Dr. Lee und E. Bucher: Wie Männer stark bleiben

Untertitel: Natürlicher Hormonausgleich für Männer

Das Buch hat zwei Autoren. Die Übersetzerin und Co-Autorin Elisabeth Buchner hat das Buch nach dem Tod von Dr. Lee am 17. März 2003 mit eigenen Ergänzungen 2005 im Selbstverlag herausgegeben. Der Teil von Dr. Lee ist eine gute und vor allem notwendige Ergänzung zu seinem Hauptwerk „Natürliches Progesteron“ (> meine Buchbesprechung). Doch anders als das Buch in seinem Titel nahe legt, geht das Buch nicht um die hormonelle Verbesserung männlicher Potenz, sondern viel allgemeiner um Prostata-Probleme des Mannes und seine Krebsursachen. Dieses Thema kam in Dr. Lees Hauptwerk zu kurz und wäre eine gute Ergänzung zu diesem geworden, die Erweiterung um ein wichtiges Kapitel.

Dr. Lee geht in dem Buch drei große Themen und medizinische Missverständnisse an:

  • Testosteron rufe Prostatakrebs hervor (Quatsch!)
  • erhöhte Progesteron-Werte in der Prostata seien verantwortlich für Prostata-Krebs (Unsinn!)
  • die häufige Fehlinterpretation des PSA-Tests (Tumormarker) bei Prostata-Krebs (nicht zu Ende gedacht)

Darüber hinaus empfiehlt er gewisse Nahrungsergänzungen (Vitamine und Mineralien).

Ein weiteres großes Thema ist eine möglichst genaue und eher zurückhaltende Dosierung natürlicher Geschlechtshormone, immer mit dem Ziel, die Eigenproduktion anzuregen.

Zitate aus dem Buch zu Östrogendominanz auch bei Prostata-Krebs:

Es gibt beachtenswerte, neue Beweise dafür, dass besonders diejenigen Männer, die von Prostatakrebs betroffen sind, einen hohen Östradiolspiegel und niedrige Testosteronwerte haben. (S. 27)

Zum Progesteron bei Prostata-Krebs:

Also ist das Progesteron nicht die Ursache des Krebses, sondern ein wichtiger Notfall-Mechanismus vom Körper, um zu retten, was zu retten ist. (S. 59)

Als Schlussfolgerung daraus schreibt Dr. Lee:

Ein gesundes Gleichgewicht von Testosteron und Progesteron sollte das Ziel sein für jede vorbeugende und behandelnde Therapie im Kampf gegen Krebs schlechthin.
(S. 72 f.)

Die ergänzenden Texte von Frau Elisabeth Buchner

Lobenswert: Die Einfügungen und Ergänzungen von Frau Buchner sind schon vom Schriftbild her deutlich unterschieden. Sie machen – mit etwas naiven und überflüssigen Zeichnungen – gut die Hälfte des Buches aus. (Bei den Zeichnungen habe ich den Eindruck, ich werde als Mann für doof gehalten, dem man Bildchen malen muss, damit er überhaupt etwas kapiert). Ich schätze die Arbeiten von Frau Buchner sehr (> siehe meine Buchbesprechung). Ihr Beitrag zum „natürlichen Hormonausgleich für Männer“ (Untertitel) liest sich dann auch eher wie eine Ergänzung zu ihrem eigenen sehr empfehlenswerten Buch „Wenn Körper und Gefühle Achterbahn spielen“.

Dieses Buch „Wie Männer stark bleiben“ ist ein erster und unausgeglichener Beitrag für „männliches Hormonbewusstsein“. Als Ansatz sehr begrüßenswert, doch noch nicht wirklich gelungen, eher selbst unausgeglichen (2 Autoren, 2 mal Ergänzungscharakter).

Mein Fazit: Auch wenn das Buch durch die Ergänzungen von Frau Buchner an wissenschaftlicher Qualität eingebüßt hat, empfehle ich es doch. Es ist eine notwendige Ergänzung zum Hauptwerk von Dr. Lee „Natürliches Progesteron“. Hier wird vor allem das Thema der hormonellen Dysbalance bei Männern besprochen. Einen hormonellen, natürlichen Ausgleich zu schaffen, ist nicht nur für Frauen (Stichwort: PMS und Wechseljahre), sondern auch für Männer (Prostata-Probleme, Potenz) für die Gesundheit überaus wichtig. Und hier ist das Buch überaus hilfreich, auch mit sinnvoller Dosierung und Richtwerten von Dr. Lee. Ich kenne nichts Besseres, auch wenn der Titel eher irreführend ist.


Wie Männer stark bleiben: Natürlicher Hormonausgleich für Männer (Klick)

Jürgen Fischer: Sexuelle Liebe mit 50+

Untertitel: Tantra und energetische Liebe für erwachsene Menschen


Jürgen Fischer (ein Wilhelm-Reich-Experte) hat bereits das bahnbrechende Buch „Sexuelle Liebe im Jetzt“ im gleichen Verlag veröffentlicht. Das war im Grunde eine große Abrechnung mit der männlich dominierten Ideologie des „Liebe MACHENS“, des Neo-Tantrismus mit seinem patriarchalischem Kern, ritualisierter spiritualisierter Praxis und individuellen Therapien als Ego-Anpassungen. Ein gelungener „Rundumschlag“, der nur möglich ist aus einer höheren Warte (einem „neuen Paradigma“). Sogar die großen „heiligen Männer“ der sexuellen Revolution sind von seiner Kritik nicht ausgenommen: OSHO, Berry Long und Wilhelm Reich selbst. (Es macht ja Sinn, wenn ein Schüler über seinen Meister hinaus wächst.)

Ich würde dieses erste Buch jedem empfehlen, bevor er das zweite Buch „Sexuelle Liebe mit 50+“ liest. Vielleicht ist dazu auch meine Besprechung des ersten Buches hilfreich: > meine Buchbesprechung (Klick).Das erste Buch ist die Abgrenzung, im zweiten Buch entfaltet Jürgen Fischer – so weit es in Worte fassen lässt – diese „energetische Liebe“, damit Paare es praktisch leben können.

Jürgen Fisher zitiert in diesem Buch sehr ausführlich den amerikanischen Autor David Schnarch aus „Die Psychologie sexueller Leidenschaft“. Hier wird in langen Zitaten die Essenz des 500-Seiten-Schmökers von Schnarch heraus gestellt. Der Autor schreibt selbst: „Kein anderes Buch über Sexualität hat mich so angeregt, über alle möglichen Aspekte von Sexualität und Paarbeziehung nachzudenken.“ (S. 36)

Reife Sexualität braucht reife Menschen

Der Autor durchbricht nicht nur das Tabu „Sexualität älterer Menschen“, sondern zeigt ganz im Gegenteil auf, dass ältere Menschen Sexualität viel reifer und tiefer erleben und genießen können. Die Sexualität jüngerer Menschen ist körperorientiert („Frisch-Fleisch-Sex“), die Sexualität reifer Menschen dagegen kommt ganz aus der Seele. Natürlich ist der energetisch frei fließende Körper beim Sex mit dabei, doch Grundlage der energetischen Liebe ist die Seelenbeziehung des Paares.

Menschen, die in der zweiten Lebenshälfte oder im letzten Drittel ihres Lebens stehen, haben eine großartige Chance, sexuelle Erfüllung in ihrer ganzen Bandbreite neu und in ihrer ganzen Schönheit zu erfahren. (S. 42)

 

Wir bauchen uns nichts vorzumachen: In unserer Kultur erleben die allermeisten Menschen über kurz oder lang das ganze sexuelle Elend. Erst durch ihre Lebenserfahrung und das Scheitern von falschen Sex- und Glückskonzepten, Jugendwahn und materialistischen Seifenblasen können ältere Menschen zum Wesen des Glücks vordringen. Der Autor schreibt sogar: „Das zu erkennen ist älteren Menschen vorbehalten“. (S. 52)

Die energetische Liebe besteht bei dem Autor aus zwei Polen: energetische Sexualität und Schmerzkörperarbeit. 

Jedes Mal, wenn du dich unfähig fühlst, deine sexuelle Lust zu leben, solltest du die Schmerzkörperarbeit anwenden. Sobald und so lange du Zugang zur Lust hast, kannst du mit deinem Partner die energetische Sexualität leben, weil du es dann auch willst. Das ist das natürliche Wechselspiel zwischen energetischen Sexualität und Schmerzkörperarbeit. Das ist das Wesen  einer spirituellen und sexuellen Liebesbeziehung auf der genitalen Charakterebene. Die energetische Liebe besteht also aus zwei grundsätzlichen Komponenten: energetische Sexualität und Schmerzkörperarbeit. (S. 131)

Energetische Sexualität

Der Autor definiert energetische Sexualität so:

Die energetische Sexualität sit eie spirituelle Erfahrung, die die Wahrheit des Ich Bin oder von Gegenwärtigkeit in der Vereinigung verwirklicht. (S. 55)

Die große Rolle der Gegenwärtigkeit (Lebe im Hier und „Jetzt!“ von Eckhart Tolle) kommt vielleicht am besten in diesem Kernsatz zum Ausdruck:

Ihr könnt damit euren Körpern und Seelen die Verfügungsgewalt darüber geben, die Lust beim Sex zu fühlen und die Lust auf Sex als irrelevant zu vernachlässigen. (S. 64)

Auch wenn das Buch ermahnt, keinen äußeren Regeln zu folgen, sondern der inneren Lust des Paares, enthält das Buch „Regeln“, Bedingungen, über das das Paar sich immer wieder verständigen sollte. Es sind sogar annähernd 25, wie zum Beispiel:

  • Vereinigt euch täglich.
  • Vereinigt euch, wenn einer von euch den Wunsch äußert.
  • Vereinigt euch nicht, wenn ein Schmerzkörper aktiv ist.
  • Stellt keine Vorerregung her.

Die Besprechung dieser „Regeln“ nimmt einen Großteil des Buches in Anspruch: S. 57 – 110. Doch es sind keine wirklichen Regeln, sondern Orientierungspunkte in der Übergangszeit, bis diese neu Art der Sexualität „in Fleisch und Blut“ übergegangen ist.

Alter Blümchensex in neuen Schläuchen? Ganz und gar nicht! Das wäre völlig missverstanden. Und hier bringt der Autor das Thema des hemmungslosen Sexes klar in dem Begriff des Fickens auf den Punkt. Es geht nicht darum, eine solche ungezügelte Leidenschaft abzuwehren, sondern von beiden Seiten (ungespielt) zuzulassen, wenn es durchbrechen will. Es wird nicht hergestellt, sondern ist eine Reaktionsweise von Körper und Seele. (Dieser Punkt hatte mich im ersten Buch des Autoren nicht wirklich überzeugt. Jetzt ist es bei mir anders, wohl auch ein Durchbruch beim Autor selbst.)

