterien – und das macht es so spannend und für wissenschaftlich denkende Menschen so attraktiv! Dieses Buch könnte die Geburtsurkunde eines neuen „Paradigmas“ in der wissenschaftlichen Bewusstseinsforschung sein, insbesondere in welchem Verhältnis Gehirn und Bewusstsein stehen. Das alte (materialistisch-mechanische) Paradigma geht davon aus, dass zuerst das Gehirn da ist und das Bewusstsein ein Epiphänomen ist.

1. Teil: Die Evidenz

Es heißt, die Wissenschaft beginne mit der Erhebung empirischer Daten. Genau dem dient dieser erste Teil, der drei Viertel des Buches umfasst (120 von insgesamt 180 Seiten). Hier werden Belege zusammengetragen zu den Themen

  • Nahtoderfahrung
  • Nachtod-Kontakte
  • Kommunikation über Medien
  • Instrumentelle Transkommunikation
  • Erinnerung an frühere Leben
  • Reinkarnation

Jedes der zusammengetragenen empirischen Belege werden dabei von den Autoren einzeln in der Bedeutung gedeutet, als erste Schlussfolgerung zusammenfassend unter „Bewusstsein jenseits des Gehirns“ (S. 126 f.):

Offenbar wird bei Nahtoderfahrungen, Erscheinungen und Visionen, nachtodlicher Kommunikation, medial bzw. instrumentell vermittelter Kommunikation, bei Erinnerungen an frühere Leben und reinkarnationstypischen Erlebnissen ein „Etwas“ kontaktiert, bei dem es sich um ein menschliches Bewusstsein zu handeln scheint. Die vorhandenen Beweise zeigen, dass dieses „Etwas“ nicht nur eine passive Aufzeichnung der Erfahrungen einer verstorbenen Person ist, sondern eine dynamische, intelligente Wesenheit, die kommuniziert, Informationen austauscht und mitunter sogar den Drang verspürt, sich mitzuteilen.

Also: Das Bewusstsein überdauert empirisch offensichtlich das Gehirn. Die anschließende Frage ist natürlich: „Doch wie ist der möglich?“ Der zweite Teil des Buches stellt einen Erklärungsansatz vor, „der weder improvisiert ist noch sich auf esoterische Konzepte stützt, sondern auf den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und der Bewusstseinsforschung basiert.“ (S. 127)

2. Teil: Die Wissenschaft: Kosmos und Bewusstsein

In der (materialistischen) Wissenschaft selbst ist ein „Paradigmenwechsel“ festzustellen, die nicht Materie, sondern Information(sfelder) „als Urgrund der Realität begreift“. (S. 131).

Hier greifen die Autoren auf den alten westlichen Begriff des „Äthers“ bzw. „Spiritus“ (Gordano Bruno) zurück bzw. dem östlichen Begriff des „Akasha“ zurück und sehen diese intuitiven Ansätze der Prämodernen in der modernen Theorie des Informations-Hologramms wissenschaftlich bestätigt:

Wenn die Raumzeit ein Hologramm und jeder Quant mit sämtlichen anderen Quanten verschränkt ist, dann muss sich jede Zustandsänderung eines beliebigen Quants auch im Zustand aller Quanten niederschlagen. (S. 140)

Es gibt offensichtlich als naheliegende Schlussfolgerung eine Dimension jenseits dieser allumfassend verschränkter (alles interagiert mit allem) „Raumzeit“:

Dieser der wahrnehmbaren Welt zugrunde liegende Dimension bildet ein vollständiges Ganzes, eine holographische Gesamtheit ohne Raum und Zeit. Die A-Dimension des Akasha stellt den eigentlichen LOGOS des Kosmos dar. (S. 142)

Und was hat diese „verborgene A-Dimension“ mit Bewusstsein zu tun? Kurz: Diese Dimension IST das EINE Bewusstsein, die in-formiert, in Form geht. Und jedes „individuelle“ Bewusstsein ist „untrennbarer Teil“ des allgemeinen, kosmischen Bewusstseins.

Diese grundlegende Erkenntnis, dass das Bewusstsein nicht vom Gehirn hervorgebracht wird, dürfte durch künftige Forschungsergebnisse kaum mehr umgestoßen werden. Bewusstsein ist ein kosmisches Phänomen, das vom Gehirn lediglich vermittelt und zur Entfaltung gebracht wird. (S. 148)

3. Teil: Die Erklärung

Der dritte Teil bringt den ersten (Empirie) und den zweiten (moderne wissenschaftliche Theorien) zu einem einheitlichen Erklärungsansatz zusammen und kommen zu der Schlussfolgerung:

Nachdem wir das vorhandene Beweismaterial ausgiebig gesichtet haben, können wir diese Frage („die große Frage“, s.o., JS) jetzt positiv beantworten: Mit dem Ableben unseres Körpers hört unser Bewusstsein nicht auf zu existieren, sondern lebt in einer anderen Dimension des Kosmos fort – in jener geheimnisvollen Sphäre, für den wir den alten Namen Akasha aufgegriffen haben.“ (S. 167 f.)

