Silvia Christine Strauch: Meine Hochsensibilität positiv gelebt

Untertitel: Persönliche Einsichten aus einem langen, bewegten Leben

Es gibt inzwischen Bücher, die das Phänomen der Hochsensibilität vor allem in der Psychologie wissenschaftlich zu erfassen suchen. Doch darum geht es in diesem Buch nicht. Die Autorin legt viele Facetten „aus einem langen, bewegten Leben“ dar, die sie als Hochsensible ausweisen. Es geht in diesem Buch um keine (neue) Theorie der Hochsensibilität, sondern um die Verbalisierung und Verallgemeinerung von Erfahrungen der Autorin als HPS. Die Autorin arbeitet als „Pferdeflüsterin“ und hat schon mehrere Bücher zum Umgang mit Pferden geschrieben. Als hochsensibler Leser findet man sich leicht im Buch wieder. Vieles kommt einem bekannt vor. Das eigene „Sonderling-Sein“ bekommt nicht nur einen Namen, sondern auch eine Deutung und Be-Deutung.

Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin aus ihren persönlichen Lebenserfahrungen, wie sich Hochsensible Personen in bestimmten Situationen verhalten: Kindheit, Partnerschaft, Beruf, Tiere, Feste, Veranstaltungen und Sozialleben, Arbeit in Gruppen, Abgrenzung und Urlaub. (Ich habe mich hier in vielen Punkten wiedergefunden, sogar den Grund für eine aktuelle Krise gefunden.)

Im zweiten Teil geht die Autorin insbesondere auf mentale Techniken ein, um die Hochsensibilität als Chance zu sehen und die eigene Entwicklung voranzubringen. Zu diesen Techniken, die jeweils kurz vorgestellt werden, gehören: Zeitmanagement, positives Denken, Affirmationen, Gesundheit, Sport, Ernährung, progressive Muskelentspannung, Atemtechniken, Mantra-Meditation, Kontemplation, Visualisierung, Achtsamkeitstraining; kurz: Mental-Training für Hochsensible. (Die meisten dieser Methoden habe ich in meinem eigenen Entwicklungsprozess auch angewendet.)

Im dritten Teil des Buches geht es darum, „im Alltag Ruhe zu finden“. Dieser „ruhende Pol“ ist die Quelle der Inspiration und Kreativität für den Hochsensiblen. Auch hier behandelt die Autorin wieder Schlüsselthemen: Natur, Stadt, Sinnesreize, Drogen, Kunst und Wissenschaft, Wohnung, Einrichtung und Ästhetik, Freunde und Bekannte. (Ich lebe sehr zurückgezogen in einem südfranzösischen Bergdorf – mit Sohn und Enkeln; ich liebe Philosophie und Wissenschaft, möchte einen Beitrag leisten, Wissenschaft und Spiritualität wieder zu integrieren.)

Im vierten und letzten Teil gibt die Autorin ein zusammenfassendes, „persönliches Schlusswort“. Das Thema „Urvertrauen“ spricht sie dabei gleich in zwei Sätzen an:

„Um zur Ruhe zu kommen, ist es von besonderer Bedeutung, dem Leben zu vertrauen.“ (S. 180) „Ich habe großes Urvertrauen und wünsche dies auch jedem anderen Menschen.“ (S. 183)

Zu Beginn eines jeden Kapitels stehen Fragen, die die Erfahrungen des Lesers im Sine von „Kennst du das auch …?“ direkt ansprechen . Jedes Kapitel endet mit einem Resümee im Sinne einer Zusammenfassung, aber auch Handlungsimpulsen aus dem Kapitel.

 

Hochsensible – seien es Menschen oder Tiere – sind Pioniere der Evolution. Je mehr wir uns unserer Rolle im eigenen Heilungs- und Selbsterkennungs-Prozess bewusst geworden sind, desto mehr leben wir in einem Ur- oder Gottvertrauen, das unerschütterlich geworden ist. Dieser „Zustand“ zaubert einem ein ständiges Buddha-Lächeln ins Gesicht, ein ganz stilles Glück, einem Einvernehmen mit allem, was ist.

Ich finde das Buch sehr sympatisch! Es beschreibt persönliche Einsichten der Autorin, die ich als Leser sofort nachvollziehen kann, meine eigenen Erfahrungen einsichtig verbalisiert sind. Großartig!


Silvia Christine Strauch:
Meine Hochsensibilität positiv gelebt: Persönliche Einsichten aus einem langen, bewegten Leben (Klick)


Nachtrag

Ich erlaube mir, dieses Buch über Hochsensibilität mit dem von Luca Rohleder aus dem gleichen Verlag zu vergleichen, das ich kürzlich besprochen habe (> hier). In dem Buch von Silvia Christine Strauch geht es nicht vordergründig um Berufung, obwohl die Autorin sicherlich ihre Berufung lebt. Dann und wann klingt das Thema auch an, wenn sie darauf hinweist, dass Hochsensible sich sowohl in KUNST wie auch WISSENSCHAFT berufen fühlen.

Luca Rohleder beschreibt 5 Phasen auf dem Weg der Berufung: die 1. geistige, 2. überlastete, 3. lebensverneinende, 4. erwachende und 5. erlösende Phase. Das Buch der Autorin  Silvia Christine Strauch scheint mir dabei sehr auf die geistige Phase ausgerichtet zu sein, Hochsensibilität mit geistigen Techniken (Mental-Training) zu bewältigen, ist vor allem in diese 1. Phase „einzuordnen“. (Ich weiß, wovon ich spreche, kenne ihre Vor- und Nachteile. Ich bin inzwischen kein „Denker“ mehr, auch kein ganzheitlicher. Selbst wenn ich ein Buch schreibe, denke ich kaum noch nach. Ich glaube, Luca würde mich sofort verstehen …) Um nicht missverstanden zu werden: Um so wertvoller ist das Buch von Silvia Christine Strauch, das für diese für viele Hochsensiblen entscheidende 1. Phase einen Orientierung der mentalen Bewältigung gibt.

