Frederic Lionel: Das Vermächtnis des Pythagoras

Ich bin mir bewusst, dass ich hier wieder ein Buch besprechen, das 25 Jahre alt (1990) und längst vergriffen ist. Als ich mich vor einigen Jahren sehr intensiv mit der Zahlenmystik beschäftigt hatte, führte kein Weg an Pythagoras vorbei. Auch mit meiner Nähe zur „archetypischen Astrologie“ ist für mich die Harmonie des Kosmos (wie es auch Keppler vertreten hat) fundamental. Ich kenne kein Buch, das Pythagoras dermaßen tiefsinnig würdigt. Und diesen Bogbeitrag verstehe ich als vor allem als Würdigung dieses wertvollen Buches von Frederic Lionel.

1. Die Zahl und der Rhythmus des Lebens

Da das Leben sich in einer rhythmischen Aufeinanderfolge von Impulsen offenbart, ist die Erkenntnis der Gesetze seines Rhythmus die Erkenntnis der Gesetze des Lebens. Jede Aufeinanderfolge von Impulsen kann als Frequenz in Zahlen ausgedrückt werden, und so führt die von Pythagoras erdachte Zahlenmystik zu einer wesentlichen Bewusstseinserweiterung.
Die Entdeckung der rhythmischen Beziehungen, die im Kosmos, ein griechisches Wort für Ordnung und Harmonie, walten, enthüllen die Geheimnisse der offenbarten Welt. (S. 15)

Der Gesang der Sphären ist eine von Pythagoras geprägte Metapher, die das im Universum pulsierende Leben mit einer unhörbaren Symphonie, die den Menschen mit einbezieht, vergleicht. (S. 20)

Pythagoras verglich die überweltliche Ordnung, ihren Rhythmus und ihre Harmonie mit der erhabenen Liebe, Widerhall des göttlichen Wortes, den der Mensch dank seiner Vernunft als übersinnliche Wirklichkeit erfassen kann. Somit muß die Mysterienwissenschaft der Zahlen, der Figuren und der Sterne als eine Meditation gesehen werden. (S. 21)

Die pharaonische Kultur, das griechische Mysterium, die christliche Offenbarung haben unsere Zivilisation erblühen lassen. (S. 23)

2. Die Notwendigkeitsgesetze

Drei Notwendigkeitsgesetze sind besonders zu beachten. Das Gesetz der Analogie oder der Gleichartigkeit, das Gesetz der Umkehrung, auch Magie der Umkehrung genannt, und das Gesetz der Verschmelzung. … Wenn „n“ die Länge der Saite und „1/n“ die Schwingungsfrequenz des Klanges ist, den sie hervorruft, so bilden Saite und Klang ein Binom, eine Zwei-Einheit. (S. 27)
Der Rhythmus bildet das aktive Bindeglied, welches die Weiterentwicklung beider Aspekte ermöglicht, so zum Beispiel die Melodie. Die Formel (n+1) : n kennzeichnet diesen Vorgang. Selbstverständlich kann man nur Elemente verschmelzen, die eine Beziehung zueinander haben. … Die Harmonie ist stets und auf allen Ebenen der Sinneswelt der Ausdruck einfacher Beziehungen. (S. 28)

Eine von der Natur bevorzugte Beziehung ist der „Goldene Schnitt“, der von Paccioli „göttliche Beziehung“ genannt wurde.
Eines ist gewiss: Zahlen, Oberflächen und Volumen bilden eine Triade, die die geometrische Schöpfung des Universums veranschaulicht. (S. 30)

Die Gesetze der Natur gehorchen nicht äußeren Kräften, sondern inneren. Diese bekunden eine innenwohnende, „immanente“ Ordnung“, welche die transzendentale Ordnung widerspiegelt. (S. 37)

3. Das Sternenpentagon und sein Mysterium

Die Zahlenmystik spiegelt die sichtbaren und unsichtbaren Beziehungen wider, die alles mit allem einen. Sie verbildlicht die transzendentale Wirklichkeit, die dem erwachten Menschen eine Vision der Ewigkeit erschließt. Da er bewußt vitale Krafte leiten kann, vermag der „erwachte“ Mensch auf der von ihm gewählten Ebene harmonisch zu wirken. Allerdings muß er den Rhythmus seiner Seele mit dem Rhythmus der Weltseele in Einklang bringen, denn in einer gigantischen Sistole und Diastole pulsiert ohne Unterlass das kosmische All. (S. 41)

Pythagoras lehrte, daß jede Zahl drei Aspekte versinnbildlicht: dan archetypischen, den symbolischen und den wissenschaftlichen. … Eine Zahl im pythagoräischen Sinne ist keine mathematische Größe und dient nicht dem Zählen. Seien wir bewusst, daß „Eins“ keine Zahl ist. (S. 41 f.)