Für mich ist inzwischen klar, dass sich mir das Ficken tatsächlich erst durch die energetische Liebe vollständig eröffnet hat. (S. 79)

Schmerzarbeit in der Paarbeziehung

Der Autor macht gleich zu Anfang des Kapitels klar:

Du hast in deinen Beziehungen die geschichte der Menschheit, die Geschichte des Geschlechterkampfes, von Gewalt und Missbrauch als deine ganz persönliche Angst erlebt. (S. 111)

Diese Angst, der über Generationen aufgebaute Schmerzkörper ist das Gift für jede Liebe. Und nur wer hier achtsam und bewusst mit diesen Schmerzen umgeht, kann sich davon als Paar endgültig befreien. Der Autor greift dabei wieder auf die Schriften Wilhelm Rechs (neurotische Charakterstrukturen, energetische Blockaden, genitaler Charakter, funktionale Identität usw.) zurück, doch auch auf Eckhart Tolle, der den Begriff „Schmerzkörper“ geprägt hat („Eine neue Erde“ > meine Buchbesprechung).

Auch dieser Teil enthält wertvolle Orientierungspunkte wie:

  • Einigt euch jetzt (in einer schmerzlosen Situation) darauf, dass es darum geht, den Schmerzkörper bewusst zu machen
  • Den Inhalt des Schmerzkörpers als unwichtig erkennen
  • Erlaube dem Schmerzkörper zu sein usw.

Der Autor geht so weit zu sagen:

Letztlich werdet ihr beide füreinander zu Therapeuten. Eine LIebesbeziehung ist auch darauf gegründet, sich gegenseitige Hilfe und Unterstützung in schwierigen Situationen zu geben. (S. 128)

r-pfeil-reMein Fazit: Das Buch enthält keine neuen Techniken, Übungen oder Rituale. Alles das ist eher Zirkus, lenkt vom unmittelbaren Kontakt des Paares über den Körper und die Seele ab. Doch es ist ein Anleitungsbuch für Paare, die energetische Liebe mit energetischer Sexualität und Schattenarbeit zu praktizieren. Die einzige „Übung“, die der Autor empfiehlt, ist, sein Buch immer und immer wieder zu lesen. In meinen Augen enthält das Buch wirklich die Essenz. Es ist befreiend, weil es uns von allem befreit, was einer aus sexuell gelebten spirituellen Liebe im Wege steht und blockiert. Ich wünsche dem Buch allen Erfolg der Welt. Es ist der kleine Leitfaden einer „neuen sexuellen Revolution“, wieder von einem 68-er initiiert. (Wir sind auch als 65-Jährige noch nicht am Ende!, wenn ich das aus eigener Sicht noch zusetzen darf.) Es kommt zur rechten Zeit, um auch das ganze Elend der Neo-Tantra-Szene hinter sich zu lassen. Viele brauchten wohl diese Erfahrungen, doch jetzt kann es weiter gehen zu einer sexuell aktiven Seelenliebe bewusster Paare.  


 

Die vom Verlag zur Verfügung gestellte Leseprobe (Klick)

Die Autoren-Homepage (Klick)

Im Buch immer wieder empfohlen:
„Die Reise zu deiner Seele“
als PDF (Klick) | als Hörbuch (Klick), beides kostenfrei


 

 

Jürgen Fischer:  Sexuelle Liebe mit 50+: Tantra und energetische Liebe für erwachsene Menschen (Klick)

Uwe Kapfer: KREBS GO HOME

Untertitel: Friedensverhandlungen mit Körper, Geist und Seele


Der Titel wird dem Buch eigentlich gar nicht richtig gerecht. Er signalisiert vom Verlag „verkaufstechnisch“, dass es sich um ein Krebsheilbuch handelt. Der Untertitel „Friedensverhandlungen“ trifft den Inhalt viel genauer. Denn der Autor selbst hat, bevor er sich vom Krebs als Krankheit verabschiedet hat, schon lange vor dem WORT „Krebs“ verabschiedet und verwendet ihn möglichst nicht. K-R-E-B-S definiert er einfach um in „Kein Risiko, sondern Eine Besondere Situation“. Und seinen eigenen Nierentumor hat der den Kosename gegeben: „Lucky“ (der Glückliche). Denn, was ist unsere erste Assoziation, wenn wir an das Wort „Krebs“ denken? Genau: BEKÄMPFEN! – und genau von dieser Denke verabschiedet sich das Buch.

Wer schon etwas bewusster ist, der stellt sich die Frage: Soll ich meinen Krebs bekämpfen oder lieben? (Liebet eure Feinde!) Das Buch gibt die Antwort.

Der Autor Uwe Kapfer war selbst bei der Bundeswehr Berufssoldat in höchster Laufbahn und hat sich selbst von dem „Kriegshandwerk“ 31.12.2001 verabschiedet („ehrenhafte Entlassung“) und ist ins Zivilleben übergewechselt. Er weiß, dass Kriegführen nur zu Leid und Elend führt, am Ende im besten Falle zu faulen Kompromissen. Im Krieg gibt es immer (mindestens) ZWEI Parteien, für den Frieden braucht es nur EINEN. Frieden schaffen wir nur in uns selbst – und das gilt auch für einen „Weckruf Krebs“. Er ist kein Feind, sondern Teil unseres Körpers. „FRIEDE sei mit dir!“ Das gilt auch und gerade im Umgang mit dem eigenen Tumor („Geschwulzt“).

Mein Weg ist ab heute der Weg des Friedens. (S. 58)

Wenn Krieg herrscht, so meine Erfahrung, regiert immer das Ego. (S. 88)
Mehr und mehr sah ich meine Diagnose nicht als Kriegsaufforderung, sondern als eine Einladung für einen liebevollen Weg. Dieser Gedanke gewann zunehmend an Kraft und Raum. (S. 94)

Die Verhandlungspartner

Der Autorsetzt an dem Havard-Konzept der friedlichen Konfliktlösung an (S. 97 – 107):

  • Sachlich bleiben und nicht persönlich werden!
  • Konzentrierung auf die wahren Interessen aller!
  • Entscheidungsalternativen (Plan B) parat haben!
  • Kein Gemauschel, sondern objektive Entscheidungs-Kriterien.

Es dauert einige Zeit, bis alle Verhandlungs-Partner und Verbündete (! – es sind ja keine Gegner) bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen:

  • Der Körper als der wirklich leidtragende. Die Mehrheit der Körperzellen sind ja gesund und wollen Heilung, schreien um Hilfe.
  • Lucky, der Tumor selbst, der ja auch kein wonnevolles Leben führt, Ausgeburt von Angst und Psycho-Schatten ist.
  • Der Geist (im Sinne von Verstand), der nüchtern und realistisch analysiert (wenn er auch weitgehend in der Vergangenheit und Zukunft zu Hause ist, doch auch das gehört dazu.
  • Das EGO, der problematischste Partner, der ängstliche Kontrollfreak, der die obigen Partner unter Kontrolle zu haben scheint.
  • Das innere Kind (ihm ist das Buch gewidmet), das als verletztes Kind den Schutzpanzer EGO erst ermöglicht hat. Mit seiner Heilung kommen die anderen Partner so richtig ins Spiel:
  • Der Herz als das Zentrum der Lebenskraft, der Liebe und des Friedens.
  • Die Seele als das göttliche Vertrauenszentrum.

Immer dabei ist auch das „Ich-Selbst“ (ohne benannt worden zu sein), der als Koordinator und Moderator alle Parteien zusammen bringt.

Es hat etwas von sehr tiefsinniger und praktischer Lebensphilosophie, ohne als solches ausgegeben zu sein. Es ist so schön differenziert, wie ich es kaum in einem Philosophiebuch gelesen haben (S. 109 – 1179 Ich nehme mich seitdem viel differenzierter wahr.

Es ist sehr erkenntnisreich, wie unterschiedlich sich dann die Sichtweise der einzelnen Verbündeten im Laufe der Verhandlungen verändern, von Statements, Bedürfnissen und Interessen, Taktiken, im Dialog selbst bis hin zu einstimmigen (!) Entscheidungen.

Die Wende im Leben

Am Ende will ich den Autor noch mehr selbst zu Wort kommen lassen:

Rückblickend würde ich sogar sagen, so paradox es auch klingen mag, dass der Tumor, Lucky, fast schon ein Glücksfall für mich war. Führte ich vorher ein Dasein als Funktionierer, Perfektionierer, immer auf der Suche nach Anerkennung, bin ich heute ein Finder auf dem Weg zu mir und zu meinem Herzen. Meine Lebensqualität hat sich verändert, wurde bereichert um eine größere Bandbreite an gelebten Emotionen. Mein Leben findet mehr im Hier und Jetzt statt, mehr als jemals zuvor – und all das verdanke ich Lucky. (S. 217)

Eine zentrale Erkenntnis des Autoren ist:

Jede Krebserkrankung ist so individuell wie der Mensch, der die Diagnose erhält. (S. 217)

Und um diesen Gedanken fortzusetzen: Jede Heilung ist so individuell wie der Mensch selbst. Auch wenn der Autor sich selbst nicht als Ratgeber verstehen will, so ist der doch ein Wegweiser:

Suchen Sie keinen Guru oder den allwissenden Problemlöser, suchen Sie den Weg zu sich selbst und machen Sie sich auf diesen Weg. Alle Antworten sind in Ihnen. (S. 218)

r-pfeil-reMein Fazit: Obwohl das Buch ein Sachbuch ist, ist es sehr spannend und lebendig geschrieben, fast schon wie ein Krimi zu lesen: Wie geht des jetzt weiter? Was sind die nächsten Schritte? Wie verhalten sich die die unterschiedlichen Charaktere (Teilnehmer der Verhandlung)? Und ich verrate das Ergebnis bewusst nicht.
Das Buch ist auch der Schulmedizin gegenüber nicht „feindlich“ gesonnen, das würde dem Wesen des Buches völlig widersprechen. Es gibt keine Feinde, nur Kooperationspartner, die man selbstbewusst einsetzt.
Das Buch ist ein richtiges Paradebeispiel für das große Thema: Mentaltraining und Heilung. Der Autor ist in seinem „2. Leben“ nach der Bundeswehr Seminarleiter, für den Mentaltraining zum Grundhandwerk gehört. Er ist sehr kreativ in der Entwicklung von wirksamen Übungen, 19 insgesamt.
Das Buch ist weit über den Kreis Krebsbetroffener empfehlenswert. Es ist ein Buch mit viel und klar strukturierter, zielorientierter männlicher Energie, eingebettet in weiblicher Energie des Loslassens, Akzeptierens, Vergebens, der Herzenergie. Es ist ein Tanz männlicher und weiblicher Energie, und das braucht es in JEDEM Heilungsprozess. Vom Krebs betroffene Männer werden zu diesem Buch einen guten Zugang haben, weil der „generalstabsmäßige Umgang“ mit einem Problem typisch Mann ist. Und genau das bietet das Buch. Ich wünsche diesen Männern, dass das Buch sie irgendwie erreicht. Bei Frauen, deren weibliche Energie zu dominant ist, werden durch das Buch auch ihre inneren männlichen Energien genährt finden. Das ist auch für Frauen sehr heilsam auf dem Heilungsweg.
Empfehlen möchte ich das Buch gerade auch denjenigen, die ANGST vor Krebs haben. Das Buch kann die Angst handhabbar reduzieren. Und wenn dann doch die DIAGNOSE Krebs ereilt, ist man mit dem Buch und gleich dem ersten Kapitel gut gewappnet.

