Frederic Lionel: Die heilige Astrologie

Untertitel: Kosmische Architektur – Einsichten in eine verborgene Welt

Das Buch von Frederic Lionel geht auf die Uranfänge abendländischer Astrologie zurück, die der legendären Gestalt Toth Hermes Trismegistos zugeschrieben wird,
deswegen spricht man auch von „hermetischer“ Astrologie noch jenseits der Archetypen.
Diese Astrologie ist „heilig“, weil sie noch ganzheitlich war, es noch keine Trennung zwischen Astrologie und Astrono-mie gab. Aufgabe der ursprünglichen, babylonischen Astrologie war noch, Zugang zur überweltlichen Ordnung, zur transzendenter Harmonie herzustellen. Diese Astrologie war noch zweckfrei. Es ging weder um Horoskope noch um Vorhersagen. Es ging ausschließlich darum, die Struktur des Universums zu verstehen und keine Schicksale zu manipulieren.

Die Heilige Astrologie hingegen bemüht sich um die wirkliche Vermittlung der Botschaft einer alles umfassenden Ordnung. (S. 26)

In Ägypten wurde die Astrologie dann zur Geheimwissenschaft der Priesterastrologen der letzten Pharaonen-Dynastien ausschließlich für die Pharaonen und die Weissagung ihres Schicksals. In Griechenland wurde die Astrologie „demokratisiert“, wurden jedem zugänglich. Im römischen Reich wurden Horoskope zu einem lukrativen Geschäft. „Horoskophändler erwarben großen Reichtum. Es kam zu Auswüchsen, die viel Unheil stifteten.“ (S. 36) Es sind in der Zeit sicher viele Menschen ermordet worden, um einem geweissagten Schicksal entgehen zu können.

Die Auswüchse astrologischer Praktiken nahm die junge christliche Kirche zum Anlaß, die Astrologie, deren heidnisch-teuflischen Einfluss den Gläubigen nur verblenden konnten, zu verbieten und ihre Betreiber zu ächten. (S. 37)

Heilige Astrologie und Zahlenmystik

Folgende Sätze sind für mich so fundamental, dass ich sie sehr ausführlich zitieren möchte:

Wir sind heute gewohnt, Zahlen lediglich quantitativ zu gebrauchen und zu sehen. Unbekannt scheint uns geworden zu sein, daß jede Zahl auch qualitativ erfahren werden kann. Letzteres zeigt sich in der auf Pythagoras zurückgehenden Zahlenmystik, deren Symbolik in streng ästetischem Sinn den Gesetzen der Harmonie Ausdruck verleiht. Zahlen als solche bleiben rein numerische Zeichen, geometrische Formen dagegen verbildlichen ihre Proportionen. Meditierend, im Spiel der Zahl ihr mystisches Element erkennend, offenbaren sich uns Beziehungen, die dem Lebensrhythmus auf allen Ebenen der geoffenbarten Welt ihre Wirkungskraft zueignen. Letztlich bleibt der nur quantitativ betonte Umgang mit der Zahl ein rein mechanisch-materielles Verhalten, während das Erfassen der qualitativen Zahlenstruktur zur eigentlichen Lebensdynamik führt. Entspringt alles Geschehen dem Wort, wird Zahlenmystik zum Bindeglied zwischen beiden. Heilige Astrologie – grandiose Vision einer „überweltlichen“ Ordnung – übermittelt ein Weltbild, in dem Philosophie, Naturwissenschaften, Religion, Psychologie und alle Künste, harmonisch untereinander verbunden, eine Einheit bilden. (S. 45)

Astrologische Zeitalter

Der Ansatz der Heiligen Astrologie finden wir im „kosmischen Jahr“, einem Zyklus von ca. 25.778 Jahren (aktuell exakte Berechnung).

Pythagoras soll den Zyklus von 25.92o Jahren als „kosmisches Jahr“ bezeichnet haben und die Zwölfteilung dieser Periode als den „kosmischen Monat“. (S. 67)

Ein kosmischer Monat ist das, was wir ein „astrologisches Zeitalter“ nennen. Bekanntlich sind wir heute am Beginn des Wassermann-Zeitalters.

Die 12 Tierkreiszeichen im Jahreszyklus beginnen mit Widder – Stier – Zwillinge – Krebs – Löwe – Jungfrau – Waage – Skorpion – Schütze –  Steinbock – Wassermann – Fische. Der Zyklus der astrologischen Zeitalter ist „rückläufig“ und beginnt mit Jungfrau –  Löwe – Krebs – Zwillinge – Stier – Widder – Fische – Wassermann – Steinbock – Schütze – Skorpion – Waage. Deswegen war das letzte astrologische Zeitalter das der Fische, das aktuell beginnende Wassermann und das künftige das Steinbock-Zeitalter.

