P.A. Schröter / C. Meyer: Die Kraft der männlichen Sexualität

„Neue Männer braucht das Land“ sang Ina Deter schon 1982. Wir sind immer noch auf der Suche nach ihnen. Ein wichtiger Meilenstein ihn zu bestimmen ist zweifellos das Buch von Peter A. Schröter und Charles Meyer: „Die Kraft der männlichen Sexualität“. Nach dem „Macho“ und dem „Softi“ sehen sie im PHALLISCHEN MANN den „neuen Mann“.

Der phallische Mann

Diese Beizeichnung ist sicher zunächst etwas irritierend. Ist das nicht eine andere Bezeichnung für den „Macho“, der total peniszentriert ist? Haben wir nicht genug von dem penisbesessenen Mann, der seine ganze Identität aus der „knallharten Erektion“ bezieht? (In einer Viagra-SPAM las ich sogar von „Killer-Erektion“. Was für ein Wahnsinn!)

Das wäre sicher ein grandioses Missverständnis! Das Buch räumt vielmehr mit den ganzen Mythen dieser peniszentrierten Pseudo-Männlichkeit auf. „Peniszentrierte Männer sind egoistisch, narzisstisch überhöht, selbstverliebt. Solche Männer üben rücksichtslos Macht aus, verletzen damit andere und meisten am Ende aus sich selbst.“ (S. 283)

Es geht um die männliche Kraft in seiner Ganzheit, eine Kraft, die den ganzen Körper, jede einzelne Zelle bestimmt. Und es ist mutig, diese Kraft „phallische Kraft“ zu nennen. Eine Kraft, die sich zwar im Bild des erigierten Penis symbolisiert, doch mit der patriarchalischen Peniszentriertheit nichts zu tun hat. „Die phallische Kraft dagegen ist eine seit Urzeiten heilige Kraft.“ Das, was der der indische Gott Shiva symbolisiert oder die griechischen Götter Dionysios (als Gott des Rausches und der Ekstase) und Apoll (der Sohn von Zeus als strahlendes Bewusstsein). „Vernunft und Ekstase sind die beiden Pole der phallischen, männlichen Kraft.“ (S. 287)

Der wohl größte Unterschied zwischen einem pentiszentrierten Macho und einem phallischen Mann ist wohl der: Der Macho hat das Weibliche in sich abgespalten, hasst (verachtet und erniedrigt) letztendlich Frauen, missbraucht sie selbstsüchtig. Der phallische Mann hat dagegen das Weibliche integriert und ist deswegen in der Lage, eine Frau im Innersten zu berühren und ihre tiefe Liebe zu erwecken. Das befreite Weibliche in sich erlaubt es dem phallischen Mann, loszulassen, sich hinzugeben, einen Ganzkörperorgasmus in vollkommener Ekstase geschehen zu lassen.

„Wenn wir Männer uns dem Glück zuwenden wollen, dann müssen wir phallisch werden, das Phallische in unserem ganzen Sein zulassen: ein klares Schwert entwickeln beim Denken, einen guten Schwanz zulassen beim Liebemachen. Und wenn der scharfe Geist und die wilde, aggressive Kraft zwischen den Beinen geweckt werden, das Urlicht im Kopf mit der Urkraft im Bauch zusammenkommen, öffnet sich das Herz, das gerade in der Mitte liegt zwischen diesen beiden Polen, und es entsteht eine Balance zwischen beiden Kräften.“ (S. 288)

Die vier Grundkräfte des Mannes und
ihre Integration im phallischen Mann

Auch Schröter/Meyer bedienen sich der Archetypen von C.G. Jung, um die Grundkräfte des Mannes zu bestimmen. Archetypen sind „… Energiefelder, die den Instinkten ähnlich sind. Er lokalisiert sie im Unterbewussten. Sie liegen in einem tiefen Bereich der Seele, im „kollektiven Unbewussten“, in dem unsere allgemeinmenschlichen Anlagen darauf warten und drängen, gelebt zu werden.“ (S. 89)

Diese vier seelischen Grundkräfte repräsentieren archetypisch

  • der Krieger (der wilde Mann, der Jäger)
  • der Liebhaber (der Held, der Vater)
  • der Magier (der Schamane, der Heiler) und
  • der König (der Großvater, der Narr, der Weise, der Heilige)

Mit dem Archetypischen kommen wir in die Seele des Mannes.
Jede dieser Kräfte hat im unerlösten Zustand auch ihre Schattenseiten. Beim König kann es der Tyrann oder der Schwächling sein. Der reife, der phallische Mann hat seine Schattenanteile und diese vier Grundkräfte integriert. Eine Aufgabe für´s Leben!

„Der phallische Mann ist den Weg vom Helden zum Krieger, zum Liebhaber, zum Magier und zum König gegangen. … Er gewinnt die Einsicht, daß es im Leben gar nicht um das Ich geht, wie er als Held und Krieger immer glaubte, sondern daß es darum geht, das Selbst zu berühren, den Gral zu gewinnen. Oder wie es die Indianer sagen: Nicht den persönlichen Traum sollst du träumen, sondern den großen Traum.“ (S. 290)

„Ein phallischer Mann hat in sich den König entwickelt als Zentrum seiner Welt, in dem das Weltliche und das Heilige zusammenkommen, der die Himmelsenergie aufnimmt, um das Weltliche heilig zu machen. Der phallische Mann wird seine Sexualkraft am Ende heilend einsetzen. Sein Zentrum ist dieser phallische König, die Verbindung von Sexualität und Spiritualität, seiner geilen und seiner geistigen Kraft, die Verbindung von Urkraft und Urlicht. Und wenn die Sexualität, die Urkraft, gut verbunden ist mit dem Bewusstsein, dem Urlicht, dann geht diese Energie über das Herz hinaus in die Welt.“ (S. 294)

Mein Fazit: Zur Beantwortung der Frage, was der neue Mann ist und wie wir Männer uns dazu entwickeln können, ist dieses Buch in meinen Augen das am weitest entwickelte, stellt wirklich ein Leitbild für den neuen Mann dar. Absolut empfehlenswert!

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