Pia Gyger: Maria – Tochter der Erde – Königin des Alls. Vision der neuen Schöpfung

Das Buch ist erschütternd, befreiend und bahnbrechend. Ich musste für das Buch erst jahrelang reif werden. ES hatte mich längst gefunden und wartete ein ganzes Jahrzehnt in meinem Bücherregal auf mein Reifwerden. Meine letzte > Buchbesprechung von Frederic Lionel über die Heilige Astrologie öffnete mir dann endlich den Zugang. Darin schreibt er, dass in der Heiligen Astrologie ein kosmischer Zyklus mit dem Sternbild der Jungfrau beginne und macht auch als Beispiel eine Andeutung über die Verkündigung Mariä: „Das Ewigweibliche empfängt und schöpft, und demnach wird dieses Zeichen zum Symbol göttlicher Potenz.“ (S. 70). Ich war wie elektrisiert. Was für Welten hier bei mir zusammen  kommen! Die uralte Heilige Astrologie des Frederic Lionel und die Neuinterpretation der Mairen-Dogmen der katholischen Kirche durch Pia Gyger. Ich selbst bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Meine Mutter hieß Maria wie auch meine römisch-katholisch getraute Frau. Das Buch ist auch aus persönlichen Grünen für mich sehr heilsam und berührt mich in den Tiefsten meiner Seele.

Das Buch ist erschütternd, weil es jedes Weltbild erschüttern muss. Wir leben – Gott sei Dank – in einem Zeitalter, in der das Weibliche wieder seinen Platz einnimmt. „Am Anfang war die Frau“ (Elisabeth Gould Davis 1986) oder „Rückkehr der Göttin“ aus der feministischen Literatur setzten schon Zeichen. Doch Pia Gyger geht dem Urweiblichen bis in die Festungen des Katholizismus nach und sprengt mit ihrer Interpretation der Marien-Dogmen die wohl stärkste religiöse Trutzburg des Patriarchats. Das Buch ist befreiend, weil es in der Barmherzigkeit der Mutter Maria die Erlösung von allem Bösen erkennt. Es erlöst uns gar von Teufel und Hölle. Das Buch ist bahnbrechend,  weil es für die „Vision der neuen Schöpfung“ selbst den revolutionären Keim des Katholizismus in MARIA erkennt und zur Entfaltung bringen kann. Den tiefen, archetypischen Sinn der MARIA als „Mutter Gottes“ zu erkennen, kann sogar die Errettung des Katholizismus für „die neue Schöpfung“ sein. Was für eine Vision!

Ich bedaure sehr, dass es das Buch nur noch antiquarisch gibt und werde es deswegen etwas ausführlicher besprechen. Zentrale Thesen des Buches:

Haben Sie keine Angst, heilig zu werden, öffnen Sie sich nur der Liebe, die Ihnen angeboten wird. Sie werden die Liebe in die Welt hineintragen. Sie werden „Mutter Gottes“ für die Welt von heute werden. (S. 24 und andere – aus dem Lourdes-Führer)

Marias steht für den Menschen, an dem die größtmögliche Vergöttlichung stattgefunden hat. (S. 98)

Hölle ist die Möglichkeit der selbstgewählten Trennung, des immerwährenden „Ich will nicht dienen.“. (S. 119)

Gott konnte in seiner frei gewählten Selbst-Entäußerung und Ohnmacht nicht handeln. Er konnte nichts tun. (S. 147)

Der Mensch ist erst ein Entwurf seiner selbst. (S. 149)

Das Buch beginnt mit einem im „intuitiven Schreiben“ 1999 entstandenen Text, den sie EINS UND ALLES genannt hat – mit den 6 Teilen und 77 Sätzen:

  • Gott Alles In Allem (13)
  • Christus – Alpha Und Omega (18)
  • Geist, Der Lebendig Macht (7)
  • Maria Und Die Erlöste Schöpfung (16)
  • Leibhaftigkeit Und Partnerschaft (14)
  • Kirche Und Welt (9)

Das Buch entfaltet diese Thesen für eine neue Schöpfung und Erneuerung der Kirche im Geiste Marias.

