Heinz & Aude Klein: Ihr seid Götter

Untertitel: Die Suche nach Unsterblichkeit

Die Bücher von Heinz Klein gehen immer an die Grenze des Denkbaren – und darüber hinaus.
Dieses Buch bespricht das größte Tabu des Menschseins: unsere Unsterblichkeit. Es geht dabei nicht um die Unsterblichkeit der Seele, sondern wirklich um die körperliche Unsterblichkeit. Dafür hat Heinz Klein als Experte des Taoismus (er hat das Tao Te King von Laotse neu ins Deutsche übersetzt) einen „neuen“ Ansatz, zumindest für unser westliches Denken: die Alchemie des Tao Te King (in China gilt Laotse als Urvater der Alchemie), das „Tao Te King“ – etwas grob formuliert – als Rezeptbuch für Unsterblichkeit.

Innere Alchemie (Laotse) und innere Auferstehung (Jesus)

Wir verbinden mit dem Begriff der Alchemie die Umwandlung von unedlem in edles Metall, also Blei in Gold. Natürlich kann man diese Transmutation auch allegorisch verstehen. Doch die Alchemie in China hatte nie die Herstellung von Gold zum Ziel, sondern die Unsterblichkeit des Menschen, die Verwandlung des unedlen Menschen  in den edlen Menschen, den göttlichen Menschen. Gut, auch in China wurde in den alchemischen Laboren nach der „Unsterblichkeitspille“ dafür gesucht. Doch das Ziel Laotses ist die „innere Alchemie“, die innere Umwandlung des Menschen.

Mit diesem „Ansatz“ bekommt auch die Auferstehung von Jesus einen neuen Sinn. Was wäre, wenn auch Jesus bereits als „Sohn Gottes“ diese körperliche Unsterblichkeit erreich hätte?

„Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet aus Wasser und Geist“, sagt die Bibel, „dann werdet ihr verrecken wie die Hunde“ führt Gurdjief den Satz zu Ende. Wiedergeboren heißt dann in anderen Worten ausgedrückt: aus dem vorhandenen Material des sterblichen Menschen mit Hilfe der inneren Alchemie einen Menschen mit einer unsterblichen Struktur zu machen. (S. 12)

In dieser Sicht ist Jesus nicht unser „Erlöser“, sondern der Wegweiser zur inneren Erlösung. Nur diese Selbsterlösung (der direkter Weg) kann zu dieser inneren Umwandlung führen und keine Fremderlösung (der indirekte Weg). Jesus steht dann für den direkten Weg der Selbsterlösung, Paulus (und die Kirche) für den indirekten Weg der „Fremderlösung“ mit all ihren Manipulationsstrategien.

Die Seele und der mystische Weg

Wir erleben eine „Renaissance der Seele“, weil wir uns von dem religiösen Bild der Seele befreien und zu einem tieferen Sinn der Seele vorstoßen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass der mystische Weg der Seele immer bedeutungsvoller wird. Immerhin: Die Vorstellung der Seele lehrt uns, wieder in Kategorien der Unsterblichkeit und Ewigkeit zu denken.

Auch hier ist das Verständnis des Taoismus von der Seele (p’o-Äther und hun-Äther) wegweisend, die Unterscheidung zwischen einerseits irdischer, sterblicher und andererseits unsterblicher Seele. Wobei es in der Tradition des Taoismus keine „an sich“ unsterbliche Seele gibt, sondern diese unsterbliche Seele erst erschaffen werden muss.

Die Idee, dass der Mensch von Geburt an eine unsterbliche Seele besitzt, war in den traditionellen Kulturen unbekannt und ist erst mit dem Christentum verbreitet worden. Eine unsterbliche „Seele“, besser gesagt ein Unsterblichkeitsleib musste erst noch geschaffen werden. (S. 31)

Noch einmal, weil es so wichtig ist: Die Seele ist in diesem Verständnis nicht „an sich“ unsterblich. Das Reich der Seele (das Reich der Mystik) ist immer noch ein Reich der Dualität, in dem es einen Anfang und ein Ende gibt. Die Seele (als duales Energiefeld des Alls) ist nicht das Medium der Ewigkeit.

Ist uns nämlich der Durchbruch durch diese seelische Sphäre, die unser Sosein aufrecht erhält, einmal gelungen, dann ist die Begegnung mit dem, was wir sein könnten, so überwältigend, dass wir bereit sind, alles Angelernte abzulegen und der wiedererkannten „Urform“ in uns zuzustreben. (S. 62)

Wohlgemerkt: „Durchbruch durch… “ heißt ja die Sphäre JENSEITS der „seelischen Sphäre“. Und das ist die Sphäre des GEISTES. Diese „Urform“ ist die nonduale Einheit.

„Diejenigen, die aus der Einheit herausfallen und nur die Dualität erleben, werden sterblich. Jene, die in der Einheit bleiben oder wieder in sie zurückkehren, sind unsterblich. (S. 46)

Körper – Geist – Seele

Das Buch der beiden Autoren räumt mit den beiden größte Missverständnissen und Verwirrungen unseres westlichen Denkens auf:

  • dass Körper und Geist zwei völlig unterschiedliche Substanzen seien,
  • dass die Seele das Prinzip der Unsterblichkeit sei

Das Ergebnis (in meinen Worten): Der GEIST ist das Nonduale – jenseits von Seele und Energie. Durch das „Erinnern“ an die Nondualität der GEISTES formen wir einen unsterblichen Seelenleib und einen unsterblichen Körper.

