Wanitschek / Vigl: Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden

Untertitel: Wirkungsweisen und Behandlungsmethoden verständlich erklärt

Cannabis (auf gut Deutsch: Hanf) erfährt ein überraschendes Comeback. Durch die Wegzüchtung des Rauschanteils (THC) in Hanfpflanzen ermöglicht es dieser Art von Hanf mit einem hohen CBD-Anteil  in immer mehr Ländern legalisiert zu werden. So lassen sich grob drei Arten von Hanf unterscheiden:

  • Nutzhanf (als Nahrungsmittel, zur Herstellung von Kleidung, Papier usw.),
  • medizinischer Hanf (CBD, unter 1 % THC) und
  • Hanf als Rausch-Mittel (THC deutlich über 2%, ist aber kein Rausch-Gift)

Die Autoren vermeiden in ihrem Buch geschickt alle kontroversen ideologischen, politischen und ökologischen Themen und konzentrieren sich als Heilpraktiker voll und ganz auf die medizinische Wirkung von Hanf. Warum es zum Verbot von Cannabis kam und der Trend zur Entkriminalisierung und Legalisierung von Hanf auch in Deutschland (das Gesetz „Cannabis als Medizin“) wird am Anfang nur kurz abgehandelt, und dann geht es gleich zur Sache:

Das Endocannabinoid-System als Wirksystem

Die Entdeckung dieses körpereigenen Systems ist sicher ähnlich bedeutsam wie seinerzeit die Entdeckung des Hormonsystems. Dessen Hauptfunktion ist es, über sein Rezeptoren-System für die innere Balance („Homöostase“) aller Körperzellen zu sorgen. Der Körper produziert selbst ein Anandamid (ananda = Glückseligkeit im Sanskrit), das dem Pflanzen-THC verwandt ist. Das hat die leicht nachvollziehbare Konsequenz: THC wird vom Körper als wesensverwandter Stoff leicht aufgenommen und ist für ihn kein Gift. Unser Körper muss in der Urzeit seiner Entstehung (Biogenese) eine Art symbiotische Beziehung zu Hanf eingegangen sein, wenn die Cannabiole selbst schon ein Teil unseres Körpersystem geworden sind.

Die Autoren stellen dar, wie man das körpereigene Endocannabioid-System pflegen kann. So kann ein Meditierender, der auch besondere Gesundheitsregeln beachtet, in einen hohen, glückseligen  Bewusstseinszustand kommen, ohne diese Wirkung über Hanf oder andere Pflanzen zu induzieren.

Die Autoren stellen dann sehr ausführlich die beiden Hauptwirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) dar, auch in ihrem Zusammenspiel mit mit Hunderten von anderen Cannabinoiden, Flavonoiden (Farbstoffe) und Terpenen (Duftstoffe), dem sogennanten „Entrourage-Effekt“.

Unsere Gesundheit und die Heilung aus Krankheiten hängt in großem Maße von dem Funktionieren dieses Endocannabinoid-Systems ab. Ein Mangel an Cannabinoiden kann eine unerkannte Ursache für Krankheiten sein. Das ist der Grund, warum gezielt eingesetztes Cannabis so verblüffend viele Krankheiten heilen kann, weil ein innerer Mangel beseitigt und eine Balance für die Gesundheit wiederhergestellt wird. Diese Zusammenhänge werden mehr und mehr erkannt. Natürlich ist Cannabis kein Wundermittel, wie die Autoren gleich zu Beginn schreiben, doch ein Heilmittel, das in Zukunft sicher noch mehr von sich Reden machen wird.

Im zweiten Teil des Buches besprechen die Autoren die sinnvolle Anwendung von medizinisch eingesetztem Cannabis für allerlei Beschwerden von Akne über Krebs und Schlafstörungen bis Übergewicht.

Ich sehe in dem Buch eine wertvolle Hilfe, Cannabis zu entkriminalisieren und seinen Gebrauch zu normalisieren. Ich selbst kam mir schon richtig subversiv vor, als ich meine Nahrung mit Hanfproteinen und Hanfsamen zu Müsli und Salat ergänzt habe.

Es wird Zeit, Hanf wirklich wiederzuentdecken und in das Alltagsleben zu Gesundheit und Heilung sinnvoll einzusetzen. So kann es wieder zur Volksmedizin aus der Natur werden. Die Autoren weisen auch auf die wichtige Funktion des THC für Heilungsprozesse hin. Doch eine Teillegalisierung über den CBD-Hanf und seinen freien Anbau ist schon einmal ein erster Schritt.


