Lynne McTaggart: Das Nullpunkt-Feld

Untertitel: Auf der Suche nach der kosmischen Ur-Energie

Einstein hatte es schon geahnt als er sagte: „Das Feld ist unsere einzige Wirklichkeit.“

Die Autorin, eine britische Wissenschaftsjournalistin, schreibt für den interessierten Laien die Wissenschaftsgeschichte, die dieses Feld immer mehr versteht. Es ist das alles umschließen-de Feld der Verbundenheit, das Feld der Seele und der Liebe, das Quantenfeld, der „Ozean“, von dem die Mystiker immer gesprochen haben, das Meer von Energie, das Feld des Bewusstseins, der „Heilige Geist“, die „Akasha-Chronik“.
Dieser Begriff des Feldes scheint all diese so unterschiedlichen Welten wieder zusammen zu bringen. Es hilft, unser Bild der Welt, unser Bild von Gott, unser Bild vom Menschen in Spiritualität, Wissenschaft und Philosophie wieder zusammen zu fügen. Das GANZE bekommt wieder Herz und Seele.

Wir alle stehen an der Schwelle einer Revolution – einer Revolution, die so verwegen und fundamental ist wie Einsteins Entdeckung der Relativität. Am äußersten Rand der Wissenschaft tauchen neue Ideen auf, die eine Herausforderung für unser gesamtes Weltbild und unsere Definition von uns selbst darstellen. (S. 9)

DAS NULLPUNKT-FELD ist einer der ersten Versuche, die einzelnen Forschungsergebnisse zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. (S. 19)

Das Buch ist spannende geschrieben. Die Menschen, die Wissenschaft machen, sind nicht nur „Beobachter“, sondern selbst Teilnehmer der Geschichte. Alle die Großen in der Wissenschaft haben zur Mystik oder spirituellen Systemen Zuflucht gesucht, um Begriffe für das zu finden, was sie da „beobachteten“.

Worüber die Autorin spricht, ist nicht die „Revolution der Quantenphysik“ – das ist inzwischen eher ein alter Hut. Es geht um den nächsten Schritt: nicht nur die Einheit der Naturwissenschaften zu erreichen (Mathematik, Physik und Biologie), sondern auch Natur- und Geisteswissenschaften (Philosophie) und Spiritualität. Wir leben in EINER Welt, und da wird es Zeit, dass wir auch nur EIN Weltbild haben. Das Buch präsentiert noch nicht die Lösung, erlaubt aber dem interessierten Laien, die neuesten Schritte (Stand 2001) nachzuvollziehen.

Alles im Nichts

Es existiert kein „leerer Raum“. Das NICHTS, das Vakuum, ist „ein Bienenstock voller Aktivität“ (S. 41), ein „Quantenmeer von Licht“ (S. 45), ein „Kessel voller schäumender Energie“ (S. 65). Begriffe wie „Plenum“ (Aristoteles) oder „Äther“ (Maxwell) finden in der Wissenschaft wieder zu neuem Leben. „Das Nullpunkt-Feld“ ist das Feld aller Felder.“ (S. 48) Es ist das MEDIUM für alles, was existent ist. Es hat unvorstellbar viel Energie: „Die Energie in einem einzigen Kubikmeter Raum reicht aus, um alle Ozeane der Welt zum Kochen zu bringen.“ (S. 49) Und es „speichert“ unvorstellbar viele In-Formationen: „Die Wellen des Nullpunkt-Feldes … enthalten stets umfassende Informationen über die Form von allem, was existiert.“ (S. 53).

Wenn man von jedem Ort des Universums aus Energie aus dem Nullpunkt-Feld zapfen könnte, dann würde man keinen Treibstoff mehr mit sich führen müssen, sondern könnte einfach in den Raum segeln und bei Bedarf das Nullpunkt-Feld anzapfen – einer Art universaler Windkraft. (S. 67)

Was das Nullpunkt-Feld alles erklären könnte

Es ist hier nur in herausgepickten Stichworten anzudeuten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), womit diese Erkenntnisse in anderen Teilbereichen der Wissenschaft in Verbindung stehen, einschließlich den Wissenschaften unseres Bewusstseins:

