Anne Wilson Schaef: Die Flucht vor der Nähe

Das dritte Buch in der „Sucht-Trilogie“ von Anne Wilson Schaef geht an den Kern von Süchten: die Suchtbeziehung.
Im  ersten Buch der Trilogie „Co-Abhängigkeit. Die Sucht hinter der Sucht“ (1986) (> meine Buchbesprechung)  analysiert sie „Co-Abhängigkeit“ als Sucht und erkennt den Suchtprozess auch hinter dieser Sucht.
Im zweiten Buch der Trilogie „Im Zeitalter der Sucht. Wege aus der Abhängigkeit“ (1987) (> meine Buchbesprechung) analysiert sie dieses Suchtsystem genauer. Schon hier hat sie die „Suchtbeziehung“ als Modell aller Suchtsysteme erkannt.

Das dritte Buch „Die Flucht vor der Nähe. Warum Liebe, die süchtig macht, keine Liebe ist“ (1989) unterzieht diesen Suchtbeziehungen jetzt einer genauen Analyse.

Anne Wilson Schaef unterscheidet 3 Suchtbeziehungen:

  • Sexsucht
  • Romanzensucht
  • Beziehungssucht (in zwei Varianten: ständig in NEUEN Beziehungen ODER
    komplett abhängig von EINER Beziehung)

Jede Sucht hat (grob gesehen) 4 Abstufungsgrade:

  1. heimlich und in der Phantasie
  2. einen anderen Menschen (missbräuchlich) benutzend
  3. einen anderen Menschen grob verletzend
  4. offene Illegalität und Gewalttätigkeit einem anderen Menschen gegenüber
    (jede Sucht endet in letzter Konsequenz für Täter/Opfer/beide tödlich)

Alle Suchtbeziehungen sind PSEUDO-Beziehungen. Oberflächlich gesehen scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Klammer-Beziehungen z.B. scheinen Nähe richtig erzwingen zu wollen. Sexsucht scheint körperliche Nähe zu fordern, Romanzensucht scheint gar der Inbegriff der (verliebten, vergötternden) Nähe zu sein. In Wahrheit aber sind alle diese Pseudo-Beziehungen (Süchte) eine Flucht vor der Nähe.

Wer süchtig ist, hat keine Nähe zu sich selbst (Authentizität) und kann natürlich auch zum anderen keine Nähe eingehen (Intimität). Pseudo-Beziehungen sind u.a. von Streitsucht geprägt. STREIT ist ein Mittel, um den anderen vom Leibe, auf Distanz zu halten. „Und wenn keine Nähe mehr möglich ist – dann gibt es Krieg.“ (S. 105)

… doch nicht nur, auf Distanz zu halten, sondern auch dem eigenen Prozess selbstverantwortlich aus dem Weg zu gehen:

Wenn ich mich mit meinem eigenen Prozeß nicht auseinandersetzen will (der mir besonders angst macht, weil ich nicht weiß, wohin er mich führt), zettle ich einen Streit mit meinem Partner an (abladen); alsbald steht dieser Streit im Mittelpunkt, und ich bin vom Umgang mit mir selbst befreit. Tatsächlich lenkt der Streit beide davon ab, die Verantwortung für ihre eigenen Prozesse zu übernehmen. Wir brauchen nur einen guten Suchtpartner (selbstbezogen), und schon wird das Spiel laufen. (S. 135)

In Suchtbeziehungen ist weder Authentizität noch Intimität möglich. Beides sind zentrale Merkmale von gesunden Beziehungen.

Sind unsere grundlegenden Beziehungen erst einmal krank, sind wir auch selbst krank. Für denmenschlichen Organismus sind Beziehungen wichtig, aber sie können uns weder unsere Identität noch unseren Eigenwert geben. Felt es uns an beidem, können wir vermutlich niht unseren Beitrag für die Entwicklung der Gesellschaft leisten; so verstanden trägt Beziehungssucht zum Verfall der Gesellschaft bei. (S. 104)

Mit fortschreitender Krankheit treten bei jedem Süchtigen bestimmte Verhaltensmuster auf wie Kontrollieren, Unehrlichkeit, Selbstbezogenheit, Perfektionismus, forderndes Verhalten, Verwirrung, Isolation und Dysfunktionalität. … Ein Süchtiger ist nicht in der Lage, irgendetwas beständig und verläßlich für sich oder die Gesellschaft zu leisten, und welcher Art seine Leistung auch sein mag, ihre Qualität wird sich verschlechtern. (S. 107)

