Laszlo / Peake: Unsterbliches Bewusstsein

Untertitel: Kontinuität des Selbst jenseits des Gehirns

Das Buch beginnt im Prolog im ersten Satz gleich mit der „großen Frage“:

„Endet unser Bewusstsein – unser Geist, unsere Gedanken, unsere Seele – mit dem Tod unseres Körpers?“ (S. 9) Und als wichtige Endnote zu diesem Satz: „Wir sollten Bewusstsein und Gedanken synonym verwenden, von Geist und Seele aber nur im spirituellen und/oder religiösen Kontext sprechen.“ (S. 10)

Das Buch sucht also nicht die „Unsterblichkeit von Geist und Seele zu beweisen – möglicherweise ist es im streng wissenschaftlichen Sinne nie zu „beweisen“. Es geht vielmehr um einen auch in der Wissenschaft gängigen Begriff des „Bewusstseins“. Das Buch hält sich streng an wissenschaftliche Kriterien – und das macht es so spannend und für wissenschaftlich denkende Menschen so attraktiv! Dieses Buch könnte die Geburtsurkunde eines neuen „Paradigmas“ in der wissenschaftlichen Bewusstseinsforschung sein, insbesondere in welchem Verhältnis Gehirn und Bewusstsein stehen. Das alte (materialistisch-mechanische) Paradigma geht davon aus, dass zuerst das Gehirn da ist und das Bewusstsein ein Epiphänomen ist.

1. Teil: Die Evidenz

Es heißt, die Wissenschaft beginne mit der Erhebung empirischer Daten. Genau dem dient dieser erste Teil, der drei Viertel des Buches umfasst (120 von insgesamt 180 Seiten). Hier werden Belege zusammengetragen zu den Themen

  • Nahtoderfahrung
  • Nachtod-Kontakte
  • Kommunikation über Medien
  • Instrumentelle Transkommunikation
  • Erinnerung an frühere Leben
  • Reinkarnation

Jedes der zusammengetragenen empirischen Belege werden dabei von den Autoren einzeln in der Bedeutung gedeutet, als erste Schlussfolgerung zusammenfassend unter „Bewusstsein jenseits des Gehirns“ (S. 126 f.):

Offenbar wird bei Nahtoderfahrungen, Erscheinungen und Visionen, nachtodlicher Kommunikation, medial bzw. instrumentell vermittelter Kommunikation, bei Erinnerungen an frühere Leben und reinkarnationstypischen Erlebnissen ein „Etwas“ kontaktiert, bei dem es sich um ein menschliches Bewusstsein zu handeln scheint. Die vorhandenen Beweise zeigen, dass dieses „Etwas“ nicht nur eine passive Aufzeichnung der Erfahrungen einer verstorbenen Person ist, sondern eine dynamische, intelligente Wesenheit, die kommuniziert, Informationen austauscht und mitunter sogar den Drang verspürt, sich mitzuteilen.

Also: Das Bewusstsein überdauert empirisch offensichtlich das Gehirn. Die anschließende Frage ist natürlich: „Doch wie ist der möglich?“ Der zweite Teil des Buches stellt einen Erklärungsansatz vor, „der weder improvisiert ist noch sich auf esoterische Konzepte stützt, sondern auf den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und der Bewusstseinsforschung basiert.“ (S. 127)

2. Teil: Die Wissenschaft: Kosmos und Bewusstsein

In der (materialistischen) Wissenschaft selbst ist ein „Paradigmenwechsel“ festzustellen, die nicht Materie, sondern Information(sfelder) „als Urgrund der Realität begreift“. (S. 131).

Hier greifen die Autoren auf den alten westlichen Begriff des „Äthers“ bzw. „Spiritus“ (Gordano Bruno) zurück bzw. dem östlichen Begriff des „Akasha“ zurück und sehen diese intuitiven Ansätze der Prämodernen in der modernen Theorie des Informations-Hologramms wissenschaftlich bestätigt:

Wenn die Raumzeit ein Hologramm und jeder Quant mit sämtlichen anderen Quanten verschränkt ist, dann muss sich jede Zustandsänderung eines beliebigen Quants auch im Zustand aller Quanten niederschlagen. (S. 140)

Es gibt offensichtlich als naheliegende Schlussfolgerung eine Dimension jenseits dieser allumfassend verschränkter (alles interagiert mit allem) „Raumzeit“:

Dieser der wahrnehmbaren Welt zugrunde liegende Dimension bildet ein vollständiges Ganzes, eine holographische Gesamtheit ohne Raum und Zeit. Die A-Dimension des Akasha stellt den eigentlichen LOGOS des Kosmos dar. (S. 142)

Und was hat diese „verborgene A-Dimension“ mit Bewusstsein zu tun? Kurz: Diese Dimension IST das EINE Bewusstsein, die in-formiert, in Form geht. Und jedes „individuelle“ Bewusstsein ist „untrennbarer Teil“ des allgemeinen, kosmischen Bewusstseins.

Diese grundlegende Erkenntnis, dass das Bewusstsein nicht vom Gehirn hervorgebracht wird, dürfte durch künftige Forschungsergebnisse kaum mehr umgestoßen werden. Bewusstsein ist ein kosmisches Phänomen, das vom Gehirn lediglich vermittelt und zur Entfaltung gebracht wird. (S. 148)

3. Teil: Die Erklärung

Der dritte Teil bringt den ersten (Empirie) und den zweiten (moderne wissenschaftliche Theorien) zu einem einheitlichen Erklärungsansatz zusammen und kommen zu der Schlussfolgerung:

Nachdem wir das vorhandene Beweismaterial ausgiebig gesichtet haben, können wir diese Frage („die große Frage“, s.o., JS) jetzt positiv beantworten: Mit dem Ableben unseres Körpers hört unser Bewusstsein nicht auf zu existieren, sondern lebt in einer anderen Dimension des Kosmos fort – in jener geheimnisvollen Sphäre, für den wir den alten Namen Akasha aufgegriffen haben.“ (S. 167 f.)

 

Ein neues Paradigma wäre keines, wenn es nicht auch eine neue VISION hätte. Dies ist nahezu „atemberaubend“ (doch nicht im tödlichen Sinne zu verstehen) 🙂 das Zeitalter der bewusst angenommenen Unsterblichkeit!