Luca Rohleder: Die Berufung für Hochsensible

Untertitel: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch

Das Thema beschäftigt mich schon seit 20 Jahren (> meine Buchbesprechung zu Tepperweins Buch „Vom Beruf zur Berufung“). Ich habe in der Zeit mehr als ein Dutzend Bücher zum Thema Berufung gelesen, sehe mich inzwischen selbst „angekommen“. Um so mehr hat mich das Buch „in Atem gehalten“. Es gehört zu der Sorte Büchern, von der man sich wünscht: „Hätte ich sie schon vor 20 Jahren lesen können, es hätte mir einiges erspart.“

Okay, Pioniere ebnen mühsam anderen den Weg, und wir wünschen uns, dass andere es dann leichter haben. Grundsätzlich kann ich als „Angekommener“ die Inhalte und Phasen zu 100% bestätigen. Wenn der Autor z.B. schreibt: „Sie werden Ihr komplettes Leben im Schlaf regeln können.“ (S. 91), weiß ich genau, was er meint. In der Bibel heißt es dementsprechend: „Den Seinen gibt’s der Herr in Schlaf.“

Mehr noch: Ich sehe meinen eigenen Seelenweg auch in der Rückschau noch einmal neu beleuchtet. Mir ist das eine und andere meiner eigenen „Berufungs-Karriere“ bewusster geworden. Aus diesem Grund empfehle ich auch „Angekommenen“, dieses Buch noch einmal zu lesen. Es hilft, Vergangenes besser zu verstehen. Noch bevor die „Hochsensiblen“ psychologisch und soziologisch erkannt wurden, wusste ich, dass ich einer bin – und mich hat das Thema nicht weiter interessiert. HEUTE fasziniert es mich und macht mich noch selbst-bewusster.

„Hochsensible Personen“ (HSP) machen etwa 15% einer Bevölkerung aus, anscheinend in allen Kulturen. Sie gehören zu den Pionieren, den Trägern der Evolution, aber nicht nur auf der großen Bühne, sondern auch der kleinen Bühne des Alltags. Alle großen Erfinder und Künstler gehören dazu, doch auch alle Helfer-Seelen, die den Alltag anderer verbessern.

Mich hat das „Konzept der 3 Ichs“ einer Hochsensiblen Person be-geistert, die „Dreifaltigkeit unseres Selbst“ [meine Worte]. Der Autor unterscheidet:

  • das Neugeborenen-Ich (die existenziellen Bedürfnisse) [das natürliche Selbst = Körper]]
  • das Höhere-Ich (die Verbindung zum Höheren, das „Höhere Selbst“) [das göttliche Selbst = Seele]
  • das Erwachsenen-Ich (der Verstand) [das kulturelle Selbst = Verstandes-Geist].
  • in […]: Deutungen in meinem „Dreifaltigkeits-Konzept“

Okay, auch das ist „nur ein Konzept“, doch ich bin offen genug, um es als das ein-leuchte-ndere Konzept gegenüber anderen anzunehmen und in ein Großes zu integrieren. Mir gefällt insbesondere die Wertschätzung des Neugeborenen mit seinen elementaren Bedürfnissen (nicht zu verwechseln mit dem „Inneren Kind“).

Die fünf großen Fragen, die das Buch behandelt:

  • Warum bin ich so?
  • Was schlummert in mir?
  • Was muss ich loslassen?
  • Wann habe ich Arbeitsspaß? [und gehe den Weg der Freude]
  • Wie finde ich die Berufung? (mit 5 Phasen)

Für Menschen auf dem Seelenweg gibt es einen wegweisenden und auch irritierenden Spruch:

Wenn du deinen eigenen Weg gehen willst,
dann frage nicht andere nach dem Weg.

Das ist ein Paradox (selbst gehen und um Hilfe bitten) – und der Autor geht damit intelligent um: Der erste Teil des Buches (drei Viertel) hat viele wichtige Empfehlungen mit klaren Themen. Hier geht es vor allem um das LOSLASSEN des Alten, damit Neues Platz hat. Der zweite Teil des Buches (ein Viertel) gibt nur noch grobe Hinweise, Wegweiser, ohne den Weg genau vorzuschreiben. Diese Seiten mit Leben zu füllen, ist die Aufgabe eines jeden auf seinem Seelen-Weg.

Das Thema „Berufung“ ist ein ganz elementares spirituelles Thema. Wir folgen dem „Ruf der Seele“ oder dem „Ruf einer Höheren Welt“. Eine große Falle dabei sind verführerische „esoterische Irrwege“, die der Autor auch benennt und vor der er warnt (nichts gegen die ursprüngliche Esoterik im Sinne von Pythagoras!) Trotz seiner spirituellen Essenz verwendet das Buch eine geerdete Alltagssprache. Das ist für mich ein großes PLUS des Buches und macht es noch einmal besonders wahrhaftig.
Mein vielleicht größtes Kompliment für dieses bahnbrechende Buch:
Es fordert mich heraus, mein Berufungs-Coaching neu zu erfinden!

 

Luca Rohleder: Die Berufung für Hochsensible: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch (Klick)

Laszlo / Peake: Unsterbliches Bewusstsein

Untertitel: Kontinuität des Selbst jenseits des Gehirns

Das Buch beginnt im Prolog im ersten Satz gleich mit der „großen Frage“:

„Endet unser Bewusstsein – unser Geist, unsere Gedanken, unsere Seele – mit dem Tod unseres Körpers?“ (S. 9) Und als wichtige Endnote zu diesem Satz: „Wir sollten Bewusstsein und Gedanken synonym verwenden, von Geist und Seele aber nur im spirituellen und/oder religiösen Kontext sprechen.“ (S. 10)

Das Buch sucht also nicht die „Unsterblichkeit von Geist und Seele zu beweisen – möglicherweise ist es im streng wissenschaftlichen Sinne nie zu „beweisen“. Es geht vielmehr um einen auch in der Wissenschaft gängigen Begriff des „Bewusstseins“. Das Buch hält sich streng an wissenschaftliche Kriterien – und das macht es so spannend und für wissenschaftlich denkende Menschen so attraktiv! Dieses Buch könnte die Geburtsurkunde eines neuen „Paradigmas“ in der wissenschaftlichen Bewusstseinsforschung sein, insbesondere in welchem Verhältnis Gehirn und Bewusstsein stehen. Das alte (materialistisch-mechanische) Paradigma geht davon aus, dass zuerst das Gehirn da ist und das Bewusstsein ein Epiphänomen ist.