Jede Beziehung, die sich in Form von Abhängigkeit irgendeiner Art definiert, kann nicht intim und vertraut sein. Abhängigkeit tötet Nähe. Die meisten Menschen glauben, man müsse den anderen oder die Beziehung brauchen, andernfalls würde man verlassen werden. Doch gerade dieses Brauchen kommt der Aufforderung nahe, eine Beziehung zu zerstören. Keine Beziheung wird überleben können, wenn Abhängigkeit im Spiel ist. (S. 112)

Dieses dritte Buch der „Sucht-Trilogie“ weist wie kein anderes bisher auf den Weg der „Nähe“, „gesunden Beziehungen“ und „Genesung“ (Kapitel 5 und 6). Die beiden nachfolgenden Bücher „Mein Weg der Heilung“ (1992) und „Leben im Prozess“ (1998) sind dann ganz dem Thema der Heilung gewidmet.

Eine wesentliche Grundvoraussetzung für Nähe und Intimität lautet: Wir müssen uns selbst nahe sein. Solange wir Nähe von außen erwarten, werden wir sie niemals richtig erleben und nicht fähig sein, sie mit anderen zu teilen. Wollen wir anderen Menschen nahe sein, müssen wir zunächst einmal wissen, wer wir sind, was wir fühlen, was wir denken, wo unsere Stärken liegen, was uns wichtig ist und was wir wollen. (S. 129)

Die Beziehung mit dem Selbst ist gleichzeitig eine Quelle der Zufriedenheit und Erweiterung, sie muß jedoch geduldig gepflegt werden, um sich zu entwickeln. Sie erfordert auch Zeit für sich selbst, zur Besinnung, Zeit zur Bereicherung der eigenen Spiritualität. Eine Beziehung mit dem Selbst braucht Zeit. Meiner Ansicht nach schließt sie gleichzeitig die Beziehung zu Gott oder einer höheren Macht ein, wie immer man diese auch begreifen mag. Eine aufrichtige Beziehung mit unserem inneren Prozeß bindet uns gleichzeitig an den Prozess des Universums. (S. 144)

Für den Genesungs-Prozess spielt das 12-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker (auf die jeweilige Sucht entsprechend abgewandelt) eine große Rolle. Mir gefällt an diesem Buch von Anne Wilson Schaef sehr, dass sie ihr anfängliches Misstrauen diesem Programm gegenüber in aller Ehrlichkeit und Offenheit beschreibt. Und dann erkennt sie daran, dass wir in unserem Genesungsprozess immer auch auf WIDERSTAND (S. 152 ff.) gefasst sein müssen. Unser Suchtsystem ist heimtückisch und leistet Widerstand gegen seine Auflösung. Ein Bewusstsein für diese Mechanismen zu bekommen und sie dann auch wahrzunehmen (Wo leistet ES Widerstand gegen meine Genesung?) ist von zentraler Bedeutung.

Genesung bedeutet auch Abstinenz. Wer beziehungssüchtig ist, braucht auch eine Zeit der Abstinenz vor einer neuen Beziehung.

Abstinenz bedeutet, daß man noch nicht in der Lage ist, sich auf irgendeine echte, wirklich nahe Beziehung in der frühen Genesungsphase einzulassen; Dies ist in der Regel eine Zeit von zwei bis fünf Jahren. (S. 160)

Und?! Gibt es irgendeinen WIDERSTAND gegen diese Genesungs-Empfehlung?

Mein Fazit: Ich glaube, wir leiden am meisten unter unglücklichen Beziehungen, und wir sehnen uns am meisten nach einer liebevollen Partnerschaft. Es gibt in dieser Hinsicht unendlich viele Ratgeber. Doch kaum an anderer Stelle ist das Scheitern von Beziehungen so klar in ihren Wurzeln erfasst wie in diesem Buch von Anne Wilson Schaef. Solange wir in irgendeiner Form abhängig und süchtig sind, finden wir keine liebevolle Nähe zu uns selbst und vertrauensvolle Intimität zum anderen.

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Die Flucht vor der Nähe: Warum Liebe, die süchtig macht, keine Liebe ist

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Anne Wilson Schaef: Im Zeitalter der Sucht

Nach ihrem Buch „Co-Abhängigkeit. Die Sucht hinter der Sucht“ (> meine Buchbesprechung) geht Anne Wilson Schaef in dem nächsten Buch ihrer Grundthese nach, wir alle sind mehr oder weniger in Suchtbeziehungen verstrickt, so lange wir uns noch nicht von dem Suchtsystem emanzipiert haben.