Mein Fazit: 

Das Buch verbindet die aktuell aufregendsten Bereiche der Wissenschaft – Neurophysiologie, Quantenfeld und Kosmologie – mit spiritueller Weisheit. Selbst wenn man Buch nur als stringent durchgezogene wissenschaftliche Hypothese mit großem Wahrscheinlichkeitswert erkennen kann, es ist ein großer Wurf mit der Vieion eines neuen Zeitalters der Unsterblichkeit. Bekanntlich sind Menschen sterbliche Götter und Götter unsterbliche Menschen. Das Buch baut auch eine Brücke zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen.

Teilhard de Cardin: Das Herz der Materie

Untertitel: Kernstück einer genialen Weltsicht

Keiner hat behauptet, Teilhard de Chardin zu lesen, sei einfach. Doch Kant, Hegel, Heidegger oder andere zu lesen, ist auch nicht einfach. Teilhards Sprache als Jesuitenpater ist zudem keine rein philosophische, sondern eine eigenartige Mischung aus philosophischer, poetischer, theologischer, profetischer und wissenschaftlicher Sprache. Dazu kommt die Problematik der Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche.

Schriften von Teilhard de Chardin sind keine Lehnstuhl-Lektüre. Sie wollen studiert werden, Kersätze können nur meditativ erfasst werden. Wie wäre es beispielsweise hiermit: „Sich vergeistigen = sich entmaterialisieren“ (S. 68) Dieses Buch ist vom Autor 1950 verfasst worden, 5 Jahre vor seinem Tod (1881 – 1955), eine Art Testament seines Lebens-Werkes. Es bringt darin die „Evolution seines Denkens“ und den Kern seiner neuen „Religion der Evolution“ oft formelhaft (im Sinne einer wissenschaftlichen Formel) auf den Punkt.

Was mich an diesem Buch am meisten fasziniert: Der Autor meint es mit der Liebe ernst! Heute sagen die einen „Alles ist Energie“, die anderen „Alles ist Bewusstsein“. Und was ist mit LIEBE? Unsere Intuition und unser religiöses Empfinden sagen uns: „Alles ist Liebe“. Doch in welchem Zusammenhang stehen dann Liebe, Energie und Bewusstsein? (Keine schlechte Frage, oder?)

Pierre Teilhard de Chardin hat diese Frage beantwortet, ohne dass es viele mitbekommen hätten, sonst wären wir heute in unserem Bewusstsein weiter. Und damit ist er aktueller denn je, vielleicht schließen wir langsam auf seine Bewusstseinshöhe auf. Das Entscheidende für ihn ist die Liebe, die evolutiv wachsende Durchseelung der Materie und des Kosmos. Er nennt dies im Sinne eines wissenschaftlich neuen Begriffes: AMORISATION. (Amor = Gott der Liebe) 

Nun wird man den Begriff der „Amorisation“ wohl in keinem wissenschaftlichen Wörterbuch finden. Also ist Teilhards Theorie keine wissenschaftliche … Zu dieser Schlussfolgerung könnte ein einfältiges Denken kommen. Ein visionäres Denken dagegen könnte zu einer ganz anderen Schlussfolgerung kommen: Solange der Begriff der „Amorisation“ nicht das Herz der Wissenschaften ist, sind wir noch weit von einer „Heiligen Wissenschaft“ entfernt. NUR EIN WORT, und unsere Wissenschaft wird ist heil und heilig.

Ich will aus diesem Buch noch eine andere Teilhardsche zentrale Formel kurz besprechen: „Gott über uns“ = „Gott vor uns“ (S. 79) „Gott über uns“ – ist ja noch zu verstehen: „Gott im Himmel“, der Gott aller traditioneller Religionen. Aber „Gott VOR uns“? … Das ist nach Teilhard der Gott der ZUKUNFT, der Gott am „Punkt OMEGA“. Dann wird die Menschheit völlig vergöttlicht sein. Dann ist aus dem EINEN JESUS von Nazareth ein KOSMISCHER CHRISTUS geworden. Das kann man allerdings nur meditativ in seiner mystischen Tiefe erfassen.

Das Buch hat drei Teile, „eigentlich“ sogar vier:

  • Das Kosmische oder das Evolutive
  • Das Menschliche oder das Konvergierende
  • Das Christliche oder das Zentrische
  • Das Weibliche oder das Einigende (als Schlussakkord)

Alleine das Inhaltsverzeichnis ist ja schon Poesie!

Das Buch hat einen Anhang mit drei mystischen Schriften von Pierre Teilhard de Chardin:

  • Christus in der Materie
  • Die geistige Potenz der Materie
    mit: Hymne an die Materie
  • Die Messe über die Welt

Eine Wohltat in Zeiten des Wahnsinns „Es gibt keine Materie.“ (Als ob es auch nur einen Menschen ohne MUTTER gäbe; wir sind alle Kinder von Mutter Erde – als das Ewig-Weibliche.)

Das Buch ist wirklich das Herz der Weltsicht Pierre Teilhard de Chardins. Wenn man genügend „Einführungs-Literatur“ (wie seine > Biographie von Günther Schiwy) gelesen hat, dann kann man sich an dieses konzentrierte Werk (die Essenz) heran machen. Wer tiefer einsteigen will, der lese dazu sinnigerweise das „Teilhard de Chardin Lesebuch“ herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy (> meine Buchbesprechung). Die ausgewählten Teilhard-Texte von Günther Schiwy entsprechen dem Aufbau von „Das Herz der Materie“. Beide Bücher lassen sich gut „parallel“ lesen.

Günther Schiwy: Das Teilhard de Chardin Lesebuch

Ein Wort zu dem Herausgeber des Buches: Günther Schiwy. Er war wie Teilhard de Chardin Jesuit und Priester. Er ist nicht nur ein großer Kenner Teilhard de Chardins und durch deine zweibändige Teilhard-Biographie (> meine Buchbesprechung) zu dessen 100. Geburtstag 1981 bekannt geworden, sondern hat über 10 Jahre intensiv daran gearbeitet,  Teilhard de Chardin im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Der Werkausgabe in Frankreich waren beendet, das meiste ins Deutsche übertragen, zu dem der Herausgeber des Buches selbst seinen Beitrag geleistet hat. Das sehr autobiographische Buch „Das Herz der Materie“ (1950 im französischen Original abgeschlossen, erst 1976 in Frankreich veröffentlicht) fand erst 1990 eine erste deutsche Übersetzung, an dem Günther Schiwy selbst mitgewirkt und das Vorwort verfasst hat.

