Christiane Northrup: Göttinnen altern nicht

Untertitel: Wie wir der Zeit die Macht nehmen, indem wir uns für die Fülle des Lebens entscheiden

Das Buch möchte ich jeder Frau ab 40 ans Herz legen. Es ist mit seinen ca. 500 Seiten ein ganzheitliches Frauenbuch von der Gynäkologie bis hin zur praktischen Spiritualität mit Gebeten. Ich wüsste nicht, dass hier eine Thema fehlt, das für ein bewusstes Leben als Frau wichtig ist. Der geniale Göttinnen-Titel ist kein Marketing-Gag des Verlages, sondern der Kern des Buches: die Göttin in jeder Frau zu wecken. Das Buch ist auch etwas für Männer! Und das meint mehr, als Frauen und die eigene Partnerin zu verstehen. Alleine das wäre das Buch für einen Mann schon wert. Das Buch gibt exzellente Tipps nicht nur für unsere Männer-Gesundheit, sondern auch, um die Göttin in uns zu wecken. Und letztlich geht es um die Liebe zwischen Mann und Frau, ihrer körperliche und seelische Basis.

Obwohl das heilige Weibliche eher mit Frauen und ihrem Anderssein in Verbindung gebracht wird, ist es doch auch Teil der männlichen Existenz. Das Männerherz fühlt tief, und den Menschen, die sie lieben, zu dienen und sie zu schützen ist Männern in Fleisch und Blut übergegangen. Schauen Sie sich das Tao-Symbol an, welches das Männliche und das Weibliche darstellt, dann sehen Sie, dass es weibliche Energien im Männlichen gibt und umgekehrt. Das Gleiche zeigt sich bei unseren Hormonen: Beide Geschlechter haben das Hormon Testosteron und das weibliche Östrogen und Progesteron. Diese Ausgewogenheit brauchen wir ebenfalls in unseren Gemeinschaften. Frauen müssen mit Männern zusammenarbeiten, um neues Leben hervorzubringen; gemeinsam müssen wir nach neuen Wegen der Begegnung und Zusammenarbeit suchen. (S. 45)

Natürlich behandelt das Buch die großen (hormonellen) körperlichen Frauenthemen: das prämenstruelle Syndrom (PMS) oder die Meno-Pause. Doch die Autorin sieht das Thema in einem ganz großen und neuen Zusammenhang. Alles das sind von der Schöpfung nicht auferlegte „Frauen-Leiden“, sondern körperliche Veränderungen, die die Göttin in jeder Frau erwecken wollen. Wenn junge Frauen wieder zurück zu ihrem natürlichen weiblichen Rhythmus finden, während „ihrer Tage“ wirklich in sich gehen, dann gibt es kein PMS mehr. Und wenn eine reife Frau mit der Menopause ihre körperliche Umstellung als eine Neugeburt erfährt, dann können das die wichtigsten Jahre ihres Lebens werden. Es geht um die Wiedererweckung der heiligen, weiblichen Energie.

Hier die Gourmet-Speisekarte des Buches (das Inhalts-Verzeichnis):

Göttinnen …

  • sind alterslos (S. 19)
  • wissen um die Kraft der Lust (S. 49)
  • nutzen die Heilkraft von innen (S. 83)
  • wissen, wie Gesundheit geht (S. 119)
  • trauern, toben und machen weiter (S. 177)
  • sind sinnlich und sexy (S. 225)
  • lieben, ohne sich selbst zu verlieren (S. 279)
  • haben Freude am Essen (S. 333)
  • bewegen sich gerne (S. 379)
  • sind wunderbar (S. 409)
  • nehmen das Göttliche an (S. 431)

Das Buch endet mit einem „14-Tage-Programm der alterslosen Göttin“ (S. 471) mit Affirmationen und Gebeten, um den Schalter vom „Altern als Krankheit“ umzustellen in ein gesundes und altersloses Leben, für die Neugeburt als spirituell bewusste Frau.

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Tiziana Stupia: Meeting Shiva

Untertitel: Mein Weg von der Liebe ins Erwachen

Oberflächlich gesehen eine kurze, dramatische Liebesgeschichte einer spirituellen Frau (Mitte 30) auf der Suche nach dem „Märchenprinzen“, wie es Millionen gibt. Doch in diesem Buch ist nichts nur oberflächlich zu sehen. Es hat nicht nur Tiefe, sondern spricht auch viele Dimensionen des spirituellen Lebens an. Es ist sehr berührend und reich an Erkenntnissen. Die Autorin, eine Deutsch (Mutter) – Sizilianerin (Vater) ist schon lange auf dem spirituellen Pfad und macht sich dann auf die Reise nach Indien, um ihren „den Mann ihres Lebens“ zu finden und einen Partner für ihre Sehnsucht nach einer tantrischen Lebensweise (wenn nicht in Indien, wo sonst?).

Sie trifft ihn sogar, er ist der Leiter eines Ashrams „irgendwo im Himalaya“, der Syannyasin, ein zölibatär lebender Mönch. „Shivas Lied“, das er täglich zu den Ritualen singt, verzaubert sie. Doch das Drama ist vorprogrammiert und nicht zu vermeiden. Sie weiß es – und kann sich ihrer Zuneigung trotzdem nicht entziehen. Diese Liebe muss gelebt werden, auch wenn sie als Beziehung in der Hölle endet. Anders als die Liebesgeschichte von Elizabeth Gilbert („Eat, Pray, Love“) gibt es hier kein Happy End als Paar, wohl ein Happy End für ihr Erwachen. Und das ist die wichtigsten Botschaft für das Buch: Wenn eine Liebe dich so stark berührt, dass sie dein Herz zerbricht, dann gehe dem Schmerzen nach, bis du erwacht bist.

Es ist eine spirituelle Liebesgeschichte von zwei Menschen, die sehr bewusst sind. Sie leben ein Drama, das stellvertretend viele Dissonanzen spirituellen Lebens zur Sprache bringt. Da ist eine ausgebildete Priesterin im heidnischen Göttinnenkult und ein „heiliger Mann“, dem nichts über die Verehrung seines Gurus geht, dem dieser Ashram dient. Er hat – wie er sagt – noch nie eine Frau berührt, sogar Frauen gehasst. Und jetzt trifft ihn die Liebe mitten ins Herz. Beide wissen, dass sie mit dem Feuer spielen – und lassen sich darauf ein.

Das Buch ist zunächst eher eine Reisebeschreibung, in der der Leser vieles über die indische Spiritualität und Mythologie erfährt. Es dauert fast 90 Seiten, bis sie „die Hölle betritt“ – ER ist dabei durchaus der Aktive, der Verführer. Und dann zerschellt seine Fassade. Er hat nicht nur sein Gelöbnis der sexuellen Enthaltsamkeit verraten, sondern ist auch Alkoholiker und Raucher. Für die Autorin bricht eine spirituelle Welt zusammen.

Sie ist auf dieses indische, spirituell verkleidete Männersystem der Sannyasisns, die Scheinheiligkeit und Doppelmoral wütend und entlarvt es mit scharfen Worten. Und doch weiß sie auch im ihre eigene Scheinheiligkeit. Hat sie doch selbst diese Heimlichkeiten mitgemacht, dieses Doppelleben.

Der zweite Teil des Buches (eigentlich nur 60 Seiten von 280) heißt „Die Rückkehr“ und ist durchaus doppeldeutig zu verstehen: nicht nur die Rückkehr der Autorin nach Europa, sondern auch die Rückkehr in ihr Höheres Selbst, in ihre Seele, das „Weiterströmen in Richtung der Quelle“. Diese Seiten sind enorm dicht, eine Selbsterkenntnis nach der nächsten – bis sie sich bewusst ist, dass sich die Dramen zweier „Kellerkinder“ (nach Katja Sundermeier) haarklein aufeinander eingespielt haben. Natürlich sind ihre Kindheitsdramen einzigartig, doch es gibt Muster, die jeder kennt und auf sein eigenes Leben übertragen kann. Und trotzdem psychologisiert die Autorin jetzt nicht ihr Liebesdrama, sondern bleibt bei ihrer spirituellen Sichtweise.

Mein Fazit: Das Buch ist nicht einfach nur ein Frauenbuch. Jede Frau wird sich in der Autorin, ihren Hoffnungen, Zweifeln, Kämpfen um ihre Liebe wieder finden. Es ist sehr offen, sehr ehrlich, ganz ungeschminkt. Das macht das Buch so stark. Es gibt auch uns Männern einen tiefen Einblick in die weibliche Seele und den Dramen von Beziehungen. Sie macht als Frau nicht „ein für allemal“ zu, sondern stellt sich ihrer Verletzlichkeit. So bleibt sie in ihrer Liebe und geht radikal in die Tiefe ihrer eigenen Seele, um ihre Wunden endgültig zu heilen. Ihre Erkenntnisse sind erschütternd und beispielhaft. Sie schreibt ein Buch, um alles aufzuarbeiten!

Frauen sind die „Beziehungsexperten“ – und das Buch ist ein gutes Beispiel dafür. Natürlich wissen wir nicht, was in IHM vorging. Doch offensichtlich hat er DICHT gemacht. Die sexuelle Beziehung hat ihn nur darin bestärkt, dass Sex ihn von seinem spirituellen Weg abbringt. Sie war eine Verführerin, mit der er spielen konnte, er erlag der Verführung, um seinem längst verstorbenen Guru danach teuer denn je zu sein. SIE hat aus dem Drama gelernt, ER nicht im heilsamen Sinne, jedenfalls ist es nicht erkennbar. IHM ist seine Guru-ergebene ARBEIT wichtiger als die LIEBE. Um nicht missverstanden zu werden. Die Autorin verurteilt seinen Rückzug in sein spirituell-männliches Kastensystem nicht. Sie sieht in ihm einen Seelenverwandten, der sie beim Wachstum ihrer Seele unterstützte. Das Buch zeigt auch die tiefe Sehnsucht der Shakti nach Shiva.

Auch für uns Männer ist dieses Buch sehr lehrreich: Es hilft sehr, uns in die Seele einer Frau einfühlen zu können, ein Beziehungsdrama aus ihrer Sicht zu sehen, ja unsere „Anima“, den weiblichen Anteil unserer Seele, zu erleben. Das ist die große Hochzeit auch in uns Männern: des Männlichen und des Weiblichen. Für uns Männer heißt es auch: Lebe den SHIVA in dir, um deine SHAKTI zu treffen.