 

Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden: Wirkungsweisen und Behandlungsmethoden verständlich erklärt. Hanf und ätherische Öle wirkungsvoll … Gesundheit. (KLICK)

Wernard Bruining: Hanf heilt

Untertitel: Die Wiederentdeckung einer uralten Volksmedizin

Es ist das erste Buch, das ich über Hanf lese – ich habe in meinem Leben bisher auch noch keinen Kontakt zu Cannabis gehabt (der wissenschaftliche Name von Hanf). Nur ist in meinem neuen Domizil in der Schweiz im Keller eine Indoor-Hanfplantage – und das ganz legal! Hier wird medizinischer Hanf frei angebaut, was mich zuerst irritiert und dann erst recht neugierig gemacht hat.

Das Buch ist für mich eine Offenbarung! Und das, nachdem ich vor einigen Tagen noch das Buch „Manifest für Erde und Mensch“ von Pierre Rabhi besprochen habe – und dieses Buch mir gleich die Antwort gibt: die Lösung eines großen Teil der Weltprobleme kann durch Hanf geschehen, indem die Menschheit vom Erdöl wieder zurück zum Hanf findet. Ich war mir nicht bewusst, was für eine zentrale Rolle Hanf für die Menschheit früher spielte bis mit dem Hanfverbot 1937 in den USA diese regelrechte Symbiose zwischen Mensch und Hanf durch Erdöl brutal aufgebrochen wurde. Hätten die Mächtigen (von Wirtschaft, Politik und Religion) den Hanf nicht kriminalisiert und verteufelt, gäbe es die Menschheitsprobleme von heute wohl nicht!  Wir müssen quasi nur zum „goldenen Hanf-Zeitalter“ zurück! – Das klingt jetzt sicher alles nach „Hanf-Verschwörung“ vor 80 Jahren. Doch die jetzt zu wissen, gehört zur Offenbarung des Buches und dem Ende meiner eigenen Verdummung.

Mit dem Buch „Hanf heilt“  bin ich gleich an der Quelle bei dem Niederländischen Hanf-Pionier Wernard Bruining, von dem sogar der Begriff des medizinischen Cannabis kommt. Das Buch ist sehr entspannt geschrieben und extrem gut zu lesen. Wie jemand, der sein halbes Leben um die Legalisierung von Hanf gekämpft hat und nun weiß: Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Wir Menschen können auf Hanf als Nutzpflanze, als medizinisches Heilmittel oder als Genussmittel gar nicht mehr verzichten: der letzte Strohhalm unserer Menschheit. Nun wird das Hanf-Verbot immer mehr gelockert, ein Staat nach dem anderen kommt im eigenen Interesse zur Besinnung (für mich ist überraschenderweise Israel einer der Pioniere). Verantwortliche Politiker haben erkannt: Jetzt ist Wendezeit oder nie wieder.

Doch Wernard Bruining geht es gar nicht so sehr um die große Politik: Er setzt auf jeden einzelnen Menschen, sein Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Der Hauptteil des Buches (gute Dreiviertel) sind „Fallstudien“ von Menschen, die das medizinische Hanföl genommen haben, um sich von allen möglichen Beschwerden wieder zu befreien. Das Buch ist voller medizinischer Wunder, dokumentiert und gut bebildert. Damit wirklich wieder zur Volksmedizin wird, enthält das Buch auch eine Anleitung, Hanföl für den medizinischen Eigengebrauch selbst herzustellen. 

Ich erklärte, dass ein Teil der Philosophie des medizinischen Cannabis darauf beruht, dass die Menschen lernen, sich selbst zu helfen und sich nicht passiv und abhängig zu halten. (S. 171)

Das Buch ist kein akademisches Buch, kein medizinisches Buch, kein politisches Buch. Es ist so locker und farbenfroh geschriebenen, dass es selbst Jugendliche gerne lesen werden. Es ist aufklärerisch, hilfreich und nie mit erhobenem Zeigefinger, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Der Autor verweist auf die Wahlfreiheit des Menschen vor Gott, warum nicht auch vor unseren Regierungen? Gott hat uns frei geschaffen, die Regierungen brauchen dagegen Schafe, die sie gängeln können. Wie brachte es  Friedrich Schiller so schön auf den Punkt: 

„Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen.“ 

Ein besseres Buch, Cannabis wieder zur Volksmedizin zu machen, kann ich mir kaum vorstellen. „Hanf heilt“ meint aber noch weit mehr und schließt unsere Mutter Erde mit ein.