1. Teil: Die Evidenz

Es heißt, die Wissenschaft beginne mit der Erhebung empirischer Daten. Genau dem dient dieser erste Teil, der drei Viertel des Buches umfasst (120 von insgesamt 180 Seiten). Hier werden Belege zusammengetragen zu den Themen

  • Nahtoderfahrung
  • Nachtod-Kontakte
  • Kommunikation über Medien
  • Instrumentelle Transkommunikation
  • Erinnerung an frühere Leben
  • Reinkarnation

Jedes der zusammengetragenen empirischen Belege werden dabei von den Autoren einzeln in der Bedeutung gedeutet, als erste Schlussfolgerung zusammenfassend unter „Bewusstsein jenseits des Gehirns“ (S. 126 f.):

Offenbar wird bei Nahtoderfahrungen, Erscheinungen und Visionen, nachtodlicher Kommunikation, medial bzw. instrumentell vermittelter Kommunikation, bei Erinnerungen an frühere Leben und reinkarnationstypischen Erlebnissen ein „Etwas“ kontaktiert, bei dem es sich um ein menschliches Bewusstsein zu handeln scheint. Die vorhandenen Beweise zeigen, dass dieses „Etwas“ nicht nur eine passive Aufzeichnung der Erfahrungen einer verstorbenen Person ist, sondern eine dynamische, intelligente Wesenheit, die kommuniziert, Informationen austauscht und mitunter sogar den Drang verspürt, sich mitzuteilen.

Also: Das Bewusstsein überdauert empirisch offensichtlich das Gehirn. Die anschließende Frage ist natürlich: „Doch wie ist der möglich?“ Der zweite Teil des Buches stellt einen Erklärungsansatz vor, „der weder improvisiert ist noch sich auf esoterische Konzepte stützt, sondern auf den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft und der Bewusstseinsforschung basiert.“ (S. 127)

2. Teil: Die Wissenschaft: Kosmos und Bewusstsein

In der (materialistischen) Wissenschaft selbst ist ein „Paradigmenwechsel“ festzustellen, die nicht Materie, sondern Information(sfelder) „als Urgrund der Realität begreift“. (S. 131).

Hier greifen die Autoren auf den alten westlichen Begriff des „Äthers“ bzw. „Spiritus“ (Gordano Bruno) zurück bzw. dem östlichen Begriff des „Akasha“ zurück und sehen diese intuitiven Ansätze der Prämodernen in der modernen Theorie des Informations-Hologramms wissenschaftlich bestätigt:

Wenn die Raumzeit ein Hologramm und jeder Quant mit sämtlichen anderen Quanten verschränkt ist, dann muss sich jede Zustandsänderung eines beliebigen Quants auch im Zustand aller Quanten niederschlagen. (S. 140)

Es gibt offensichtlich als naheliegende Schlussfolgerung eine Dimension jenseits dieser allumfassend verschränkter (alles interagiert mit allem) „Raumzeit“:

Dieser der wahrnehmbaren Welt zugrunde liegende Dimension bildet ein vollständiges Ganzes, eine holographische Gesamtheit ohne Raum und Zeit. Die A-Dimension des Akasha stellt den eigentlichen LOGOS des Kosmos dar. (S. 142)

Und was hat diese „verborgene A-Dimension“ mit Bewusstsein zu tun? Kurz: Diese Dimension IST das EINE Bewusstsein, die in-formiert, in Form geht. Und jedes „individuelle“ Bewusstsein ist „untrennbarer Teil“ des allgemeinen, kosmischen Bewusstseins.

Diese grundlegende Erkenntnis, dass das Bewusstsein nicht vom Gehirn hervorgebracht wird, dürfte durch künftige Forschungsergebnisse kaum mehr umgestoßen werden. Bewusstsein ist ein kosmisches Phänomen, das vom Gehirn lediglich vermittelt und zur Entfaltung gebracht wird. (S. 148)

3. Teil: Die Erklärung

Der dritte Teil bringt den ersten (Empirie) und den zweiten (moderne wissenschaftliche Theorien) zu einem einheitlichen Erklärungsansatz zusammen und kommen zu der Schlussfolgerung:

Nachdem wir das vorhandene Beweismaterial ausgiebig gesichtet haben, können wir diese Frage („die große Frage“, s.o., JS) jetzt positiv beantworten: Mit dem Ableben unseres Körpers hört unser Bewusstsein nicht auf zu existieren, sondern lebt in einer anderen Dimension des Kosmos fort – in jener geheimnisvollen Sphäre, für den wir den alten Namen Akasha aufgegriffen haben.“ (S. 167 f.)

 

Ein neues Paradigma wäre keines, wenn es nicht auch eine neue VISION hätte. Dies ist nahezu „atemberaubend“ (doch nicht im tödlichen Sinne zu verstehen) 🙂 das Zeitalter der bewusst angenommenen Unsterblichkeit!

Mein Fazit: 

Das Buch verbindet die aktuell aufregendsten Bereiche der Wissenschaft – Neurophysiologie, Quantenfeld und Kosmologie – mit spiritueller Weisheit. Selbst wenn man Buch nur als stringent durchgezogene wissenschaftliche Hypothese mit großem Wahrscheinlichkeitswert erkennen kann, es ist ein großer Wurf mit der Vieion eines neuen Zeitalters der Unsterblichkeit. Bekanntlich sind Menschen sterbliche Götter und Götter unsterbliche Menschen. Das Buch baut auch eine Brücke zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen.