 

Ein neues Paradigma wäre keines, wenn es nicht auch eine neue VISION hätte. Dies ist nahezu „atemberaubend“ (doch nicht im tödlichen Sinne zu verstehen) 🙂 das Zeitalter der bewusst angenommenen Unsterblichkeit!

Mein Fazit: 

Das Buch verbindet die aktuell aufregendsten Bereiche der Wissenschaft – Neurophysiologie, Quantenfeld und Kosmologie – mit spiritueller Weisheit. Selbst wenn man Buch nur als stringent durchgezogene wissenschaftliche Hypothese mit großem Wahrscheinlichkeitswert erkennen kann, es ist ein großer Wurf mit der Vieion eines neuen Zeitalters der Unsterblichkeit. Bekanntlich sind Menschen sterbliche Götter und Götter unsterbliche Menschen. Das Buch baut auch eine Brücke zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen.

Ida Friederike Görres: Sohn der Erde – der Mensch Teilhard de Chardin

Untertitel: Drei Versuche

Die vorläufig letzte und elfte Buchbesprechung einer kleinen Reihe über Teilhard de Chardin.

Die Autorin Ida Friederike Görres (1901 – 1971) hat in der katholischen Kirche eine herausragende Rolle gespielt, selbst Adelige und mit der französischen Sprache so gut vertraut, dass sie vieles aus den damals gerade fertig gestellten französischen Werkausgabe ins Deutsche für ihr Buch übersetzt hat, was allerdings die Zitat-Nachweise gegenüber der später erschienenen deutschen Werkausgabe erschwert.

Doch dieses Buch ist nicht nur eine Fundgrube an charakteristischen Zitaten, sondern zeigt auch eine weibliche und sehr einfühlsame Sicht auf Teilhard de Chardin. Sie glorifiziert ihn nicht, sonder distanziert sich eher von falscher Verherrlichung beispielsweise des ersten französischen Teilhard-Biographen Claude Cuénot. Darüber hinaus stellt sie die die große Rolle von Frauen in Teilhards Leben heraus. Die bescheiden formulierten „Versuche“ treffen genau den Kern von Person und Werk Teilhard de Chardins:

  1. Die Kriegsbriefe Pierrs an seine Cousine Marguerite
    Es ist die Zeit seines mystischen Erwachens, seiner erwachenden Liebe zu Frauen und der Formulierung seines Lebensthemas: der Versöhnung zwischen Gott und Welt, Religion und Wissenschaft, Glaube und Wissen.
  2.  Die Auseinandersetzung mit der Biographie von Cuénot und das Zurechtrücken falscher Glorifizierung
    Sie macht aus dem Heroen Teilhard einen Menschen mit seinen Schwächen und Stärken. Die „zwei Personen“ Pierrs als 1. stiller, frommer, vertrauensseliger Priester und 2. als mutiger Revolutionär, der die Welt aus den Angeln heben will, ein „neues Zeitalter“ ankündigt, arbeitet sie sehr sensibel heraus
  3. Die Rolle der Frauen im Leben Teilhard de Chardins
    Hier analysiert und interpretiert sie sehr treffsicher den Schlussakkord (sie nennt es „Clausule“) in Teilhards Werk „Das Herz der Materie“, nämlich das Schlusskapitel „Das Weibliche oder das Einigende“

Das Buch ist voller Perlen aus einer „kritischen Hochachtung“ heraus. Sie relativiert auch die ganze Thematik der „Verbannung von Teilhard de Chardin“ durch Kirche und Orden. Die „Oberen“ hatten kaum eine Chance, ihn zu verstehen. Sie hatten einen gewissen Respekt vor ihm, aber auch Angst. Die Autorin bringt gute Hinweise, diesen Konflikt zwischen Pater Teilhard und den Oberen zu entdramatisieren und versöhnlich betrachten zu können. Für mich ist dieses Buch unverzichtbar, das „Mysterium Pierre Teiilhard de Chardin“ einigermaßen angemessen betrachten zu können.

Teilhard de Cardin: Das Herz der Materie

Untertitel: Kernstück einer genialen Weltsicht

Keiner hat behauptet, Teilhard de Chardin zu lesen, sei einfach. Doch Kant, Hegel, Heidegger oder andere zu lesen, ist auch nicht einfach. Teilhards Sprache als Jesuitenpater ist zudem keine rein philosophische, sondern eine eigenartige Mischung aus philosophischer, poetischer, theologischer, profetischer und wissenschaftlicher Sprache. Dazu kommt die Problematik der Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche.

Schriften von Teilhard de Chardin sind keine Lehnstuhl-Lektüre. Sie wollen studiert werden, Kersätze können nur meditativ erfasst werden. Wie wäre es beispielsweise hiermit: „Sich vergeistigen = sich entmaterialisieren“ (S. 68) Dieses Buch ist vom Autor 1950 verfasst worden, 5 Jahre vor seinem Tod (1881 – 1955), eine Art Testament seines Lebens-Werkes. Es bringt darin die „Evolution seines Denkens“ und den Kern seiner neuen „Religion der Evolution“ oft formelhaft (im Sinne einer wissenschaftlichen Formel) auf den Punkt.