 

Hanf heilt: Die Wiederentdeckung einer uralten Volksmedizin (KLICK)

Pierre Rabhi: Manifest für Mensch und Erde

Untertitel: Für einen Aufstand des Gewissens

Pierre Rabhi (geboren 1938) ist ein in Frankreich bekannter „Öko-Agrar-Rebell“, Begründer der ökologischen Landwirtschaft in Frankreich. Er kam als Emigrant („Flüchtling“) mit dem Algerienkrieg 1954 aus der algerischen Wüste nach Paris, um später im Süden Frankreichs als Landwirt eine ökologische Landwirtschaft zu erproben und bekannt zu machen. Er „exportiert“ sein Landwirtschafts-Modell „Oasen an allen Orten“ an die armen Bauern in der „Dritten Welt“. 2007 gründete er die „Bewegung für die Erde und den Humanismus“ (mit einem Kolibri als Symbol).

Mich hat es schon überrascht, dass das Vorwort zu diesem Manifest vom ehem. Umweltminister Frankreichs, Nicolas Hulot, formuliert wurde (hier in Deutschland sicher undenkbar). Er schreibt:

„Es kommt auf jeden Einzelnen an. Ohne die Werte der Nüchternheit und des Maßhaltens, ohne Verantwortungsbewusstsein, ohne eine Revolution des Geistes; kurz: ohne die innere Verwandlung des Einzelnen wird die Verwandlung der Welt scheitern. …
Ich glaube wie Pierre, dass der „Aufstand“ des individuellen Gewissens gegen alles, was dem Leben fremd ist und die Lebenswelt zerstört, eine notwendige Bedingung dafür ist, dass die Menschheit dem Schlimmsten entgeht und gleichzeitig die Grundlagen für eine neue Zeit mit einem besseren Leben legt.“ (S. 7)

Die Erde krankt an der Menschheit

Der Planet gehört uns nicht, wir gehören ihm. Wir vergehen, er bleibt. (S. 13)

Der außer Rand und Band geratene Mensch („immer mehr!“) wird die Erde niemals zerstören können. Er zerstört nur sich selbst, doch reißt er viele Arten mit sich, zerstört selbstsüchtig die Natur mit seiner EGO-Kultur. Die Geisteskrankheit, Ignoranz und Zynismus des Menschen bestehlt darin, die Erde nicht als Nährerin allen Lebens, als „Große Mutter“ zu versteht, sondern als „Lagerstätten von Ressourcen“ (S. 43), die er hemmungslos ausbeuten darf. Dazu gibt er sich selbst das Recht! Diese Entfremdung von Mutter Erde, von der Natur, der Schöpfung ist es, das den Menschen in den Wahnsinn der Selbstzerstörung treibt.

Denn die Erde, das Wasser, die tierische und pflanzliche Vielfalt sind keine Ressourcenstätten, sondern stellen ein Gemeingut dar, welches das Leben und Überleben von uns allen garantiert. Dringend muss dieses Gemeingut von jeglicher Finanzspekulation befreit werden, die es verschleudert und den Geldverdienen überlässt. (S. 42)

Pierre bringt vieles auch sprachlich schön auf den Punkt, als Beispiel: Was für uns früher noch eine „Speise“ war (wie sprachen gar von „Götterspeise“), ist inzwischen schon zum „Fraß“ geworden (ein zutreffendes Wort!): Müll, den wir uns tagtäglich „einverleiben“ und so unseren Leib vermüllen (wie außen, so innen).

Die Erde erblüht am Menschen 

Die Frage ist, warum die Erde dieses „missratene Geschöpf Mensch“ nicht einfach beseitigt, den KREBS MENSCHHEIT einfach operativ rausschneidet. Eine solche „Rache Gaias“ (James Lovelock) würde doch viele ihrer Kreaturen vor diesem Monster Menschheit retten.

Doch Mutter Erde, GAIA, ist eine liebende Mutter, sie ist keine Rachegöttin. Ihre ganze Hoffnung auch auf ihre eigene Bewusstwerdung lag in den Menschen, der Krone aller ihrer Kreaturen. Sollte sie es vernichten, dann wäre es ihr eigen „Fleisch und Blut“. Eine liebende Mutter würde dies nie übers Herz bringen, ist ihr Kind auch noch so im Wahn der Omnipotenz. Sie gibt uns immer und immer wieder die Chance der Besinnung. Und Pierrs Manifest ist eine solche eindringliche Besinnung.