Ida Friederike Görres: Sohn der Erde – der Mensch Teilhard de Chardin

Untertitel: Drei Versuche

Die vorläufig letzte und elfte Buchbesprechung einer kleinen Reihe über Teilhard de Chardin.

Die Autorin Ida Friederike Görres (1901 – 1971) hat in der katholischen Kirche eine herausragende Rolle gespielt, selbst Adelige und mit der französischen Sprache so gut vertraut, dass sie vieles aus den damals gerade fertig gestellten französischen Werkausgabe ins Deutsche für ihr Buch übersetzt hat, was allerdings die Zitat-Nachweise gegenüber der später erschienenen deutschen Werkausgabe erschwert.

Doch dieses Buch ist nicht nur eine Fundgrube an charakteristischen Zitaten, sondern zeigt auch eine weibliche und sehr einfühlsame Sicht auf Teilhard de Chardin. Sie glorifiziert ihn nicht, sonder distanziert sich eher von falscher Verherrlichung beispielsweise des ersten französischen Teilhard-Biographen Claude Cuénot. Darüber hinaus stellt sie die die große Rolle von Frauen in Teilhards Leben heraus. Die bescheiden formulierten „Versuche“ treffen genau den Kern von Person und Werk Teilhard de Chardins:

  1. Die Kriegsbriefe Pierrs an seine Cousine Marguerite
    Es ist die Zeit seines mystischen Erwachens, seiner erwachenden Liebe zu Frauen und der Formulierung seines Lebensthemas: der Versöhnung zwischen Gott und Welt, Religion und Wissenschaft, Glaube und Wissen.
  2.  Die Auseinandersetzung mit der Biographie von Cuénot und das Zurechtrücken falscher Glorifizierung
    Sie macht aus dem Heroen Teilhard einen Menschen mit seinen Schwächen und Stärken. Die „zwei Personen“ Pierrs als 1. stiller, frommer, vertrauensseliger Priester und 2. als mutiger Revolutionär, der die Welt aus den Angeln heben will, ein „neues Zeitalter“ ankündigt, arbeitet sie sehr sensibel heraus
  3. Die Rolle der Frauen im Leben Teilhard de Chardins
    Hier analysiert und interpretiert sie sehr treffsicher den Schlussakkord (sie nennt es „Clausule“) in Teilhards Werk „Das Herz der Materie“, nämlich das Schlusskapitel „Das Weibliche oder das Einigende“

Das Buch ist voller Perlen aus einer „kritischen Hochachtung“ heraus. Sie relativiert auch die ganze Thematik der „Verbannung von Teilhard de Chardin“ durch Kirche und Orden. Die „Oberen“ hatten kaum eine Chance, ihn zu verstehen. Sie hatten einen gewissen Respekt vor ihm, aber auch Angst. Die Autorin bringt gute Hinweise, diesen Konflikt zwischen Pater Teilhard und den Oberen zu entdramatisieren und versöhnlich betrachten zu können. Für mich ist dieses Buch unverzichtbar, das „Mysterium Pierre Teiilhard de Chardin“ einigermaßen angemessen betrachten zu können.

Teilhard de Cardin: Das Herz der Materie

Untertitel: Kernstück einer genialen Weltsicht

Keiner hat behauptet, Teilhard de Chardin zu lesen, sei einfach. Doch Kant, Hegel, Heidegger oder andere zu lesen, ist auch nicht einfach. Teilhards Sprache als Jesuitenpater ist zudem keine rein philosophische, sondern eine eigenartige Mischung aus philosophischer, poetischer, theologischer, profetischer und wissenschaftlicher Sprache. Dazu kommt die Problematik der Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche.

Schriften von Teilhard de Chardin sind keine Lehnstuhl-Lektüre. Sie wollen studiert werden, Kersätze können nur meditativ erfasst werden. Wie wäre es beispielsweise hiermit: „Sich vergeistigen = sich entmaterialisieren“ (S. 68) Dieses Buch ist vom Autor 1950 verfasst worden, 5 Jahre vor seinem Tod (1881 – 1955), eine Art Testament seines Lebens-Werkes. Es bringt darin die „Evolution seines Denkens“ und den Kern seiner neuen „Religion der Evolution“ oft formelhaft (im Sinne einer wissenschaftlichen Formel) auf den Punkt.

Was mich an diesem Buch am meisten fasziniert: Der Autor meint es mit der Liebe ernst! Heute sagen die einen „Alles ist Energie“, die anderen „Alles ist Bewusstsein“. Und was ist mit LIEBE? Unsere Intuition und unser religiöses Empfinden sagen uns: „Alles ist Liebe“. Doch in welchem Zusammenhang stehen dann Liebe, Energie und Bewusstsein? (Keine schlechte Frage, oder?)

Pierre Teilhard de Chardin hat diese Frage beantwortet, ohne dass es viele mitbekommen hätten, sonst wären wir heute in unserem Bewusstsein weiter. Und damit ist er aktueller denn je, vielleicht schließen wir langsam auf seine Bewusstseinshöhe auf. Das Entscheidende für ihn ist die Liebe, die evolutiv wachsende Durchseelung der Materie und des Kosmos. Er nennt dies im Sinne eines wissenschaftlich neuen Begriffes: AMORISATION. (Amor = Gott der Liebe) 

Nun wird man den Begriff der „Amorisation“ wohl in keinem wissenschaftlichen Wörterbuch finden. Also ist Teilhards Theorie keine wissenschaftliche … Zu dieser Schlussfolgerung könnte ein einfältiges Denken kommen. Ein visionäres Denken dagegen könnte zu einer ganz anderen Schlussfolgerung kommen: Solange der Begriff der „Amorisation“ nicht das Herz der Wissenschaften ist, sind wir noch weit von einer „Heiligen Wissenschaft“ entfernt. NUR EIN WORT, und unsere Wissenschaft wird ist heil und heilig.

