Claudi Alsina: Der Satz des Pythagoras

Untertitel: Die Heilige Geometrie von Dreiecken

Ein ganzes Buch nur über den Satz des Pythagoras?!

Ja, und dieses Buch wird diesem größten Lehrsatzes in der Mathematik auch gerecht. Der Leser bekommt eine Ahnung, wie bedeutsam der Satz wirklich war und ist – nicht nur für Geometrie-Prüfungen in der Schule. Dabei ist es gar keine Frage mehr, dass Pythagoras es nicht selbst war, der den Satz entdeckt hat. Er ist sicher älter und von den Babyloniern und Ägyptern übernommen. Doch es ist das Verdienst des Pythagoras, diesen Satz in seiner Allgemeinheit als erster wissenschaftlich bewiesen zu haben.

Pythagoras war es, „der begriff, dass die Gewissheit von Behauptungen auf Beweisen gegründet werden musste, bevor man sie für weitere logische Demonstrationen verwenden konnte, und das tat er auch, sogar noch vor Euklid, dem großen Sammler und Neuordner der klassischen Mathematik.“ (S. 13)

Wir sind hier an der ursprünglichen Schnittstelle bei Pythagoras von Zahlenmystik und Mathematik als Wissenschaft. Das griechische Wort „mathema“  meinte ursprünglich ganz allgemein „das, was gelehrt wird“ (S. 22) und „mathematikoi“ (von Pythagoras selbst geprägt) „jene, die an Wissen interessiert sind“ (S. 34). Für Pythagoras waren die Weisen und Wissenden alle, die hinter der Erscheinung der Dinge die Ordnung der Zahlen und die Harmonie von Zahlenverhältnisse entdeckt haben. Bei Pythagoras waren mystische Weisheit und exakte Wissenschaft noch ein und dasselbe. (Sein Credo: „Alles ist Zahl.“) Auch unser gängiges Wort „Arithmetik“ von „arithmos“ (Zahl) und „techne“ (Wissenschaft) heißt nichts anderes als Zahlenwissenschaft. (S. 126) Es ist in diesem Zusammenhang auch gut zu wissen, dass das lateinische Wort „Quantum“ nichts anderes als „Zahl“ heißt. Quantenphysik als Zahlenphysik?! Da öffnen sich noch Horizonte!

Das, was wir heute als „Satz des Pythagoras“ kennen, war ursprünglich ein rein praktisches Wissen, wie man im Bau rechte Winkel ohne Zirkel und Dreieck konstruiert. (Geodreiecke und Zirkel gab es damals noch nicht im Schreibwarengeschäft um die Ecke zu kaufen – kleiner Scherz …)

Wir wissen, wie wichtig die Zahlen 3, 4 und 5 in der Zahlenmystik des Pythagoras sind. Und plötzlich erkennt er: 3 hoch 2 (3×3 = 9) plus 4 hoch 2 (4×4 = 16) gleich 5 hoch 2 (5×5 = 25) – und kann diese verblüffende Gleichung noch als rechtwinkliges Dreieck darstellen. Das ist ein sogenanntes „Pythagoreisches Tripel“. Von dieser ersten Formel bis zur uns bekannten Verallgemeinerung a Quadrat plus b Quadrat gleich c Quadrat … ist noch ein weiter und genialer Weg! Zu bedenken ist auch: Es gab damals in Griechenland noch keine arabischen Ziffern, keine Algebra und nur ganze Zahlen (auch in Brüchen).

Das Buch stellt einige weitere „wunderbare Beweise“ (S. 45 – 52) dar (auch von Leonardo da Vinci), die zeigen, dass dieser „berühmteste Lehrsatz der Geschichte“ (S. 39) alles andere als Pipifax ist. Das Buch zeigt auch auf, wie aus dem Satz des Pythagoras auch die erste irrationale Zahl „Wurzel aus 2“ (= 1,41421 … oder PI) entwickelt wurde, der Albtraum des Pythagoras: Disharmonie statt purer Harmonie ganzer Zahlen.

Der Autor geht in dem Buch alle theoretischen und praktischen Anwendungen des Satz des Pythagoras nach, für den Leser ein AHA! und WOWW! nach dem anderen.

Für die weite Auswirkung des Pytagoreischen Satzes schreibt der Autor S. 57:

Also ist der Satz des Pythagoras auch für die Topographie, Karthografie, Flug- und Schiffsnavigation und natürlich auch für die Architektur, das Ingenieurwesen und jede Art von Tätigkeit, die Messungen erfordert, von Bedeutung.

Und zusammenfassend mit einem Augenzwinkern S. 103:

Wenn es jedoch so erscheint, als wollten wir etwas anderes behaupten, sei gesagt, dass man auch ohne Kenntnis des Pythagoreischen Satzes leben kann. Seine Präsenz in beinahe jedem Winkel des menschlichen Denkens (schöne subtile Formulierung, Hervorhebung von mir – JS) und in vielen Bereichen der Natur ist jedoch faszinierend.

Die okkulte Pythagoreische Zahlenkunde (Zahlenmystik)

Der Autor geht in diesem Buch im Wesentlichen den fundamentalen Auswirkungen des Satz des Pythagoras in der abendländischen Mathematik nach, deutet jedoch auch die „geheimnisvoll-mystische Aura“ dieses Satzes an. Beide haben dazu geführt, dass sich im Erbe des Pythagoras dann zwei unterschiedliche Schulen entwickelten, einerseits die „Mathematiker“, die diese wissenschaftliche Seite des Pythagoras fortführten (dazu gehörten sicher auch Platon und Euklid) und andererseits die „Akusmatiker“, die die zahlenmystische Seite in Geheimen (Okkulten) fortführten. Heute würden wir sagen: die wissenschaftliche Linie und die mystisch-esoterische Linie.

„Akousmatikoi“ sind „diejenigen, die hören“ (S. 34). Ein Akusma ist ein geheimnisvoller Satz, den man nicht rational lösen kann (wie ein Koan im Zen), seine tiefe Wahrheit nur fühlen kann, indem man auf sein Inneres „hört“. Ein solches Akusma des Pythagoras lautet beispielsweise: „Was ist das Weiseste? Die Zahl.“ Oder ein anderes: „Nicht ohne Licht reden!“ Damit ist natürlich keine Kerze gemeint, sondern das innere Licht. Andere Akusmata aus den „Goldenen Versen“ klingen ohne Einweihung nur banal oder verrückt wie „Hebe keinen Kranz auf.“ (Eine kleine Sammlung solcher Akusmata im Buch S. 26)

„Akusmatiker“ sind im Sinne des Pythagoras nicht nur Hellhörige (die z.B. die Sphärenklänge der Planeten hören können), sondern die mystisch Eingeweihten der esoterischen Schule der Pythagoreer.


Im Nachwort zitiert der Autor den britischen Philosophen, Logiker und Mathematiker Bertrand Russell („Philosophie des Abendlandes“) über Pythagoras (S. 145):

„Ich kenne keinen anderen Menschen, der im Bereich des Denkens so einflussreich war wie er. Denn, wenn wir das, was wir als Platonismus kennen, analysieren, werden wir herausfinden, dass es sich im Grunde um die Lehre der Pythagoreer handelt.“

Das Buch geht zurück an die Schnittstelle von Zahlenmystik und wissenschaftlicher Mathematik in ihrem Ursprung als Arithmetik und heiliger Geometrie. Diese beiden Linien der pythagoreischen Schulen gibt es heute noch und beiden sei dieses Buch empfohlen: den Wissenschaftlern, um die zahlenmystische Essenz der Wissenschaftn zu verstehen, und den Esoterikern, um die mathematische Schönheit und Allgegenwärtigkeit der Zahlenmystik in der Wissenschaft zu verstehen. Das Buch baut Brücken zwischen Wissenschaft und Spiritualität.

Ich würde mir wünschen, dass jeder junge Mensch, der Spaß an Rechnen und Mathematik hat, dieses Buch kennt. Es kann Horizonte für Zahlenmystik und Zahlenwissenschaft öffnen.



