Fritjof Capra: Wendezeit

Paradigmenwechsel, der Wechsel der Weltansicht

 

In diesem Buch von Fritjof Capra geht es um einen „Paradigmenwechsel“, eine „Wendezeit“ wirklich epochaler Art, im Grunde vom Patriarchat zu einer ökologischen und lebensbejahenden Gesellschaft. Es ist eine tiefgreifende kulturelle und soziale Revolution, die der neolithischen Revolution vor über 10.000 Jahren gleich kommt, bei der die Menschheit sesshaft geworden ist. Das Buch ist ein Programm von 500 Seiten, das dieser „Wendezeit“ in allen wesentlichen Bereichen der menschlichen Gesellschaft nachspürt: Lebenswissenschaft, alternative Medizin, Neue Psychologie, Wirtschaftswissenschaft und eine Energiewende zur nachhaltigen Energieversorgung.

Genau betrachtet ist sozusagen das globale Programm der GRÜNEN: Feminismus, Ökologie, Frieden, Heilung auf allen Ebenen, Übergang zum Solarzeitalter. Das Buch ist von Capra „den Frauen in meinem Leben gewidmet“.

„Es fehlt uns also ein neues ‚Paradigma‘ * – eine neue Sicht der Wirklichkeit; unser Denken, unsere Wahrnehmungsweise und unsere Wertvorstellungen müssen sich grundlegend wandeln.“ (S. 10)
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Fußnote bei Capra: * Aus dem griechischen paradigma = „Modell“, „Muster“

Capra erweitert die „Krise der Physik“ um die „gesamtgesellschaftliche Krise“:

„Die Grundthese dieses Buches ist, daß all das nur verschiedene Facetten ein und derselben Krise sind und daß es sich dabei im Wesentlichen um eine Krise der Wahrnehmung handelt. …
Der Ernst und das weltumfassende Ausmaß unserer gegenwärtigen Krise deutet darauf hin, daß dieser Wandel wahrscheinlich zu einer Umgestaltung von beispiellosen Dimensionen führen wird, einem Wendepunkt für unseren Planeten in seiner Gesamtheit.“ (S. 10 f.)

Er erweitert jetzt seine Philosophie des Tao um den harmonischen Tanz von Yin und Yang, um sich aus dem dualistischen Denken des westlichen Abendlandes zu befreien.

„Für die chinesische Philosophie war die Wirklichkeit, deren innerstes Wesen sie Tao nannten, ein Prozess kontinuierlichen Fließens und Wandelns. … Alle Entwicklungen in der Natur – die physischen ebenso wie die psychischen und die gesellschaftlichen – laufen zyklisch ab. Die Chinesen gaben dieser Idee durch Einführung der polaren Gegensätze Yin und Yang eine definitive Struktur, wobei die beiden Pole den Zyklen des Wandels Grenzen setzen. ‚Nachdem das Yang seinen Gipfel erreicht, zieht es sich zugunsten des Yin zurück; hat das Yin einen Gipfel erreicht, zieht es sich zugunsten des Yang zurück.‘
Aus chinesischer Sicht entstehen alle Manifestationen des Tao aus den dynamischen Wechsel­spielen der beiden archetypischen Pole, die mit vielen Erscheinungsbildern von Gegensätzen in der Natur und im gesellschaftlichen Leben assoziiert werden.“ (S. 32)

„Die Yin/Yang-Terminologie ist besonders nützlich, wenn man ein kulturelles Ungleichgewicht umfassend analysiert, und zwar auf der Grundlage einer ökologischen Anschauung, die man im Sinne der allgemeinen Systemtheorie auch Systemschau nennen könnte. Für die Systemtheorie sind alle Phänomene in der Welt miteinander verbunden und voneinander abhängig. Innerhalb dieser Lehre, nennt man ein integriertes Ganzes, dessen Eigenschaften nicht mehr auf die seiner Teile reduziert werden können, ein System. Lebende Organismen, Gesellschaften und Öko­systeme – sie alle sind Systeme. Es ist faszinierend zu sehen, daß die alte chinesische Vor­stellung von Yin und Yang  auf eine wesentliche Eigenschaft von Natursystemen bezogen ist, mit der sich die abendländische Wissenschaft erst seit kurzem befasst.“ (S. 40 f.)

 

„Arthur Koestler hat das Wort ‚Holonen‘ geprägt für diese Untersysteme, die zugleich Ganzes und Teil sind. Er hat betont, daß jedes Holon zwei entgegengesetzte Tendenzen verfolgt: Eine integrierende Tendenz möchte als Teil des größeren Ganzen fungieren, während eine Tendenz zur Selbstbehauptung die individuelle Autonomie zu bewahren bestrebt. … Diese beiden Ten­denzen sind gegensätzlich und doch komplementär. In einem gesunden System … halten sich Integration und Selbstbehauptung im Gleichgewicht.“ (S. 41)

Zusammenfassend:

„Die chinesischen Weisen scheinen die grundlegende Polarität erkannt zu haben, welche lebendige Systeme kennzeichnet. Selbstbehauptung erreicht man durch Yang-Verhalten, wenn man fordernd, aggressiv, wettbewerbs- und nach außen orientiert ist, und – soweit es sich um menschliches Verhalten handelt – durch Anwendung linearen, analytischen Denkens. Integration wird gefördert durch Yin-Verhalten; dann ist man empfangend, kooperativ, intuitiv und umweltbewusst. Sowohl Yin also auch Yang sind für harmonische gesellschaftliche und ökologische Beziehungen notwendig.“ (S. 42)

Nach diesem ersten Teil, der den Dualismus des  alten Denkens ersetzt durch das eher organische Prinzip des Yin-Yang beschreibt Capra im zweiten Teil des Buches die beiden Paradigmen: Das Para­digma der Newtonschen Weltmaschine und das Paradigma der neuen Physik. Capra fasst zusammen, „daß die moderne Physik die mechanische kartesianische Weltanschauung überwunden hat und uns zu einer ganzheitlichen und zutiefst dynamischen Auffassung vom Univer­sum führt. Das Weltbild der modernen Physik ist ein Systembild …. Wenn wir nunmehr die Metapher von der Welt als Maschine hinter uns lassen, müssen wir auch den Gedanken aufgeben, die Physik sei die Grundlage aller Natur­wissenschaften.“ (S. 103)

Der dritte Teil des Buches untersucht, wie das katesianische Paradigma die Natur- und Gesellschafts­wissenschaften beeinflusst hat, insbesondere in der Biologie, der Medizin, der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften. Dieser 3. Teil endet in der Kritik des zügellosen Wachstums.

„Je eingehender wir die gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit studieren, desto klarer erkennen wir, daß die mechanische Weltanschauung und das mit ihr verbundene Wertesystem Technologien, Institutionen und Lebensweisen geschaffen haben, die zutiefst ungesund sind.“ (S. 288)

Er setzt vor allem auf eine neue Gesundheitsbewegung auf allen Ebenen des Lebens, indem die Menschen sich der Selbstverantwortung der eigenen Gesundheit bewusst werden.

„Die sich langsam entfaltende neue Kultur hat ein Weltbild, daß zwar noch diskutiert und
er­forscht wird, das eines Tages aber ganz gewiß ein neues Paradigma hervorbringen wird, mit der Bestimmung, die kartesianische Weltanschauung in unserer Gesellschaft abzulösen.“ (S. 289)

Im vierten und letzten Teil des Buches entwickelt Capra „die neue Sicht der Wirklichkeit“, insbe­sondere ein „Systembild des Lebens“ (S. 293 – 339). Ich lese diese knapp 50 Seite wie eine sehr kompakte Einführung in biologische Systemtheorie und stelle sie ausführlicher dar.