Es hat eine ganz besondere Bedeutung wenn der „große Zyklus“ eines kosmischen Jahres mit der Jungfrau beginnt und mit der Waage endet.

Am Anfang ist die empfangsbereite Jungfrau und keinesfalls der zustoßende Widder. All das ist vieldeutig zu deuten. „Der Symbolgehalt der Jungfrau ist vielschichtig und ohne Möglichkeit der exakten Deutung.“ (S. 69) Und plötzlich bekommt die Geburt des Jesus durch die Jungfrau Maria eine kosmische Dimension, ist eine Manifestation der Heiligen Astrologie. Denn in der Heiligen Astrologie steht das Urweibliche am Anfang, ist durch patriarchalische Verzerrungen griechischer Mythologie noch nicht verzerrt. Die Jungfrau ist das Symbol göttlicher Potenz. Am Ende des Zyklus der Heiligen Astrologie steht die Waage, die Wiederherstellung des Ausgleichs, die kosmischen Harmonie. Jungfrau und Waage sind keine Tiere in den „Tierkreiszeichen“. Auch der Wassermann ist kein Tier, ein tiefes Symbol der Einheit von Männlichem und Weiblichem.

Die archetypische Astrologie des Jahreszyklus um die Sonne teilt den Zyklus in 4 Quadranten mit jeweils 3 Tierkreiszeichen ein: den körperlichen Quadranten (Widder, Stier, Zwillinge), den seelischen Quadranten (Krebs, Löwe, Jungfrau), den geistigen Quadranten (Waage, Skorpion, Schütze) und den spirituellen Quadranten (Steinbock, Wassermann, Fische).
Die Heiligen Astrologie des kosmischen Jahres dagegen unterscheidet 3 große Etappen (die „kosmische Triade“) durch 4 Stufen:  die Etappe der Involution (Jungfrau – Löwe – Krebs – Zwillinge), die Etappe der Evolution (Stier – Widder – Fische – Wassermann) und die Etappe der Initiation (Steinbock – Schütze – Skorpion – Waage). Demnach sind wir mit dem Wassermann-Zeitalter am Ende der Etappe der Evolution. Es ist das Zeitalter des Dramas der Dualität und der Polarität. In der Etappe der Initiation (mit dem Steinbock-Zeitalter) wird die Menschheit durch die Verschmelzung der Dualität und Polarität göttlich.

Die 10 pythagoräischen Lehren

Alleine die bisherige Besprechung des Buches zeigt sicher seine Tiefe. Die 186 Seiten (inkl. Anmerkungen) sind Essenz und kaum noch einmal zusammen zu fassen. Ich wage es, indem ich die 10 Buchkapitel in 10 pythagoräische Lehrsätze bringe:

