Ervin Laszlo: Zu Hause im Universum

Ervin Laszlo schreibt selbst über das Buch: „ZU HAUSE IM UNIVERSUM ist das Produkt einer über vierzigjährigen Such nach dem Sinn durch Wissenschaft.“ (S. 213) Er ist Systemtheoretiker, aber auch politisch engagiert als Mitglied des Club of Rome und Begründer des Club of Budapest. Er ist einer der ganz Großen der heutigen Zeit. Er hat sich an die „Theorie von allem“ schon in älteren Werken hingearbeitet.
Mit diesem Buch legt er die ausgereifteste Version vor.

Das Buch ist in meinen Augen viel näher an einer „Theorie von allem“ daran, als die Physiker selbst mit ihren GUTs (Grand Unified Theories). Der einzige, dessen Arbeiten man mit denen Ervin Laszlo vergleichen kann, sind die Arbeiten von Kern Wilber zu einer „Ingetraglen Theorie von Allem“ (Integral Theorie of Everything). Ist es nicht nahezu hochstablerisch vermessen, eine solche „Theorie von allem“ vorlegen zu wollen, wenn nicht einmal die Physik zu einer einheitlichen Theorie gefunden hat? – Das Gegenteil ist der Fall! Erst die Befreiung aus dem rein physikalischen Denken ermöglicht die Sicht auf das Ganze. Die Einheit des Ganzen kommt offensichtlich nicht aus der Physik.

Der Schlüssel, eine „Theorie von allem“ zu entwerfen, ist das FELD. Das Feld ist dabei nicht nur ein physikalischer Begriff, sondern auch ein Begriff, um das LEBEN und das BEWUSSTSEIN zu verstehen. Ja, letztlich ist auch die SEELE ein Feld.

Die Grenzen der traditionellen Wissenschaft

Die Wissenschaft hat seit Descartes/Newton nicht nur Geist und Seele aus ihrem Arbeitsgebiet entfernt, sondern auch die Frage nach dem Sinn, die Frage nach dem Warum? Die Aufgabe der Wissenschaft sei es, nur zu beschreiben (beobachten), aber nicht den Sinn zu erklären. Doch diese Selbsteinschränkung muss irgendwann an den Punkt kommen, dass zu viele Fragen unbeantwortet bleiben, weil sie die Tabuzonen berührt.

Laszlo stellt einen Katalog von „Rätseln der heutigen Wissenschaft“ auf, die mit dem gängigen „Paradigma“ offensichtlich nicht zu lösen sind; Rätsel in der Kosmologie, der Quantenphysik, der Biologie und der Bewusstseinsforschung. Alle diese Rätsel scheinen zu lösen zu sein, wenn man ein Medium im „leeren Raum“ annimmt, das Nicola Telsa schon postuliert hat und es „Akasha“, „Lichtäther“ nannte. Er erntete damit nur Spott.

Dieses Medium wird heute im „Quantenvakuum“ mehr und mehr beschreibbar.

Unsere kühne, aber logische Hypothese lautet also: Das Quantenvakuum ist ein holographisches Feld, das sowohl das verbindende Medium als auch das dauernde Gedächtnis des Universums darstellt. (S. 72)

Das A-Feld und die Akasha-Chronik

In einem Vorgängerwerk sprach Laszlo noch vom „Fünften Feld“, das alles vernetzende Feld über die 4 physikalischen Grundkräfte hinaus. Jetzt ist es das A-Feld, auch in Anlehnung an die „Akasha-Cronik“, dem „Äther“, dem gespeicherten Wissen in der indischen Philosophie. Es ist nicht mehr nur das fünfte Feld, sondern das „Feld Null“, das Nullpunktfeld.

