Uwe Kapfer: KREBS GO HOME

Untertitel: Friedensverhandlungen mit Körper, Geist und Seele


Der Titel wird dem Buch eigentlich gar nicht richtig gerecht. Er signalisiert vom Verlag „verkaufstechnisch“, dass es sich um ein Krebsheilbuch handelt. Der Untertitel „Friedensverhandlungen“ trifft den Inhalt viel genauer. Denn der Autor selbst hat, bevor er sich vom Krebs als Krankheit verabschiedet hat, schon lange vor dem WORT „Krebs“ verabschiedet und verwendet ihn möglichst nicht. K-R-E-B-S definiert er einfach um in „Kein Risiko, sondern Eine Besondere Situation“. Und seinen eigenen Nierentumor hat der den Kosename gegeben: „Lucky“ (der Glückliche). Denn, was ist unsere erste Assoziation, wenn wir an das Wort „Krebs“ denken? Genau: BEKÄMPFEN! – und genau von dieser Denke verabschiedet sich das Buch.

Wer schon etwas bewusster ist, der stellt sich die Frage: Soll ich meinen Krebs bekämpfen oder lieben? (Liebet eure Feinde!) Das Buch gibt die Antwort.

Der Autor Uwe Kapfer war selbst bei der Bundeswehr Berufssoldat in höchster Laufbahn und hat sich selbst von dem „Kriegshandwerk“ 31.12.2001 verabschiedet („ehrenhafte Entlassung“) und ist ins Zivilleben übergewechselt. Er weiß, dass Kriegführen nur zu Leid und Elend führt, am Ende im besten Falle zu faulen Kompromissen. Im Krieg gibt es immer (mindestens) ZWEI Parteien, für den Frieden braucht es nur EINEN. Frieden schaffen wir nur in uns selbst – und das gilt auch für einen „Weckruf Krebs“. Er ist kein Feind, sondern Teil unseres Körpers. „FRIEDE sei mit dir!“ Das gilt auch und gerade im Umgang mit dem eigenen Tumor („Geschwulzt“).

Mein Weg ist ab heute der Weg des Friedens. (S. 58)

Wenn Krieg herrscht, so meine Erfahrung, regiert immer das Ego. (S. 88)
Mehr und mehr sah ich meine Diagnose nicht als Kriegsaufforderung, sondern als eine Einladung für einen liebevollen Weg. Dieser Gedanke gewann zunehmend an Kraft und Raum. (S. 94)

Die Verhandlungspartner

Der Autorsetzt an dem Havard-Konzept der friedlichen Konfliktlösung an (S. 97 – 107):

  • Sachlich bleiben und nicht persönlich werden!
  • Konzentrierung auf die wahren Interessen aller!
  • Entscheidungsalternativen (Plan B) parat haben!
  • Kein Gemauschel, sondern objektive Entscheidungs-Kriterien.

Es dauert einige Zeit, bis alle Verhandlungs-Partner und Verbündete (! – es sind ja keine Gegner) bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen:

  • Der Körper als der wirklich leidtragende. Die Mehrheit der Körperzellen sind ja gesund und wollen Heilung, schreien um Hilfe.
  • Lucky, der Tumor selbst, der ja auch kein wonnevolles Leben führt, Ausgeburt von Angst und Psycho-Schatten ist.
  • Der Geist (im Sinne von Verstand), der nüchtern und realistisch analysiert (wenn er auch weitgehend in der Vergangenheit und Zukunft zu Hause ist, doch auch das gehört dazu.
  • Das EGO, der problematischste Partner, der ängstliche Kontrollfreak, der die obigen Partner unter Kontrolle zu haben scheint.
  • Das innere Kind (ihm ist das Buch gewidmet), das als verletztes Kind den Schutzpanzer EGO erst ermöglicht hat. Mit seiner Heilung kommen die anderen Partner so richtig ins Spiel:
  • Der Herz als das Zentrum der Lebenskraft, der Liebe und des Friedens.
  • Die Seele als das göttliche Vertrauenszentrum.

Immer dabei ist auch das „Ich-Selbst“ (ohne benannt worden zu sein), der als Koordinator und Moderator alle Parteien zusammen bringt.

Es hat etwas von sehr tiefsinniger und praktischer Lebensphilosophie, ohne als solches ausgegeben zu sein. Es ist so schön differenziert, wie ich es kaum in einem Philosophiebuch gelesen haben (S. 109 – 1179 Ich nehme mich seitdem viel differenzierter wahr.

