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Wanitschek / Vigl: Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden

Untertitel: Wirkungsweisen und Behandlungsmethoden verständlich erklärt Cannabis (auf gut Deutsch: Hanf) erfährt ein überraschendes Comeback. Durch die Wegzüchtung des Rauschanteils (THC) in Hanfpflanzen ermöglicht es dieser Art von Hanf mit einem hohen CBD-Anteil  in immer mehr Ländern legalisiert zu werden. So lassen sich grob drei Arten von Hanf unterscheiden: Nutzhanf (als Nahrungsmittel, zur Herstellung von Kleidung, Papier usw.), medizinischer Hanf

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Wanitschek / Vigl: Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden

Untertitel: Wirkungsweisen und Behandlungsmethoden verständlich erklärt

Cannabis (auf gut Deutsch: Hanf) erfährt ein überraschendes Comeback. Durch die Wegzüchtung des Rauschanteils (THC) in Hanfpflanzen ermöglicht es dieser Art von Hanf mit einem hohen CBD-Anteil  in immer mehr Ländern legalisiert zu werden. So lassen sich grob drei Arten von Hanf unterscheiden:

  • Nutzhanf (als Nahrungsmittel, zur Herstellung von Kleidung, Papier usw.),
  • medizinischer Hanf (CBD, unter 1 % THC) und
  • Hanf als Rausch-Mittel (THC deutlich über 2%, ist aber kein Rausch-Gift)

Die Autoren vermeiden in ihrem Buch geschickt alle kontroversen ideologischen, politischen und ökologischen Themen und konzentrieren sich als Heilpraktiker voll und ganz auf die medizinische Wirkung von Hanf. Warum es zum Verbot von Cannabis kam und der Trend zur Entkriminalisierung und Legalisierung von Hanf auch in Deutschland (das Gesetz „Cannabis als Medizin“) wird am Anfang nur kurz abgehandelt, und dann geht es gleich zur Sache:

Das Endocannabinoid-System als Wirksystem

Die Entdeckung dieses körpereigenen Systems ist sicher ähnlich bedeutsam wie seinerzeit die Entdeckung des Hormonsystems. Dessen Hauptfunktion ist es, über sein Rezeptoren-System für die innere Balance („Homöostase“) aller Körperzellen zu sorgen. Der Körper produziert selbst ein Anandamid (ananda = Glückseligkeit im Sanskrit), das dem Pflanzen-THC verwandt ist. Das hat die leicht nachvollziehbare Konsequenz: THC wird vom Körper als wesensverwandter Stoff leicht aufgenommen und ist für ihn kein Gift. Unser Körper muss in der Urzeit seiner Entstehung (Biogenese) eine Art symbiotische Beziehung zu Hanf eingegangen sein, wenn die Cannabiole selbst schon ein Teil unseres Körpersystem geworden sind.

Die Autoren stellen dar, wie man das körpereigene Endocannabioid-System pflegen kann. So kann ein Meditierender, der auch besondere Gesundheitsregeln beachtet, in einen hohen, glückseligen  Bewusstseinszustand kommen, ohne diese Wirkung über Hanf oder andere Pflanzen zu induzieren.

Die Autoren stellen dann sehr ausführlich die beiden Hauptwirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) dar, auch in ihrem Zusammenspiel mit mit Hunderten von anderen Cannabinoiden, Flavonoiden (Farbstoffe) und Terpenen (Duftstoffe), dem sogennanten „Entrourage-Effekt“.

Unsere Gesundheit und die Heilung aus Krankheiten hängt in großem Maße von dem Funktionieren dieses Endocannabinoid-Systems ab. Ein Mangel an Cannabinoiden kann eine unerkannte Ursache für Krankheiten sein. Das ist der Grund, warum gezielt eingesetztes Cannabis so verblüffend viele Krankheiten heilen kann, weil ein innerer Mangel beseitigt und eine Balance für die Gesundheit wiederhergestellt wird. Diese Zusammenhänge werden mehr und mehr erkannt. Natürlich ist Cannabis kein Wundermittel, wie die Autoren gleich zu Beginn schreiben, doch ein Heilmittel, das in Zukunft sicher noch mehr von sich Reden machen wird.

Im zweiten Teil des Buches besprechen die Autoren die sinnvolle Anwendung von medizinisch eingesetztem Cannabis für allerlei Beschwerden von Akne über Krebs und Schlafstörungen bis Übergewicht.

Ich sehe in dem Buch eine wertvolle Hilfe, Cannabis zu entkriminalisieren und seinen Gebrauch zu normalisieren. Ich selbst kam mir schon richtig subversiv vor, als ich meine Nahrung mit Hanfproteinen und Hanfsamen zu Müsli und Salat ergänzt habe.

Es wird Zeit, Hanf wirklich wiederzuentdecken und in das Alltagsleben zu Gesundheit und Heilung sinnvoll einzusetzen. So kann es wieder zur Volksmedizin aus der Natur werden. Die Autoren weisen auch auf die wichtige Funktion des THC für Heilungsprozesse hin. Doch eine Teillegalisierung über den CBD-Hanf und seinen freien Anbau ist schon einmal ein erster Schritt.


 

Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden: Wirkungsweisen und Behandlungsmethoden verständlich erklärt. Hanf und ätherische Öle wirkungsvoll … Gesundheit. (KLICK)

Wernard Bruining: Hanf heilt

Untertitel: Die Wiederentdeckung einer uralten Volksmedizin

Es ist das erste Buch, das ich über Hanf lese – ich habe in meinem Leben bisher auch noch keinen Kontakt zu Cannabis gehabt (der wissenschaftliche Name von Hanf). Nur ist in meinem neuen Domizil in der Schweiz im Keller eine Indoor-Hanfplantage – und das ganz legal! Hier wird medizinischer Hanf frei angebaut, was mich zuerst irritiert und dann erst recht neugierig gemacht hat.

Das Buch ist für mich eine Offenbarung! Und das, nachdem ich vor einigen Tagen noch das Buch „Manifest für Erde und Mensch“ von Pierre Rabhi besprochen habe – und dieses Buch mir gleich die Antwort gibt: die Lösung eines großen Teil der Weltprobleme kann durch Hanf geschehen, indem die Menschheit vom Erdöl wieder zurück zum Hanf findet. Ich war mir nicht bewusst, was für eine zentrale Rolle Hanf für die Menschheit früher spielte bis mit dem Hanfverbot 1937 in den USA diese regelrechte Symbiose zwischen Mensch und Hanf durch Erdöl brutal aufgebrochen wurde. Hätten die Mächtigen (von Wirtschaft, Politik und Religion) den Hanf nicht kriminalisiert und verteufelt, gäbe es die Menschheitsprobleme von heute wohl nicht!  Wir müssen quasi nur zum „goldenen Hanf-Zeitalter“ zurück! – Das klingt jetzt sicher alles nach „Hanf-Verschwörung“ vor 80 Jahren. Doch die jetzt zu wissen, gehört zur Offenbarung des Buches und dem Ende meiner eigenen Verdummung.

Mit dem Buch „Hanf heilt“  bin ich gleich an der Quelle bei dem Niederländischen Hanf-Pionier Wernard Bruining, von dem sogar der Begriff des medizinischen Cannabis kommt. Das Buch ist sehr entspannt geschrieben und extrem gut zu lesen. Wie jemand, der sein halbes Leben um die Legalisierung von Hanf gekämpft hat und nun weiß: Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Wir Menschen können auf Hanf als Nutzpflanze, als medizinisches Heilmittel oder als Genussmittel gar nicht mehr verzichten: der letzte Strohhalm unserer Menschheit. Nun wird das Hanf-Verbot immer mehr gelockert, ein Staat nach dem anderen kommt im eigenen Interesse zur Besinnung (für mich ist überraschenderweise Israel einer der Pioniere). Verantwortliche Politiker haben erkannt: Jetzt ist Wendezeit oder nie wieder.