Dieses Lesebuch, 1987 erstmals erschienen,  aus Texten von Teilhard de Chardin ist aus wirklich sehr kompetenter Redaktion. Günther Schiwy geht in der Abfolge ganz konsequent dem letzten großen Werk Teilhard de Chardins nach, dem „Herz der Materie“, und liefert sozusagen das Textmaterial zu diesem Buch. Darüber hinaus ist das „Lesebuch“ reichlich von ihm im Ganzen und in den acht Kapiteln eingeführt.

Die insgesamt 59 Texte sind in acht Kapitel eingeteilt:

  1. Das Herz der Materie
  2. Der Aufstieg der Menschheit
  3. Die Entwicklung des Bewusstseins
  4. Die Allgegenwart der Liebe oder das Ewig-Weibliche
  5. Die Mystik der Wissenschaft
  6. Die Krisen des Wachstums
  7. Die Religion von morgen
  8. Das neue Zeitalter

Nicht zu vergessen ist das zum Glossar ausgebaute Register, das ein leichteres Verständnis des Teilhardschen Vokabulars und „Jargons“ ermöglicht

Beide Bücher zusammen, Teilhards „Das Herz der Materie“ und dieses Lesebuch sind eine abgerundete Einführung in das Denken dieses großen Visionärs einer spirituellen Evolutionstheorie.

Günther Schiwy: Teilhard de Chardin (2 Bände)

Untertitel: Sein Leben und seine Zeit

Das zweibändige Werk ist eine herausragende Biographie Pater Pierre Teilhard de Chardins, die zu dessen 100. Geburtstag 1981 erschien. Der Autor war seit 1979 auf den Spuren Teilhards in Frankreich, ihm wurden alle Türen geöffnet, nicht nur um diese Biographie zu schreiben. Ihn sollte Leben und Werk von Teilhard de Chardin mehr als die nächsten 10 Jahre intensiv beschäftigen. Er hat ausgewählte Texte von Teilhard aus den Essays und Briefwechsel zum Teil neu übersetzt, kommentiert  und herausgegeben, wie „Das Herz der Materie“. Günther Schiwy hat sich nicht nur mit dieser Biographie große Verdienste erworben, das Interesse an Teilhard de Chardin in den 80er im deutschsprachigen Raum wieder aufleben zu lassen. Der Autor hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass nach der vollendeten deutschsprachige Werkausgabe von Teilhard de Chardin Anfang der 70er Jahre mit der Biographie abgerundet werden konnte.

Wenn jemand den Jesuitenpater Teilhard am besten verstehen sollte, dann selbst ein Jesuit und Priester wie der Autor. Doch mehr noch. Teilhards größtes Problem war wahrscheinlich nicht der Konflikt mit seiner Kirche und seinem Orden, sondern der Konflikt in seiner Liebe zum Weiblichen und zu Frauen. Der Biograph Günther Schiwy selbst hat diesen Konflikt erlebt und nicht anders lösen  können als aus dem Jusuitenorden auszutreten, das Priesteramt niederzulegen und seine geliebte Frau zu heiraten. Das spricht für ihn als DEN deutschsprachige Biograph, der sich in das Innenleben Teilhards einfühlen konnte wie kein anderer. Als später weitere Briefe auftauchten, gab Schiwy einen die Biographie ergänzenden Band heraus „Eine heimliche Liebe. Lucile Swan und Teilhard de Chardin“ (2005) – zu Teilhards 50. und Luciles 40. Todestag, sehr mitfühlend für dies erotische, aber sexuell unerfüllte Liebe.

Wenn man sich tiefer mit Teilhard de Chadin beschäftigen will, kommt man an dieser Biographie nicht vorbei. Der erste Band endet 1923 vor Teilhards ersten Reise nach China: Er ist als Mystiker an der Front des ersten Weltkrieges erwacht, war tief berührt von der Liebe zu einer Cousine, hatte das erste Essay zum „Ewig-Weiblichen“ verfasst, seine auch wissenschaftliche Ausbildung in Paris beendet, war zum Propheten einer Neuen Menschheit, aber auch einer Neuen Theologie gereift. Der Autor geht den vielen Einflüssen nach, die Teilhard und seine „prophetische Sprache“ geprägt haben.

Den zweiten Band ab 1923 bis zu seinem Tod 1955 stellt vor allem die Gespräche, die Teilhard gesucht hat, auch und gerade mit Andersdenkenden, dabei auch in sehr intimen Gesprächen mit Frauen. Dem Biographen Günther Schiwy ist es gelungen, dem Leser das innere Leben von Teilhard de Chardin zu öffnen.

Beide Bände zusammen genommen haben einen Umfang von ca. 650 Seiten und sind reichlich bebildert. Ich will seine Hommage an den französischen Biographen zitieren: „Für hilfreiche Anteilnahme danke ich vor allem Claude Cuénot, dem ersten und unüberholbaren Biographen Teilhards, ferner den Freunden Teilhards, die mir Erinnerungen und Bildmaterial überlassen haben.“ (Bd. 2, S. 290)

Zu erwähnen ist, dass es dazu auch eine gekürzte Taschenbuch-Ausgabe (dtv) aus dem Jahre 1985 gibt, ohne Bildmaterial und um ca. die Hälfte gekürzt.

 

Günther Schiwy: Der kosmische Christus

Untertitel: Spuren Gottes ins Neue Zeitalter

Zunächst ein paar Worte zum Autor: Er hat sich als deutscher Biograph von Teilhard de Chardin einen Namen gemacht. 1981 erschien zu dessen 100. Geburtstag die zweibändige Biographie „Teilhard de Chardin. Sein Leben und seine Zeit“. Doch seine Arbeit für das Bekanntwerden von Teilhard im deutschsprachigen Raum ging weit über die Teilhard-Biographie hinaus. Er veröffentliche ausgewählte Werke von Teilhard und war zum Teil mit verantwortlich dafür, dass Bücher oder Briefwechsel überhaupt ins Deutsche übertragen wurden.