Die 7 Kapitel des Buches:

  1. MARIA – Leitbild für die Entwicklung menschlichen Potenzials
  2. MARIA – Königin der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung
  3. MARIA – zärtliche Mutter aller unerlösten Schöpfung
  4. MARIA – Auge, Ohr, Mund, Hand und Herz des Friedens
  5. MARIA – Urbild und Lehrerin neuer Macht
  6. MARIA – Braut des Auferstandenen
  7. MARIA – Wegbereiterin universeller Transformation

1. MARIA – Leitbild für die Entwicklung des menschlichen Potenzials

Das erste Kapitel geht den großen Marian-Dogmen nach und interpretiert sie neu im Sinne des menschlichen Potenzials.

Theotokos (die Gottesgebärerin): Wenn wir das Weibliche (die Verbindung von Sophia und Heiligem Geist) in uns entfalten, dann kann Gott in uns für die neue Schöpfung geboren werden. Wir werden Mitschöpfer des Göttlichen.

Aeiparthenos (die Ewig-Jungfrau): Jungfräulichkeit ist nicht im sexuellen Sinne gemeint, sondern „die radikale Offenheit und Hingabe an das Wirken des Geistes Gottes in uns. In diesem Sinne ist Maria Aeiparthenos, die Ewig-Jungfrau, Urbild und Leitbild des Wesensgehorsams“ (S. 37): Dein Wille geschehe. Es entspricht dem Archetyp Jungfrau als „Symbol für radikale Offenheit dem Göttlichen gegenüber“ (S. 41)

Immaculata-Concepta (die unbefleckt Empfangene): „Unbefleckt“ heißt frei von der Ursünde. Es ist möglich den „Alten Adam und die alte Eva“ in uns abzulegen, um den „neuen Menschen“ anzuziehen (S. 45). Wir sind unserem Wesen nach unschuldig wie die Kinder.

Assumpta (mit Leib und Seele zum Himmel Erhobene): Es ist das große Geheimnis der Auferstehung des Fleisches. So wie Maria „mit Leib und Seele“ auferstanden ist, so liegt dies auch im Potenzial eines jeden Menschen. Auch unser Körper kann unsterblich werden in in einer „auferstandenen“ Sphäre der Seele ewig leben. [In meinem Verständnis: In jedem von uns ist ein „Auferstandener Meister“.]

2. MARIA – Königin der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung

In diesem Kapitel diskutiert Pia Gyger die Lehren des Buddhismus für ein neues Verständnis von MARIA. Die Autorin selbst ist ZEN-Meisterin. Je mehr wir uns dem Mysterium des Göttlichen in der Sprache nähern, desto paradoxer werden die Sätze (die Koans des Zen-Buddhismus): „In jenen ortlosen Ort in uns, wo alles eins ist, wo es weder Nähe noch Distanz, weder Hier noch Dort, weder Vorher noch Nachher gibt.“ (S. 58) Es geht um das buddhistische Thema des NIRVANA. Hier sieht die Autorin „den markantesten Unterschied zwischen Buddhismus und Christentum“ (S. 63) „Mit der (christlichen, JS) Auferstehung ist eine völlig neue Dimension des Seins gemeint. Eine neue Schöpfung.“ (S. 64) Als fleischlich Auferstandene ist Maria „Königin des Himmels“.

In dieser Sphäre sind auch Engel zu Hause, die „Mittler zwischen Gott und Mensch“ und den Engelsturz das große Thema nicht nur der Bibel. Der Auftrag Gottes an die Engel war, dem Menschen zu dienen. Luzifer widersprach. Er wollte als Engel dem Mensch nicht dienen. Luzifer wurde zum Satan, weil er nicht dienen will. Er ist die Inkarnation des ICH WILL NICHT DIENEN! Das ist die eigentliche Ursünde, die Trennung vom Göttlichen und der Keim des Bösen. Doch „Maria ist nicht nur die Königin der Lichtengel, sie ist auch die Königin der Engel des Widerspruchs“ (S. 76) Sie trägt in sich auch die Erlösung der dunklen Engel, der Schattenreiche der Schöpfung.

In den alten Religionen war die Vermählung des Gottkönigs und der Göttin stets mit sexuellen Orgien verbunden. Maria als „Königin des Alls“ steht nicht für diese Vision der „Heiligen Hochzeit“. Es ist eine mystische Hochzeit. Wenn Maria auch die Königin des Alls ist, dann ist das All uns nicht unfreundlich gesonnen, doch: „Bevor nicht jedes Kind ein Dach über dem Kopf und genügend zu essen hat, sind wir im Kosmos nicht willkommen.“ (S. 84)