Doch Wernard Bruining geht es gar nicht so sehr um die große Politik: Er setzt auf jeden einzelnen Menschen, sein Schicksal selbst in die Hände zu nehmen. Der Hauptteil des Buches (gute Dreiviertel) sind „Fallstudien“ von Menschen, die das medizinische Hanföl genommen haben, um sich von allen möglichen Beschwerden wieder zu befreien. Das Buch ist voller medizinischer Wunder, dokumentiert und gut bebildert. Damit wirklich wieder zur Volksmedizin wird, enthält das Buch auch eine Anleitung, Hanföl für den medizinischen Eigengebrauch selbst herzustellen. 

Ich erklärte, dass ein Teil der Philosophie des medizinischen Cannabis darauf beruht, dass die Menschen lernen, sich selbst zu helfen und sich nicht passiv und abhängig zu halten. (S. 171)

Das Buch ist kein akademisches Buch, kein medizinisches Buch, kein politisches Buch. Es ist so locker und farbenfroh geschriebenen, dass es selbst Jugendliche gerne lesen werden. Es ist aufklärerisch, hilfreich und nie mit erhobenem Zeigefinger, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Der Autor verweist auf die Wahlfreiheit des Menschen vor Gott, warum nicht auch vor unseren Regierungen? Gott hat uns frei geschaffen, die Regierungen brauchen dagegen Schafe, die sie gängeln können. Wie brachte es  Friedrich Schiller so schön auf den Punkt: 

„Die Großen hören auf zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen.“ 

Ein besseres Buch, Cannabis wieder zur Volksmedizin zu machen, kann ich mir kaum vorstellen. „Hanf heilt“ meint aber noch weit mehr und schließt unsere Mutter Erde mit ein.


 

Hanf heilt: Die Wiederentdeckung einer uralten Volksmedizin (KLICK)

Pierre Rabhi: Manifest für Mensch und Erde

Untertitel: Für einen Aufstand des Gewissens

Pierre Rabhi (geboren 1938) ist ein in Frankreich bekannter „Öko-Agrar-Rebell“, Begründer der ökologischen Landwirtschaft in Frankreich. Er kam als Emigrant („Flüchtling“) mit dem Algerienkrieg 1954 aus der algerischen Wüste nach Paris, um später im Süden Frankreichs als Landwirt eine ökologische Landwirtschaft zu erproben und bekannt zu machen. Er „exportiert“ sein Landwirtschafts-Modell „Oasen an allen Orten“ an die armen Bauern in der „Dritten Welt“. 2007 gründete er die „Bewegung für die Erde und den Humanismus“ (mit einem Kolibri als Symbol).

Mich hat es schon überrascht, dass das Vorwort zu diesem Manifest vom ehem. Umweltminister Frankreichs, Nicolas Hulot, formuliert wurde (hier in Deutschland sicher undenkbar). Er schreibt:

„Es kommt auf jeden Einzelnen an. Ohne die Werte der Nüchternheit und des Maßhaltens, ohne Verantwortungsbewusstsein, ohne eine Revolution des Geistes; kurz: ohne die innere Verwandlung des Einzelnen wird die Verwandlung der Welt scheitern. …
Ich glaube wie Pierre, dass der „Aufstand“ des individuellen Gewissens gegen alles, was dem Leben fremd ist und die Lebenswelt zerstört, eine notwendige Bedingung dafür ist, dass die Menschheit dem Schlimmsten entgeht und gleichzeitig die Grundlagen für eine neue Zeit mit einem besseren Leben legt.“ (S. 7)

Die Erde krankt an der Menschheit

Der Planet gehört uns nicht, wir gehören ihm. Wir vergehen, er bleibt. (S. 13)

Der außer Rand und Band geratene Mensch („immer mehr!“) wird die Erde niemals zerstören können. Er zerstört nur sich selbst, doch reißt er viele Arten mit sich, zerstört selbstsüchtig die Natur mit seiner EGO-Kultur. Die Geisteskrankheit, Ignoranz und Zynismus des Menschen bestehlt darin, die Erde nicht als Nährerin allen Lebens, als „Große Mutter“ zu versteht, sondern als „Lagerstätten von Ressourcen“ (S. 43), die er hemmungslos ausbeuten darf. Dazu gibt er sich selbst das Recht! Diese Entfremdung von Mutter Erde, von der Natur, der Schöpfung ist es, das den Menschen in den Wahnsinn der Selbstzerstörung treibt.

Denn die Erde, das Wasser, die tierische und pflanzliche Vielfalt sind keine Ressourcenstätten, sondern stellen ein Gemeingut dar, welches das Leben und Überleben von uns allen garantiert. Dringend muss dieses Gemeingut von jeglicher Finanzspekulation befreit werden, die es verschleudert und den Geldverdienen überlässt. (S. 42)

Pierre bringt vieles auch sprachlich schön auf den Punkt, als Beispiel: Was für uns früher noch eine „Speise“ war (wie sprachen gar von „Götterspeise“), ist inzwischen schon zum „Fraß“ geworden (ein zutreffendes Wort!): Müll, den wir uns tagtäglich „einverleiben“ und so unseren Leib vermüllen (wie außen, so innen).

Die Erde erblüht am Menschen 

Die Frage ist, warum die Erde dieses „missratene Geschöpf Mensch“ nicht einfach beseitigt, den KREBS MENSCHHEIT einfach operativ rausschneidet. Eine solche „Rache Gaias“ (James Lovelock) würde doch viele ihrer Kreaturen vor diesem Monster Menschheit retten.

Doch Mutter Erde, GAIA, ist eine liebende Mutter, sie ist keine Rachegöttin. Ihre ganze Hoffnung auch auf ihre eigene Bewusstwerdung lag in den Menschen, der Krone aller ihrer Kreaturen. Sollte sie es vernichten, dann wäre es ihr eigen „Fleisch und Blut“. Eine liebende Mutter würde dies nie übers Herz bringen, ist ihr Kind auch noch so im Wahn der Omnipotenz. Sie gibt uns immer und immer wieder die Chance der Besinnung. Und Pierrs Manifest ist eine solche eindringliche Besinnung.

Die Menschheit muss zum wahren Humanismus wiederfinden, ein Humanismus, der im Punkt OMEGA (Teilhard de Chardin) auf den Menschen als „Gottmenschen“ (wie Buddha, Jesus, Mohamed und andere) ausgerichtet ist. Das ist auch der Plan von Mutter Erde. Dieser wahre Humanismus ist ein Teil ihrer Seele als Erdenmutter. Ihre Seele kann uns nicht aufgeben; es wäre ein Stück Selbstaufgabe! 

Das ist eine der Kernbotschaften von Pierre: Ein wahrer Humanismus entfremdet uns nicht, sondern verbindet uns immer mehr mit Mutter Erde, weil wir so unserer Berufung „wahrer Mensch zu werden“ in ihrem Sinne gerecht werden.

Das ist die immer wiederkehrende Botschaft: Es liegt in jedem einzelnen, es liegt in DEINER Verantwortung, „wahrer Mensch“ zu werden. Nichts anderes ist DEINE Lebensaufgabe.