Er hatte mit den Vorbereitungen „auf den Spuren Teilhards in Frankreich“ 1979 begonnen und mit diesem Werk „Der kosmische Christus“ nach 10 Jahren den Höhepunkt seiner Arbeit der Öffentlichkeit vorgelegt. 1989: als der Ostblock durch Gorbatschows „Peristroika“ zusammenbrach und ich die Mauer in Deutschland fiel.

Günther Schiwy war – wie Teilhard de Chardin – selbst Jesuit und Priester, im Gegensatz zu ihm hat er 1970 seinen Orden verlassen, um seine geliebte Frau heiraten zu können. Ihm ging die Liebe vor der Ordensdiziplin des Zölibates. Als dann 1982 die ersten New-Age-Bücher vom „Neuen Wassermann-Zeitalter“ kündeten, zeigte er dafür Sympathie. Er wusste darum (wie Teilhard de Chardin), dass sich das Christentum erneuern musste – und sah in der New-Age-Bewegung das Aufkommen einer „Neuen Spiritualität“. Der Gest des neuen Zeitalters würde aber der GEIST GOTTES sein. Ja, er fand immer mehr Zugang auch zu der Vorstellung, dass diese „Neue Spiritualität“ und das erneuerte Christentum im Kern weiblich sein müsste.

Von seinen Kritikern, den christlichen Theologen, wurde er (krass ausgedrückt) als Verräter angesehen und nur noch als „New-Age-Anhänger“ gewertet. Zwei Jahre vor „Der kosmische Christus“ war sein Buch „Der Geist des Neuen Zeitalters“ (> meine Buchbesprechung) noch der Aufruf zu lesen, dass diese beiden Strömungen im Sinne einer „Neuen Spiritualität“ zusammenarbeiten sollte.

Dieses Buch von 1989 lässt diesen Streit jetzt fallen (es ist keine Streitschrift mehr), sondern ist ein offenes Bekenntnis von Günther Schiwy für den Kosmischen Christus. „Ich schreibe das Buch als Zeugnis meines eigenen Glaubens an den Kosmischen Christus, eines Glaubens, der sich als Niederschlag meines religiösen Lebens mit der Zeit herausgebildet hat.“ Hier zeigt er sich als Schüler Teilhards zur Entwicklung von dessen Lehre.

Die „schönste Entdeckung“ bei Teilhard de Chardin ist für ihn „Das Ewig-Weibliche“, in den Worten Teilhards: „Eines Tages wird nur noch ‚das Ewig-Weibliche‘ bleiben, der einende Zauber des totalen Christus.“ (15. März 1918), im Buch S. 32.

Und Günther Schiwy schreibt für sich selbst:

Für mich gab es da erstaunlicherweise keine Widersprüche: die Liebe zu meiner Frau erfuhr ich zugleich als Liebe zum Ewig-Weiblichen und darin zum Kosmischen Christus – heute kann ich es so formulieren. (S. 33)

Als Liebender hat er so auch einen tieferen Zugang zu Teilhard:

Er, auch Priester und Jesuit, ist es zwar bis an sein Lebensende geblieben. Nichtsdestotrotz hat er auch erlebt, wie die gleiche Anziehungskraft, die man als Priester dem Kosmischen Christus gegenüber verspürt, durch die Liebe zu einer Frau verstärkt wird. Teilhard hat sogar den Kosmischen Christus erst durch die Liebe einer Frau für sich entdeckt, und hat sein Leben lang nicht ausgehört, über das Verhältnis des Kosmischen Christus zum Ewig-Weiblichen nachzudenken, mit dem Ergebnis, daß er das Ewig-Weibliche sprechen läßt: „Ich bin der anziehende Reiz Christi; ich bin Christus.“ (S. 33 f.)

Der Autor geht diesem „Ewig-Weiblichen“ auch im Alten Testament nach und findet in SOPHIA des Gottes Geistin. Die Weisheit des Göttlichen ist weiblich. Hier wird seine Christologie feministisch.

Jesus ist die Offenbarung der Geistin Gottes, der Gegenwart Gottes in der Schöpfung. Jesus ist als „der Herr“ auch „der (das) Geist(wesen)“ selbst, er ist die menschlich und kosmosgewordene Liebe Gottes.“ (S. 57)

Das Buch geht der Idee des Komischen Christus bei Mystikern, Religionen, Philosophen und Dichtern nach. Er stellt die Frage:

Wenn Gott als der Kosmische Christus, der wiederum die Weltwerdung der göttlichen Sophia, der Weisheit, ist, die Welt erfüllt: Muß dann nicht der menschliche Geist, wenn er sich in letzter Anstrengung um den letzten Grund dieser Welt bemüht, auf den Kosmischen Christus stoßen? (S. 107)

Er findet in dieser Frage auch Berühungspunkte von Teilhard de Chardin (über Edouard Schuré) zur Esoterik der theosophischen Gesellschaft und zur Christologie von Rudolf Steiner bis hin zur Findhorn-Bewegung und zitiert die Christosophie von Arthur Schult.

Als „Finale“ zum Buch möchte ich noch den Satz zitieren:

Die Spuren Gottes, die wir als Spuren des Kosmischen Christus in Geschichte und Gegenwart ausfindig gemacht haben, weisen in die Zukunft, in ein Neues Zeitalter, das mehr als andere vor ihm ein mystisches Zeitalter sein wird. (S. 148)

Es erinnert mach an den Satz: „Die Zukunft der Menschheit wird spirituell sein, oder sie wird nicht sein.“ (Den Urheber weiß ich aber nicht mehr.)

Günther Schiwy: Der Geist des Neuen Zeitalters

Untertitel: New-Age Spiritualität und Christentum

Das Buch ist aus dem Jahre 1987. Der Autor Günther Schiwy ist keinesfalls ein „New-Age-Anhänger“, der mit Aussagen zu Teilhard de Chardin flirtet (wie es in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts häufig der Fall ist), sondern ein ausgewiesener Kenner Teilhard de Chardins im deutschsprachigen Raum, der Sympathie für das New-Age empfindet.