Nicht zu vergessen: Das Buch ist schön geschrieben, durchaus auch ein Lesegenuss. Ich habe in noch keinem Buch eine so umfangreiche Danksagung gelesen. Verblüffend durchaus der letzte Satz: „Nachdem ich die Früchte meiner leidenschaftlichen Beziehung im Himalaya geerntet habe, bin ich geneigt, Oscar Wilde zuzustimmen, dass das Herz wahrhaftig dafür geschaffen wurde, gebrochen zu werden.“ (S. 280) … weil damit das Tor zur Seele geöffnet ist, würde ich ergänzen.


Die Leseprobe des Verlags: Stupia_Shiva_Leseprobe_2 (Klick)

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Jürgen Fischer: Sexuelle Liebe im Jetzt

Untertitel: Tantra und die zweite sexuelle Revolution

Das Buch kommt auf leisen, sanften Sohlen. Keine nackten Körper auf dem Cover, eher einen verhüllenden Schleier.
Und doch ist das Buch der machtvolle Aufruf zu einer zweiten sexuellen Revolution, wenn mann die Signale denn hört. Der Autor Jürgen Fischer ist der Meinung, dass im direkten sexuellen Akt zwischen Mann und Frau nicht wirklich etwas Tiefgreifendes verändert hat, Männer immer noch „Liebe MACHEN“ und die sexuelle Lust der Frauen immer noch rapide abnimmt. Letztlich bestimmt der Schmerzkörper (E. Tolle) die Partnerschaft über kurz oder lang doch mehr als die Liebesbeziehung zwischen dem Paar.

Solange wir nicht gelernt haben, in der Partnerschaft mit dem Schmerzkörper produktiv umzugehen, sind wir emotional nicht frei für eine erfüllende Liebe und beglückende Partnerschaft. Vor allem der MANN muss aus der Nummer heraus kommen, Sex zu MACHEN – aus Phantasien und Bildern des Kopfes, aus emotioneller Spannung – all das ist immer noch sexueller Missbrauch der Frau, mag sie noch so viel Lust vorspielen.

Warum mich das Buch begeistert –
mein Weg zum Thema

Ich habe Wilhelm Reich schon in den 70-er Jahren gelesen, da gab es ihn erst in der Form von Raubdrucken. Von der wiederauferlebten und an Reich orientierten Sex-Pol-Bewegung hat mich am meisten Dieter Duhm begeistert. OSHO hat mich als indischer „Sex-Guru“ fasziniert, auch wenn ich nie ein Teil der Osho-Bewegung war. Das Buch von Berry Long „Sexuelle Liebe auf göttliche Weise“ habe ich vor gefühlten 10 Jahren von meiner Partnerin geschenkt bekommen und sehr fasziniert gelesen. Eckehart Tolles „Schmerzkörper“ kenne ich aus seinen Büchern JETZT und „Neue Erde“. Mein sexuelles Bewusstsein ist auf dem Niveau von Michael und Diana Richardson (>> meine Buchbesprechung), in meiner letzten Liebespartnerschaft habe ich begonnen, dieses sanfte Lieben ohne MACHEN zu erleben, ich habe auch eine Tantra-Gruppe über mehrere Wochen besucht. Ich habe in einem Eifersuchtsdrama den von Jürgen Fischer gewiesenen Ausweg „Bleib im Gefühl!“ erprobt und seine Wunderwirkung erlebt (nach „The Journey“ von Brandon Bays). Nicht zuletzt habe ich für mich die MANNZIPATION entdeckt und dazu selbst ein Buch geschrieben: „Stopp Fucking-Sex. Gehe den Weg des Liebhabers und befreie ihre Weiblichkeit.“ (>> MEHR)

Damit will ich nur kurz aufzählen, wie sehr mich das Thema selbst bewegt und ich darin zu Hause bin. Auch für mich schien alles geschrieben und gesagt zu sein. Und doch bin ich überzeugt, dass das Buch von Jürgen Fischer unsere sexuelle Befreiung als Paar auf ein neues Niveau hebt, dass eine neue sexuelle Revolution angesagt ist.

Jürgen Fischer: der Kritiker

Es ist ein wichtiger Aspekt des Buches, der mich begeistert: Jürgen Fischer hält sich an würdigender Kritik von W. Reich, B. Long, Neo-Tantra usw. nicht zurück. Ich erkenne in vielem (oder sollte ich sagen: allem?) mein eigenes Unbehagen, dieses Gefühl „Da stimmt doch was nicht!“ Jürgen Fischer hat all mein eigenes Unbehagen klar ausgesprochen und damit auch bewusst gemacht. Ich merke, dass ich selbst solchen Autoren gegenüber, die mich begeistern, immer noch zu „hörig“ bin. Ich habe immer noch ein „Guru-Fetisch“. Ich nehme an mir selbst wahr, dass ich dieser „genitale Chrakter“ (Jürgen Fischer bleibt bei dem Begriff von Wilhelm Reich) noch nicht bin. Ich bin noch nicht energetisch frei genug und klar im Kopf. Das Buch hat mir geholfen, mein Unbehagen zu verstehen und Mut gemacht, mein eigenes Unbehagen künftig ins Bewusstsein zu führen und zur Sprache zu bringen. Ich glaube, solche selbstkritischen Erkenntnisse sind eine wichtige Botschaft des Buches.

Jürgen Fischer kritisiert:

  • Wilhelm Reich
  • Berry Long
  • OSHO
  • individuelle Therapie als Ego-Anpassung
  • ritualisierte spirituelle Praxis
  • den Neo-Tantrismus mit patriarchalischem Kern
  • Liebe MACHEN („Make Love!“)

Ich will dies her nur anführen und seine Kritik nicht nacherzählen. „Würdigende Kritik“ heißt, dass er das jeweils Revolutionäre, Transformative als Kern herausschälen und würdigen kann, aber auch die Abfall-Schalen klar benennt. Das Buch ist eine sehr fundamentale Kritik an der ersten Welle der sexuellen Revolution.

Was besonders sympathisch ist, dass Jürgen Fischer sich der Selbstkritik nicht enthält. Er spielt sich nicht im Hauch als neuer Sex-Guru auf. Er zeigt seine Erfahrung und regt den Leser an, sich nur von seinen eigenen Erfahrungen der „energetischen Liebe“ leiten zu lassen.

Die Botschaft der zweiten sexuellen Revolution –
die Negation der Negation (Hegel)

Ich war, so weit ich zurück denken kann: DAGEGEN, im Widerspruch. Von Anti-Familie, antiautoritäre Erziehung, Anti-Pädagogik bis letztlich (im Sinne von Jean-Jacques Rousseau): Menschenwerk ist Anti-Schöpfung. Ich weiß: Es ist nur die halbe Wahrheit und der halbe Weg. Die „ganze Wahrheit“ beginnt erst sich zu enthüllen, wenn wir auch GEGEN DAS ANTI– sind oder, wie Hegel es philosophisch so schön ausgedrückt hat: wir die Negation selbst wieder negieren, also Synergien schaffen, Integration.

Das Buch von Jürgen Fischer bleibt nicht in der Negation der ersten sexuellen Revolution stecken. Seine Kritik daran öffnet den Horizont für die zweite sexuelle Revolution – und sieht in der Neo-Tantra-Bewegung durchaus Ansätze zu diesem Quantensprung.

Die „Negation der Negation“ scheint immer auch ein Zurück in den Konservatismus zu sein, es bewahrt sozusagen den wahren Kern des Konservatismus. Jürgen Fischer plädiert wieder für das Paar und seine sexuelle Treue in der Freiheit der gegenseitigen Verpflichtung. Weg von Promiskultät und Pornografie. Lasst eure Liebe und sexuelle Treue die Basis der neuen Befreiungsbewegung sein! Das Buch greift wieder die tiefe Sehnsucht auf, den einen Partner für’s Leben zu finden, mit ihm durch die Hölle zu gehen, um den Himmel auf Erden zu leben.

Meine Kritik am Buch (HA!!):

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Autor SEIN Thema zu DEM Thema macht. Ich glaube nicht (und formuliere dies bewusst als Glaubensbekenntnis), dass Sex im Sinne „energetischer, selbstregulierender Liebe“ die Lösung von allem ist, unserer ganzen Menschheitsprobleme. Es geht NICHTS ohne diese Lösung als Liebe zwischen Mann und Frau, doch es ist erst der Anfang, ein Aspekt unserer Befreiung als Menschheit. Wie gesagt: In dieser Hinsicht keine Kritik am Autor durch eine gewisse „Verabsolutierung“ seines Themas. Das ist okay. Anders kann ein Thema nicht auf den Punkt kommen.

Das mühevolle und erst in der dritten Auflage mit aufgenommene Kapitel „Ficken“ hat mich nicht wirklich überzeugt. Für mich ist der Begriff für die Liebe verbraucht und tot. Wenn versucht wird, ihn wiederzubeleben, dann kommt da irgendetwas Verdrängtes zum Ausdruck. Und ich habe eine Ahnung, was das Verdrängte sein könnte: Das NICHT-MACHEN ist wie das spirituell falsch verstandene NICHTS-TUN auch nur die halbe Wahrheit. LIEBE NICHT aus Kopf und Emotion MACHEN, unbedingt! Die energetische Liebe unserer Körper geschehen lassen, JA! – NEIN zum EGO-Spiel in der Liebe, JA, auch das. Doch da gibt es noch ein tieferes, männliches TUN (das wohlverstandene WU-WEI des Taoismus), das LIEBEN als VERB, als „Tu-Wort“. Dies nicht wirklich verstanden zu haben, öffnet dem Ficken wieder das Tor zum Ego-Machen, der körperlichen Selbstbefriedigung am anderen, den anderen Körper selbstsüchtig zu benutzen. Es ist der Pferdefuß, der wieder in Teufels Küche führt.
Es bestätigt mich vielmehr darin, dass die Botschaft meines Buches „Stopp Fucking-Sex!“ den Kern der Befreiung zwischen Mann und Frau eher trifft.

Mein Fazit: Das Buch richtet sich an Menschen, die ein gewisses sexuelles Bewusstsein und Erfahrungen in Tantra-Gruppen haben. Wilhelm Reich, Berry Long, Osho, Eckhart Tolle und andere sollten Teil der aufgeklärten, sexuellen Bewusstwerdung sein. Dann bringt Jürgen Fischer das Unbehagen bei alle dem auf den Punkt, erklärt, warum trotz dieser sexuellen Freizügigkeit kein wirkliches sexuelles Glück erreicht wird und zeigt den AUSWEG. Es geht nicht um die Erklärung und Analyse der FALLE, sondern einzig um den im Körper erlebten Ausweg in der energetischen, selbstregulierten Sexualität des Paares.