Ich will aus diesem Buch noch eine andere Teilhardsche zentrale Formel kurz besprechen: „Gott über uns“ = „Gott vor uns“ (S. 79) „Gott über uns“ – ist ja noch zu verstehen: „Gott im Himmel“, der Gott aller traditioneller Religionen. Aber „Gott VOR uns“? … Das ist nach Teilhard der Gott der ZUKUNFT, der Gott am „Punkt OMEGA“. Dann wird die Menschheit völlig vergöttlicht sein. Dann ist aus dem EINEN JESUS von Nazareth ein KOSMISCHER CHRISTUS geworden. Das kann man allerdings nur meditativ in seiner mystischen Tiefe erfassen.

Das Buch hat drei Teile, „eigentlich“ sogar vier:

  • Das Kosmische oder das Evolutive
  • Das Menschliche oder das Konvergierende
  • Das Christliche oder das Zentrische
  • Das Weibliche oder das Einigende (als Schlussakkord)

Alleine das Inhaltsverzeichnis ist ja schon Poesie!

Das Buch hat einen Anhang mit drei mystischen Schriften von Pierre Teilhard de Chardin:

  • Christus in der Materie
  • Die geistige Potenz der Materie
    mit: Hymne an die Materie
  • Die Messe über die Welt

Eine Wohltat in Zeiten des Wahnsinns „Es gibt keine Materie.“ (Als ob es auch nur einen Menschen ohne MUTTER gäbe; wir sind alle Kinder von Mutter Erde – als das Ewig-Weibliche.)

Das Buch ist wirklich das Herz der Weltsicht Pierre Teilhard de Chardins. Wenn man genügend „Einführungs-Literatur“ (wie seine > Biographie von Günther Schiwy) gelesen hat, dann kann man sich an dieses konzentrierte Werk (die Essenz) heran machen. Wer tiefer einsteigen will, der lese dazu sinnigerweise das „Teilhard de Chardin Lesebuch“ herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy (> meine Buchbesprechung). Die ausgewählten Teilhard-Texte von Günther Schiwy entsprechen dem Aufbau von „Das Herz der Materie“. Beide Bücher lassen sich gut „parallel“ lesen.

Günther Schiwy: Das Teilhard de Chardin Lesebuch

Ein Wort zu dem Herausgeber des Buches: Günther Schiwy. Er war wie Teilhard de Chardin Jesuit und Priester. Er ist nicht nur ein großer Kenner Teilhard de Chardins und durch deine zweibändige Teilhard-Biographie (> meine Buchbesprechung) zu dessen 100. Geburtstag 1981 bekannt geworden, sondern hat über 10 Jahre intensiv daran gearbeitet,  Teilhard de Chardin im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Der Werkausgabe in Frankreich waren beendet, das meiste ins Deutsche übertragen, zu dem der Herausgeber des Buches selbst seinen Beitrag geleistet hat. Das sehr autobiographische Buch „Das Herz der Materie“ (1950 im französischen Original abgeschlossen, erst 1976 in Frankreich veröffentlicht) fand erst 1990 eine erste deutsche Übersetzung, an dem Günther Schiwy selbst mitgewirkt und das Vorwort verfasst hat.

Dieses Lesebuch, 1987 erstmals erschienen,  aus Texten von Teilhard de Chardin ist aus wirklich sehr kompetenter Redaktion. Günther Schiwy geht in der Abfolge ganz konsequent dem letzten großen Werk Teilhard de Chardins nach, dem „Herz der Materie“, und liefert sozusagen das Textmaterial zu diesem Buch. Darüber hinaus ist das „Lesebuch“ reichlich von ihm im Ganzen und in den acht Kapiteln eingeführt.

Die insgesamt 59 Texte sind in acht Kapitel eingeteilt:

  1. Das Herz der Materie
  2. Der Aufstieg der Menschheit
  3. Die Entwicklung des Bewusstseins
  4. Die Allgegenwart der Liebe oder das Ewig-Weibliche
  5. Die Mystik der Wissenschaft
  6. Die Krisen des Wachstums
  7. Die Religion von morgen
  8. Das neue Zeitalter

Nicht zu vergessen ist das zum Glossar ausgebaute Register, das ein leichteres Verständnis des Teilhardschen Vokabulars und „Jargons“ ermöglicht

Beide Bücher zusammen, Teilhards „Das Herz der Materie“ und dieses Lesebuch sind eine abgerundete Einführung in das Denken dieses großen Visionärs einer spirituellen Evolutionstheorie.

Günther Schiwy: Teilhard de Chardin (2 Bände)

Untertitel: Sein Leben und seine Zeit

Das zweibändige Werk ist eine herausragende Biographie Pater Pierre Teilhard de Chardins, die zu dessen 100. Geburtstag 1981 erschien. Der Autor war seit 1979 auf den Spuren Teilhards in Frankreich, ihm wurden alle Türen geöffnet, nicht nur um diese Biographie zu schreiben. Ihn sollte Leben und Werk von Teilhard de Chardin mehr als die nächsten 10 Jahre intensiv beschäftigen. Er hat ausgewählte Texte von Teilhard aus den Essays und Briefwechsel zum Teil neu übersetzt, kommentiert  und herausgegeben, wie „Das Herz der Materie“. Günther Schiwy hat sich nicht nur mit dieser Biographie große Verdienste erworben, das Interesse an Teilhard de Chardin in den 80er im deutschsprachigen Raum wieder aufleben zu lassen. Der Autor hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass nach der vollendeten deutschsprachige Werkausgabe von Teilhard de Chardin Anfang der 70er Jahre mit der Biographie abgerundet werden konnte.