Schiwy selbst ist Theologe, hat an der Jesuitenhochschule St. Georgen (Frankfurt a.M.) sein Theologiestudium abgeschlossen und sich als Jesuit und Priester verstanden. Er trat 1970 aus dem Orden aus, um seine geliebte Frau heiraten zu können und ging nun seinen eigenen, freien Weg, der ihn dann in den 80er Jahren zu einem Kenner Teilhard de Chardins werden lies. Bekannt wurden seine beiden Bände zur Biographie Teilhards zu dessen 100. Geburtstag 1981.

In den Anfängen des New-Age sieht der Autor ein ganz deutliches Wiederbeleben der kosmischen und evolutionären Ideen Teilhard de Chardins, mit denen er sehr sympathisiert. Das Buch versucht, das Christentum für die „New-Age-Spiritualität“ zu öffnen. Es war auch die Zeit reif geworden, dass die Katholische Kirche sich den Gedanken und dem Geist Teilhards immer mehr öffnete. Schiwy sah in dem „Neuen Zeitalter“ der New-Age-Anhänger das Neue Zeitalter des Heiligen Geistes und wies in diesem Buch auf die Verwandtschaft hin, eine wirklich mutige Brücke zwischen New Age und Christentum! Das Buch endet mit den Worten:

Der Geist des Neuen Zeitalters ist der Geist Gottes. Das lässt uns hoffen und fordert uns auf, an der „sanften Verschwörung“ mitzuwirken. (S. 109)

Die „safte Verschwörung“ bezieht sich auf die „Bibel“ des New Age von Marilyn Ferguson: „Die sanfte Verschwörung. Persönliche und Gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermanns“ mit einem Vorwort von Fritjof Capra. Günther Schiwy war wie Teilhard ein Prophet und Visionär. Er ahnte, wie wichtig die Kon-Spiration in LIebe (ein zentraler Begriff von Teilhard) als „Zusammen-Atmen“ zwischen New-Age und Christentum für die Erneuerung einer wirklich authentischen Religion der Liebe, einer „Neuen Spiritualitär“ sein würde.

Das Buch ist ein Schatz! Schätze sind alt, müssen vor dem ewigen Verschwinden und Vergessen bewahrt und wieder ausgegraben werden. 70% des Textes sind wichtige Zitate aus der damaligen Zeit, die der Autor erläutert und in einen Zusammenhang stellt. Es ist ein extrem wichtiges Büchlein zum Zeitgeist in den 80er Jahren. (Ich habe vieles aus meinen 30ern wiedererkannt und neu integrieren können.)

Ich will hier nur erwähnen, dass der Autor nur 2 oder 3 Jahre später seine eigene Vision des „Kosmischen Christus“ schreibt. In diesem Buch) (> meine Buchbesprechung) geht er selbst an das Werk heran, die Theologie Teilhards und die Neue Spiritualität des New-Age (mit großen autobiographischen Zügen) miteinander zu integrieren. Ich wundere mich gar nicht, dass sich die Rezension dieses Buches kurz vor Pfingsten 2018 schreibt!

Thomas Broch: Pierre Teilhard de Chardin

Ich muss zur angemessenen Besprechung dieses Buches etwas ausholen. Ich habe mein erstes Buch von Teilhard de Chardin nicht im Rahmen meiner katholischen Erziehung etwa zu meiner ersten Heiligen Kommunion geschenkt bekommen … Nein, als ich 30 wurde (1981), kamen die ersten Bücher des „New Age“ auf, die ich aufsog wie ein Schwamm. Ich bin vom Tierkreiszeichen selbst Wassermann und hatte zum „New Age“ als Wassermann-Zeitalter gleich eine besondere Affinität. In den Büchern war immer wieder die Rede von einem renitenten Jesuiten-Pater, und irgendwann wollte ich wissen, was Teilhard mit seinem „Punkt Omega“ denn wirklich geschrieben hat. Ich kaufte mir eine Biographie von ihm (von Johannes Hemleben) bei rororo und die beiden Bücher „Der Mensch im Kosmos“ und „Die Entstehung des Menschen“ im dtv, zumal mich Evolution und Anthropogenese sowieso schon lange interessierte. Das war also meiner erster Zugang zu Teilhard de Chardin – als New-Age-Jünger, ja das „New Age“ war noch sehr jung, in seiner „Sturm- und Drang-Periode“, später hat sich in der Szene viel Spreu vom Weizen getrennt. Damit habe ich also einen besonderen Zugang zum Buch von Thomas Broch, weil ich von meiner eigenen Vergangenheit den Weg über das „New Age“ zu Teilhard de Chardin gefunden habe:

Das Buch ist Teil einer Reihe, die sich „im religiösen Pluralismus“ mit Strömungen auseinandersetzt, die mit dem traditionellen Christentum nicht zu vereinbaren sind: Okkultismus, Reinkarnation, Mystik, Satanismus – und in dieser Reihe nun auch: Teilhard de Chardin. Das Buch ist vor allem eine kritische Aus- und Abgrenzung gegenüber Teilhard. Erst im Innenteil erfährt der Leser, dass sich das Buch auch zweitrangig mit der Frage beschäftigt: „Wegbereiter des New Age?“ Damit ist auch schon das ganze Dilemma des Buches angedeutet: Es will kritisch mit Teilhard de Chardin umgehen, ihn aber nicht – sozusagen – komplett an das New-Age verlieren (abgesehen davon, dass das „New Age“ schon im Abklingen war und keiner der ursprünglichen Autoren sich damit noch identifizieren konnte). Der Autor schreibt in seiner Zusammenfassung:

Ich sehe mich in einem gewissen ‚Dreiecksverhältnis‘ zu Teilhard einerseits und dem New Age andererseits, das nach beiden Seiten Anerkennung und Kritik beinhaltet. Ich manchen Punkten halte ich die Kritik an Teilhard für notwendig, wo den Anliegen des New Age recht zu geben ist  – und natürlich auch umgekehrt. Wobei bei mir im Hinblick auf New Age die Kritik der Anerkennung überwiegt, im Hinblick auf Teilhard die Hochschätzung deutlich bei aller Kritik zu betonen ist. (S. 175 f.)