Die Menschheit muss zum wahren Humanismus wiederfinden, ein Humanismus, der im Punkt OMEGA (Teilhard de Chardin) auf den Menschen als „Gottmenschen“ (wie Buddha, Jesus, Mohamed und andere) ausgerichtet ist. Das ist auch der Plan von Mutter Erde. Dieser wahre Humanismus ist ein Teil ihrer Seele als Erdenmutter. Ihre Seele kann uns nicht aufgeben; es wäre ein Stück Selbstaufgabe! 

Das ist eine der Kernbotschaften von Pierre: Ein wahrer Humanismus entfremdet uns nicht, sondern verbindet uns immer mehr mit Mutter Erde, weil wir so unserer Berufung „wahrer Mensch zu werden“ in ihrem Sinne gerecht werden.

Das ist die immer wiederkehrende Botschaft: Es liegt in jedem einzelnen, es liegt in DEINER Verantwortung, „wahrer Mensch“ zu werden. Nichts anderes ist DEINE Lebensaufgabe.

„Die Sinfonie der Erde“

Das Buch von Pierre wiederholt sicher viele Anklagen an die Menschheit (Genügsamkeit statt „immer mehr!“ usw.), doch es ist wichtig, dass wir uns auch nicht in Selbstanklagen weiter zustören. Was mir an diesem Manifest am meisten ans Herz geht: Pierre hat sich als Mensch mit Mutter Erde längst „versöhnt“. Sein „Aufstand des Gewissens“ kommt nicht aus Selbstanklage, sondern aus Liebe: Liebe zur Erde, zur Natur, zur Schöpfung. Sein Gewissen erwacht aus einer tiefen Verzauberung an der Schönheit und Harmonie der Schöpfung.

Ehe die Welt verändert wird – muss sie nicht vielmehr wiederverzaubert werden? Sollten wir sie nicht vielmehr lieben und bewundern, um so die Energie zu finden, uns um sie zu kümmern? Es ist diese tiefe Liebe zu dem, was ich die „Sinfonie der Erde“ nenne, die mich unabhängig von alarmierenden Befunden über gegenwärtige und zukünftige Katastrophen dazu veranlasst, an der Umsetzung von Lösungen zu arbeiten. (S. 57)

Das Buch gehört im Grunde zur Pflichtlektüre der höheren Klassen unserer Schulen, denn unsere Jugend kann nichts Wichtigeres lernen als das, wozu das Manifest aufruft. Sie sind die letzten Zerstörer der Menschheit oder die ersten Erbauer einer neuen Menschheit im Einklang mit der Erde. Und es IST leider so dramatisch, wie es kling.

Es ist gar nicht einmal so schlimm, dass dies wahrscheinlich reine Illusion ist (ich hoffe, es ist in Frankreich anders!). Schlimmer noch ist, dass man es sich nicht einmal „vorstellen“ kann, dass unser Bildungssystem solche gesellschaftlichen Impulse aufnimmt und sich verantwortlich für die Zukunft der Menschheit fühlt. Das „Humankapital“ hat unsere Pädagogik, unsere Bildungseinrichtungen, unsere Kinder und Jugend längst im Griff des seelenlosen Mythos „immer mehr!“. Und wenn eine Gesellschaft ihre Seele verloren hat, dann ist sie verloren. Doch im Sinne des Manifestes: Die Seele der Erdmutter und unsere Seele mögen wieder EINS werden!

 

Pierre Rabhi: Manifest für Mensch und Erde: Für einen Aufstand der Gewissen (Klick)

Mia & Henk Leene: Der Atem der Gnosis

Die hier besprochenen Bücher über die sieben Jahre spiegeln in der Reihenfolge sicherlich auch grob meine Bewusstseins-Entwicklung wider. Die Bücher sind dabei immer weniger spiritueller „Mainstream“. Hier sind immer mehr Bücher dabei, die selbst antiquarisch kaum noch zu beziehen sind. Ich entdecke enorm inspirierende Autoren, die mir bei meinem aktuellen Bewusstseins-Stand viel geben. Selbstbeobachtend scheine ich vor dem Sprung von der „Neuen Spiritualität“ zur Mystik und Gnostik zu sein.