 

 

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Mehr auf der Internet-Seite des Autors:


Das Nachfolgebuch und meine Buchbesprechung dazu:

 

Dieses Nachfolgebuch „Sexuelle Liebe mit 50+“ (2016) bringt die energetische Liebe als polares Schwingen zwischen energetischer Sexualität und Schattenarbeit auf den Höhepunkt.
> Meine Buchbesprechung dazu (Klick)

 

Amarque / Markert (Hg.): Was ist Liebe?

Untertitel: Eine integrale Anthropologie über die Facetten der Liebe

Das Buch als „integrale Anthologie“ von 14 Autor(inn)en ist nicht romantisch (das Wunder des Verliebtseins ist kein Thema), es ist nicht geil (Wunder und Verwirrung der Sexualität ist kein Thema), es ist nicht politisch (Patriarchat und Geschlechterkrieg ist kein Thema), das Buch ist philosophisch, wie es Männer zuwege bringen, wenn sie über Liebe philosophieren. Halt! Unter den 14 Autoren sind zwei Frauen dabei (Elvira Greiner und Christina Kessler), deren Beiträge noch am ehesten das Herz berühren. Ja, das Buch hat etwas von dieser „blutleeren Abstraktion der Philosophie“. Es ist in einer sehr konzeptionellen  Sprache formuliert.

Mich hat auch der Beitrag von Papst Benedikt „Deus Caritas est“ über die Liebe Gottes verblüfft und ist sehr lesenswert! – Auch sehr nachdenkenswert, wenn der ehemalige  „Chefinquisitor“ der katholischen Kirche über die göttliche Liebe philosophiert … Es sind die Größen integraler Spiritualität vertreten: Ken Wilber, Andrew Cohen und Genpo Merzel Roshi – Michael Habecker und Tom Amarque nicht zu vergessen.

Einige „Perlen der Liebe“ aus dem Buch
(nicht alle Autoren zitiert):

Erich Fromm:

Welches sind die notwendigen Schritte, um die Kunst (des Liebens – JS) zu erlernen? Man kann den Lernprozess in zwei Teile aufteilen: Man muss einerseits die Theorie und andererseits die Praxis beherrschen. … Aber abgesehen von Theorie und Praxis muss noch ein dritter Faktor gegeben sein, wenn wir Meister in einer Kunst werden wollen: Die Meisterschaft in dieser Kunst muss uns mehr als alles andere am Herzen liegen; nichts auf der Welt darf uns wichiger sein als diese Kunst. (S. 12 f.)

Papst Benedikt XVI.:

Ja, es gibt Vereinigung des Menschen mit Gott – der Urtraum des Menschen mit Gott – aber diese Vereinigung ist nicht Verschmelzen, Untergehen im namenlosen Ozean des Göttlichen, sondern ist Einheit, die Liebe schafft, in der beide – Gott und Mensch – sie selbst bleiben und doch ganz eins werden. ( S. 26)

Elvira Greiner:

Gleichzeitig bin ich auch die Beschenkte: Was die Menschen, mit denen wir arbeiten, mir geben, das ist der größte Lohn, die wertvollste Motivation: Sie geben ein lebendiges Zeugnis dafür, was wirklich zählt – und das ist letztlich immer nur die Liebe. (S. 63)

Christine Kessler:

Selbst unbewegt, ist sie die große Bewegerin – Auflösung, Leerheit, Formwerdung und Form in sich und durch sich vereinend, Zustand und Prozess zugleich. Liebe ist die implizite Ordnung, die den Kosmos organisiert und erhält und gleichzeitig die Dynamik, die ihn bewegt. Sie ist der kosmische Rhythmus, den das gesamte Universum tanzt, der Rhythmus des Werdens, des Loslassens und Neu-Entstehens. Die ist Kommunikation in ihrer reinsten Form: Kommunion. (S. 107)

Deshalb glaube ich an die Liebe, und nur an die Liebe. Mehr brauche ich nicht zu glauben, denn in ihr ist alles enthalten, was dem Leben dient. Liebe ist Leben, und ich glaube an das Leben. Aus diesem Grund ist amo ergo sum eine Liebesphilosophie, eine Lebensphilosophie, eine Lebenshaltung. Mein Credo. (S. 112)

Tom Amarque:

Die Frage Was ist Liebe? ist wahrscheinlich die wichtigste unterscheidbare Frage, die es überhaupt gibt. … Mit jedem Versuch, eine Antwort auf die Frage Was ist Liebe? zu  finden, gehen wir einen Schritt auf uns selbst zu und erkennen uns ein klein wenig mehr. Und doch werden wir diese Frage niemals endgültig beantworten können. (S. 150)

Ich liebe dann, wenn ich mich selbst für jemanden verändere, um mehr leben und zum Wohle des anderen handeln zu können. Ich liebe dann, wenn ich in bestimmten Situationen, in denen ich dazu neige, nicht mehr zu lieben, meine inneren Prozesse unterbreche, neu ausrichte und mehr liebe. Und ich möchte diese Neigung, den Prozess des Liebens zu unterbrechen, nun „Ego“ nennen. … Und es wird mehr als ersichtlich, dass der eigene Tod, nämlich meines Egos, zum Referenzwert für die tatsächliche Liebe wird. (S. 158)

Hardy Fürch:

Denn eigentlich ist es nicht möglich, über Liebe zu schreiben, schon gar nicht über die Liebe – es sei denn, man ist Dichter. (S. 162)

Integrale Liebe, die die spirituelle Dimension mit umfasst, wird so von der Liebe zur LIEBE. Das bedeutet für mich darüber hinaus auch, dass eine spirituelle Liebe zwischen Menschen immer den transpersonalen Kern des Menschen meint. Dass sich Seele mit Seele, Atman mit Atman verbindet. (S. 170)

Wie es aussieht, kommen wir auf dem so genannten spirituellen Weg nicht um eine ganz normale, vollständige Individuation herum. Ein „gesundes Ego“ ist zwar immer auch ein Hindernis, weil es zu Kontraktionen und Selbstbezogenheit neigt, aber gleichzeitig ist es die sicherste Basis für weiteres Wachstum. (S. 172)

Das Sich-getrennt-Fühlen ist ein „göttliches Spiel“, in dem der Eine den Einen sucht. Und das Glück, in der Tiefe des Wesens einander zu finden und zu erkennen, gehört zu den ergreifendsten und heiligsten Momenten des Lebens. (S. 185)

Denn ein „Wir-Feld“ würde wahrscheinlich desto kraftvoller ausstrahlen, je mehr Liebe bzw LIEBE dort gelebt wird. Das schon alleine wäre aus meiner Sicht ein guter Grund, ein polyamorischers Experiment im Sinne eines „Höheren Wir“ zu wagen. (S. 190)

Michael Habecker:

Die Kartographie der Liebe … in diesem Sinne ist ein Ausdruck von Liebe. (S. 243)

Gibt es etwas in dir, was nicht kommt und geht, sondern einfach nur IST und LIEBT? (S. 258) – Schau auf die geschaffene Welt, und wie alles mit allem zusammen hängt. Ist dies nicht alleine schon ein Liebesbeweis? Das gleiche Wasser, welches uns erfrischt, hat schon unzähligen Lebewesen als Nahrung gedient, ebenso wie die Luft, die wir nur deshalb einatmen können, weil andere Wesen sie ausatmen. Das ist die liebende Ökologie allen Seins! (S. 268)

Dem Leben mit allen seinen Gegebenheiten zu begegnen und dabei das Herz offen zu halten, als der Ort, den die meisten Menschen als Lokalisation ihrer Liebe bezeichnen, ist die ultimative Liebespraxis. (S. 270)

Auf einmal war aus einem abstrakten Schildkröten-Es ein Du geworden, ein lebendiges Wesen. … Schuildkrötenkommunikation. … Gute Reise, liebe Schildkröte, du hast mich viel über die Liebe gelehrt, und danke für deinen Besuch bei uns. (S. 272 f.)

Ken Wilber:

Liebe auf diesen frühen Entwicklungsstufen ist Teil eines Spiels um den Mangel. … Dies ist die Ursache für die unzähligen Dramen, die sich abspielen, wenn jemand das Gefühl hat, dass seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Dieses Spiel ist quasi endlos, denn es ist das Wesen einer Liebe aus Mangel heraus.
Doch die Entwicklung kann weiter gehen, hin zu den Entwicklungsstufen …, wo es nicht länger um Mangelbedürfnisse, sondern um Seinsbedürfnisse geht. Erst hier kann Liebe wirklich in ihrer wahren Natur gesehen und erkannt werden, und das bedeutet in Fülle und Überfluss. einheit und höhere Verbindungen werden jetzt aus einem Erleben von Überfluss und Überströmen angestrebt. (S. 279)

Andrew Cohen

Die Erfahrung der absoluten Liebe als unendliches, zeitloses Sein ist die Entdeckung der Natur Gottes im Zustand der Ruhe. Doch wie ich erfahren habe, ist Gott auch Eros, der kreative Impuls. Beim ursprünglichen Übergang von der Zeitlosigkeit zur Zeit, vom Sein zum Werden, vom Nichts zum Etwas veränderte sich die Manifestation und der Ausdruck der unendlichen Natur des Absoluten dramatisch. Wenn Sein die Natur Gottes in Ruhe ist, so ist Werden die Natur Gottes in Aktion – Gott als Eros oder das Verlangen, in Zeit und Form zu existieren. (S. 293)

Die Liebe Gottes, die direkt aus dem Grund des Seins kommt, ist die Quelle dessen, was gewöhnlich „bedingungslose Liebe“ genannt wird. … Es ist die spirituelle Quelle aller wirklichen Heilung, von Individuen und der gesamten Welt gleichermaßen. Die Liebe Gottes als Eros hat jedoch eine andere Qualität. … Es ist eine Naturgewalt, ein vertikaler Impuls im Bewusstsein, der neue Ideen, neue Erfindungen und neue Welten schöpft. Es bringt ununterbrochen neue Potenziale hervor. Unser Verständnis dessen, was absolute Liebe ist, muss immer beide Dimensionen des ultimativen Paradoxes beinhalten. (S. 294)

Genpo Merzel Roshi:

Ich liege jenseits des Persönlichen und des Unpersönlichen. Ich bin die Identität des Relativen und des Absoluten. Ich bin Big Heart. Ich bin wahre Liebe, die bedingte Liebe wie auch  bedingungslose Liebe, bedingungslose Offenherzigkeit, das Große Herz. (S. 305)

Mein Fazit: Unter dem Strich ist das Buch „sehr gut“, weil es den Stand integraler Philosophie über Liebe „sehr gut“ widerspiegelt. So treten auch Schwachstellen auf. Evolutionär gesehen steckt die integrale Philosophie ja erst in den Kinderschuhen. Und das Buch zeigt gut auf, dass das Thema der LIEBE – im Gegensatz zu GEIST – nicht gerade ihre Stärke ist, dass hier noch starker Entwicklungsbedarf besteht. Ich wünsche der integralen Philosophie und Spiritualität einen „Urknall der Liebe“. Das Buch ist ein erste große Schwerpunktverschiebung von GEIST auf LIEBE, wenn auch noch sehr konzeptionell.