Das sind nur zwei Sätze, die unser westliches Denken erschütternd wachrütteln könnten. GEIST in seiner pollosen Nondualität ist keine Energie. Auf der Suche und der Sucht nach der absoluten Energie sind wir auf dem Irrweg.

Ein anderer Irrweg westlicher Esoterik ist es, das körperlose Jenseits (das Reich der Toten und ihre Wesenheiten) als „höhere Welt“, als den „Ort der Wandlung und Transformation“ zu sehen. Wirkliche Transformation und Wandlung braucht alle VIER ELEMENTE, also auch das Element ERDE. Der Ort der Wandlung ist unser zunächst sterblicher Körper. Der Urquell des GEISTES kann diesen Körper in einen göttlichen, unsterblichen neu strukturieren und verwandeln. Es beginnt mit einer einzigen Zelle (vornehmlich Herzzellen).

Der degenerierte Mensch wurde ausgetauscht gegen einen neuen Menschen, der aus Bausteinen der Urmaterie besteht. (S.53)

Wohlgemerkt: einer Urmaterie als Kristallisation des EWIGEN GEISTES.
Das Jenseitige ist eher eine „Müllhalde und Wiederaufbereitungsanlage für alle im Diesseits nicht gelösten Probleme“ (S. 63) – Hammer zum Wachrütteln, oder? Das ist ein Ort von „Fäulnis- und Gärungsprozessen“ (S. 65) und sollten uns nicht weiter beeinflussen.

Wenn der Verwesungsprozess in den vier Ebenen des Körpers noch zu Lebzeiten abgeschlossen wird, so kann das befreite Urwesen zeitig sein Gewand anziehen. Der Körper, so lässt sich zusammenfassend sagen, ist das notwendige Laboratorium der inneren Alchemie. Ohne ihn bleibt alles Imitation. Die Seele ist das ursprüngliche Gewand des geschaffenen Geistwesens. Die Seele ist weiblich und gleicht dem Wasser, sie erwartet ihren Bräutigam, das Feuer. Aus dieser Vereinigung entsteht das unsterbliche Leben, die Manifestation des ersten Menschen im Geist, durch den Geist und für den Geist. (S. 66)

Die Alchemie beschreibt in allegorischer Spreache die Vereinigung von Körper und Geist. (S. 88)

Die Alchemie in Le Monteil

Besonders schön und erhellend ist dieses Buchkapitel. Die beiden Autoren, das Ehepaar Klein, sitzen in ihrem französischen Wohnsitz Le Monteil mit Laotse, Julius Evola und Henk Leene zu einem Gespräch zusammen, um das Geheimnis der Unsterblichkeit weiter zu entschlüsseln. Spannende Themen werden in der Runde besprochen wie auch die Transformation der „Siebenfältigkeit“ (unserer Planeten, Metalle usw.), letztlich unserem schicksalhaften Gefangensein in der archetypischen Astrologie, durch die befreiende Achtheit der Oktave.

Der Körper ist Geist und der Geist ist Körper geworden.
Nur so kann der Tod überwunden werden. (S. 137)

Die Unsterblichen leben mitten unter uns. (S. 138)

Nachgedanke

Dies ist ausdrücklich mein Nach-Denken nach dem Lesen des Buches. Es ist im Buch nahe liegend, doch als vielleicht zu spekulativ nicht ausgesprochen. Wenn Unsterblichkeit eines göttlichen Menschen eine wirklich KÖRPERLICHE Unsterblichkeit meint, dann hinterlässt dieses Wesen bei seiner Auferstehung keinen Leichnam. Der Körper wird nicht verlassen, sonder transformiert. Es ist einfach WEG – und wir müssen uns jetzt korrekter ausdrücken: für unsere irdischen Augen verschwunden, unsichtbar geworden. Wir wissen es von Laotse, von Jesus, von Pythagoras und anderen, dass sie plötzlich verschwunden sind (ohne einen Leichnam oder Grab zu hinterlassen). Und was ist, wenn sie bereits diese unsterblichen, göttlichen Menschen sind, die unter uns weilen, ohne dass sie für unsere irdischen Augen sichtbar wären? Diese Wesen würden unter uns weilen und nur für die Augen des Herzens und der Seele Auserwählter wahrnehmbar sein. So würde sich erklären, dass manchen Menschen JESUS wie ein lebendes Wesen sehr nahe ist, den Hauch seines Atems spüren (oder Laotse z.B. dem Autor Heinz Klein).

Mein Fazit: Das Buch ist eine Herausforderung für die Grenzen des Denkbaren. Das hier von mir Referierte ist dabei nur „die Spitze des Eisbergs“. Es löst auf verblüffende Weise und in sich stimmig viele der großen Fragen des Menschseins, unsere Göttlichkeit.

Nicht nur Laotse, sondern auch Jesus als im GEISTE Auferstandener erstrahlen in neuem Licht … vielleicht als erste Unsterbliche, die als die gesuchten, neuen, göttlichen Menschen nach wie vor unter uns weilen.
Was für eine wundervolle Perspektive!

Ich empfehle das Buch jedem als erstes zu lesen, der sich in das Gedankengut von Heinz Klein einlesen möchte. Es ist in gewissem Sinne das zusammenfassende Ergebnis seines Schaffens, die anderen Bücher dienen dann zur Vertiefung dieser Essenz.

Bestellung bei AMAZON: Ihr seid Götter: Die Suche nach Unsterblichkeit

____________________________________________

>> Zum Autor Heinz Klein
und zu anderen hier besprochenen Büchern des Autors.

____________________________________________

* Dieser Beitrag hatte seit Erscheinen bisher 191 Leser/innen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.