Dieser Abschnitt im Buch „Wendezeit“ ist schon der Keim der neuen System-Theorie des Lebens von Capra. In seinem Buch „Lebensnetz“ wird er es 14 Jahre später zur Entfaltung bringen:

„Die neue Sicht der Wirklichkeit … beruht auf der Erkenntnis, daß alle Phänomene – physi­kalische, biologische, psychische, gesellschaftliche und kulturelle – grundsätzlich miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Sie transzendiert die gegenwärtigen disziplinären und begrifflichen Grenzen und wird in neuen Institutionen zur Anwendung kommen.“ (S. 293)

Er entwirft in diesem Teil die Grundlagen eines Systemdenken des Lebens, das einen grund­sätzlichen Unterschied zwischen Maschinen und Organismen macht: „Maschinen werden gebaut, während Organismen wachsen“. (S. 296)

In der Sicht des Lebens als System arbeitet er Grundbegriffe auf wie:

  • Selbstorganisation
  • Selbsterneuerung
  • Selbst-Transzendenz
  • Geschlossene und offene Systeme
  • Kybernetik
  • Metabolismus
  • Dynamische Stabilität
  • Dissipative Strukturen (Prigogine)
  • Zunehmende Komplexität
  • Homöostase
  • Organismus – Umwelt
  • Symbiosen
  • 3 Arten der Anpassung an die Umwelt: temporär, somatisch, genotypisch
  • Wachsende Flexibilität
  • Biosphäre als „integriertes Gewebe von lebenden und nichtlebenden Formen“ (S. 304)
  • Das Systemkonzept der geschichteten Ordnung (Organismus – Organsysteme – Organe – Gewebe – Zellen), dargestellt als System-Baum
  • „Der Tod ist also nicht das Gegenteil von Leben, sondern ein wesentlicher Aspekt des Lebens.“ (S. 313) … durch die ständige Selbsterneuerung komplexerer Strukturen
  • „Ohne Sex gäbe es keine Vielfalt, ohne Tod keine Individualität.“ (S. 314)

Das führt zu der „Frage nach dem Platz des Menschen in der lebenden Welt“ (S. 314). Capra führt hier schon die Gaia-Hypothese von James Lovelock und Lynn Margulis an: die Erde selbst ist ein lebender Organismus. Zu den entscheidenden Kriterien des Lebens gehören Systemeigenschaften wie:

  • Selbstbehauptung als Organismus und Integration in Höheres
  • Anpassung und Kreativität (Neues, das nicht unter Anpassungsdruck entsteht)
  • Ko-Evolution von Organismus und Umwelt
  • Freiheit der Auswahl am Entscheidungspunkt

Capra fasst zusammen,

„… daß Evolution im Grunde offen und unbestimmt ist. Sie hat kein vorgegebenes Ziel oder Zweck, und doch ist ein Entwicklungsmuster erkennbar. Die Einzelheiten des Musters sind wegen der Autonomie, die lebenden Systeme in ihrer Evolution wie in anderen Aspekten ihrer Organisation besitzen unvorhersagbar. In der Systemschau wird der Prozeß der Evolution nicht vom ‚blinden Zufall‘ beherrscht, sondern stellt die Entfaltung einer Ordnung und Komplexität dar, die man als eine Art Lernprozeß mit Autonomie und Freiheit der Wahl ansehen kann.“
(S. 319)

Ich will hier die große Bedeutung des Lernens für die Evolution bei Capra extra noch einmal heraus stellen, weil dies keinesfalls selbstverständlich ist. Evolution ist kein „kosmisches Würfelspiel“, und wir erinnern uns an die bekannten Worte Einsteins: „Gott würfelt nicht.“

Capra diskutiert in diesem Teil auch das Auftreten von Geist und Bewusstsein in der Evolution, Denken, Lernen und Gedächtnis. Er orientiert sich dabei vor allem an Gregory Bateson: Geist sei „eine wesentliche Eigenschaft lebender Systeme“ (S. 322)

 „Aus der modernen System-Perspektive können wir sagen, daß Geisttätigkeit als Dynamik der Selbstorganisation die Organisation aller Funktionen darstellt und damit eine Meta-Funktion ist.“ (S. 323)

Er unterscheidet dabei auch „mehrere geistige Ebenen“: „So gibt es im Organismus verschiedene Ebenen ‚metabolischer‘ Geistestätigkeit bei Zellen, Geweben und Organen; außerdem gibt es die ‚neutrale‘ Geisttätigkeit des Gehirns, die je nach den verschiedenen Phasen der menschlichen Evolution wiederum mehrere Ebenen aufweist.“ (S. 323 f.)

Er zitiert Erich Jantsch: „Gott ist nicht der Schöpfer, sondern der Geist des Universums.“ (S. 324)
Das Buch von Erich Jantsch „Die Selbstorganisation des Universums. Vom Urknall zum menschlichen Geist“ (1979 – 1992) bezeichnet er als das große Vorbild für seine spätere Synthese. Sein Werk sei
im Grunde eine Fortsetzung des Werkes von Erich Jantsch.

Wichtig ist, wie Capra nun das „Psychische“ definiert, als Ausdruck des Geistes, nicht der Seele:

„Die Gesamtheit des menschlichen Geistes mit seinen bewussten und unbewussten Bereichen werde ich mit Jung ‚Psyche‘ nennen.“ (S. 329)

Dazu gehören auch „kollektiver Geist, kollektives Bewusstsein, kollektives Unterbewusstes. „Schließ­lich kann man die Begriffe eines planetaren und eines kosmischen Geistes mit planetarischen und kosmischen Ebenen des Bewusstseins assoziieren.“ (S. 329)

„Wir sollten daher nicht erwarten, daß die Naturwissenschaft im gegenwärtigen Stadium die mystische Ansicht von Bewusstsein bestätigen oder widerlegen kann. Dennoch scheint das System­bild des Geistes in vollkommener Übereinstimmung mit der naturwissenschaftlichen wie der mystischen Auffassung von Bewußtsein zu stehen und ergibt somit einen idealen Rahmen für die Vereinigung beider Auffassungen.“ (S. 330)

Capra diskutiert weiter die „menschliche Natur“ „nicht nur ihre physischen und kulturellen Manifestationen, sondern auch ihre gesellschaftlichen und kulturellen Manifestationen“ (S. 331)
und kommt zu dem Schluss:

„Deshalb lassen sich biologische und kulturelle Eigenarten der menschlichen Natur nicht von­einander trennen. Die Menschheit entstand durch den Prozess des Schaffens von Kultur, und sie braucht diese Kultur für ihr Überleben und ihre weitere Evolution.
Die menschliche Evolution schreitet also fort durch das Zusammenspiel der inneren und äußeren Welt, von Individuen und Gemeinschaften, von Natur und Kultur.“ (S. 331)

In der Diskussion über die Struktur des menschlichen Gehirns arbeitet Capra noch eine bedeutende Kategorie aus, „die Idee des Rhythmus“:

„Vorgang und Stabilität lassen sich jedoch nur vereinbaren, wenn die Vorgänge rhythmischen Strukturen folgen – Fluktuationen, Schwingungen, Vibrationen, Wellen. Die neue System-Biologie zeigt, daß Fluktuationen für die Selbstorganisations-Dynamik von entscheidender Bedeutung sind. Sie sind die Grundlage der Ordnung in der lebenden Welt: Geordnete Strukturen entstehen aus rhythmischen Mustern.“ (S. 333)

 

„Die Wirklichkeit um uns herum ist ein andauernder rhythmischer Tanz, und unsere Sinne über­setzen einige seiner Vibrationen in Frequenzstrukturen, die vom Gehirn verarbeitet werden können.“ (S. 334 f.) „In seltenen Augenblicken haben wir das Gefühl, in Resonanz mit dem ganzen Universum zu sein.“ (S. 336)

In den drei letzten Kapiteln erweitert Capra diese neue Sichtweise auf das Feld von ganzheitlicher Gesundheit, der „neuen Psychologie“ (Jung, Maslow, Wilber, Grof, R.D. Laing)

„Eines der umfassenden Systeme zur Integration verschiedener psychologischer Schulen ist die von Ken Wilber vorgeschlagene Spektrum-Psychologie.“ (S. 415)

 

„Die Modelle von Wilber und von Grof deuten darauf hin, daß das letzte Begreifen des menschlichen Bewusstseins Worte und Vorstellungen überschreitet. Daraus folgt die bedeutsame Frage, ob es überhaupt möglich ist, wissenschaftliche Feststellungen über das Wesen des Bewusstseins zu treffen. Da das Bewusstsein zudem von zentraler Bedeutung für die Psychologie ist, ergibt sich die Frage, ob die Psychologie überhaupt als Wissenschaft anzusehen ist. Die Antwort hängt offensichtlich davon ab, wie man Wissenschaft definiert.“ (S. 421)

 

Das Buch vermittelt eine neue Weltsicht, die uns befreien kann von kurzfristigem, egozentrischen Denken (der Krankheit unserer Zeit) zum nachhaltigen, ganzheitlichen Denken. Es bedeutet vor allem, nicht auf Kosten der folgenden Generationen zu leben, sondern ihre Lebensgrundlagen zu erhalten, worauf sie aufbauen können. Letztlich geht es – ohne dass Capra darauf schon zu sprechen kommt, um die Erhaltung der Schöpfung. Das Buch weist den Weg auf der vielleicht größten Krise der Menschheit. Eine solche „Wendezeit“ ist not-wendig, um die Zukunft der Menschheit in Frieden und Wohlstand zu sichern.

 

 

Fritjof Capra:
Wendezeit: Bausteine für ein neues Weltbild (Klick)

Fritjof Capra: Synthese

Neue Bausteine für das Weltbild von morgen
Herausgeber: Franz-Theo Gottwald

 

Fritjof Capra (1939 in Wien geboren und Kernphysiker) ist sicher einer der großen Vordenker der neuen Zeit. Franz-Theo Gottwald, der Herausgeber dieses Bandes, nennt ihn den „Wegbereiter einer neuen Kultur“ (Einleitung). Er sei „Kulturwissenschaftler und Kulturstifter in einem“ (S. 11). Die neue Kultur, um die es geht, ist das „grüne Paradigma“, eine globale „grüne Politik“, die tiefenökologische Kultur. Capra ist sozusagen ihr Theoretiker und Visionär.  Bei ihm geht es aber um mehr als eine Konvergenz von Wissenschaft und Spiritualität („Tao der Physik“), sondern um die Wissenschaft und Kultur des LEBENS selbst.