Der Satz des Pythagoras: Die Heilige Geometrie von Dreiecken (Klick)

John Martineau (Hg.) Quadrivium

Das Buch bezieht sich auf Pythagoras, doch nicht auf seine mystischen Weisheitslehren, sondern auf den Kern seiner Wissenschaften. Als Begründer der griechischen Wissenschaften war sein Verständnis der Wissenschaft noch HEILIG („siencia sacra“).  Diese Wissenschaften sind als „Quadrivium“ (Der vierfache Weg) bekannt: 1. die heiligen Zahlen, 2. die heilige Geometrie, 3. die Spärenmusik und Harmonik und 4. die Astrologie. Dieses Buch stellt den Kern der ursprünglichen geheimen Heiligen Wissenschaften nach Pythagoras auf sehr anschauliche und moderne Weise dar.

Der Herausgeber schreibt treffend in der Einleitung:

Das Buch, das Sie in den Händen halten, ist eine seltene Schatztruhe voll traditionellem, einst geheimem, doch zu allen Zeiten nützlichem und zudem unsterblichen Wissen, das niemals veraltert. Es ist universal: Es verspricht eine magische Reise durch alle Kulturen – heilige und wissenschaftliche, heimische und fremde, antike und moderne. QUADRIVIUM ist ein Buch aus sechs Büchern – mit Themen aus der Arithmetik, Geometrie, Musik und Astrolomie. (S. 1)

In der Einführung schreibt Keith Critchlow (S. 3 – 4):

Das QUADRIVIUM wurde erstmals um 500 v.Chr. von Pythagoras als die Tetraktys formuliert und gelehrt …
Unsere Seele, deren Unsterblichkeit Sokrates in Platons PHAIDON nachwies, hat ihren Ursprungt an einem Ort vollkommener Weisheit, bevor sie im Körper geboren wird. Ziel dieser Wissenschaften war es daher, durch Vereinfachung zurück zu dieser Ganzheit zu gelangen und zwar auf der Basis des Wissens, das man durch das Studium der Disziplinen des Quadriviums erlangen konnte. Und das Ziel – seit alters her der Zweck aller Suche nach Erkenntnis – bestand darin, ihre Quelle zu finden.

Die sechs Bücher sind:

Buch 1: Die heiligen Zahlen: Die geheimen Eigenschaften der Menge (Miranda Lundy): Von der Monade (EINS) bis Zwölf und mehr, das VERHÄLTNIS der Zahlen zueinander … bis hin zur NULL als „Nicht-Zahl“

Buch 2: Die heilige Geometrie (Miranda Lundy): „Die heilige Geometrie demonstriert, wie sich Zahlen im Raum entfalten. Im Unterschied zur profanen Geometrie werden ihre Operationen und Begriffe symbolische Werte zugeordnet, so dass sie, wie gute Musik, der seelischen Entwicklung des sich mit ihr Beschäftigenden zuträglich ist.“ (S. 63)

Buch 3: Platonischer und archimedische Körper (Daud Sutton): Dieses Buch zeigt, wie sich Zahlen im dreidimensionalen Raum in der Form von Körpern entfalten.

Buch 4: Der Harmonograph: Eine Einführung in die Mathematik der Musik (Anthony Ashton). Es ist ein im 19. Jahrhundert erfundenes Instrument, das selbstständig harmonische Zeichnungen auf Papier bringt. Der Harmonograph ist in der Lage, harmonische Klänge in Bilder umzuwandeln.

Buch 5: Elemente der Musik: Melodie, Rhythmus & Harmonie (Jason Martineau). Das Buch vertieft den Zusammenhang zwischen Musik und Mathematik im Sinne der angewandten Harmonie.

Buch 6: Das kleine Buch des Zufalls im Sonnensystem (John Martineau): Dieses Buch weckt wieder den Zauber der Astronomie, Zahlen-Proportionen am Himmel mit der Sonne, Mond und Planeten. Hier ist der Übergang von der exakten Astronomie hin zur deutenden Astrologie noch sehr naheliegend.

Ich denke, mit unserer Bildung wäre es anders bestellt, wenn alle Jugendlichen, die ihr Abitur (Matura) gemacht haben, die Inhalte dieses Buches kennen und beherrschen würden. Es beinhaltet „Allgemeinbildung“ im wirklich humanistischen Sinne. So bekommt Wissen einen ganz andren Sinn: Der Mensch im Kosmos und der Harmonie mit dem Göttlichen. So erhalten die jungen Menschen einen ganz anderen Zugang zur heiligen Wissenschaft. So hat Wissen noch etwas mit Herz und Seele zu tun.

 


Quadrivium: Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie für alle verständlich

Andreas Beutel: Die Blume des Lebens in dir

Kleine Einführung (2)

Andreas Beutel vom Pythagoras-Institut in Dresden ist sicherlich in Deutschland DER EXPERTE für die Heilige Geometrie und die Blume des Lebens. Nun ist auch von seiner Seite nahezu im gleichen Format wie das Buch von Jeanne Ruland (> meine Rezension) ein kleines Taschenbuch (A6) zur Blume des Lebens erschienen. Obwohl es beiden Autoren um DAS EINE geht, sind beide Bücher grundverschieden, kaum zu vergleichen. Der Zugang zum gleichen Thema könnte in der Darstellung kaum unterschiedlicher sein. Doch genau das macht den Vergleich zwischen beiden Büchern so faszinierend: ein Thema – zwei so unterschiedliche Zugänge. Ich bin geneigt von einem weiblichen Zugang über die eigene bewusstseinserweiternde Erfahrung und einem männlichen Zugang über ein faszinierendes Wissen zu sprechen.

Das Buch

Das Buch von Andreas Beutel ist sehr wissenschaftlich-philosophisch gehalten. Es gibt einen Einblick über all die Zusammenhänge der „Logik der Schöpfung“ aus der Sicht der Heiligen Geometrie. Es liest sich spannend wie ein Krimi. Und am Ende gibt es wirklich ein paar verblüffende Auflösungen von Rätseln wie „die Quadratur des Kreises“.

Bei Andreas Beutel beginnt alles (die Schöpfung) in der Dunkelheit. Die ersten sechs Lichtstrahlen der Schöpfung erschaffen vom Mittelpunkt aus den Raum: nach oben, nach unten | nach rechts, nach links | nach hinten, nach vorne. Das göttliche Bewusstsein bewegt sich durch das Licht vom ersten Kreis der Dunkelheit in den zweiten Kreis der Helle. Das berühmte „Vesica Pisces“ (Fischblase) ist erschaffen, die Schnittmenge zweier Kreise, der Bezug zum Yin-Yang-Symbol ist offensichtlich.

Themen, die das Buch zusammen bringt:

  • die Mysterienschulen und die Heilige Geometrie
  • der lichtvolle Raum-Oktaeder mit einer ihn begrenzenden „Membran“
  • die Omnipräsenz des „Vesica Pisces“ in unserem Körper und in der Natur
  • die Zahl 3 als stabile „Tribüne“ für die Schöpfung
  • der Torus als universelles einheitliches Feld
  • die Saat und das EI des Lebens und die Embryologie
  • die Entfaltung der Ei-Struktur in Farbe, Musik, Chemie, dem chinesischen I Ging
  • die Blume und der Baum des Lebens mit 10 Kreisen / Kugeln wie in der Kabbala und den 22 Linien (an die „große Arkana“ des Tarot erinnernd)
  • die Frucht des Lebens und der Metatron-Würfel
  • die Platonischen Körper
  • der goldene Schnitt (die Zahl Phi) und seine Omnipräsenz
  • die Fibonacci-Reihe
  • das unendliche Netz der Blume des Lebens und die Mer-Ka-Ba
  • die Illusion der Wahrnehmung
  • die Quadratur des Kreises

Es ist kaum zu fassen, dass diese Thematik in ein kleines Büchlein von kaum mehr als 100 Seiten passt. Andreas Beutel ist es gelungen. Es kommt mir vor wie die Grundthesen einer spirituellen Wissenschaft basierend auf der Heiligen Geometrie.

Wenn man in die Thematik der „Blume des Lebens“ eintauchen will, dann empfehle ich unbedingt beide von mir besprochenen Bücher zu lesen, das von Jeanne Ruland (> Link) und das von Andreas Beutel. Es ist wie ein Paar und „als Paar“ für sich wieder sehr symbolträchtig.


Andreas Beutel:

Die Blume des Lebens in dir (Klick mich)


 

Die Goldenen Verse des PYTHAGORAS

Untertitel: Lebensregeln zur Meditation
Herausgegeben und eingeleitet von Inge von Wedemeyer


Ich habe dieses kleine Büchlein (1983 wohl erstmals erschienen) erst sehr spät entdeckt, doch es war gleich „Liebe auf´s erste Lesen“.