„Die Sinfonie der Erde“

Das Buch von Pierre wiederholt sicher viele Anklagen an die Menschheit (Genügsamkeit statt „immer mehr!“ usw.), doch es ist wichtig, dass wir uns auch nicht in Selbstanklagen weiter zustören. Was mir an diesem Manifest am meisten ans Herz geht: Pierre hat sich als Mensch mit Mutter Erde längst „versöhnt“. Sein „Aufstand des Gewissens“ kommt nicht aus Selbstanklage, sondern aus Liebe: Liebe zur Erde, zur Natur, zur Schöpfung. Sein Gewissen erwacht aus einer tiefen Verzauberung an der Schönheit und Harmonie der Schöpfung.

Ehe die Welt verändert wird – muss sie nicht vielmehr wiederverzaubert werden? Sollten wir sie nicht vielmehr lieben und bewundern, um so die Energie zu finden, uns um sie zu kümmern? Es ist diese tiefe Liebe zu dem, was ich die „Sinfonie der Erde“ nenne, die mich unabhängig von alarmierenden Befunden über gegenwärtige und zukünftige Katastrophen dazu veranlasst, an der Umsetzung von Lösungen zu arbeiten. (S. 57)

Das Buch gehört im Grunde zur Pflichtlektüre der höheren Klassen unserer Schulen, denn unsere Jugend kann nichts Wichtigeres lernen als das, wozu das Manifest aufruft. Sie sind die letzten Zerstörer der Menschheit oder die ersten Erbauer einer neuen Menschheit im Einklang mit der Erde. Und es IST leider so dramatisch, wie es kling.

Es ist gar nicht einmal so schlimm, dass dies wahrscheinlich reine Illusion ist (ich hoffe, es ist in Frankreich anders!). Schlimmer noch ist, dass man es sich nicht einmal „vorstellen“ kann, dass unser Bildungssystem solche gesellschaftlichen Impulse aufnimmt und sich verantwortlich für die Zukunft der Menschheit fühlt. Das „Humankapital“ hat unsere Pädagogik, unsere Bildungseinrichtungen, unsere Kinder und Jugend längst im Griff des seelenlosen Mythos „immer mehr!“. Und wenn eine Gesellschaft ihre Seele verloren hat, dann ist sie verloren. Doch im Sinne des Manifestes: Die Seele der Erdmutter und unsere Seele mögen wieder EINS werden!

 

Pierre Rabhi: Manifest für Mensch und Erde: Für einen Aufstand der Gewissen (Klick)

Mia & Henk Leene: Der Atem der Gnosis

Die hier besprochenen Bücher über die sieben Jahre spiegeln in der Reihenfolge sicherlich auch grob meine Bewusstseins-Entwicklung wider. Die Bücher sind dabei immer weniger spiritueller „Mainstream“. Hier sind immer mehr Bücher dabei, die selbst antiquarisch kaum noch zu beziehen sind. Ich entdecke enorm inspirierende Autoren, die mir bei meinem aktuellen Bewusstseins-Stand viel geben. Selbstbeobachtend scheine ich vor dem Sprung von der „Neuen Spiritualität“ zur Mystik und Gnostik zu sein.

Es wird mir selbst gerade von der letzten zu dieser Buchbesprechung bewusst. Meine letzte Buchbesprechung (Inge von Wedemeyers „Das Heilende Licht der Seele“) ging es auch um Mystik und Gnostik. Ich habe bei ihr eigentlich noch alles „verstanden“. Mit diesem Buch von Mia und Henk Leene ist es anders. Ich merke, das Buch geht hart an die Grenze meines Bewusstseins und noch darüber hinaus.

Das Buch hat viele einleuchtende Sätze, die ich aber nicht wirklich „verstehe“. Meine Seele jubiliert „Ja!“, Mein Verstand fragt: „Wie bitte? Was soll das denn heißen?“ Es ist mir sofort klar: Das Buch muss ich noch einmal lesen! Eine Buchbesprechung in dieser Phase und in diesem Sinne muss also eher eine „Quadratur des Kreises“ werden. Versuchen wir es:

Die Seele (Atem) der Weisheit (Gnosis)

Was mich an dem Buch mit vielen kleinen „Erleuchtungen“ anspricht, ist das Verhältnis von GEIST und SEELE, eines der größten Mysterien der Schöpfung und Evolution.

Die Seele ist in der Schöpfung der treibende, bewegende Faktor. Sie ist DER Evolutionsfaktor überhaupt! Sie dürstet nach LICHT  und Weisheit (GEIST), der Attraktor in der Systemtheorie, der anziehende Punkt OMEGA im Sinne Teilhard de Chardins. Ihr Spannungsfeld zwischen Gut (Deus) und Böse (Dämon), Licht und Finsternis  ist ihr Ur-Trieb und Omega der Zielpunkt der Entwicklung der SEELE über die vielen Inkarnationen. Die junge Seele: viel Dämon und Dunkelheit – wenig Licht /die alte Seele: viel Deus und Licht – wenig Dunkelheit.

Zu Ende gedacht heißt das: Ohne Satan gibt es keine Schöpfung. Und mit der Erlösung aller Seelen ist auch Satan erlöst und wieder zu Luzifer befreit: der göttliche Wille und der Wille seiner Geschöpfe sind wieder EINS. Neben der göttlichen Schöpfung gibt es keine satanische ANTI-Schöpfung mehr. Heißt es doch, Satan sei der Fürst der ver(w)irrten Welt.

Dieses aktuelle und völlig individuelle „Kräftespiel“ Dämon-Deus in jeder Seele öffnet sie in ihrem individuellen Verstand für den universellen GEIST und die individuelle Liebesfähigkeit für die ABSOLUTE LIEBE: Je göttlicher die Seele durch ihre Inkarnationen geworden ist, desto offener ist sie für den GEIST und gewinnt an individueller Weisheit, desto offener ist sie für die LIEBE und gewinnt Mit-Gefühl für alle beseelten Geschöpfe. (Im Sinne der Autoren: Ein Vegetarier ist nicht automatisch ein Heiliger, doch ein Heiliger automatisch ein Vegetarier.)

Das Mysterium der Seele

Der vielleicht faszinierendste und mysteriöseste Gedanke des Buches ist die Beschreibung der „jungen Seele“ als „gefallene Seele“. Das erinnert an Luzifer als gefallenem Lichtengel, der so zum Satan wird. Ich sage es einmal bewusst mit eigenen, vielleicht auch überspitzten Worten: Die junge Seele ist aus der Einheit in die Dualität gefallen und wird mit diesem Fall dämonisch! Nicht dass sie zu 100% satanisch ist, sie ist ja ein Kind der Dualität! Doch dieser treibende Antagonismus zwischen Dämon (Satan) und Deus (das Göttliche) in ihr entwickelt die junge Seele über ihre Lebenserfahrungen zu einer reifen Seele, die am Ende die Dualität völlig durchlichtet transformiert in eine ZWEI-EINHEIT. So erklärt sich auch das große Entwicklungs-Thema der erwachten Seele „im Spannungsfeld von Gut und Böse“ (Inge von Wedemeyer) bis sie ins REICH DES GUTEN erwacht ist, das keinen Schatten des Bösen mehr kennt. Diese Seele ist dann auch reif, sich endgültig mit dem Thema Luzifer-Satan auseinanderzusetzen und diese letzte Dualität der Seele im Sinne des Göttlichen Lichtes zu überwinden.

Das Geheimnis im Schweigen des Mystikers

Die Mysterienschulen gelten als Geheimbünde, nahe am „Okkultismus“.  Mitglieder, die das Geheimnis verraten, sind geächtet. Was ist dieses Geheimnis? Ist es nicht Zeit, es zu offenbaren?