Das Buch „Synthese“ ist eine Anthologie der Schriften von Fritjof Capra. Der Band (416 Seiten) enthält insgesamt 16 Beiträge in 4 Teilen:

  1.  Das TAO – in der Konvergenz von westlicher Wissenschaft und östlicher Philosophie
  2. Das Netz – Parallelen zwischen biologischen und sozialen Strukturen
  3. Die Wende – in Wahrnehmung und Handeln
  4. Der Wandel in den Perspektiven von Politik und Religion.

8 der Beiträge sind Auszüge aus den bekannten Werken von Fritjof Capra wie „Das Tao der Physik“, „Wendezeit“ oder „Lebensnetz“. 8 der Beiträge sind aus verstreuten Artikeln zusammen getragen.

Wer Bücher von Capra nicht kennt, dem kann ich diesen Band als Einführung wirklich empfehlen. Die Texte sind sehr kenntnisreich von dem Herausgeber Franz-Theo Gottwald zusammen getragen.

 

Fritjof Capra: Synthese. Neue Bausteine für das Weltbild von morgen. Herausgeber: Franz-Theo Gottwald

 

Bahar Yilmaz: Empower yourself

Untertitel: Werde zum glücklichsten Menschen, den du kennst.

Wenn Bahar Yilmaz ein Buch schreibt, so kann es durchaus ein in der spirituellen Szene „gängiges Thema“ sein, sie bringt es aber immer auf ein höheres Niveau. So auch ihr neues Buch.

Das Buch gehört in das bekannte Genre „Ratgeber – Selbstverwirklichung“, oder etwas konkreter: Komm in deine Macht, ermächtige dich selbst!

Das Englichsprachige des Titels zieht sich im Buch durch, was mich anfangs etwas befremdet hat. Da ist die Rede von „Lifestyle“, „Challenge“, „good habits“, „bad habits“, „Power Move“, Feel-Good-Ansätze“, „Black-List“, „White-List“, „Why-Diamond“, „Believe Gap“ und andere. Darüber hinaus hat sie auch im Deutschen neue Begriffe definiert. So spricht sie statt von „Komfortzone“ von Gravitationszone. Gut, jüngere Menschen gehen mit dem Englischen leichter um, doch ich habe für mich einen anderen Effekt festgestellt, der mich eher überrascht hat: Für mich ist z.B. ein Begriff „Challange“ neutraler als „Herausforderung“, „Power Move“ etwas anderes als „Körperübung“. Mit anderen Worten: Das Begriffs-System der Autorin hat für das Buch eine große Bedeutung! Sie können in einem zunächst neutralen Status neu besetzt werden. Das Buch bringt vieles erst einmal auf NULL, auf NEUSTART.

Es ist für mich sogar mehr als „Software-Aktualisierung“ (danach ist in der Regel auch ein Neustart notwendig), eher – wenn wir in diesem Bild bleiben – die Installation eines neuen Betriebssystems. Das neue Betriebssystem ist DIE SEELE. Ein Schlüsselsatz:

Ich glaube nicht nur, sondern ich weiß, dass du aus einem höheren Grund hier bist, dass du dich für dieses Leben entschieden hast, weil du ganz genau wusstest, dass du hier wachsen und einen Beitrag leisten kannst für mehr Frieden und Liebe auf der Erde. Ich weiß, dass deine Seele, dein Höheres Selbst, dein Herz oder wie auch immer du diese höhere Instanz in dir nennen möchtest, danach lechzt, deine ganz persönliche seelische Signatur auf der Erde zu hinterlassen, um sie zu einem besseren Ort werden zu lassen. Ich weiß das. Und ich denke, du weißt das auch. (S. 64)

Gleichzeitig ist dieses Buch wohl das „geerdetste“ Buch von Bahar Yilmaz, wenn ein Vergleich überhaupt sinnvoll ist. ENERGIE und GEIST (ihre Hauptthemen) ergreifen in diesem Buch das ganz konkrete LEBEN, bis hin zur Einflussnahme auf Zwirbeldrüse, Mitochondrien und DNA. Darum geht es letztlich: Die Einheit von Körper, Geist und Seele in einem Leben in innerem Frieden, Demut und Liebe. Das ist für mich sehr überzeugend. Und Bahar Yilmaz weist darauf hin, dass der mentale Wechsel von Überzeugungen (oder gar nur neue Informationen) nicht ausreicht: Es geht um das TUN und das HANDELN. Das Buch von ihr ist ein Praxis-Buch im besten Sinne. Es ist von 21 Challange-Übungen begleitet, die es in sich haben!

Was mir besonders gefällt:

  • Bahar Yilmaz ist seit Jahrzehnten Yogalehrerin. Das Wort YOGA lässt sich grob auch übersetzen mit DISZIPLIN. Ja, um das Buch in das eigene Leben zu integrieren, bedarf es Disziplin. „Für mich war Disziplin schon immer der kraftvollste Ausdruck von Selbstliebe.“ (S. 154)
  • Es ist verblüffend, wie die Autorin „alte Zöpfe“ abschneidet: „Dieses Vorgehen löst die Affirmationen ab.“ (S. 75)
  • Wir haben alle einen falschen Stolz, der uns in Ego-Programmen fest hält. „Also denkst du: Augen zu und durch. Nur nicht das Gesicht verlieren. Doch es geht nicht gut. Irgendwann zwingt dich das Leben in die Knie und fordert dich auf, die Situation zu verlassen. (S. 29). Wenn wir selbst nicht freiwillig DEMUT lernen, dann zwingt das Leben uns selsbt in die Knie.
  • Eines der großen Unterschiede zwischen Esoterik und Spiritualität ist die Einstellung zur Dualität. Bahar Yilmaz schreibt klar und deutlich: „Doch egal, was gewisse spirituelle Feel-Good-Ansätze behaupten: Als Menschen dürfen und müssen wir auch die Dualität erleben und von ihr Lernen.“ (S. 28) „Wir leben in einer polaren Welt. … Dies ganz zu verstehen, könnte bereits dein komplettes Leben verwandeln.“ (S. 27)
  • Ihr Verständnis von „Spiritualität“ ist sehr schön: „Es ist deine Liebesgeschichte mit dem unendlichen und wie ihr es schafft, miteinander eine spannende und transformierende Beziehung zu führen.“ (S. 222)
  • Das Buch ist eine bestimmte „Roadmap“ (Straßenkarte), um ein nächstes Level, eine neue Bewusstsensstufe zu erreichen. Das Schöne daran: Gleichgültig, wo du stehst und was die nächste Stufe ist, es gilt immer alle vier Ebenen zu berücksichtigen, und genau auch in dieser Reihenfolge: die Ebene des Geistes, die Ebene des Herzens, die Ebene des Körpers und die Ebene der Seele (in diesen Kapiteln ist das Buch auch aufgebaut). Es ist eine Aufwärtsspirale, die diese Bereiche not-wendiger-weise durchläuft. Das ist sehr allgemeingültig und ein klares Praxis-Konzept!
  • Bei der Frage „Warum lebe ich überhaupt?“ ist der „Warum-Diamant“ (Why-Diamond) ein Schatz, der feingeschliffen werden will. (S. 65 ff)
  • „Das Frequenz-Chart“ (S. 197 ff) ist sehr hilfreich, eine sehr realistische Einschätzung, wo man gerade wirklich steht zwischen den Polen des falschen und des wahren Selbst in der Messung der eigenen Gesamtschwingung.

Vor welchen Herausforderungen stehst du gerade?

Man kann das Buch nur lesen oder auch umsetzen. Ich selbst bin absolut verblüfft, dass sich in meinem Leben zwei große auch emotionale „Herausforderungen“ auftun, seitdem ich das Buch in den Händen halte. Ich „weiß“, dass das Buch genau er Schlüssel ist, um diese Herausforderungen zu meistern. (Es gibt ja keine „Zufälle“, oder alles ist ein Zu-Fall.) Vielleicht sollte jeder Leser des Buches sich zunächst fragen, vor welchen Herausforderungen er gerade steht, für die das Buch der Schlüssel der Lösung sein könnte. So liest es sich gleich anders, gleich praxisbezogen.

Astrologisch gesehen leben wir 2017 in einem Sonnenjahr, das uns auffordert, den Löwen in uns zu wecken, unsere Potenziale wie eine Sonne ans Licht zu bringen, Löwenmut zu haben und eine Sonne für andere zu sein. Das Titelbild des Buches ist richtig magisch für dieses Sonnenjahr. Es ist für mich DAS BUCH dazu.


Bahar Yilmaz:

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Dr. Joe Dispenza: Du BIST das Placebo

Untertitel: Bewusstsein wird Materie


Dr. Joe Diszenza hat ein großes Thema: Die Evolution des Menschen über die Evolution seines Gehirns. Dieser Band ist der dritte seiner Trilogie neben „Schöpfer der Wirklichkeit“ und „Ein neues Ich“.