Was mich an diesem Buch am meisten fasziniert: Der Autor meint es mit der Liebe ernst! Heute sagen die einen „Alles ist Energie“, die anderen „Alles ist Bewusstsein“. Und was ist mit LIEBE? Unsere Intuition und unser religiöses Empfinden sagen uns: „Alles ist Liebe“. Doch in welchem Zusammenhang stehen dann Liebe, Energie und Bewusstsein? (Keine schlechte Frage, oder?)

Pierre Teilhard de Chardin hat diese Frage beantwortet, ohne dass es viele mitbekommen hätten, sonst wären wir heute in unserem Bewusstsein weiter. Und damit ist er aktueller denn je, vielleicht schließen wir langsam auf seine Bewusstseinshöhe auf. Das Entscheidende für ihn ist die Liebe, die evolutiv wachsende Durchseelung der Materie und des Kosmos. Er nennt dies im Sinne eines wissenschaftlich neuen Begriffes: AMORISATION. (Amor = Gott der Liebe) 

Nun wird man den Begriff der „Amorisation“ wohl in keinem wissenschaftlichen Wörterbuch finden. Also ist Teilhards Theorie keine wissenschaftliche … Zu dieser Schlussfolgerung könnte ein einfältiges Denken kommen. Ein visionäres Denken dagegen könnte zu einer ganz anderen Schlussfolgerung kommen: Solange der Begriff der „Amorisation“ nicht das Herz der Wissenschaften ist, sind wir noch weit von einer „Heiligen Wissenschaft“ entfernt. NUR EIN WORT, und unsere Wissenschaft wird ist heil und heilig.

Ich will aus diesem Buch noch eine andere Teilhardsche zentrale Formel kurz besprechen: „Gott über uns“ = „Gott vor uns“ (S. 79) „Gott über uns“ – ist ja noch zu verstehen: „Gott im Himmel“, der Gott aller traditioneller Religionen. Aber „Gott VOR uns“? … Das ist nach Teilhard der Gott der ZUKUNFT, der Gott am „Punkt OMEGA“. Dann wird die Menschheit völlig vergöttlicht sein. Dann ist aus dem EINEN JESUS von Nazareth ein KOSMISCHER CHRISTUS geworden. Das kann man allerdings nur meditativ in seiner mystischen Tiefe erfassen.

Das Buch hat drei Teile, „eigentlich“ sogar vier:

  • Das Kosmische oder das Evolutive
  • Das Menschliche oder das Konvergierende
  • Das Christliche oder das Zentrische
  • Das Weibliche oder das Einigende (als Schlussakkord)

Alleine das Inhaltsverzeichnis ist ja schon Poesie!

Das Buch hat einen Anhang mit drei mystischen Schriften von Pierre Teilhard de Chardin:

  • Christus in der Materie
  • Die geistige Potenz der Materie
    mit: Hymne an die Materie
  • Die Messe über die Welt

Eine Wohltat in Zeiten des Wahnsinns „Es gibt keine Materie.“ (Als ob es auch nur einen Menschen ohne MUTTER gäbe; wir sind alle Kinder von Mutter Erde – als das Ewig-Weibliche.)

Das Buch ist wirklich das Herz der Weltsicht Pierre Teilhard de Chardins. Wenn man genügend „Einführungs-Literatur“ (wie seine > Biographie von Günther Schiwy) gelesen hat, dann kann man sich an dieses konzentrierte Werk (die Essenz) heran machen. Wer tiefer einsteigen will, der lese dazu sinnigerweise das „Teilhard de Chardin Lesebuch“ herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy (> meine Buchbesprechung). Die ausgewählten Teilhard-Texte von Günther Schiwy entsprechen dem Aufbau von „Das Herz der Materie“. Beide Bücher lassen sich gut „parallel“ lesen.

Günther Schiwy: Das Teilhard de Chardin Lesebuch

Ein Wort zu dem Herausgeber des Buches: Günther Schiwy. Er war wie Teilhard de Chardin Jesuit und Priester. Er ist nicht nur ein großer Kenner Teilhard de Chardins und durch deine zweibändige Teilhard-Biographie (> meine Buchbesprechung) zu dessen 100. Geburtstag 1981 bekannt geworden, sondern hat über 10 Jahre intensiv daran gearbeitet,  Teilhard de Chardin im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Der Werkausgabe in Frankreich waren beendet, das meiste ins Deutsche übertragen, zu dem der Herausgeber des Buches selbst seinen Beitrag geleistet hat. Das sehr autobiographische Buch „Das Herz der Materie“ (1950 im französischen Original abgeschlossen, erst 1976 in Frankreich veröffentlicht) fand erst 1990 eine erste deutsche Übersetzung, an dem Günther Schiwy selbst mitgewirkt und das Vorwort verfasst hat.