Das Buch beginnt in der Einleitung mit der erschütternden Wahrheit:

Unsere Gesellschaft zerfällt mit beängstigender Geschwindigkeit. (S. 11)

Unsere Gesellschaft ist KRANK. Sie zerstört sich selbst. Und das ist typisch für jede Art von Sucht: Sie ist selbstzerstörerisch.

In ihrem ersten Buch „Weibliche Wirklichkeit. Frauen in der Männerwelt“ (1981) hatte Anne Wilson Schaef sich international einen Namen als feministische Wissenschaftlerin und Therapeutin gemacht. Sie geißelte dort das „White Male System“, das Gesellschafts-System des weißen Mannes. In diesem Buch „Zeitalter der Sucht“ identifiziert sie das patriarchalische System nun als SUCHTSYSTEM.

Es wird Zeit für eine Umbenennung. Was ich einst als Männliches System – Reaktives weibliches System bezeichnet habe, nenne ich nun das Suchtsystem. Dieses System … läuft dem wirklichen Leben zuwider. Das Aktive Weibliche System nenne ich heute das Lebensprozess-System. Dieses neue Konzept geht über den Männlich-Weiblich-Dualismus hinaus.  (S. 19)

Mit anderen Worten: Es geht nicht um den Geschlechterkampf Mann gegen Frau, Frau gegen Mann. Denn auch abhängige Frauen („reaktives weibliches System“) sind Stützen der Männerwelt. Vielmehr: Auf der einen Seite stehen Männer und Frauen, die in das (männliche) Suchtsystem verstrickt sind und auf der anderen Seite Frauen und Männer, die dieses Suchtsystem verlassen haben und im Lebens-Prozess ein System der Lebensfreude aufbauen.

Was nun ist Sucht?

Sucht ist jeder Prozess, über den wir machtlos sind. Wenn wir Dinge tun und denken, die im Widerspruch zu unseren Werten und Vorstellungen stehen, und unsere Verhaltensmuster einen immer zwanghafteren Charakter annehmen, dann hat sie die Kontrolle über uns gewonnen.
(S. 25)

Eine Sucht beherrscht eine Person und nicht umgekehrt – so lautet die Definition. (S. 142)

Süchte können „stoff- bzw. substanzgebunden“ sein (Alkohol, Nikotin, Kaffee, Drogen, Medikamenten-Missbrauch, …) wie auch „prozessgebunden“. Dazu gehören Geldhorten, Spiel-Sucht, Sex-Sucht, Arbeitssucht, Konsumsucht, religiöser Fundamentalismus.

Wenn so unterschiedliches Verhalten als SUCHT identifiziert wird,  was ist dann das typische Modell für ein Suchtsystem? Anne Wilson Schaef benennt die Beziehungssucht als typisch für ein Suchtsystem.

In unserem Kulturkreis sind Suchtbeziehungen die Regel. Es sind „Klammer“-Beziehungen. Die beiden in sie verstrickten Personen sind der Überzeugung, ohne einander nicht mehr auskommen zu können. Sie verstehen sich als halbierte Menschen, die zusammenbleiben müssen, damit daraus ein ganzer Mensch wird. (S. 33)

Eine Suchtbeziehung stellt per definitionem eine fortgesetzte Eltern-Kind/Kind-Eltern-Beziehung dar.Sie kann nicht weiter gehen, wenn einer der beiden selbstständig oder endlich erwachsen wird und die Verantwortung für sich übernimmt (S. 35)

Der Kern des Suchtsystems sind arrogante Egozentrik und narzisstische Selbstbezogenheit. Hierzu ein längeres Zitat, das den Unterschied zwischen Suchtsystem und Lebensprozess-System auf den Punkt bringt:

Im Suchtsystem steht das Selbst (nicht das wahre, sondern das falsche = EGO, J.S.) im Mittelpunkt. Nichts und niemand darf es unbesehen und ungeprüft passieren, ohne mit ihm verglichen und vom Selbst so definiert zu werden, wie es seiner Wahrnehmung entspricht. Nur unter großen Schwierigkeiten – wenn überhaupt – vermögen die Menschen das Suchtsystem objektiv wahrzunehmen … oder sich in die Perspektive eines anderen zu versetzen. Sie wissen nicht, wie sie dies tun können; Lernprozesse können sie nicht vollziehen, da ihnen ihr Selbst im Weg steht und sie nicht fähig sind, es hinter sich zu lassen.
Im Lebensprozess-System stehen Beziehungen im Mittelpunkt. Wer sich dieses System zu eigen gemacht hat, lebt in einem stabilen Zustand, in dem er mühelos über die Grenzen seines Selbst hinauszugehen vermag. Schon aus der Philosophie wissen wir, das Wesen einer Beziehung liegt darin, daß sie unter Gleichrangigkeit stattfindet … Deshalb eröffnet uns jede neue Bezieheung die Möglichkeit, in sie als gleichwertiger Partner einzutreten. Menschen, die einander als ebenbürtig betrachten, machen es sich zur Gewohnheit, sich und andere zu sehen und die gegenseitigen Standpunkte zu respektieren. (S. 46)