„Du BIST das Placebo“ hat eine bahnbrechende wissenschaftliche Tiefe und gleichzeitig die bisher am weitest entwickelte Meditation zur persönlichen Transformation. 330 Seiten fundierte, wissenschaftliche Information, 45 Seiten Transformation (die Texte der Meditation). Dr. Dispenza geht es nicht nur darum, scheinbar unheilbare Krankheiten doch mit der Kraft des glaubenden Geistes in die Selbstheilung zu führen, sondern auch die Gesetzmäßigkeiten zu finden, über die wir unser volles menschliches Potenzial entfalten können. Und wenn wir „Kinder Gottes“ sind, dann ist in unserer Potenzial-Entfaltung sicher noch viel Platz nach oben …

Das Placebo als Wunderheilmittel

Das Buch ist durchaus ein medizinisch-wissenschaftliches Buch! Ist es nicht merk-würdig, dass in der Medizin der „Placebo-Effekt“ nicht mehr wegzudiskutieren ist, man mit ihm „rechnen“ muss, doch kein Mediziner ihn bisher erklären kann? Es könnte doch die Erklärung aller „Wunderheilungen“ liefern (nennen wir es etwas weniger sensationell in medizinischer Fachsprache: „Spontanremissionen“)! Warum meidet die Schulmedizin die Erklärung des Placebo-Effekts wie der Teufel das Weihwasser? Oder ist sie durch ihre Denkweise im wahrsten Sinne des Wortes dafür zu beschränkt?

Das Paradigma des Autoren ist nicht das der Schulmedizin, und deswegen liefert er eine stichhaltige Erklärung des „Placebo-Effekts“, von Hypnose, Psychoneuroimmunologie und „Wunderheilungen“. Das Paradigma des Autoren ist einfach: „Bewusstsein wird Materie“, oder mit anderen Worten: Der zweifellose Glaube des Patienten an die Heilung ermöglicht die Heilung, die „Neuprogrammierung des Gehirns“, um ein neuer Mensch zu werden, ein Gesunder, ein Geheilter. EINE Schlussfolgerung aus diesen Thesen lautet: Es gibt keine unheilbaren Krankheiten, sondern nur unheilbare Patienten, (S. 75), solche, die einfach nicht das Not-wendige für Ihre Heilung tun.

Der „Placebo-Effekt“: Es ist nicht ein wirkungsloses Mittel, das da irgendetwas bewirkt, sondern der Glaube des Patienten, dass Heilung in seiner Macht steht, seine unerschütterliche Überzeugung ist das wirksame Mittel. So wird der „Glaubende“ im wirklich biologischen Sinne zum Placebo, sein Gehirn selbst ist das Placebo.

Körper und Geist

Es gibt in der Philosophie und Wissenschaft eine abgrundtiefe Kluft zwischen Geist und Materie oder Bewusstsein und Körper („Dualismus“). Für mein Bewusstsein repräsentiert dieses Buch eine „Wiedervereinigung“ dieser scheinbar unterschiedlichen Welten (die Welt des Geistes und die Welt der Materie). Das Buch stellt dar, wie aus neuen Gedanken dann neue Gefühle und neuronale Bahnen werden, die durch die „Neuroplastizität“ neue Gehirnstrukturen schaffen – und letztlich einen neuen Menschen: alte Strukturen müssen neuronal aufgelöst und neue Strukturen geschaffen werden. Das mag ja nichts Neues sein, doch der Autor geht diesem biochemischen Prozess so weit in den Einzelheiten nach, dass er den altenden Körper als eingefrorene Gedanken der Vergangenheit interpretiert. Unser Körper ist im gewissen Sinne Fleisch gewordene Vergangenheit. Doch wir können durch neue Gedanken, die über das alte Denken, die alten Gefühle und die prägende Umwelt hinaus gehen, uns einen Zukunftskörper schaffen, der nicht in der Vergangenheit hängt, sondern uns in die Zukunft führt, Lebensräume für die Zukunft eröffnet.

Quanten-Geist

Das Kapitel gehört zu den besten, die ich bisher zu dem Thema gelesen habe. Richtig verstanden ist die Quantenwelt nicht nur das Feld aller Möglichkeiten, sondern wir können in potenziell unterschiedliche Realitäten eintreten! Wer das nicht nachvollziehen kann, der hat die Quantenphysik nicht verstanden. Denn wenn wir unser Potenzial optimal entfalten wollen, dann müssen wir bewussten Zugang zu diesem Quantenfeld haben, denn hier und nirgends anders schlummern unsere Potenziale.

Das Buch bietet, wie es sich für ein wissenschaftliches Buch gehört, auch viel Dokumentenmaterial (Farbtafeln) für veränderte Bewusstseinszustände, in denen Heilung und die Entfaltung von Potenzialen möglich sind.

r-pfeil-reMein Fazit: Natürlich gehört das Buch in die Hand eines jeden, der an die eigenen Selbstheilungskräfte seines Körpers und vor allem bewussten Geistes glaubt. Dieser GLAUBE kann auf ein massives Wissen der Funktionsweise aufbauen. WISSEN gehört zur Heilung dazu. So wird das Buch von Dr. Joe Dispenza selbst zum Medikament.

Aber mehr noch: Jeder, der über seine Grenzen hinaus wachsen will, der all diese Glaubenssätze über die Beschränktheit des in der Vergangenheit gefangenen menschlichen Geistes überwinden will, der findet in diesem Buch wissenschaftliche Unterstützung und Techniken, Fesseln zu sprengen und seinen Körper-Geist auf ein grenzenloses Potenzial hin neu zu „programmieren“.

Ja, ich finde das Buch auch aus philosophischer Sicht enorm anregend. Ich kenne kein zweites Buch, dass diese Dichotomie („Dualität“) von Körper und Geist dermaßen überwunden hat wie dieses und sehr spannende neue Kategorien einführt.

 

Dr. Joe Dispenza: Du bist das Placebo – Bewusstsein wird Materie (Klick)

Dr. Joe Dispenza: Schöpfer der Wirklichkeit

Untertitel: Der Mensch und sein Gehirn – Wunderwerk der Evolution


Dr. Joe Dispenza hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Evolution des Menschen an der Evolution des Gehirns aufzuzeigen, die neue Wissenschaft des Gehirns mit der alten Spiritualität des GEISTES zusammen zu bringen. Dieses Buch ist das erste in einer Reihe des Autoren als „Gebrauchsanleitung des Gehirns“ und stellt die Grundlagen einer modernen Gehirnforschung dar und interpretiert dies ganz im spirituellen Sinne. Unser Gehirn trägt alle Potenziale in sich, um unsere Wirklichkeit als SCHÖPFER leben zu können, weit über unsere mentalen Grenzen heraus zu wachsen.

Die Spiritualität lehrt seit Jahrtausenden, dass es der GEIST ist, der die Wirklichkeit formt. Schon die > Lehren des „Hermes Trismegistos“ (ca. 2.000 v. Chr.) gingen davon aus, dass ALLES GEIST ist. Heute macht sich in der Wissenschaft eine Revolution breit, dieses „Primat des Geistes über die Materie“ endlich anzuerkennen. Vorläufer war die Relativitätstheorie Einsteins, die Quantenphysik. Inzwischen sind es die Biologie des Gehirns (Neurobiochemie) und die Epigenetik, die uns das Wissen an die Hand geben, unser Leben als Schöpfer selbst zu bestimmen. Das Buch von Dr. Joe Dispenza liefert die Grundlage, unser Gehirn als Wunderwerk der Evolution zu verstehen und es für die eigene Evolution und die Evolution der nächsten Generationen einzusetzen. Wir sind im Prozess einer Transformation der menschlichen Evolution, wie sie vielleicht nur noch mit der „neolitischen Revolution“ vor über 10.000 Jahren zu vergleichen ist, als die Menschheit sesshaft wurde.

Aus dem Inhalt des Buches:

Die großen Themen des Buches sind:

  • Der Paradigmenwechsel zum Primat des Bewusstseins über das Sein – und die Rolle des Gehirns dabei.
  • Die Überwindung des Dualismus zwischen Geist und Materie, Bewusstsein und Gehirn.
  • Wie niedrige Emotionen zu festen körperlichen Programmen und Schaltkreisen im Gehirn werden und den Körper gefangen halten (die neurobiologische Grundlegung der „emotionalen Intelligenz“).
  • Das Bewusstsein erschafft (im Sinne des Quantenfeldes) aus den potentiellen Möglichkeiten unsere Wirklichkeit: Wir entscheiden, was unsere Realität wird, doch nicht nur für einzelne Augenblicke, sondern für einen neuen Seinszustand.
  • Das Buch liefert die wissenschaftliche Grundlage für die Notwenigkeit des mentalen Übens, des Mental-Trainings. Kein (evolutionär) neues Verhalten ohne anhaltendes Mental-Training.
  • Evolution ist im ersten Schritt ein Lernprozess, das Ansammeln von Wissen, um über das TUN dann das Verhalten immer mehr zu optimieren, bis eine Meisterschaft ohne Nachdenken möglich ist.
  • Die Grundlage von Spontan- und Wunderheilung. 