Inge von Wedemeyer hat mehr als nur ein Vorwort und eine Einleitung geschrieben (S. 1-12), sondern die Verse auch sehr einfühlsam und kenntnisreich interpretiert (S. 23 – 56) Das Literaturverzeichnis selbst (S. 57 – 60) zeichnet wichtige Spuren zu dem „großen Lehrmeister der Griechen, ja des Abendlandes“ (S. 1) auf.

Die 71 „Goldenen Verse“ sind durch Gerda von Gerlach aus dem Griechischen übersetzt und in eine zeitnahe Sprache gebracht (S. 13 – 22), und das ist wahrlich eine Kunst!

„Bei Pythagoras bilden Religion, Leben und Wissenschaft eine Einheit“ (S. 1)

Das ist für mich einer der Kernsätze von Inge von Wedemeyer, der klar auf den Punkt bringt, was an Pathagoras für die heutige Zeit so faszinierend ist. Wenige Seiten weiter schreibt sie: „Glauben, Wissen und Leben bilden eine dynamische Einheit.“ (S. 5) Genau auf der Suche sind wir heute in der völlig desintegrierten Welt wieder.

Von Pythagoras ist – anders als bei Platon – im Grunde kein authentisches Schrifzeugnis hinterblieben. Es war nicht nur die „Geheimlehre“ seiner Mysterienschule, deren Lehre nur mündlich an einen engen Kreis weiter gegeben wurden. Es gab sicher auch Bücher von ihm, und von Platon ist die Aussage bekannt, dass er für die Bücher von Pythagoras ein Vermögen ausgeben wollte, so groß war seine Wertschätzung ihm gegenüber.

Die Goldenen Verse sind das, was noch am authentischsten von Pythagoras ist, unabhängig, ob die Verse von ihm selbst aufgezeichnet wurden oder von seinen Schülern. Sie beinhalten vor allem geistige Lebensregeln für die Pythagoreer, vergleichbar mit den 7 Lebensprinzipien, die Hermes Trismegistos zugeschrieben werden. Die Goldenen Verse erinnern mich auch an das Tao Te-King des Lao-Tse.

Es ist (neben der Übersetzung durch Gerda von Gerlach) eine Kunst von Inge von Wedemeyer, die Grundzüge der Lebensphilosophie von Pythagoras aus den Goldenen Versen heraus gearbeitet zu haben:

  • Das Universum ist eine Einheit (S. 31 – 32)
  • Die Seele ist unsterblich (S. 32 – 33)
  • Der Weg zur Vollkommenheit und Unsterblichkeit (S. 33 – 35)
  • Schicksal und freier Wille (S. 35 – 37)
  • Die Lehre von der Freundschaft, von den Entsprechungen und von den Elementen (S. 37 – 41)
  • „Alles ist Zahl“ (S. 41 – 47)
  • Musik und Heilkunst (S. 47 – 52)
  • Halte Maß! Erkenne dich selbst! (S. 52 – 56)

Gründer der abendländischen Esoterik

Man hat in der wissenschaftlichen Forschung Inge von Wedemayer vorgeworfen, sie sei zu „esoterisch“. Richtig! Genau das ist das Problem – und dieses Problem zu verstehen ist gleichzeitig der Schlüssel, um überhaupt einen tiefen Zugang zu Pythagoras zu finden. Pythagoras selbst war es, der in seiner Mysterienschule die „Novizen“ unterschied von den „Adepten“. Die Novizen waren die „Anfänger“, die oft 5 Jahre und mehr im „äußeren, exoterischen Kreis“ seiner Schule verbrachten, die Adepten hatten sich als Schüler qualifiziert und gehörten zum „inneren, esoterischen Kreis“.

Ein Esoteriker zu sein, war für Pythagoras also eine Auszeichnung. Und so schreibt Inge von Wedemeyer auch zur „Einsicht des Interpreten“:

Und wenn es um die großen Persönlichkeiten der Vergangenheit geht, kommt hinzu, daß sie eigentlich nur von Menschen gleichen Formats verstanden werden können. (S. 2)

Mit anderen Worten: Nur ein Esoteriker kann einen Esoteriker erkennen. Oder mit etwas für die heutige Zeit unverfälschteren Begriffen: Nur ein Mystiker kann einen Mystiker erkennen. Und das war Pythagoras mit Sicherheit.

So ist auch der Hinweis von Inge von Wedemeyer zur Übersetzerin Gerda von Gerlach gut zu verstehen: „Es ging der Übersetzerin sowohl um sprachliche als auch um esoterische Genauigkeit.“ (S. 11)

Was an den Pythagoras zugeschriebenen Weisheiten ist wirklich authentisch?

Inge von Wedemeyer geht auch der Frage nach, ob all die Pythagoras zugeschriebenen Erkenntnisse (wie der „Satz des Pythagoras“) wirklich von ihm sind oder älteren ägyptischen, babylonischen oder indischen Ursprungs. Ihre Antwort ist sehr weise:

Man sagt, er habe an den bedeutendsten heiligen Stätten in Phönizien, Ägypten, Babylon und Griechenland hohe Einweihungen empfangen, vielleicht auch in Indien. Man sagt, er habe alles Wissen und alle Weisheit seiner Zeit in sich aufgenommen, und bezeichnet ihn als einen „universellen Geist von welthistorischem Format“. (S. 4) …
Die Bedeutung des Pythagoras liegt nicht darin, ob er diese oder jene Lehre als erster gebracht hat … Die Bedeutung und Universalität der Geistesheroen liegt in ihrer Fähigkeit, ihr hoch entwickeltes Bewusstsein schöpferisch einzusetzen und damit nicht nur auf die Mitwelt und Nachwelt zu wirken, sondern die Menschheit in ihrer Evolution auf eine neue Stufe zu heben.“ (S. 6)

Der österreichische Philosoph, Mathematiker und Schriftsteller Egmont Colerus (1888 – 1936) sieht in Pythagoras sogar den Geburtshelfer für „Die Geburt des Abendlandes“.

Mein Fazit: Sich Pythagoras authentisch zu nähern, setzt selbst ein gewisses spirituelles Bewusstsein voraus, das über das streng rationale Bewusstsein der „objektiven Wissenschaft“ weit hinaus geht. Jeder in diesem Bewusstsein hat mehr Chancen, Pythagoras authentisch zu verstehen als mit einem wissenschaftlich begrenzten Horizont.

Das Buch von Inge von Wedemeyer ist beides: eine Prüfung für dieses erweiterte Bewusstsein (hast du Zugang zu diesem Büchlein?) und – dies vorausgesetzt – ein Generalschlüssel zum Verständnis des Wirkens von Pythagoras, den ich in eine Reihe wie Buddha und Lao-Tse stelle.



Die Goldenen Verse des Pythagoras (Klick)

Omraam Mikhaël Aïvanhov: Die Seele

Untertitel: Instrument des Geistes

Mich hat der Titel des Buches elektrisiert, weil ich für mich selbst schon die Erkenntnis gewonnen habe: Die Seele ist ein Organ des Geistes. Das aus dem Griechischen kommende Wort „Organ“ meint ja „Werkzeug“, also Instrument.

Das kleine Büchlein dieses bulgarischen Altmeisters (1900 – 1986) hat mich nicht enttäuscht. Das Verhältnis von GEIST und SEELE ist in der spirituellen Philosophie ein wirklich vertracktes Thema! Und das Büchlein (ein in Frankreich gehaltener Vortrag) enthält viele Gedanken zur Inspiration.

Hier das zentrale Zitat aus dem Buch:

Der Geist arbeitet an der Materie durch einen Vermittler: die Seele. Die Seele ist also auch ein Werkzeug für den Geist, das er benutzt, um die physische Ebene zu erreichen, denn er selbst kann das nicht. Nur die Seele hat die Möglichkeit, die Materie zu berühren. Durch sie kann also der Geist die Materie modellieren, sie gestalten und ihr Befehle geben. Ohne die Seele und ihre Fähigkeit hätte der Geist keine Macht über die Materie. (S. 11)

Dieser Satz ist philosophisch natürlich sehr weitreichend! Um es aus meiner Sicht zu interpretieren: Um seine „subjektive Realität“ zu verändern (die SICHT auf die Welt), reicht die Veränderung der Gedanken, um aber die „objektive Wirklichkeit“ zu verändern, bedarf es der Seele. Ohne Seele erschaffen die Menschen nur egozentrische und lebensfeindliche Artefakte, oder auch „Anti-Schöpfung“.

