Verena Bachmann: Die Macht des Weiblichen

Unsere Astrologie ist bekanntlich eine SONNE-Astrologie: Entscheidend für die Deutung des Geburtsmusters spielt der Stand der Sonne. Als „Wassermann“ stand in der Stunde meiner Geburt die Sonne (perspektivisch, natürlich!) im Tierkreiszeichen Wassermann. Ist die exponierte Stellung des männlichen Prinzips der Sonne im Geburtshoroskop nicht ein Relikt aus dem Patriarchat? Wird in unserer SONNE-Astrologie nicht das Männliche überbewertet? Denn das ist keinesfalls eine Selbstverständlichkeit! Die indische Astrologie ist dagegen eine MOND-Astrologie, bei der der Stand des Mondes bei der Geburt viel bedeutsamer ist.

Seien wir uns bewusst: von den acht „planetarischen Herrschern“ der Tierkreiszeichen ist nur EINE Göttin dabei (Venus) und SIEBEN Götter: Mars, Merkur, Pluto, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Da ist im göttlichen Pantheon der Astrologie das Männliche doch etwas überbesetzt gegenüber dem Weiblichen, oder?
Der Pferdefuß des Patriarchats in der Astrologie?

Verena Bachmann macht in ihrem Buch einen ersten, wichtigen Schritt, in unserer archetypischen Symbolik das Weibliche neu zu bewerten! Im Mittelpunkt dabei steht Lilith, die Rückkehr der Großen Göttin.

Sie schreibt:

„Die uns vertraute westliche Astrologie entstand in der Zeit des Patriarchats, dasselbe gilt für viele Mythen, Bilder und Glaubenssätze zum Weiblichen. In der ganzen Zeit befand sich die Große Göttin im Exil. Ihre wahre Kraft und Macht war nur sehr eingeschränkt zugänglich, die mit ihr verbundenen Bilder schlummerten tief im Unterbewussten. … Entsprechend sind heute viele astrologische Deutungen mehr oder weniger stark von diesen patriarchalischen Ansichten eingefärbt. …
Nach der Rückkehr der Großen Göttin und im Zuge der zunehmend deutlicher wahrnehmbaren Macht des Weiblichen und seiner Energien, gilt es nun, auch die Deutung der weiblichen Planeten, deren Qualitäten und Entsprechungen neu zu sehen.“ (S. 52)

Verena Bachmann sieht das eigentliche weiblich-göttliche Urprinzip nicht im Mond oder in der Venus, sondern als LILITH (die Große Gött) im „Schwarzen Mond“ (wenn ich sie richtig verstanden habe).
Sie beschreibt Liliths Urenergie in den einzelnen Tierkreiszeichen. So erscheintLilith im Widder als Kriegerin, Jagdgöttin, Amazone. Lilith erscheint im Stier als Demeter, Venus, Göttin der Fruchtbarkeit, Herrscherin … usw.
Auch die beiden „weiblichen“ Planeten Mond und Venus werden von ihr ausführlich beschrieben und ihr Einfluss auf die einzelnen Tierkreiszeichen (Mond im Widder usw.). Saturn und Neptun interpretiert sie als weibliche Prinzipien. Merkur sieht sie als „androgynen“ Planeten. In den eindeutig „männlichen“ Planeten Sonne und Mars bespricht sie die auch dort vorhandenen weiblichen Aspekte.
Jupiter, Pluto und Uranus gehen im Buch in ihrer weiblichen Sichtweise leider etwas verloren.

Die Autorin legt einen ersten Entwurf der gleichberechtigten Integration des Weiblichen in die astrologischen Symbolik / Archetypik dar, der noch viel Platz für die Ausgestaltung lässt. Schön finde ich die von ihr formulierte 3., die „Paar“-Variante der Zukunft zwischen dem Männlichen und Weiblichen (in den Varianten 1 und 2 dominiert jeweils eine Seite):

„Das Weibliche findet zu voller Macht und Stärke, ist aber auch bereit, die Macht und Kraft des Männlichen zu respektieren. Das Männliche ist wiederum bereit, dem Weiblichen den ihm zustehenden Platz einzuräumen, ohne Angst, dabei die eigene Macht und Potenz opfern zu müssen. Weiblich und Männlich sind ebenbürtig, begegnen sich auf Augenhöhe. Eine ganz neue, schöpferische Zeit beginnt.“ (S. 28)

Mein Fazit: Verena Bachmann begeht hier (in meinen Augen) einen richtigen  „Tabubruch“: patriarchalische Fehlwahrnehmungen in der Astrologie in Frage zu stellen. Ist das Deuten der Sterne für die innere Welt der Seele doch etwas sehr Weibliches. Es wird sicher noch einige Zeit vergehen, bis sich auch das Weibliche in unserer Astrologie als SONNE-MOND-Astrologie ihren gleichberechtigten Part eingenommen hat.
Ich kann mir dabei gut vorstellen, dass der eine und andere männliche Gott im Pantheon der astrologischen Götterwelt entthront wird und einer weiblichen Göttin den Platz räumen muss. Wird dann der eine oder andere Planet einen weiblichen Göttinnennamen bekommen? Wird dann auch die Astronomie mitspielen? Was für eine aufregende Perspektive (die jetzt aber über das sehr inspirierende Buch von Verena Bachmann in der Konsequenz weit hinaus geht).

Das Buch ist leider nur noch antiquarisch bestellbar: Bachmann Verena Macht

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