  1. Die Harmonie und der Rhythmus des Kosmos offenbart sich uns in der Heiligen Astrologie, der Zahlenmystik, der Heiligen Geometrie, der Musik als „sphärischer Gesang“. „Rhythmus ist durch eine dynamische Aufeinanderfolge von Impulsen gekennzeichnet. Jede Aufeinanderfolge entspricht einer Frequenz, die sich in Zahlen ausdrücken lässt.“ (S. 46)
  2. Die zentralen (alchemischen) Gesetze sind das Gesetz der Analogie, das Gesetz der Umkehrung und das Gesetz der Verschmelzung. „Das ganze Universum lässt sich symbolmäßig entziffern.“ (S. 53)
  3. Der Zodiak ist ein Kreis und symbolisiert (wie ein Mandala) das „Urprinzip der kosmischen Bewegung“. „Ließe sich das Wort TIER mit dem Wort ZYKLUS ersetzen?“ (S. 139) „Bewegungslos in seiner Bewegung, wird der Punkt zum Kreis – ohne Anfang und ohne Ende.“ (S. 81)
  4. Aus der natürlichen Zukunftsangst des Menschen wird das Vorhersagen der Heiligen Astrologie zur Klärung des göttlichen Potenzials in jedem Augenblick und Entscheidungshilfe, den göttlichen Plan zu erkennen und zu manifestieren. „Mit einer derartigen Schulung der Sinne und des Geistes würden jene schöpferischen Kräfte freigesetzt, die sich nur den bereits im Universum waltenden schöpferischen Kräfte anschließen brauchten, damit Energien wirksam werden, die nicht nur ein Menscheitsproblem wie das unsrige heute lösen, sondern mithelfen,das Reich Gottes auf Erden zu offenbaren.“ (S. 100)
  5. Magie ist eine höhere Naturwissenschaft. Der wahre Magier bringt „die Ordnung des Makrokosmos mit den Gegebenheiten des Mikrokosmos“ (S. 109) in Einklang. „Jede dem göttlichen Gesetz zuwiderlaufende Beweggrund wird entsprechend, wenn überhaupt, nur kurzfristig von Erfolg sein.“ „Alchimie war und ist die Wissenschaft der Wandlung … Kein Sterblicher vermag es – aber ein Unsterblicher soll es versuchen, und unsterblich ist das SEIN in jedem. Ihm die Zügel zu überlassen, heißt zu lernen, lebend zu sterben.“ (S. 111)
  6. Das Drama der Dualität ist eine göttliche Komödie, um aus der Tierseele (Tierkreiszeichen) als Kreatur zum wahren Menschen zu erwachen. Die Dualität ist ein Versteckspiel der Einheit, um im Menschen erkannt zu werden. „Alle Dinge, die in Erscheinung treten, haben als Erscheinung zwei Seiten, zwei Aspekte, zwei Pole. Doch bereits dies ist ein weiter Weg, den Erkenntnis zurückzulegen hat, um von der erdrückenden Fülle der Gegensätze zum Prinzip der Polarität zu gelangen …“ (S. 121) „Das Sein und die Kreatur … sei eine unteilbare Dualität im In-dividuum.“ (S. 122)
  7. Alles Lebende ist EINS in der Weltenseele. „Das Drama der Dualität verfängt sich in den Erscheinungen, doch Gott fängt es auf. Unter dieser Voraussetzung entstehen die Phänomene, unter diesen Voraussetzungen wandeln sie sich, nur unter diesen Voraussetzungen wird der Gedanke des alchemischen Prozesses in der Entwicklung der Menschheit verständlich.“ (S. 135) „Es gibt nichts Verborgenes, dass nicht offenbar werden sollte.“ (S. 146)
  8. GLÜCK ist das Erleben des Schönen, Guten und Wahren. Wir heilen, werden ganz und als Menschen heilig, wenn wir wieder zu diesem Einklang des Schönen, Guten und Wahren finden. Es ist die Essenz unserer Seele. Sie ist schön, gut und wahr. „Der initialische Weg passiert die Gegensätze dieser Welt, als seinen sie der Weg selbst. … Es sind keine unversöhnliche Gegensätze, ihre Versöhnung ist immer schon gegeben. Nur sehen wir sie nicht, andere haben sie gesehen, die Heilige Astrologie hat sie gesehen.“ (S. 151)
  9. Die Schöpfung als allgegenwärtige Bewegung, als Bewegung des All ist Abstieg und Aufstieg der Seele. Auch die astrale Welt hat einen Lebensrhythmus. Die göttliche Einbildungskraft ist die Urkraft, die sich in die Formen einbildet. Unsere Einbildungskraft der Imagination schwingt sich in diesen Widerhall als Echo ein. „Zahlen, Runen, Hieroglyphen, Schriftzeichen, geometirsche Formen – als Ergebnisse der schöpferischen Einbildungskraft finden sie den Weg zu uns wiederum nur über die Einbildungskraft, die sich auf ihre Tiefe einläßt.“ (S. 162)
  10. Alle religiösen, mystischen und spirituellen System sind von der Metanoia, der Umkehr und Rückkehr zum Ursprung geprägt. Der Mensch wurde durch sein Bewusstsein aus der Einheit entlassen und muss sich diese Einheit wieder zurück erobern. „Pythagoras zufolge sind die Leiden, die die Menschheit bedrücken, die Früchte ihrer Wahl. Wir haben gewählt, motiviert durch all die vielen Formen und Gesichter unserer Egozentrik. ERKENNE DICH SELBST UND DU WIRST DS UNIVERSUM UND DIE GÖTTER ERKENNEN – so hieß es im antiken Griechenland.“ (S. 179)

Vielleicht zusammenfassend:

In der Heiligen Astrologie versinnbildlicht das Element FEUER die Lebensenergie, das Element ERDE das Erschaffene, das Element LUFT das Verbindende oder auch Polarisierende, das Element WASSER das Formlose, das Virtuelle, das Läuternde. UNd selbst heute sprechen wir von der Biosphäre, die dem Feuer gleichkäme, von einer Atmosphäre, die der Luft gleichkäme, von einer Hydrosphäre, die dem Wasser gleichkäme, von einer Lithosphäre, die der Erde gleichkäme. (S. 168)

Mein Fazit: Wir werden im Wassermann-Zeitalter wohl wieder eine Integration von Astrologie und Astronomie erleben, eine Integration von Immanenz (Astronomie) und Transparenz (Astrologie). Da macht es sehr viel Sinn, sich zurückzubesinnen auf eine Zeit, da beide Geschwister von Wissen und Weisheit noch nicht im Streit lagen.
Das Buch von Frederic Lionel führt alles zurück auf die zahlenmystischen und archetypischen Essenz. Sehr empfehlenswert für die Grundlegung einer integralen Sternenkunde des Wassermann-Zeitalters.

 

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