Jürgen Fischer: Sexuelle Liebe im Jetzt

Untertitel: Tantra und die zweite sexuelle Revolution

Das Buch kommt auf leisen, sanften Sohlen. Keine nackten Körper auf dem Cover, eher einen verhüllenden Schleier.
Und doch ist das Buch der machtvolle Aufruf zu einer zweiten sexuellen Revolution, wenn mann die Signale denn hört. Der Autor Jürgen Fischer ist der Meinung, dass im direkten sexuellen Akt zwischen Mann und Frau nicht wirklich etwas Tiefgreifendes verändert hat, Männer immer noch „Liebe MACHEN“ und die sexuelle Lust der Frauen immer noch rapide abnimmt. Letztlich bestimmt der Schmerzkörper (E. Tolle) die Partnerschaft über kurz oder lang doch mehr als die Liebesbeziehung zwischen dem Paar.

Solange wir nicht gelernt haben, in der Partnerschaft mit dem Schmerzkörper produktiv umzugehen, sind wir emotional nicht frei für eine erfüllende Liebe und beglückende Partnerschaft. Vor allem der MANN muss aus der Nummer heraus kommen, Sex zu MACHEN – aus Phantasien und Bildern des Kopfes, aus emotioneller Spannung – all das ist immer noch sexueller Missbrauch der Frau, mag sie noch so viel Lust vorspielen.

Warum mich das Buch begeistert –
mein Weg zum Thema

Ich habe Wilhelm Reich schon in den 70-er Jahren gelesen, da gab es ihn erst in der Form von Raubdrucken. Von der wiederauferlebten und an Reich orientierten Sex-Pol-Bewegung hat mich am meisten Dieter Duhm begeistert. OSHO hat mich als indischer „Sex-Guru“ fasziniert, auch wenn ich nie ein Teil der Osho-Bewegung war. Das Buch von Berry Long „Sexuelle Liebe auf göttliche Weise“ habe ich vor gefühlten 10 Jahren von meiner Partnerin geschenkt bekommen und sehr fasziniert gelesen. Eckehart Tolles „Schmerzkörper“ kenne ich aus seinen Büchern JETZT und „Neue Erde“. Mein sexuelles Bewusstsein ist auf dem Niveau von Michael und Diana Richardson (>> meine Buchbesprechung), in meiner letzten Liebespartnerschaft habe ich begonnen, dieses sanfte Lieben ohne MACHEN zu erleben, ich habe auch eine Tantra-Gruppe über mehrere Wochen besucht. Ich habe in einem Eifersuchtsdrama den von Jürgen Fischer gewiesenen Ausweg „Bleib im Gefühl!“ erprobt und seine Wunderwirkung erlebt (nach „The Journey“ von Brandon Bays). Nicht zuletzt habe ich für mich die MANNZIPATION entdeckt und dazu selbst ein Buch geschrieben: „Stopp Fucking-Sex. Gehe den Weg des Liebhabers und befreie ihre Weiblichkeit.“ (>> MEHR)

Damit will ich nur kurz aufzählen, wie sehr mich das Thema selbst bewegt und ich darin zu Hause bin. Auch für mich schien alles geschrieben und gesagt zu sein. Und doch bin ich überzeugt, dass das Buch von Jürgen Fischer unsere sexuelle Befreiung als Paar auf ein neues Niveau hebt, dass eine neue sexuelle Revolution angesagt ist.

Jürgen Fischer: der Kritiker

Es ist ein wichtiger Aspekt des Buches, der mich begeistert: Jürgen Fischer hält sich an würdigender Kritik von W. Reich, B. Long, Neo-Tantra usw. nicht zurück. Ich erkenne in vielem (oder sollte ich sagen: allem?) mein eigenes Unbehagen, dieses Gefühl „Da stimmt doch was nicht!“ Jürgen Fischer hat all mein eigenes Unbehagen klar ausgesprochen und damit auch bewusst gemacht. Ich merke, dass ich selbst solchen Autoren gegenüber, die mich begeistern, immer noch zu „hörig“ bin. Ich habe immer noch ein „Guru-Fetisch“. Ich nehme an mir selbst wahr, dass ich dieser „genitale Chrakter“ (Jürgen Fischer bleibt bei dem Begriff von Wilhelm Reich) noch nicht bin. Ich bin noch nicht energetisch frei genug und klar im Kopf. Das Buch hat mir geholfen, mein Unbehagen zu verstehen und Mut gemacht, mein eigenes Unbehagen künftig ins Bewusstsein zu führen und zur Sprache zu bringen. Ich glaube, solche selbstkritischen Erkenntnisse sind eine wichtige Botschaft des Buches.

Jürgen Fischer kritisiert:

  • Wilhelm Reich
  • Berry Long
  • OSHO
  • individuelle Therapie als Ego-Anpassung
  • ritualisierte spirituelle Praxis
  • den Neo-Tantrismus mit patriarchalischem Kern
  • Liebe MACHEN („Make Love!“)

Ich will dies her nur anführen und seine Kritik nicht nacherzählen. „Würdigende Kritik“ heißt, dass er das jeweils Revolutionäre, Transformative als Kern herausschälen und würdigen kann, aber auch die Abfall-Schalen klar benennt. Das Buch ist eine sehr fundamentale Kritik an der ersten Welle der sexuellen Revolution.