Mir gefällt in dem Büchlein ganz besonders auch die zahlenmystische Entfaltung der VIER aus der DREI. Denn die Seele hat einen Doppelcharakter  (S. 32 ff).

Ein Zitat zum Verhältnis GEIST und SEELE:

Der Geist ist ein fast nicht wahrnehmbarer Punkt, während die Seele riesengroß ist, denn um den Geist nähren zu können, muss die Seele riesig sein. (S. 35)

Was für ein Hammersatz! Auch dieser Satz ist sehr inspirativ:

Im Geist gibt es nichts Unreines und Dunkles mehr, während sich in der Seele das Böse unter das Gute mischen kann. (S. 38)

Ein kleines Büchlein (A6) aus einem Vortrag entstanden, doch mit weit reichenden Gedanken über „Die Seele“.


Die Seele – Instrument des Geistes (Klick)

Ronald Engert: Der absolute Ort, Band 2 (2015)

Untertitel: Philosophie des Subjekts

Das Buch „Der absolute Ort. Philosophie des Subjekts“ von Ronald Engert (Herausgeber der Tattva Viveka) ist bereits der zweite Band, eine Artikelsammlung des Autoren und Herausgebers aus der Tattva Viveka von 2008 bis 2014. Seine Artikel zwischen 1994 bis 2007 sind im ersten Band enthalten.

Dieses Buch ist mir mehr als ein anderes Buch in der letzten Zeit unter die Haut gegangen und in den Kopf gestiegen. Es ist meinem eigenen philosophischen Denken und meiner spiritueller Wahrnehmung sehr nahe (lies: sehr ähnliche Wellenlänge).

Ein Buch über den „subjektiven Faktor“ verbietet es regelrecht, es „objektiv“ zu besprechen, sondern fordert den Rezensenten dazu heraus, sich selbst als „subjektiven Faktor“ zu outen.

Was macht das Buch zu etwas Besonderem – für mich?


 

  1. Es ist für mich das erste Buch, das sich aus der neuen Spiritualität heraus in unmittelbarer Weise der Philosophie zuwendet, in die Richtung einer neuen „Seelen-Philosophie“ geht.
  2. Es ist keine Total-Darstellung eines komplexen philosophischen Systems, sondern „Philosophie im Work-Flow“ – und damit eine Philosophie als Lebensprozess im besten Sinne des Wortes: aus dem Leben für das Leben.
  3. Ich achte und schätze das Buch auch aus dem Grund ganz besonders, weil es nicht aus der Feder eines professionellen Fachphilosophen kommt, sondern eines spirituellen Menschen reinen Herzens, der „notwendigerweise“ philosophiert – und das sehr tiefgründig. Das Buch hat für mich etwas ansteckend Ehrliches und Mutiges.
  4. und nicht zuletzt: Viele dieser Thesen haben bei mir selbst mentale Knoten meiner eigenen philosophischen Themen gelöst. An anderer Stelle scheint mir, dass ich schon Lösungen für noch offene Fragen im Buch gefunden habe. Ich nehme das Buch als ein Angebot für einen philosophischen und inspirierenden Dialog auf Augenhöhe wahr. Es ist kein „Das ist die absolute Wahrheit: friss oder stirb“, sondern offen und einladend, zum Dialog herausfordernd.

Ich denke, mit diesen vier Zuschreibungen habe ich mein Gefühl der subjektiven Wertschätzung für das Buch schon ganz gut umschrieben (> ausführliche Einzelheiten in meinem philosophischen Blog). Diese Buchbesprechung ist mit Abstand die umfangreichste in meinem Buch-Blog und verrät damit auch, wie sehr mich dieses Buch anspricht, wie intensiv ich auf das Buch reagiere. Ich lese es als aktuell entfaltetsten Ausdruck wahrhafter Lebensphilosophie.

Ich möchte jetzt auf die großen Themen des Buches und die besonderen Aussagen eingehen:

  • der subjektive Faktor
  • das Männliche und Weibliche
  • eine neue, spirituelle Theorie der Gefühle
  • Suchtfaktor Religion und Sektenhetze
  • Spiritualität und Wissenschaft
  • die Illusion des Avaita und der Liebesdienst des Bhakti
  • Einzelbeiträge zu Sloterdjik,
  • zur Rechtsphilosophie,
  • die Geschichte der Tattva Viveka
  • und die spirituelle Bedeutung von Geld

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Adamus Saint Germain: Das Spiel der Meister

Untertitel: Wer willst du wirklich sein?
Wähle deine Rolle selbst!

Gechannelt von Geoffrey und Linda Hoppe > MEHR

Das Buch sprengt alle Grenzen.
(Wer bin ich, der eine solche Einschätzung geben darf?)

Die einen sagen: Alles ist Energie! Die anderen sagen: Alles ist Bewusstsein! Was denn nun? Das ist doch nicht dasselbe! Gehst du über solche Fragen leichtfertig hinweg oder „quälen“ dich solche Fragen?  Mich haben sie gequält – und hier ist die Antwort. Es ist DAS BUCH, das mir die Frage einleuchtend beantwortet hat. Und was noch verblüffender ist: Die Antwort ist so einfach, dass ich mich frage, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin.

Die Neue Energie

Das Buch setzt das letzte von Saint Germain gechannelte Buch fort „Die Meister der Neuen Energie“ (> Meine Besprechung). Dort gab es schon den ersten Hinweis: Wir sind als Menschen keine Energiewesen. Das ist doch schon verblüffend, oder? Und einleuchtend: Energie existiert nur in der Polarität (lies: Dualität). Wo es keine Pole gibt, da gibt es keine Energie. Wir Menschen sind aber keine Wesen der Dualität/Polarität, sondern der EINHEIT jenseits der Polarität. Also sind wir keine Energiewesen. Wir sind BEWUSSTHEIT. Also sind Bewusstheit und Energie nicht dasselbe. Energie ist der Ur-Knall der BEWUSSTHEIT in die polare Dualität. (Der Satz ist jetzt von mir, gut, oder?)

Die nächste große Botschaft des Buches: Bewusstsein agiert, Energie re-agiert.
Wir füllen uns mit der Energie, die unserem Bewusstsein entspricht. In den unterschiedlichen Arten des Bewusstseins spielen wir unterschiedliche Rollen. Je nachdem, welche Rolle wir spielen, so ziehen wir auch die Energie an, die zu der Rolle passt. Wir können das Bewusstsein und seine Rolle wählen, die Energie re-agiert.

Jetzt der nächste Clou: Wenn wir doch die Bewusstseins-Rollen wählen können, dann sollten wir doch gleich die Bewusstseinsrolle des MEISTERS spielen. Nicht alle Menschen sind in dem Bewusstsein, diese Wahl treffen zu können, sogar die wenigsten sind es. Doch das Buch wendet sich an die Menschen, die „an der Schwelle“ sind (Titel des 1. Teils), die vor dieser Ent-Scheidung stehen, die diese Wahl treffen können: Erleuchtung JETZT oder doch lieber noch nicht? (Es ist auch ein Glanzstück des Buches zu erklären, warum wir auf unsere Erleuchtung WARTEN, ihr nicht die Erlaubnis geben, uns zu durchlichten.)

Du wartest nicht mehr, du wählst die Rolle des Meisters – und dann passiert es: Die Energie, die du mit dieser Wahl anziehst, ist eine NEUE, es ist Seelen-Energie. Und hier löst sich eine gewisse „spirituelle Dissonanz“ auf: es ist keine neue gegenüber einer alten Energie (Energie kann nicht „neu“ und „alt“, „frisch“ und „verbraucht“ sein, oder was auch immer). Es ist eine neu-ARTIGE Energie, der nennen wir es ANDERS-ARTIGE Energie (und schon ist das irritierende Wort „neu“) aufgelöst.

Du bist eine Seele, ein Seelenwesen inmitten einer menschlichen Erfahrung. (S. 63)

Diese Seelen-Energie ist anders-artig, weil in ihr Bewusstsein und Energie EINS sind. In dieser Energie feiern Bewusstsein und Energie eine „Heilige Hochzeit“. Das ist andersartig, das ist neuartig, das meint „Neue Energie“.