In ihrem nächsten Buch „Die Flucht vor der Nähe. Warum Liebe, die süchtig macht, keine Liebe ist“ (1989) (>> meine Buchbesprechung) vertieft sie die Thematik der Suchtbeziehung und unterscheidet Sexsucht, Romanzensucht und Beziehungssucht.

Wie soll HEILUNG eines Suchtsystems möglich sein?

Die Genesung von einer Sucht läßt sich nur bewerkstelligen, wenn wir uns eingestehen, daß wir süchtig sind. Das Benennen unserer Realität ist ganz wesentlich für unsere Genesung. Solange die Einsicht fehlt, daß unser Verhalten, unter Denken, unsere Aktivitäten wirklich von einem Suchtprozeß in einem Suchtsystem bestimmt werden, haben wir niemals die Freiheit, uns für die Genesung zu entscheiden. Haben wir erst einmal etwas beim Namen genannt, bekommt das einem Bekenntnis gleich. Haben wir uns zu etwas bekannt, dann gehört es uns, geauso wie die Kraft, die wir ehemals auf diese Sache verwendet haben. Gewinnen wir dann unsere persönliche Macht zurück, können wir unsere Genesung in Angriff nehmen – auf keinen Fall vorher. … Es klingt paradox, und doch läßt sich unsere persönliche Kraft einzig und allein zurückgewinnen, indem wir unsere Machtlosigkeit eingestehen. (S. 148)

Fazit: Ich empfehle dieses Buch jedem, der an eigenen Süchten (mit geringerem oder größeren Erfolg) gearbeitet hat, aber intuitiv spürt, das dahinter noch etwas tieferes verborgen liegt: der eigentliche Suchtprozess. Jeder, der das Gefühl hat, keine Macht mehr über das eigene Leben zu haben, die Kontrolle zu verlieren, an Beziehungen zu scheitern, in einer selbstzerstörerischen Abwärtsspirale zu stecken, der findet in diesem Bch die Antwort auf die Fragen WARUM? und den Weg aus der Krise.

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Im Zeitalter der Sucht: Wege aus der Abhängigkeit

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Anne Wilson Schaef: Co-Abhängigkeit

Das kleine Büchlein von Anne Wilson Schaef „Co-Abhängigkeit“ ist ein Meilenstein in der Untersuchung von Suchtverhalten und Suchtbeziehungen. Es eröffnet uns den Horizont, die alltägliche SUCHT in uns selbst zu entdecken und zu erkennen.

Als Co-Abhängige wurden früher die Partner(innen) von Alkoholkranken gesehen. Dies ist zu kurz gegriffen! Co-Abhängigkeit SELBST ist eine Krankheit und eine Sucht, die dem Alkoholismus in keiner Weise nach steht. (Manchmal scheint der Witz zutreffend, dass es kein Wunder sei, wenn der Partner des Co-Abhängigen zur Flasche greift, um eine solch verrückte Beziehung überhaupt aushalten zu können.)

Anne Wilson Schaef geht in diesem Buch aber noch einen entscheidenden Schritt weiter: Sie sieht hinter all den verschiedenen Erscheinungsformen der SUCHT den ganzen SUCHTPROZESS, der einen Menschen von seinem wahren SELBST und seinem authentischen Leben entfremdet. UND da, wo der normale Suchtprozess zum Alltag eines jeden einzelnen wird, da ist die Schlussfolgerung naheliegend: Wir leben in einer Suchtgesellschaft! Die privatwirtschaftliche, kapitalistische Gesellschaft BRAUCHT unsere Süchte und nährt sie (denken wir nur an Spielsucht, Sexsucht, Konsumrausch, Medienkonsum).