Das eigentliche Geheimnis ist das, was wir „Erleuchtung“ nennen. Es ist nur individuell erfahrbar und nicht für andere beschreibbar. Wer selbst erleuchtet ist, braucht keine Beschreibung eines anderen. Wer nicht erleuchtet ist (ich schreibe es sehr plakativ), kann mit der hilfsweisen „Beschreibung“ eines Erleuchteten sowieso nichts anfangen. Solche Worte erscheinen nur als „Spinnerei“, „Arroganz“, „Weltfremdheit“, oder man findet „wissenschaftliche“ Begriffe wie „Psychose“. Erleuchtung zu beschreiben macht keinen Sinn, nur Schweigen über das Geheimnis macht Sinn.

Dies wissend, schweigt ein Mystiker – wohlwissend, dass er von Seinesgleichen auch ohne Worte verstanden wird und von „Gläubigen“ gar nicht verstanden werden kann. (Mystiker sind die eigentlichen „Ungläubigen“. Sie glauben nicht mehr, sie WISSEN.)

Doch das Schweigen eines Mystikers hat noch einen anderen Grund: Es ist eine jahrelange, prüfende Übung für die Aufnahme in eine Mysterienschule. Der „Exoteriker“ (der Prüfling) reinigt durch das jahrelange Schweigen seine Seele für das Mysterium. Und das Schweigen bereitet ihn auf die mögliche Zeit der Verfolgung vor. Die (südfranzösischen) urchristlichen Katharer waren Helden, ihren Glauben nicht zu verraten und sich der römisch-katholischen Kirche zu unterwerfen. Sie schwiegen noch auf dem Scheiterhaufen, so dass die Henker sich nur noch einen Reim daraus machen konnten, indem sie die Katharer als „Selbstmörder“ benannten. So wird aus einem, seiner SEELE treuen Schweigenden ein Selbstmörder in den Augen der in ihrer Seele dämonisch besetzen Henker.

Die einzigartige Freiheit der Seele

Was ich bisher mitbekommen habe (ich werde es noch genauer prüfen), waren Mia und Henk Leene Teil der holländischen Rosenkreuzer (siehe auch meine Buchbesprechungen von Heinz Klein) mit einer auch großen Familientradition von Vater und Großvater. Der ganze GEIST des Buches ist aber ein Rebellion gegen ORDEN und organisierte MYSTERIENSCHULEN. In den Pseudo-Mysterienschulen wird der Orden auf den Thron Gottes gesetzt. Die Seele aber will Freiheit und braucht Freiheit für ihre Entwicklung. Sie braucht keine vorgeschriebenen Wege für Gläubige, sondern die Freiheit der Licht-Suchenden.

Quadratur des Kreises

 

Ich bin jetzt doch überrascht, wie mir diese „Quadratur des Kreises“ gelungen ist. Ich habe das Buch zur Rezension gar nicht mehr aufgeschlagen und vieles zitiert, sondern nur das mit eigenen Worten formuliert, was bei mir als Essenz „angekommen“ ist. Das sind doch schon schöne „Arbeitshypothesen“ für das zweite, beseelte Lesen des Buches! 

Inge von Wedemeyer: Das heilende Licht der Seele

Untertitel: „Schattenpsychologie“ und Lichtmetaphysik

Das Buch ist eines der tiefsinnigsten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, leider wieder nur antiquarisch zu beziehen. Auf die Autorin bin ich durch ihre Bücher zu Pythagoras aufmerksam geworden. Inge von Wedemeyer, Gründerin des Verlages Heilbronn, hat sich große Verdienste erworben, die Mystik des Zaratustra und des Sufismus im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Mehr noch: Irgendwann kommt man auf dem spirituellen Seelen-Weg an den Punkt, sich mit Luzifer-Satan auseinander zu setzen. Ich kenne kein zweites Buch, dass diese „Dualität“ so grandios aufgelöst hat. Es ist ein esoterisches Buch, das sich aber sehr deutlich von Pseudo-Esoterik abhebt, insbesondere auf eine, die sich auf C.G. Jung bezieht. Das macht das Buch so brisant!

Das Hauptthema der drei Teile des Buches ist das Ringen von Religion (Mystik) und Wissenschaft (Psychologie) um die Seele.

Teil I: Die Seele im Spannungsfeld von Gut und Böse – „Schattenpsychologie“ und Lichtmetaphysik

Ich selbst bin von der „Schattenpsychologie“ (C.G.Jung, Ken Wilber, Ruediger Dahlke) in den letzten Jahren sehr beeindruckt worden, und es ist sicherlich in der psychischen Entwicklung des Menschen wichtig, seine Schatten zu erleuchten, das Verdrängte zu erlösen. Der erste Teil des Buches hilft, sich von der „Schattenpsychologie“ selbst zu befreien und und zur „Lichtmetaphysik“ zu finden.

Der Fehlgedanke der Schattenpsychologie ist, Gut und Böse seien „Aspekte Gottes“ (C.G. Jung), ja es gäbe sogar eine „böse Hälfte des Schöpfers“ (S. 27). Konsequenterweise sei das Ziel der Schattenpsychologie, sich mit dem Schatten „auszusöhnen“ und das Böse zu „integrieren“ (S. 28)

Es gilt sich aus der Sicht der Lichtmetaphysik aber aus der Dualität von Gut und Böse, Licht und Dunkelheit zu befreien. Es gibt das „absolut GUTE“ jenseits von Gut und Böse. Es gibt das „absolute LICHT“ jenseits von Licht und Schatten.

Die transzendente Ausrichtung auf das absolut Gute als der höchsten Wahrheit muß wiedergefunden werden; das bedeutet, wieder auf die innere Stimme des Gewissens zu hören und mit der ganzen, dem Menschen zutiefst notwendigen, natürlichen Kraft den Weg zu einer Erneuerung von innen her zu suchen und zu gehen. (S. 16)

Genau das ist die „Hinwendung zum Licht“, der Weg der „Lichtmetaphysik“, den alle großen Religionen kennen.

Metaphysik kann man als die philosophische Grundwissenschaft bezeichnen, die in allem Wechsel, im unablässigen Wandel der sichtbaren Erscheinungen nach dem Übergeordneten, „Ungreifenden“ (Karl Jaspers), Bleibenden fragt, nach dem Einen, in dem kein Zweites ist“, wie es in den Upanischaden, der Hinduüberlieferung, heißt. (S. 18)

Die Autorin spricht von einer „Lichtsehnsucht des Menschenwesens“ (S. 21), die stärker ist als die Süchte des „niedrigen Egos“. Menschen, die den kindlichen „niedrigen Menschen“ überwunden haben, nennt die Autorin „Meister des Lichts“:

Der „Meister des Lichts“ ist im Taoismus „der Heilige Mensch“, bei Konfuzius „der Edle Mensch“, im Sufitum „der vollkommene Mensch“, im Buddismus wird er „Bodhisattva“ genannt, und in der christlichen Religion ist es der Mensch der „Seligpreisungen“. (S. 36)

Die Autorin bringt den Unterschied von Lichtmetaphysik und Schattenpsychologie so auf den Punkt:

Lichtmetaphysik sagt – im Geist der Ur-Tradition: „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes!“
Schattenpsychologie sagt – im Geist des Materialismus: „Nimm den Schatten an!“
Lichtmetaphysik sagt: Im Seelengrund, in der Tiefe deines Wesens – als Ursprung – ist Licht und Urvertrauen.
Schattenpsychologie sagt: In der tiefsten Tiefe deines Wesens ist Urangst. (S. 43)

Dies mögen alles noch große Worte sein. Die Fehlleitung der Halbe-Halbe-Psychologie liegt deutlich in der „Relativierung der Werte, mit anderen Worten zur Wertfreiheit“ (S. 53) Die Autorin schreibt dazu mit klaren Worten:

Nicht-Engagiertheit und wertfreies Denken führen auf jeden Fall in die Irre, nämlich zur Enthumanisierung, zur Unmenschlichkeit, die wir heute in vielen Lebensbereichen zu beklagen haben. (S. 55)

Die Autorin bespricht im weiteren, was Mystik und was Gnostik ist. 