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Paul Ferrini: Dein Leben heilen

Untertitel: 12 Schritte zur Entfaltung von Liebe, Kraft und Sinnerfüllung

Bücher von Paul Ferrini sind immer etwas Besonderes, doch dieses toppt alles. Nach der Reihe zur spirituellen Meisterschaft (5 Bücher), geht dieses nicht tiefer, sondern setzt woanders an. Nun ist der Ansatz zur Transformation nicht Liebe, sondern der Schmerz als Weckruf. Ferrini stellt zu recht fest, dass viele die Heilungsreisen nicht wirklich durchhalten, weil sie sich mit den Schmerzen nicht wirklich verbinden und ihre Wunden nicht wirklich heilen. Das Buch hat in den 12 Schritten „der Heilung des Lebens“ eine bestechende Folgerichtigkeit für die drei Phasen Erwachen – Heilung – Ermächtigung.

Für die meisten von uns (den Schülern von Paul Ferrini – JS) begann die Heilungsreise, als Schmerz hochkam und sich nicht mehr unterdrücken, wegschieben oder ignorieren ließ. Für die meisten war Schmerz der Weckruf. …
In unserer Welt wird der Schmerz nicht als Botschafter betrachtet. Wir möchten, dass er verschwindet. Wir nutzen alle möglichen Substanzen, um unseren Schmerzen auszuschalten oder zu betäuben. Alkohol, Arzneimittel und Drogen, sogar Nahrung, Arbeit oder Sex werden zu Mitteln, um dem Schmerz zu entfliehen, zu Mitteln, mit denen wir unseren Schmerz zu vermeiden oder zu leugnen suchen. (S. 11)
Solange wir nicht wissen, was uns wehtut und warum es schmerzt, werden wir kaum motiviert sein, die transformierende Reise auf zus zu nehmen.
(S. 12)

Wir konfrontieren uns mit unserem Schatten, reisen durch die Unterwelt der Mutter- und Vater-Wunden, heilen das verletzte innerer Kind und finden in der Selbstermächtigung die wahre Transformation und konkrete Ergebnisse.

Du beginnst, dem übergeordneten Wohl und dem allumfassenden Plan für die Heilung des Planeten zu dienen. Du trägst deinen Teil bei, ganz egal, welcher das ist. Du trittst in deine  Bestimmung und spielst die einzigartige Rolle, die dir gemäß ist. (S. 20)

Phase eins:
ERWACHEN – Begegne deinem Kernselbst

„Kernselbst“, ein neuer Begriff von Paul Ferrini – vielleicht auch mit „Seele“ zu übersetzen. „Dein Kernselbst ist unschuldig, heil und ganz. Es ist deine Essenz.“ (S. 55) Und jetzt der entscheidende Satz:

Wenn du versuchst, ohne Verbindung zu deinem Kernselbst zu handeln, ist alles, was du tust, wundgesteuert. Jeder Versuch, ohne diese Verbindung zu handeln, ist schlicht und einfach falsches Handeln. …
Während das Kernselbst nicht ist der Welt ist, ist das Wahre Selbst der Motor seines Ausdrucks in der Welt.“ (S. 56)

Die Wahl, dich mit deinem Kernselbst zu verbinden und zu lernen, ihm zu vertrauen, ist die wichtigste Entscheidung, die du treffen wirst. (S. 57)

In dieser ersten Phase geht es um das große Thema, Urteile über andere Menschen zu erkennen, einzugestehen, ihre Ursachen zu erkennen und liebevoll und geduldig anzuschauen. Das ist Bewusstwerdung und Erwachen, doch noch nicht tiefe Heilung.

Die vier Schritte der ersten Phase sind:

  • Komme aus der Verleugnung
  • Erkenne deinen Schatten
  • Verbinde dich mit deinem Kernselbst
  • Gestehe dir deine Urteile ein

Phase zwei:
HEILUNG – Lass dein falsches Selbst los

Jeder hat eine Kernwunde. „Deine Kernwunde kann eine Mutterwunde, eine Vaterwunde oder eine Kombination von beiden sein.“ (S. 75) Sie sind aber nicht nur durch die eigenen Eltern verursacht, sondern stammt aus einer ganzen Ahnenreihe, einer generationsübergreifenden „Kette des Missbrauchs“.

Doch: „Wenn du versuchst, deine Kernwunde zu heilen, ohne eine Verbindung zur Liebe hergestellt zu haben, wird dir das missglücken.“ (S. 69) Mit den Kernwunden verknüpft sind Grundüberzeugungen von uns selbst und reaktive Verhaltensmuster. Der Selbstbetrug zeigt sich in verschiedenen Archetypen („böser Junge / böses Mädchen“ usw.). Diese archetypischen Teilpersönlichkeiten sind das Falsche Selbst.

In der zweiten Phase, der Phase der Heilung greift der Prozess der liebevollen Vergebung. „Oft dauert er Jahre, manchmal sogar Generationen.“ (S. 89)

Da der Selbstbetrug und die Verhaltensmuster, die ihn nährten, ein Ende haben, bist du frei, du selbst zu sein. Das ist der Augenblick wahrer Befreiung. In diesem Moment ist deine Heilungsreise im Wesentlichen abgeschlossen, und du kannst damit anfangen, in deine wahre Kraft und in deine Bestimmung zu kommen. (S. 111)

Alles, was du bislang gewohnt warst, für dich und durch dich zu tun, wird nun auf eine andere Weise geschehen …, weil das Wahre Selbst die Führung übernommen hat und das Falsche Selbst abgefallen ist. (S. 120)

Die vier Schritte der zweiten Phase sind:

  • Heile deine Kernwunde
  • Beende den Kreislauf des Missbrauchs
  • Beende die Muster des Selbstbetrugs
  • Gib dein Falsches Selbst auf

Phase drei:
ERMÄCHTIGUNG – Umarme dein Wahres Selbst

Auch hier warnt Paul Ferrini: „Bei vielen geht mit der Veränderung ihrer Paradigmen irgendeine Art von spiritueller Krise einher.“ (S. 122) „Um erwachen zu können, kreiert ihre Seele eine Art Sturm oder Heilungskrise in ihrem Leben.“ (S. 124)
Ermächtigung bedeutet,  seine Gaben und Talente zum Ausdruck zu bringen, seine Bestimmung wirklich zu leben, sich selbst zu ermächtigen, der Schöpfung zu dienen.

Hier hängen viele fest. „Sie leben in einem ständigen Dilemma. Ihr Motto ist: ‚Ich möchte gern, aber ich kann nicht.‘ Die Wahrheit ist, dass sie ‚können‘, aber nicht wirklich wollen.“ (S. 133) Wer hier nicht ehrlich zu sich selbst ist, der ist noch nicht reif für die dritte Phase.

Du kannst die Reise zu deiner Ermächtigung nicht damit beginnen, dich selbst oder andere zu belügen. Du musst ehrlich sein. (S. 135)

Um auf dem spirituellen Weg, dem Weg der Berufung und Bestimmung wirklich Erfolg zu haben und sich selbst versorgen zu können, ist vor allem die Heilung der Vater-Wunde wichtig. Dazu kann auch gehören, die notwendigen Ausbildungen zu absolvieren.

Besonders stark sind die Abschnitte zur Herstellung und Pflege gleichberechtigter Beziehungen: Zwei Formen ermächtigter Beziehungen, „Vereinigung auf der Ebene aller Chakras“ (mit einem kleinen Beziehungstest), Warnsignale für ein kriseln der Beziehung, der Vergebungsprozess mit dem Partner und „elf Grundregeln, um eine ekstatische Beziehung zu gestalten“. (Dies 16 Seiten 144 – 159 alleine können ganze Bibliotheken von Beziehungsbüchern ersetzen.)

Dann wird der Schüler selbst zum Lehrer, am besten in einer Gemeinschaft. „Lehrer zu werden intensiviert deinen Heilungsprozess.“ (S. 182)

Die vier Schritte der dritten Phase sind:

  • Bringe deine Gaben und Talente zum Ausdruck
  • Pflege positive, gleichberechtigte Beziehungen
  • Folge deinem Herzen
  • Bestärke andere darin, zu erwachen und zu heilen

Mein Fazit: Wem es reicht, sich immer wieder im Kreis zu drehen, da anzukommen, wo er schon vor Jahren einmal war, wieder einigen Illusionen zum Opfer gefallen ist, wer einen wirklichen Plan zur Heilung und Transformation sucht, der ist hier fündig geworden. Das Buch zeigt den Weg der Transformation auch mit für Ferrini differenzierten Konzepten. So ist die Umsetzung in die eigene Lebenspraxis sicher nicht leicht (Transformation selbst ist kein leichtes Spiel, ist immer eine Heldenreise), doch klar und zielführend. Spätestens nach diesem Buch gibt es keine Ausreden mehr.

Bestellung bei AMAZON: Dein Leben heilen: 12 Schritte zur Entfaltung von Liebe, Kraft und Sinnerfüllung

Paul Ferrini: Die zwölf Schritte der Vergebung

Untertitel: aus der Tiefe des Herzens leben

Warum Vergebung? Warum ist Vergebung eine große Hilfe zur Selbstheilung? Was macht Vergebung so schwierig?
Opfer fühlen sich als Opfer. Die anderen sind Schuld und tragen die Verantwortung. Opfer können sich nicht entschuldigen, gar um Vergebung bitten. Andere glauben, dass sie niemanden mehr verletzten und es darum auch keinen Grund gibt, sich bei anderen zu entschuldigen. Es wäre ein Zeichen der Schwäche, eine Einschränkung Ihrer spirituellen Identität, ein Makel an ihrem weißen spirituellen Gewand, andere um Vergebung zu bitten.