Menschliches und Göttliches

Auch dieses Kapitel ist voll von Weisheiten. Der erste Clou in meinen Augen: Das „unheilige Ego“ ist aufgelöst. Das Buch macht es einfach MENSCHLICH. Weil wir Menschen sind und soweit wir Menschen sind, haben wir ein Ego. Und es ist okay. Wir haben aber nicht nur Menschliches in uns, sondern auch Göttliches. Ja, unser ganzes Wesen macht diesen Tanz zwischen Menschlichem und Göttlichem aus. Es ist das, was der „Taoismus“ schon lange „weiß“. Der Mensch ist die Verbindung von Himmel und Erde – und macht zu zu etwas wirklich EINZIGARTIGEM in der Schöpfung. Wir sind „Naturwesen“ (Erde, Kinder Gaias und der Evolution) und „kosmische Wesen“ (Himmel und Geistige Welt).

Das Menschliche zeichnet sich aus durch:

  • Bedürfnisse und Wünsche
  • Emotionen
  • Handlungen
  • Bewertungen
  • Erinnerungen

Das Göttliche zeichnet sich aus durch:

  • Leidenschaft und Begeisterung
  • Sinnlichkeit und Sinneserfahrung
  • Erfahrung
  • Ausstrahlung
  • Weisheit

Es geht nicht darum, dass wir das Menschliche durch das Göttliche ersetzen, sondern um die „Wiedervereinigung“ (S. 88 – 85):

Ein Wesen, zwei getrennte Erfahrungen, in diesem wunderschönen heiligen Ort. Lass dein Menschsein für deine Seele singen. Lass deine Seele für den Menschen singen. (S. 92)

Wenn sie jetzt zusammenkommen, fühle den magiscchen Tanz zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen. (S. 94)

Spirituelle Physik

Diesem Abschnitt würde ich 9 von 10 Punkten geben. Es ist „verdammt nah dran“, doch es ist es noch nicht. „Alles beginnt mit Bewusstsein.“ (S. 99) [korrekter müsste es heißen: BEWUSSTHEIT, die absolute, ewige Existenz der Bewusstheit]

„Am Anfang existierte Energie nicht. Es gab nur Bewusstsein.“ (S. 100) Aha, es gibt also einen „Anfang“ – das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn wir von Ewigkeit sprechen! Wir kommen jetzt aus dem Absoluten in die Relativität. „Das war die uranfängliche Transmutation – die Verwandlung von Bewusstsein in Energie.“ Auch das ist für mich nicht „sauber“: Das Bewusstsein / DIE BEWUSSTHEIT hat sich nicht in Energie verwandelt, sondern es waren in dieser DUALITÄT jetzt „zwei Welten“, die Welt des sich wandelnden BewusstSEINS  und der Welt der sich wandelnden ENERGIE.

Ich will diesen Teil jetzt aber nicht „besserwisserisch“ in diesem Stil weiter besprechen. Es ist nur eine gewisse Unstimmigkeit bei mir, das „9 von 10 Punkten“.

Das Buch unterscheidet dann 4 Ebenen der Energie:

  • Energie des inneren Kreises (das Höchste Selbst)
  • kristalline Energie (Energie der Seelenwesen)
  • kosmische Energie (Energie des Kosmos als Geist-Seele;
    die Ebene, die uns als „Urknall und Kosmogenese“ bekannt ist)
  • Erdenenergie (unsere menschliche „Realität“ und die
    der Naturwissenschaften)

Ich finde diese 4 Ebenen sehr stark! Interessant wäre die Frage, wie sich der GEIST (Bewusstheit, Bewusstsein) auf dieser Ebene in Erscheinung tritt.

Es gibt einen eigenen Abschnitt über „Bewusstsein“ (S. 116 – 125). „Bewusstsein ist Bewusstheit (!,  JS), Gewahrsein, achtsame Wahrnehmung“ (S. 120) Und es gibt einen Abschnitt über „Bewusstsein und Denken“ (S. 126 – 139) „Gedanken sind trügerisch.“ (S. 136) „Bewussstein hat keine Emotionen, sondern tiefes, leidenschaftliches, sinnliches Gefühl.“ (S. 137). Und das ist dann wirklich großartig – und steht exemplarisch für das ganze Buch:

Sobald du dir einmal der Bewusstheit bewusst bist, kannst du den Tanz des Bewusstseins und des Denkens beginnen, weil du dann als verkörperter bewusster Meister vorwärtsgehst und somit beides verwendest. Gedanken sind weiterhin wundervolle, schöne Werkzeuge. Gedanken helfen, Definition und Struktur zu verleihen, wenn du das möchtest, aber du kannst zur selben Zeit auch im Bewusstsein sein. (S. 138)

Alleine solche Sätze ist das Buch schon wert. Es hat Dutzende dieser Art. Es ist durchaus kritisch, auch gegenüber der Esoterik des New Age, sogar dem „Gesetz der Anziehung“ gegenüber (S. 168). Eines darf in der Besprechung nicht fehlen:

Yo Soy El Punto – Ich bin der Punkt

Ich kann jederzeit zu diesem Null-Punkt (DER ICH BIN) zurück und mich von diesem Potenzial aller Möglichkeiten NEU ERFINDEN:

Ich bin das Ich bin. Ich existiere. Deshalb hat nichts Macht über mich, auch keiner all dieser Aspekte. Ich bin das Ich bin. Das ist es, wofür ich mich entscheide, was ich wähle. (S. 157)

Das ist die Herausforderung. Das ist die Meisterschaft. Durch diesen Punkt kann ich die unheile Vergangenheit zurück lassen und die geheilte Zukunft erschaffen, die geheilte Gegenwart des immerwährenden JETZT. (Dieses GLEICHZEITIG, synchron in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu leben, das ist der „Merlin-Effekt“.)

Mein Fazit:  Ein Buch, das ich nur in höchsten Tönen loben kann, wo es mir die Sprache fast nimmt. Es ist grenzerweitendes Bewusstsein. Auch die beiden letzten Abschnitte „Was auf der Erde vor sich geht“ (S. 174 – 177) und „Die letzte Schlacht“ (S. 178 – 182) sind nicht Abgesang, sondern noch einmal Höhepunkte.
Wenn ich nur EIN Buch zum Thema „Seelen-Bewusstsein“ und „Seelen-Energie“, über Erleuchtung und Meisterschaft, über die Neue Energie empfehlen dürfte, es wäre dieses!

Es ist nicht „vor-schreibend“ wie andere Theorien von Allem, sondern inspirierend für deine eigene Meisterschaft, der du in deinem Wesen schon bist, löst „letzte Knoten“.

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Fritz Stege: Musik – Magie – Mystik

Das Buch handelt von Musik, das Okkulte, das Verborgene, das Geheimnisvolle in der Musik.

Die Mystik in der Musik ist ihre kosmische Herkunft, die Sphärenmusik, die Töne der kosmischen Harmonie. „Was haben denn die Sterne mit der Musik gemeinsam? Antwort: Die Zahl.“ (S. 94) Und schon sind wir wieder Pythagoras auf der Spur, diesmal über die Musikwissenschaft!
Die Magie der Musik ist ihre Wirkung auf den Menschen, da, wo sie zum Beispiel heilsam ist, „die Erzielung außer-künstlerischer Wirkung mit künstlerischen Mitteln (S. 179).

Das Buch ist 1961 erschienen und bringt sehr quellenstark den Stand dieser Zeit zum Thema zusammen. Der Autor Fritz Stege (geb. 1896, gest. 1967) hatte schon 1925 ein damals viel beachtetes Buch unter dem Titel „Das Okkulte in der Musik. Beiträge zu einer Metaphysik der Musik“ geschrieben. Das hier besprochene ist sozusagen sein Lebenswerk und in der Thematik als Klassiker zu sehen.

Teil 1: Musik des Lebens

Die Interpretation des Lebens als harmonische oder disharmonische Musik. Solange die Menschen von den äußeren Tönen des Krachs übertönt werden, hören sie die inneren Töne nicht mehr – oder auch die subtilen Töne des Kosmos. (So ist F der Grundton der Erde; S. 42) Krach und Lärm symbolisieren Chaos. Wenn das Leben auf eine neue, harmonische Ordnung ausgerichtet werden will, denn auch über das Hören der inneren Musik, ja des eigenen persönlichen Grundtons (S. 24). Alles Lebendige hat eine Schwingung und damit einen eigenen Ton. Es sind die Frequenzen der Seele. Es ist „die Musik der Stille“.