Dieses Lesebuch, 1987 erstmals erschienen,  aus Texten von Teilhard de Chardin ist aus wirklich sehr kompetenter Redaktion. Günther Schiwy geht in der Abfolge ganz konsequent dem letzten großen Werk Teilhard de Chardins nach, dem „Herz der Materie“, und liefert sozusagen das Textmaterial zu diesem Buch. Darüber hinaus ist das „Lesebuch“ reichlich von ihm im Ganzen und in den acht Kapiteln eingeführt.

Die insgesamt 59 Texte sind in acht Kapitel eingeteilt:

  1. Das Herz der Materie
  2. Der Aufstieg der Menschheit
  3. Die Entwicklung des Bewusstseins
  4. Die Allgegenwart der Liebe oder das Ewig-Weibliche
  5. Die Mystik der Wissenschaft
  6. Die Krisen des Wachstums
  7. Die Religion von morgen
  8. Das neue Zeitalter

Nicht zu vergessen ist das zum Glossar ausgebaute Register, das ein leichteres Verständnis des Teilhardschen Vokabulars und „Jargons“ ermöglicht

Beide Bücher zusammen, Teilhards „Das Herz der Materie“ und dieses Lesebuch sind eine abgerundete Einführung in das Denken dieses großen Visionärs einer spirituellen Evolutionstheorie.

Günther Schiwy: Teilhard de Chardin (2 Bände)

Untertitel: Sein Leben und seine Zeit

Das zweibändige Werk ist eine herausragende Biographie Pater Pierre Teilhard de Chardins, die zu dessen 100. Geburtstag 1981 erschien. Der Autor war seit 1979 auf den Spuren Teilhards in Frankreich, ihm wurden alle Türen geöffnet, nicht nur um diese Biographie zu schreiben. Ihn sollte Leben und Werk von Teilhard de Chardin mehr als die nächsten 10 Jahre intensiv beschäftigen. Er hat ausgewählte Texte von Teilhard aus den Essays und Briefwechsel zum Teil neu übersetzt, kommentiert  und herausgegeben, wie „Das Herz der Materie“. Günther Schiwy hat sich nicht nur mit dieser Biographie große Verdienste erworben, das Interesse an Teilhard de Chardin in den 80er im deutschsprachigen Raum wieder aufleben zu lassen. Der Autor hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass nach der vollendeten deutschsprachige Werkausgabe von Teilhard de Chardin Anfang der 70er Jahre mit der Biographie abgerundet werden konnte.

Wenn jemand den Jesuitenpater Teilhard am besten verstehen sollte, dann selbst ein Jesuit und Priester wie der Autor. Doch mehr noch. Teilhards größtes Problem war wahrscheinlich nicht der Konflikt mit seiner Kirche und seinem Orden, sondern der Konflikt in seiner Liebe zum Weiblichen und zu Frauen. Der Biograph Günther Schiwy selbst hat diesen Konflikt erlebt und nicht anders lösen  können als aus dem Jusuitenorden auszutreten, das Priesteramt niederzulegen und seine geliebte Frau zu heiraten. Das spricht für ihn als DEN deutschsprachige Biograph, der sich in das Innenleben Teilhards einfühlen konnte wie kein anderer. Als später weitere Briefe auftauchten, gab Schiwy einen die Biographie ergänzenden Band heraus „Eine heimliche Liebe. Lucile Swan und Teilhard de Chardin“ (2005) – zu Teilhards 50. und Luciles 40. Todestag, sehr mitfühlend für dies erotische, aber sexuell unerfüllte Liebe.

Wenn man sich tiefer mit Teilhard de Chadin beschäftigen will, kommt man an dieser Biographie nicht vorbei. Der erste Band endet 1923 vor Teilhards ersten Reise nach China: Er ist als Mystiker an der Front des ersten Weltkrieges erwacht, war tief berührt von der Liebe zu einer Cousine, hatte das erste Essay zum „Ewig-Weiblichen“ verfasst, seine auch wissenschaftliche Ausbildung in Paris beendet, war zum Propheten einer Neuen Menschheit, aber auch einer Neuen Theologie gereift. Der Autor geht den vielen Einflüssen nach, die Teilhard und seine „prophetische Sprache“ geprägt haben.

Den zweiten Band ab 1923 bis zu seinem Tod 1955 stellt vor allem die Gespräche, die Teilhard gesucht hat, auch und gerade mit Andersdenkenden, dabei auch in sehr intimen Gesprächen mit Frauen. Dem Biographen Günther Schiwy ist es gelungen, dem Leser das innere Leben von Teilhard de Chardin zu öffnen.

Beide Bände zusammen genommen haben einen Umfang von ca. 650 Seiten und sind reichlich bebildert. Ich will seine Hommage an den französischen Biographen zitieren: „Für hilfreiche Anteilnahme danke ich vor allem Claude Cuénot, dem ersten und unüberholbaren Biographen Teilhards, ferner den Freunden Teilhards, die mir Erinnerungen und Bildmaterial überlassen haben.“ (Bd. 2, S. 290)

Zu erwähnen ist, dass es dazu auch eine gekürzte Taschenbuch-Ausgabe (dtv) aus dem Jahre 1985 gibt, ohne Bildmaterial und um ca. die Hälfte gekürzt.