Die Zahlenmystik ist keineswegs eine Numerologie. In ihrem Sinne ist die Zahl Übermittlerin einer Botschaft. Sie vermag das Erwachen zum Wesentlichen hervorzurufen, weil die Vision der Architektur des Universums überwältigt und das Erwachen fördert. Dementsprechend wurde die archetypische Zahl göttlich genannt, da sie die Wurzel der symbolischen und wissenschaftlichen Zahl war. (S. 45)

Auf der Ebene der Geometrie bezeugt analog das Sternenpentagramm – der fünfzackige Stern – die Bedeutung einfacher Beziehungen. Er soll symbolisch das irdische Spiegelbild der Vollkommenheit des Makrokosmos sein sowie auch seiner Harmonie, seiner Ordnung und deren schöpferische Kraft. In dieser Hinsicht versinnbildlicht das Sternenpentagramm auf der Ebene des Makrokosmos die Gesundheit, also den Einklang der menschlichen Seele und der Weltenseele. (S. 46)

Gott schöpft als Geometer, sagten wir. Somit ist die Geometrie die Wurzel der Philosophie, welche wiederum die Wurzel der Mathematik darstellt. … Die Wurzel ist ein Element der Wandlung … (S. 50 f.)

Ich denke die bisherigen Zitate zu den Kapiteln geben schon einen Hinweis darauf, welche Tiefen dieses Buch erschließt. Ich will es jetzt nicht kapitelweise weiter zitieren, sondern nur noch auf einige besondere Aspekte hinweisen:

Der Autor weist darauf hin, dass Pythagoras „in Ägypten in die Geheimnisse der heiligen Astrologie eingeweiht (wurde). Platon entwickelte sie später.“ (S. 83)

Von Geheimnis umgeben, als Wissenschaft der Wissenschaften angesehen, sollte die heilige Astrologie nicht der Vorhersage der Zukunft dienen, sondern dazu verhelfen, ein lichtes Morgen vorzubereiten, das der transzendentalen Ordnung entspräche, um das göttliche Gesetz jenseits des Anscheins der Phänomene der Welt zu erkennen. (S. 89)

Schon Pythagoras kannte den großen kosmischen Rhythmus über 25.150 Jahre, die er das „große kosmische Jahr“ (S. 90) nannte. Wir kennen es als das „Platonische Jahr“.

Wahrlich überrascht hat mich der Zusammenhang zwischen Pythagoras, Platon, dem mystischen Jesus, den Essener und Gnostikern. Viele spekulieren, dass Jesus in den Zeiten seines „Verschwindens“ vielleicht in Indien gewesen ist, um vom Buddhismus geprägt zu werden. Frederic Lionel weist dagegen darauf hin, dass es auch Gemeinschaften im Geiste Pythagoras und Platons („Mysterienschulen“) gab, in denen Jesus gelernt haben könnte – möglicherweise sogar in Galiläa selbst.

Wenn man aufhört, das Opfer der Duallität zu sein, öffnet man sich dem Licht des Geistes, dem Christus-Licht, das vielleicht vom Stern versinnbildlicht wird, der die drei Könige zur Krippe des göttlichen Kindes leitete. (S. 102)

Das Buch endet mit den „zehn Botschaften der fundamentalen Zahlen“ (S. 115 – 119) – in ihrem Wesen auf die Gleichung zusammengebracht: 1 + 2 + 3 + 4 = 10

Wenn man dem Leben vertraut, ohne eine logische Erklärung des „Warum“ zu suchen, beschreitet man den ganzen Weg, der vom stolzen, egozentrischen Intellekt zur geistigen Reife und somit vom mentalen Zweifel zum übermentalen Verständnis führt. (S. 125)

Fazit: Wer ein wirklich ernsthaftes Interesse an Pythagoras als einen großen Weisheitslehrer der Menschheit hat, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Bücher, die Pythagoras wirklich zu würdigen wissen, sind sehr dünn gesät. Es gibt „Gott sei Dank“ noch einige gebrauchte Exemplare des Buches von Frederic Lionel bei Amazon:

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