Paul Davies: Der kosmische Volltreffer

Untertitel: Warum wir hier sind und das Universum wie für uns geschaffen ist

Meine erste naturwissenschaftliche „Grundausbildung“ als Autodidakt hatte ich bei Hoimar von Ditfurt bezogen, dann bei Paul Davies (auf Empfehlung von HvD). Davis ist ein „weicher“ Physiker  und ein glänzender, verständlich schreibender Sachbuchautor.
Er ist „so wissenschaftlich wie möglich“, lässt aber immer die Möglichkeit zu, dass ein Mysterium bleibt, das wir nur als „göttlich“ beschreiben können. Manchmal kommt er mir wie ein „spiritueller Trojaner“ unter den Physikern vor. Wie dem auch sei: Ich liebe seine Bücher!

Wenn ich den groben aktuellen Stand der Kosmologie lesen oder nachlesen will, dann greife ich zuerst zu seinen Büchern.

Sein letztes, deutschsprachig erschienenes Buch, der kosmische Volltreffer, ist eine gute Zusammenfassung des aktuellen Standes der Kosmologie und der ewigen Frage: „Warum sind wir hier? Welchen Sinn hat unser Leben – hier auf einer Erde, die wie für uns geschaffen scheint?“

Es geht an den Rand des Denkbaren und darüber hinaus.

 

Das Nachwort als Vorwort lesen

Das Nachwort ist eine großartige Zusammenfassung des Buches. Es nimmt keineswegs die Spannung aus dem Buch, wenn man gleich am Anfang liest, was dabei heraus kommt. Das ganze Buch ist eine argumentativ sehr differenzierte Hinleitung dann zu dieser „Conklusion“.  Mit dem Wissen um die Zusammenfassung fällt es leichter zu erkennen, worauf jeder einzelne argumentative Schritt hinaus läuft. Ich beschränke mich bei der Buchbesprechung auf die Zusammenfassung:

Sieben bis acht Varianten der zeitgenössischen Kosmologie

Variante 1 (A): Das absurde Universum

„Absurd“ heißt, es gibt keinen Sinn und Zweck des Ganzen. Es gibt keinen Gott, keinen Designer, kein „Schicksal“, kein teleologisches (zielgerichtetes) Prinzip. Alles ist purer Zufall und die Existenz des Menschen im ansonsten toten Universum eine unbedeutende Randerscheinung.
Diese Absurdität (im wahrsten, nicht wertenden Sinne) ist wohl die Weltanschauung der meisten Wissenschaftler.

Variante 2 (B): Das eine, einzige und einmalige Universum

Diese Version wird von einer Avantgarde der Kosmologen vertreten,  die auf der Suche nach der EINEN Weltformel sind (String/M-Theorie oder Ähnliches). Diese „Theorie von Allem“ beruht auf mathematischen Prinzipien, die keinen Raum für Anpassungen oder Feinabstimmungen lässt.
Unser Universum existiert NOTWENDIGERWEISE so, wie es ist. Wenn (!) es Gott gibt, ist er seit dem Big-Bang „arbeitslos“. ER hat die Weltformel erschaffen, dem Ganzen Leben eingehaucht – und nun läuft alles von selbst.

Variante 3 (C): Das Multiversum

Wenn man Gott nicht als Verursacher unterstellen will, ist die Frage nahe liegend: Was war vor dem „Urknall“? Die wachsende Minderheit der Kosmologen gehen davon aus, dass „unser (beobachtbares) Universum“ nur eines von vielen ist, ein „Taschen-Universum“, selbst nur Kind eines Mutter-Universums. Dabei können die physikalischen Gesetze „von einer kosmischenm Region zur anderen“ variieren. Die meisten der anderen Universen sind steril (ohne Leben), die Existenz von Leben in „unserem Universum“ wieder nur reiner Zufall, weil die Anfangsbedingungen beim Urknall Leben in Konsequenz zufällig möglich gemacht haben.
Hier bleibt die Frage auf einer höheren Ebene unbeantwortet: Und was war VOR dem Mutter-Universum? Und hat das Mutter-Universum diese einzigartigen Anfangsbedingungen unseres Universums bewusst gewählt?