Ist Metaphysik … also die Lehre vom Überweltlichen, so ist Mystik die Sehnsucht nach dem inneren Wissen und Erfahren der wesenhaften, unvergänglichen Wirklichkeit, ist Mystik das Leben und Erleben eines immer unerschütterlichen Gottvertrauens. (S. 62 f.)
Mystik – das ist die Ur-Religion der Menschheit. (S. 65)
Mystik ist Gnosis und das bedeutet „Weisheit des Herzens“. Mystik ist das unaussprechliche Geheimnis. (S. 67)
Mystik lauscht dem unhörbaren Urwort: Es werde Licht! (S. 67)
Mystik ist „ein göttliches Feuer, das den Menschen (das niedere Ego) völlig verzehrt“, damit der wahre Mensch auferstehen kann. Mystik führt zum Auferstehen in Gott, zum Erwachen in Ihm. Das Schattenkreuz des irdischen Lebens wird verwandelt in das Lichtkreuz der Auferstehung. (S. 70 f.)

Teil II: „Positive Psychologie“ – Rückblick und Ausblick

Der zweite Teil des Buches weist die Überwindung der Schatten- oder Tiefenpsychologie (repräsentiert von C.G. JUNG) zu einer „positiven Psychologie“ (repräsentiert von VIKTOR FRANKL und seiner Logotherapie), die Frage nach dem Sinn und Über-Sinn des Lebens.

C. G. Jung sah … in der „Trennung von Glauben und Wissen ein Symptom der Bewusstseinsspaltung, welches den gestörten Geisteszustand der neuen Zeit charakterisiert“ … aber erst der Logotherapie gelang der Rückweg oder „Heimweg“ zur „ultrahumanen Dimension“, aus der heraus das Leben Fülle, Kraft, Wert und Sinn gewinnt. (S. 83)

Die Autorin sieht in der Fixierung auf „Schatten, Teufel und Gespenster“ Die Essenz der „negativen Psychologie“.

Positive Psychologie aber sagt: Wende dich zum Licht und du wirst hell und heil! Auf diese Weise werden die Selbstheilungskräfte im Menschen aktiviert; es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. (S. 89)

Für den Aufbruch zu einer positiven Psychologie formuliert die Autorin als Programm:

… Befreiung der Seele vom „Schatten“ und Hinwendung zum Licht, „in dem keine Finsternis ist“ – zum heilenden Licht der Seele. (S. 93)

Ohne es hier in der Buchbesprechung vertiefen zu wollen, sei wenigstens darauf hingewiesen, dass der Teil sehr erhellende Seiten zu Polarität und Dualismus (S. 97 – 127) enthält.  Sehr charakteristisch für die Sichtweise der Autorin ist der Satz:

Dabei ist es eine große Hilfe, wenn man – wie in Indien – statt „Sünde“ Unvollkommenheit oder Unwissenheit sagt. (S. 126)

Teil II: Der Kreislauf des Lichts – Einkehr, Umkehr, Heimkehr 

Für mich ist dieser Teil der Höhepunkt des ganzen Buches. Wenn Luzifer der gefallene Engel ist, kann er auch als Satan wieder heimkehren in das Reich Gottes? An dieser Frage scheiden sich die Geister! Denn wenn wir im Teufel nicht den Bruder Jesu erkennen können, dann haben wir das Dunkle in uns noch nicht erlöst.

In all unserer Unvollkommenheit sind wir nicht schlecht oder böse, solange wir unserer innersten Bewegungsnotwendigkeit „hin zum Licht, zum Ur-Licht gehorsam sind, also vom Mangel zur Fülle streben. Denn tatsächlich gibt es ja eine bewusste Hinwendung zum Dunkel, zum Bösen, die Ab-sage an Gott. Sünde als Absonderung von Gott. … Das Böse ist fehlgesteuerte Lebensenergie; man mißbraucht die von Gott empfangene Lebenskraft zu unheilsamen Tun. (S. 131)
Es geht um die sogenannte „Umpolung“, d.h. um die Verlagerung des Bewusstseins-Schwerpunktes „nach oben“: von der irdischen Verstrickung zur geistigen Freiheit. (S. 134)

Die Autorin zieht fünf Dokumente aus den großen Traditionen als Zeugen heran, um dann als Lichtatem Gottes“ zu schreiben:

Nach traditioneller Lehre ist Schöpfung ein unablässigges, allgegenwärtiges ES WERDE LICHT! des Schöpfers, ist Lichtatem Gottes.
Das unerschaffene Licht erschafft das materielle Licht verschiedener Dichte, in einer Sklala relativer Helligkeit, relativer Dunkelheit. Dunkelheit ist also Mangel an Licht, denn aller Materie wohnt das ES WERDE LICHT! inne, d.h. der Göttliche Lichtfunke, der Lichtatem. (S. 153)

Die Autorin am Ende die Worte aus den Upanischaden an:

Führe mich vom Wahn zur Wirklichkeit!
Führe aus dem Dunkel mich zum Licht!
Führe aus Tod mich zur Unsterblichkeit! (S. 155) 

Dalai Lama: Seid Rebellen des Friedens

Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt – mit Sofia Stril-Rever

Dieser Appell des Dalai Lama ist vor allem ein Appell an die Jugend, an die zur Jahrtausendwende Geborenen.

Am Horizont wird eine neue Seite im Buch der Menschheit aufgeschlagen, und ihr, meine lieben jungen Freunde, beginnt darauf die Geschichte eines neuen Jahrhunderts zu schreiben, die vielleicht die schönste und glücklichste der Menschheit wird. (S. 23)

Sein Appell ist durchaus dramatisch und eindringlich:

Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Friedens sein – oder das Ende der Menschheit bringen. Jugendliche der Welt, ich appelliere an euch, die erste friedliche Generation auf einer brüderlichen Erde zu sein. Baut eine Weltbürgerschaft auf! Und lasst das keine Utopie, sondern ein strategisches Ziel sein.“  (S. 24)
Schließlich seid ihr die letzte Generation, die sich mit der Gefahr konfrontiert sieht, dass das Leben von der Erde verschwindet, und damit seid ihr zugleich die Letzten, um etwas dagegen zu tun. Nach euch ist es zu spät. (S. 44)

Die Revolution des Mitgefühls und der Seele

Der Dalai Lama spricht von einer Revolution, doch einer friedlichen Revolution, einer Revolution des Mitgefühls und der Seele für alle lebendigen und beseelten Wesen (dazu gehören auch die Pflanzen, die Flüsse, die Meere). Er weiß dabei auch um die entscheidende Rolle der Frauen und Mütter:

Junge Frauen, ich appelliere an euch, die Mütter der Revolution des Mitgefühls zu sein, die dieses Jahrhundert so dringend braucht. … Junge Frauen dieses Jahrhunderts, seid die Pionierinnen der größtmöglichen aller Revolutionen! (S. 39 / 41)

Das Scheitern der Religionen

Wie schon in seinem ersten Appell „Ethik ist wichtiger als Religion“ (> meine Buchbesprechung) geht der Dalai Lama sehr kritisch mit den Religionen der Welt um:

Keine hat es geschafft, dass wir zu besseren Menschen werden, keine hat für das Entstehen einer besseren Welt gesorgt. deshalb habe ich keine Scheu zu sagen, dass wir heutzutage über die Religionen hinausdenken müssen. Ohne Religion kann man auskommen. Aber ohne Liebe und Mitgefühl? Nein. (S. 43)

Kriminelle Produktionsmethoden (S. 45)

Die Kritik des Dalai Lama an den Herrschenden der Welt nimmt kein Blatt vor den Mund und knüpft an die Französische Revolution im Geiste von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ an, ergänzt durch einen vierten Punkt, Gerechtigkeit (S. 29). Er bezeichnet sich in diesem Sinne nicht nur als Schüler von Buddha, sondern auch als „Schüler von Karl Marx“ (S, 32 f.)

