Seiler-Hugova: Sternenkunde integral

Untertitel: Den Sternenhimmel beobachten,
astronomisch und astrologisch deuten, seine Botschaft verstehen.

Die Integration von Spiritualität und Wissenschaft ist ein großes geistiges Abenteuer unserer Zeit. Doch die Integration von Astrologie und Astronomie ist dabei sicher eine ganz besondere Herausforderung. Und das ist dem Autor  auf bewundernswerte und vorbildliche Weise gelungen!
Ich denke, an diesem Buch kommt niemand vorbei, der sich einer  ähnlich großen intellektuellen Herausforderung in der Sternenkunde stellen will.
Es gibt wieder eine Brücke zwischen Astronomie und Astrologie – und mit diesem Buch betreten wir sie. Es ist sogar eine alte Brücke, die es nur wiederzuentdecken gilt.

Die integrale Sichtweise der Sterne

Die „alte Brücke“ ist die der Wegbereiter der modernen Astronomie selbst, Tycho Bahne und Johannes Kepler. Auf diese Begründer der Astronomie beruft sich der Autor:

Dieses Buch soll eine elementar Einführung in die Sternenwelt vermitteln. … Mit meiner integralen Sternenkunde möchte ich eine Fähigkeit aufgreifen, wie sie noch von Tycho Bahne (1546 – 1601)  und Johannes Kepler (1571 – 1630) vertreten wurde. Zwar waren sie beide Astronomen, die die neuere Wissenschaft von den Sternen revolutioniert haben, doch sie selbst lebten gleichzeitig in astrologischen und göttlichen Zusammenhängen. (S. 9)

„Integrale Sternenkunde hat das Anliegen, alle Aspekte der Sternenwelt unter einer ganzheitlichen Sicht zu zeigen.“ (S. 13)

  • Die Sicht der Erscheinungen, der Phänomene. Das ist der Blick in den Nachhimmel selbst – mit allen Sinnen, das „Sich-beeindrucken-Lassen“ von der Sternenwelt. (Der Autor selbst hat ein Gerät zur Himmelsbeobachtung anfertigen lassen, sein „Tycho-Bahne-Astrolabium“.)
    „Mit dem Leib die Sterne wahrzunehmen heißt, sich den Energien dieser ‚Astrowelt‘ hinzugeben, sie aufzunehmen, sie sinnlich zu ‚verdauen‘.“ (S. 14)
  • Die Sicht der inneren mythischen Bilder des Kosmos (Astrologie).
    Das ist die mythische Welt der Seele der Astrologie. „Es st die älteste Psychologie.“ (S. 14)
    „Diese Bewusstseinsschicht der Astrologie ist noch irrational. Hier gilt das Gesetz der Analogien, des mythischen Bewusstseins, noch nicht des rationalen Bewusstseins.“ (S. 14)
  • Die Sicht des mentalen, rationalen Bewusstseins (Astronomie).
    Es ist die „objektive“, „distanzierte“ Sicht.
    „Der Mensch verschwindet aus dieser Welt. Er wäre auch nur ein Störfaktor. … Die rationale Astronomie ist zwar beeindruckend …, doch dort, wo Astronomie totalitär wird und nur diese rationale Bewusstseinsschicht zulässt, verhindert sie uns den Zugang zu einem ganzheitlichen spirituellen Erfassen der Sternenwelt. (S. 15)

Aus dieser integralen Sicht ergibt sich (gemäß der integralen Weltsicht nach Jan Gebser) die Astrosophie, die ganzheitliche Sicht des Himmels als Weisheitslehre.

Ein paar Lichtblitze aus dem Buch:

Die alchemische Trinität und ihre Bedeutung:

So kennen wir grundsätzlich drei verschiedene Himmelser-scheinungen: die Fixsternbilder, die Planeten und die Sternschnuppen bzw. Kometen. Die Fixsterne bilden den uralten perfekten Leib des Himmels. Die Planeten sind die Seele der Sternenwelt in ständig veränderten Konstellationen. Die Sternschnuppen und Kometen geben dem Himmel und der Erde geistige Impulse. Leib, Seele und Geist ist die trinitäre Gestaltung des Sternenhimmels. (S. 26)

Der Autor verweist danach auf Paracelsus und die alchemische Trinität Sal-Merkur-Sulphur von Kosmos und Mensch: Sal ist der Leib (Sternenbilder), Merkur ist die Seele (Planeten) und Sulphur der Geist (Kometen, Sternschnuppen).

