Heinz Klein: Medizin und Alchemie

Untertitel: Wege zum Heil im traditionellen China

Das Buch ist mit Sicherheit eines der Hauptwerke von Heinz Klein. Er erweist sich darin als profunder Kenner der Weisheiten des traditionellen China. Er war vier Jahre Dozent an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan. Bei seinem Studium der Sinologie war sein Fachgebiet die chinesische Medizin, worüber er promovierte. Er übersetzte das Tao Te King neu ins Deutsche und führte in seinem Buch „Briefe zum TAO TE KING“ in diese Weisheitslehre des alten China im mystischen, gnostischen und alchemischen Sinne ein. Heinz Klein ist ein wahrlich WISSENDER im Sinne der Einsicht in die kosmischen Gesetze.

Seine besondere Begabung ist das letztlich EINFACHE zu erkennen und es in einfachen Worten zu vermitteln. Das ist die ganz große Kunst ganz im Sinne „seines Meisters“ LAOTSE, wenn ich mich so ausdrücken darf. Heinz Klein braucht nicht viele Worte, um das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Er schreibt in ESSENZEN (auch essentielle Worte können Medizin sein).

Ein Arzt, der die traditionelle Medizin ausübte, sah sich in einem Einzelschicksal mit einem gestörten Kosmos konfrontiert. … Die Aufgabe des Arztes war demnach vorrangig eine Rückführung des Patienten in ein ungestörtes Verhältnis zwischen Makro- und Mikrokosmos. (S. 9)

Was für ein universelles (im wahrsten Sinne des Wortes) Programm des Heilens!

Das Dreierprinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin

Das Dreierprinzip (die Trinität, Dreifaltigkeit) ist Teil aller Weltreligionen.

Bei uns im Westen formuliert als die Einheit von Vater, Sohn und Geist. Die Rückbindung vollzieht sich über die Stationen Weg, Wahrheit und Leben. Und vom Leben im wahrsten Sinne des Wortes kann erst dann die Rede sein. (S. 12)

Solche Begriffe der Dreifaltigkeit sind:

  • HIMMEL – (wahrer) MENSCH – ERDE
  • Haupt – Herz – Becken
  • Bewusstsein – Seele – Unbewusstes
  • Weg – Wahrheit – Leben
  • Patient – Arzt – TAO
  • Schauen – Befragen – Pulsfühlen
  • ch’i – ching – shen

Wenn es eine „ewige Wahrheit“ gibt, dann gibt es auch ewig wahre Heil-Prinzipien. Das ist der Schlüssel, um die traditionelle chinesische Medizin in ihrer Universalität und Tiefe zu verstehen.

Die Grundlagen der traditionellen Wissenschaften kommen quasi von oben; sie wurden von Trägern höheren Bewusstseins aus den kosmischen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet und dem Volk als Wegweiser zu einem geordneten Leben übergeben. Die chinesische Medizin kennt daher keine Fortentwicklung oder gar Fortschritte auf der Raum-Zeit-Achse. (S. 17)

Der Autor führt in bestimmte Grundbegriffe des Chinesischen ein bzw. entschlüsselt wichtige Piktogramme. Diese universelle Lehre der Heilung benutzt bestimmte Ausdrücke, die nicht mit dem Griechischen oder Lateinischen verbunden sind, sondern mit dem Chinesischen, die nicht einfach übersetz werden könne, sondern als Zeichen gedeutet werden müssen. TAO, YIN – YANG, CHI, T’AI-CHI und andere sind uns schon vertraut. Auch das häufig missverstandene WU WEI. Die Entschlüsselung der Begriffe ist schon wichtig für das Verständnis dieser Ur-Medizin. Nennen wir diese Piktogramme (Ideogramme mit Bild- und Symbolcharakter) zum besseren Zugang einfach „Heil-Codes“ für das Bewusstsein. Es sind keine magischen Codes, sondern Bewusstseinsöffner.

So ist der Arzt ein Hellsichtiger, letztlich ein WEISER, ein spirituell Erwachter.