 

Günther Schiwy: Der kosmische Christus

Untertitel: Spuren Gottes ins Neue Zeitalter

Zunächst ein paar Worte zum Autor: Er hat sich als deutscher Biograph von Teilhard de Chardin einen Namen gemacht. 1981 erschien zu dessen 100. Geburtstag die zweibändige Biographie „Teilhard de Chardin. Sein Leben und seine Zeit“. Doch seine Arbeit für das Bekanntwerden von Teilhard im deutschsprachigen Raum ging weit über die Teilhard-Biographie hinaus. Er veröffentliche ausgewählte Werke von Teilhard und war zum Teil mit verantwortlich dafür, dass Bücher oder Briefwechsel überhaupt ins Deutsche übertragen wurden.

Er hatte mit den Vorbereitungen „auf den Spuren Teilhards in Frankreich“ 1979 begonnen und mit diesem Werk „Der kosmische Christus“ nach 10 Jahren den Höhepunkt seiner Arbeit der Öffentlichkeit vorgelegt. 1989: als der Ostblock durch Gorbatschows „Peristroika“ zusammenbrach und ich die Mauer in Deutschland fiel.

Günther Schiwy war – wie Teilhard de Chardin – selbst Jesuit und Priester, im Gegensatz zu ihm hat er 1970 seinen Orden verlassen, um seine geliebte Frau heiraten zu können. Ihm ging die Liebe vor der Ordensdiziplin des Zölibates. Als dann 1982 die ersten New-Age-Bücher vom „Neuen Wassermann-Zeitalter“ kündeten, zeigte er dafür Sympathie. Er wusste darum (wie Teilhard de Chardin), dass sich das Christentum erneuern musste – und sah in der New-Age-Bewegung das Aufkommen einer „Neuen Spiritualität“. Der Gest des neuen Zeitalters würde aber der GEIST GOTTES sein. Ja, er fand immer mehr Zugang auch zu der Vorstellung, dass diese „Neue Spiritualität“ und das erneuerte Christentum im Kern weiblich sein müsste.

Von seinen Kritikern, den christlichen Theologen, wurde er (krass ausgedrückt) als Verräter angesehen und nur noch als „New-Age-Anhänger“ gewertet. Zwei Jahre vor „Der kosmische Christus“ war sein Buch „Der Geist des Neuen Zeitalters“ (> meine Buchbesprechung) noch der Aufruf zu lesen, dass diese beiden Strömungen im Sinne einer „Neuen Spiritualität“ zusammenarbeiten sollte.

Dieses Buch von 1989 lässt diesen Streit jetzt fallen (es ist keine Streitschrift mehr), sondern ist ein offenes Bekenntnis von Günther Schiwy für den Kosmischen Christus. „Ich schreibe das Buch als Zeugnis meines eigenen Glaubens an den Kosmischen Christus, eines Glaubens, der sich als Niederschlag meines religiösen Lebens mit der Zeit herausgebildet hat.“ Hier zeigt er sich als Schüler Teilhards zur Entwicklung von dessen Lehre.

Die „schönste Entdeckung“ bei Teilhard de Chardin ist für ihn „Das Ewig-Weibliche“, in den Worten Teilhards: „Eines Tages wird nur noch ‚das Ewig-Weibliche‘ bleiben, der einende Zauber des totalen Christus.“ (15. März 1918), im Buch S. 32.

Und Günther Schiwy schreibt für sich selbst:

Für mich gab es da erstaunlicherweise keine Widersprüche: die Liebe zu meiner Frau erfuhr ich zugleich als Liebe zum Ewig-Weiblichen und darin zum Kosmischen Christus – heute kann ich es so formulieren. (S. 33)

Als Liebender hat er so auch einen tieferen Zugang zu Teilhard:

Er, auch Priester und Jesuit, ist es zwar bis an sein Lebensende geblieben. Nichtsdestotrotz hat er auch erlebt, wie die gleiche Anziehungskraft, die man als Priester dem Kosmischen Christus gegenüber verspürt, durch die Liebe zu einer Frau verstärkt wird. Teilhard hat sogar den Kosmischen Christus erst durch die Liebe einer Frau für sich entdeckt, und hat sein Leben lang nicht ausgehört, über das Verhältnis des Kosmischen Christus zum Ewig-Weiblichen nachzudenken, mit dem Ergebnis, daß er das Ewig-Weibliche sprechen läßt: „Ich bin der anziehende Reiz Christi; ich bin Christus.“ (S. 33 f.)

Der Autor geht diesem „Ewig-Weiblichen“ auch im Alten Testament nach und findet in SOPHIA des Gottes Geistin. Die Weisheit des Göttlichen ist weiblich. Hier wird seine Christologie feministisch.

