Nr. 50: YOFI oder Die Kunst des Verzeihens

Die Verlagswerbung verspricht: „Der Kleine Prinz ist als Nashorn wiedergeboren worden.“ Für MICH ist das eine maßlose UNTER-Treibung. „Der Kleine Prinz“ ist zweifellos ein Klassiker an „spiritueller Fabel“. Doch YOFI geht mir noch viel mehr ans Herz. (Okay, es zeugt nicht gerade von hoher spiritueller Reife von mir, solche Bücher ÜBERHAUPT zu vergleichen.)

Es ist über Nacht mein Lieblingsbuch geworden. Es ist ein Meisterwerk an Lebensweisheit für Menschen zwischen 8 und 80. Ich könnte es tausendfach verschenken!

Die Geschichte ist kurz erzählt: Yofi ist ein Nashornbulle „in den besten Jahren“ – aber mit seinem Leben ganz und gar nicht zufrieden. Schon wieder koch in ihm der Zorn gegen seinen „Erzrivalen“ Antros – sie waren früher beste Freunde -, da taucht plötzlich sein Großvater aus dem Nichts auf und bietet Yofi an, ihn auf dem Weg zur Erfüllung seines Kindheitstraums beiseite zu stehen. Nach einigen Überwindungen willigt Yofi ein (seine Frau Sara ist begeistert und unterstützt sein Vorhaben, auch wenn er einige Zeit weg sein würde: „Endlich!“). Auf dieser Reise lernt Yofi von seinem Großvater die wichtigsten Lektionen des Lebens: Meditation, den Großen Kampf und Selbstverzeihung.

Der wichtigste Tag des Lebens

Eine Leseprobe, die exemplarisch für das GANZE Buch stehen kann (S. 44 – 46):

In der ersten Nacht der Reise träumte Yofi, dass ein riesiges Maul das Meer aus schlürfte. Als er aufwachte, stand der Alte vor ihm – zur Sonne gedreht, mit geschlossenen Augen.
„Was machst du da?“
Meru strahlte, als hätte er diese Frage erwartet. „Ich bereite mich vor.“
„Auf was?“
„Auf den wichtigsten Tag meines Lebens.“
Yofi glaubte, sich verhört zu haben.
„Und wann kommt dieser Tag?“
„Er ist bereits da: heute.“

Yofi hatte einen Moment lang den Eindruck, Meru mache sich über ihn lustig. Aber der Großvater verzog keine Miene.

„Heute ist der wichtigste Tag deines Lebens?“
„Deines ebenso.“
„Nett, dass ich das auch erfahre“, knurrte Yofi. „Und woher weißt du das so genau?“
Meru antwortete ungerührt: „Von Großvater Sasa.“

„Das wird ja immer besser. Dein Großvater kannte mich doch gar nicht! Bestimmt ist er schon lange tot. Trotzdem will er gewusst haben, wie wichtig der heutige Tag für mich ist?“
„Er war eben sehr weise. Jedenfalls gegen Ende seines Lebens.“

Der hat sie nicht mehr alle.

Yofi hatte schon öfter mit Alten gesprochen. Aber keiner war so schrullig gewesen.
„Da bin ich aber gespannt auf heute.“
„Ich auch“, sagte der Großvater.

Obwohl es ihm absurd vorkam, wartete der Enkel den ganzen Tag darauf, dass etwas Außergewöhnliches passierte. Am Abend fühlte sich bestätigt – und war enttäuscht.

Der Alte ist ein Spinner.

„Das ging wohl daneben“, sagte Yofi, als sie sich schlafen legten.
„Was meinst du?“
„Dein Blabla vom wichtigsten Tag meines Lebens.
„Wieso? Es hat doch alles fabelhaft geklappt.“

Er ist sogar ein ziemlich großer Spinner.

Am nächsten Morgen gab sich Meru wieder der Sonne hin.
Am besten, ich schweige darüber, dachte Yofi und fraß leckeres Gras, als wäre nichts.
„Es ist immer wieder eine Wohltat, gut vorbereitet zu sein“, sagte Meru.