Was also die Verteilung von Reichtümern und das Prinzip der Brüderlichkeit angeht, bin ich Marxist.“ (S. 33)

Seine Schlussworte in dem kleinen Büchlein:

Bewahrt euch den Enthusiasmus und den Optimismus eurer Jugend, um zu einer gerechten  und glücklichen Zukunft aufzubrechen. Die Revolution des Mitgefühls ist im Gang, und ihr, meine jungen Freunde, verkörpert sie. (S. 64)

Bei den Urvölkern wurde der Rat der „Alten“ noch befolgt. Die Alten waren immer die Weisen. Und wenn man den Dalai Lama liest oder hört, klingt diese „Weisheit des Alters“ immer ganz besonders durch. Wenn unsere Welt einen Ältestenrat der weisesten Menschen hätte, dann wäre der Dalai Lama wahrscheinlich und zu Recht der Vorsitzende. Wir müssen uns dabei bewusst sein, was er leibhaftig in seinem über 80-jährigen Leben alles auf unserem Planeten wirklich als Zeitzeuge erlebt hat. Zur Weisheit des Alters gehört es auch, die Jugend nicht zu verurteilen, sondern besondere Hoffnung in die Jugend zu legen. Das Buch ist ein solch eindringliches Manifest an die Jugend. Zur Weisheit des Alters gehört es auch, mit wenigen und einfachen Worten etwas auf den Punkt zu bringen, was andere nicht einmal in ganzen Büchern schaffen. Das ist auch das Lesenswerte dieses Appells: Es kommt auf den Punkt!

Der Dalai Lama hat auch einen ganz besonderen Bezug zu Europa und dem Ende des kalten Krieges in Europa, speziell einen besonderen Bezug zu Frankreich und Deutschland. Für ihn ist Europa ein Vorbild und Modell für die friedlicher Vereinigung der Länder und Völker in der Neuen Welt. Wir Europäer haben eine ganz besondere Verantwortung, dass die Vision des Dalai Lama aus dem Herzen Europas in die ganze Welt getragen wird – wie einst die Französische Revolution das Fanal für die Neue Zeit wurde – nur in unserem Falle ist es eine weltweite friedliche Revolution wie einst Fall der Berliner Mauer.

Auch wenn der Dalai Lama sein „Manifest für den Frieden“ (so sollte es gelesen werden) als Zweiundachtzigjähriger fast schon wie sein geistiges Vermächtnis formuliert (Das Ende meines und der Beginn eures Lebens kreuzen sich– S. 23), wünsche ich ihm und der Neuen Welt, dass er auch das Freie Tibet noch erleben darf.

Mein Appell: Macht diese Buchbesprechung und das Buch bekannt und verschenkt es auch.

Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt: Seid Rebellen des Friedens (Klick)

Sandra Tissot: Du bist umwerfend!

Untertitel: Werde dir deiner selbst bewusst

Die Autorin Sandra Tissot hat einen ganz besonderen, eigenen Stil, der selbst Ratgeber spannend lesbar macht. Die Texte gehen nicht über deinen Kopf hinweg (wie es bei den meisten, alleswissenden Ratgebern der Fall ist, bei denen sich mehr die Autoren profilieren), sondern du fühlst dich persönlich angesprochen, als ob Sandra dir im persönlichen Coaching gegenüber sitzen würde. Die schwierigsten Themen weißt sie leicht, flüssig und erhellend zu nehmen. Beim Lesen der vielen humorvollen Stellen hast du immer ein leichtes Lächeln im Gesicht. Du nimmst es mit Humor oder gar nicht. Der Schreibstil von Sandra hält dich im Bann, bis du die letzte Seite gelesen hast.

Ihr zweites Buch (nach: Hochsensibilität und berufliche Selbstständigkeit > MEHR) behandelt gleich ein ganz zentrales Lebensthema, ob hochsensiebel oder nicht:

Wie machst du dich zu einer „umwerfenden“ Persönlichkeit? Zu einem charismatischen Menschen? Zu einem „Magic“, der Wunder ins Leben zieht? Wie wirst du für andere faszinierend? Wie entwickelst du dich zu einem liebenswerten Menschen? Wie wirst du selbst zu einem Segen für andere Menschen?

Die Antwort kann nur einfach sein: Werde, der du in Wirklichkeit bist: umwerfend. Oder anders gesagt: Solange du nicht umwerfend bist, lebst du noch nicht DEIN LEBEN.

Dazu hilft kein äußeres „Verhaltens-Training“, sondern sondern ein Abschälen all der falschen, äußeren Rollen und Schalen, die wir im Laufe des Lebens übernommen haben, bis unser authentisches Selbst übrig bleibt: das strahlende Wesen, so wie wir gemeint sind, so wie wir unseren Platz im Leben einnehmen können.

Vielleicht ist dir dies „im Prinzip“ schon klar, doch was ist das magische Geheimnis, das zu werden, was wir „eigentlich“ schon sind? Das Ruder umzulegen von Fremd- zu Selbstbestimmung.

Das neue Buch von Sandra redet nicht lange herum, sondern bringt es mit 6 Befreiungs-Prinzipien auf den Punkt:

  1. Nimm das Leben bewusst wahr! (Achtsamkeit)
  2. Nimm dich selbst an! (Selbstliebe)
  3. Achte auf deine Gedanken! (Mental-Training)
  4. Gönne dir den Luxus deiner eigenen Meinung! (sei einzig, nicht artig)
  5. Übernimm die volle Verantwortung! (Schöpferbewusstsein)
  6. Lebe deine umwerfende Persönlichkeit! (sei, der du bist)

Das Buch ist theoretisch nicht belastet, auch wenn das Buch wissenschaftlich begründet ist (siehe das umfangreiche Literaturverzeichnis S. 150). Die Autorin hat selbst auf Beiwerk persönlicher Erfahrungen verzichtet, was dich daran hindern könnte, selbst ins Handeln zu kommen. Übrig geblieben ist ein kleines, sympathisches und leicht lesbares Handbuch mit vielen essentiellen Umsetzungs-Tipps pur.
Im Grunde geht es um die zentrale Aufgabe in deinem Leben: DU SELBST ZU SEIN, alles Fremde (gedankliche Fremd-Implantate) hinter dir zu lassen, dein Leben selbstbewusst selbst zu bestimmen, aus einer inneren Ruhe und strahlenden Zufriedenheit heraus. Dich kann dann nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringen!

Ich empfehle dir: Solange du dieses Buch nicht Seite für Seite umgesetzt hast, lies kein weiteres mehr. Alles, was du für eine strahlende und charismatische Aura brauchst, steht in dem Buch – wie von deiner Seele selbst diktiert. Mach was daraus! Mach dich selbst in deinem Leben zu einer wie ein Dominostein „umwerfenden“, andere bewegenden Legende.