Jesus ist die Offenbarung der Geistin Gottes, der Gegenwart Gottes in der Schöpfung. Jesus ist als „der Herr“ auch „der (das) Geist(wesen)“ selbst, er ist die menschlich und kosmosgewordene Liebe Gottes.“ (S. 57)

Das Buch geht der Idee des Komischen Christus bei Mystikern, Religionen, Philosophen und Dichtern nach. Er stellt die Frage:

Wenn Gott als der Kosmische Christus, der wiederum die Weltwerdung der göttlichen Sophia, der Weisheit, ist, die Welt erfüllt: Muß dann nicht der menschliche Geist, wenn er sich in letzter Anstrengung um den letzten Grund dieser Welt bemüht, auf den Kosmischen Christus stoßen? (S. 107)

Er findet in dieser Frage auch Berühungspunkte von Teilhard de Chardin (über Edouard Schuré) zur Esoterik der theosophischen Gesellschaft und zur Christologie von Rudolf Steiner bis hin zur Findhorn-Bewegung und zitiert die Christosophie von Arthur Schult.

Als „Finale“ zum Buch möchte ich noch den Satz zitieren:

Die Spuren Gottes, die wir als Spuren des Kosmischen Christus in Geschichte und Gegenwart ausfindig gemacht haben, weisen in die Zukunft, in ein Neues Zeitalter, das mehr als andere vor ihm ein mystisches Zeitalter sein wird. (S. 148)

Es erinnert mach an den Satz: „Die Zukunft der Menschheit wird spirituell sein, oder sie wird nicht sein.“ (Den Urheber weiß ich aber nicht mehr.)

Günther Schiwy: Der Geist des Neuen Zeitalters

Untertitel: New-Age Spiritualität und Christentum

Das Buch ist aus dem Jahre 1987. Der Autor Günther Schiwy ist keinesfalls ein „New-Age-Anhänger“, der mit Aussagen zu Teilhard de Chardin flirtet (wie es in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts häufig der Fall ist), sondern ein ausgewiesener Kenner Teilhard de Chardins im deutschsprachigen Raum, der Sympathie für das New-Age empfindet.

Schiwy selbst ist Theologe, hat an der Jesuitenhochschule St. Georgen (Frankfurt a.M.) sein Theologiestudium abgeschlossen und sich als Jesuit und Priester verstanden. Er trat 1970 aus dem Orden aus, um seine geliebte Frau heiraten zu können und ging nun seinen eigenen, freien Weg, der ihn dann in den 80er Jahren zu einem Kenner Teilhard de Chardins werden lies. Bekannt wurden seine beiden Bände zur Biographie Teilhards zu dessen 100. Geburtstag 1981.

In den Anfängen des New-Age sieht der Autor ein ganz deutliches Wiederbeleben der kosmischen und evolutionären Ideen Teilhard de Chardins, mit denen er sehr sympathisiert. Das Buch versucht, das Christentum für die „New-Age-Spiritualität“ zu öffnen. Es war auch die Zeit reif geworden, dass die Katholische Kirche sich den Gedanken und dem Geist Teilhards immer mehr öffnete. Schiwy sah in dem „Neuen Zeitalter“ der New-Age-Anhänger das Neue Zeitalter des Heiligen Geistes und wies in diesem Buch auf die Verwandtschaft hin, eine wirklich mutige Brücke zwischen New Age und Christentum! Das Buch endet mit den Worten:

Der Geist des Neuen Zeitalters ist der Geist Gottes. Das lässt uns hoffen und fordert uns auf, an der „sanften Verschwörung“ mitzuwirken. (S. 109)

Die „safte Verschwörung“ bezieht sich auf die „Bibel“ des New Age von Marilyn Ferguson: „Die sanfte Verschwörung. Persönliche und Gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermanns“ mit einem Vorwort von Fritjof Capra. Günther Schiwy war wie Teilhard ein Prophet und Visionär. Er ahnte, wie wichtig die Kon-Spiration in LIebe (ein zentraler Begriff von Teilhard) als „Zusammen-Atmen“ zwischen New-Age und Christentum für die Erneuerung einer wirklich authentischen Religion der Liebe, einer „Neuen Spiritualitär“ sein würde.

Das Buch ist ein Schatz! Schätze sind alt, müssen vor dem ewigen Verschwinden und Vergessen bewahrt und wieder ausgegraben werden. 70% des Textes sind wichtige Zitate aus der damaligen Zeit, die der Autor erläutert und in einen Zusammenhang stellt. Es ist ein extrem wichtiges Büchlein zum Zeitgeist in den 80er Jahren. (Ich habe vieles aus meinen 30ern wiedererkannt und neu integrieren können.)

Ich will hier nur erwähnen, dass der Autor nur 2 oder 3 Jahre später seine eigene Vision des „Kosmischen Christus“ schreibt. In diesem Buch) (> meine Buchbesprechung) geht er selbst an das Werk heran, die Theologie Teilhards und die Neue Spiritualität des New-Age (mit großen autobiographischen Zügen) miteinander zu integrieren. Ich wundere mich gar nicht, dass sich die Rezension dieses Buches kurz vor Pfingsten 2018 schreibt!