Es wird mir selbst gerade von der letzten zu dieser Buchbesprechung bewusst. Meine letzte Buchbesprechung (Inge von Wedemeyers „Das Heilende Licht der Seele“) ging es auch um Mystik und Gnostik. Ich habe bei ihr eigentlich noch alles „verstanden“. Mit diesem Buch von Mia und Henk Leene ist es anders. Ich merke, das Buch geht hart an die Grenze meines Bewusstseins und noch darüber hinaus.

Das Buch hat viele einleuchtende Sätze, die ich aber nicht wirklich „verstehe“. Meine Seele jubiliert „Ja!“, Mein Verstand fragt: „Wie bitte? Was soll das denn heißen?“ Es ist mir sofort klar: Das Buch muss ich noch einmal lesen! Eine Buchbesprechung in dieser Phase und in diesem Sinne muss also eher eine „Quadratur des Kreises“ werden. Versuchen wir es:

Die Seele (Atem) der Weisheit (Gnosis)

Was mich an dem Buch mit vielen kleinen „Erleuchtungen“ anspricht, ist das Verhältnis von GEIST und SEELE, eines der größten Mysterien der Schöpfung und Evolution.

Die Seele ist in der Schöpfung der treibende, bewegende Faktor. Sie ist DER Evolutionsfaktor überhaupt! Sie dürstet nach LICHT  und Weisheit (GEIST), der Attraktor in der Systemtheorie, der anziehende Punkt OMEGA im Sinne Teilhard de Chardins. Ihr Spannungsfeld zwischen Gut (Deus) und Böse (Dämon), Licht und Finsternis  ist ihr Ur-Trieb und Omega der Zielpunkt der Entwicklung der SEELE über die vielen Inkarnationen. Die junge Seele: viel Dämon und Dunkelheit – wenig Licht /die alte Seele: viel Deus und Licht – wenig Dunkelheit.

Zu Ende gedacht heißt das: Ohne Satan gibt es keine Schöpfung. Und mit der Erlösung aller Seelen ist auch Satan erlöst und wieder zu Luzifer befreit: der göttliche Wille und der Wille seiner Geschöpfe sind wieder EINS. Neben der göttlichen Schöpfung gibt es keine satanische ANTI-Schöpfung mehr. Heißt es doch, Satan sei der Fürst der ver(w)irrten Welt.

Dieses aktuelle und völlig individuelle „Kräftespiel“ Dämon-Deus in jeder Seele öffnet sie in ihrem individuellen Verstand für den universellen GEIST und die individuelle Liebesfähigkeit für die ABSOLUTE LIEBE: Je göttlicher die Seele durch ihre Inkarnationen geworden ist, desto offener ist sie für den GEIST und gewinnt an individueller Weisheit, desto offener ist sie für die LIEBE und gewinnt Mit-Gefühl für alle beseelten Geschöpfe. (Im Sinne der Autoren: Ein Vegetarier ist nicht automatisch ein Heiliger, doch ein Heiliger automatisch ein Vegetarier.)

Das Mysterium der Seele

Der vielleicht faszinierendste und mysteriöseste Gedanke des Buches ist die Beschreibung der „jungen Seele“ als „gefallene Seele“. Das erinnert an Luzifer als gefallenem Lichtengel, der so zum Satan wird. Ich sage es einmal bewusst mit eigenen, vielleicht auch überspitzten Worten: Die junge Seele ist aus der Einheit in die Dualität gefallen und wird mit diesem Fall dämonisch! Nicht dass sie zu 100% satanisch ist, sie ist ja ein Kind der Dualität! Doch dieser treibende Antagonismus zwischen Dämon (Satan) und Deus (das Göttliche) in ihr entwickelt die junge Seele über ihre Lebenserfahrungen zu einer reifen Seele, die am Ende die Dualität völlig durchlichtet transformiert in eine ZWEI-EINHEIT. So erklärt sich auch das große Entwicklungs-Thema der erwachten Seele „im Spannungsfeld von Gut und Böse“ (Inge von Wedemeyer) bis sie ins REICH DES GUTEN erwacht ist, das keinen Schatten des Bösen mehr kennt. Diese Seele ist dann auch reif, sich endgültig mit dem Thema Luzifer-Satan auseinanderzusetzen und diese letzte Dualität der Seele im Sinne des Göttlichen Lichtes zu überwinden.

Das Geheimnis im Schweigen des Mystikers

Die Mysterienschulen gelten als Geheimbünde, nahe am „Okkultismus“.  Mitglieder, die das Geheimnis verraten, sind geächtet. Was ist dieses Geheimnis? Ist es nicht Zeit, es zu offenbaren?