Was besonders sympathisch ist, dass Jürgen Fischer sich der Selbstkritik nicht enthält. Er spielt sich nicht im Hauch als neuer Sex-Guru auf. Er zeigt seine Erfahrung und regt den Leser an, sich nur von seinen eigenen Erfahrungen der „energetischen Liebe“ leiten zu lassen.

Die Botschaft der zweiten sexuellen Revolution –
die Negation der Negation (Hegel)

Ich war, so weit ich zurück denken kann: DAGEGEN, im Widerspruch. Von Anti-Familie, antiautoritäre Erziehung, Anti-Pädagogik bis letztlich (im Sinne von Jean-Jacques Rousseau): Menschenwerk ist Anti-Schöpfung. Ich weiß: Es ist nur die halbe Wahrheit und der halbe Weg. Die „ganze Wahrheit“ beginnt erst sich zu enthüllen, wenn wir auch GEGEN DAS ANTI– sind oder, wie Hegel es philosophisch so schön ausgedrückt hat: wir die Negation selbst wieder negieren, also Synergien schaffen, Integration.

Das Buch von Jürgen Fischer bleibt nicht in der Negation der ersten sexuellen Revolution stecken. Seine Kritik daran öffnet den Horizont für die zweite sexuelle Revolution – und sieht in der Neo-Tantra-Bewegung durchaus Ansätze zu diesem Quantensprung.

Die „Negation der Negation“ scheint immer auch ein Zurück in den Konservatismus zu sein, es bewahrt sozusagen den wahren Kern des Konservatismus. Jürgen Fischer plädiert wieder für das Paar und seine sexuelle Treue in der Freiheit der gegenseitigen Verpflichtung. Weg von Promiskultät und Pornografie. Lasst eure Liebe und sexuelle Treue die Basis der neuen Befreiungsbewegung sein! Das Buch greift wieder die tiefe Sehnsucht auf, den einen Partner für’s Leben zu finden, mit ihm durch die Hölle zu gehen, um den Himmel auf Erden zu leben.

Meine Kritik am Buch (HA!!):

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Autor SEIN Thema zu DEM Thema macht. Ich glaube nicht (und formuliere dies bewusst als Glaubensbekenntnis), dass Sex im Sinne „energetischer, selbstregulierender Liebe“ die Lösung von allem ist, unserer ganzen Menschheitsprobleme. Es geht NICHTS ohne diese Lösung als Liebe zwischen Mann und Frau, doch es ist erst der Anfang, ein Aspekt unserer Befreiung als Menschheit. Wie gesagt: In dieser Hinsicht keine Kritik am Autor durch eine gewisse „Verabsolutierung“ seines Themas. Das ist okay. Anders kann ein Thema nicht auf den Punkt kommen.

Das mühevolle und erst in der dritten Auflage mit aufgenommene Kapitel „Ficken“ hat mich nicht wirklich überzeugt. Für mich ist der Begriff für die Liebe verbraucht und tot. Wenn versucht wird, ihn wiederzubeleben, dann kommt da irgendetwas Verdrängtes zum Ausdruck. Und ich habe eine Ahnung, was das Verdrängte sein könnte: Das NICHT-MACHEN ist wie das spirituell falsch verstandene NICHTS-TUN auch nur die halbe Wahrheit. LIEBE NICHT aus Kopf und Emotion MACHEN, unbedingt! Die energetische Liebe unserer Körper geschehen lassen, JA! – NEIN zum EGO-Spiel in der Liebe, JA, auch das. Doch da gibt es noch ein tieferes, männliches TUN (das wohlverstandene WU-WEI des Taoismus), das LIEBEN als VERB, als „Tu-Wort“. Dies nicht wirklich verstanden zu haben, öffnet dem Ficken wieder das Tor zum Ego-Machen, der körperlichen Selbstbefriedigung am anderen, den anderen Körper selbstsüchtig zu benutzen. Es ist der Pferdefuß, der wieder in Teufels Küche führt.
Es bestätigt mich vielmehr darin, dass die Botschaft meines Buches „Stopp Fucking-Sex!“ den Kern der Befreiung zwischen Mann und Frau eher trifft.

Mein Fazit: Das Buch richtet sich an Menschen, die ein gewisses sexuelles Bewusstsein und Erfahrungen in Tantra-Gruppen haben. Wilhelm Reich, Berry Long, Osho, Eckhart Tolle und andere sollten Teil der aufgeklärten, sexuellen Bewusstwerdung sein. Dann bringt Jürgen Fischer das Unbehagen bei alle dem auf den Punkt, erklärt, warum trotz dieser sexuellen Freizügigkeit kein wirkliches sexuelles Glück erreicht wird und zeigt den AUSWEG. Es geht nicht um die Erklärung und Analyse der FALLE, sondern einzig um den im Körper erlebten Ausweg in der energetischen, selbstregulierten Sexualität des Paares.

 

 

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Das Nachfolgebuch und meine Buchbesprechung dazu:

 

Dieses Nachfolgebuch „Sexuelle Liebe mit 50+“ (2016) bringt die energetische Liebe als polares Schwingen zwischen energetischer Sexualität und Schattenarbeit auf den Höhepunkt.
> Meine Buchbesprechung dazu (Klick)

 

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