Wir können unser Gehirn nur dadurch weiterentwickeln, dass wir bewusst werden. Wenn wir das Bewusstsein aufwecken, können wir den Geist erneuern. (S. 473)

Jeder neue Seinszustand wird zunächst sehr viel bewussten Einsatz erfordern. Wir ersetzen die neuronalen Gewohnheiten unseres alten Selbst durch das Ideal eines neuen Selbst und werden dadurch zu jemand anderem. Die nächste Stufe der Evolution – Weisheit – bedeutet, unbewusst großartig, edel, glücklich und liebevoll zu serin – und zwar so einfach und mühelos, wie wir unsere Zähne putzen. (S. 480)

r-pfeil-reMein Fazit: Das Buch ist sehr anschaulich und verständlich mit vielen lebensnahen Beispielen geschrieben. Es ist Information pur über unser wichtigstes Werkzeug, das Gehirn. So viel „Gebrauchsanleitung“ braucht jeder, der sein Leben in die eigene Hand nehmen will. Alles funktioniert besser, wenn man auch weiß, WIE es funktioniert. Das Buch erklärt, warum wir sind, wie wir sind, warum alte Gedanken und Gefühle so im Körper verankert sind, dass Veränderungen so schwer fallen, unser Körper selbst zum unbewussten Geist wird. Die Hardware (Gehirnverdrahtung) wie auch die Software (Programme) sind aus der Vergangenheit und halten uns in der Vergangenheit gefangen. So altern wir, nicht vor allem aus biologischer Notwendigkeit heraus, sondern durch Fehler der Hard- und Software. Wir haben unseren Körper selbst auf „Altern“ und „Krankheiten“ programmiert. Doch das Buch zeigt auch, wie die alten Programme umprogrammiert werden können, so dass unser Gehirn sich für die Evolution öffnet, wir Schöpfer unseres Lebens werden können und Träger einer Evolution, die die Menschheit in eine neue Epoche führt. Die Revolution beginnt zuerst im Kopf, geht dann in ein bewusstes Tun über und erschafft so einen ganz neuen Seins-Zustand. Das ist die „frohe Botschaft“ des Buches.

 

Dr. Joe Dispenza: Schöpfer der Wirklichkeit – Der Mensch und sein Gehirn – Wunderwerk der Evolution (Klick)

Reiner Noreisch: Erschaffe dein Leben neu!

Untertitel: Warum positives Denken alleine nicht reicht


Ich bespreche das Buch einen Tag nach dem Austritt des Groß-Britanniens aus der Europäischen Union. Die Krise in Europa spitzt sich zu, manifestiert sich in einem ersten, tiefen Bruch. Wahrlich: Wir leben in Krisenzeiten, von denen keiner mehr verschont wird. Allgemeine „Er-Schöpfung“ wird zu einer „Volkskrankheit“. Da läuft vieles ganz gewaltig schief. Es ist nicht mehr die Zeit, um über spirituelle Konzepte zu diskutieren, sondern in ein zutiefst schöpgungsgerechtes HANDELN zu kommen. „Wer heilt, hat recht.“ Das Buch von Reiner Noreisch ist genau das rechte Buch zur rechten Zeit. Wir alle brauchen vor allem funktionierende Konzepte, um aus dem „erschöpften Opferbewusstsein wieder ins kraftvolle Schöpferbewusstsein“ zu kommen. Aus dem Handbuch von Reiner Noreisch spricht Praxis-Erfahrung. Da ist ein rettendes Krisen-Werkzeug für den einzelnen, das erprobt ist und funktioniert.

Das Buch ist durchaus als „spirituelles Buch“ zu werten. Sein Motto ist der bekannte Spruch von Teilhard de Cardin: „Wir sind keine Menschen, die spirituelle Erfahrungen machen, sondern wir sind spirituelle Wesen, die erfahren, Mensch zu sein.“ Ansonsten philosophiert der Autor nicht lange über Spiritualität. „Nach meiner Auffassung gibt es keine Trennung zwischen ‚dem Leben‘ und Spiritualität. (S. 181). Das Buch verzichtet sogar auf das schillernde Konzept des „Ego“ und spricht stattdessen vom „begrenzten Ich“. Es geht nicht darum, den Lieblingsfeind der Spirituellen, das Ego, zu bekämpfen (wie auch immer), sondern Ich-Begrenzungen zu erweitern.

Was normalerweise als Störung oder Krankheit angesehen wird, ist nach meiner Auffassung eigentlich eine spezifische Lernerfahrung der Seele eines Menschen. Schöpfer-Transformation unterstützt Sie darin, diese Erfahrungen zu vervollständigen und zu integrieren.“ (S. 16)

Damit ist das entscheidende Stichwort schon gefallen: „Schöpfer-Transformation“. Dieser vom Autor entwickelte Prozess zieht darauf ab, Blockademuster aus der Vergangenheit nicht mehr auszuagieren, sondern zu transformieren, um immer mehr Schöpfungspotenzial verwirklichen zu können. Dies führt nicht nur dazu, seine tiefsten Wünsche und Visionen (endlich) verwirklichen zu können, sondern damit auch einen Beitrag zum Transformationsprozess der Menschheit zu leisten.

Die 5 Phasen der Transformation

Dreh- und Angelpunkt des 5-Schritte-Prozesses sind die 5 Phasen der Transformation:

  1. Die Phase der relativen Zufriedenheit in einer Bequemlichkeitszone. Alles scheint im Leben (noch) optimal zu funktionieren.
  2. Die Phase der zunehmenden Störungen, Verunsicherungen, Disharmonien. Das Lebenssystem gerät ins Wanken. Abwehrmechanismen (aber auch verdeckende Süchte) versuchen sich im Krisenmanagement, um die Bequemlichkeitszone der 1. Phase wiederzugewinnen.
  3. Die Phase der manifesten Krise. Keine Tricks nutzen mehr, die Krise ist da und nicht mehr zu verdrängen. Alles scheint auseinander zu brechen, der Boden unter den Füßen verschwindet. Alles scheint im freien Fall nach untern. Der äußere Halt löst sich als Illusion auf.
  4. Die nach innen gerichtete Phase sucht nach inneren Ressourcen, um aus dem inneren Selbst, dem „wahren Wesen“, dann eine neue Realität zu erschaffen.
  5. Der (Quanten-) Sprung und die Transformation in eine neue Realität als Schöpfer des eigenen Lebens. Eine neue Integration des eigenen Lebens ist zum Wohle aller erreicht.

Wenn man diese Phasen als grundlegende Dynamik des Wandels vor Augen hat, dann sind die 5 Elemente der Schöpfer-Transformation des Autoren leicht nachzuvollziehen:

Die 5 Elemente der Schöpfer-Transformation

Die 5 Elemente sind auch die 5 Hauptphasen des Prozesses:

  1. Das Erwachen aus der Alltagstrance. Das bedeutet vor allem, sich aus der Alltagstrance distanzieren zu können, sich damit nicht mehr zu identifizieren, auf dem Weg zu einer neuen Identität zu sein, sich „neu zu erfinden“.
  2. Die bisherigen Erfahrungen zu würdigen. Dies ist durchaus ein schwieriger Schritt, weil man in einer Krisensituation einfach alles „schwarz“ sieht, als ob man im Leben auf ganzer Linie versagt hätte. Diese Würdigung des bisherigen Lebens ist Selbstliebe, das Erkennen des positiven Potenzials in den scheinbar negativen Erfahrungen. Das scheinbar Negative entpuppt sich als Lern-Herausforderung.
  3. Sich die Energie zurück holen. In Blockaden steckt Energie! Die wichtigste Energiequelle in dieser Phase sind keine „Fremdenergien“, sondern die Befreiung der eigenen Energien aus den Blockaden.
  4. Die liebevolle Umarmung aller Anteile des eigenen Selbst. Jede Transformation ist auch ein Integrationsprozess. Das Herz integriert und umarmt alles wie eine liebevolle Mutter.
  5. Die Erschaffung einer neuen, erfüllten Realität. Die Transformation ist abgeschlossen, wenn sich eine neue Realität eines erfüllten Lebens stabilisiert hat.

Ja, so einfach ist die Landkarte des Wandels! Die Genialität zeigt sich immer in der Einfachheit. Es geht nur darum, es umzusetzen. Über kurz oder lang zwingt das Leben einem diese Prozess auf. Die eigene Wahl ist es, früh genug aufzuwachen und einen solchen Reiseführer der eigenen Heldenreise aus der Begrenzung in die Fülle auch zu nutzen und nicht mehr orientierungslos von Krise zur Krise umherzuirren.