Wenn jemand den Jesuitenpater Teilhard am besten verstehen sollte, dann selbst ein Jesuit und Priester wie der Autor. Doch mehr noch. Teilhards größtes Problem war wahrscheinlich nicht der Konflikt mit seiner Kirche und seinem Orden, sondern der Konflikt in seiner Liebe zum Weiblichen und zu Frauen. Der Biograph Günther Schiwy selbst hat diesen Konflikt erlebt und nicht anders lösen  können als aus dem Jusuitenorden auszutreten, das Priesteramt niederzulegen und seine geliebte Frau zu heiraten. Das spricht für ihn als DEN deutschsprachige Biograph, der sich in das Innenleben Teilhards einfühlen konnte wie kein anderer. Als später weitere Briefe auftauchten, gab Schiwy einen die Biographie ergänzenden Band heraus „Eine heimliche Liebe. Lucile Swan und Teilhard de Chardin“ (2005) – zu Teilhards 50. und Luciles 40. Todestag, sehr mitfühlend für dies erotische, aber sexuell unerfüllte Liebe.

Wenn man sich tiefer mit Teilhard de Chadin beschäftigen will, kommt man an dieser Biographie nicht vorbei. Der erste Band endet 1923 vor Teilhards ersten Reise nach China: Er ist als Mystiker an der Front des ersten Weltkrieges erwacht, war tief berührt von der Liebe zu einer Cousine, hatte das erste Essay zum „Ewig-Weiblichen“ verfasst, seine auch wissenschaftliche Ausbildung in Paris beendet, war zum Propheten einer Neuen Menschheit, aber auch einer Neuen Theologie gereift. Der Autor geht den vielen Einflüssen nach, die Teilhard und seine „prophetische Sprache“ geprägt haben.

Den zweiten Band ab 1923 bis zu seinem Tod 1955 stellt vor allem die Gespräche, die Teilhard gesucht hat, auch und gerade mit Andersdenkenden, dabei auch in sehr intimen Gesprächen mit Frauen. Dem Biographen Günther Schiwy ist es gelungen, dem Leser das innere Leben von Teilhard de Chardin zu öffnen.

Beide Bände zusammen genommen haben einen Umfang von ca. 650 Seiten und sind reichlich bebildert. Ich will seine Hommage an den französischen Biographen zitieren: „Für hilfreiche Anteilnahme danke ich vor allem Claude Cuénot, dem ersten und unüberholbaren Biographen Teilhards, ferner den Freunden Teilhards, die mir Erinnerungen und Bildmaterial überlassen haben.“ (Bd. 2, S. 290)

Zu erwähnen ist, dass es dazu auch eine gekürzte Taschenbuch-Ausgabe (dtv) aus dem Jahre 1985 gibt, ohne Bildmaterial und um ca. die Hälfte gekürzt.

 

Günther Schiwy: Der kosmische Christus

Untertitel: Spuren Gottes ins Neue Zeitalter

Zunächst ein paar Worte zum Autor: Er hat sich als deutscher Biograph von Teilhard de Chardin einen Namen gemacht. 1981 erschien zu dessen 100. Geburtstag die zweibändige Biographie „Teilhard de Chardin. Sein Leben und seine Zeit“. Doch seine Arbeit für das Bekanntwerden von Teilhard im deutschsprachigen Raum ging weit über die Teilhard-Biographie hinaus. Er veröffentliche ausgewählte Werke von Teilhard und war zum Teil mit verantwortlich dafür, dass Bücher oder Briefwechsel überhaupt ins Deutsche übertragen wurden.

Er hatte mit den Vorbereitungen „auf den Spuren Teilhards in Frankreich“ 1979 begonnen und mit diesem Werk „Der kosmische Christus“ nach 10 Jahren den Höhepunkt seiner Arbeit der Öffentlichkeit vorgelegt. 1989: als der Ostblock durch Gorbatschows „Peristroika“ zusammenbrach und ich die Mauer in Deutschland fiel.

Günther Schiwy war – wie Teilhard de Chardin – selbst Jesuit und Priester, im Gegensatz zu ihm hat er 1970 seinen Orden verlassen, um seine geliebte Frau heiraten zu können. Ihm ging die Liebe vor der Ordensdiziplin des Zölibates. Als dann 1982 die ersten New-Age-Bücher vom „Neuen Wassermann-Zeitalter“ kündeten, zeigte er dafür Sympathie. Er wusste darum (wie Teilhard de Chardin), dass sich das Christentum erneuern musste – und sah in der New-Age-Bewegung das Aufkommen einer „Neuen Spiritualität“. Der Gest des neuen Zeitalters würde aber der GEIST GOTTES sein. Ja, er fand immer mehr Zugang auch zu der Vorstellung, dass diese „Neue Spiritualität“ und das erneuerte Christentum im Kern weiblich sein müsste.

Von seinen Kritikern, den christlichen Theologen, wurde er (krass ausgedrückt) als Verräter angesehen und nur noch als „New-Age-Anhänger“ gewertet. Zwei Jahre vor „Der kosmische Christus“ war sein Buch „Der Geist des Neuen Zeitalters“ (> meine Buchbesprechung) noch der Aufruf zu lesen, dass diese beiden Strömungen im Sinne einer „Neuen Spiritualität“ zusammenarbeiten sollte.

Dieses Buch von 1989 lässt diesen Streit jetzt fallen (es ist keine Streitschrift mehr), sondern ist ein offenes Bekenntnis von Günther Schiwy für den Kosmischen Christus. „Ich schreibe das Buch als Zeugnis meines eigenen Glaubens an den Kosmischen Christus, eines Glaubens, der sich als Niederschlag meines religiösen Lebens mit der Zeit herausgebildet hat.“ Hier zeigt er sich als Schüler Teilhards zur Entwicklung von dessen Lehre.

Die „schönste Entdeckung“ bei Teilhard de Chardin ist für ihn „Das Ewig-Weibliche“, in den Worten Teilhards: „Eines Tages wird nur noch ‚das Ewig-Weibliche‘ bleiben, der einende Zauber des totalen Christus.“ (15. März 1918), im Buch S. 32.