 

Sandra Tissot:
Du bist umwerfend!: Werde dir deiner selbst bewusst (Klick)

Pierre Teilhard de Chardin: Briefe an Frauen

Herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy

Das Buch ist die beste Einführung in die besondere Thematik, der Rolle der Frauen im Leben des Pater Teilhard. Es drückt sich in den Hunderten von Briefen an Frauen aus. Zur Zeit der Herausgabe des Buches 1988 gab es schon die sehr depersonalisierten „Tagebücher“ 1926 – 1952, aus den Briefen an Ida Treat (die Marxistin) und Rhoda de Terra (die Nicht-Christin) extrahiert, 1971 deutschsprachig veröffentlicht. (> Mehr in meiner Buchbesprechung) Der Autor Günther Schiwy hatte 1981 zum hundertsten Geburtstag von Pierre Teilhard de Chardin eine 2-bändige Biographie heraus gegeben (> mehr in meiner Buchbesprechung). Dieser Band nun fokussiert das Thema auf die Rolle der Frauen in der Entwicklung Pater Teilhards, gespiegelt in seinen Briefen an Frauen. 2005 wird der Autor dann als Höhepunkt zum Thema das Buch „Eine heimliche LIebe. Lucile Swan und Teilhard de Cardin“ heraus bringen (> Mehr in meiner Buchbesprechung).

Das Motto des kleinen Briefbändchen ist sind die Worte Pater Teilhards:

„Nichts hat sich in mir entwickelt
es sei denn unter dem Blick
und dem Einfluss einer Frau.“
(Das Herz der Materie, 1950)

Pater Teilhard und das Ewig-Weibliche

Eine der großen Botschaften Teilhard de Chardins würden wir heute „christlichen Feminismus“ nennen. Das Ewig-Weibliche steht bei ihm im Mittelpunkt. Stark geprägt hat ihn dabei eine der führenden Feministinnen in Paris: Léontine Zanta.

Seine Hymne an „Das Ewig-Weibliche“ ist 1918 nach dem Erwachen als Mystiker geschrieben, in starkem Einfluss seiner „Liebe“ zu seiner Cousine Marguerite Teillard-Chambon. Wenn der Begriff „Dual-Seelen“ einen Sinn macht, dann trifft dies sicher auf Pierre und Marguerite zu. Der Urgrund allen Seins, der kosmische Mutterschoß, die Gebärmutter allen Lebens ist Mutter Natur. Mater = Materie. Das christliche Gebet sollte nicht „Vater unser …“ heißen, sondern „Mutter unser …“

Die Frau ist bei Pater Teilhard schon die „Versuchung“, das Verführerische, als Mann sich am „Fleisch der Frau“ zu berauschen. Das ist der eine Weg zwischen Mann und Frau, der andere ist der Weg der Vergeistigung ihrer Liebe. Und hier hat Pierre in Marguerite eine geistige Gefährtin, die sein zölibatäres Versprechen achtet. Beide befruchten sich intensiv in ihrer Entwicklung. Der Motto-Satz bezieht sich sicher vor allem auf Marguerite Teillard, die auch nach dem Tod Pierrs (1955) nach seine Reisebriefe und Kriegsbriefe an sie veröffentlicht.

Bei der Kommunistin Ida Treat, die mit dem Zölibat des Pater Teilhard, „nichts am Hut“ hatte, war er sinnlich wohl am meisten herausgefordert. Er musste einer Atheistin die Vision des Christentums näher bringen, war damit aber auch von der Vision der „klassenlosen Gesellschaft“ von Karl Marx konfrontiert, was ihn faszinierte. Unter dem „verführerischen Einfluss“ Ida Treats und vielleicht auch der Künstlerin Lucile Swan (die den Kopf des „Peking-Menschen“ modellierte) schrieb Pater Teilhard seine „Evolution der Keuschheit“ (1934), der nicht wirklich stimmige Versuch, die „platonische Liebe“ zwischen Mann und Frau als den höheren Weg zu verherrlichen. Auch die Geologin Roda de Terra war gerade in sein Leben getreten, mit der er später Expeditionsreisen unternehmen würde. Pater Teilhard starb 1955 in ihrer Wohnung in New York.

In seiner autobiographischen Skizze „Das Herz der Materie“ (1950), seinem „geistigen Erbe“ schrieb Pater Teilhard im Schlusskapitel wieder über „Das Weibliche oder das Einigende“.

Die in Paris lebende Jeanne Mortier, die selbst Theologie am Institut Catholique von Paris studiert hatte, war nach dem gegenseitigen Kennenlernen 1939 von der Berufung ergriffen, Pater Teilhard als Sekretärin zu dienen, seine Manuskripte in Paris zu veröffentlichen und unter die Leute zu bringen. Sie wurde von Pater Teilhard 1951 testamentarisch zur Nachlassverwalterin seiner philosophisch-theologischen Manuskripte eingesetzt. Sie sorgte dafür, dass nach dem Tod Pater Teilhards (der damals außer in Fachkreisen kaum bekannt war), nun der Öffentlichkeit bekannt wurde.

Die in der kleinen Sammlung ausgewählter Briefe

Teilhard de Chardins an Frauen richten sich an

  • seine Mutter
  • Marguerite Teillard-Chambon (seine Dual-Seele)
  • Léonite Zanta (die Feministin)
  • Ida Treat (die Marxistin)
  • Rhoda de Terra (die Geologin)
  • Jeanne Mortier (seine „Sekretärin“)

Der Vollständigkeit halber sei noch einmal betont, dass die später erst veröffentlichten Briefe Teilhard de Chardins an die Künstlerin Lucile Swand von Günther Schiwy gewürdigt werden in dem Band „Eine heimliche LIebe“ (2005)

Das Buch ist heute noch im Herder-Verlag „Frauenforum“ erhältlich:

Teilhard de Chardin: Briefe an Frauen (Klick)
Herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy

Pierre Teihard de Chardin: Entwurf und Entfaltung

Unter dem Titel „Entwurf und Entfaltung“ sind 150 Kriegsbriefe Teilhard de Chardins aus den Jahren 1914 – 1919 an seine Cousine Marguerite Teillard Chambon zusammen gefasst. Der Band ist nicht vollständig: Sicher mehr als 100 Briefe von Pierre an Marguerite fehlen. Dann ist es kein wirklicher „Briefwechsel“, denn die Briefe Marguerites an Pierre fehlen gänzlich. Doch immerhin:

Dies ist wohl der bedeutendste ins Deutsche übertragene Briefband Pater Teilhards. Er schildert eine sehr entscheidende Zeit in seinem Leben, seine Zeit als Soldat bei der französischen Armee gegen die deutsche Armee. Es sind die Jahre seines Erwachens. Mit den in der Zeit geschriebenen 16 Essays legt er die Grundlage „als ersten Entwurf“ seiner späteren Lehre.  Die Zeit danach ist im Wesentlichen dann die Zeit der Entfaltung.