Variante 4 (D): Intelligentes Design

Hierunter wird die Sicht der klassischen Religionen zusammen gefasst. Gott, der Schöpfer ist der Designer. Aber auch jede Vorstellung, eine „Superintelligenz“ steuert alles, fällt unter die Kategorie „intelligentes Design“.
Es lässt die Frage offen, wie und warum „der Designer“ das alles erschaffen hat. (Kindlich-Göttlicher Spiel-Trieb oder gar Spielsucht eines teuflisch-intelligenten Freaks? JS)

Variante 5 (E): Das Lebensprinzip

Das Lebensprinzip nimmt die offensichtliche Tatsache ernst, dass unser Universum Leben und Geist (selbstreflektierendes Bewusstsein) hervorgebracht hat. Es postuliert, dass es NEBEN den phsikalischen Urprinzipien (die physikalischen Gesetze) auch ein Lebensprinzip integriert war: das ZIEL (Thelos) von Leben und Geist schon von Anbeginn „eingeschrieben“ war.

Variante 6 (F): Das sich selbst erklärende Universum

Alle bisherigen Varianten waren irgendwie „linear“ in einem „Zeitstrahl von Anfang bis Ende“ – mit der ewig ungelösten Frage: Ja, und was war davor?
„Das sich selbst erklärende Universum“  bezieht sich nun in einer „kausalen Schleife“ auf sich selbst. Die Kausalität ist noch gewahrt, aber auch rückwärts möglich (wie es die Quantenphysik erlaubt). Das Universum erschafft sich auch rückbezüglich selbst: Es verursacht auch seine Vergangenheit – wie in den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Es experimentiert mit sich selbst bis alles (einigermaßen) vollkommen ist.

Variante 7 (G): Das simulierte Universum

Das simulierte Universum geht (ähnlich der Trilogie MATRIX) davon aus, dass nichts real ist, sondern alles nur eine „künstliche, virtuelle Reality-Show“. Diese Variante konsequent zu Ende gedacht heißt, dass es wahrscheinlich mehr simulierte und reale Universen gibt – und wir selbst wahrscheinlicher in einem simulierten als realen Universum leben.
Absurder geht es kaum. Was, wenn diese „Superspieler“ morgen schon den Stecker ihrer „Super-Computer“ ziehen, weil sie keinen Bock mehr auf das Spiel haben? Oder es plötzlich einfach nur einen „Stromausfall“ gibt?

Variante 8 (H): Nichts von alledem

Paul Davies konstatiert, dass es noch weitere Varianten geben könnte: „Habe ich etwas vergessen?“ (S. 336). Er selbst macht keinen Hel daraus, dass er die Varianten E und F favorisiert. „Inzwischen muss man zugeben, dass die meisten Wissenschaftler der Position A oder dergleichen zuneigen, ansonsten weiter ihre Arbeit machen (da gibt es ja sicher auch Hypotheken abzutragen, JS) und die großen Fragen den Priestern und Philosophen überlassen.“ (letzter Satz S. 337)

Mein Fazit:
„Nichts von alledem“ ist allerdings auch meine „kosmische Weltanschauung“. Mir macht das Buch deutlicher denn je, dass die Kosmologie in einer Sackgasse steckt, „das Problem des Ursprungs“ nicht mit den Mitteln der Physik erklärt werden kann. Grob gesagt: PHYSIK kann nicht Leben und Geist erklären, sondern umgekehrt: LEBEN UND GEIST können „die Physik des Anfangs und der Kosmologie“ erklären. Ich gehe dabei stillschweigend davon aus, dass diese hochkarätigen Kosmos-Physiker Leben und Geist besitzen.

Gerade weil das Buch auch einen wissenschaftlichen Laien mit den Ambitionen eines kosmischen Bewusstseins an die Grenzen der physikalischen Kosmologie führt, kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.

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