Das eigentliche Geheimnis ist das, was wir „Erleuchtung“ nennen. Es ist nur individuell erfahrbar und nicht für andere beschreibbar. Wer selbst erleuchtet ist, braucht keine Beschreibung eines anderen. Wer nicht erleuchtet ist (ich schreibe es sehr plakativ), kann mit der hilfsweisen „Beschreibung“ eines Erleuchteten sowieso nichts anfangen. Solche Worte erscheinen nur als „Spinnerei“, „Arroganz“, „Weltfremdheit“, oder man findet „wissenschaftliche“ Begriffe wie „Psychose“. Erleuchtung zu beschreiben macht keinen Sinn, nur Schweigen über das Geheimnis macht Sinn.

Dies wissend, schweigt ein Mystiker – wohlwissend, dass er von Seinesgleichen auch ohne Worte verstanden wird und von „Gläubigen“ gar nicht verstanden werden kann. (Mystiker sind die eigentlichen „Ungläubigen“. Sie glauben nicht mehr, sie WISSEN.)

Doch das Schweigen eines Mystikers hat noch einen anderen Grund: Es ist eine jahrelange, prüfende Übung für die Aufnahme in eine Mysterienschule. Der „Exoteriker“ (der Prüfling) reinigt durch das jahrelange Schweigen seine Seele für das Mysterium. Und das Schweigen bereitet ihn auf die mögliche Zeit der Verfolgung vor. Die (südfranzösischen) urchristlichen Katharer waren Helden, ihren Glauben nicht zu verraten und sich der römisch-katholischen Kirche zu unterwerfen. Sie schwiegen noch auf dem Scheiterhaufen, so dass die Henker sich nur noch einen Reim daraus machen konnten, indem sie die Katharer als „Selbstmörder“ benannten. So wird aus einem, seiner SEELE treuen Schweigenden ein Selbstmörder in den Augen der in ihrer Seele dämonisch besetzen Henker.

Die einzigartige Freiheit der Seele

Was ich bisher mitbekommen habe (ich werde es noch genauer prüfen), waren Mia und Henk Leene Teil der holländischen Rosenkreuzer (siehe auch meine Buchbesprechungen von Heinz Klein) mit einer auch großen Familientradition von Vater und Großvater. Der ganze GEIST des Buches ist aber ein Rebellion gegen ORDEN und organisierte MYSTERIENSCHULEN. In den Pseudo-Mysterienschulen wird der Orden auf den Thron Gottes gesetzt. Die Seele aber will Freiheit und braucht Freiheit für ihre Entwicklung. Sie braucht keine vorgeschriebenen Wege für Gläubige, sondern die Freiheit der Licht-Suchenden.

Quadratur des Kreises

 

Ich bin jetzt doch überrascht, wie mir diese „Quadratur des Kreises“ gelungen ist. Ich habe das Buch zur Rezension gar nicht mehr aufgeschlagen und vieles zitiert, sondern nur das mit eigenen Worten formuliert, was bei mir als Essenz „angekommen“ ist. Das sind doch schon schöne „Arbeitshypothesen“ für das zweite, beseelte Lesen des Buches! 

Inge von Wedemeyer: Das heilende Licht der Seele

Untertitel: „Schattenpsychologie“ und Lichtmetaphysik

Das Buch ist eines der tiefsinnigsten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, leider wieder nur antiquarisch zu beziehen. Auf die Autorin bin ich durch ihre Bücher zu Pythagoras aufmerksam geworden. Inge von Wedemeyer, Gründerin des Verlages Heilbronn, hat sich große Verdienste erworben, die Mystik des Zaratustra und des Sufismus im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Mehr noch: Irgendwann kommt man auf dem spirituellen Seelen-Weg an den Punkt, sich mit Luzifer-Satan auseinander zu setzen. Ich kenne kein zweites Buch, dass diese „Dualität“ so grandios aufgelöst hat. Es ist ein esoterisches Buch, das sich aber sehr deutlich von Pseudo-Esoterik abhebt, insbesondere auf eine, die sich auf C.G. Jung bezieht. Das macht das Buch so brisant!

Das Hauptthema der drei Teile des Buches ist das Ringen von Religion (Mystik) und Wissenschaft (Psychologie) um die Seele.