„Irren ist menschlich“, andere zu verletzen ist menschlich, sich selbst unwürdig zu behandeln ist menschlich, andere zu beurteilen, sich selbst zu verurteilen ist menschlich. Wir machen Fehler, wir lernen aus Fehlern, wir korrigieren emotionale Übergriffe durch Vergebung. Wir sind Menschen und keine Engel.

Das Buch von Paul Ferrini hilft, durch eine ehrliche Vergebungs-Praxis,
das eigene Herz zu öffnen, „aus der Tiefe des Herzens zu leben“.

Die vier Säulen und 12 Schritte der Vergebung

1 > Vergebung beginnt in unserem Herzen. Nur wenn wir uns selbst vergeben haben, können wir anderen Vergebung gewähren oder sie von ihnen erhalten.
2 > Vergebung erfolg bedingungslos, auch wenn wir uns häufig anders verhalten.
3 > Vergebung ist ein fortlaufender Prozess. Sie erfolg als Reaktion auf jedes Urteil, das wir über uns selbst und andere fällen.
4 > Jede Geste der Vergebung ist ausreichend. Das, was wir tun können, ist genug. Diese Erkenntnis ermöglicht es uns, Vergebung mit Vergebung auszuüben. (S. 15 f.)

Auf der Basis dieser vier Grundsätze stehen die zwölf Schritte:

  1. Die Angst erkennen
  2. Den Wunsch nach Liebe begreifen
  3. Die Rücknahme der Projektion
  4. Die Verantwortung übernehmen
  5. Selbstkritik und Schuldgefühle loslassen
  6. Akzeptiere dich selbst und andere, so wie sie sind.
  7. Sei bereit, zu lernen und zu teilen
  8. Sei deine eigene Autorität
  9. Die Lektion annehmen
  10. Erkennen, dass alles in Ordnung ist
  11. Blick in den Spiegel
  12. Öffne dein Herz

Das schaut alles sehr unspektakulär aus, ist aber ein vollständiges Heilungsprogramm.

Ein paar Anregungen aus dem Buch

Solange wir versuchen, einen Teil unseres Angriffs zu rechtfertigen, vergeben wir nicht. Eine halbe Vergebung ist sogar eine versteckte Form des Angriffs! (S. 14)

Jeder scheinbare Angriff ist ein Schrei nach Liebe.
Jede Lebenskrise ist ein Ruf nach Heilung. (S. 18)

Daher besteht die erste grundlegende Handlung des Drei-Phasen-Prozesses der Selbstvergebung darin, sich selbst zu akzeptieren. Das bedeutet Selbstvergebung. Das bedeutet Eigenverantwortung. Das heißt, mein Leben in seiner Gesamtheit, so wie es ist, ganz ohne Wertung, in Besitz zu nehmen. Es bedeutet, mich in jedem Augenblick selbst zu lieben. Mich selbst zu versorgen. (S. 22)

Anscheinend versuchen wir beide, einander zu beeindrucken, wo wir doch eigentlich eine feste Umarmung bräuchten. (S. 26)

Alles beginnt mit einer simplen falschen Wahrnehmung und endet mit einem tiefen Missverständnis. … Der Turm zu Babel entstand aus ängstlichen Vermutungen. (S. 27)

Andere Menschen sind nicht dazu da, uns glücklich zu machen. Sie sind dazu da, um uns beim Lernen zu helfen. (S. 31)

Hier bin ich also. Der einzige Weg, meinem Leben Starthilfe zu geben, ist, es so zu akzeptieren, wie es ist, mich selbst anzunehmen, wie ich bin, und dich anzunehmen, wie du bist. An diesem Punkt öffnet sich mein Herz. Das ist der Ort, wo die Liebe beginnt. (S. 38)

Ich bin der Kanal für die Liebe in der Welt. Nur dann wird mein Ruf nach Liebe erhört. Denn werde ich mich der Liebe öffne, verbreite ich sie und wenn ich sie verbreite, kommt sie zu mir zurück. (S. 40)

Sowohl Ablehnung also auch Bindung sind Zeichen fehlender Akzeptanz. (S. 43)

Es ist kein Zufall, dass gerade die Menschen, welche die geringste Selbstachtung besitzen, die meisten Werturteile über andere Menschen fällen. (S. 57)

Unser gegenseitiger Streit entsteht aus dem tiefen Gefühl der Unzulänglichkeit in uns beiden. Es kommt von einem Ort, wo sich weder du noch ich geliebt fühlen. Dies zu erkennen ist der Anfang der Gnade. Wir beginnen – selbst in der Dunkelheit – mit den Augen der Liebe zu sehen. (S. 59)

Alle Probleme werden im Raum des WIR gelöst. Tatsächlich existiert das Problem in diesem Raum des WIR gar nicht mehr. Es wurde nur zum Problem, weil beide es aus der Sicht des Ego betrachtet haben. (S. 89)

Zu wissen, dass alles in Ordnung ist, bedeutet, dem Prozess zu vertrauen, was er auch bringen mag. (S. 96)

Lass dich von deiner inneren Stimme lenken. Irgendwo dort draußen ruft jemand nach deiner Liebe. Es geschieht nicht offensichtlich, sondern unauffällig. Und du wirst erkennen, wer es ist. (S. 105)

Mein Fazit: Paul Ferrini ist mit den „12 Schritten der Vergebung“ weltweit bekannt geworden. Es ist ein vollständiges Heilungsprogramm. Wer Paul Ferrini als spirituellen Lehrer und Autor kennen lernen will, dann ist dieses Buch sicher ein guter Einstieg.
Und wenn wir den Prozess der Vergebung beendet haben, dann erkennen wir auch: „Mir wird alles vergeben werden, wenn ich endlich begreife, dass es nichts zu vergeben gibt.“
Wenn wir Fehler brauchen, um zu lernen, dann sind dies keine wirklichen Fehler, sondern „Lernimpulse“.
So ist das Leben.

Bestellung bei AMAZON: Die zwölf Schritte der Vergebung: Aus der Tiefe des Herzens leben

Martin Danesch: Lachsspringen

Das Buch hat – im wahrsten Sinne des Wortes – zu mir gefunden.
Der Autor schickte mir eine Anfrage, ob er mir ein Rezensionsexemplar zusenden dürfe.
Der Bewerbungtext versprach ein interessantes Buch, und ich gab „grünes Licht“
für das Rezensionsexemplar. Kaum hatte ich das Buch ausgepackt, da packte es mich
und ließ mich bis zur letzten Seite nicht mehr los.

Der Roman des Autoren Martin Danesch zeigt, wie das „Spiel des Lebens“ wirklich
funktioniert, nicht nur an der sichtbaren Oberfläche, sondern in der Tiefe:
In Wirklichkeit geht alles ganz anders, auch sich als Seelen-Paar zu finden.

 

Der Titel „Lachsspringen“ ist schnell aufgeklärt: Es ist spirituelle Mode, „im Fluss zu schwimmen“. Ja, tote Blätter lassen sich treiben. Aber Fische oder Lachse? Sie schwimmen nicht nur gegen den Strom – sie springen in der Laichzeit sogar bei Hindernissen der Quelle des Flusses entgegen: Lachs-Springen! Und diese Energie „gegen den Strom zu schwimmen und zu springen“ hat jeder in sich, die Kraft, in die WIRKLICHKEIT zu springen. Natürlich bleiben auch Lachse, die gegen den Strom springen, immer noch „im Fluss“.

Unser „Protagonist“ Maria (ja, er heißt Maria – und es passt zu seiner femininen Art) wird auf seiner Heldenreise zu Hektor (seinem zweiten Vornamen), zum Helden seiner
(wieder-) gefunden Liebe-fürs-Leben (zu viel verraten?). Jede Reise beginnt mit einer Frage, und das ist seine: Wo finde ich die Frau meines Lebens? Vor Jahren auf einer Indienreise hatte er in einer Palmblattbibliothek die Weissagung bekommen, dass er den Weg des Herzens gehen und die Zeichen des Himmels achten und deuten solle.

Inzwischen geht er erfolgreich diesen Herzens-Weg und ist ein guter Zeichendeuter geworden. Er bittet das Universum (wohlgemerkt: keine Bestellung, sondern eine Bitte), ihm jetzt auch ein Zeichen zu geben, wo er die Frau seines Lebens findet. Und er bekommt sein Zeichen und folgt ihm – auf einer Zugreise „nach Westen“ (von Wien aus nach Salzburg). Mit dieser Zugreise beginnt der spannende Roman, diese Heldenreise von Maria zu Hektor mit Krimi-Einlagen, heißen Sex-Geschichten  und eine wohldosierte Portion tiefsinniger Lebensweisheit. In Salzburg trifft er eine Wahrsagerin, die im prophezeit, dass er erst noch zwei Aufgaben (Rätsel) lösen und drei Frauen helfen müsse (ich sage mal mit eigenen Worten: sich karmischer Belastungen zu „entledigen“ habe), bevor er für die Frau seines Lebens wirklich frei ist und sie sich erkennen würden. „Das Universum verwendet wahrlich eigenartige Methoden, einem am Pflücken unreifer Früchte zu hindern.“ (S. 33) Er lässt sich mutig darauf ein, „was kommt“ und mischt kräftig und verantwortungsvoll mit, da wo er sich aufgerufen fühlt. Er hilft Frauen aus schwierigen Lebenssituationen … und erkennt später den tiefen (karmischen) Sinn. Seine zu lösenden „Aufgaben“ scheinen gewaltig. Doch da ist ein „energetisches Feld“, wodurch auch das Auffliegen eines Maffia-Erpresser-Rings (Gott, was für ein gequältes Wort von mir – im Roman ist es nur „der Club“) fast zu einer Leichtigkeit wird, nur noch einen finalen Anstoß braucht. Alles fügt sich – wie der Fall der Berliner Mauer.