Neben Glück und Liebe ist sicher FRIEDEN ein großer Faktor für die Zukunft der Menschheit. Für mich ist dieses Buch ein exemplarisches Friedensbuch für die Zukunft der Menschheit; ja, so weit würde ich in meinem Lobpreis des Buches gehen! 

Es ist unsere ganz eigene Entscheidung, ob wir im Frieden mit uns selbst leben wollen oder im Kriegszustand. (S. 15)


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Das Interview zum Buch von Veit Lindau mit dem Autor Uwe Kapfer:

Dan Millman: Erleuchteter Alltag

Untertitel: Die zwölf Entwicklungsschritte des friedvollen Kriegers

Das Buch gehört zu meinen Schätzen, die mich jahrelang begleitet haben. Es ist einfach Schade, dass solche Bücher keine Longseller sind, sondern irgendwann vom Markt verschwinden. Das Thema ist großartig: Erleuchtung weg von einzelnen Gipfelerfahrungen (möglicherweise noch in Indien) in den Alltag zu bringen. Wenn wir nur im Hier und Jetzt leben können, dann gilt das auch Tag für Tag, für jeden Alltag. Wenn wir ein wirklich spirituelles Leben führen, dann in unserem Alltag integriert und nicht nur in Auszeiten wie auf Retreats. Dan Millman bietet uns dazu ein umfassendes Programm:

Die Treppe zu deiner Seele:
12 Tore zum spirituellen Wachstum

„Das Alltagsleben ist unsere spirituelle Schule.“ (S. 13) Der Alltag ist es, der gemeistert werden will. Wir zeigen im Alltag unsere Meisterschaft oder gar nicht. Unsere bisherigen Aufmerksamkeit ist durch Lebensprobleme gefesselt. Wir sind nicht frei, sondern re-agieren. Aufmerksamkeit ist gerichtete Energie. Es geht in dem Buch darum, die Aufmerksamkeit von Alltagsproblemen zu befreien und zur Weiterentwicklung einzusetzen. Dan Millman beschreibt sein 12-Wochen-Programm so:

Wir lernen am besten, wenn wir uns immer nur auf ein einziges Element konzentrieren. Wenn du dieses Prinzip auf dein Leben anwendest, kannst du ganz ohne fremde Hilfe ein Zwölf-Wochen-Programm absolvieren: Konzentriere dich einfach jede Woche auf eines der zwölf Tore, und widme dich dabei wie gewohnt deinem Alltagsleben. Betrachte jeden Tag aus der Sicht des betreffenden Tores. Lies das dazugehörige Kapitel noch einmal und mache die Übungen. Wende die Prinzipien an, die dich besonders ansprechen. Führe ein Tagebuch, in dem du dir jeden Abend deine wichtigsten Erlebnisse und Erfahrungen notierst. Nach zwölf Wochen – die entsprechende Dauer eines der vier Jahreszeiten – hast du alle Tore hinter dir und hast gleichzeitig dein Leben vollkommen neu gestaltet. Wenn du diesen Zyklus wiederholst, wirst du feststellen, daß dir beim Tagebuchschreiben ganz neue Einsichten kommen: Du dringst immer tiefer vor und wirst immer neue Veränderungen an dir beobachten. (S. 18)

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Richard Rohr: Die Männer-Bibel

Untertitel: Meditationen auf dem Weg zur Freiheit

Richard Rohr ist Jesuitenpater und hat schon einige Bücher zum spirituellen Weg des Mannes geschrieben wie „Endlich Mann werden. Die Wiederentdeckung der Initiation“, „Der wilde Mann. Geistliche Reden zur Männerbefreiung“, „Vater, Sohn und Männlichkeit. Wie der Mann zum Mann wird“, Vom wilden Mann zum weisen Mann“, „Adams Wiederkehr: Initiation und Männerspiritualität“. Er ist ein sehr kompetener Autor in der amerikanischen spirituellen Männerbewegung und darüber hinaus. Sein neuestes Buch „Die Männer-Bibel“ bringt all diese gesammelten Weisheiten zusammen und präsentiert sie auf eine ganz neue Art.

Es ist auf den nahezu 400 Seiten kein durchgängig geschriebener Text, sondern mit 366 thematischen Textstücken eine Ansammlung von Weisheiten, die zu eigener Meditation oder Kontemplation anregen. So gesehen ist es sehr „männergerecht“: Kein dicker Wälzer, der von der ersten bis zur letzten Seite gelesen werden muss, sondern kleine Häppchen bietet, die ganz intuitiv aufgegriffen und gelesen werden können. Das Buch einfach aufschlagen und schauen,  welche Tagesbotschaft einen anspricht; oder sich von den Überschriften leiten lassen. Einfach nur lesen, was einen anspringt.

Eine Bibel? Nun gut, das ist der Titel der deutschen Ausgabe. Das englische Original lautet „On the Threshold of Transformation“. Es geht also darum, an die Grenze der Transformation zu kommen, vom „Schattenmann“ in die Männer-Seele zu transformieren.

Die meisten Männer haben ihre Seele verloren, sind seelenlos geworden, handeln aus dem Kopf und dem Verstand, um zu kontrollieren, was nicht zu kontrollieren ist. Der Zusammenbruch ist unausweichlich. Irgendwann ist es Zeit, aus dem Teufelskreis der persönlichen und beruflichen Krisen auszubrechen, das Ruder für den Rest des Lebens rumzureißen. Für diesen Wendepunkt im Leben bietet das Buch Hilfestellungen. Es will nicht gelesen werden, sondern gelebt.

Was wäre, wenn wir in unserer Seele heiligen Männer wären und heilige Projekte auf diesem Planeten zu vollbringen hätten, damit die Erde wieder geheiligt wird? Und was wäre, wenn die Heldenreise eine heilige Reise der Seele ist, um das Heiligtum in uns, den „heiligen Gral“ zu finden. Wer die Bereitschaft zu einer solchen heiligen Reise aufbringt, dem kann dieses Buch auch zur „Männer-Bibel“ werden.

Mein Fazit: Das Buch setzt ein gewisses männliches Bewusstsein voraus. Es ist kein „Krieger-Buch“. Es ist ein Buch vor Männer, die Weise werden. Auch wenn der Grundtenor des Buches das der Heldenreise ist: der Held, der sein EGO besiegt und bereit ist, sich von seiner Seele führen zu lassen. Mann sollte mit Begriffen wie Seele oder auch „heilige Arbeit“ vertraut sein. Mann sollte auch meditieren und für intuitive Impulse offen sein. Dann ist das Buch absolut wertvoll und kann durch die Klippen des Lebens führen in unsere Seele, unser wahres Wesen. Wir Männer machen es uns schwer, unsere Spiritualität zu leben. Das Buch ist eine große Hilfe dafür.

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Jürgen Fischer: Sexuelle Liebe im Jetzt

Untertitel: Tantra und die zweite sexuelle Revolution

Das Buch kommt auf leisen, sanften Sohlen. Keine nackten Körper auf dem Cover, eher einen verhüllenden Schleier.
Und doch ist das Buch der machtvolle Aufruf zu einer zweiten sexuellen Revolution, wenn mann die Signale denn hört. Der Autor Jürgen Fischer ist der Meinung, dass im direkten sexuellen Akt zwischen Mann und Frau nicht wirklich etwas Tiefgreifendes verändert hat, Männer immer noch „Liebe MACHEN“ und die sexuelle Lust der Frauen immer noch rapide abnimmt. Letztlich bestimmt der Schmerzkörper (E. Tolle) die Partnerschaft über kurz oder lang doch mehr als die Liebesbeziehung zwischen dem Paar.

Solange wir nicht gelernt haben, in der Partnerschaft mit dem Schmerzkörper produktiv umzugehen, sind wir emotional nicht frei für eine erfüllende Liebe und beglückende Partnerschaft. Vor allem der MANN muss aus der Nummer heraus kommen, Sex zu MACHEN – aus Phantasien und Bildern des Kopfes, aus emotioneller Spannung – all das ist immer noch sexueller Missbrauch der Frau, mag sie noch so viel Lust vorspielen.

Warum mich das Buch begeistert –
mein Weg zum Thema

Ich habe Wilhelm Reich schon in den 70-er Jahren gelesen, da gab es ihn erst in der Form von Raubdrucken. Von der wiederauferlebten und an Reich orientierten Sex-Pol-Bewegung hat mich am meisten Dieter Duhm begeistert. OSHO hat mich als indischer „Sex-Guru“ fasziniert, auch wenn ich nie ein Teil der Osho-Bewegung war. Das Buch von Berry Long „Sexuelle Liebe auf göttliche Weise“ habe ich vor gefühlten 10 Jahren von meiner Partnerin geschenkt bekommen und sehr fasziniert gelesen. Eckehart Tolles „Schmerzkörper“ kenne ich aus seinen Büchern JETZT und „Neue Erde“. Mein sexuelles Bewusstsein ist auf dem Niveau von Michael und Diana Richardson (>> meine Buchbesprechung), in meiner letzten Liebespartnerschaft habe ich begonnen, dieses sanfte Lieben ohne MACHEN zu erleben, ich habe auch eine Tantra-Gruppe über mehrere Wochen besucht. Ich habe in einem Eifersuchtsdrama den von Jürgen Fischer gewiesenen Ausweg „Bleib im Gefühl!“ erprobt und seine Wunderwirkung erlebt (nach „The Journey“ von Brandon Bays). Nicht zuletzt habe ich für mich die MANNZIPATION entdeckt und dazu selbst ein Buch geschrieben: „Stopp Fucking-Sex. Gehe den Weg des Liebhabers und befreie ihre Weiblichkeit.“ (>> MEHR)

Damit will ich nur kurz aufzählen, wie sehr mich das Thema selbst bewegt und ich darin zu Hause bin. Auch für mich schien alles geschrieben und gesagt zu sein. Und doch bin ich überzeugt, dass das Buch von Jürgen Fischer unsere sexuelle Befreiung als Paar auf ein neues Niveau hebt, dass eine neue sexuelle Revolution angesagt ist.