Teil I: Die Seele im Spannungsfeld von Gut und Böse – „Schattenpsychologie“ und Lichtmetaphysik

Ich selbst bin von der „Schattenpsychologie“ (C.G.Jung, Ken Wilber, Ruediger Dahlke) in den letzten Jahren sehr beeindruckt worden, und es ist sicherlich in der psychischen Entwicklung des Menschen wichtig, seine Schatten zu erleuchten, das Verdrängte zu erlösen. Der erste Teil des Buches hilft, sich von der „Schattenpsychologie“ selbst zu befreien und und zur „Lichtmetaphysik“ zu finden.

Der Fehlgedanke der Schattenpsychologie ist, Gut und Böse seien „Aspekte Gottes“ (C.G. Jung), ja es gäbe sogar eine „böse Hälfte des Schöpfers“ (S. 27). Konsequenterweise sei das Ziel der Schattenpsychologie, sich mit dem Schatten „auszusöhnen“ und das Böse zu „integrieren“ (S. 28)

Es gilt sich aus der Sicht der Lichtmetaphysik aber aus der Dualität von Gut und Böse, Licht und Dunkelheit zu befreien. Es gibt das „absolut GUTE“ jenseits von Gut und Böse. Es gibt das „absolute LICHT“ jenseits von Licht und Schatten.

Die transzendente Ausrichtung auf das absolut Gute als der höchsten Wahrheit muß wiedergefunden werden; das bedeutet, wieder auf die innere Stimme des Gewissens zu hören und mit der ganzen, dem Menschen zutiefst notwendigen, natürlichen Kraft den Weg zu einer Erneuerung von innen her zu suchen und zu gehen. (S. 16)

Genau das ist die „Hinwendung zum Licht“, der Weg der „Lichtmetaphysik“, den alle großen Religionen kennen.

Metaphysik kann man als die philosophische Grundwissenschaft bezeichnen, die in allem Wechsel, im unablässigen Wandel der sichtbaren Erscheinungen nach dem Übergeordneten, „Ungreifenden“ (Karl Jaspers), Bleibenden fragt, nach dem Einen, in dem kein Zweites ist“, wie es in den Upanischaden, der Hinduüberlieferung, heißt. (S. 18)

Die Autorin spricht von einer „Lichtsehnsucht des Menschenwesens“ (S. 21), die stärker ist als die Süchte des „niedrigen Egos“. Menschen, die den kindlichen „niedrigen Menschen“ überwunden haben, nennt die Autorin „Meister des Lichts“:

Der „Meister des Lichts“ ist im Taoismus „der Heilige Mensch“, bei Konfuzius „der Edle Mensch“, im Sufitum „der vollkommene Mensch“, im Buddismus wird er „Bodhisattva“ genannt, und in der christlichen Religion ist es der Mensch der „Seligpreisungen“. (S. 36)

Die Autorin bringt den Unterschied von Lichtmetaphysik und Schattenpsychologie so auf den Punkt:

Lichtmetaphysik sagt – im Geist der Ur-Tradition: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes!“
Schattenpsychologie sagt – im Geist des Materialismus: „Nimm den Schatten an!“
Lichtmetaphysik sagt: Im Seelengrund, in der Tiefe deines Wesens – als Ursprung – ist Licht und Urvertrauen.
Schattenpsychologie sagt: In der tiefsten Tiefe deines Wesens ist Urangst. (S. 43)

Dies mögen alles noch große Worte sein. Die Fehlleitung der Halbe-Halbe-Psychologie liegt deutlich in der „Relativierung der Werte, mit anderen Worten zur Wertfreiheit“ (S. 53) Die Autorin schreibt dazu mit klaren Worten:

Nicht-Engagiertheit und wertfreies Denken führen auf jeden Fall in die Irre, nämlich zur Enthumanisierung, zur Unmenschlichkeit, die wir heute in vielen Lebensbereichen zu beklagen haben. (S. 55)

Die Autorin bespricht im weiteren, was Mystik und was Gnostik ist. 

Ist Metaphysik … also die Lehre vom Überweltlichen, so ist Mystik die Sehnsucht nach dem inneren Wissen und Erfahren der wesenhaften, unvergänglichen Wirklichkeit, ist Mystik das Leben und Erleben eines immer unerschütterlichen Gottvertrauens. (S. 62 f.)
Mystik – das ist die Ur-Religion der Menschheit. (S. 65)
Mystik ist Gnosis und das bedeutet „Weisheit des Herzens“. Mystik ist das unaussprechliche Geheimnis. (S. 67)
Mystik lauscht dem unhörbaren Urwort: Es werde Licht! (S. 67)
Mystik ist „ein göttliches Feuer, das den Menschen (das niedere Ego) völlig verzehrt“, damit der wahre Mensch auferstehen kann. Mystik führt zum Auferstehen in Gott, zum Erwachen in Ihm. Das Schattenkreuz des irdischen Lebens wird verwandelt in das Lichtkreuz der Auferstehung. (S. 70 f.)