Der Roman fesselt, zieht einen in den Bann, dass man das Buch kaum beiseite legen kann, auch weil es ein sprachlicher Hochgenuss ist. Es ist sehr vielschichtig. Da ist eine Seelen-familie (die sich in seinen Träumen immer mehr zu erkennen gibt), die sich über die verschiedenen Leben immer wieder und in anderen Konstellationen trifft. Keine Begegnung ist zufällig. Ach, es ist nicht nur SEINE Geschichte, sondern auch IHRE, wie SIE sich für ihn befreit. Immer wieder erfährt der Leser, wie IHRE Geschichte nach der ersten Begegnung weiter geht. Denn irgendwann treffen sie sich ja wieder … Und das ist dann kein Zufall mehr. Wir erkennen die „Spielzüge des Lebens“ dahinter.

Mich hat der Roman sehr nachdenklich gestimmt. Ich habe mir Gedanken gemacht, ob ich den Mut habe, noch mehr in die Wirklichkeit hinter dem oberflächlichen Schein zu springen, um mich voll und ganz auf das wirkliche Leben einzulassen. Ja, und das ist ein großes Kompliment an den Roman!


> Die ausführliche Leseprobe (PDF, 21 Seiten),
die der Verlag zur Verfügung stellt

Bei Amazon gibt es das Buch zurzeit nur in der Kindle-Version (4,90 €):
Lachsspringen: Sich finden geht in Wirklichkeit ganz anders

Beim Verlag ist die Print-Version zu erwerben (16.80 €):
>> Die Hardcover-Version beim Verlag

 

Ruediger Dahlke: Mythos Erotik

In meinen Augen hat das Buch etwas von einem Meisterwerk. Nach den großen Büchern von Ruediger Dahlke, die die wichtigsten Aspekte seines Lebenswerkes behandeln („Die Lebens-Prinzipien“, „Die Schicksalsgesetze“, „Das Schattenprinzip“) wendet er nun diese Erkenntnisse auf das größte Thema unseres Menschseins an: das Thema der Liebe.

Das Buch ist sehr gesellschaftskritisch und fordert eine neue Liebeskultur ein, zu dem das Buch selbst einen Beitrag leisten will. Denn zu einer neuen Liebeskultur gehört Wissen und Bewusstsein dazu – nicht zuletzt auch das archetypische Wissen um die Götter und Göttinnen der Liebe.

So stellt sich ganz unpopulär die Frage, inwieweit die Veränderung der Geschlechterrollen in der Gesellschaft nicht bereits zu einer deutlich spürbaren Frustration in den Schlafzimmern führt. Diese Tendenz des Verschwin-dens von Liebreiz und Verlockung, von Muße und absichtslosem Spiel beim Sex entgegenzuwirken und damit Eros wieder ins rechte Licht zu rücken, ist Ziel dieses Buches. (S. 28)

In unserer Lebenskultur nach der „sexuellen Revolution“ fallen körperliche (sexuelle) und geistige (platonische) Liebe immer mehr auseinander. Hier eine totale Sexualisierung des Alltags, dort die nur noch rein platonische Liebe in Partnerschaften, wo es nicht mehr wirklich funken will. Was ist der Grund und wie kann der Liebesgott EROS wieder Einzug in unser Liebesleben halten?
Zunächst: „Erotik aber braucht sowohl Seele als auch Körper zum Lebendigsein und ver-bindet so beide miteinander. … Folglich findet Erotik immer auch auf der Seelenebene statt, drängt jedoch auf den körperlichen Ausdruck.“ (S. 38 f.)

Angeblich wollen Männer nur Sex, Frauen jedoch vor allem Liebe. Das „verbindende Glied“ zwischen beidem, Sex und Liebe, ist jedoch die Erotik! Je erotischer unsere Liebeskultur wird, desto mehr können wir Liebe und Sex in unseren Alltag integrieren.

Der Stammbaum von EROS

Das Herzstück des Buches ist für mich das Kapitel „Die Götter der Liebe“,so ziemlich in der Mitte des Buches. Hier ist Dahlke – auch in seinem Sprachwitz – ganz Dahlke. In diesem Kapitel findet sich die Essenz der archetypischen Lektionen des Buches.

Gott EROS-AMOR ist das Kind von ARES-MARS und VENUS-APHRODITE,
aus einer „verbotenen Liebe“ entsprungen (Mars ist fremd gegangen).
Von Mutter Venus hat Eros die Sinnlichkeit, das Verspielte, die Absichts-losigkeit, das GENOMMEN-WERDEN. Von Vater Mars hat Eros die Stärke, die Kraft, das Wollen, das NEHMEN, wie es ihm gefällt. Eros ist lebendig, wenn beides da ist: die venusische Sinnlichkeit und die marsianische Eindringlichkeit. Eros hat auch Großvater und Großmutter: URANUS ist der Opa und POSEIDON-NEPTUN (als weibliches Prinzip!) die Oma – mütter-licherseits: die im Wasser „Schaumgeborene Venus“.
(Hier ein Beispiel für Dahlkes Sprachbewusstsein: Die schaumgeborenen Dienerinnen der Liebe sind heute zum „Ab-Schaum“ geworden. – Solche sprachlichen Bezüge spürt Dahlke an allen Ecken und Enden des Buches auf – und ist von daher schon ein reiner Lesegenuss.)
Eros hat noch drei Geschwister: Harmonia (die Harmonie), Phobos (die Angst) und Deimos (das Dämonische). Auch das sind Kinder von Mars und Venus! OPA Uranus weist auf das Himmlische und Göttlicher echter erotischer Liebe. „OMA Neptun“ auf das Flüssige der Liebe.

VENUS kann jedoch auch enorm eifersüchtig sein. Es ist da eine Menschen-frau PSYCHE, die schöner als die Liebesgöttin VENUS ist. Und Mutter Venus befiehlt ihrem Sohn EROS diese Schönheitskonkurrenz umzubringen (in den Hades zu schicken). Das „Schicksal“: Eros verliebt sich UNSTERBLICH in Psyche. Venus ist gnädig und unterstellt Psyche noch 4 Prüfungen, die diese besteht, damit selbst unsterblich wird und in die Götterwelt aufsteigen darf. Kurz: EROTIK hat auch etwas mit der Unsterblichkeit und Göttlichkeit unserer SEELE (Psyche) zu tun. Es ist der Schlüssel, unsterblich zu werden (wie auch immer verstanden).

Eros und Psyche bekommen eine Tochter: VOLUPTAS, die Woll-Lust.
Das Begehen und Vergnügen sind also in der antiken Mythologie mit Voluptas selbst eine Göttin, also durchaus „von Gottes Gnaden“.

Soweit nur ein kurzer Überblick über den archetypischen Stammbaum von EROS. Das Kapitel „die Götter der Liebe“ alleine ist das ganze Buch von Ruediger Dahlke schon wert! So tiefsinnig und aktuell interpretiert und gedeutet, bekommt man richtig „Lust auf archetypische Mythologie“.

Fazit: Das Buch wäre kein Dahlke, wenn er nicht auch einige praktische Tipps hätte und konkret das „Liebesritual“ als Weg zu einer neuen Liebeskultur empfehlen würde. Es ist praktische Lebens- und Liebes-Philosophie.
Ja, ich stimme Dahlke zu: Wir brauchen eine neue Liebeskultur. Und dieses Buch kann ein Wegweiser, ein Leuchtturm dafür sein. Ich wünsche dem Buch von Herzen eine solche Verbreitung wie der Weltbestseller von Erich Fromm: Die Kunst des Liebens.

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Gerald & Lee Jampolsky: Verzeih mir bitte

Meinem Sohn zu seinem gestrigen Geburtstag gewidmet.

Zum Vatertag und aus gegebenem Anlass (ich lebe bei Sohn und Enkel, ohne meinen Sohn zum Vatertag gesehen zu haben) fällt mir ein Buch nicht zufällig in die Hand, das ich umgehend rezensieren möchte: „Verzeih mir bitte. Die Geschichte einer Heilung zwischen Vater und Sohn“

Es geht um die Heilung einer Wunde, die vielleicht größte Wunde eines Mannes: die Vater-Wunde. Wir haben mit Sicherheit auch eine Mutter-Wunde, doch die Vater-Wunde trifft uns im Mark. Mit unserer Vater-Wunde sind wir im Kern in unserer Männlichkeit verletzt. Und es geht um mehr: Wir können nicht nur unseren Söhnen keine authentischen Väter sein, sondern auch zu Frauen keine wirklich intime Beziehung aufbauen, solange unsere Vater-Wunde nicht geheilt ist.

Erst als ich die Beziehung zu meinem Vater heilte, wurde ich zu einem „ganzen Mann“, der mit einer Frau auch Intimität teilen kann. (Lee, S. 14)

Es ist nicht nur ein wichtiges Buch für Väter und Söhne, sondern auch für Frauen:

Je umfassender Frauen verstehen, warum Väter und Söhne sich so verhalten, wie sie es tun, desto deutlicher können sie auch die Furcht erkennen, die Männer vor ihren eigenen Gefühlen und ihrer Verletzlichkeit haben. Und genau diese Furcht führt oft zu einem Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Männern und Frauen.

Tiefsitzende Ängste, die aus ihrer Beziehung zu ihrem Vater stammen, können Männer buchstäblich betäuben – sie taub machen gegenüber ihren Gefühlen. Die Frauen in ihrem Leben halten sie dann möglicherweise für gefühllos und unsensibel. Doch das Gegenteil ist der Fall. Männer haben in Wirklichkeit unendlich viele Gefühle, aber sie sind so voller Angst, dass sie an diesen Gefühlen nicht um alles in der Welt rühren würden. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum so viele Männer zu Workaholics werden, zu Männern, die zu beschäftigt sind, um Zeit für Gefühle zu haben. (Lee und Jerry aus der Einleitung, S. 22)

Ich wünsche jedem Mann, dass er irgendwann an den Punkt kommt, wo er seinem Vater sagen kann: „Ich weiß, dass ich nicht länger ohne dich wachsen kann.“ (Lee, S. 29)
Irgendwann ist die Grenze erreicht, da müssen wir uns unserer Vater-Wunde stellen, da geht es ohne diese Heilung nicht weiter, drehen wir uns nur noch im Kreis.