Jürgen Fischer: der Kritiker

Es ist ein wichtiger Aspekt des Buches, der mich begeistert: Jürgen Fischer hält sich an würdigender Kritik von W. Reich, B. Long, Neo-Tantra usw. nicht zurück. Ich erkenne in vielem (oder sollte ich sagen: allem?) mein eigenes Unbehagen, dieses Gefühl „Da stimmt doch was nicht!“ Jürgen Fischer hat all mein eigenes Unbehagen klar ausgesprochen und damit auch bewusst gemacht. Ich merke, dass ich selbst solchen Autoren gegenüber, die mich begeistern, immer noch zu „hörig“ bin. Ich habe immer noch ein „Guru-Fetisch“. Ich nehme an mir selbst wahr, dass ich dieser „genitale Chrakter“ (Jürgen Fischer bleibt bei dem Begriff von Wilhelm Reich) noch nicht bin. Ich bin noch nicht energetisch frei genug und klar im Kopf. Das Buch hat mir geholfen, mein Unbehagen zu verstehen und Mut gemacht, mein eigenes Unbehagen künftig ins Bewusstsein zu führen und zur Sprache zu bringen. Ich glaube, solche selbstkritischen Erkenntnisse sind eine wichtige Botschaft des Buches.

Jürgen Fischer kritisiert:

  • Wilhelm Reich
  • Berry Long
  • OSHO
  • individuelle Therapie als Ego-Anpassung
  • ritualisierte spirituelle Praxis
  • den Neo-Tantrismus mit patriarchalischem Kern
  • Liebe MACHEN („Make Love!“)

Ich will dies her nur anführen und seine Kritik nicht nacherzählen. „Würdigende Kritik“ heißt, dass er das jeweils Revolutionäre, Transformative als Kern herausschälen und würdigen kann, aber auch die Abfall-Schalen klar benennt. Das Buch ist eine sehr fundamentale Kritik an der ersten Welle der sexuellen Revolution.

Was besonders sympathisch ist, dass Jürgen Fischer sich der Selbstkritik nicht enthält. Er spielt sich nicht im Hauch als neuer Sex-Guru auf. Er zeigt seine Erfahrung und regt den Leser an, sich nur von seinen eigenen Erfahrungen der „energetischen Liebe“ leiten zu lassen.

Die Botschaft der zweiten sexuellen Revolution –
die Negation der Negation (Hegel)

Ich war, so weit ich zurück denken kann: DAGEGEN, im Widerspruch. Von Anti-Familie, antiautoritäre Erziehung, Anti-Pädagogik bis letztlich (im Sinne von Jean-Jacques Rousseau): Menschenwerk ist Anti-Schöpfung. Ich weiß: Es ist nur die halbe Wahrheit und der halbe Weg. Die „ganze Wahrheit“ beginnt erst sich zu enthüllen, wenn wir auch GEGEN DAS ANTI– sind oder, wie Hegel es philosophisch so schön ausgedrückt hat: wir die Negation selbst wieder negieren, also Synergien schaffen, Integration.

Das Buch von Jürgen Fischer bleibt nicht in der Negation der ersten sexuellen Revolution stecken. Seine Kritik daran öffnet den Horizont für die zweite sexuelle Revolution – und sieht in der Neo-Tantra-Bewegung durchaus Ansätze zu diesem Quantensprung.

Die „Negation der Negation“ scheint immer auch ein Zurück in den Konservatismus zu sein, es bewahrt sozusagen den wahren Kern des Konservatismus. Jürgen Fischer plädiert wieder für das Paar und seine sexuelle Treue in der Freiheit der gegenseitigen Verpflichtung. Weg von Promiskultät und Pornografie. Lasst eure Liebe und sexuelle Treue die Basis der neuen Befreiungsbewegung sein! Das Buch greift wieder die tiefe Sehnsucht auf, den einen Partner für’s Leben zu finden, mit ihm durch die Hölle zu gehen, um den Himmel auf Erden zu leben.

Meine Kritik am Buch (HA!!):

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Autor SEIN Thema zu DEM Thema macht. Ich glaube nicht (und formuliere dies bewusst als Glaubensbekenntnis), dass Sex im Sinne „energetischer, selbstregulierender Liebe“ die Lösung von allem ist, unserer ganzen Menschheitsprobleme. Es geht NICHTS ohne diese Lösung als Liebe zwischen Mann und Frau, doch es ist erst der Anfang, ein Aspekt unserer Befreiung als Menschheit. Wie gesagt: In dieser Hinsicht keine Kritik am Autor durch eine gewisse „Verabsolutierung“ seines Themas. Das ist okay. Anders kann ein Thema nicht auf den Punkt kommen.

Das mühevolle und erst in der dritten Auflage mit aufgenommene Kapitel „Ficken“ hat mich nicht wirklich überzeugt. Für mich ist der Begriff für die Liebe verbraucht und tot. Wenn versucht wird, ihn wiederzubeleben, dann kommt da irgendetwas Verdrängtes zum Ausdruck. Und ich habe eine Ahnung, was das Verdrängte sein könnte: Das NICHT-MACHEN ist wie das spirituell falsch verstandene NICHTS-TUN auch nur die halbe Wahrheit. LIEBE NICHT aus Kopf und Emotion MACHEN, unbedingt! Die energetische Liebe unserer Körper geschehen lassen, JA! – NEIN zum EGO-Spiel in der Liebe, JA, auch das. Doch da gibt es noch ein tieferes, männliches TUN (das wohlverstandene WU-WEI des Taoismus), das LIEBEN als VERB, als „Tu-Wort“. Dies nicht wirklich verstanden zu haben, öffnet dem Ficken wieder das Tor zum Ego-Machen, der körperlichen Selbstbefriedigung am anderen, den anderen Körper selbstsüchtig zu benutzen. Es ist der Pferdefuß, der wieder in Teufels Küche führt.
Es bestätigt mich vielmehr darin, dass die Botschaft meines Buches „Stopp Fucking-Sex!“ den Kern der Befreiung zwischen Mann und Frau eher trifft.

Mein Fazit: Das Buch richtet sich an Menschen, die ein gewisses sexuelles Bewusstsein und Erfahrungen in Tantra-Gruppen haben. Wilhelm Reich, Berry Long, Osho, Eckhart Tolle und andere sollten Teil der aufgeklärten, sexuellen Bewusstwerdung sein. Dann bringt Jürgen Fischer das Unbehagen bei alle dem auf den Punkt, erklärt, warum trotz dieser sexuellen Freizügigkeit kein wirkliches sexuelles Glück erreicht wird und zeigt den AUSWEG. Es geht nicht um die Erklärung und Analyse der FALLE, sondern einzig um den im Körper erlebten Ausweg in der energetischen, selbstregulierten Sexualität des Paares.

 

 

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Mehr auf der Internet-Seite des Autors:


Das Nachfolgebuch und meine Buchbesprechung dazu:

 

Dieses Nachfolgebuch „Sexuelle Liebe mit 50+“ (2016) bringt die energetische Liebe als polares Schwingen zwischen energetischer Sexualität und Schattenarbeit auf den Höhepunkt.
> Meine Buchbesprechung dazu (Klick)

 

Konstantin Wecker: Mönch und Krieger

Untertitel: Auf der Suche nach einer Welt, die es noch nicht gibt

Ich habe die LP von Konstantin Wecker „Genug ist nicht genug“ Ende der Siebziger Jahre – selbst knapp 30 – zum ersten Mal bei einem Freund in Berlin gehört. Ich war sofort Wecker-Fan. Und kein deutsch-sprachiger Liedermachen ist mir so an mein Männerherz gegangen wie Konstantin Wecker. Erst das Buch macht mir bewusst, wie viel eigene Lebensgeschichte ich als „erwachender Mann“ darin wieder finde und in klaren Worten ihren Ausdruck findet. Angefangen als Revoluzzer (dem politischen Krieger) bis zum Erwachen als spirituellem Mann
(ja, auch ein Stück selbstgenügsamer Mönch) finde ich so viel meiner eigenen Seele in diesem Buch wieder.

„Philosoph und geiles Tier“, das ganze Spektrum unseres Mannseins philosophisch und poetisch „aufgehoben“, ist in diesem Buch wiederzufinden. Ich habe während des Lesens die ganze Zeit feuchte Augen vor Berührung. Da schwingt so vieles meiner Männerseele mit: „Das Buch ist ein Teil von mir, das ist ein Teil auch meines Seelen-Lebens.“

Die Spiritualität des Mannes

Frauen fällt der Zugang zur Spiritualität leichter. Eine Spiritualität des „Ganz-einfach-Sein“ liegt in der Natur des Weiblichen. Ein Mann lebt eher in der Welt des Werdens und Tuns. Ein männlicher Zugang zur Spiritualität kommt in diesen Tanz zwischen SEIN und WERDEN, zwischen MÖNCH und KRIEGER.
Und diesen Tanz zwischen NICHTS und ALLEM, zwischen den POLEN darzustellen, ist Konstantin Wecker vorbildlich gelungen. Er bringt diesen männliche Zugang zur Spiritualität auf sehr klare und lebendige Weise zum Ausdruck. Es ist stiller Rückzug aus der Welt (der Mönch) und vehementes Einbringen in die Welt (der Krieger). Diesen Spagat als spirituellen Mann zu leben, lässt das Buch mitfühlend und mitreißend erleben. Das macht es für mich so wertvoll, so unvergleichlich, so richtungsweisend, ja bahnbrechend. Konstantin Wecker war in Kultur und Politik immer ein bahnbrechender „Rammbock“, einer, der Mauern eingerissen, neue Zeichen gesetzt hat. Und mit diesem Buch offenbart er auch sein Leuchtgestalt als spiritueller Mann, ohne sich dabei als „erleuchtet“ hinzustellen. Ich empfehle dieses Buch jedem Mann, der auf der Suche ist. (Ich glaube, auch Frauen werden davon begeistert sein, hier etwas aus dem vielfältigen Leben eines „archetypisch spirituellen Mannes“ in der heutigen Zeit zu lesen.)