Das Buch ist intellektuell sehr anspruchsvoll. Es ist im besten Sinne ein philosophisch-kritisches Buch, ganz im Geiste von „Kritischer Theorie“ oder „Kritischem Rationalismus“. Die Quellenverweise und vielen Zitate sind eine Schatzkammer. Die große Schwäche des Buches liegt darin, dass der Mystik (weder die von Teilhard noch die des „New Age“) rational und intellektuell beizukommen ist. Der Autor ist katholischer Theologe und kritischer Philosoph, doch kein Mystiker.

Das Unterthema des Buches, der Vergleich zwischen Teilhard und New Age, war schon zum Zeitpunkt der Herausgabe 1989 nicht mehr aktuell. Das New Age begann sich (grob gesagt) in zwei Strömungen zu unterscheiden, die „prärationale“ der Esoterik mit der Tendenz zum magischen Denken und die „transrationale“ Strömung der Neuen Spiritualität mit der Vision, Wissenschaft und Spiritualität wieder miteinander zu versöhnen.

Mir scheint jedoch bei dem Unterfangen der Neuen Spiritualität, Schöpfungs-Mythologie und wissenschaftliche Evolutionstheorie miteinander zu versöhnen, immer noch kein Weg an Teilhard de Chardin vorbei geht, sein Werk nach wie vor aktuell ist. In diesem Zusammenhang ist das kritische und wohlwollende Buch von Thomas Broch als Schatzkammer immer noch sehr wertvoll.

Pierre Teilhand de Chardin: Das Tor in die Zukunft

Untertitel: Ausgewählte Texte zu Fragen der Zeit
Herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy

Günther Schiwy hat sich den den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts ein besonders Verdienst erworben, Pierre Teilhard von Chardin im deutschsprachigen Raum wieder neu bekannt zu machen. Es war die zweite Welle der Rezension seiner Werke nach der ersten Welle in den 60-er Jahren. Günther Schiwy hat eine sehr beachtete zweibändige Biographie von Teilhard de Chardin zu dessen 100. Geburtstag herausgegeben (1981) und zwei Bände mit ausgewählten Schriften. Darüber hinaus hat ein Buch zum Verhältnis von Teilhard zum damals aufkommenden „New Age“ geschrieben.

Dieses Buch nun, das ich hier bespreche, macht den Leser mit Pierre Teilhard de Chardin als Prophet und Visionär vertraut. Die Auszüge betreffen weniger dessen theologischen oder wissenschaftlichen Schriften, sondern Schriften zu „Fragen der Zeit“.  Diese Schriften stammen aus den Jahren 1926 bis 1947, den Jahren der Verbannung von Teilhard in China.

Günther Schiwy hat seine Einleitung dem speziellen Zugang zu dem Werke eines Propheten gewidmet, dessen „‚prophetische‘ Texte notwendig in einer originellen Sprache jenseits der Fachsprachen abgefaßt sind.“ (S. 10)

Man wird, so scheint es, Teilhards Texten am ehesten gerecht, wenn man ihn liest wie einen originellen Schriftsteller: darauf gefaßt, daß er etwas Neues zu sagen hat, wozu er sich einer eigenen Sprache bedient, ‚gebastelt‘ aus der Alltagssprache, den Wissenschaftssprachen, den poetischen und den religiösen Sprachen je nach Spannweite der angezielten Synthese. (S. 10)

Günther Schiwy vereinigt in den Buch 53 Textauszüge von Teilhard, unterteilt in 10 Themen der Zeit:

  1. Aussteigen oder „Leidenschaft für das Ganze“? – Der Einzelne und die Gesellschaft
  2. „Liebt euch, oder ihr geht zugrunde!“ – Über die geheimnisvollste der kosmischen Energien
  3. „Schmerz und Schuld, Tränen und Blut“ – Das Übel, das Böse und der Tod
  4. „Unendlich nah und überall“ – Der Aufstieg Gottes und die Religion der Evolution
  5. „Die Kraft eingrenzen, das ist Sünde“ – Moral in einer sich entwickelnden Welt
  6. „Immer mehr suchen müssen“ – Die Krise der Wissenschaften und des Fortschritts
  7. „Nicht Absonderung, sondern Synthese“ – Möglichkeiten und Grenzen der politischen Systeme
  8. „Der Frieden ist möglich“ – Von der endgültigen Vernichtung des Krieges
  9. „Den Reichtum der Welt bewahren“ – Die ökonomische und ökologische Krise
  10. „Ein Gefühl, das überwunden werden muss: die Hoffnungslosigkeit“ – Das Ende der Welt und die außerirdischen Wesen

Ein paar Zitate von Theilhard selbst aus dem Buch:

Hat überhaupt ein anderer Autor ein so tiefes Verständnis der Liebe gehabt wie er?

Die aussagestärkste und zutiefst wahre Weise, die universelle Evolution zu erzählen, wäre wahrscheinlich, die Evolution der Liebe nachzuzeichnen. (S. 38)

Die ganze Evolution als eine Manifestation der Liebe! Das war für Teilhard aber nicht nur eine mystische Erfahrung. Er hat die Evolution wissenschaftlich neu interpretiert, so dass sie als „Evolution der Liebe“ zu verstehen ist.

Die Welt ist auf unserer Stufe, wie sie sich in der Erfahrung zeigt, ein unermeßliches Tasten, ein unermeßliches Suchen, ein unermeßlicher Angriff: sie kann ihre Fortschritte nur um den Preis vieler Mißerfolge und vieler Wunden erzielen. (S. 52)

So erklärt Teilhard Kriege und das Böse in der Welt. Es sind keine apokalyptischen Zeichen, sondern Wachstunskrisen. Auch die Natur kennt Katastrophen auf dem Weg der Höherentwicklung.