Er will es nicht anders.

„Nur um sicher zu gehen, dass ich alles richtig verstanden habe: Du hast also bemerkt, dass dein Großvater sich um ein Tag verrechnet hat.“
„Gestern war gestern der wichtigste Tag. Heute ist es heute“, antwortete Meru.
„Und morgen dann schon wieder“, platzte Yofi heraus.
„Morgen ist morgen der wichtigste Tag, genau. Du lernst schnell.“

Yofi hörte auf zu kauen.
„Dann ist also jeder Tag der wichtigste in deinem Leben?“, fragte er höhnisch.
„So kann man es sehen. Aber heute interessiert mich nur heute.“
„Und über morgen denkst du erst gar nicht nach.“
„Wie kann ich über etwas nachdenken das noch vor mir liegt?“, fragte Meru grinsend.

Yofi setzte gerade zu einer gehässigen Antwort an. „Keine Sorge“, kam der Alte ihn zuvor. „Ich weiß was du meinst: Mit morgen beschäftige ich mich ausführlich, wenn es soweit ist.“

Ein paar Lebensweisheiten aus dem Buch:

  • Jeder „kommt mit einem Lebenstraum auf die Welt: einem Herzenswunsch, der größer ist als alles andere. Das ist der Wunsch, den sich jeder erfüllen möchte, ganz gleich, was das Leben sonst bringt.“ (S. 35 f.)
  • „Mein lieber Enkel, Du musst dich nicht auf den Tag vorbereiten. … Nach meiner Erfahrung hört man die innere Stimme bei der Besinnung wesentlich klarer – die Stimme, die den eigenen Weg weist.“ (S. 57)
  • Meru: „Ich hatte etwas Wesentliches vergessen: Nicht ich bin der große Lehrer, sondern das Leben. Ich kann dir bestenfalls zeigen, wie man ihm zuhört.“ (S. 62)
  • „Du warst krank? Was hat dir gefehlt? – Mein Lebenstraum hat mir gefehlt. … Dort, wo früher der Traum war, hatte ich inzwischen eine große Wunde.“ (S. 82)
  • „Du kannst den Großen Kampf antreten. – Den Großen Kampf? – Das ist die wichtigste Schlacht deines Lebens: der Kampf um deine wahre Bestimmung.“ (S. 86)
  • „Der Große Kampf ist eine heilige Angelegenheit. … Man hört auf, sich selbst zu bekriegen.“ (S. 87)
  • „Ich glaube, das bleibt das Geheimnis des Lebens. Man kann sich seine Herzenswünsche nicht aussuchen. Das Leben wählt sie. Das ist sein Geschenk an uns.“ (S. 99)

Hörst du überhaupt zu?

Yofi schreckte zusammen. Es war das erste Mal, dass der Großvater laut geworden war.
„Du  musst niemals zulassen, dass dich jemand verletzt. Du musst auch nie wieder mit Antros reden. Du darfst sein Feind bleiben. Wenn du willst: lebenslang.“
„Ich dachte, ich soll ihm vergeben …?“
„Verzeihen heißt: aufhören, sein eigenes Herz zu verletzen. Mehr nicht.“
„Aber …“
„Kein aber! Dein Atem kann dich heilen. Antros muss davon überhaupt nichts erfahren. So lange du aber auf Tobsucht und Jähzorn beharrst, so lange freuen sich die Traumschlürfer.“
Merus Augen funkelten in der Dunkelheit. (S. 106)

Und noch zwei kleine Lesungen von mir aus dem Buch:

Mein Fazit: Wer nach dieser Buchbesprechung noch nicht motiviert ist, das Buch umgehend zu lesen, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Okay: Wer das Buch nicht umgehend liest, dessen Leben ist nicht unbedingt verwirkt. MERU würde sagen: Alles zu seiner Zeit!

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Hier noch die Leseprobe aus dem Tigerbaum Verlag

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