Authentische Spiritualität

Konstantin Wecker hat alle Höhen und Tiefen der Seele erlebt, den Himmel und die Hölle, das Gute und das Böse, Licht und Schatten, Engel und Teufel eines in seinem ganzen Potenzial und bis an die Grenzen gelebten Lebens. Merke: Mann kann nur Grenzen überschreiten, wenn man bis an die Grenzen geht.

Er versteckt nichts, beschönigt nichts (und heiligt sein Ego) – einfach grundehrlich. Und das tut soooo gut. Es nimmt die Angst vor den eigenen „Leichen im Keller“: Ich bin nicht schlecht, kein „hoffnungsloser Fall“, wenn ich auch Böses in mir entdecke. Selbst „den Teufel“ herauszufordern, das Satanische, zeigt nicht nur Mut, sondern auch das tiefe Wissen der Seele, dass alles Teuflische und Böse letztlich auch nur eine „Illusion“ ist, die letzte spielerische Prüfung und Transformation vor dem Fallen in die EINHEIT.

Es gibt viele Wegweiser in die Tiefen der Männerseele. Doch EHRLICHKEIT, WAHRHAFTIGKEIT sind sicher die großen Leuchtfeuer. Und dafür steht Konstantin Wecker als aufrüttelnder Er-Wecker: authentisch leben, sich selbst treu sein. Das ist nahezu „atemberaubend“. Natürlich geht es nicht darum, Konstantin Wecker zu bewundern. Es geht darum, sich durch die Botschaft des Buches zu einer authentischen Spiritualität selbst er-wecken zu lassen.

Politische Spiritualität und spirituelle Politik

Als „Alt-Revoluzzer“ (was immer das heißen mag) hatte ich ein ewig „schlechtes Gewissen“, mich vom Politischen nahezu völlig zurückgezogen zu haben. Je mehr mann sich zu seiner eigenen Wahrhaftigkeit durchringt, desto mehr ekelt einen die Politik an (inklusive Medien und Wirtschaft), als Inbegriff der Lüge, des Betrugs, der Täuschung – das Reich des „Fürsten dieser Welt“. Hände weg, um sich nicht selbst zu beschmutzen, „weiße Weste“ behalten. (Wir Spirituellen sind ja Lichtgestalten in Weiß – HAHAHA!!)

Ich habe mich mit „oberspirituellen Sätzen“ wie „alles ist gut, so wie es ist“ nie anfreunden können (ich weiß natürlich, was im Sinne „göttlicher Ordnung“ gemeint ist). Der einlullende Spruch – im Gegensatz zum Wecker-Sinn des Spirituellen –schießt sich letztlich nur selbst ins Knie: „Alles GUT“, ist gar nicht zu haben, wo es GUT gibt, gibt es auch BÖSE, das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Das ist das Gesetz.

Wie aber Spiritualität mit einer „Politik reinen Herzens“ verbinden?
Okay, ich erschaffe mir nach meiner Möglichkeit eine „private Welt“, die ich mir für den ganzen Planeten wünsche: als fürsorglicher Großvater in meiner Familie, als permakultureller Gartenbauer, als Hüter unserer Pflanzen und Tiere, als Liebhaber der Frauen, als erweckender Mann, als Dorfoberhaupt einer Internet-Gemeinschaft „Berufener“. „Alles schön und gut“ – doch Politik ist mehr. Sie muss so global sein wie die „Anti-Schopfung“ der Machthaber dieser Welt. Und da ist Weckers Buch auch für mich erweckend: Sich wieder einzumischen – auch von meiner Seite mit der Kraft meiner Worte. Beizutragen zu einer authentischen Spiritualität, männlicher Spiritualität die weltbewegende Kraft ins Bewusstsein zu führen, die ihr zusteht.

Was mir in dem Buch von Konstantin Wecker bewusst geworden ist: Spirituelle Politik ist anarchistisch! Wir predigen das „Loslassen!“ und haben Angst vor der Anarchie. Eines der Merk-Würdigkeiten unserer spirituellen Szene. Lasst uns die Schwarze Fahne hissen, das Licht ist aus der Finsternis geboren. Es ist Zeit, Spreu vom Weizen zu trennen, damit unsere spirituelle Bewegung nicht in sich selbst vermodert, sondern reichlich Ernte trage, die Saat einer neuen Welt werde.

Ein Künstler erklärt sein Werk – soweit es erklärbar ist

Ich will auch diesen Aspekt hervorheben, weil auch er ungewöhnlich zu sein scheint. Jeder begnadete Künstler weiß, dass das, was er erschafft, aus einer höheren Sphäre kommt und letztlich nicht erklärbar ist, dass selbst ihm als dem Erschaffenden Grenzen der Interpretation auferlegt sind. Jede himmliche Kunst hat etwas TAO-mäßiges: das Unaussprechliche. Und Laotse hat zurecht davor gewarnt: Das ausgesprochene TAO ist nicht das ewige TAO. Jetzt übersetzt: Das selbst vom Künstler interpretierte Kunstwerk erfasst nicht das Wesen des Kunstwerks. Jeder begnadete Künstler weiß das, enthält sich eigener Interpretationen, lasst das Werk sich selbst offenbaren.

Doch hier bricht Konstantin Wecker wieder ein Tabu: Er übernimmt auch die Verantwortung für sein künstlerisches Schaffen und interpretiert sein Werk, soweit es ihm möglich ist. Wenn ich das Buch richtig verstehe (ich kenne die anderen Bücher von Konstantin Wecker leider noch nicht): Es erklärt und interpretiert den „roten Faden“ seines Lebens als Künstler und seines Werks. Jedes Kapitel ist mit einem (Lied-) Gedicht eröffnet. Ich habe in meinem Leben noch nie so achtsam und aufgeschlossen Gedichte gelesen wie in diesem Buch – und ich glaube, mir hat sich auch jede Zeile erschlossen.

Das Buch ist nahezu „Pflichtlektüre“ für jeden Wecker-Fan, um in die Tiefe seines Schaffens einzudringen (was für ein männliches Wort!) – die Resonanz unserer Seele mit Weckers Schaffen bewusster aufzunehmen (welch weiblicher Klang!). Für einen, der den Liedermacher Konstantin Wecker noch nicht wirklich kennt, mag das Buch ein Öffner in die poetisch-philosophisch-politische Musik von Konstantin Wecker sein.

Nach-Ge-danke!

Als ich das Buch las, wusste ich gleich, dass ich es anders besprechen musste als alle bisherigen. Ich bespreche nur Bücher, die mich begeistern. Wie soll ich meine Begeisterung mit der Besprechung dieses Buches  noch toppen können? Ich wusste es nicht, habe einfach angefangen zu schreibe, wie es mir in den Sinn kam.

Jetzt fällt mir etwas Verblüffendes auf: Ich habe nicht einen einzigen Satz aus dem Buch zitiert. Obwohl es voll zitierenswerter Sätze ist, sprachlicher Höhepunkte, das Buch hat einen ganzen Textmarker verbraucht. Es ist auch als Perlenkette von Weisheits-sprüchen zu lesen, nahezu verführerisch für Zitate aus dem Buch. TROTZDEM nichts zu zitieren, ist neu für mich! Meistens besteht meine Besprechung aus 50% Zitaten und mehr (ich lasse gerne den Autor selbst zu Wort kommen).
Langsam verstehe ich, was dabei herausgekommen ist: in der Rezension nicht ÜBER das Buch zu schreiben, sondern das zur Sprache bringen, was es in mir an Mitschwingen ausgelöst hat. Und so soll es ja sein, sich seines eigenen Mitschwingens mit der Seele des Buches bewusst zu werden. Nach-Denken im besten Sinne des Wortes.

DANKE an meine Männerseele, dass sie mich bei der Buchbesprechung in diesem Sinne geführt hat.  DANKE an Konstantin Wecker: Ich glaube, ich habe noch nie so klar begriffen, was es heißt, als spiritueller Mann auch ein Krieger der Liebe zu sein:
TÄTIGE MACHT der LIEBE. „Power of Love“. Friedliebende und machtvolle Gewalt der Liebe, die gegen die Anti-Schöpfung wieder DIE EINHEIT mit der Herrlichkeit der Schöpfung erschafft.

Mein Fazit: Ich kann das Buch jedem Mann empfehlen, der sich Gedanken über sich selbst macht, eingebettet in der Entwicklung einer deutschspra-chigen Kultur der letzten Jahrzehnte. Konstantin Wecker hat das Mann-Sein in seiner ganzen Polarität gelebt wie kaum ein anderer in unserer deutschsprachigen Welt – und es wie kaum ein anderer in sprachlich gewaltige Worte gebracht.
Das Buch ist kaum einem Genre zuzuschreiben. Für mich ist es am ehesten ein philosophisch-poetisches Nachdenken eines Mannes über sein Erwachen über das Medium KUNST: eines Mannes, dessen Einfluss auf uns Männer, die Liebe, auf unsere Kultur kaum zu überschätzen ist, eine ausdrucksstarke Fleischwerdung („Inkarnation“) männlicher Spiritualität.

Ich wünschte, jeder Leser dieser Rezension würde das Buch daraufhin sofort selbst lesen. Wenn meine Besprechung dieses Überspringen des Funkens auf das Buch nicht ausreichend leistet, dann liegt es in meinem Unvermögen und nicht am Buch selbst.
Lass dich vom Wecker er-wecken!

Am besten, ich lasse Konstantin Wecker (>> hier der Link zu seiner Hompage)
über 2 YouTube-Videos selbst noch zu Wort kommen:

 

 

Bestellung bei AMAZON: Mönch und Krieger: Auf der Suche nach einer Welt, die es noch nicht gibt

Notwendiger Nachtrag:


„Der Krieger“ ist ein alter männlicher Archetyp, sehr klar vom „Soldaten“ zu unterscheiden, der im Auftrag und für Bezahlung tötet. Der „spirituelle Krieger“ hat etwas von einem Samurai.

Gegen was führt ein „spiritueller Krieger“ heute Krieg?

Das folgende Buch von Konstantin Wecker gibt die Antwort darauf: Er führt keine Kriege mehr, er ist eigentlich auch kein Krieger mehr. Er ist Widerstandkämpfer, Friedenskämpfer. Er steht für den gewaltfreien Widerstand. Er ist ein Ghandi, ein Martin Luther King, ein Nelson Mandela.