Teil II: „Positive Psychologie“ – Rückblick und Ausblick

Der zweite Teil des Buches weist die Überwindung der Schatten- oder Tiefenpsychologie (repräsentiert von C.G. JUNG) zu einer „positiven Psychologie“ (repräsentiert von VIKTOR FRANKL und seiner Logotherapie), die Frage nach dem Sinn und Über-Sinn des Lebens.

C. G. Jung sah … in der „Trennung von Glauben und Wissen ein Symptom der Bewusstseinsspaltung, welches den gestörten Geisteszustand der neuen Zeit charakterisiert“ … aber erst der Logotherapie gelang der Rückweg oder „Heimweg“ zur „ultrahumanen Dimension“, aus der heraus das Leben Fülle, Kraft, Wert und Sinn gewinnt. (S. 83)

Die Autorin sieht in der Fixierung auf „Schatten, Teufel und Gespenster“ Die Essenz der „negativen Psychologie“.

Positive Psychologie aber sagt: Wende dich zum Licht und du wirst hell und heil! Auf diese Weise werden die Selbstheilungskräfte im Menschen aktiviert; es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. (S. 89)

Für den Aufbruch zu einer positiven Psychologie formuliert die Autorin als Programm:

… Befreiung der Seele vom „Schatten“ und Hinwendung zum Licht, „in dem keine Finsternis ist“ – zum heilenden Licht der Seele. (S. 93)

Ohne es hier in der Buchbesprechung vertiefen zu wollen, sei wenigstens darauf hingewiesen, dass der Teil sehr erhellende Seiten zu Polarität und Dualismus (S. 97 – 127) enthält.  Sehr charakteristisch für die Sichtweise der Autorin ist der Satz:

Dabei ist es eine große Hilfe, wenn man – wie in Indien – statt „Sünde“ Unvollkommenheit oder Unwissenheit sagt. (S. 126)

Teil II: Der Kreislauf des Lichts – Einkehr, Umkehr, Heimkehr 

Für mich ist dieser Teil der Höhepunkt des ganzen Buches. Wenn Luzifer der gefallene Engel ist, kann er auch als Satan wieder heimkehren in das Reich Gottes? An dieser Frage scheiden sich die Geister! Denn wenn wir im Teufel nicht den Bruder Jesu erkennen können, dann haben wir das Dunkle in uns noch nicht erlöst.

In all unserer Unvollkommenheit sind wir nicht schlecht oder böse, solange wir unserer innersten Bewegungsnotwendigkeit „hin zum Licht, zum Ur-Licht gehorsam sind, also vom Mangel zur Fülle streben. Denn tatsächlich gibt es ja eine bewusste Hinwendung zum Dunkel, zum Bösen, die Ab-sage an Gott. Sünde als Absonderung von Gott. … Das Böse ist fehlgesteuerte Lebensenergie; man mißbraucht die von Gott empfangene Lebenskraft zu unheilsamen Tun. (S. 131)
Es geht um die sogenannte „Umpolung“, d.h. um die Verlagerung des Bewusstseins-Schwerpunktes „nach oben“: von der irdischen Verstrickung zur geistigen Freiheit. (S. 134)

Die Autorin zieht fünf Dokumente aus den großen Traditionen als Zeugen heran, um dann als Lichtatem Gottes“ zu schreiben:

Nach traditioneller Lehre ist Schöpfung ein unablässigges, allgegenwärtiges ES WERDE LICHT! des Schöpfers, ist Lichtatem Gottes.
Das unerschaffene Licht erschafft das materielle Licht verschiedener Dichte, in einer Sklala relativer Helligkeit, relativer Dunkelheit. Dunkelheit ist also Mangel an Licht, denn aller Materie wohnt das ES WERDE LICHT! inne, d.h. der Göttliche Lichtfunke, der Lichtatem. (S. 153)

Die Autorin am Ende die Worte aus den Upanischaden an:

Führe mich vom Wahn zur Wirklichkeit!
Führe aus dem Dunkel mich zum Licht!
Führe aus Tod mich zur Unsterblichkeit! (S. 155)