3. MARIA – zärtliche Mutter aller unerlösten Schöpfung

Das Göttliche thront nicht außerhalb seiner Schöpfung, sondern wurde die Schöpfung selbst. Es ist der „Abstieg Gottes“, seine „Selbstentäußerung“: „Gottes Abstieg bedeutet, er geht in die Werdewelt ein. Gottes Aufstieg bedeutet, diese Werdewelt entwickelt sich in aufsteigender Linie zu immer komplexeren, mit höherem Bewusstsein versehenen Gestalten. Im Menschen wird Gott in der Materie sich seiner selbst bewusst.“ (S. 97) Und „Maria steht für den Menschen, an dem die größtmögliche Vergöttlichung stattgefunden hat.“ (S. 98) Jesus war als „Gottes Sohn“ auf die Welt gekommen, doch Maria war ein Menschenkind.

„Luzifer steht für die im Geschöpf erwachte Freiheit zur Wahl.“ (S. 107) Es ist die Ursache seiner Verweigerung – im gewissen Sinne sogar der „verlorene Sohn“, der ihm zum „gefallenen Engel“ macht. Gegen das NEIN! der „dunklen Engel“ ist das Göttliche MACHT-LOS. Die Geschöpfe haben die Freiheit des NEIN!, sie sind damit aber auch „dem kosmischen Gesetz der Gerechtigkeit unterworfen. Weder der Vater noch der Sohn kann dieses Gesetz außer Kraft setzen. Da entscheidet sich die Mutter, für ewig in die Hölle zu gehen und mit den Verdammten zu leiden.“ (S. 111) MARIA nimmt alles Leiden auf sich. Väterliche Gerechtigkeit kann die Hölle nicht erlösen, sondern nur mütterliche Barmherzigkeit.

4. MARIA – Auge, Ohr, Mund, Hand und Herz des Friedens

In Maria liegt die „Abkehr von der ewigen Hölle“. Wenn die Schöpfung als Ganzes einer Transformation zustrebt, müssen auch Luzifer und die Hölle erlöst werden, die Schatten der Evolution integriert. Für die Autorin wurde „die Wichtigkeit des Weiblichen bei der Transformation des Dunklen überwältigend“ (S. 118) Dieses Kapitel stellt die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu dar und Fürbitten an Maria zu jeder Station.

Dieser Kreuzweg enthält „das Mysterium der Wandlung aller Schöpfung“ (S. 149), unsere Entfaltung zu wahren Lichtwesen nach dem Kreuzweg durch die Hölle.

5. MARIA – Urbild und Lehrerin neuer Macht

Luzifers Macht des Habens ist das „Ich will nicht dienen!“. Marias Seins-Macht liegt in dem DEIN WILLE GESCHEHE.

„Bevor der Mensch zum Göttlichen „ICH BIN“ erwachen kann, musste er sich in einem „egozentrierten Ich“ erfahren und individualisieren.“ (S. 153) Das Göttliche lässt diese egozentristische Entwicklung zu, damit wir zu dem ICH BIN erwachen können und unsere Aufgabe und Verantwortung freiwillig übernehmen. Maria selbst wurde vom Engel befragt, ob sie den Sohn Gottes gebären wolle. Es war das erste GROSSE JA zur Übernahme der göttlichen Berufung, was Pia Gyger „Wesensgehorsam“ nennt:

In allen Zeugnissen von Menschen, die sich auf das große Abenteuer der Gotteserfahrung einlassen, liegt im freiwilligen Ja die Voraussetzung, dass die Initiation in eine neue Seinsweise und der dazu gehörende Prozess der Wandlung beginnen können. Der tiefste Sinn der Jungfräulichkeit hat nichts mit sexueller Enthaltsamkeit zu tun. Jungfräulichkeit meint die radikale Offenheit und Hingabe an das Wirken des Heiligen Geistes in uns. (S. 169)

In jedem die inneren Stimme hören und ihr gehorchen steckt dieser „Wesensgehorsam“. Aus dieser Wesenheit des Weiblichen in Mann und Frau kann auch eine neue Partnerschaft entstehen, eine neue planetare Macht: „die gegenseitige Inspiration von Mann und Frau“ (S. 184)

6. MARIA – Braut des Auferstandenen

Jesus war wie jeder Mann Sohn einer Mutter, ohne dabei ein Muttersöhnchen zu sein. Jesus als Gottessohn repräsentiert die neue Männlichkeit, Maria als Jungfrau, Mutter und Braut die neue Weiblichkeit. Als Menschenfrau BRAUT des Göttlichen zu sein bedeutet letztlich die Hochzeit zwischen Gott und Menschen, Himmel und Erde.

