Ruediger Dahlke: Mythos Erotik

In meinen Augen hat das Buch etwas von einem Meisterwerk. Nach den großen Büchern von Ruediger Dahlke, die die wichtigsten Aspekte seines Lebenswerkes behandeln („Die Lebens-Prinzipien“, „Die Schicksalsgesetze“, „Das Schattenprinzip“) wendet er nun diese Erkenntnisse auf das größte Thema unseres Menschseins an: das Thema der Liebe.

Das Buch ist sehr gesellschaftskritisch und fordert eine neue Liebeskultur ein, zu dem das Buch selbst einen Beitrag leisten will. Denn zu einer neuen Liebeskultur gehört Wissen und Bewusstsein dazu – nicht zuletzt auch das archetypische Wissen um die Götter und Göttinnen der Liebe.

So stellt sich ganz unpopulär die Frage, inwieweit die Veränderung der Geschlechterrollen in der Gesellschaft nicht bereits zu einer deutlich spürbaren Frustration in den Schlafzimmern führt. Diese Tendenz des Verschwin-dens von Liebreiz und Verlockung, von Muße und absichtslosem Spiel beim Sex entgegenzuwirken und damit Eros wieder ins rechte Licht zu rücken, ist Ziel dieses Buches. (S. 28)

In unserer Lebenskultur nach der „sexuellen Revolution“ fallen körperliche (sexuelle) und geistige (platonische) Liebe immer mehr auseinander. Hier eine totale Sexualisierung des Alltags, dort die nur noch rein platonische Liebe in Partnerschaften, wo es nicht mehr wirklich funken will. Was ist der Grund und wie kann der Liebesgott EROS wieder Einzug in unser Liebesleben halten?
Zunächst: „Erotik aber braucht sowohl Seele als auch Körper zum Lebendigsein und ver-bindet so beide miteinander. … Folglich findet Erotik immer auch auf der Seelenebene statt, drängt jedoch auf den körperlichen Ausdruck.“ (S. 38 f.)

Angeblich wollen Männer nur Sex, Frauen jedoch vor allem Liebe. Das „verbindende Glied“ zwischen beidem, Sex und Liebe, ist jedoch die Erotik! Je erotischer unsere Liebeskultur wird, desto mehr können wir Liebe und Sex in unseren Alltag integrieren.

Der Stammbaum von EROS

Das Herzstück des Buches ist für mich das Kapitel „Die Götter der Liebe“,so ziemlich in der Mitte des Buches. Hier ist Dahlke – auch in seinem Sprachwitz – ganz Dahlke. In diesem Kapitel findet sich die Essenz der archetypischen Lektionen des Buches.

Gott EROS-AMOR ist das Kind von ARES-MARS und VENUS-APHRODITE,
aus einer „verbotenen Liebe“ entsprungen (Mars ist fremd gegangen).
Von Mutter Venus hat Eros die Sinnlichkeit, das Verspielte, die Absichts-losigkeit, das GENOMMEN-WERDEN. Von Vater Mars hat Eros die Stärke, die Kraft, das Wollen, das NEHMEN, wie es ihm gefällt. Eros ist lebendig, wenn beides da ist: die venusische Sinnlichkeit und die marsianische Eindringlichkeit. Eros hat auch Großvater und Großmutter: URANUS ist der Opa und POSEIDON-NEPTUN (als weibliches Prinzip!) die Oma – mütter-licherseits: die im Wasser „Schaumgeborene Venus“.
(Hier ein Beispiel für Dahlkes Sprachbewusstsein: Die schaumgeborenen Dienerinnen der Liebe sind heute zum „Ab-Schaum“ geworden. – Solche sprachlichen Bezüge spürt Dahlke an allen Ecken und Enden des Buches auf – und ist von daher schon ein reiner Lesegenuss.)
Eros hat noch drei Geschwister: Harmonia (die Harmonie), Phobos (die Angst) und Deimos (das Dämonische). Auch das sind Kinder von Mars und Venus! OPA Uranus weist auf das Himmlische und Göttlicher echter erotischer Liebe. „OMA Neptun“ auf das Flüssige der Liebe.

VENUS kann jedoch auch enorm eifersüchtig sein. Es ist da eine Menschen-frau PSYCHE, die schöner als die Liebesgöttin VENUS ist. Und Mutter Venus befiehlt ihrem Sohn EROS diese Schönheitskonkurrenz umzubringen (in den Hades zu schicken). Das „Schicksal“: Eros verliebt sich UNSTERBLICH in Psyche. Venus ist gnädig und unterstellt Psyche noch 4 Prüfungen, die diese besteht, damit selbst unsterblich wird und in die Götterwelt aufsteigen darf. Kurz: EROTIK hat auch etwas mit der Unsterblichkeit und Göttlichkeit unserer SEELE (Psyche) zu tun. Es ist der Schlüssel, unsterblich zu werden (wie auch immer verstanden).

Eros und Psyche bekommen eine Tochter: VOLUPTAS, die Woll-Lust.
Das Begehen und Vergnügen sind also in der antiken Mythologie mit Voluptas selbst eine Göttin, also durchaus „von Gottes Gnaden“.

Soweit nur ein kurzer Überblick über den archetypischen Stammbaum von EROS. Das Kapitel „die Götter der Liebe“ alleine ist das ganze Buch von Ruediger Dahlke schon wert! So tiefsinnig und aktuell interpretiert und gedeutet, bekommt man richtig „Lust auf archetypische Mythologie“.

Fazit: Das Buch wäre kein Dahlke, wenn er nicht auch einige praktische Tipps hätte und konkret das „Liebesritual“ als Weg zu einer neuen Liebeskultur empfehlen würde. Es ist praktische Lebens- und Liebes-Philosophie.
Ja, ich stimme Dahlke zu: Wir brauchen eine neue Liebeskultur. Und dieses Buch kann ein Wegweiser, ein Leuchtturm dafür sein. Ich wünsche dem Buch von Herzen eine solche Verbreitung wie der Weltbestseller von Erich Fromm: Die Kunst des Liebens.

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