Ich empfehle unbedingt dieses Buch „Entrüstet euch!“ von Konstantin Wecker und Margot Käßmann zur Ergänzung. >> Hier meine Buchbesprechung.

Franz Alt: Jesus – der erste neue Mann

Es ist das erste Buch, dass ich gelesen habe, das mir einen ganz anderen Jesus als den Jesus der Theologen vermittelt hat – vor 15 Jahren. Es war auch das erste Buch, das mir ein ganz anderes Männerbild vermittelt hat. Es war ein Schlüsselbuch, das ich vielleicht heute erst richtig zu würdigen weiß.

Ich möchte mit dieser Buchrezension meiner notwendigen Würdigung und meinen Dank an Franz Alt nachkommen. Für Franz Alt war Jesus „die Leitfigur, mit deren Hilfe wir das Atomzeitalter verlassen und in ein ökologisches Zeitalter finden können.“

Hatte ER ein falsches Menschenbild, oder haben WIR ein falsches Jesus-Bild? Ist Jesus HEUTE unsere große Chance? Brauchten wir erst die große Krise für die große Chance? Wenn wir Menschen wirklich unveränderbar sind, dann müssen wir IHN vergessen. Da wir ihn aber ganz offensichtlich nicht vergessen konnten, bleibt nur, daß WIR ihn nicht begriffen haben. Dann allerdings müssen wir mit Jesus noch einmal ganz von vorne, ganz NEU anfangen. Es geht heute um einen NEUEN Jesus, um ein NEUES Bild von ihm … Den WIRKLICHEN Jesus müssen wir erst noch entdecken. (S. 11 f.)

Das Buch von Franz Alt ist sehr dicht geschrieben, jeder Satz zitierbar. Es fällt mir nicht leicht, etwas ganz besonders herauszuheben, damit die Besprechung die wesentlichen Lehren des Buches erfassen kann. Ich mache es einfach kapitelweise und ausschließlich zitierend:

1. Wer ist Jesus?

Die einfache Botschaft Jesu lautet: Liebe das Leben, indem du die Liebe lebst! Geh deinen eigenen Weg, dann wird alles gut. (S. 22)

Eine Theologie, die sich an Jesus orientiert, ist entweder eine Befreiungstheologie oder gar keine. Nachfolgen heißt: Höre auf deine innere Stimme, achte auf deine Träume, hab‘ Erfurcht vor allem Leben, folge deinem Gewissen. Das Hören auf das Gewissen ist Jesu zentrale Forderung nach „Umkehr des Herzens“. (S. 24 f.)

Jesus wollte und will herrschaftsfreie und gewaltfreie Veränderung – neuer Mensch, neuer Himmel, neue Erde, ALLES neu … (S. 26)

Es kommt sehr darauf an, bei wem ich in die Schule des Lebens gehe – bei Jesus oder bei Pilatus – bei DEM Meister des Lebens oder bei den Vertretern von Macht und Mammon. (S. 26 f.)

2. Wer war Jesus?

Jesus ist der erste ganzheitliche, das heißt seine männlichen und weiblichen Seelenanteile lebende Mann der Geschichte. Sein Leben bedeutet ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte. …
Weder Buddha noch Mohammes, weder Aristoteles noch Plato begegneten Frauen so ressentimentfrei und spontan selbstverständlich. Buddha ist zweifellos der stärkere Denker. Jesus der tiefer Fühlende (S. 34 f.)

Das Weibliche beschränkt auf Mütterliches ist DAS Problem vieler Männer von heute, die in den Frauen Ersatzmütter statt Partnerinnen und Geliebte sehen. Die Welt ist voller Muttersöhne. Dieser Bewusstseinszustand vieler Männer ist nicht reif und erwachsen, sondern infantil. (S. 35)

Jesus war DER Mensch, wie Gott ihn sich vorstellt, DER exemplarische Mensch, DAS Vorbild, DIE Chance für beglückende Nachfolge. DER Menschensohn heißt: der erste Repräsentant in Gottes neuer Welt. (S. 47)

Jesu Taufe (ist) DIE entscheidende Sekunde der Weltgeschichte. Die Welt ist noch nicht erneuert, aber sie kann durch das neue Gottesbild Jesu und durch den neuen Mann Jesu neu werden. … Jesus … war durch die Liebeserklärung Gottes ein neuer Mensch geworden. Gott ist kein strenger Patriarch und kein „Es“ mehr, sondern „Unser Vater“. (S. 50)

Im Gegensatz zu den Vätern der französischen, russischen oder chinesischen Revolution ist Jesus ein Evolutionär von unten, ein Evolutionär des Bewusstseins, ein Evolutionär der Liebe. … Jesus meinte eine Evolution der Gewaltfreiheit, eine Evolution des Herzens, eine Evolution der Liebe. Seine Evolution steht jetzt auf der Tagesordnung der Weltgeschichte. … Das Verständnis für Jesu Programm ist ein qualitativer Sprung auf dem Weg zu einem höheren menschlichen Bewusstsein. (S. 58)

3. Jesus und die Frauen

Der frauenfeindliche Paulus prägt noch immer das Christentum viel mehr als der frauenfreundliche Jesus. (S. 61)

Bei Jesus gibt es keinen scheelen Blick in Bezug auf Erotik und Sexualität. Die Ehe ist für ihn DIE Lebensform der körperlichen und seelischen Harmonie, der Versöhnung des Männlichen mit dem Weiblichen, DIE Schule der erotisch-geistig-seelischen Umarmung. … Die Liebe zwischen Mann und Frau ist das Abbild der Liebe Gottes zu den Menschen. Jesus ist ein Meister des Eros und der Liebe. (S. 62)

Auch Jesus musste erst lernen, Frauen ernst zu nehmen. Jesus der Lernende, ging in die Schule von Frauen. Er hatte es nötig. … Jesus war nicht von Anfang an vollkommen; er entwickelte sich aber ganzheitlich, zu einem ganzen Mann, weil er bereit war, aus Fehlern zu lernen – auch von Frauen. Jesus Lernbereitschaft gegenüber Frauen ist deshalb so neu und überraschend, weil Männer zu seiner Zeit noch gar keine psychische Beziehung zum Weiblichen hatten. (S. 65)

Das Hören auf Frauen und das Lernen von Frauen … ist die Gesellenprüfung für jeden Mann, der wirklich erwachsen werden und nicht ein Leben lang ein „Muttersöhnchen“ bleiben will. Die feministische Theologie ist DIE Befreiungstheologie in den reichen Ländern. (S. 70)

Nicht Petrus oder Paulus, sondern Maria Magdalena, die „Sünderin“, ist die erste und bedeutendste Nachfolgerin Jesu. In der Schule vor allem dieser Frau wurde Jesus der erste neue Mann. (S. 71)

Nicht der Kampf der Geschlechter, sondern Entwicklung und Partnerschaft zwischen den Geschlechtern sind die neuen Namen für Fortschritt und Liebe. (S. 75)

4. Jesus und die Männer

Aber wir dürfen den ersten wirklich neuen Mann nicht mit einem unmännlichen, weibischen Mann verwechseln. Er hat schließlich ebenso knallhart gesagt: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“  … Jesus hat Familien auseinandergerissen, auch seine eigene. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, nicht die Familienbande. (S. 90 f.)

In dieser Situation empfiehlt Jesus uns heutigen Männern:
– Liebe statt schnellen Sex
– Vertrauen statt verdrängter Angst
– Hoffnung statt unreifer Illusion
– Erkenntnis der Liebe statt Bekenntnisse zur Liebe (S. 93)

Männer-Emanzipation ist das große Thema der Zukunft. Feministinnen haben recht, wenn sie uns sagen: Ihr müßt euch selbst befreien. Männerbefreiung heißt in erster Linie: die Seele entdecken und pflegen. Wenn Männer bleiben, was sie heute sind, dann ist das Ende der Menschheit nicht mehr weit. Wenn aber emanzipierte Männer, inspiriert von emanzipierten Frauen, sich auf den Weg der Partnerschaft machen, bauen wir zusammen das auf, wovon Jesus vor 2000 Jahren träumte: die „neue Welt“. (S. 94)

Neue Väter fühlen zusammen mit der Partnerin und sagen es auch: „Wir sind schwanger. Unser Kind erwarten wir zu zweit!“ Immer mehr Kinder gebären neue Väter. … Die Orientierung des Mannes an Jesus, dem neuen Mann, wäre DIE entscheidende Revolution der Weltgeschichte. (S. 97)

5. Jesus und die Kinder

Das Patriarchat ist nicht nur frauenfeindlich, es ist auch kinderfeindlich – oft mit Unterstützung von Frauen, die ihre Kinder zur Anpassung dressieren und vieles von dem, was ihnen ihre Männer antun, ihren Kindern weitergeben. (S. 98)

WERDET WIE DIE KINDER! … Die meisten Eltern wollen aber nicht „werden wie die Kinder“, sondern eher, daß ihre Kinder werden wie sie. (S. 102)

Das Problem der meisten Kinder sind ihre Eltern. Und deren Problem waren wieder IHRE Eltern. Nichts ist so wichtig, wie die Teufelskreise sogenannter Erziehung zu durchbrechen. (S. 105 f.)

Die Maxime einer schöpferischen Erziehung sind: Mein Kind ist nicht mein Eigentum, sondern ein Geschenk; es hat seine eigenen Geheimnisse, die ich zu respektieren habe. Erziehung ist das Gegenteil von Gängelei und Behinderung. Erziehung heißt lieben, helfen, anregen. (S. 111)

„Werden“ wie Kinder heißt auch und ganz wesentlich, sich seiner eigenen Kindheit und Jugendzeit erinnern. (S. 115)

Jesu kinderleichte Theologie meint: Das Kind ist das eigentliche Muster menschlicher Reife. Das lebendige oder tote KIND IN UNS entscheidet über unsere wahre Lebensigkeit, ob wir 18 oder 80 sind. … Das Ziel des Lebens besteht darin, „jung zu sterben – und zwar so spät wie möglich“. Doch viele Menschen werden nie reif, sie werden nur alt. … Deshalb ist alle wirkliche Kindererziehung in erster Linie die Selbsterziehung der Eltern. (S. 116 f.)