„Harmonische“ Beziehungen einzugehen ist Sinn und Ziel der Menschheit wie der Musik.“ (S. 29)

Die musikalische Struktur des Kosmos und des Lebens zeigt sich in Zahlenverhältnissen. So ist die „Verhältnisreihe 1 : 2 : 3 : 4 usw. gleich Grundton, Oktave, Quinte, Quarte usw“ (S. 55) „Leibniz erklärte die Musik als ein unbewusstes Zählen der Seele.“ (S. 56)
Musik ist auch Architektur, und jedes Gebäude hat seine eigenen Melodie. (S. 58)  Es gibt auch eine Beziehung zwischen Ton und Licht, Ton und Farbe und ist durch den Faktor pi = 3,1416 bestimmt (S. 69).

Der Autor fasst zusammen:

Das menschliche Leben gehorcht einer musikalischen Gesetzmäßigkeit. Für die Natur gelten die gleichen musikalischen Regeln wie für die Menschen. Musik ist Leben – und das Leben ist Musik. (S. 63)

Aber auch diese vielen Urphänomene einer „latenten“ Musik innerhalb eines nicht erklingenden, jedoch tonbereiten Lebensraums sind nicht Ursache, sondern Wirkungen einer höheren geistigen Ordnung, deren Ursprung sich im KOSMOS, im Geheimnis der SPHÄRENHARMONIE verbirgt. (S. 82)

2. Teil: Musik und Kosmos

Symbole sind Urworte des Menschen (S. 94) Dabei sind Zahlen „als ‚Monade‘, als unteilbare Einheit, der Ausgangspunkt allen Seins“, … „pythagoräische Urphänomene“ (S. 94). Zahlen gelten als Töne und ein Ton löst eine Zahlvorstellung aus. (S. 95)

Vieles, aber auch Abfälliges, ist über die „spekulative Mystik“ ältester Zahlentheorien geschrieben worden. Aber man übersieht dabei, dass die Zahl heute zu toten Formen begrifflichen Denkens entwertet ist, während sie einst als lebendiger, sinnvoller Organismus galt, der die Menschheit in ihren inneren Beziehungen zum All, zum Kosmos brachte. Haben wir Anlaß, uns unserer „Fortschrittlichkeit“ zu rühmen, die den Verstand über die Seele stellt und uns den erhabenen Symbolismus der Zahlenwerte vergessen ließ“ (S. 100)

Was wäre, wenn wir unser Raum-Zeit-Koordinatensystem des Verstandes erweitern würden um das Zahl-Ton-Koordinatensystem der Seele? (S. 105)

„Im Anfang war die Harmonie“ (S. 140), harmonische Verhhältnisse. „Pythagoras sagte nicht, daß die Bewegungen der Himmelskörper eine Musik verursachen, sondern daß sie es selbst seien.“ (S. 152) „Gott schuf die Welt aus Musik!“ (S. 155)

Der Begriff der SPHÄRE ist ein zentraler Begriff der Wissenschaften. So unterteilen wir die“Biosphäre“ in Hydrosphäre (Wasser), Litosphäre (Erde) und Atmosphäre (Luft). Die „Heliosphäre“ (Sonne = Feuer) ist unser Sonnensystem. Und nicht zu vergessen die Begriffe „Geosphäre“ und „Ökosphäre“.

Ist es nicht bemerkenswert, wenn in der exakten Wissenschaft der Gegenwart immer wieder der Begriff der Sphärenharmonie auftaucht? (S. 163)

Und auch hier wieder die Zusammenfassung des Autors:

Man mag den weiten Weg unserer Betrachtung, die von Pythagoras bis zur Atomphysik geführt haben, mit Anteilnahme oder mit Skepsis gegenüber einer Realität der Sphärenharmonie verfolgt haben – einen Gewiss bedeutet alleine schon die Erkenntnis, daß das Spiel der Töne sich nicht auf rein physikalisch-akustischer Ebene vollzieht, sondern daß Kräfte des Geistes beteiligt sind, die ungeahnten seelischen Tiefen entsteigen und noch ihrer letzten Deutung harren. (S. 165)

3. Teil: Magische Musik

Musik wird magisch durch ihre Wirkung. Hierbei hebt der Autor die heilende Wirkung der Musik hervor, die Musiktherapie. Schon NOVALIS meinte: „Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung. Je kürzer und dennoch vollständiger die Auflösung, desto größer das musikalische Talent des Arztes.“ (S. 234)

Auch dieser Aspekt ist wieder bei Pythagoras und den Pythagoräern anzutreffen: „Die seelisch Kranken tröstete er mit Musik, er hatte auch Lieder gegen körperliche Leiden, zum Vergessen der Trauer, zur Stillung des Zorns und Austilgung der Leidenschaften.“ (nach Prophyrius, S. 235). Bei ihnen war „Musik als Heilfaktor“ gesehen.

Die „magische“ Musik, geboren aus dem Aberglauben, dem Primitivismus, hat in der Musikheilkunde ihren höchsten Ausdruck gefunden. (S. 247)

4. Teil: Spirituelle Musik

In diesem letzten Teil folgt der Autor der Rolle der Musik im Bereich der Spiritualität. So betrachtet er MEDITATION als „heimliches Lauschen“, die „Versenkung in die eigene Innerlichkeit“ (S. 258). Er öffnet damit die Thematik, ob man die kosmische Sphärenmusik wirklich HÖREN könne. Er geht dem Phänomen nach, dass viele Menschen (z.B. Nonnen, Spiritiisten, aber auch Komponisten) „rätselhafte Musik“ wie Sterbeklänge oder Traumklänge hören können. Mozart hat „viele (!) seiner Werke geträumt“. Es ist letztlich Ausdruck von HELLHÖRIGKEIT, einem höheren Sinn, den auch Pythagoras in seiner Mysterienschule lehrte.

Umgekehrt gilt auch, dass der „Tonsetzer auf einer Stufe mit dem ‚Medium‘ der okkulten Sphären steht“ (S. 295) und „daß der melodische Einfall, ‚direkt aus dem Äther kommend‘, absolute Offenbarung letzter Geheimnisse ist“ (S. 301).

Damit schließt sich der Kreis, der vom Menschen über die Natur zum Kosmos führt und vom klangerfüllenden Universum wieder zurück zum schaffenden Künstler … nun ahnen wir in Gläubigkeit, welche Bedeutung die ‚Harmonie der Sphären‘ für die irdische Harmonie gewinnt … (S. 304 f.)

Der Urton ist „die Uridee alles musikalisch-Schöpferischen“ (S. 305) Bei dem disharmonischen Getöse und Krach in der Welt hofft der Autor auf eine „Revolution der Seele“, um unser Leben wieder in Harmonie mit der göttlichen Ordnung zu bringen.

Mein Fazit: Als Musikwissenschaftler gelingt es Fritz Stege den mystische und magische Aspekt harmonischer Musik aufzudecken. Er versöhnt das Okkulte mit der Wissenschaft über die Musik. Umgekehrt aber auch die Weltgesetze als musikalische Ordnung zu interpretieren. „Im Anfang ist die Harmonie“ ist eine Aussage, die unser rationales Weltbild (in Raum-Zeit-Strukturen eingebettet) erschüttern kann. Jenseits der Raumzeit liegt die Sphärenharmonie als Klang und Zahlensymbolik. Das Buch ist auch eine großartige Bestätigung der Lehre des Pythagoras und der Pythagoräer.

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Christoph Riedweg: PHYTAGORAS

Untertitel: Leben – Lehre – Nachwirkung

Es fällt mir nicht leicht, dieses Buch zu besprechen. Doch in meiner kleinen Reihe von Pythagoras-Büchern darf dies nicht fehlen. Es ist ein Standardwerk der heutigen Wissenschaft über Pythagoras. Eigentlich bespreche ich hier nur Bücher, die mich wirklich begeistern. Das tut dieses Buch in keiner Weise. Es ist mühsam zu lesen und bringt mir Pythagoras keinen Millimeter näher. Deswegen will ich meinen – zugegeben etwas bissigen – Kommentar zum Buch auch gar nicht erst als „Buchbesprechung“  ausgeben.