Mein Fazit: Wer aus dem ewigen „Teufelskreis“ eigener Gefühls-, Denk- und Verhaltensmuster ausbrechen will, der ist mit diesem Buch als Transformations-Führer bestens beraten: endlich transformieren statt ewig ausagieren! Der Teufelskreis ist eine Spirale nach unten: Die eigenen Muster wollen erlöst werden oder verdammen einen in die zunehmende Hölle des eigenen Lebens. Das Buch hilft auch, es nicht erst zu einer solchen zerstörerischen Drama-Dynamik kommen zu lassen. Es hilft, früh genug einzugreifen, um das eigene Schöpferpotenzial zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir diese Dynamik der Wandlung gemeistert haben, kommen wir in den „Engelskreis“ der Aufwärtsspirale. Das Leben will nichts anderes, als dass wir unsere Schöpfer-Potenziale entfalten. Der Schlüssel ist das eigene Bewusstsein und die Bewusstwerdung.

 

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Neal D. Walsch: Die Essenz

Untertitel: Die 25 Botschaften aus den „Gesprächen mit Gott“


Ich habe den ersten Band von „Gespräche mit Gott“ schon gelesen, da war der zweite Band (auf Deutsch) noch gar nicht erschienen. Inzwischen habe fast alle Bücher dieser 9-teiligen Reihe gelesen. Und ich sage gleich: Ja, diese ESSENZ aus 444 Seiten ist mehr als die Summe aller Teile und ein krönender „Abschluss“ – hätte ich fast geschrieben. Doch da hat mich der Autor Neal D. Walsch schon mehrfach eines Besseren belehrt. Gerade am Anfang waren immer wieder Sätze zu lesen wie: Jetzt ist alles gesagt und geschrieben. Mehr Bücher brauchst du nicht mehr zu lesen. … Den Rest kennt jeder seiner Fans: Tausende weitere Seiten folgten. Ich würde meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass dieser Band jetzt der „krönende Abschluss“ ist. Vielleicht ist er ja wieder der Anfang eines neuen Buch-Zyklus. Wie dem auch sei:

Die Essenz

Trotz der 444 Seiten ist das Buch eine meisterhafte Konzentration auf die wesentlichen Botschaften aus „GmG“, genau genommen 25 Botschaften (im 2. Kapitel auf 5 Ein-Drittel Seiten essentiell zusammen gefasst). Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig. Jedes Wort kraftvoll wie in Stein gemeißelt. Was immer „am Anfang“ gewesen sein mag. DAS WORT gehört mit dazu: Manifestationen mögen anfänglich ein Wirbel von Gedanken-Energie sein. Im WORT wird daraus eine in Erscheinung tretende Manifestation.
Diese Qualität hat das Buch. Wenn es NEUER WORTE eines jetzt richtig verstandenen Gottes bedarf, hier stehen sie, hier sind sie zu lesen, hier ist das Programm für eine ganz neue Kulturgeschichte der Menschheit, einem Evolutionssprung für das Paradies auf Erden.

Einem aufmerksamen Leser der bisherigen Botschaften ist alles „irgendwie vertraut“, und doch gibt es wieder so viele schöne Formulierungen – wie

Was jetzt auf Erden gebraucht wird, ist eine Bürgerrechtsbewegung für die Seele. (S. 36)

Das Buch ist ein leidenschaftlicher Aufruf, all diese „zum Himmel schreienden Missstände“ zu beheben. Es ist aber keinesfalls eine Anklage, sondern ein Appell, das Leben wirklich zu ändern. Wir sind eine Generation, die eine NEUE ERDE hervor bringen können. Jedes Kapitel enthält Anwendungen für den Alltag. Jede Woche eine Botschaft studieren (sich ihrer Wahrheit zu erinnern) und in den Alltag umsetzen – wer sollte uns als Botschafter der NEUEN ERDE aufhalten können? Wir brauchen eine so kraftvolle „Bürgerrechtsbewegung für die Seele“, ein Heldenepos, wie es seinerzeit die frühen Christen und Gnostiker geschrieben haben. Es ist Zeit, dass dieses „Christliche Zentrum“ in unseren Seelen erwacht und zu einem unaufhaltsamen Lebensstrom werde.

Ich bin als langjähriger Leser der GmG für dieses Buch sehr dankbar und weiß erst jetzt, dass ich es bisher vermisst habe! Gut, dass es in die Existenz getreten ist.

Mein Fazit: Ob es als „Neues Evangelium“ ein „Heiliges Buch“ ist? Ich glaube, das entscheidet jeder für sich selbst. Und wahrscheinlich ist jede Etikettierung „heilig“ bereits ein Schritt in die „falsche“ Richtung. Denn wo das Heilige angenommen wird, da wird auch das Sündige verfolgt. Keine „heiligen Bücher“ mehr … und keine „heiligen Kriege“ mehr. Lassen wir uns von niemand anderem etwas „vor-schreiben“ außer von unserer Seele.

DIE ESSENZ ist ein Seelenbuch – das Buch unserer Seele als Menschheit. 

Jeder hat sicher einen anderen Zugang zum Buch und nutzt es auf seine Weise. Ich habe mich entschieden, es als „göttliches Selbstgespräch“ (das Göttliche im Gespräch mit sich selbst) zu lesen, in dem ich selbst ein Teil des Gespräches bin. 

 

Theodor Dierk Petzold: Gesundheit ist ansteckend

Untertitel: Praxisbuch Salutogenese

Er revolutionäres Buch, das auf leisen Sohlen kommt!

In der Wissenschaft nennt man es: „Paradigmenwechsel“ – wenn sich ein Weltbild plötzlich dramatisch verändert.  Der wahrscheinlich bekannteste Paradigmenwechsel in der Weltanschauung der Menschheit ist der: „die Erde ist der Mittelpunkt“ ZU „die Sonne ist im Mittelpunkt“.

In diesem Buch geht es um den Paradigmenwechsel: „die Krankheit ist der Mittelpunkt“ ZU „die Gesundheit ist der Mittelpunkt“, ein Paradigmenwechsel, der wohl für die Evolution der Menschheit noch grundlegender ist. Weiterlesen

Amarque / Markert (Hg.): Was ist Liebe?

Untertitel: Eine integrale Anthropologie über die Facetten der Liebe

Das Buch als „integrale Anthologie“ von 14 Autor(inn)en ist nicht romantisch (das Wunder des Verliebtseins ist kein Thema), es ist nicht geil (Wunder und Verwirrung der Sexualität ist kein Thema), es ist nicht politisch (Patriarchat und Geschlechterkrieg ist kein Thema), das Buch ist philosophisch, wie es Männer zuwege bringen, wenn sie über Liebe philosophieren. Halt! Unter den 14 Autoren sind zwei Frauen dabei (Elvira Greiner und Christina Kessler), deren Beiträge noch am ehesten das Herz berühren. Ja, das Buch hat etwas von dieser „blutleeren Abstraktion der Philosophie“. Es ist in einer sehr konzeptionellen  Sprache formuliert.

Mich hat auch der Beitrag von Papst Benedikt „Deus Caritas est“ über die Liebe Gottes verblüfft und ist sehr lesenswert! – Auch sehr nachdenkenswert, wenn der ehemalige  „Chefinquisitor“ der katholischen Kirche über die göttliche Liebe philosophiert … Es sind die Größen integraler Spiritualität vertreten: Ken Wilber, Andrew Cohen und Genpo Merzel Roshi – Michael Habecker und Tom Amarque nicht zu vergessen.

Einige „Perlen der Liebe“ aus dem Buch
(nicht alle Autoren zitiert):

Erich Fromm:

Welches sind die notwendigen Schritte, um die Kunst (des Liebens – JS) zu erlernen? Man kann den Lernprozess in zwei Teile aufteilen: Man muss einerseits die Theorie und andererseits die Praxis beherrschen. … Aber abgesehen von Theorie und Praxis muss noch ein dritter Faktor gegeben sein, wenn wir Meister in einer Kunst werden wollen: Die Meisterschaft in dieser Kunst muss uns mehr als alles andere am Herzen liegen; nichts auf der Welt darf uns wichiger sein als diese Kunst. (S. 12 f.)