Hier die aufschlussreiche Liste von typischen Merkmalen des Suchtprozesses:

  • Unehrlichkeit (Verleugnung, Projektion, Wahn);
  • ein gestörtes Gefühlsleben (Gefühlsstarre, abgespaltene Gefühle, verzerrte Gefühle, Ressentiments etc.);
  • Kontrollverhalten;
  • gestörte Denkstrukturen (verwirrtes Denken, zwanghaftes Denken, Überbewertung des linearen, logischen, analytischen Denkens, dualistisches „Entweder-Oder“-Denken);
  • Perfektionismus;
  • Außenorientierung (Fremdbestimmtsein, geringes Selbstwertgefühl, Eindruck-Schinden, Unterwürfigkeit);
  • Abhängigkeitsprobleme;
  • Angst;
  • Rigidität;
  • moralisierendes Verhalten;
  • Depression;
  • Unterlegenheits- / Überlegenheitsgefühl;
  • Selbstbezogenheit;
  • Verlust der inneren Moral, verunsicherte Wertvorstellungen, Verlust der eigenen Spiritualität;
  • Gefühlsstau;
  • Negativismus. (S. 54)

Es geht nicht um Anklage und Pathologisierung, sondern diese versteckten Süchte zu erkennen und uns zu ENT-SÜCHTIGEN, NÜCHTERN zu werden, KLARHEIT zu gewinnen. Hier hat Anne Wilson Schaef ihr „Living-Process“ (Lebens-Prozess) entdeckt (den sie damals noch als „Therapie“ bezeichnet hat, später wurde dieses „Leben im Prozess“ die einzig wahre Lebenskunst).

Das Buch schließt mit 9 Thesen zur Behandlung von offenen und verdeckten Süchten, die sicher auch heute noch maßgebend sind. Das „Zwölf-Schritte-Programm der Anonymen Alkoholiker“ spielt dabei auch eine zentrale Rolle.

Wir haben in diesem Buch einige ziemlich unorthodoxe und sicher auch aufregende Ideen über die Krankheit Co-Abhängigkeit erörtert, wir haben die verschiedenen Theorien und unterschiedlichen Ansätze kennen gelernt, wir haben erkannt, daß Co-Abhängigkeit ein Teil des Suchtprozesses ist und dass ein Hinüberwachsen in ein Living-Process-System möglich ist. Ich bin davon überzeugt, daß mein Konzept der Co-Abhängigkeit helfen kann, ein ganz neues Verständnis vom gesunden und ganzheitlichen Menschen zu erschließen. (S. 112)

Fazit: Das Büchlein führt in die ganze Thematik der SUCHT und der GENESUNG als Prozess ein. Hier sind alle wesentlichen Aspekte konzentriert und im Zusammenhang benannt.
Es ist auch eine gute Einführung in die späteren Werke von Anne Wilson Schaef, in denen sie die hier aufgestellten Thesen in einer Radikalität und Klarheit vertieft, die selten anzutreffen sind. Sie ist schonungslos ehrlich und kennt mit dem ganzen Suchtsystem keine Gnade.

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Co-Abhängigkeit: Die Sucht hinter der Sucht

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Paul Ferrini: Denn Christus lebt in jedem von euch

Was würde JESUS wohl sagen, wenn er heute auf die Welt käme?
Wie würde er seine Lehre der Liebe und Vergebung HEUTE darstellen?

Paul Ferrini lässt JESUS in seinem Buch „Denn Christus lebt in jedem von euch“ zu Wort kommen! Das also, wäre seine heutige Botschaft!

Jesus spricht uns in diesem Buch direkt an. Was für ein Wagnis des Autoren Paul Ferrini, Jesus durch sich sprechen zu lassen. Im Vorwort geht er direkt darauf ein. Diese Erklärung ist so beeindruckend, dass ich daraus vorlesen möchte:

 

Elisabeth Kübler Ross hat zu diesem Buch gesagt: „Das wichtigste Buch, das ich je gelesen habe. Ich studiere es wie die Bibel.“

Ich kann die Aussage dieser wunderbaren Frau verstehen, und es scheint mir anmaßend zu sein, als Rezensent mehr dazu zu sagen. Das Buch hat eine dermaßene DICHTE, dass es in den verschiedenen Themen täglich und immer wieder gelesen werden kann.

Ich will hier nur ein paar Sätze „Kostprobe“ zitieren, die MICH besonders beeindruckt haben und anschließend ein Kapitel beispielhaft vorlesen.

