Christoph Riedweg: PHYTAGORAS

Untertitel: Leben – Lehre – Nachwirkung

Es fällt mir nicht leicht, dieses Buch zu besprechen. Doch in meiner kleinen Reihe von Pythagoras-Büchern darf dies nicht fehlen. Es ist ein Standardwerk der heutigen Wissenschaft über Pythagoras. Eigentlich bespreche ich hier nur Bücher, die mich wirklich begeistern. Das tut dieses Buch in keiner Weise. Es ist mühsam zu lesen und bringt mir Pythagoras keinen Millimeter näher. Deswegen will ich meinen – zugegeben etwas bissigen – Kommentar zum Buch auch gar nicht erst als „Buchbesprechung“  ausgeben.

Ich weiß das Buch zu schätzen. Der Altphilologe Christoph Riedweg hat hier aus wissenschaftlicher Sicht sicher ein Optimum „herausgeholt“. Das ganze Unverständnis des Buches – aus meiner Sicht – ist nicht dem Autor geschuldet, sondern seiner auf das Rationale begrenzten wissenschaftlichen Weltsicht. Er hatte wohl eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen, die ihn als Meister altgriechischer Philologie ausweisen konnte. Das Buch ist gefüllt mit Quellenangaben und ist sicher eine gute Quelle, um hier im Sinne eines wissenschaftlichen Apparates zu Pythagoras fündig zu werden. Vielmehr kann ich dem Buch allerdings auch nicht abgewinnen.

Das Buch ist allerdings das komplette Kontrastprogramm zum von mir davor beschriebenen > Buch Pythagoras von Konrad Dietzfelbinger. Vergleicht man alleine die pythagoräische Essenz des Tetraktys bei Dietzfelbinger (S. 42 – 50) und bei Riedweg (S. 110 – 111), so liegen Lichtjahre dazwischen. Riedweg hat ganz und gar keinen Zugang zur Symbolik von Zahlen – bzw. überhaupt zum symbolischen Denken (geschweige denn zur Mystik). Bei allen zugänglichen Quellen, die er flohbeinchen-zählend zusammen getragen hat, ist ihm die Lehre des Pythagoras ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. (Hier wird mir deutlich, wie sinnvoll es bei den Pythagoräern war, ihre Lehre geheim zu halten. Bei einer seelenlosen Annäherung an eine Seelenlehre kann ja nur Unverständnis und Verachtung heraus kommen.)

Und wenn man keinen Zugang zu Pythagoras hat (wie die von der Spiritualität getrennte heillose und unheilige „Wissenschaft“), dann kann wohl kaum mehr herauskommen als eine Demontage des Pythagoras. Doch auch hier gilt wie für jeden Kritiker (ich schließe mich dabei nicht aus): Die Kritik sagt mehr über den Kritiker (hier Riedweg) aus als den Kritisierten (hier Pythagoras). Wer keinen Zugang zur Seele und zur geistigen Seelen-Welt hat, der kann den Philosoph der Seele auch nicht verstehen. Wie kann man ein Buch über etwas schreibe, das man in seiner Essenz nicht versteht? Wenn ich das Buch jetzt etwas bissig interpretiere: Pythagoras sei ein Sektenführer, Betrüger und Scharlatan. Er sei nicht einmal ein Denker, weil er alles von anderen übernommen hat und ansonsten nur fromme Sprüche klopft. Und überhaupt: Wenn bei Pythagoras irgendetwas Geistreiches festzumachen ist, dann ist es sowieso von Platon (das nachweisen zu wollen, ist nicht ganz so einfach, lebte Pythagoras doch grob ein Jahrhundert vor Platon). Wenn wir Pythagoras und Platon heute an einen Tisch setzen könnten und fragten, was von wem sei, würden sie uns nur wie Narren und Dummköpfe ansehen. Für WEISHEIT gibt es keine Urheberrechte. Alleine schon dieses „Auseinanderdividieren-Wollen“ zeigt den begrenzten Horizont der Wissenschaft. (Für mich sind Sokrates, Platon und Aristoteles die „Dreifaltigkeit der Weisheitslehre des Pythagoras“.)

Mein Fazit: Das Buch kommt mir vor wie die Überarbeitung einer wissenschaftliche Abschlussarbeit (Promotion?). Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt der Prüfer das Buch vollständig gelesen und alle Quellverweise nachgeprüft hat. Es ist ungenießbar (wahrlich kein Lesegenuss). Aber so ist seelenlose, sinnentleerte  Wissenschaft. Das Buch ist für mich ein Paradebeispiel dafür, was dabei heraus kommt, wenn Wissenschaft sich Metaphysik und Mystik nähert – wie ein Schwarz-Weiß-Sichtiger den Farben des Lichtes.

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