Papst Benedikt XVI.:

Ja, es gibt Vereinigung des Menschen mit Gott – der Urtraum des Menschen mit Gott – aber diese Vereinigung ist nicht Verschmelzen, Untergehen im namenlosen Ozean des Göttlichen, sondern ist Einheit, die Liebe schafft, in der beide – Gott und Mensch – sie selbst bleiben und doch ganz eins werden. ( S. 26)

Elvira Greiner:

Gleichzeitig bin ich auch die Beschenkte: Was die Menschen, mit denen wir arbeiten, mir geben, das ist der größte Lohn, die wertvollste Motivation: Sie geben ein lebendiges Zeugnis dafür, was wirklich zählt – und das ist letztlich immer nur die Liebe. (S. 63)

Christine Kessler:

Selbst unbewegt, ist sie die große Bewegerin – Auflösung, Leerheit, Formwerdung und Form in sich und durch sich vereinend, Zustand und Prozess zugleich. Liebe ist die implizite Ordnung, die den Kosmos organisiert und erhält und gleichzeitig die Dynamik, die ihn bewegt. Sie ist der kosmische Rhythmus, den das gesamte Universum tanzt, der Rhythmus des Werdens, des Loslassens und Neu-Entstehens. Die ist Kommunikation in ihrer reinsten Form: Kommunion. (S. 107)

Deshalb glaube ich an die Liebe, und nur an die Liebe. Mehr brauche ich nicht zu glauben, denn in ihr ist alles enthalten, was dem Leben dient. Liebe ist Leben, und ich glaube an das Leben. Aus diesem Grund ist amo ergo sum eine Liebesphilosophie, eine Lebensphilosophie, eine Lebenshaltung. Mein Credo. (S. 112)

Tom Amarque:

Die Frage Was ist Liebe? ist wahrscheinlich die wichtigste unterscheidbare Frage, die es überhaupt gibt. … Mit jedem Versuch, eine Antwort auf die Frage Was ist Liebe? zu  finden, gehen wir einen Schritt auf uns selbst zu und erkennen uns ein klein wenig mehr. Und doch werden wir diese Frage niemals endgültig beantworten können. (S. 150)

Ich liebe dann, wenn ich mich selbst für jemanden verändere, um mehr leben und zum Wohle des anderen handeln zu können. Ich liebe dann, wenn ich in bestimmten Situationen, in denen ich dazu neige, nicht mehr zu lieben, meine inneren Prozesse unterbreche, neu ausrichte und mehr liebe. Und ich möchte diese Neigung, den Prozess des Liebens zu unterbrechen, nun „Ego“ nennen. … Und es wird mehr als ersichtlich, dass der eigene Tod, nämlich meines Egos, zum Referenzwert für die tatsächliche Liebe wird. (S. 158)

Hardy Fürch:

Denn eigentlich ist es nicht möglich, über Liebe zu schreiben, schon gar nicht über die Liebe – es sei denn, man ist Dichter. (S. 162)

Integrale Liebe, die die spirituelle Dimension mit umfasst, wird so von der Liebe zur LIEBE. Das bedeutet für mich darüber hinaus auch, dass eine spirituelle Liebe zwischen Menschen immer den transpersonalen Kern des Menschen meint. Dass sich Seele mit Seele, Atman mit Atman verbindet. (S. 170)

Wie es aussieht, kommen wir auf dem so genannten spirituellen Weg nicht um eine ganz normale, vollständige Individuation herum. Ein „gesundes Ego“ ist zwar immer auch ein Hindernis, weil es zu Kontraktionen und Selbstbezogenheit neigt, aber gleichzeitig ist es die sicherste Basis für weiteres Wachstum. (S. 172)

Das Sich-getrennt-Fühlen ist ein „göttliches Spiel“, in dem der Eine den Einen sucht. Und das Glück, in der Tiefe des Wesens einander zu finden und zu erkennen, gehört zu den ergreifendsten und heiligsten Momenten des Lebens. (S. 185)

Denn ein „Wir-Feld“ würde wahrscheinlich desto kraftvoller ausstrahlen, je mehr Liebe bzw LIEBE dort gelebt wird. Das schon alleine wäre aus meiner Sicht ein guter Grund, ein polyamorischers Experiment im Sinne eines „Höheren Wir“ zu wagen. (S. 190)

Michael Habecker:

Die Kartographie der Liebe … in diesem Sinne ist ein Ausdruck von Liebe. (S. 243)

Gibt es etwas in dir, was nicht kommt und geht, sondern einfach nur IST und LIEBT? (S. 258) – Schau auf die geschaffene Welt, und wie alles mit allem zusammen hängt. Ist dies nicht alleine schon ein Liebesbeweis? Das gleiche Wasser, welches uns erfrischt, hat schon unzähligen Lebewesen als Nahrung gedient, ebenso wie die Luft, die wir nur deshalb einatmen können, weil andere Wesen sie ausatmen. Das ist die liebende Ökologie allen Seins! (S. 268)

Dem Leben mit allen seinen Gegebenheiten zu begegnen und dabei das Herz offen zu halten, als der Ort, den die meisten Menschen als Lokalisation ihrer Liebe bezeichnen, ist die ultimative Liebespraxis. (S. 270)

Auf einmal war aus einem abstrakten Schildkröten-Es ein Du geworden, ein lebendiges Wesen. … Schuildkrötenkommunikation. … Gute Reise, liebe Schildkröte, du hast mich viel über die Liebe gelehrt, und danke für deinen Besuch bei uns. (S. 272 f.)

Ken Wilber:

Liebe auf diesen frühen Entwicklungsstufen ist Teil eines Spiels um den Mangel. … Dies ist die Ursache für die unzähligen Dramen, die sich abspielen, wenn jemand das Gefühl hat, dass seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Dieses Spiel ist quasi endlos, denn es ist das Wesen einer Liebe aus Mangel heraus.
Doch die Entwicklung kann weiter gehen, hin zu den Entwicklungsstufen …, wo es nicht länger um Mangelbedürfnisse, sondern um Seinsbedürfnisse geht. Erst hier kann Liebe wirklich in ihrer wahren Natur gesehen und erkannt werden, und das bedeutet in Fülle und Überfluss. einheit und höhere Verbindungen werden jetzt aus einem Erleben von Überfluss und Überströmen angestrebt. (S. 279)

Andrew Cohen

Die Erfahrung der absoluten Liebe als unendliches, zeitloses Sein ist die Entdeckung der Natur Gottes im Zustand der Ruhe. Doch wie ich erfahren habe, ist Gott auch Eros, der kreative Impuls. Beim ursprünglichen Übergang von der Zeitlosigkeit zur Zeit, vom Sein zum Werden, vom Nichts zum Etwas veränderte sich die Manifestation und der Ausdruck der unendlichen Natur des Absoluten dramatisch. Wenn Sein die Natur Gottes in Ruhe ist, so ist Werden die Natur Gottes in Aktion – Gott als Eros oder das Verlangen, in Zeit und Form zu existieren. (S. 293)

Die Liebe Gottes, die direkt aus dem Grund des Seins kommt, ist die Quelle dessen, was gewöhnlich „bedingungslose Liebe“ genannt wird. … Es ist die spirituelle Quelle aller wirklichen Heilung, von Individuen und der gesamten Welt gleichermaßen. Die Liebe Gottes als Eros hat jedoch eine andere Qualität. … Es ist eine Naturgewalt, ein vertikaler Impuls im Bewusstsein, der neue Ideen, neue Erfindungen und neue Welten schöpft. Es bringt ununterbrochen neue Potenziale hervor. Unser Verständnis dessen, was absolute Liebe ist, muss immer beide Dimensionen des ultimativen Paradoxes beinhalten. (S. 294)

Genpo Merzel Roshi:

Ich liege jenseits des Persönlichen und des Unpersönlichen. Ich bin die Identität des Relativen und des Absoluten. Ich bin Big Heart. Ich bin wahre Liebe, die bedingte Liebe wie auch  bedingungslose Liebe, bedingungslose Offenherzigkeit, das Große Herz. (S. 305)

Mein Fazit: Unter dem Strich ist das Buch „sehr gut“, weil es den Stand integraler Philosophie über Liebe „sehr gut“ widerspiegelt. So treten auch Schwachstellen auf. Evolutionär gesehen steckt die integrale Philosophie ja erst in den Kinderschuhen. Und das Buch zeigt gut auf, dass das Thema der LIEBE – im Gegensatz zu GEIST – nicht gerade ihre Stärke ist, dass hier noch starker Entwicklungsbedarf besteht. Ich wünsche der integralen Philosophie und Spiritualität einen „Urknall der Liebe“. Das Buch ist ein erste große Schwerpunktverschiebung von GEIST auf LIEBE, wenn auch noch sehr konzeptionell.

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Tom Amarque: Was wir wurden, wer wir sind …

und was wir werden können.
Eine kleine Geschichte der Bewusstseinsevolution

In seinem Nachwort weist der Autor in aller Bescheidenheit darauf hin, dass das Buch weder einen philosophischen noch wissenschaftlichen Anspruch hat. Die Evolution des menschlichen Bewusstseins ist sicher auf 190 Seiten kaum einzufangen. „Ich gebe mich nicht der Illusion hin, auch nur ansatzweise erfolgreich darin gewesen zu sein“ (S. 199). Er möchte sein Buch als erzählte Geschichte verstanden wissen. Eine schamanische Geschichte am Feuer oder eine Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene. Der Leser möge über den Wert für sich selbst entscheiden. Ich finde diese Geschichte der Bewusstseins-Evolution sehr gelungen und möchte sie gerne weiter empfehlen.

Die kurze, nein „kleine Geschichte“ beginnt nicht bei „Adam und Eva“, sondern da, wo die Wissenschaft sich der Evolution bewusst wird. In meinen Worten: Es war eine Art „Urknall des menschlichen Geistes“: HEGEL und SCHELLING deckten im Historizismus die Evolution des Geistes in der Geschichte der Menschheit auf, LAMARCK und DARWIN erkannten die biologische Evolution, MARX und ENGELS zeigten in der Entwicklung der Klassengesellschaften eine soziale Evolution auf, die erst in Zukunft eine wirklich menschliche Gesellschaft hervorbringen würde.