Liebe ist die einzige Reaktion, die Angst auflösen kann. Wenn du das nicht glaubst, versuche es. Liebe irgendeine Person oder Situation, die Angst in dir auslöst, und die Angst wird verschwinden. Das ist wahr – aber nicht so sehr, weil Liebe ein Gegenmittel gegen Angst ist, sondern weil Angst die „Abwesenheit“ von Liebe ist. Deshalb kann Angst nicht weiterexistieren, wenn Liebe da ist. (S. 21)

Solange du deine Schuld nicht aufgelöst hast, kannst du deine Unschuld nicht erkennen. Um nichts anderes geht es bei der Vergebung. Es geht nicht darum, anderen zu vergeben, sondern allein darum, sich selbst dafür zu vergeben, dass man sich für schuldig erklärt hat.
Das ist die Ebene der Praxis. Es gibt keine Situation, auf die diese Praxis nicht anwendbar ist. Das ganze Szenario deines Lebens ist ein Feld der Selbsterforschung. Mache dir jeden deiner Gedanken und jedes deiner Gefühle bewusst, und schon bald wirst du den Ursprung deines Schuldgefühls und des daraus resultierenden Leidens gefunden haben.
Niemand kann sich vor dieser Arbeit drücken. Sie ist ein wesentlicher Teil des Lehrplans, dessen Ziel das Erwachen ist. Je schneller du das erkennst, desto leichter wird es dir fallen, die Arbeit zu tun. (S. 25 f.)

Das Leben ist entweder Widerstand oder Hingabe. Das sind die einzigen Möglichkeiten. Widerstand verursacht Leiden. Hingabe führt zur Glückseligkeit. (S. 32)

Nur wenn du andere in dein Herz hineinläßt, wirst du auch fähig, sie freizulassen.
Liebe und Nicht-Verhaftung gehen Hand in Hand. Du kannst nicht jemand lieben und gleichzeitig versuchen, ihn zu kontrollieren. Nur indem du das Beste für ihn wünschst, läßt du deinem Nächsten Freiheit. Und wenn du ihm keine Freiheit läßt, ist das, was du ihm gibst, keine Liebe. (S. 40 f.)

Der Wechsel von Urteil zu Akzeptanz, von der Trennung zum Mitgefühl ist die eigentliche Voraussetzung für Heilung. …

Ein Heiler oder jemand, der Wunder wirkt, hat die eigene innere Fähigkeit akzeptiert, völlig frei von Konflikten, Schuldgefühlen und Werturteilen zu sein. Wenn du diese Fähigkeit in dir selbst akzeptierst, wirst du Wunder in deinem Leben wirken, so wie ich es getan habe.
Ich habe dir viele Male gesagt, dass du dazu fähig bist. Heilung ist nicht nur möglich, sie ist sogar notwendig. Jeder von euch ist ein Heiler seiner eigenen wahrgenommenen Verletzungen und Ungerechtigkeiten, ein Zeuge der Heilkraft des Wunders. Heilung ist euer einziger Daseinszweck auf dieser Erde. Je früher ihr das erkennt, desto besser. (S. 58)

In diesem selbstinszenierten Drama führst du deine Auseinandersetzung nur mit Gott. Es scheint, als führtest du sie mit deinem Bruder, aber das ist nicht wahr. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse wächst in deinem eigenen Kopf. Und in deinem eigenen Kopf stellst du dir die Frage nach Ungleichheit und Missbrauch.
Es wird eine Zeit kommen, da deine und Gottes Antwort völlig übereinstimmen. Und dann wird sich der Baum von Gut und Böse in den unmittelbaren, ganzheitlichen Baum des Lebens verwandeln. Die Liebe hat dann keinen Gegenpol mehr, sondern dehnt sich frei in alle Richtungen aus. (S. 80)

Das Mangeldenken entspringt deiner Wahrnehmung, daß du es nicht wert bis, geliebt zu werden. Wenn du dich der Liebe nicht wert fühlst, wirst du den Mangel nach außen projizieren. (S. 82)

Der Baum hat tiefreichende Wurzeln und ausladende Äste. Er ist unten fest verwurzelt und oben ganz beweglich. Er ist ein Symbol für Kraft und Hingabe. (S. 93)

Die Gesetze der Welt gelten nicht mehr für den Mann oder die Frau, deren Herz offen ist. Und so geschehen Wunder. Nicht aufgrund irgendwelcher besonderer Aktivitäten, sondern einfach weil die Liebesschwingung sich ausdehnt. (S. 96)

Sobald die Lektionen der Ebenbürtigkeit auf der Erde gelernt und verstanden wurden, wird sich das elektromagnetische Feld der Erde verändern, und die Erde wird einen neuen, glorreicheren Lehrplan hervorbringen. (S. 111)