6. Jesus und sein mütterlicher Vater

Der neue Mann Jesus hat mit seinem neuen Gottesbild die Theologie der Schuld und der Opfer überwinden und die Menschen von ihrem schlechten Gewissen befreien wollen. (S. 119)

Die meisten Christen stehen auf der vorjesuanischen Bewusstseinsstufe dieses aggressiven Kriegsgottes.
Hanna Wolf: „Das Christentum ist bisher nie wirklich aus dem Schatten des Judentums herausgetreten. …“ (S. 121)

Euer Vater ist barmherzig heißt: Euer Vater ist mütterlich. … Wachst, reift, öffnet euch, sucht, vertraut und liebt mit Herz UND Verstand. Gott liebt uns, wie eine Mutter ihre Kinder liebt: ohne Gegenleistung und innig! Nie ist in der Religionsgeschichte ein schöneres Gottesbild gemalt worden als diese Geistesverwandtschaft des Menschen mit Gott. Wir sind Gottes Geliebte, wie Jesus sein Geliebter war. (S. 124)

Gott braucht uns als Helfer seiner Schöpfung – sonst gäbe es kein echtes Liebesverhältnis Gott – Mensch. „Am Anfang war das Wort“ bedeutet: „Am Anfang ist die Beziehung“ (Martin Buber) (S. 130)

Mit dieser neuen ganzheitlichen Spiritualität hatte der Jude Jesus aufgehört, Jude zu sein – er war „Bürger“ im Reich Gottes geworden. (S. 131)

In jedem von uns wohnt unsere eigene Zielgerichtetheit, die Entelechie. Religiös nennen wir diese in uns wohnende Kraft „Seele“, psychologisch sprechen wir von „psychischer Energie“ und wissenschaftlich von „Entelechie“. (S. 138)

7. Jesus: Angst oder Vertrauen?

Angst ist DIE Krankheit unserer Zeit. (S. 139)
Das Heilmittel heißt Vertrauen. (S. 141 f.)

In Jesus habe ich DEN Aufklärer meiner Angst gefunden. Wir beginnen heute ganz von ferne zu ahnen, was das heißt: Mensch zu werden dadurch, daß wir konsequent unseren EIGENEN Weg gehen: Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung. (S. 143)

Selbstvertrauen hängt wesentlich mit Selbstliebe und mit einem gesunden Egoismus zusammen. …
In vielen Wundererzählungen wird die Einheit von Gottvertrauen und Selbstvertrauen oder die Einheit von Religion und Psychotherapie deutlich. (S. 153 f.)

Jesus ist DER Vertreter des Prinzips Hoffnung. Auch das Prinzip Hoffnung meint Jesus … ganzheitlich. Seine Hoffnung wird gespeist von Vertrauen: Urvertrauen, Menschenvertrauen UND Gottvertrauen. Trau dich, ganz zu lieben, dann wirst du richtig leben. (S. 155)

8. Mit Jesus in die neue Zeit

Die wirkliche Wende vom patriarchalisch bestimmten Atomzeitalter in ein neues, ökologisches Zeitalter, den Durchbruch zu einer humanen Zukunft, schaffen wir aber auch mit Jesus nur, wenn die bis jetzt noch verborgenen Intentionen seiner Botschaft erkannt und gelebt werden. Nicht der Jesus des Patriarchats, sondern der neue Jesus, der anima-integrierte Jesus, ist der Prophet des neuen Zeitalters. … Jesus, der erste neue Mann, ist das Modell für den Menschen der Zukunft. (S. 157)

Die Seele ist für Jesus identisch mit dem göttlichen Kern in uns. Wenn sich dieser göttliche Kern in uns entfalten kann, dann wird unser Beruf identisch mit Berufung, dann wird das gesunde Innen heilend nach außen auf die Umwelt wirken, dann wird sich unsere Arbeitsauffassung radikal wandeln, dann wird Arbeit Gottesdienst. Dann ist nicht mehr Geldverdienen der Sinn unseres Tuns, sondern das Dienen. …
Unser Traumberuf als Erfüllung des Wunschtraums ist immer nur der, den wir mit Enthusiasmus ausüben. Im Wort „Enthusiasmus“ steckt das griechische Wort theos = Gott. Unser Wunschtraum ist es also, an der Vergöttlichung der Welt durch unsere Arbeit, durch unseren Dienst, teilzuhaben. (S. 158 f.)

Nur im Tun erfahren wir Gott. (S. 160)

Das Zeitalter der Väter geht zu Ende … Alles drängt nach Geschwisterlichkeit. (S. 163)

Alle Polarität will Einheit. Pole sind nicht identisch, aber Pole gehören zusammen, sie bedingen und ergänzen sich. Mann und Frau sind nicht Gegensatz, sondern humane Ergänzung. Alles, was ist. ist polar. Mann und Frau sind die Pole der Einheit Mensch, die Pole in der Ganzheit. (S. 163)

Die Integration der Elemente des Männlichen, Weiblichen und Kindlichen, die Jesus gelebt hat, antwortet auf all diese bekannten Einseitigkeiten mit einer neuen, weitgehend unbekannten Ganzheitlichkeit – als Konzept für die neuen Menschen des neuen Zeitalters. (S. 171)

Das Motto eines neuen Zeitalters heißt deshalb grundsätzlich: Mehr Ehrfurcht vor ALLEM Leben – auch vor dem ungeborenen. (S. 173)

Die eigene Menschwerdung hat erst begonnen, sonst wären wir nicht so unmenschlich zu uns und nicht so tierfeindlich zu den Tieren. (S. 174)

Damit aus Verstand Vernunft und aus Wissen Weisheit wird, ist eine Aufklärung der Aufklärung die Voraussetzung für ein neues Zeitalter. Deren Motto – orientiert an Jesus – müßte heißen: Habe Mut, dich deines eigenen Gewissens zu bedienen. (S. 178)

Eine neue Liebeskultur, ein neues Verhältnis zwischen Mann und Frau, eine neue Erotik in wirklicher Partnerschaft führt zu höherem Bewusstsein, zur zweiten Halbzeit der Evolution. Diese Selbstveränderung von Mann und Frau führt zur Weltveränderung. Die Konsequenz dessen, was wir von Jesus wissen, heißt: Die Gattung Mensch hat viel mehr vor sich als hinter sich.
Wir werden staunen, wenn wir feststellen, was EINE Frau und EIN Mann, die sich wirklich lieben, ALLES zu bewirken vermögen. (S. 181)

Das Buch von Franz alt ist ein doppelter Klassiker: für das neue Jesus-Bild und das Bild eines neuen Mannes, der das Männliche und Weibliche, das Kindliche in sich integriert hat.
Es ist in meinen Augen immer wieder bedauerlich, dass solche Bücher mit dem Ausverkauf bei einem Verlag nicht mehr zu erwerben sind. So wie dieses Buch mir vor 15 Jahren als Samen seine Wirkung getan hat, so wünsche ich diese Erfahrung allen Suchenden, die Ausschau nach dem neuen Mann, nach einer neuen spirituellen Welt halten. Jesus ist daraus nicht wegzudenken.

Der Bestell-Link bei AMAZON für gebrauchte Exemplare: Jesus – der erste neue Mann.

Ton van der Kroon: Die Rückkehr des Löwen

Von Liebe, Lust und Herzenspower

Für mich gehört dieses kleine Büchlein immer noch zu den besten Männerbüchern im deutschsprachigen Raum. Das niederländische Original erschien 1996, die deutsche Übersetzung erstmals 1998. Es ist inzwischen leider vergriffen.

Das Buch geht in die Tiefe. Es erforscht die männliche Seele nicht nur über sieben Archetypen (verbunden mit den Chakren): Heiliger (Kronen-Chakra), Magier, Narr, König, Krieger, Liebhaber, Wilder Mann (Wurzel-Chakra). Es geht in dem Buch auch um die „dunkle Nacht der Seele“, also die Schattenarbeit, die ein Mann zu leisten hat.

 

Der Autor schreibt:

„Der gegenwärtige gesellschaftliche Veränderungsprozess erweckt den Anschein, als ob Frauen die Vorreiterinnen seinen. Aus einer unterdrückten Position heraus sind sie es, die für eine andere Art des Zusammenlebens, für andere Formen der Beziehungen und andere Rechte und Pflichten gekämpft haben. Von außen betrachtet sieht es so aus, als ob die Männer zurückblieben, aber der Schein kann trügen. Die Männer müssen einen anderen Weg gehen. Ihr Weg liegt im Stillen, weil es ein schmerzhafter und keineswegs glorreicher Weg ist. Während die Frauen viel zu gewinnen haben, haben die Männer zunächst viel zu verlieren. Dieser Weg bedeutet, auf Macht zu verzichten und der Ohnmacht und dem Schmerz ins Auge zu sehen. Dennoch braucht man genausoviel Mut, diesen Weg zu gehen und sich langsam in die Höhlen der Seele herabzulassen.“ (S. 13)

Auch bei Ton van Kroon geht es um eine „Initiationsreise“ zum neuen Mann und er finden in den vielen Heldensagen archetypische Hilfen, immer der gleiche Mythos:

In vielen Geschichten bildet diese ausgestorbene Landschaft die Ausgangssituation: Das Land ist unfruchtbar, und der König ist krank, abwesend, auf Reisen oder aus dem Land vertrieben. Alle warten auf den Helden, der durch seine Taten den Weg für die Rückkehr des rechtmäßigen Königs frei machen soll. Es ist die weit verbreitete Geschichte vom Kampf gegen das Böse und vom Durchsetzungsvermögen des Helden, der seinen Auftrag erfüllt, den heiligen Gral zu finden, den Brunnen mit Lebenswasser zu entdecken, den Drachen zu besiegen und die verborgenen Schätze wider zurückzubringen, um sie mit seinen Mitmenschen zu teilen. (S. 17 f.)

Er verfolgt diese Heldenreise des Mannes über Parzival („Der Weg des Helden“), Hamlet („Die Suche nach dem Vater“), Dionysos („Die Kraft der Lust“) und den Wilden Mann („Die Begegnung mit dem Tod“), um dann zum LÖWENKÖNIG zu kommen, dem „Ruf nach der neuen Führung“.

Auf dem Weg heilen wir auch die Mutter-Wunde, doch die Heilung der Vater-Wunde ist für die Männer-Seele noch wichtiger. „Der Kampf mit dem Vater symbolisiert schließlich der innere Kampf zwischen dem Ego und dem Selbst.“ (S. 65)

Die Verbindung zwischen LIebe und Macht, dem vierten und dem dritten Chakra, ist von zentrale Bedeutung. Die Macht steht im Dienste des Herzens, so, wie der Krieger im Dienste des Königs steht. Positiv eingesetzte Macht ist nötig, um andere und uns zu schützen und um Grenzen zu setzen. Wir brauchen die Kraft, damit wir uns trauen, gegen das anzugehen, was nicht in Ordnung ist: gegen den Chef, der seine Macht missbraucht, gegen den Partner, der uns zu manipulieren versucht, gegen ein Kind, das seine Grenzen überschreitet, oder gegen ein Volk oder einen Glauben, der ‚es übertreibt‘. Nichts zu tun wäre in allen diesen Fällen schädlich.“ (S. 66)

Genau das macht die Rückkehr des Königs für den Mann aus: die Verbindung von Macht und Liebe, Herzenspower und Lust. Auch hier greift Ton van der Kroon auf eine tief metaphorische  Geschichte zurück, Wald Disneys „König der Löwen“: Simba nimmt nach nach äußeren Intrigen eines Onkels und inneren Kämpfen den Platz des Königs entschlos-
sen ein. Er übernimmt die Verantwortung für die „Heilung seines Königreiches“.