Und Günther Schiwy schreibt für sich selbst:

Für mich gab es da erstaunlicherweise keine Widersprüche: die Liebe zu meiner Frau erfuhr ich zugleich als Liebe zum Ewig-Weiblichen und darin zum Kosmischen Christus – heute kann ich es so formulieren. (S. 33)

Als Liebender hat er so auch einen tieferen Zugang zu Teilhard:

Er, auch Priester und Jesuit, ist es zwar bis an sein Lebensende geblieben. Nichtsdestotrotz hat er auch erlebt, wie die gleiche Anziehungskraft, die man als Priester dem Kosmischen Christus gegenüber verspürt, durch die Liebe zu einer Frau verstärkt wird. Teilhard hat sogar den Kosmischen Christus erst durch die Liebe einer Frau für sich entdeckt, und hat sein Leben lang nicht ausgehört, über das Verhältnis des Kosmischen Christus zum Ewig-Weiblichen nachzudenken, mit dem Ergebnis, daß er das Ewig-Weibliche sprechen läßt: „Ich bin der anziehende Reiz Christi; ich bin Christus.“ (S. 33 f.)

Der Autor geht diesem „Ewig-Weiblichen“ auch im Alten Testament nach und findet in SOPHIA des Gottes Geistin. Die Weisheit des Göttlichen ist weiblich. Hier wird seine Christologie feministisch.

Jesus ist die Offenbarung der Geistin Gottes, der Gegenwart Gottes in der Schöpfung. Jesus ist als „der Herr“ auch „der (das) Geist(wesen)“ selbst, er ist die menschlich und kosmosgewordene Liebe Gottes.“ (S. 57)

Das Buch geht der Idee des Komischen Christus bei Mystikern, Religionen, Philosophen und Dichtern nach. Er stellt die Frage:

Wenn Gott als der Kosmische Christus, der wiederum die Weltwerdung der göttlichen Sophia, der Weisheit, ist, die Welt erfüllt: Muß dann nicht der menschliche Geist, wenn er sich in letzter Anstrengung um den letzten Grund dieser Welt bemüht, auf den Kosmischen Christus stoßen? (S. 107)

Er findet in dieser Frage auch Berühungspunkte von Teilhard de Chardin (über Edouard Schuré) zur Esoterik der theosophischen Gesellschaft und zur Christologie von Rudolf Steiner bis hin zur Findhorn-Bewegung und zitiert die Christosophie von Arthur Schult.

Als „Finale“ zum Buch möchte ich noch den Satz zitieren:

Die Spuren Gottes, die wir als Spuren des Kosmischen Christus in Geschichte und Gegenwart ausfindig gemacht haben, weisen in die Zukunft, in ein Neues Zeitalter, das mehr als andere vor ihm ein mystisches Zeitalter sein wird. (S. 148)

Es erinnert mach an den Satz: „Die Zukunft der Menschheit wird spirituell sein, oder sie wird nicht sein.“ (Den Urheber weiß ich aber nicht mehr.)

Günther Schiwy: Der Geist des Neuen Zeitalters

Untertitel: New-Age Spiritualität und Christentum

Das Buch ist aus dem Jahre 1987. Der Autor Günther Schiwy ist keinesfalls ein „New-Age-Anhänger“, der mit Aussagen zu Teilhard de Chardin flirtet (wie es in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts häufig der Fall ist), sondern ein ausgewiesener Kenner Teilhard de Chardins im deutschsprachigen Raum, der Sympathie für das New-Age empfindet.

Schiwy selbst ist Theologe, hat an der Jesuitenhochschule St. Georgen (Frankfurt a.M.) sein Theologiestudium abgeschlossen und sich als Jesuit und Priester verstanden. Er trat 1970 aus dem Orden aus, um seine geliebte Frau heiraten zu können und ging nun seinen eigenen, freien Weg, der ihn dann in den 80er Jahren zu einem Kenner Teilhard de Chardins werden lies. Bekannt wurden seine beiden Bände zur Biographie Teilhards zu dessen 100. Geburtstag 1981.

In den Anfängen des New-Age sieht der Autor ein ganz deutliches Wiederbeleben der kosmischen und evolutionären Ideen Teilhard de Chardins, mit denen er sehr sympathisiert. Das Buch versucht, das Christentum für die „New-Age-Spiritualität“ zu öffnen. Es war auch die Zeit reif geworden, dass die Katholische Kirche sich den Gedanken und dem Geist Teilhards immer mehr öffnete. Schiwy sah in dem „Neuen Zeitalter“ der New-Age-Anhänger das Neue Zeitalter des Heiligen Geistes und wies in diesem Buch auf die Verwandtschaft hin, eine wirklich mutige Brücke zwischen New Age und Christentum! Das Buch endet mit den Worten:

Der Geist des Neuen Zeitalters ist der Geist Gottes. Das lässt uns hoffen und fordert uns auf, an der „sanften Verschwörung“ mitzuwirken. (S. 109)

Die „safte Verschwörung“ bezieht sich auf die „Bibel“ des New Age von Marilyn Ferguson: „Die sanfte Verschwörung. Persönliche und Gesellschaftliche Transformation im Zeitalter des Wassermanns“ mit einem Vorwort von Fritjof Capra. Günther Schiwy war wie Teilhard ein Prophet und Visionär. Er ahnte, wie wichtig die Kon-Spiration in LIebe (ein zentraler Begriff von Teilhard) als „Zusammen-Atmen“ zwischen New-Age und Christentum für die Erneuerung einer wirklich authentischen Religion der Liebe, einer „Neuen Spiritualitär“ sein würde.

