Ton van der Kroon: Die Rückkehr des Löwen

Von Liebe, Lust und Herzenspower

Für mich gehört dieses kleine Büchlein immer noch zu den besten Männerbüchern im deutschsprachigen Raum. Das niederländische Original erschien 1996, die deutsche Übersetzung erstmals 1998. Es ist inzwischen leider vergriffen.

Das Buch geht in die Tiefe. Es erforscht die männliche Seele nicht nur über sieben Archetypen (verbunden mit den Chakren): Heiliger (Kronen-Chakra), Magier, Narr, König, Krieger, Liebhaber, Wilder Mann (Wurzel-Chakra). Es geht in dem Buch auch um die „dunkle Nacht der Seele“, also die Schattenarbeit, die ein Mann zu leisten hat.

 

Der Autor schreibt:

„Der gegenwärtige gesellschaftliche Veränderungsprozess erweckt den Anschein, als ob Frauen die Vorreiterinnen seinen. Aus einer unterdrückten Position heraus sind sie es, die für eine andere Art des Zusammenlebens, für andere Formen der Beziehungen und andere Rechte und Pflichten gekämpft haben. Von außen betrachtet sieht es so aus, als ob die Männer zurückblieben, aber der Schein kann trügen. Die Männer müssen einen anderen Weg gehen. Ihr Weg liegt im Stillen, weil es ein schmerzhafter und keineswegs glorreicher Weg ist. Während die Frauen viel zu gewinnen haben, haben die Männer zunächst viel zu verlieren. Dieser Weg bedeutet, auf Macht zu verzichten und der Ohnmacht und dem Schmerz ins Auge zu sehen. Dennoch braucht man genausoviel Mut, diesen Weg zu gehen und sich langsam in die Höhlen der Seele herabzulassen.“ (S. 13)

Auch bei Ton van Kroon geht es um eine „Initiationsreise“ zum neuen Mann und er finden in den vielen Heldensagen archetypische Hilfen, immer der gleiche Mythos:

In vielen Geschichten bildet diese ausgestorbene Landschaft die Ausgangssituation: Das Land ist unfruchtbar, und der König ist krank, abwesend, auf Reisen oder aus dem Land vertrieben. Alle warten auf den Helden, der durch seine Taten den Weg für die Rückkehr des rechtmäßigen Königs frei machen soll. Es ist die weit verbreitete Geschichte vom Kampf gegen das Böse und vom Durchsetzungsvermögen des Helden, der seinen Auftrag erfüllt, den heiligen Gral zu finden, den Brunnen mit Lebenswasser zu entdecken, den Drachen zu besiegen und die verborgenen Schätze wider zurückzubringen, um sie mit seinen Mitmenschen zu teilen. (S. 17 f.)

Er verfolgt diese Heldenreise des Mannes über Parzival („Der Weg des Helden“), Hamlet („Die Suche nach dem Vater“), Dionysos („Die Kraft der Lust“) und den Wilden Mann („Die Begegnung mit dem Tod“), um dann zum LÖWENKÖNIG zu kommen, dem „Ruf nach der neuen Führung“.

Auf dem Weg heilen wir auch die Mutter-Wunde, doch die Heilung der Vater-Wunde ist für die Männer-Seele noch wichtiger. „Der Kampf mit dem Vater symbolisiert schließlich der innere Kampf zwischen dem Ego und dem Selbst.“ (S. 65)

Die Verbindung zwischen LIebe und Macht, dem vierten und dem dritten Chakra, ist von zentrale Bedeutung. Die Macht steht im Dienste des Herzens, so, wie der Krieger im Dienste des Königs steht. Positiv eingesetzte Macht ist nötig, um andere und uns zu schützen und um Grenzen zu setzen. Wir brauchen die Kraft, damit wir uns trauen, gegen das anzugehen, was nicht in Ordnung ist: gegen den Chef, der seine Macht missbraucht, gegen den Partner, der uns zu manipulieren versucht, gegen ein Kind, das seine Grenzen überschreitet, oder gegen ein Volk oder einen Glauben, der ‚es übertreibt‘. Nichts zu tun wäre in allen diesen Fällen schädlich.“ (S. 66)

Genau das macht die Rückkehr des Königs für den Mann aus: die Verbindung von Macht und Liebe, Herzenspower und Lust. Auch hier greift Ton van der Kroon auf eine tief metaphorische  Geschichte zurück, Wald Disneys „König der Löwen“: Simba nimmt nach nach äußeren Intrigen eines Onkels und inneren Kämpfen den Platz des Königs entschlos-
sen ein. Er übernimmt die Verantwortung für die „Heilung seines Königreiches“.

Bei der Rückkehr der Männer in ihr Reich spielt oft eine Frau eine wichtige Rolle. Im König der Löwen ist es Nada, die Simba findet und ihn davon zu überzeugen versucht, daß er zurück kommen und den Kampf aufnehmen müsse. Oft erkennen Frauen den wahren Wert des Mannes, sind aber selbst nicht in der Lage, ihn in die ihm zustehende Position zu bringen. Dafür ist ein Mentor oder Initiator nötig … Die Frau symbolisiert das Weibliche im Mann, das danach ruft, angehört zu werden, das ihn ermahnt, seinen Platz auf dem Thron einzunehmen. … Eine Verschmelzung männlicher Tatkraft und weiblicher Weisheit ist für die wahre Führung unverzichtbar. (S. 138)

Ich kann dem nur zustimmen, was hie angedeutet ist und ich nur verschäft formulieren kann: Wahre Männlichkeit ist nichts, was der Mann „in sich“ hat, sondern was er an der Seite seiner Frau (seiner Königin) in Beziehung zu ihr und mit ihr leben kann.

Wir brauchen neue Visionen, und der Autor formuliert es so:

… eine Vision, die sich über die Dualität und die Zersplitterung, in der wir leben, erhebt, eine Vision, die die verschiedenen gegensätzlichen Aspekt in sich vereinigt, in der Sexualität und Religion, Wissenschaft und Phantasie, Liebe und Arbeit, Mann und Frau, Geld und Ideale zu einem großen Ganzen zusammenfließen. (S. 141)

Und auch diese Worte von Ton van der Kroon sind visionär:

Echte Führung ist Dienen, nicht jemand anderem, sondern dem Gott in uns. Das bedeutet, unsere Rolle, die uns zugedacht ist, und die Kraft und die Fähigkeiten, die wir mitbekommen haben, anzunehmen. Indem wir dienen, werden wir frei. Die höchste Wahrheit lebt in uns, und indem wir ihr Ehre erweisen, erweisen wir der ganzen Menschheit Ehre.
Zum Kern zurück zu kommen und von dort aus zu leben beginnen – das ist es, wonach sich jeder in der Tiefe seiner Seele sehnt. Das ist die Rückkehr des Königs. (S. 142 f.)


 

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