Das Akasha-Feld mag eine uralte Überlieferung über zahllose Generationen darstellen, doch das nach ihm benannte A-Feld wäre eine radikale Neuerung in den modernen Wissenschaften. (S. 73)

Der Autor geht dann die Rätsel die Wissenschaften durch (Kosmologie, Quantenphysik, Biologie, Geisteswissenschaften und Bewusstseinsforschung), um zu klären, inwiefern das A-Feld diese Rätsel lösen kann und postuliert unter anderem:

Der Schlüssel ist hier die Erkenntnis, dass das Gehirn keine biomechanische Maschine ist. Es ist vielmehr, ganz ähnlih wie der gesamte Organismus, ein „makroskopisches Quanten-system. …
Ist das Gehirn ein solches Quantensystem, dann empfängt und sendet es qiasi augenblicklich Informationen – genauer gesagt „In-Formationen“ -, indem es sich in das Feld einschaltet, das sowohl Quanten als auch Galaxien, Organismen und das ganze Netzwerk des Lebens verbindet. Dieses A-Feld vernetzt die Gehirne und den Geist der Menschheit – es ist unser gemeinsamer Informationspool. Es ist Carl Jungs kollektiv Unbewusste, Teilhard de Chardins Noospäre, das Quantenfeld von Wissenschaftlern wie Erwin Schrödinger, David Bohm und Henry Stapp.“ (S. 134)

Für die Kosmologie erklärt dieses A-Feld die faszinierende Feinabstimmung unseres Universums. Dieses A-Feld ist von den Vorgänger-Universen „in-formiert“, so dass mit dem „Urknall“ ein ganzes „kosmisch-genetisches Erbe“ mitbekommen hat – im A-Feld in-formiert:

Alle Universen, die je existiert haben und je existieren werden, müssen aus dem Quantenvakuum erwachsen und wieder darin zurückkehren. (S. 140)

Das A-Feld kann auch vieles in der lebenden Welt erklären. Es erklärt das Holo-Feld des Lebens, das alles Leben ein „umfassendes Hologramm des Gesamtorganismus“ (S. 141) ist. So wäre zu erklären, dass „das Universum ein hoch integriertes kohärenten System, ganz ähnlich einem lebenden Organismus“ (S. 144) ist. Der Lebens-Code von anderen kosmischen Orten kann über das A-Feld auch das werdende Leben auf der Erde in-formiert haben.

Aus alledem ergibt sich eine

Neue Vision der Wirklichkeit

Das in-formierte Universum ist ein Universum, in dem das A-Feld ein reales und bedeutendes Element darstellt. Dank dieses Feldes ist dieses Universum von unfassbarer Kohärenz. Alles, was sich an einem Ort ereignet, geschieht auch an anderen Orten. Nichts ist „lokal“, nichts ist auf den Ort beschränkt, wo es sich zuträgt. Alles ist global, in der Tat kosmisch, denn die Erinnerung aller Dinge erstreckt sich über alle Orte und Zeiten. Dies ist das Konzept des in-formierten Universums, die Weltanschauung, die die Wissenschaft und Gesellschaft der kommenden Jahrzehnte prägen wird. (S. 147)

Die Antwort des Autors auf die „vielleicht größte der ‚großen Fragen‘: Woher kommt das Universum?“ (S. 153)  lautet:

Da dies (die Serie der Multiversen im „Vor-Raum des Metaversums“ – JS) kaum ein glücklicher Zufall gewesen sein kann, müssen wir also zugeben, dass es einen ursprünglichen schöpferischen Akt gegeben haben muss: die „Konstruktion“ des Metaversums“ (S. 158)

Also, ein göttliches „Wesen“ als „Konstrukteur“. Und was ist die Bestimmung des Universums? „Wenn wir diese Frage betrachten, müssen wir erkennen, dass wir nach der Bestimmung, nicht dem Schicksal des Universums fragen.“ (S. 162)

Ganz ähnlich wie das Quant die freie Wahl unter erlaubten Möglichkeiten hat, bis eine Wechselwirkung seine Wellenfunktion auflöst, wird der Kosmos keinen bestimmten Endzustand einnehmen, bevor er tatsächlich dieses Ende erreicht. (S. 163)