Ruediger Dahlke / Veit Lindau: OMEGA

Untertitel: Im inneren Reichtum ankommen

Wenn zwei Erfolgsautoren, die schon erfolgreiche Bücher über Geld geschrieben haben, sich zusammen setzen, um gemeinsam noch einmal ein Buch über Reichtum zu schreiben, dann muss dies schon ein ganz besonderes Projekt sein! Und das ist es auch. Ich will nicht gleich sagen, dass es mit dem „Kommunistischen Manifest“ zu vergleichen ist, doch es hat etwas in diese Richtung: kein seelenloser Materialismus wie bei Marx und Engels, sondern ein beseelter Materialismus, bei dem auch die Materie (bis hin zur Erscheinungsform des Geldes) geheiligt ist. Geheiligt ist heil, wieder „ganzgeworden“.

Das Thema – innerer Reichtum und Erfüllung im Leben – ist beiden Autoren ein Herzanliegen. Veit Lindau schreibt gleich in der Einleitung: „Doch Ruedigers und mein Anliegen ist es definitiv nicht, dich mit einem weiteren „Auf der Jagd nach der ersten Million“-Buch in die Irre zu führen.“ (S. 20) Und Ruediger Dahlke ergänzt: „Jetzt geht es uns, Veit und mir, um den Aufbau eines so großen Feldes von Bewusstheit, dass wir den Tipping Point, den springenden Punkt, und die kollektive Umkehr schaffen.“ (S. 43)

Unser Buch will ein Manifest der Befreiung aus dieser lebensfeindlichen Grundstimmung und -haltung sein und insofern eine Anleitung zu Fülle und Großzügigkeit. (S. 68)

… vom Mangel-Bewusstsein ins Bewusstsein der natürlichen Fülle

Mangel-Bewusstsein ist eine unnatürliche „Geisteskrankheit“, doch eine, die geheilt werden kann. Die emotionale Basis von Mangel-Bewusstsein ist Angst und Misstrauen.  Heilung ist Ganz-Werden in Liebe und nahezu kindlichem Gottvertrauen.

Und das ist der besondere Ansatz des Buches, das sich vor allem auf das Buch von Ruediger Dahlke „Die Lebensprinzipien“ bezieht, die 12 Urbilder der Seele, wie sie sich in den Tierkreiszeichen manifestieren. Das ist bei den Autoren aber keine Horoskop-Astrologie im engen Sinne – weit gefehlt! Es sind 12 essentielle Seelenqualitäten, die jedem Menschen in unterschiedlichem Maße eigen sind.

Innerer Mangel ist vor allem – dass diese Seelenqualitäten in unterschiedlichem Maße fehler- und mangelhaft (lies: unerlöst, destruktiv) ausgebildet sind. Die Herausbildung EINER Qualität auf Kosten der anderen ist im Gegenteil das anzustrebende Maß unserer Leistungs-Gesellschaft, die auch manche dann als Olympiasieger oder Nobelpreisträger erreichen. Doch die Seele sucht die Erlösung aller Seelenqualitäten in ihrer Harmonie und Balance. Dies über die 12 Lebensprinzipien zu erreichen, ist das Ziel des Buches. Dieses „Er-reich-en“ ist gleichzeitig auch die Erfüllung und nahezu christliche Erlösung.

Wenn wir den Mangel erlösen, fällt uns die Fülle wie von selbst zu, und Mangelbewusstsein löst sich in Wohlgefallen auf. (S. 60)
Um wirkliche Fülle und letzten Reichtum zu erreichen, müssen wir alle 12 Archetypen erlösen. (S. 72)

Das ist das Programm des Buches, das es im 2. Teil (ab S. 74 bis 293) Lebensprinzip für Lebensprinzip nachgeht.

Bei jedem Lebensprinzip werden besondere Impulse mit dem gesunden Umgang mit Geld gegeben. Es ist nicht nur abgehobene Lebensphilosophie, sondern auch Reichtumspraxis für das äußere Leben, wenn die gesunde und nachhaltige (Er-) Lösung auch die innere Fülle in kreisrunder Erfüllung ist, wo sich Alpha (der Anfang) und Omega (das Ende) zu einem neuen Zyklus vereinigen.

Ich kann nur empfehlen, sich das Buch (nach einem ersten Durchlesen) über ein ganzes „Seelen-Jahr“ (vom Widder bis zu den Fischen) aufzunehmen und umzusetzen.

[Ich bin selbst überrascht, dass dieses Buch – als kleines Intermezzo meiner Buchbesprechungen über Teilhard de Chardin – ausgerechnet den Titel OMEGA trägt. Teilhard sah im Punkt OMEGA den Zielpunkt der menschlichen Entwicklung in einer allumfassenden Liebe. Dann wird es sicher kein Geld mehr geben, doch die ganze Menschheit und alle Seelenwesen auf dem Planeten in Wohlwollen und Wohlstand vereinigt sein. Teilhard ist auch derjenige – wie kein anderer – der das „Herz der Materie“ anbetet, weil er darin Gott erkennt. Mein Intermezzo passt schon!)