Um uns herum sagt ein gewisser Pessimismus immer wieder, unsere Welt versinke im Atheismus. Müßte man nicht viel eher sagen, sie leide an unbefriedigtem Theismus? (S. 56)

Genau diese Sichtweise Theilhards macht ihn im Grunde zum „Propheten einer neuen Spiritualität“ – jenseits einer Religion, die mit der Entwicklung der Zeit nicht mehr Schritt halten kann.

Und diese „neue Spiritualität“ nennt er „Religion der Evolution“ (S. 65)

Anbeten hieß früher, Gott den Dingen vorziehen, indem man sie mit ihm verglich und indem man sie ihm opferte. Anbeten heißt jetzt, sich mit Leib und Seele dem Schöpfungsakt weihen, indem man sich mit ihm verbindet, um die Welt durch Anstrengung und Forschung zu vollenden. (S. 63)

Die Schöpfung ist nicht zu Ende. Wir Menschen sind die bewussten Hände Gottes, um sie im Punkt Omega zu vollenden, was Theilhard in seinen mystischen und visionären Erlebnissen GESEHEN hat:

Das Universum vollendet sich in einer Synthese der Zentren, in vollkommener Übereinstimmung mit den Gesetzen der Vereinigung. Gott, Zentrum der Zentren. In dieser endgültigen Schau gipfelt das christliche Dogma. – Das trifft so genau den Punkt Omega, daß ich gewiss niemals gewagt hätte, auf rationale Weise die Hypothese von Omega ins Auge zu fassen und zu formulieren, wenn ich nicht in meinem gläubigen Bewusstsein sein ideales Bild vorgefunden hätte, ja noch mehr: seine lebendige Wirklichkeit. (S. 66)

Theilhard betont nicht nur die Rolle des Geistes und des Bewusstseins, sondern auch der Seele:

Doch diese Seele kann, wenn sie existiert, nichts anderes als die ‚Konspiration‘ der Individuen sein, die sich verbinden, um das Gebäude des Lebens um ein neues Stockwerk höher zu bauen. (S. 92)

Die Seele der Menschheit als „Konspiration aller Seelen“ – was für ein schönes prophetisches und poetisches Bild! Das ist Pierre Teilhard de Chardin! (Spüren wir noch seinen Atem?)

Alle 10 Kapitel des Buches sind von Günther Schiwy eingeleitet, so dass dem Leser die Auswahl und der Sinn der Texte von Teilhard unmittelbar einleuchtend ist.

Darüber hinaus eine Art Glossar der Grundbegriffe von Teilhard in dessen oft spezifischer Bedeutung. Innerhalb der Texte weisen (*) Sterne darauf hin, dass der Begriff im Anhang noch einmal präzise im Sinne Teilhards definiert wird. Manchmal sind es mehrere * in einem Satz.

Das Buch ist von einem großen Verehrer Teilhards zusammengestellt worden. Es würdigt nicht nur die prophetischen Aussagen von Pierre Teilhard de Chardin, sondern ist auch ein Denk-Mal für Günther Schiwy.

Raimund Badelt: Energie Liebe

Untertitel: Teilhard de Chardin – ein Mystiker der Evolution

Als ich das Büchlein in meinem Briefkasten gefunden hatte, öffnete ich es direkt neugierig, wie ich es mit allen zugesendeten Büchern tue. Es nahm mich direkt in Bann – zwei Stunden später hatte ich es nahrzu „atemlos“ zu Ende gelesen, so fesselte es mich.

Das Büchlein (erst 2017 erschienen!) ist nicht eine weitere Einführung in das Werk Teilhards, sondern eine ganz besondere: Es ist der Bd. 77 der „Ignatianischen Impulse“, die also in der Tradition des Ignatius von Loyola, dem Gründer der Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, SJ), der später als „Jesuitenorden“ bekannt wurde, dem Teilhard selbst angehörte.

Als erstes hat mich dieser sehr wohlwollende Umgang eines „Glaubensbruders“ im Geiste des Ignatius überrascht. Bisher schien es mir, Teilhard hätte sehr unter dem „Kadavergehorsam“ seines Ordens gelitten. Das Lesen des Büchleins hat meine Wahrnehmung deutlich zurecht gerückt! Teilhard war kein Ego-Autor, der Zeit seines Lebens noch zum Weltbestseller werden wollte. Er wusste Mut und Demut in Balance zu halten und vertraute auf die langfristige Wirksamkeit seines Werkes (das immer wieder „Auferstehung“ erfährt).

Es ist einfach wohltuend zu wissen, dass Teilhard auch im Kreise der „Gesellschaft Jesu“ seine Anerkennung gefunden hat. Der Autor schreibt im Vorwort:

Im Bereich der Religion dauert es bekanntlich etwas länger als im Bereich der Naturwissenschaft, bis sich neue Erkenntnisse duchsetzen; die Pioniere werden leicht zu Opfern – aber im Christentum gehören Tod und Auferstehung ja bekanntlich zusammen. (S. 8)

Der Autor schließt die das Vorwort mit dem Satz: „Die Thematik ist heute aktueller denn je.“ (S. 8)

Das zweite, das mich in dem Büchlein überrascht hat: Ignatius war in gewissem Sinne gar ein Vordenker und Wegweiser von Teilhard. Dessen Exerzitien regen an, die Natur mit Staunen zu begegnen, hierin das Göttliche zu erkennen. Gott wirke durch die Natur im Menschen; er lade den Menschen zur Kooperation in der immerwährenden Schöpfung ein. (S. 32) Teilhard hatte nie etwas an der Lehre des Ignatius zu kritisieren, hat dessen Schöpfungs-Spiritualität nur mit dem Gedanken der Evolution erweitert. Teilhard war kein heimlicher Rebell mit der Faust in der Tasche. Er war ein Jesuit und Wissenschaftler durch und durch. Diese beiden Welten IN SICH zu vereinigen, war Herkulesarbeit genug.

Das dritte, was mich an dem Büchlein überrascht hat: Es hat mich in das HERZ von Teilhard geführt. Man kann die Werke von Teilhard von außen  betrachten und analysieren. Man kann das Werk aber auch von innen wahrnehmen, in der „Konspiration“ mit Teilhard selbst. Dieses Wunder vermag das Büchlein, wenn der Leser dazu bereit ist.