Ich weiß das Buch zu schätzen. Der Altphilologe Christoph Riedweg hat hier aus wissenschaftlicher Sicht sicher ein Optimum „herausgeholt“. Das ganze Unverständnis des Buches – aus meiner Sicht – ist nicht dem Autor geschuldet, sondern seiner auf das Rationale begrenzten wissenschaftlichen Weltsicht. Er hatte wohl eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen, die ihn als Meister altgriechischer Philologie ausweisen konnte. Das Buch ist gefüllt mit Quellenangaben und ist sicher eine gute Quelle, um hier im Sinne eines wissenschaftlichen Apparates zu Pythagoras fündig zu werden. Vielmehr kann ich dem Buch allerdings auch nicht abgewinnen.

Das Buch ist allerdings das komplette Kontrastprogramm zum von mir davor beschriebenen > Buch Pythagoras von Konrad Dietzfelbinger. Vergleicht man alleine die pythagoräische Essenz des Tetraktys bei Dietzfelbinger (S. 42 – 50) und bei Riedweg (S. 110 – 111), so liegen Lichtjahre dazwischen. Riedweg hat ganz und gar keinen Zugang zur Symbolik von Zahlen – bzw. überhaupt zum symbolischen Denken (geschweige denn zur Mystik). Bei allen zugänglichen Quellen, die er flohbeinchen-zählend zusammen getragen hat, ist ihm die Lehre des Pythagoras ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. (Hier wird mir deutlich, wie sinnvoll es bei den Pythagoräern war, ihre Lehre geheim zu halten. Bei einer seelenlosen Annäherung an eine Seelenlehre kann ja nur Unverständnis und Verachtung heraus kommen.)

Und wenn man keinen Zugang zu Pythagoras hat (wie die von der Spiritualität getrennte heillose und unheilige „Wissenschaft“), dann kann wohl kaum mehr herauskommen als eine Demontage des Pythagoras. Doch auch hier gilt wie für jeden Kritiker (ich schließe mich dabei nicht aus): Die Kritik sagt mehr über den Kritiker (hier Riedweg) aus als den Kritisierten (hier Pythagoras). Wer keinen Zugang zur Seele und zur geistigen Seelen-Welt hat, der kann den Philosoph der Seele auch nicht verstehen. Wie kann man ein Buch über etwas schreibe, das man in seiner Essenz nicht versteht? Wenn ich das Buch jetzt etwas bissig interpretiere: Pythagoras sei ein Sektenführer, Betrüger und Scharlatan. Er sei nicht einmal ein Denker, weil er alles von anderen übernommen hat und ansonsten nur fromme Sprüche klopft. Und überhaupt: Wenn bei Pythagoras irgendetwas Geistreiches festzumachen ist, dann ist es sowieso von Platon (das nachweisen zu wollen, ist nicht ganz so einfach, lebte Pythagoras doch grob ein Jahrhundert vor Platon). Wenn wir Pythagoras und Platon heute an einen Tisch setzen könnten und fragten, was von wem sei, würden sie uns nur wie Narren und Dummköpfe ansehen. Für WEISHEIT gibt es keine Urheberrechte. Alleine schon dieses „Auseinanderdividieren-Wollen“ zeigt den begrenzten Horizont der Wissenschaft. (Für mich sind Sokrates, Platon und Aristoteles die „Dreifaltigkeit der Weisheitslehre des Pythagoras“.)

Mein Fazit: Das Buch kommt mir vor wie die Überarbeitung einer wissenschaftliche Abschlussarbeit (Promotion?). Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt der Prüfer das Buch vollständig gelesen und alle Quellverweise nachgeprüft hat. Es ist ungenießbar (wahrlich kein Lesegenuss). Aber so ist seelenlose, sinnentleerte  Wissenschaft. Das Buch ist für mich ein Paradebeispiel dafür, was dabei heraus kommt, wenn Wissenschaft sich Metaphysik und Mystik nähert – wie ein Schwarz-Weiß-Sichtiger den Farben des Lichtes.

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Konrad Dietzfelbinger: Pythagoras

Untertitel: Spiritualität und Wissenschaft

Dieses Buch von Konrad Dietzfelbinger wird von den aktuelll verfügbaren Büchern über Pythagoras wie kein zweites gerecht. Er nimmt Pythagoras als den Weisen wahr, wie „die Alten“ die großen spirituellen Meister gesehen haben: als Abgesandte einer geistigen Welt. Er interpretiert Pythagoras so, wie ein Pythagoräer ihn interpretieren würde. Er achtet sowohl die spirituelle Tiefe des Pythagoras als auch seinen Beiträge zur Begründung der abendländischen Wissenschaft. Mehr noch: In Pythagoras kann die spirituelle Tiefe „heiliger“ Wissenschaft noch nachvollzogen werden. So habe ich die Interpretation der Zahlenmystik, des „Tetraktys“, nirgends so tiefsinnig interpretiert gefunden wie in diesem Buch.

Wenn man Pythagoras gerecht werden will, so muss man ihn aus dessen Bewusstseisstand heraus interpretieren. Und das ist Konrad Dietzfelbinger meisterhaft gelungen. All diese Rätsel um Pythagoras, seine Abstammung von Appolon und die jungfräuliche Geburt durch seine Mutter werden in der Symbolik des damaligen Zeitgeistes interpretiert. Es war noch ein Zeitalter der Gleichnisse (wie wir es von Jesus auch kennen), Wundertaten waren nicht wörtlich zu verstehen, sondern in der Bildersprache der Seele. Wer dazu keinen Zugang hat, der findet auch keinen Zugang zu Pythagoras. Umgekehrt ist das Buch von Konrad Dietzfelbinger auch als eine Einführung in diese symbolische Seelensprache der damaligen Zeit zu lesen. Wir können auch Jesus als Wundertäter besser verstehen.

1. Die Herausforderung des Pythagoras

Pythagoras hat bei den Lehrstühlen der Universitäten bis heute noch nicht die Anerkennung erhalten, die er verdient und ist sehr umstritten. Die nach ihm großen anerkannten Philosophen Sokrates, Platon und Artistoteles haben Schriften von Pythagoras gelesen und waren in seine Lehren eingeweiht. Der Autor Konrad Dietzfelbinger weist zu recht darauf hin:

Es sind uns zahlreiche Zeugnisse über Pythagoras erhalten, mehr als über viele andere große Männer der Antike in diesen Jahrhunderten. (S. 22)

Daran kann es also nicht liegen. Es ist nicht Pythagoras als Wissenschaftler und Philosoph, sondern es ist der spirituelle Meister (als Abgesandter der geistigen Welt), der über den Horizont der Lehrstuhlinhaber hinaus geht und strittigen Widerspruch auslöst. Pythagoras war von seinen Zeitgenossen so hoch geachtet, als „Personifizierung Gottes“ gesehen,  dass er sogar eine Lichtgestalt wie Jesus in den Schatten zu stellen scheint. Er war neben Buddha und Laotse die Bewusstseinsgestalten, die im 6. Jh. v.Chr. die Menschheit auf dem Planeten Erde auf ein höheres Bewusstseins-Niveau führten. So wie man den Einfluss Buddhas und Laotses nicht hoch genug einschätzen kann, so auch nicht den Einfluss des Pythagoras auf die Entfaltung der abendländischen Kultur.

Der Autor schreibt:

Mit all diesen Eigenschaften ist ein solcher Mensch wie ein göttliches Wesen – oder besser: Es ist wie wenn ein göttliches Wesen, ihm bewusst geworden, in ihm und durch ihn wirkte. Die wahre Natur des Menschen, Ebenbild Gottes zu sein, hatte sich in Pythagoras entfaltet und seine gewöhnliche Identität, seine sterbende Persönlichkeit, durchdrungen.
(S. 64)

Für unsere Hochschulgelehrten ist das denn doch zu viel des Guten.

Pythagoras war in Samos selbst in einer kulturellen Hochburg Griechenlands (an der türkischen Küste) aufgewachsen und bereitete sich schon als junger Mann durch Reisen auf seine Berufung vor, das menschliche Bewusstsein auf eine neue Bewusstseinsstufe zu führen. Er lernte bei Thales (von Milet), besuchte Mysterienschulen in Phönizien, Ägypten und Babylon. Er war in die „Geheimwissenschften der Priester“ eingeweiht, besuchte „Priesteruniversitäten“.