Das  Buch ist sehr ehrlich und offen, immerhin sind Vater und Sohn in Amerika bekannte Psychiater, Psychologen, spirituelle Lehrer. „Für Außenstehende waren wir eine vorbildliche Familie, doch unter der Oberfläche dieses idyllischen Familienlebens spürte ich eine Spannung, über die niemals gesprochen wurde. Zu diesem Mangel an Frieden gesellte sich für mich auch ein mangelndes Selbstwertgefühl.“ (Lee, S. 14)
Es geht um viele alltägliche Probleme, Alkoholismus, Drogensucht, elterliche Trennung und Scheidung, Arbeitssucht, Krankheiten; viele Stellen, in denen „man“ sich im Buch wieder findet.

Weil das Buch so authentisch ist (Briefe zwischen Vater und Sohn, auch mit Gedichten von Lee), geht es sehr nahe. Es reflektiert aber an vielen Stellen auch die Heilungsschritte und gibt allgemeine Tipps.

Der Schlüssel zu meiner Heilung lag in der Erkenntnis, dass beides zwingend notwendig ist: Jeder Mann muss sich gleichzeitig mit seinem Vater identifizieren und sich von ihm trennen. (Lee, S. 55)

„Solange wir unseren Schmerz und unsere Leere voneinander verstecken, zeigen sie sich regelmäßig in selbstzerstörerischer Weise. Wenn wir unseren Schmerz voreinander verstecken, können wir keine ganzen Männer werden. Unsere Beziehung zum verinnerlichten Vater muss geheilt werden, bevor wir wirklich frei sein können. (S. 67)

Wir bedauern beide, dass sich so viele Menschen in unserer Gegenwart lange Zeit nicht wohl gefühlt haben, weil sie nie sicher sein konnten, wie wir uns in der nächsten Sekunde verhalten würden. (S. 70)

Da ich meine Männlichkeit durch meine Mutter als Vaterersatz entdeckt habe, habe ich die Suche nach Bestätigung bei anderen Frauen wiederholt. In meinem Zwanzigern suchte ich ständig nach Frauen, die meine Männlichkeit anerkannten und bestätigten. (Lee, S. 82)

Weil ich meinen eigenen Vater akzeptiere, kann ich auch den göttlichen Vater akzeptieren. Wenn die Schlacht gegen den eigenen Vater geheilt wird, hört der Kampf gegen den göttlichen Vater auf. (Lee, S. 98)

Ich hatte ganz bewusst meine spirituelle Reise angetreten, kurz nachdem ich Mutter Theresa hatte sagen hören, das größte Problem in der Welt sei der Mangel an Spiritualität. Sie erklärte, es sei ein Mangel an Spiritualität, wenn man sich seelenlos und ungeliebt fühlte, wenn man weder anderen noch sich selbst gegenüber Liebe empfinden könne. … Ich fühlte mich von Gott getrennt, und mein Leben bestand nur aus Schuldgefühlen, Schuldzuweisungen und Selbstverurteilungen.
Im Verlaufe meines spirituellen Weges wurde mir klar, dass der Sinn meines Lebens darin bestand, zu geben, zu lieben, zu vergeben und die Ängste der Vergangenheit loszulassen. (Jerry, S. 101)

Unsere Seele schreit nach einem bedeutungsvollen Leben, einem Leben voller Liebe und einem Leben ohne Angst. (S. 221)

Ich wüsste keine bessere Botschaft, die ich hinterlassen möchte, als die: „Die Vater-Sohn-Beziehung ist heilig. Die Bindung zwischen Vater und Sohn ist so stark, dass sie so lange keine Ruhe geben wird, wie man sie unterdrückt. Die Heilung der eigenen Beziehung zum Vater oder Sohn ist die Pforte zum Leben und zur Freiheit. Heilung ist nicht nur möglich, sie ist Voraussetzung für Frieden.“ (S. 224)

Mein Fazit: Das Buch – obwohl leider schon vergriffen – kennt kein Vergleichbares zu einem großen „Tabuthema“: die Heilung des Bandes zwischen Vater und Sohn.

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John Welwood: Vollkommene Liebe

Ute Wulfert zu ihrem heutigen Geburtstag gewidmet.

Ich beginne meine Besprechung mit dem Motto des Buches selbst:

Spring auf deine Füße, schwinge deine
Fäuste, drohe dem ganzen Universum und
warne es, dass dein Herz nicht länger
ohne wahre liebe Leben kann!
HAFIZ

Welwoods Buch ist kein Ratgeber mit ein paar Liebes-Tipps und Tricks – er spricht nicht den Kopf an, er spricht unsere tiefste Sehnsucht nach wahrer und vollkommener Liebe an – und zeigt uns, wie wir diese Liebe erfahren können – unabhängig von einem anderen Menschen. Wer sich auf dieses Buch einlässt, der bereitet sich darauf vor, seine tiefste Herzens-Wunde zu heilen, das tiefen Misstrauen der Liebe gegenüber, „unsere verwundete Beziehung zur Liebe selbst“ (S. 12)

Die verfahrendsten Probleme in menschlichen Beziehungen können auf das zurück geführt werden, was ich die Stimmung von mangelnder Liebe nenne, auf einen tief sitzenden Verdacht, den wir alle in unserem Inneren hegen, dass wir nicht einfach nur dafür, dass wir der sind, der wir sind, geliebt werden könnten oder als solcher nicht wirklich liebenswert seinen. Diese Grundunsicherheit macht es uns schwer, Vertrauen in uns selbst, in andere Menschen oder das Leben selbst zu haben.

Die Tatsache, dass wir nicht durch und durch wissen, dass wir wirklich geliebt werden oder liebenswert sind, untergräbt unsere Fähigkeit, Liebe frei zu geben und zu nehmen. Das ist die Kernwunde, welche zwischenmenschliche Konflikte und eine ganze Reihe bekannter Beziehungsprobleme verursacht.
Nicht vertrauen zu können, die Furcht zu haben, missbraucht oder abgelehnt zu werden, Eifersucht oder Rachsucht zu hegen, defensiv zu mauern, streiten zu müssen, um zu beweisen, dass man Recht hat, sich leicht verletzt oder beleidigt zu fühlen und anderen die Schuld an unserem Schmerz zuzuweisen – das sind nur einige der Weisen, auf die sich unsere Unsicherheit, ob wir geliebt werden oder liebenswert sind, zeigen. (S. 12 f.)

Ich würde Liebe ganz einfach definieren, nämlich als eine kraftvolle Mischung von Offenheit und Wärme, die uns erlaubt, echten Kontakt herzustellen, Freude und Wertschätzung
zu empfinden und in Harmonie zu sein – und zwar mit uns selbst, mit anderen und mit dem Leben an sich. (S. 15)

Das Buch findet überall sehr schöne, berührende Worte – es ist sanft, zärtlich und weise wie die Liebe selbst. Es ist überaus dicht an weisen Sätzen, sehr mitfühlend.
Es ist entstanden nach dem 11. September, als der Autor in sich selbst ein sehr liebloses Gefühl auftauchen sah – und das in ihm immer noch tief sitzende Gefühl der Trennung und des Grolls anschauen ließ. Er weist auch auf das Mitgefühl Dalai Lamas hin – angesichts der Qualen des tibetischen Volkes.
Also: Das Buch ist – unter der Sanftweit und Weisheit der Worte – ein sehr politisches Buch – weit mehr als manch ein politisches Manifest: Wir müssen ALLE unsere Wunden heilen.

Es ist wahr, dass wir ein Recht auf vollkommene Liebe haben. Das ist unser Recht von Geburt an. Das Problem ist aber, dass wir sie an den falschen Orten suchen – außerhalb von uns selbst, in unseren unvollkommenen Beziehungen mit unvollkommenen Menschen, die ebenso verwundet sind wie wir selbst. (S. 26)

1. Vollkommene Liebe, unvollkommene Beziehungen

Vollkommene Liebe ist immer da – wie die Sonne am Himmel, die alles nährt. Meistens leben wir aber unter einer dicken Wolkenschicht, die uns von der Sonne abgeschnitten fühlen und uns frieren lässt. Diese Sonne nennt der Autor die „absolute Liebe“.

Absolute Liebe ist die Liebe des Seins. (S. 43)

Das Licht bedingungsloser Liebe weckt die schlafenden, als Samen vorhandenen Potentiale der Seele, hilft ihnen zu reifen, zu erblühen und Früchte zu tragen, und lässt uns die einzigartigen Gaben hervorbringen, die wir als unsere ureigensten in diesem Leben anbieten können. (S. 42)

Neben der absoluten Liebe der Sonne und des Seins gibt es auch die relative Liebe zwischen Menschen, deren Herzkanal gewöhnlich zugeschüttet ist.

Das ist dann relative Liebe: Das Sonnenlicht der absoluten Liebe, das durch die Wolken unserer konditionierten Persönlichkeit und ihrer Verteidigungsmuster gefiltert wird – Angst, Misstrauen, defensives Reagieren, Unehrlichkeit, Aggression und verzerrte Wahrnehmung. Wie ein teilweise bewölkter Himmel ist die relative Liebe unvollständig, unbeständig und unvollkommen. Sie ist ein ständiges Spiel von Licht und Schatten. Das ganze Strahlen der absoluten Liebe kann nur in flüchtigen Momenten durchblitzen. (S. 45)

Wenn uns dann in Beziehungen nicht die ideale Form der Liebe, von der wir träumen, geboten wird, denken wir, dass etwas total schief gelaufen sei. Und diese enttäuschte Hoffnung reißt die Wunden des Herzens immer wieder auf und ruft Groll gegen andere hervor. (S. 46)

Diese unsere Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe ist völlig berechtigt.

Wir bekommen jedoch unvermeidlich Probleme, wenn wir diese Sehnsucht auf eine andere Person richten. Das ist der Grund, weshalb es wichtig ist, zwischen absoluter und relativer Liebe zu unterscheiden – damit wir nicht herumlaufen und vollkommene Liebe in unvollkommenen Situationen suchen.
(S. 53)

2. Die Stimmung des Grolls

Diese unvermeidliche Enttäuschung, in unvollkommenen Situation die Sehnsucht nach der absoluten Liebe erfüllt zu bekommen, lässt uns bald grundsätzlich misstrauisch gegenüber der Liebe werden und staut einen immer größer werdenden selbstzerstörerischen Groll an.