Teilhard fasziniert mich, weil ich in unserem UNI-Versum auch den LEIB CHRISTI SEHE, den „kosmischen Christus“. Ich sage es einmal provokant: Das ist EIN GLAUBE. Doch ich habe durch das Büchlein viele Einzelheiten der Lehre des Teilhard erst wirklich „verstanden“, den Zugang dazu erhalten. Obwohl ich katholisch erzogen wurde, Messdiener war und zur Kommunion gegangen bin, habe ich durch das Büchlein die „Bedeutung der Eucharistie“ erst wirklich verstanden (und anderes!).

Nach dem Lesen dieses Büchleins würde ich es jedem ans Herz legen, der sich den Werken Teilhard de Chardins wieder nähert. Es erlaubt, Teilhard „von innen“ zu lesen, von Herz zu Herz. Einen besseren Schlüssel zu seinem Werk kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

Karl Schmitz-Moormann: Pierre Teilhard de Chardin

Untertitel: Evolution – die Schöpfung Gottes

Der Autor des Buches Karl Schmitz-Moormann (1928 – 1996) gehörte zusammen mit seiner Frau zu den führenden Teilhard-Spezialisten in der Welt. Sie haben auch Reisen nach China unternommen, um das umfangreiche und weit verbreitete Werk von Teilhard erst einmal für die Forschung zu archivierenund im Französischen und Deutschen herauszugeben (über 7.000 Briefe und viele Tagebücher). Sie haben an der Herausgabe der Gesammelten Werke von Teilhard de Chardin im Französischen Original mitgewirkt und viele Werke ins Deutsche übertragen. Dieses Buch ist sozusagen das geistige Erbe von Karl Schmitz-Moormann zu Teilhard de Chardin, es erschien in seinem Todesjahr 1996.

Der Autor fokussiert sich in diesem Werk weniger auf das Leben Teilhard, als vielmehr seinen fundamentalen Beitrag zu einer christlich-spirituellen Evolutions-Lehre.

Das Buch ist unter keinem Zensurdruck entstanden. Der Autor selbst hat den Bann über die Werke Teilhards durchbrochen und einen großen Beitrag zu deren Veröffentlichung beigetragen. Teilhards Werke sind Zeit seines Lebens (bis 1955) zum Druck vom Jesuiten-Orden und Rom nicht zugelassen worden. Das Buch von Karl Schmitz-Moormann hat hier eine Offenheit und Tiefe, die ich bei Teilhard in seinen bekannten Werken (wie „Der Mensch im Kosmos“) so gar nicht gelesen habe. Mir kommt das Buch vor wie eine konzentrierte Einführung in das wirklich revolutionäre Wesen der Werke von Teilhard de Chardin. (Was das Buch etwas schwerer zu lesen macht: Die Literaturverweise beziehen sich meistens – übersetzt – auf die Originalbände in französischer Sprache. Es ist nicht leicht, die Zitate in den später erschienenen deutschsprachigen Werken nachzulesen.)

Zitate aus dem Buch:

Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass die mystischen Erfahrungen von Teilhard seinen Erkenntnissen voraus gegangen sind:

Wenn es richtig ist, dass nur ein Mystiker ein kreativer Theologe sein kann, dann waren die mystischen Erfahrungen der Urgrund, aus dem die Theologie Teilhards erwuchs, und man darf vielleicht mit Recht sagen, daß er sein ganzes Leben lang darum gerungen hat, diese mystische Erfahrung, in der Christus als das Herz der werdenden Welt aufleuchtete, als das Zentrum, zu dem alles werthafte Sein hinstrebt, als der mystische Leib, in dem alles seinen Weg zu Gott findet, in einer christozentrischen Theologie zur Assage zu bringen. (S. 15)

Die zwei Welten, die Teilhard verbunden hat, Glauben und Wissen:

Entweder lebte man in zwei Welten: der Welt des Glaubens und der wirklichen Welt der wissenschaftlichen Erfahrung, oder aber man musste versuchen, die erfahrene Welt als die Schöpfung zu begreifen, die wir im Glauben bekennen. Teilhard ist rückhaltlos diesen zweiten Weg gegangen, er hat die Welt ernst genommen als die Wirklichkeit, die uns aufgegeben ist und in der die Menschen ihren Weg zu Gott als dem Schöpfer dieser Welt finden müssen. (S. 22)

Die Entfaltung der Seele aus der Materie als Kraft der Konzentration:

Teilhard lässt kein Zweifel daran, daß dies nicht nur eine Metapher ist: „Die Seele ist auf allen ihren Stufen, der atomaren, der vegetativen, der sensitiven und der vernünftigen, aus dieser fortschreitenden Konzentration des anfänglichen Staubs entstanden. Die Beseelung ist der Vereinigung proportional.“ Allerdings darf man nicht dem materialistischen Reduktionismus verfallen, der glaubt, weil man einen Aspekt des Werdens der Seele kennt, nämlich die Vereinigung materieller Elemente, würde damit die Seele umfassend beschrieben. (S. 35 f.)

Das Entfaltete erklärt den Anfang:

Dabei geht Teilhard von der Grundhypothese seines Denkansatzes aus, daß nämlich nicht die Anfänge die Erklärung für das Gewordene zu liefern vermögen, daß vielmehr das Gewordene ein Verstehen der Anfänge ermöglicht. Mit anderen Worten, nicht der Urknall, der Big Bang, ist der Schlüssel zum Verständnis des Universums, der Evolution, sondern der zuletzt gewordene Mensch. (S. 44 f.)

Vom SEIN zum WERDEN:

Damit Gott personal existiert, braucht er ein Gegenüber. Gott muss die Welt schaffen, um ein Gegenüber zu gewinnen, das ihn in seiner Personalität konstituiert. Es ist evident, daß damit die Transzendenz Gottes, seine Unabhängigkeit von der Schöpfung und die Freiheit des Schöpfungshandelns in Frage gestellt wird. … Teilhards Vision des sich in der liebenden Vereinigunbg der drei göttlichen Personen trinitarisch darstellenden Gottes transzendiert die Welt, die aus seinem freien SChöpfertum heraus sich auf den langen Weg des Werdens begeben hat. (S. 57 ff.)

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