Das Buch ist ein Schatz! Schätze sind alt, müssen vor dem ewigen Verschwinden und Vergessen bewahrt und wieder ausgegraben werden. 70% des Textes sind wichtige Zitate aus der damaligen Zeit, die der Autor erläutert und in einen Zusammenhang stellt. Es ist ein extrem wichtiges Büchlein zum Zeitgeist in den 80er Jahren. (Ich habe vieles aus meinen 30ern wiedererkannt und neu integrieren können.)

Ich will hier nur erwähnen, dass der Autor nur 2 oder 3 Jahre später seine eigene Vision des „Kosmischen Christus“ schreibt. In diesem Buch) (> meine Buchbesprechung) geht er selbst an das Werk heran, die Theologie Teilhards und die Neue Spiritualität des New-Age (mit großen autobiographischen Zügen) miteinander zu integrieren. Ich wundere mich gar nicht, dass sich die Rezension dieses Buches kurz vor Pfingsten 2018 schreibt!

Ruediger Dahlke / Veit Lindau: OMEGA

Untertitel: Im inneren Reichtum ankommen

Wenn zwei Erfolgsautoren, die schon erfolgreiche Bücher über Geld geschrieben haben, sich zusammen setzen, um gemeinsam noch einmal ein Buch über Reichtum zu schreiben, dann muss dies schon ein ganz besonderes Projekt sein! Und das ist es auch. Ich will nicht gleich sagen, dass es mit dem „Kommunistischen Manifest“ zu vergleichen ist, doch es hat etwas in diese Richtung: kein seelenloser Materialismus wie bei Marx und Engels, sondern ein beseelter Materialismus, bei dem auch die Materie (bis hin zur Erscheinungsform des Geldes) geheiligt ist. Geheiligt ist heil, wieder „ganzgeworden“.

Das Thema – innerer Reichtum und Erfüllung im Leben – ist beiden Autoren ein Herzanliegen. Veit Lindau schreibt gleich in der Einleitung: „Doch Ruedigers und mein Anliegen ist es definitiv nicht, dich mit einem weiteren „Auf der Jagd nach der ersten Million“-Buch in die Irre zu führen.“ (S. 20) Und Ruediger Dahlke ergänzt: „Jetzt geht es uns, Veit und mir, um den Aufbau eines so großen Feldes von Bewusstheit, dass wir den Tipping Point, den springenden Punkt, und die kollektive Umkehr schaffen.“ (S. 43)

Unser Buch will ein Manifest der Befreiung aus dieser lebensfeindlichen Grundstimmung und -haltung sein und insofern eine Anleitung zu Fülle und Großzügigkeit. (S. 68)

… vom Mangel-Bewusstsein ins Bewusstsein der natürlichen Fülle

Mangel-Bewusstsein ist eine unnatürliche „Geisteskrankheit“, doch eine, die geheilt werden kann. Die emotionale Basis von Mangel-Bewusstsein ist Angst und Misstrauen.  Heilung ist Ganz-Werden in Liebe und nahezu kindlichem Gottvertrauen.

Und das ist der besondere Ansatz des Buches, das sich vor allem auf das Buch von Ruediger Dahlke „Die Lebensprinzipien“ bezieht, die 12 Urbilder der Seele, wie sie sich in den Tierkreiszeichen manifestieren. Das ist bei den Autoren aber keine Horoskop-Astrologie im engen Sinne – weit gefehlt! Es sind 12 essentielle Seelenqualitäten, die jedem Menschen in unterschiedlichem Maße eigen sind.

Innerer Mangel ist vor allem – dass diese Seelenqualitäten in unterschiedlichem Maße fehler- und mangelhaft (lies: unerlöst, destruktiv) ausgebildet sind. Die Herausbildung EINER Qualität auf Kosten der anderen ist im Gegenteil das anzustrebende Maß unserer Leistungs-Gesellschaft, die auch manche dann als Olympiasieger oder Nobelpreisträger erreichen. Doch die Seele sucht die Erlösung aller Seelenqualitäten in ihrer Harmonie und Balance. Dies über die 12 Lebensprinzipien zu erreichen, ist das Ziel des Buches. Dieses „Er-reich-en“ ist gleichzeitig auch die Erfüllung und nahezu christliche Erlösung.

Wenn wir den Mangel erlösen, fällt uns die Fülle wie von selbst zu, und Mangelbewusstsein löst sich in Wohlgefallen auf. (S. 60)
Um wirkliche Fülle und letzten Reichtum zu erreichen, müssen wir alle 12 Archetypen erlösen. (S. 72)

Das ist das Programm des Buches, das es im 2. Teil (ab S. 74 bis 293) Lebensprinzip für Lebensprinzip nachgeht.

Bei jedem Lebensprinzip werden besondere Impulse mit dem gesunden Umgang mit Geld gegeben. Es ist nicht nur abgehobene Lebensphilosophie, sondern auch Reichtumspraxis für das äußere Leben, wenn die gesunde und nachhaltige (Er-) Lösung auch die innere Fülle in kreisrunder Erfüllung ist, wo sich Alpha (der Anfang) und Omega (das Ende) zu einem neuen Zyklus vereinigen.

Ich kann nur empfehlen, sich das Buch (nach einem ersten Durchlesen) über ein ganzes „Seelen-Jahr“ (vom Widder bis zu den Fischen) aufzunehmen und umzusetzen.

[Ich bin selbst überrascht, dass dieses Buch – als kleines Intermezzo meiner Buchbesprechungen über Teilhard de Chardin – ausgerechnet den Titel OMEGA trägt. Teilhard sah im Punkt OMEGA den Zielpunkt der menschlichen Entwicklung in einer allumfassenden Liebe. Dann wird es sicher kein Geld mehr geben, doch die ganze Menschheit und alle Seelenwesen auf dem Planeten in Wohlwollen und Wohlstand vereinigt sein. Teilhard ist auch derjenige – wie kein anderer – der das „Herz der Materie“ anbetet, weil er darin Gott erkennt. Mein Intermezzo passt schon!)

 

Dahlke / Lindau – Omega: Im inneren Reichtum ankommen (Klick)

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