  • Auch die Schwerkraft scheint manipulierbar zu sein,
    da sie eine Funktion des Nullpunkt-Feldes ist.
  • Psychokinese, Levitation
  • Licht, das die Körperzellen selbst hervorbringen, „Biophotonen-Emission“ (Popp)
  • morphische Felder und morphische Resonanz (Sheldrake)
  • biologische Rhythmen
  • Kommunikation zwischen Zellen; „Wenn wir krank sind, schwingen unsere Wellen nicht mehr synchron.“ (S. 91)
  • „Perfekte Kohärenz ist ein optimaler Zustand zwischen Chaos und Ordnung.“
    (S. 89)
  • Homöopathie, Akupunktur
  • Jedes Molekül im Universum hat eine einzigartige Frequenz. (S. 99)
  • „Gedächtnis des Wassers“ (S. 104)
  • Frequenzen können Moleküle bis hin zu Medikamenten ersetzen (S. 111)
  • Mustererkennung des Gehirns (S. 130) „Unser Gehirn spricht … in der Sprache von Wellen-Interferenzen. … Die Welt zu erkennen, bedeutet buchstäblich, sich auf ihrer Wellenlänge zu befinden.“ (S. 133) „In gewisser Weise transformieren wir im Akt der Beobachtung die zeitlose, raumlose Welt von Interferenzmustern in die konkrete Welt von Zeit und Raum …“ (ebenda)
  • „Die Welt wahrzunehmen, bedeutet, sich auf das Nullpunkt-Feld einzustimmen.“
    (S. 144)
  • Der freie Wille: „In jedem Augenblick wählt unser Gehirn zwischen potenziellen Zuständen und macht daraus reale Zustände.“ (S. 147)
  • Bewusstsein ist überall im Körper und „aufs Wesentliche reduziert, kohärentes Licht“ (S. 148) Es ist nicht einmal im Körper, sondern im Feld (David Bohm, Ervin Laszlo). Das Gehirn ist kein Speichermedium, sondern ein Empfangsmedium. „Eine intuitive Erkenntnis könnte einfach eine plötzlich auftretende Kohärenz im Nullpunkt-Feld sein.“ (S. 150)
  • Einsatz in der „Spionage“
  • rückwärts gerichtete Wirkungen (die Zukunft verändert die Vergangenheit)
  • Wir sind nicht nur Beobachter, sondern können Wirklichkeit durch unsere „gerichtete Aufmerksamkeit erzeugen“ (S. 187)  „Es sah so aus, als hätten wir die Fähigkeit, unsere eigenen Kohärenz in unsere Umwelt auszustrahlen. Durch einen simplen Akt des Wünschens konnten wir Ordnung erzeugen. Darin drückt sich eine fast unvorstellbare Macht aus.“ (S. 187 f.)
  • Wir können die Informationen eines anderen Menschen „aus dem Nullpunkt-Feld so (aufnehmen), als seinen es unsere eigenen.“ (S. 208)
  • Wir sind nicht voneinander getrennt: „Unser natürlicher Daseinszustand ist eine Beziehung – ein Tango -, ein Zustand permanenter gegenseitiger Beeinflussung.“ (S. 210)
  • „Wo endet das Individuum, und wo beginnt es? Wenn alles, was geschieht, eine Wechselwirkung ist, und Gedanken ein gemeinschaftlicher Prozess sind, brauchen wir vielleicht eine starke Gemeinschaft guter Absichten, um in der Welt gut zu funktionieren.“ (S. 211)
  • „Doch es gab keinen Zweifel, dass wir alle auf einer bestimmten Ebene unseres Bewusstseins Zugang zu sämtlichen Informationen über alles in der Welt hatten.“ (S. 239)
  • „Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen zu einem ausgedehnten HIER UND JETZT.“ (S. 258) „In gewissem Sinne sind wir Zeit und Raum. Wenn wir durch den Akt der Wahrnehmung Energie ins Bewusstsein bringen, schaffen wir getrennte Objekte, die durch ein messbares Kontinuum im Raum existieren. Indem wir Zeit und Raum schaffen, erzeugen wir unser eigenes Getrenntsein.“
    (S. 259)