Fest steht, dass Pythagoras im Orient einen vollständigen Einweihungsweg durchlaufen und dabei auch alle wissenschaftlichen Kenntnisse der damaligen Zeit erworben hat. (S. 39)

Das war seine Ausbildung als „Gesandter aus der Welt des Geistes“ (S. 40), bevor er selbst eine Mysterienschule begründen konnte. In dieser „Integration“ damaliger Mysterien und heiliger Wissenschaften entwickelte Pyphagras:

  • eine Zahlenmystik und heilige Geometrie
  • eine Astrologie der Sphären-Musik und Harmonie
  • eine Naturphilosophie, die auf Beziehungen und Verhältnisse beruhte
  • eine Theorie der Weltenseele einschließlich der (Re-)Inkarnation
  • eine Pädagogik der Führung der Kinder in die göttliche Ordnung
  • ein Heilkonzept über harmonische Klänge
  • eine Politik des Friedens und des Ausgleichs
  • eine Prognostik als Kunst des Vorhersagens
  • einer Gemeinschaft von Freunden
  • einer esoterische Mysterienschule der „verschworenen Gemeinschaft“
  • eine gesunde, natürliche Lebenspraxis und Lebensführung einschließlich Ernährungslehre

Kurz: Es ist eine holistische und integrale Weltsicht, wie es wohl keine mehr nach Pythagoras in dieser Breite und Tiefe gegeben hat. Sie war tief begründet in der geistigen Welt. Es waren die letzten Jahre, in denen auch die Wissenschaft noch „heilig“ war, ein Abbild und Verehrung göttlicher Ordnung. Ein „Wiedererinnern“ dieser großen Weisheit der Menschheit in Gestalt des Pythagoras noch ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt ist heute dringender denn je.

2. Die spirituelle Schule des Pythagoras

Pythagoras hatte durch seine Bildungs-Reisen „die Bahn geschaffen, auf der andere, Schwächere, ihm nachfolgen konnten.“ (S. 69)

Er baute eine Mysterienschule auf und leitete sie, eine spirituelle Schule, eine Philosophenschule, wie man es auch nennen will: eine Institution, in der Menschen, die das wollten und die geeigneten Voraussetzungen mitbrachten, unter seiner Anleitung und unterstützt von seinen Kräften ihrerseits ihr wahres, spirituelles Selbst entfalten konnten.
Im Rahmen des Weltbildes und der Erfahrungen des Pythagoras und der Alten sind Einrichtungen wie Mysterienschulen etwas sehr Folgerichtiges, Selbstverständliches, ja Notwendiges. (S. 69)

Es brauchte seine Zeit, bis Pathagoras in Kroton (einer griechischen Kolonie in Süditalien) mit seiner Schule Fuß fassen konnte. Er hielt vier programmatische Reden an die jungen Männer, an den Senat, an Knaben und Frauen und wurde in Kroton mit Begeisterung aufgenommen. Hier fiel der Samen auf fruchtbaren Boden.

Es gab einen „inneren Kreis“ der Eingeweihten (die „Esoteriker“) und einen „äußeren Kreis“ der Novitzen (die „Exoteriker“). In diesem Sinne ist Pythagoras auch die Gründer der Esoterik, die eigentliche Mysterienschule. Es gab für die Schüler bestimmte Rituale und Lebensregeln, Weisheitssprüche (die Akusmata zum Hören und Einschwingen) und Lehrsätze (die Mathemata zum Lernen und Wiedererinnern der Seele) –  über Arithmetik (Zahlen), Geometrie, Astronomie, Musik und Heilkunde. Das waren sozusagen die „Hauptfächer“ der Schule des Pythagoras.

3. Die Goldenen Verse

Die Interpretation der 71 „Goldenen Verse“ sind der Hauptteil des Buches. Hierin ist die Essenz der Lehre und der Lebenspraxis der Pythagoräer zu finden. Es ist sozusagen das Programm der Selbst-Bildung zum spirituellen Menschen zur Erreichung seiner „Seelenharmonie“. Auch wenn der Autor zugeben muss:

Damit ist nicht gesagt, dass die Goldenen Verse in genau der Formulierung, wie sie uns überkommen sind, von Pythagoras artikuliert wurden, auch nicht, dass Pythagoras sie selbst schriftlich niedergelegt hätte. (S. 167)

Diese 71 Verse stellen eine „Landkarte der geistigen und seelischen Welt“ dar und empfehlen „didaktisch aufgebaute Schritte“, den Seelenweg zu gehen. Sie enthalten zwei Teile (Vers 1 – 46 / Vers 48 – 71) und in der Mitte (Vers 47) steht der „Eid des Pythagoras“, der Schwur der verschworenen Gemeinschaft auf den Tetraktys (die Vierheit der Seele).

In ersten Teil der Verse geht es darum, dass der „Schüler“ seine Stellung in der Welt als spirituelles Wesen versteht: die Struktur der geistigen Welt mit Göttern, dem Jenseits und der Heroen; die Struktur der irdischen Welt mit „Eltern“ und Freunden und die neue Lebensführung mit ihren Tugenden und gewissen Lebensregeln.

Der Eid des Pythagoras stellt nach dieser Vorbereitung den Wendepunkt dar, um jetzt den Seelenweg gehen zu könne.

Eine totale Schwerpunktverlagerung also: Zuerst war die irdische Persönlichkeit führend und bereitete den Weg für die spirituelle Seele. Dann tritt die spirituelle Seele bewusst ins Dasein und ermöglicht dem Schüler die direkte Erfahrung der geistigen Welt, wodurch sich seine Persönlichkeit weiter verändert. (S. 228 f.)

Diese Umkehr kommt einer Neugeburt gleich, der „göttliche Mensch“ ist geboren. Die Verse gehen bis 71 bis zur „Auferstehung des Fleisches“, wie wir dies christlich formulieren:

Deshalb wird zum Abschluss der Goldenen Verse so sehr betont, dass der Mensch am Ende des spirituellen Weges „nicht mehr sterblich“ ist. (S. 255)

4. Gemeinschaftsleben und
Schicksal der Schule des Pythagoras

„Die Schüler des Pythagoras bildeten eine verschworene Gemeinschaft.“ (S. 260) Und der Begriff der „verschworenen Gemeinschaft“ hat heute noch die Aura eines unverbrüchlichen Freundschaftsbundes. Neben Kosmos, Harmonie und Esoterik führt die Verwendung des Wortes „Freundschaft“ auf Pythagoras zurück. Die in solchen spirituellen Gemeinschafen freundschaftlich verbundenen Menschen repräsentieren die GESUNDHEIT des Menschen im fünfzackigen Stern. Die vierfältige Seele hat in der Gemeinschaft ihre fünfgliedrige, ganzheitliche Seelenverfassung erfahren.

Diese Geheimhaltung war ein Schutz der Gemeinschaft und ein Schutz der Lehre, in der Spiritualität und Wissenschaft noch unverbrüchlich miteinander verbunden waren. Schon zu Lebzeiten des Pythagoras gab es Neider, die in den Bund nicht aufgenommen wurden und dann gegen die Pythagoräer hetzten. Pythagoras musste nach 2o auch politisch einflussreichen Jahren mit seiner Schule Kroton verlassen, begab sich nach Tarent und Metapont (beides noch in Süditalien).

Nach seinem Tod in hohem Alter von ca. 90 Jahren entzweiten sich die Pythagorärer in die Spirituellen und Wissenschaftler (um es grob zu sagen) und die heilige Einheit von Weisheit und Wissenschaft war entzweit. Trotzdem gab es immer wieder herausragende Persönlichkeiten, die sich auf Pythagoras beriefen – nicht zuletzt der große Astronom Johannes Kepler, der als „wiedergeborener Pythagoras verehrt wurde.

Mein Fazit: Wenn ich nur ein einziges aktuelles Buch von Pythagoras empfehlen dürfte, wäre es zweifellos dieses. Der Leser darf sich dabei auch auf eine spirituelle Abenteuerreise gefasst machen. Er sollte sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass „die Alten“ (zumindest die Meister) in ihrem Bewusstsein höher entwickelt waren als wir es heute sind. Und es ist kein Zufall, dass Pythagoras heute wieder in unser Bewusstsein drängt. Denn es wäre seine Botschaft bei der Lösung der Probleme unserer heutigen Zeit, Spiritualität und Wissenschaft wieder miteinander zu versöhnen und da anzusetzen, wo die Wissenschaft noch nicht vom Göttlichen getrennt war, sondern Ausdruck, eine höhere geistige Ordnung zu verstehen, wie es seine Lehre im 6. Jh. v.Chr. noch war.

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