Ein integrales Horoskop:

Das Buch setzt an der hermetischen Astrologie an und unterscheidet die siderische, tropische und heleozentrische Astrologioe und Astronomie. Der bekannten unterscheidung zwischen geozentrischem und heleozentrischem Weltbild widersetzte sich schon Tycho Bahne. Er schuf das tychonische System:

Sonne und Mond bewegen sich um die Erde; gleichzeitig bewegen sie sich um die Sonne, als Zentrum, auch die Planeten … Dieses sowohl geo- als auch heliozentrische Weltbild ist in seinem Ansatz bereits ein integrales System. …
(Daraus ergibt sich eine Art) Astrologie, die in verschiedenen Dimensionen forscht, das heißt seelisch (geozentrisch) und geistig (heleozentrisch). (S. 119)

So bekommt man ein integrales Horoskop: siderisch und tropisch. Die Frage der Richtigkeit der Systeme stellt sich nicht. Es gilt nur ein „Sowohl-als-auch“. Im 20. Jahrhundert haben … Willi Sucher und Robert Powell das hermetische Horoskop entwickelt, das sowohl geozentrisch (innen) wie auch heleozentrisch (außen) ist. Tycho Brahe hatte dieses geo- wie auch heleozentrische System seinerzeit gewissermaßen entdeckt. Das hermetische Horoskop … zeigt das Schaubild der Seele (geozentrisch) und der Individualität (heleozentrisch). (S. 138)

„Der Weg zum Paradies geht durch die Hölle.“

Es braucht der Mensch zur Trinität zusätzlich diese vierte böse Kraft, die es bewusst zu machen gilt, um ein Ganzes, ein Selbst zu bilden. Dieser Gang durch die Hölle, die ja dem modernen Menschen schon im Leben nicht erspart bleibt, ist die Voraussetzung der Läuterung im Fegefeuer, die dann erst zur Ganzwerdung des Selbst führt. Die von C. G. Jung geförderte Quaternität, diese vierte luzifersche Dimension, ist oft auch als das weiblich Ergänzende gesehen und in der Geliebten Beatrice als Anima, als Führerin zum paradiesischen Selbst gesehen wird, zeigt die Möglichkeit der Ganzwerdung des Menschen. (S. 179)

Engel als Sternwesen

Die Planeten sind Synonyme dieser Erzengel. Schon die Bibel spricht von den Engeln als Sternwesen. Die astronomischen Sterne sind die physischen Leiber der Engelwesen. (S. 195)

Die Zwölf und die Sieben

Die Zahl Zwölf ist die Grundzahl des Raums. Was im Raum Gestalt gewinnt, ist dieser Zahl unterworfen; was hingegen in der Zeit verläuft, richtet sich nach der Zahl Sieben. (S. 204)

Mein Fazit: Zur Würdigung des Buches gehört es, die reichhaltig farbige Bebilderung besondere hervorzuheben. Es ist selbst sehr sinnlich, greift auf viele mythologische Bilder zurück, weist farbige Zeichnungen des Autoren vom Sternenhimmel auf. Es ist nicht nur anschaulich, sondern auch sehr authentisch. Ich möchte nicht wissen, wie viele Hobby-Astrologen die einfachsten Sternenbilder am Himmel nicht erkennen können. Nicht zuletzt – und das gehört auch zu einer integralen Sicht auf den Himmel – sind auch die Engel in dieser Astrosophie im Sinne der Anthroposophie nach Rudolf Steiner integriert.

Ein Buch, das alle Hochachtung aus anthroposophischer und integraler Sicht verdient!

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