Der Weise ordnet, er verwaltet, er heilt, aber nicht mehr aus der Überwucherung der Mitte heraus (dem vom EGO besetzten Herzen, J.S.). Er ist vielmehr der Mandatträger. Er ist die dritte kosmischen Potenz, Himmel und Erde verbindend. Durch sein Tun im Nicht-Tun, d.h. durch sein Ordnen, Walten und Heilen als Mandatträger der ursprünglichen Schöpfungsvibration, entsteht ein neuer Himmel und eine neue Erde. (S. 59)

Und das ist auch Teil dieser Medizin: Jede Heilung des Einzelnen heilt auch das Ganze.

Quintessenzen aus einem Hauptwerk
der traditionellen chinesischen Medizin

Das Buch enthält im mittleren Teil beispielhafte Übersetzungen von Heinz Klein aus den „Gesammelten Schriften“ von Chang Chieh-pin (erstmals 1644 herausgegeben), um „deutlich Denk- und Forschungsweise eines Gelehrten im traditionellen China“ zu zeigen (S. 94) und gibt dazu eine Zusammenfassung.

Der Körper dient einmal als Instrument zur Selbstbewusstwerdung, und zum anderen liegt im Körper verborgen der Schlüssel zur Wiedererlangung der Unsterblichkeit. (S. 101) …
Und je nach Bestimmung des Patienten kann dieser, nachdem er über den Weg der Krankheit das Ziel Gesundheit erreicht hat, den Weg zur Verwirklichung des wahren Menschen betreten. Denn von einer höheren Warte aus gesehen, bleibt der (nicht wahre, J.S.) Mensch trotz zurückgewonnener Gesundheit im Zustand des Un-Heils. (S. 103)

Die alchemische Unsterblichkeit im Taoismus

Es ist ein Zeichen der TIEFE der traditionellen chinesischen Medizin, dass sie HEILUNG bis zur Unsterblichkeit „zu Ende denkt“ und so auch den Tod zu überwinden sucht. In dieser Medizin gibt es keine Grenze, kein Tabu, nichts „Unheilbares“.

Das Werkzeug dafür ist die „innere Alchemie“. Manchmal kann einen im Chinesischen der Begriff „edler Mensch“ irritieren. Ist das ein Ritter, ein Adliger? Nein, es ist der Ausdruck für den wahren Menschen. In der chinesischen Alchemie geht es nicht um die äußere Umwandlung unedler in edle Metalle, sondern um die innere Umwandlung des unedlen, sterblichen zum edlen, unsterblichen Menschen.

Die frühen Taoisten überließen den Wandlungsprozess dem immanenten Schöpfungsprinzip. Dieses wird normalerweise vom Eigenwillen und seinen Zielen überlagert. Wenn der Adept das Wenigerwerden auf allen vier Lebensbereichen, d.h. auf der mentalen und emotionalen Ebene, dem Willensbereich und im physischen Bereich, täglich umsetzt, so vollziehen sich die einzelnen Phasen der Transformation von selbst. Das immanente Schöpfungsprinzip kann das große Werk vollbringen. Der Prozess der Transformation ist kein widernatürlicher Vorgang, sondern es vollzieht sich, was in der Urschöpfung vorgesehen war. (S. 117)

Vielleicht noch ein erhellender Abschlusssatz aus dem Buch:

Ein Genußmensch, so ist auch heute bekannt, verzichtet lieber auf das Heil seiner Seele als auf einen körperlichen Genuß. (S. 130)

Mein Fazit: Die Heilkunst der Traditionellen Chinesischen Medizin ist als alternative Heilmethode im Westen sehr modern geworden. Oft wird dabei vergessen, dass es den chinesischen Ärzten vor allem darum ging, die Harmonie zwischen dem erkrankten Mikrokosmos des Menschen mit dem Makrokosmos wieder herzustellen. Heilung war vor allem Bewusstwerdung. Das Arbeiten an Meridianen, Akkupunkturnadeln usw. hatte nur den Sinn, Energien wieder zum Fließen zu bringen. Entscheidend für die nachhaltige Heilung jedoch ist das erwachende Bewusstsein.
Das Buch von Heinz Klein bringt dies auf den Punkt. Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich nach der Tradition der chinesischen Medizin behandeln lässt, um seinen eigenen Beitrag zur Heilung zu leisten. Und wenn ich ganz ehrlich sein darf: Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der Verantwortung für seine Gesundung übernimmt. Die Metaphysik der Heilung ist in keinem medizinischen System so tiefgehend und einleuchtend wie im Taoismus.

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