Bei der Rückkehr der Männer in ihr Reich spielt oft eine Frau eine wichtige Rolle. Im König der Löwen ist es Nada, die Simba findet und ihn davon zu überzeugen versucht, daß er zurück kommen und den Kampf aufnehmen müsse. Oft erkennen Frauen den wahren Wert des Mannes, sind aber selbst nicht in der Lage, ihn in die ihm zustehende Position zu bringen. Dafür ist ein Mentor oder Initiator nötig … Die Frau symbolisiert das Weibliche im Mann, das danach ruft, angehört zu werden, das ihn ermahnt, seinen Platz auf dem Thron einzunehmen. … Eine Verschmelzung männlicher Tatkraft und weiblicher Weisheit ist für die wahre Führung unverzichtbar. (S. 138)

Ich kann dem nur zustimmen, was hie angedeutet ist und ich nur verschäft formulieren kann: Wahre Männlichkeit ist nichts, was der Mann „in sich“ hat, sondern was er an der Seite seiner Frau (seiner Königin) in Beziehung zu ihr und mit ihr leben kann.

Wir brauchen neue Visionen, und der Autor formuliert es so:

… eine Vision, die sich über die Dualität und die Zersplitterung, in der wir leben, erhebt, eine Vision, die die verschiedenen gegensätzlichen Aspekt in sich vereinigt, in der Sexualität und Religion, Wissenschaft und Phantasie, Liebe und Arbeit, Mann und Frau, Geld und Ideale zu einem großen Ganzen zusammenfließen. (S. 141)

Und auch diese Worte von Ton van der Kroon sind visionär:

Echte Führung ist Dienen, nicht jemand anderem, sondern dem Gott in uns. Das bedeutet, unsere Rolle, die uns zugedacht ist, und die Kraft und die Fähigkeiten, die wir mitbekommen haben, anzunehmen. Indem wir dienen, werden wir frei. Die höchste Wahrheit lebt in uns, und indem wir ihr Ehre erweisen, erweisen wir der ganzen Menschheit Ehre.
Zum Kern zurück zu kommen und von dort aus zu leben beginnen – das ist es, wonach sich jeder in der Tiefe seiner Seele sehnt. Das ist die Rückkehr des Königs. (S. 142 f.)


 

R. Moore & D. Gillette: König, Krieger, Magier, Liebhaber

Untertitel: Die Stärken des Mannes

Das Buch ist 1990 in Amerika erstmals erschienen und ein Klassiker der Männer-Literatur. Es ist das erste Buch, dass die Archetypen (nach C.G.Jung) aufnimmt, um die Männerseele genauer zu beschreiben. Seitdem gibt es wohl kaum ein Männer-Buch, das an diesen Grundarchetypen (in vielen Variationen) vorbei kommt: Der König (als reifer Mann), der Krieger, der Magier und der Liebhaber. Doch dieses klassische Original hat eine Tiefe, an die andere Bücher über männliche Archetypen in meinen Augen nicht mehr heran kommen. Die „bipolaren Schattenseiten“ jedes Archetyps, auf die ich hier nicht weiter eingehen kann, sind für mich dabei unübertroffen. Deswegen lohnt sich auch heute noch eine Besprechung.

Teil 1 – Vom Jungen-Bewusstsein zum Mann-Bewusstsein

Irgendwie spüren wir alle, dass die Männer von heute noch irgendwie in der Pubertät stecken geblieben sind, nicht wirklich zum reifen Mann erwachsen werden (wollen / können). Das Buch gibt für mich eine schlüssige Antwort auf dieses merkwürdige Phänomen.

„In der gegenwärtigen Krise der Männlichkeit brauchen wir nicht, wie manche Feministinnen behaupten, weniger maskuline Stärke. Wir brauchen mehr davon. Aber wir brauchen mehr gereifte Männlichkeit. Wir brauchen mehr Mann-Bewusstsein.
… Wir müssen lernen, authentische maskuline Kraft und Potenz zu zelebrieren, nicht nur um unser Wohlergehen als Männer und unserer Beziehung zu anderen willen, sondern weil sich die Krise der gereiften Männlichkeit mit der globalen Überlebenskrise vereint, in der wir als Gattung stecken.“ (S. 15/16)

„Alle unreifen männlichen Energien sind, in der einen und anderen Form, allzusehr mit der Mutter verknüpft, und es mangelt ihnen an der Erfahrung nährender und reifer Männlichkeit.“ (S. 54)

Ein Riesenthema ist der Archetyp des HELDEN, den „viel Desorientierung“ umgibt.
Er ist „tatsächlich der Gipfel der virilen Energien des Jungen, der Archtyp, der das beste in der Adoleszenz-Phase vertritt.“ Hier hängen wir Männer fest. Einerseits sind wir fasziniert vom Helden (davon lebt eine ganze Filmindustrie), andererseits führen wir ein wenig heroisches Leben. Wenn wir überhaupt erwachsen werden wollen, müssen wir durch diese Heldenphase durch, sie überwunden haben. Erst als Helden werden wir zum reifen Mann. Der HELD ist aber nicht das Ziel männlicher Reife, sondern der Beginn.

„Wie die anderen unreifen männlichen Archetypen lässt der Held eine überstarke Mutterbindung erkennen. Doch der Held verspürt den starken Drang, sie zu überwinden. Er ist in einen Kampf auf Leben und Tod mit dem Weiblichen verstrickt, will es besiegen und seine Männlichkeit beweisen.“ (S. 61)

Es ist der Kampf gegen den Drachen (die inneren Dämonen und Monster), die den heldenhaften Mann aus der Muttebildung löst und erst dann REIF für eine Frau macht (das Burgfräulein, die Prinzessin), die kein Mutterersatz mehr ist. Wir Männer sind keine Drachentöter mehr. Wir haben das Mütterliche (auch als Unterbe-wusstsein) in uns nicht besiegt und uns eine REIFE BEZIEHUNG zu einer Frau nicht verdient. Das ist unser Dilemma. Wir wären so gerne Helden, machen uns aber nicht auf unsere Heldenreise in die männliche Seele.

Teil 2 – Die Entschlüsselung der männlichen Psyche – die vier Archetypen gereifter Männlichkeit

Ein ganz besonderer Archetyp der Autoren ist „das Göttliche Kind“, das ich bei anderen Autoren nicht mehr wiedergefunden habe. „An der Spitze der dreieckigen Archetypen-Struktur erfahren wir das Göttliche Kind, das uns erneuert und ‚im Herzen jung‘ hält.“ (S. 40). Auch als reife Männer bleiben wir mit diesem „Göttlichen Kind“ in uns in Verbindung.

Doch der Haupt-Archetyp gereifter Männlichkeit ist der KÖNIG. Während der HELD sich die Prinzessin verdient hat, ist es noch ein weiter Weg der Reifung, dass beide zu KÖNIG und KÖNIGIN werden.

„Der ‚Tod‘ des Helden ist der ‚Tod‘ des Jugendalters, des Jungen-Bewusstseins. Gleichzeitig steht er für die Geburt der Männlichkeit, des Mann-Bewusstseins. Der ‚Tod‘ des Helden im Leben eines Jungen (oder Mannes) bedeutet in Wirklichkeit, dass er schließlich an seine Grenzen gestoßen ist. Er ist dem Feind begegnet, und der Feind ist er selbst. Er ist seiner dunklen Seite begegnet, seiner sehr unheroischen Seite. Er kämpfte mit dem Drachen und verbrannte sich; er focht in der Revolution und trank vom Bodensatz seiner eigenen Unmenschlichkeit. Er hat die Mutter besiegt und dann seine Unfähigkeit eingesehen, die Prinzessin zu lieben. Der ‚Tod‘ des Helden signalisiert die Begegnung  eines Jungen oder Mannes mit wahrer Demut. Es ist das Ende seines heroischen Bewusstseins. (S. 64)

Zu diesem Reifungsprozess des Mannes gehört es, dass er die drei anderen Archetypen, den KRIEGER, den MAGIER und den LIEBHABER in reifer Form in sich entwickelt hat. Erst die seelische INTEGRATION all dieser Archetypen, des „Göttlichen Kindes“, des Kriegers, des Magiers und des Liebhabers macht den Mann in seiner reifen Form zum KÖNIG mit einer KÖNIGIN an seiner Seite.
Diesen Archetypen des König dürfen wir aber nicht in seinem feudalen Sinne verstehen. Auch Jesus wurde als „König“ gesehen, dessen „Königreich“ aber nicht von dieser Welt sei.

Der vollendete Archetyp des Königs besitzt die Eigenschaften der Geordnetheit, des besonnenen und rationalen Gestaltgebens, der Integration und Integrität in der männlichen Psyche. Er glättet chaotische Gefühle, bremst unmäßiges Verhalten. Er bringt Festigkeit, Zentrierung und Gelassenheit. …
Der König sorgt sich um sein ganzes Reich, er ist der oberste Verwalter von Natur und menschlicher Gesellschaft.
Es ist die Energie, manifestiert in alten Mythen, des ‚Hirten seines Volkes‘, des ‚Gärtners‘, des Schutzherrn der Pflanzen und Tiere im Königreich. Es ist die Stimme, die klar, gelassen und mit Autorität, als Fürsprecher der Menschenrechte für alle auftritt. Es ist die Energie, die geringste Strafen und höchstes Lob ausspricht. Es ist die Stimme, die aus unserer Mitte, vom archatischen Berg in jedem Menschen erschallt.“ (S. 91)

Im Vorwort des Buches heißt es: Dieses Buch gäbe der „Männerbewegunbg starke Impulse“, wäre ein „revolutionärer Durchbruch bei der Entschleierung der Tiefen-strukturen des menschlichen Selbst …, des männlichen wie weiblichen“ (S. 7).
Die Zeit hat dieser Einschätzung recht gegeben.

Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich: König, Krieger, Magier, Liebhaber. Die Stärken des Mannes.

 

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