Deine gesamte Lebenserfahrung auf der Erde ist ein Lernprozeß: Du lernst, auf dich selbst, auf deinen Nächsten und auf Gott zu vertrauen. Im Augenblick des Erwachens, in dem das Vertrauen voll aufblüht, werden diese drei Aspekte des Selbst eins. (S. 156)

 

 

Fazit: Wie immer man Paul Ferrini kennen gelernt haben mag, das ist das SCHLÜSSELBUCH, um seine Lehre (und die Lehre Jesu) zu verstehen. Es enthält den Kern seiner Botschaft. Alle anderen Bücher sind mehr oder weniger Hilfen, diese „einfache Lehre“ im Leben praktizieren zu können.

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Denn Christus lebt in jedem von euch

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Paul Ferrini: Nach Hause kommen

Es ist ein ganz anderes Buch von Paul Ferrini. Fast hätte ich es verpasst! Es ist sehr persönlich, SEHR. Er lässt uns zu ihm „nach Hause kommen“:

„‚Nach Hause kommen‘ enthält einige Inspirationen und Einblicke, die ich erhielt, als eine wichtige Beziehung in meinem Leben endete und der Samen einer anderen gesät waren. Dieses Buch enthält auch einige Gedichte, die, wie ich hoffe, ein emotionales Gegenstück zu meiner Prosa liefern.
Ich habe schon immer in meinen intimen Beziehungen mehr als in irgendeinem anderen Bereich meines Lebens gelernt. Einige dieser Lektionen waren schwierig und schmerzhaft, aber am Ende haben sie mir alle dabei geholfen, mein Herz zu öffnen.“
(S. 7)

Das Buch war für mich eine große Befreiung! Paul Ferrini ist als spiritueller Meister ein Botschafter der Liebe und Partnerschaft, den ich SEHR schätze. Da stellt sich schon die Frage: Und wie „funktioniert es“ bei Paul Ferrini selbst?

Das Buch gibt EINBLICKE auch in SEINE schwierigen und schmerzhaften LEKTIONEN DER LIEBE. Nicht nur offenbart sich Paul Ferrini dadurch selbst zu einem an der Liebe leidenden Wesen. Das eigene Leiden relativiert sich; ich bin nicht so einer, der es wohl nie lernt.

Das Buch – anders als die anderen – enthält jetzt keine „12 Schritte zu …“ oder ein komplettes „Programm für spirituelle Meisterschaft“, auch kein Übungsprogramm.
Es komm leiser, tiefer und persönlicher. In 14 kleinen Prosa-Artikeln und 25 Gedichten berührt es unser Herz „für die Lektionen der Liebe“.
Was mich besonders freut: Ich habe Paul Ferrini bisher immer so verstanden, dass er nicht an die „Seelenpartner“ glaubt. Hier lese ich erste Bekenntnisse von ihm dazu. JA!

Das Büchlein (135 Seiten) darf „eigentlich“ von keinem Ferrini-Freund ungelesen bleiben,
sonst fehlt einem die „Innenseite“. Es eignet sich auch sehr zum gegenseitigen Vorlesen.

Gerne zitiere ich ein Gedicht als Anreiz:

Das Treffen

Ich wusste immer, dass du zu mir kommen würdest
und dass ich dich erkennen würde, wenn du kommst.

Ich wusste, ich würde mich selbst sehen,
wenn ich in deine Augen blicke,
und dein Herz schlagen hören,
wenn ich deine Hand in meine nähme.

Weißt du, für mich bist du keine Fremde.
Ich kenne dich seit Langem schon.

Und nun, durch eine außergewöhnliche Gnade,
kann ich kaum begreifen, dass du vor mir stehst.

Ich grüße dich, meine Liebe.
Ich feiere dieses Treffen von Innen und Außen,
von Herz und Verstand, von Körper und Geist.

Alles, was getrennt und auseinander war
ist nun wieder zusammen gefügt.
Zwei wurden zu Einem.

Himmel und Erde sind vereinigt.
Mensch und Gott berühren sich.
Was immer wahr gewesen ist, ist nun wahr in uns.

Wir danken.
Möge das, was uns segnet,
alle Lebenwesen segnen.

(Seite 133 f.)

Von NIRGENDWO jetzt also NACH HAUSE KOMMEN.