Ist also das Erreichen eines physikalisch-biologischen-psychologischen Universums der tiefere Sinn der Evolution, vielleicht gar der Sinn der Existenz des Metaversums?  Möglicherweise, vielleicht sogar wahrscheinlich, doch die endgültige Antwort bleibt der Wissenschaft verschlossen, ebenso wie sie jedem anderen rationalen Zugang diesseits von mystischer Eingebung und prophetischer Erkenntnis verschlossen ist. (S. 165)

Die nächste große Frage, die Laszlo behandelt: „Gibt es Leben anderswo im Universum?“
Seine Antwort:

Im in-formierten Universum ist die Existenz von Leben und fortgeschrittenen Zivilisationen bei weitem wahrscheinlicher als in einem nicht in-formierten Universum. Über das A-Feld informiert und erleichtert Leben an einem Ort der Evolution die Evolution von Leben an anderen Orten, so dass die Evolution niemals bei null anfangen muss. …
Das Leben auf der Erde ist keiner biologischer, sondern einer informationellen Saat entsprungen. (S. 171)

Für unsere Evolution als Menschen und jeden einzelnen ist es wichtig „ein Gespür für das A-Feld zu bekommen“ (S. 173) Das könnte dazu führen, dass wir „mit intuitiver Sicherheit Lösungen finden, die schon bewährt und bewiesen sind – wenn auch anderswo in unserer Galaxie“ (ebenda).

Die vielleicht letzte der großen Fragen ist die Frage „nach dem wahren Gesicht der Wirklichkeit“ (S. 177)

Die Antwort auf diese uralte Frage ist heute relativ einfach. Die primäre Realität ist das Quantenvakuum, das energie- und informationserfüllte Plenum, das unserem Universum und allen anderen Universen innerhalb es Metaversums zugrunde liegt. …
Die physische Welt ist demnach eine Reflexion der Energievibrationen, die aus einer subtileren Welt zu uns gelangen, die wiederum Reflexionen eines noch subtileren Energiefeldes sind. Die Schöpfung und alle Existenz danach kommt herab und heraus aus dieser Urquelle. (S. 177)

Nach der Beschreibung der wichtigsten Eigenschaften der „primären Wirklichkeit“ (S. 179 f.) folgt der Satz:

Nullpunktenergien, das Gravitationsfeld, elektromagnetische und nukleare Felder, nicht einmal das A-Feld sind jedoch unabhängig. Auch sie nicht nicht die primäre Wirklichkeit: Sie sind Effekte eines fundamentaleren gemeinsamen Mediums. Wir haben keinen Namen für dieses Medium, doch es ist wirklich; und es ist fundamentaler als alles andere in diesem und jedem anderen Universum. (S. 180)

Laszlo diskutiert dann noch menschliches und kosmisches Bewusstsein, das diese „primäre Wirklichkeit“ noch genauer beschreibt:

Das Feld des kosmischen Bewusstseins, das sie (die Suchenden, JS) erfahren, ist eine kosmische Leere, die paradoxerweise zugleich eine essentielle Fülle ist. Obwohl sie nichts konkret Manifestes enthält, ist alles Dasein in ihr potentiell vorhanden. Das Vakuum, das diese Menschen erfahren, ist ein Plenum: Nichts fehlt darin. Es ist die tiefste Quelle des Daseins, die Wiege allen Seins. (S. 195)

Mein Fazit: Ich glaube, wir haben diesen Sprung ins neue Weltbild vollzogen, wenn wir in unserem Bewusstsein „Zuhause“ angekommen sind: Zuhause im Universum. Es ist kein kalter, toter Ort, der uns feindlich gesonnen ist, sondern unser Zuhause. Wir sind keine zufälligen und möglicherweise gar Missbildungen in diesem unendlichen All, sondern Kinder einer allumfassenden Gottheit. Unser altes, inneres und mythisches Wissen darum findet immer mehr auch wissenschaftliche Anerkennung. Die großen Supermächte des menschlichen Denkens, Wissenschaft und Spiritualität, versöhnen sich wieder.

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