Wir im Kosmos – Die Entstehung des modernen Bewusstseins

Was für eine großartiges neues Weltbild entfaltete sich da – und mit ihr die „erste Aufklärung“. Der alte Mythos der Prämoderne von der zyklischen, ewigen Wiederkehr wird durchbrochen. Kosmische, biologische, kulturelle und soziale Evolution bekommen einen Zeitpfeil: Es gibt eine Entwicklung vom Niedrigen zum Höheren.

Je besser wir die Evolution verstehen, um so besser können wir mit ihr „mitgehen“ oder – um ein populäres Bild zu gebrauchen – „auf der Welle der Evolution surfen“ und die Kräfte, die unsere Existenz ohnehin gestalten, zu unserem Nutzen einsetzen. (S. 18)

Alles ist noch auf das Außen gerichtet, auf den Kosmos und Mikrokosmos, wie der sich den Teleskopen und Mikroskopen zeigt. Doch brüchig wird dieses Weltbild da, wo es sich immer mehr in seinen Pathologien zeigt. Doch dieses rationale, männlich orientierte Weltbild wird auch in Zukunft noch wichtig sein:

Sollten wir jemals die ökologischen Probleme der heutigen Zeit in den Griff bekommen, dann werden es moderne Bewusstseinsstrukturen sein, die dies bewerkstelligen. Weder traditionelle noch postmoderne Bewusstseinsstrukturen beabsichtigen dies, noch sind sie dazu in der Lage. (S. 63)

Das „moderne Selbst“, das Zusammenwirken von Denken, Fühlen und Handeln dieser Weltsicht, tendiert dazu, in der ES-Sprache zu sprechen. Alles IST, wie es erscheint. Wie ich etwas wahrnehme ist 1:1 so, wie „es ist“.

In dieser Welt ist auch der egoistische Wille zu Hause.  „Der moderne Wille zeigt auf die externe Welt und auf die persönliche Kraft, Ziele zu erreichen.“ (S. 71) In der Leiustungswelt von Gewinnern und Verlierern macht der „starke Wille“ zum Gewinner. In dieser modernen Welt steht das DENKEN und die VERNUNFT im Mittelpunkt: „Ich denke, also bin ich.“

Der Kosmos in uns – Die Entstehung des postmodernen Bewusstseins.

Die scheinbar „absoluten Wahrheiten“ der modernen Weltsicht mussten nach Einstein oder den Quantenphysikern „relativiert“ werden. „Alles ist relativ“ wurde zum Slogan der Post-Moderne. Auch die Wahrnehmung ist nicht objektiv, sondern „kostruiert“. Wir sehen die Welt nicht wie sie IST, sondern wie sie uns ERSCHEINT. Wir drücken uns in der Sprache relativer aus. „Mir scheint dies so und so …“

Mit der Psychoanalyse Freuds oder auch Jungs beginnt die „zweite Aufklärung“, die Aufklärung unserer Subjektivität und Innerlichkeit. Aus der Ego-Kultur wird eine WIR-Kultur, das Weibliche erobert sich Terrain vom Männlichen zurück. Mansche sehen in der Postmoderne schon das Zeitalter der Frau. Während in der Moderne der Mythos EROS als Gott stehen kann, ist es für die Postmoderne der Mythos von PSYCHE (das griechische Wort für Seele).

Der Feminismus ist mehr als alles andere das Symbol und das Kernthema der Postmoderne, und dies vor allem auch deshalb, weil es darum geht, das Weibliche gesellschaftlich zurückzuerobern und zu integrieren. (S. 106)

Kennzeichnend für die Postmoderne ist auch das „neu erwachte Interesse an der Spiritualität“ (S. 113 ff). Das postmoderne Selbst interessiert sich für Spiritualität oder Entwicklungspsychologie. Doch in dieser mehr weiblichen Spiritualität des Loslassens, Geschenenlassens, des Nicht-Tun, des SEIN liegt auch „das grüne Dilemma“ (S. 129):

Es ist die Unfähigkeit, aufgrund von sozialen Konventionen und der Ablehnung von Hierarchien Entscheidungen zu treffen, die das eigene psychische Wachstum betreffen. Der soziale Dialog kann nicht in handlungsrelevante Entscheidungen im Hinblick auf die Evolution der Psyche überführt werden.

Mit der Hinwendung auf seine Innerlichkeit wird dem postmodernen Selbst seine Neurosen und Störungen bewusst. Es beginnt, an sich zu arbeiten, „Schattenarbeit“ zu leisten. War die Domäne des modernen Menschen das DENKEN, so ist das GEFÜHL die Domäne des postmodernen Menschen. Das Wohlgefühl auf dem Weg wird selbst zum Ziel.

Das postmoderne Selbst beginnt, diesen Kontakt zum inneren Daimon (Seelenführer – JS), zu dieser starken Quelle von Inspiration, Kreativität und Glück herzustellen, denn es hat erkannt, dass in ihm das eigentliche transformative Potenzial liegt. (S. 142)

Der evolutionäre Zugewinn gegenüber dem modernen Bewusstsein liegt darin, dass das postmoderne Bewusstsein bestrebt ist, all das zu erreichen, wonvon auch das moderne Bewusstseins träumt, aber ohne seelischen Schaden davonzutragen. (S. 144)

Wille und Welt – Die Entstehung des evolutionären Bewusstseins

Diese „post-post-moderne“ Bewusstseinsstruktur nennt der Autor – zwar wie andere Autoren – „integral“, doch das Entscheidende das andere Bewusstsein, sondern die andere dominierende Domaine im Selbst. War es im modernen Menschen der Verstand, im postmodernen Menschen die Gefühle, so ist es im post-postmodernen Menschen der WILLE. Das „evolutionäre Selbst“ greift bewusst und willentlich in die Evolution auf allen Ebenen ein.

Dieses tiefe Verständnis des Wesens der psychischen Evolution, die über die Anwendung der materiellen und sozialen Evolution hinausgeht, nenne ich die dritte Aufklärung. (S. 154)

Mythologisch übernimmt die Tochter von EROS und PSYCHE das Sagen: VOLUPTAS.

Bleiben wir aber bei der römischen Form, Voluptas, so wird noch ein anderer Aspekt dieser Gottheit deutlich, und das ist der freudige Wille. (S. 157)

Vielmehr, als alle vorherigen Stufen zu integrieren, strebt das evolutionäre Bewusstsein aktiv der nächsten Entwicklungsstufe seiner selbst zu. Genau das macht es zum evolutionären Bewusstsein. (S. 160)

Frei von allen Ängsten, Aggressionen und Depressionen begreifen wir dann den Wesensgrund unserer Existenz, nämlich Freude, und können uns damit endlich vom kultureell-fundamentalistischen Buddha-Trauma befreien, nämlich dem Glauben, dass alles Leid ist. Existenz ist reine Freude, Existenz ist Wollen-Können, und dieses Wollen ist immer mehr evolutionär ausgerichtet. Dieser lebensfreudige Wille bejaht die Evolution in jeder Facette des Seins und kann sozial alle Menschen in ihrem eigenen Fortschritt unterstützen, wie er für sich selbst stets höhere Stufen der Selbstentwicklung anstrebt. Genau dies ist das Kennzeichen der evolutionären Bewusstseinsstufe. (S. 169)

Noch einen schönen Satz zum Pendant des Willens, nämlich der Liebe:

Wenn es auch der evolutionäre Wille ist, der die Liebe lenkt, so ist es doch die Liebe, die transzendiert. (S. 178)

Und als Schlussatz: „Kosmos, Psyche und Evolution. Dies ist die Dreifaltigkeit der Existenz, wie wir sie derzeit begreifen können.“ (S. 197) Und weiter: „Wir sind erst in der Halbzeit der Evolution. Und wir alle blicken voller Spannung in die Zukunft.“

Mein Fazit: Der Wert des Buches liegt in seiner Kürze, im Verschaffen eines Überblicks als Orientierungshilfe für den großen roten Faden der Evolution unseres menschlichen Bewusstseins und wie dieses Bewusstsein unsere Realität von der Prämoderne (im archaischen Bewusstsein), der Moderne (dem männlich- wissenschaftlich orientierten Bewusstsein), der Postmoderne (dem weiblich orientierten Bewusstsein der Innerlichkeit) und dem evolutionären Bewusstsein der Zukunft, in dem die Menschheit bewusst über ihren evolutionären Willen zum „Agenten der Evolution“ wird. Es kann keine bessere Vision für die Zukunft der Menschheit geben, als die Evolution schöpfungsgerecht – sagen wir „im Einklang mit Gottes Wille“ – fortzusetzen. Hier ist die Roadmap, die wir immer mehr verfeinern können und müssen.

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