Es ist sehr erkenntnisreich, wie unterschiedlich sich dann die Sichtweise der einzelnen Verbündeten im Laufe der Verhandlungen verändern, von Statements, Bedürfnissen und Interessen, Taktiken, im Dialog selbst bis hin zu einstimmigen (!) Entscheidungen.

Die Wende im Leben

Am Ende will ich den Autor noch mehr selbst zu Wort kommen lassen:

Rückblickend würde ich sogar sagen, so paradox es auch klingen mag, dass der Tumor, Lucky, fast schon ein Glücksfall für mich war. Führte ich vorher ein Dasein als Funktionierer, Perfektionierer, immer auf der Suche nach Anerkennung, bin ich heute ein Finder auf dem Weg zu mir und zu meinem Herzen. Meine Lebensqualität hat sich verändert, wurde bereichert um eine größere Bandbreite an gelebten Emotionen. Mein Leben findet mehr im Hier und Jetzt statt, mehr als jemals zuvor – und all das verdanke ich Lucky. (S. 217)

Eine zentrale Erkenntnis des Autoren ist:

Jede Krebserkrankung ist so individuell wie der Mensch, der die Diagnose erhält. (S. 217)

Und um diesen Gedanken fortzusetzen: Jede Heilung ist so individuell wie der Mensch selbst. Auch wenn der Autor sich selbst nicht als Ratgeber verstehen will, so ist der doch ein Wegweiser:

Suchen Sie keinen Guru oder den allwissenden Problemlöser, suchen Sie den Weg zu sich selbst und machen Sie sich auf diesen Weg. Alle Antworten sind in Ihnen. (S. 218)

r-pfeil-reMein Fazit: Obwohl das Buch ein Sachbuch ist, ist es sehr spannend und lebendig geschrieben, fast schon wie ein Krimi zu lesen: Wie geht des jetzt weiter? Was sind die nächsten Schritte? Wie verhalten sich die die unterschiedlichen Charaktere (Teilnehmer der Verhandlung)? Und ich verrate das Ergebnis bewusst nicht.
Das Buch ist auch der Schulmedizin gegenüber nicht „feindlich“ gesonnen, das würde dem Wesen des Buches völlig widersprechen. Es gibt keine Feinde, nur Kooperationspartner, die man selbstbewusst einsetzt.
Das Buch ist ein richtiges Paradebeispiel für das große Thema: Mentaltraining und Heilung. Der Autor ist in seinem „2. Leben“ nach der Bundeswehr Seminarleiter, für den Mentaltraining zum Grundhandwerk gehört. Er ist sehr kreativ in der Entwicklung von wirksamen Übungen, 19 insgesamt.
Das Buch ist weit über den Kreis Krebsbetroffener empfehlenswert. Es ist ein Buch mit viel und klar strukturierter, zielorientierter männlicher Energie, eingebettet in weiblicher Energie des Loslassens, Akzeptierens, Vergebens, der Herzenergie. Es ist ein Tanz männlicher und weiblicher Energie, und das braucht es in JEDEM Heilungsprozess. Vom Krebs betroffene Männer werden zu diesem Buch einen guten Zugang haben, weil der „generalstabsmäßige Umgang“ mit einem Problem typisch Mann ist. Und genau das bietet das Buch. Ich wünsche diesen Männern, dass das Buch sie irgendwie erreicht. Bei Frauen, deren weibliche Energie zu dominant ist, werden durch das Buch auch ihre inneren männlichen Energien genährt finden. Das ist auch für Frauen sehr heilsam auf dem Heilungsweg.
Empfehlen möchte ich das Buch gerade auch denjenigen, die ANGST vor Krebs haben. Das Buch kann die Angst handhabbar reduzieren. Und wenn dann doch die DIAGNOSE Krebs ereilt, ist man mit dem Buch und gleich dem ersten Kapitel gut gewappnet.

Neben Glück und Liebe ist sicher FRIEDEN ein großer Faktor für die Zukunft der Menschheit. Für mich ist dieses Buch ein exemplarisches Friedensbuch für die Zukunft der Menschheit; ja, so weit würde ich in meinem Lobpreis des Buches gehen! 

Es ist unsere ganz eigene Entscheidung, ob wir im Frieden mit uns selbst leben wollen oder im Kriegszustand. (S. 15)


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Das Interview zum Buch von Veit Lindau mit dem Autor Uwe Kapfer:

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