Eine kurze Lesung aus dem Buch:

 


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Paul Ferrini: Unterwegs nach Nirgendwo

Es ist mir ein besonderes Zeichen, dass sich mir bei der ersten Besprechung meines neuen Buch-Blogs Paul Ferrinis Buch „Unterwegs nach Nirgendwo“ angeboten hat!

Das kleine Büchlein (172 Seiten) ist durchaus von der Qualität des Buches JETZT!-Die Kraft der Gegenwart von Eckhart Tolle. Okay, ich werde jetzt nicht weiter vergleichen!
Es geht jedenfalls um das gleiche Thema: ganz und gar im AUGENBLICK zu leben, auf dem Weg nach NIRGENDWO (NOW HERE) zu sein, im JETZT und HIER.

„Ich gehe diesen Weg nur, weil er sich vor mir ausbreitet …
Ich bin mir nicht wirklich sicher, wohin er führt.“ (S. 9)
„Der ‚Weg ins Nirgendwo‘ ist der Weg zu deinem Herzen.“ (S. 11)

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Worte es bedarf (und Paul Ferrini ist dabei noch sehr zurückhaltend!), um den „Weg“ ins Hier und Jetzt zu beschreiben. Ist es wohl doch die „schwierigste“ und vielleicht auch einzig wahre spirituelle Übung, um in den Prozess des Lebens selbst zu kommen. Denn unser oberflächliches Leben spielt sich in der Vergangenheit (Verhaltensmuster, Wahrnehmungsfilter) und in der Zukunft (Befürchtungen) ab, nur nicht gelassen, entspannt und friedfertig in dem Augenblick, in dem das EIGENTLICHE Leben stattfindet.

Das Hindernis, einfach nur im Hier und Jetzt zu leben, ist das EGO, das „falsche“, getrennte SELBST. Das Leben aus dem EGO heraus aber kann nicht funktionieren! (Doch es gibt eine verblüffende Lösung:)

„Nichts funktioniert auf dem ‚Weg ins nirgendwo‘, außer, du gehst davon aus, dass es nicht funktioniert. Dann funktioniert es.“ (S. 20)

Ich habe kaum ein Buch gelesen, dass so sanft und liebevoll mit dem (in der spirituellen Szene so verhassten) EGO umgeht. Ja, Paul Ferrinis Buch kann man auch lesen als Aufforderung: Raus aus dem EGO-Spiel! Raus aus dem Selbstbetrug, der Lieblosigkeit, dem Starrsinn, der Scham, den Schuldgefühlen, der Wertlosigkeit, der Angst, den Urteilen, den (Partner-) Konflikten.

„Liebe dein Ego, dein wütendes verletztes Kind,
deinen inneren Teufel, deine Fähigkeit
zu lieblosen Gedanken und Taten –
sonst wirst du niemals Ganzheit erfahren.“
(Aus dem Kartenset mit Paul Ferrini „IST DIE TASSE VOLL …)

Der Ursprung des EGO ist der Schmerz der Trennung (letztlich von Gott). So ist die Überwindung dieser Trennung (das Ende des EGO als getrenntes Selbst) auch nicht der Weg in die Hölle, sondern ganz im Gegenteil:

„Sobald du die Wahrheit erreichst, stirbt das Ego, weil es nicht mehr Fuß fassen kann. Aber das Ego ist nicht ausgelöscht worden. Es stirbt und wird zur Wahrheit, es stirbt in die Wahrheit hinein. Es gibt auf. Das ist kein schmerzvoller Vorgang, sondern ein ekstatischer.“ (S. 53)

Ich habe eine Sammlung solcher Weisheits-Zitate aus dem Buch erstellt, die vielleicht einen „Geschmack“ auf die Tiefe seines Inhalts geben:

>> Weisheitszitate aus dem Buch (20 Seiten), zusammengestellt von Jürgen Schröter

Doch das Buch ist durch kein Exzerpt in seiner Essenz zu fassen. Es enthält kein Wort zu viel, ist ESSENZ SELBST. Das Buch ist eine Meditation. Jede Seite, jeder Abschnitt offenbart neue Lebens-Impulse für ein Leben im Hier und Jetzt, für den Weg des Lebens im PROZESS DES SEINS. Es ist nicht nur ein Buch in die Mystik des Lebens, sondern auch (nahezu) eine Pflichtlektüre für Menschen auf dem Weg ihrer Berufung:

„Hier sind meine Fähigkeiten.
Nutze sie, wenn du willst,
um dich um unser gemeinsames Wohl zu kümmern.
Ich vertraue dir völlig,
dass du mich fair und respektvoll honorierst.“ (S. 125)

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