Leben bedeutet Vereinigung von Gegensätzen. Elemente, Atome, Moleküle, Zellen, aber auch Systeme psychisch-geistiger Gegensatzpaare, die konkurrierend nebeneinander existieren, werden durch integrierende Vereinigung auf neue höhere ebene gewandelt. „Hochzeit“ ist das Symbol für diesen Prozess der Vereinigung. (S. 187)
Die Feier der Hochzeit geschieht eben gerade nicht zwischen dem Sohn und der Mutter, wie in alten Mythologien oft dargestellt. Nicht eine Regression in die Ureinheit steht an. Denn nicht die Mutter wird zur Braut, sondern die Frau mit mütterlichen Zügen. (S. 196)

Mit dieser Hochzeit geschieht die „endgültige Auflösung des Dualismus zwischen Schöpfer und Geschöpf“. (S. 196) Die Heilige Hochzeit ist die Überwindung jeglichen Dualismus in unserem Bewusstsein. Wir erwachen zur „Weisheit“ des EINEN jenseits des WISSENS über das Viele. „Weisheit“ heißt im Griechischen SOPHIA und war immer weiblich. Hier beißt sich die Schlange in den Schwanz (das Symbol des EINEN im KREIS). Ist das Ur-Mütterliche das Gebären der Schöpfung, so kehrt es zur Einheit auch als Weiblichkeit wieder zurück. SOPHIA ist die „Personifizierung göttlicher Gegenwart“ (S. 202)

Die jetzt anstehende heilige Hochzeit geschieht in dem Maße, wie Sophia in uns Wohnung nimmt, wenn wir also weise werden. …
Wenn die Samen von „Maria-Sophia-Sponsa“ in uns zu sprießen beginnen, werden wir zu Erkennenden! Nicht mehr verführt durch die Schlange, essen wir vom Baum der Erkenntnis, sondern ermächtigt von Maria, der Mutter aller unerlösten Schöpfung. Durch ihre Hand gereicht wird uns die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zum Segen und zur unerlässlichen Nahrung. (S. 203)

Wir erschaffen – wie von Jesus prophezeit – nicht nur eine neue Erde, sondern auch einen neuen Himmel.

7. MARIA – Wegbereiterin universeller Transformation

Die universelle Transformation ist die „Vergeistigung der Materie“ (S. 212), die „Verklärung des Körpers“ (S. 223). Diese gewaltige Licht-Energie in unserem Körper wird in der indischen Spiritualität KUNDALINI genannt. SHAKTI – die weibliche Gottheit und göttliche Mutter im indischen Tantrismus neben ihrem Gemahl SHIVA verschafft sich in MARIA „unausweichlich als weibliche Dimension Gehör“ (S. 228) vor allem im katholischen Christentum.

Das Heil, in der universellen Transformation zum wahren Menschen zu werden, liegt in unserem physischen Körper, der fleischlichen Auferstehung als Lichtkörper. „Das archetypische Bild der heiligen Hochzeit, Vereinigung von Geist und Materie wird hier aktiviert. Diese Hochzeit geschieht leiblich an uns, sie vollzieht sich im Körper.“ (S. 252)

Mein Fazit: Ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen, der mit den großen religiösen und spirituellen Fragen ringt: Warum lässt Gott das zu? Was ist mit dem Teufel und der Hölle? Wo ist das Weibliche im Katholizismus? Wie kann MARIA die Welt erlösen uns erretten und die gebärende MUTTER einer neuen Erde und eines neuen Himmels werden? Wie kann das Leitbild der MARIA auch unser Bild der FRAU als gleichberechtiger Gefährtin des Heiligen Paares werden?
Das Buch kann alles in ein neues Licht stellen, unsere Wiedergeburt als Lichtwesen.

Sehr lichtvoll sind die illustrierenden Bilder von Susan Herrmann-Csomor zum Buch. Sie hat das in Bildern empfangen, was Pia Gyger als EINS UND ALLES beschreibt. Ihre Bilder illustrieren auch das, was Frederic Lionel im Buch „Heilige Astrologie“ sagt: „Kunst überhaupt ist eine Sprache jenseits von Zeit und Raum.“ (S.99).

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Nachruf zum 14. Juli 2014

Ohne danach gesucht zu haben, las ich bei der Buchbesprechung den >> Nachruf von Sabine Lichtenfels von TAMERA. Hier auch der Link zum >> Kondolenzbuch-online des Lassalle-Hauses.

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