 

Dahlke / Lindau – Omega: Im inneren Reichtum ankommen (Klick)

Thomas Broch: Pierre Teilhard de Chardin

Ich muss zur angemessenen Besprechung dieses Buches etwas ausholen. Ich habe mein erstes Buch von Teilhard de Chardin nicht im Rahmen meiner katholischen Erziehung etwa zu meiner ersten Heiligen Kommunion geschenkt bekommen … Nein, als ich 30 wurde (1981), kamen die ersten Bücher des „New Age“ auf, die ich aufsog wie ein Schwamm. Ich bin vom Tierkreiszeichen selbst Wassermann und hatte zum „New Age“ als Wassermann-Zeitalter gleich eine besondere Affinität. In den Büchern war immer wieder die Rede von einem renitenten Jesuiten-Pater, und irgendwann wollte ich wissen, was Teilhard mit seinem „Punkt Omega“ denn wirklich geschrieben hat. Ich kaufte mir eine Biographie von ihm (von Johannes Hemleben) bei rororo und die beiden Bücher „Der Mensch im Kosmos“ und „Die Entstehung des Menschen“ im dtv, zumal mich Evolution und Anthropogenese sowieso schon lange interessierte. Das war also meiner erster Zugang zu Teilhard de Chardin – als New-Age-Jünger, ja das „New Age“ war noch sehr jung, in seiner „Sturm- und Drang-Periode“, später hat sich in der Szene viel Spreu vom Weizen getrennt. Damit habe ich also einen besonderen Zugang zum Buch von Thomas Broch, weil ich von meiner eigenen Vergangenheit den Weg über das „New Age“ zu Teilhard de Chardin gefunden habe:

Das Buch ist Teil einer Reihe, die sich „im religiösen Pluralismus“ mit Strömungen auseinandersetzt, die mit dem traditionellen Christentum nicht zu vereinbaren sind: Okkultismus, Reinkarnation, Mystik, Satanismus – und in dieser Reihe nun auch: Teilhard de Chardin. Das Buch ist vor allem eine kritische Aus- und Abgrenzung gegenüber Teilhard. Erst im Innenteil erfährt der Leser, dass sich das Buch auch zweitrangig mit der Frage beschäftigt: „Wegbereiter des New Age?“ Damit ist auch schon das ganze Dilemma des Buches angedeutet: Es will kritisch mit Teilhard de Chardin umgehen, ihn aber nicht – sozusagen – komplett an das New-Age verlieren (abgesehen davon, dass das „New Age“ schon im Abklingen war und keiner der ursprünglichen Autoren sich damit noch identifizieren konnte). Der Autor schreibt in seiner Zusammenfassung:

Ich sehe mich in einem gewissen ‚Dreiecksverhältnis‘ zu Teilhard einerseits und dem New Age andererseits, das nach beiden Seiten Anerkennung und Kritik beinhaltet. Ich manchen Punkten halte ich die Kritik an Teilhard für notwendig, wo den Anliegen des New Age recht zu geben ist  – und natürlich auch umgekehrt. Wobei bei mir im Hinblick auf New Age die Kritik der Anerkennung überwiegt, im Hinblick auf Teilhard die Hochschätzung deutlich bei aller Kritik zu betonen ist. (S. 175 f.)

Das Buch ist intellektuell sehr anspruchsvoll. Es ist im besten Sinne ein philosophisch-kritisches Buch, ganz im Geiste von „Kritischer Theorie“ oder „Kritischem Rationalismus“. Die Quellenverweise und vielen Zitate sind eine Schatzkammer. Die große Schwäche des Buches liegt darin, dass der Mystik (weder die von Teilhard noch die des „New Age“) rational und intellektuell beizukommen ist. Der Autor ist katholischer Theologe und kritischer Philosoph, doch kein Mystiker.

Das Unterthema des Buches, der Vergleich zwischen Teilhard und New Age, war schon zum Zeitpunkt der Herausgabe 1989 nicht mehr aktuell. Das New Age begann sich (grob gesagt) in zwei Strömungen zu unterscheiden, die „prärationale“ der Esoterik mit der Tendenz zum magischen Denken und die „transrationale“ Strömung der Neuen Spiritualität mit der Vision, Wissenschaft und Spiritualität wieder miteinander zu versöhnen.

Mir scheint jedoch bei dem Unterfangen der Neuen Spiritualität, Schöpfungs-Mythologie und wissenschaftliche Evolutionstheorie miteinander zu versöhnen, immer noch kein Weg an Teilhard de Chardin vorbei geht, sein Werk nach wie vor aktuell ist. In diesem Zusammenhang ist das kritische und wohlwollende Buch von Thomas Broch als Schatzkammer immer noch sehr wertvoll.

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