Groll ist das fehlende Glied zwischen Liebe und Krieg: Aufgrund der Wiederbelebung alten Grolls schlägt Frieden um in Krieg und führen Flitterwochen zu Scheidungen. … Den meisten von uns ist nicht bewusst, wie sehr sie in Groll verstrickt sind und wie sehr dieser ihr Leben steuert. (S. 70)

All das beleuchtet, warum es oft so schwer ist, uns zu erlauben, Liebe zu empfangen, selbst dann, wenn sie erhältlich ist. Liebe in uns einzulassen verlangt, dass wir weich werden müssen – dass wir unsere verhärteten Abwehrmechanismen auflösen und unsere Deckung aufgeben. Liebe zu empfangen ist bedrohlicher, als Liebe zu geben, weil Empfänglichkeit Offenheit verlangt, wodurch man sich verletzlich fühlt.
(S. 82)

In dem Ausmaß, in dem wir der Stimmung des Grolls nachgeben, ist jeder von uns an den Konflikten beteiligt, die unseren Planeten beherrschen.
(S. 83)

3. Den Groll loslassen

Die Medizin ist im Gift zu finden. Wenn Groll einem Gift gleicht, weist diese Belehrung darauf hin, dass das Heilmittel im Groll selbst liegt. (S. 85)

Im Kern allen Grolls liegen tiefer Schmerz und Trauer über den Verlust an Verbundenheit. Weil wir über diese Verletzungen nie ganz und bewusst getrauert haben, verhärtet sie sich in unserem Körper und unserem Geist. Worüber wir nicht trauern, das verwandelt sich in Groll. (S. 86)

Mit dieser Erkenntnis können wir Groll in Trauer auflösen – und Trauer als Gefühl für den Verlust der Verbundenheit in uns selbst verstehen und fühlen lernen.

Wir haben in jedem Moment die Wahl, entweder Dankbarkeit zu empfinden für das, was uns gegeben wurde, oder Groll zu hegen in Bezug auf das, was fehlt. Groll und Dankbarkeit sind entgegengesetzte Pole. (S. 105)

4. Vom Selbsthass zur Selbstliebe

Der schlimmste Groll ist jedoch der auf sich selbst. Er zeigt sich in Selbstvorwürfen, Scham, dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, bis hin zum Selbsthass: „In unserer Kultur ist Selbsthass epidemisch.“ (S. 108)

Die Menschheit ist als Ganzes immer noch ein Kind, das der Heilung bedarf und des Wissens, dass es von seinem ureigensten Wesen her schön ist. In traditionellen Kulturen halfen die Kunst, die Mythologie, die Religion und die Rituale den Menschen dabei, sich an ihren göttlichen Wesenskern zu erinnern. Aber heutzutage, wo es an Tradition fehlt, muss jeder von uns zum Wohle der Menschheit selbständig sein Herz heilen und zu seiner inneren Schönheit erwachen. (S. 115)

In den Momenten, in denen man die eignen Gefühle zulässt und sich ihnen öffnet, ist man da – ist man für sich selbst da. Man sagt ja zu sich selbst, so wie man ist, so wie man sich im Moment fühlt. Dies ist ein tiefer Akt der Selbstliebe. (S. 118)

Das ist die Definition von Selbstliebe, die ich vorschlage: Sich selbst das Wesen sein zu lassen, das man ist. (S. 121)

… In dem Buch geht es viel um LASSEN … Und erst, wenn wie SELSBT niemand anderes sein wollen, als wir sind, geschieht das Wunder: die eigenen Gaben wertzuschätzen.

Ein weiteres Stadium im Wachstumsprozess der Eigenliebe ist die Fähigkeit, das Einzigartige wertzuschätzen, das man zu bieten hat. Jeder von uns kann einen speziellen Beitrag zu dieser Welt leisten, besonders wenn wir als das Wesen hervortreten, das wir sind. (S. 128)

Solange ich nicht wertschätzen kann, was ich zu bieten habe, setze ich dem, was durch mich kommen möchte, Barrieren entgegen. (S. 129)

Folgender Satz zeigt die ganze Tiefe und Schönheit, die das Buch zu bieten hat:

… die einzigartige Gabe, die Sie zu bieten haben, ist die lebendige Qualität Ihrer eigenen Präsenz, der unbeschreibliche Funke, der SIE zu Ihnen selbst macht. Jede Seele hat ihren eigenen, facettenreichen, diamantenen Charakter, ihre eigene SOHEIT. Obwohl niemand dieses „besondere Etwas“ genau festmachen kann, ist es das, was die Menschen lieben, wenn sie Sie leben. Soheit bedeutet genau so. (S. 130)

5. Heiliges Verlangen

Wenn wir zu uns selbst ja sagen, uns selbst sein lassen, wie wir sind, unser Herz für uns selbst öffnen – all das entzündet den inneren Funken der Selbstliebe und heilt unsere Herzenswunde. (S. 131)

Der Autor setzt sich in diesem Kapitel mit einem großen Missverständnis auseinander. Es ist ein sehr erlösendes Kapitel, warnte doch Buddha (und in anderen Worten alle großen Religionsgründer) davor: „Die Ursache des Leidens ist Verlangen.“

Ich brauchte Jahre, um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen und um zu verstehen, wie Verlangen sowohl die Quelle endlosen Leidens als auch großer Glückseligkeit sein kann. Der Schlüssel bestand in der Erkenntnis, dass Verlangen eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Formen annehmen kann … (S. 138)

Niederes Verlangen schafft Leiden im Falle von Anhaftung. Doch es gibt ein ganzes „Spektrum des Verlangens“ (S. 136 ff.), von Begierde, gewöhnliches Besitzenwollen, Bedürftigkeit, unterschiedlichen Arten von Leidenschaften.

Verlangen ist in gleicher Weise vollkommen rein wie Feuer: Es ist einfach nur lodernde Energie, nichts von sich aus Schädliches. Es nimmt nur dann eine destruktive Form an, wenn wir falsch damit umgehen. Wenn wir das tiefere, in dieser strahlenden Hitze enthaltene Verlangen aufdecken können, kann das zu einem inneren Schmelzvorgang führen, der uns fähig macht, die Liebe ganz in uns hinein zu lassen. (S. 139)

Welwoods Buch ist kein Paarbuch. Ihm geht es vor allem um Selbstliebe, empfänglich für die allgegenwärtige Liebe zu werden. Doch hier an dieser Stelle, dem „heiligen Verlangen“ kommt auch das DU ins Spiel – das HEILIGE DU.

Natürlich müssen wir aufpassen, dass wir in das „relative Du“ nicht das Heilige Du hineinprojizieren, dieses andere Wesen mit unserer heiligen Sehnsucht nach vollkommener Liebe vollkommen zu überfordern.

Denn nur zu Gott oder der geheimnisvollen Quelle allen Seins können wir wirklich singen: „Du bist alles und alles bist du.“ Nur von der absoluten Liebe können wir zu Recht sagen: „Du bist mein Sonnenschein, mein einziger Sonnenschein“ und „Ich kann nicht ohne dich leben“. Unsere Sehnsucht nach der Quelle der Liebe ist so natürlich wie der Durst des Rehs nach Wasser.
(S. 142)

UND DOCH:

Leidenschaft und Sehnsucht sind dann meine Reaktionen auf das heilige Du – das die Form des geliebten Menschen, eines Berges in der Abenddämmerung oder der Mondscheinsonate annehmen kann -, eine Reaktion auf das Du, das mir erlaubt, in das Mysterium des eigenen Wesens einzutauchen. (S. 142)

Dann ERKENNE ich das Heilige DU im anderen, dann sieht der andere das Heilige Du in mir: der tiefe Sinn von „Grüß Gott“ (Ich grüße das Göttliche in dir) und NAMASTE.

Heilige Sehnsucht ist das geheime Gefäß, das die Liebe einlädt, in uns einzutreten. … Wenn Sie zum geheimen Gefäß werden, ist es nicht mehr nur so, dass Sie Liebe wollen. Vielmehr stellen Sie fest, dass die Liebe Sie will. (S. 149)

6. Die Liebe, die Sie frei macht

Es gibt keine Getrenntheit.
Zu wissen, dass Sie geliebt sind, bedeutet dann zu wissen, dass Sie Lebe sind. Wenn Sie Ihr Abwehrverhalten ablegen und der Liebe erlauben, sich in sie zu ergießen, werden Sie eins mit der Liebe, wie eine Eisscholle, die zu dem Fluss wird, in den sie schmilzt. So wie das Eis in Wirklichkeit immer eins mit dem Fluss war, hat das Gefrieren des Herzens nur eine vorübergehende Trennung von Ihrer Natur als Liebe erzeugt.
Dass wir in die Liebe schmelzen, ist das, was die Seele immer gewollt hat. Die Erleichterung, die das bringt, geht viel tiefer, als nur über den Schmerz der Kindheit hinaus zu wachsen. Sie heilt die universelle spirituelle Wunde der Getrenntheit von der Liebe. (S. 160)

Brauchen wir dann überhaupt noch einen anderen, um zu lieben? Achtung, das könnte auch wieder eine Falle der Trennung sein. Die SEELE ist im Absoluten wie im Relativen zu Hause, sie ist absolute wie auch relative Liebe. Es gibt das eine nicht ohne das andere. Wir erfahren das Absolute im Relativen – das Relative als Erscheinung des Absoluten. Es gibt kein „heiliges DU“ ohne das DU des anderen. BEIDES zu lieben und sich bewusst zu sein – es ist dasselbe und doch etwas anderes – dieses Paradox leben zu können, ist die Auflösung des Lebensdramas. (Das sind jetzt allerdings meine Worte.)

Zwischenmenschliche Beziehungen bieten uns den ultimativen Prüfstein dafür, wie geheilt oder ganz oder spirituell reif wir wirklich sind. (S. 136)

Ich schwärme so für das Buch, dass ich meine Besprechung unzensiert und weiträumig habe fließen lassen. Danke für die Aufmerksamkeit.

So wie am Anfang ein Motto stand,
so möge auch am Ende eines des Autoren stehen (S. 172):

Wenn die Liebe oder die Leidenschaft
ungehindert fließt, erlebt man sie
als Glückseligkeit.
Und wenn wir zur Glückseligkeit
in unseren Adern erwachen,
fließt sie als strahlende Liebe
aus uns heraus.
JOHN WELWOOD

Mein Fazit: Es gibt eine schmerzliche Kluft zwischen reiner Liebe in unserem Herzen und den schwierigen Beziehungen, in denen wir leben. Diese Kluft stellt ein Rätsel dar, das einen verrückt macht und das jeder von uns „lösen muss, oder er wird in Stücke zerrissen“ (D.H. Lawrence, S. 10 des Buches).
Das Buch ist überaus hilfreich, dieses Lebensdrama zu lösen.

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