Raimund Badelt: Energie Liebe

Untertitel: Teilhard de Chardin – ein Mystiker der Evolution

Als ich das Büchlein in meinem Briefkasten gefunden hatte, öffnete ich es direkt neugierig, wie ich es mit allen zugesendeten Büchern tue. Es nahm mich direkt in Bann – zwei Stunden später hatte ich es nahrzu „atemlos“ zu Ende gelesen, so fesselte es mich.

Das Büchlein (erst 2017 erschienen!) ist nicht eine weitere Einführung in das Werk Teilhards, sondern eine ganz besondere: Es ist der Bd. 77 der „Ignatianischen Impulse“, die also in der Tradition des Ignatius von Loyola, dem Gründer der Gesellschaft Jesu (Societas Jesu, SJ), der später als „Jesuitenorden“ bekannt wurde, dem Teilhard selbst angehörte.

Als erstes hat mich dieser sehr wohlwollende Umgang eines „Glaubensbruders“ im Geiste des Ignatius überrascht. Bisher schien es mir, Teilhard hätte sehr unter dem „Kadavergehorsam“ seines Ordens gelitten. Das Lesen des Büchleins hat meine Wahrnehmung deutlich zurecht gerückt! Teilhard war kein Ego-Autor, der Zeit seines Lebens noch zum Weltbestseller werden wollte. Er wusste Mut und Demut in Balance zu halten und vertraute auf die langfristige Wirksamkeit seines Werkes (das immer wieder „Auferstehung“ erfährt).

Es ist einfach wohltuend zu wissen, dass Teilhard auch im Kreise der „Gesellschaft Jesu“ seine Anerkennung gefunden hat. Der Autor schreibt im Vorwort:

Im Bereich der Religion dauert es bekanntlich etwas länger als im Bereich der Naturwissenschaft, bis sich neue Erkenntnisse duchsetzen; die Pioniere werden leicht zu Opfern – aber im Christentum gehören Tod und Auferstehung ja bekanntlich zusammen. (S. 8)

Der Autor schließt die das Vorwort mit dem Satz: „Die Thematik ist heute aktueller denn je.“ (S. 8)

Das zweite, das mich in dem Büchlein überrascht hat: Ignatius war in gewissem Sinne gar ein Vordenker und Wegweiser von Teilhard. Dessen Exerzitien regen an, die Natur mit Staunen zu begegnen, hierin das Göttliche zu erkennen. Gott wirke durch die Natur im Menschen; er lade den Menschen zur Kooperation in der immerwährenden Schöpfung ein. (S. 32) Teilhard hatte nie etwas an der Lehre des Ignatius zu kritisieren, hat dessen Schöpfungs-Spiritualität nur mit dem Gedanken der Evolution erweitert. Teilhard war kein heimlicher Rebell mit der Faust in der Tasche. Er war ein Jesuit und Wissenschaftler durch und durch. Diese beiden Welten IN SICH zu vereinigen, war Herkulesarbeit genug.

Das dritte, was mich an dem Büchlein überrascht hat: Es hat mich in das HERZ von Teilhard geführt. Man kann die Werke von Teilhard von außen  betrachten und analysieren. Man kann das Werk aber auch von innen wahrnehmen, in der „Konspiration“ mit Teilhard selbst. Dieses Wunder vermag das Büchlein, wenn der Leser dazu bereit ist.

Teilhard fasziniert mich, weil ich in unserem UNI-Versum auch den LEIB CHRISTI SEHE, den „kosmischen Christus“. Ich sage es einmal provokant: Das ist EIN GLAUBE. Doch ich habe durch das Büchlein viele Einzelheiten der Lehre des Teilhard erst wirklich „verstanden“, den Zugang dazu erhalten. Obwohl ich katholisch erzogen wurde, Messdiener war und zur Kommunion gegangen bin, habe ich durch das Büchlein die „Bedeutung der Eucharistie“ erst wirklich verstanden (und anderes!).

Nach dem Lesen dieses Büchleins würde ich es jedem ans Herz legen, der sich den Werken Teilhard de Chardins wieder nähert. Es erlaubt, Teilhard „von innen“ zu lesen, von Herz zu Herz. Einen besseren Schlüssel zu seinem Werk kann ich mir gar nicht mehr vorstellen!

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