Zukunftsmusik

Die menschliche Absicht als Kohärenz des Bewusstseins sollte nach alledem ein außerordentlich potente Heilkraft sein (S. 264 ff.) – mit einem verblüffenden Ergebnis:

Bei Elisabeth Targs Studie schien es im Grunde keinen Unterschied zu machen, welche Methode eingesetzt wurde, solange die Teilnehmer (die Heiler, JS) sich auf die Absicht konzentrierten, einen Patienten zu heilen. (S. 283)
Nicht sie selbst hatten geheilt, sondern sie hatten gebeten: „Möge diese Person bitte geheilt werden.“ (S. 284)

Das Buch endet mit dem „Nullpunkt-Zeitalter“. Hier geht es in die Welt des Sciencefiction, was alles denkbar ist: Levitation, „endlose Versorgung mit Etwas aus dem Nichts“ (S. 316), Raumschiffe zehnmal schneller als die Lichtgeschwindigkeit (S. 319), Wurmlöcher als „kosmische Untergrundbahnen“ (S. 320)

Doch bis dahin braucht es eine einheitliche Physik, die auch die Quantenphysik entmythologisiert:

… wenn die Väter der Quantentheorie die klassische Physik mit dem Nullpunkt-Feld in Verbindung gebracht hätten, dann wären die Ergebnisse für die wissenschaftliche Gemeinschaft sehr viel befriedigender gewesen, als sie vielen nicht zu beantwortenden Fragen der Quantenphysik tatsächlich der Fall war. Manche Physiker glauben, dass die Quantentheorie eines Tages durch eine modifizierte klassische Theorie, die das Nullpunkt-Feld berücksichtigt, ersetzt werden könnte. Die Arbeit dieser Wissenschaftler könnte dazu führen, dass man das Wort „Quanten“ aus der Quantenphysik streicht und stattdessen eine einheitliche Physik entwickelt, die für die Welt im Großen wie im Kleinen gilt. (S. 324 f.)

Zusammenfassung:

Die Kommunikation der Welt vollzieht sich nicht im sichtbaren Reich von Newton, sondern in der subatomaren Welt des Werner Heisenberg.
Zellen und DNA kommunizieren über Frequenzen miteinander.
Das Gehirn registriert und speichert seine Bilder von der Welt in Form pulsierender Wellen.
Das Universum wird von einer Substruktur untermauert, die im Grunde genommen ein Speichermedium für alles ist und die Voraussetzung dafür schafft, dass alles mit allem kommunizieren kann.
Die Menschen sind nicht von der Umgebung zu trennen. Das lebendige Bewusstsein ist keine isolierte Einheit. Es erhöht die Ordnung im Rest der Welt. Das Bewusstsein menschlicher Wesen hat unglaubliche Kräfte zum Inhalt, die uns befähigen, uns selbst und die Welt zu heilen – die Dinge gewissermaßen so zu gestalten, wie wir sie haben wollen. (S. 325 f.)

Weiter noch:

Die kommende wissenschaftliche Revolution kündigt das Ende jeder Art von Dualismus an. Weit davon entfernt, Gott zu zerstören, liefert die Wissenschaft erstmals einen Beweis für seine Existenz – indem sie demonstriert, dass es dort draußen ein höheres kollektives Bewusstsein gibt. Wir brauchen jetzt keine zwei Wahrheiten mehr, die Wahrheit der Wissenschaft und die Wahrheit der Religion. Eine einheitliche Vision der Welt reicht aus. …
Wir haben viel mehr Macht, als wir selber glauben, uns selbst, unsere Mitmenschen und unsere Gemeinschaften zu heilen.
(S. 328)

Mein Fazit: Wenn wir als wissenschaftlich interessierte Laien einigermaßen auf der Höhe der Zeit sein wollen, dann ist dieses Buch eine wirkliche Hilfe.

Auch die (verwirrenden) Erkenntnisse der Quantenphysik sind inzwischen ein Jahrhundert alt. „Das Nullpunkt-Feld“ geht den entscheidenden Schritt über die Quantenphysik hinaus:
das NICHTS als Potenzial für ALLES. Es ist wichtig, dieses FELD nicht nur physikalisch zu verstehen, sondern auch spirituell: die alles umfassende VERBUNDNHEIT.

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