Wenn Pater Teilhard von dem „Mysteriem des Krieges“ spricht, den Krieg als evolutionäre Kraft nahezu verherrlicht, dann ist das nur schwer nachzuvollziehen. Er wird sogar von der „Heimweh nach der Front“ („La nostalgie du Front“) sprechen. Er wird an Marguerite schreiben: „Ich versichere dir, mir wäre es tausendmal lieber, Granaten zu werfen oder ein Maschinengewehr zu bedienen, als so zum Überschuss zu gehören.“

Sei Biograph Günther Schiwy interpretiert diese Sehnsucht so:

Teilhard begreift sich an der Front des Ersten Weltkrieges als einer, der sein Leben lang an der vordersten Front Gottes stehen wird, die für ihn identisch ist mit der Linie des Fortschritts für die Menschheit. Das ist seine Berufung, die er sich nicht ausgedacht hat, sondern die ihm zuteil geworden ist wie dem Moses: im brennenden Dornenbusch. An der „Front“ hat Teilhard „gesehen“, deshalb wird ihn die „Sehnsucht nach der Front“ nie mehr verlassen. (Schiwy, Biographie Bd. 2, S. 262)

Sehr beachtlich finde ich die Worte der Herausgeber des Bandes Alice Teillard-Chambon (die ‚Schwester von Marguerite) und Max Henri Begouen (ein Freund Pieres):

Auf dieser Weise war er eins mit der im Krieg befindlichen Menschheit, konnte jedoch gleichzeitig sehen, daß das Chaos, in dem sich die menschlichen Zellen herumstritten, nur scheinbar war und daß unter diesen Phänomenen der Umwandlung eine Ordnung verborgen lag.
Jenseits der irdischen Horizonte erschienen ihm die Schlachtfelder, auf denen der Tod zu triumphieren schien, als der lebendigste Schmelztiegel, als die Gebärmutter einer neuen Welt. Zweifellos wühlte der menschliche Pflug des Krieges die alte Nährmutter Erde, auf der die althergebrachte Saat nicht mehr keimen konnte, bis in die Tiefen auf. Aber ein neuer Humus, in dem sich das Blut und die Tränen und selbst das Fleisch der geopferten Männer mit der verwüsteten Erde vermischten, würde wieder fruchtbar werden für ein Samenkorn, das neu – und dennoch seiner Substanz nach ewig wäre.“ (S. 11)

Im Grunde könnte das Thema der Kriegsbriefe auch VERSÖHNUNG heißen, nicht nur die Versöhnung der Franzosen und Deutschen, sondern die Versöhnung der ganzen Menschheit, auch die Versöhnung der weltfremd gewordenen Kirche mit der Wirklichkeit. (Ida Friederike Görres bringt ihren „Versuch über die Kriegsbriefe“ unter diesen Titel: Versöhnung. > Meine Buchbesprechung)


Bei alledem darf aber eine Frau nicht vergessen werden: Marguerite Teillard-Chambon, die Cousine Pierrs, die Empfängerin der Briefe. Sie hat die Veröffentlichung noch vorbereitet, starb vor der Veröffentlichung 1959 bei einem Autounfall.

Die Briefe aus den Jahren 1914 – 1919 (Entwurf und Entfaltung) sind auch nur der erste Teil einer Brief-Trilogie, die sie herausgegeben hat. Die beiden anderen tragen den Titel „Geheimnis und Verheißung der Erde“ (Reisebriefe 1923 – 1939) und „Pilger der Zukunft“ (Neue Reisebriefe 1939 – 1955).

Marguerite (viereinhalb Monate älter) und Pierre verband eine lange Kinderfreundschaft, bevor Pierre elfjährig ins Internat des Jesuiten-Kollegs kam. Sie verloren sich einige Jahre aus den Augen. 1912 – 33-jährig – wurde Pierre von seinem Orden nach Paris zum Studium der Paläontologie geschickt. Marguerite ist bereits seit 10 Jahren Instituts-Leiterin einer katholischen Schwesternschule in Paris. Sie treffen sich in Paris wieder und es beginnt eine langjährige Freundschaft zweier Seelengefährten.

Günther Schiwy schreibt in der Biographie:

Pierre hat in Marguerite die Frau gefunden, die seine Probleme aus eigener Erfahrung kennt und teilt, mit der er sich aussprechen kann, die ihn bestätigt und beflügelt, die ihn hochschätzt und die bereit ist, ihn auf seinem Weg so nahe zu begleiten, wie es sein ordensgelübde und sein Zölibatsversprechen und ihr gläubiger Respekt davor nur immer erlauben. Daß sie die erste Frau ist, die ihn liebt, steht außer Zweifel. Sie hält ihm auch die Treue, als später andere Frauen sie aus ihrer Vertrauensstellung verdrängen. Teilhard wird es ihr bis an sein Lebensende danken. Er wird nie vergessen, daß er durch sie eigentlich er selbst geworden ist. (Bd. 1, S.  243)

Die beiden Herausgeber des Bandes enden ihrer Hommage an „Marguerite Teillard-Chambon (1880 – 1959) Schriftstellername: Claude Aragonnès“ (S. 15 – 25) mit den Worten:

Wir hoffen, daß die Menschen, die in diesem Leben so nahe waren, im Tode endgültig vereint sind. Wir sind überzeugt, daß sie auch im Andenken der Menschen nicht voneinander getrennt sein werden. Es liegt darin gleichsam ein geheimnisvolles Gesetz unserer Natur, daß sich fast immer in der Nähe eines großen Mannes eine große, ein wenig verschleierte weibliche Gestalt findet; und dieses Gesetz hat sich wiederum bestätigt in Pierre Teilhard de Chardin und Marguerite Teillard-Chambon. (S. 25)

 

Briefe als Tagebuch Pierre Teilhard de Chardins

Das Hauptschrifttum von Pierre Teilhard de Chardin liegt neben vier Büchern und vielen Essays (gesammelt in seinen Werkausgaben in 10 Bänden) sicher in seinen Briefen vor, hauptsächlich an Frauen gerichtet.

Dazu gehört auch das „Tagebuch Pierre Teilhard de Chardins“, das 1969 als „Letters to Two Friends“ im englischen Original  und im Französichen in der Parallel-Ausgabe unter dem Titel „Accomplir l’homme – Letters inédites (1926 – 1952)“ erschien. Die deutsche Ausgabe erschien dann 1971 im Walter-Verlag in zwei Bänden getrennt: „Briefe an eine Marxistin“ und „Briefe an eine Nicht-Christin“.

Diese Briefe wurden so editiert, dass alles Persönliche gestrichen wurde, selbst die Adressatinnen einer strengen Diskretion unterzogen. Solange es noch keine detaillierten Biographien von Teilhard de Chardin vorlagen, hatten diese Editionen und Übersetzungen sicher ihre Berechtigung. Am Ende dieser „unveröffentlichten Briefe“ blieb ein zum sachlichen „Tagebuch vom 24. April 1926 bis 16. Januar 1952“ editierte Version übrig, Auszüge aus Briefen von Teilhard de Chardin an Ida Treat (die Marxistin) und Rhoda de Terra (die Nicht-Christin), beides Amerikanerinnen. Heute ist das „Geheimnis“ um die beiden Adressatinnen längst gelüftet – und es gibt weiter gehende Auszüge aus dem Briefwechsel an diese beiden Frauen.

Mit Ida Treat, einer amerikanischen Geologin und überzeugten Kommunistin, hat Teilhard de Chardin im Laufe von ca. 30 Jahren – gemäß Günther Schiwy – 1929 Briefe gewechselt, im Durchschnitt mehr als wöchentlich einen. Der Band „Briefe an eine Marxistin“ enthält „Tagebuch-Auszüge“ aus 78 Briefen.

Brief an eine Marxistin

So schreibt Pierre Teilhard de Chardin in einem Brief an Ida Treat, die er im Winter 1924/25 kennen gelernt hatte, im Dezember 1933:

Meine großartige Freundin, Du bist gerade abgereist und hast mit Dir einen Teil meiner Pekinger Sonne mitgenommen. Aber mir blieb vor allem eine Kraft und Leichtigkeit für den Lebenskampf, die Du mir mitgeteilt hast. Während dieser drei Wochen habe ich in langen Zügen Deine Gegenwart genossen. Und ich bin tief glücklich, weil ich begriffen habe, daß Du […] für mich die wahre Kampfgenossin geworden bist, mit allem, was eine ähnliche Verbindung haben kann an Reichtum und Tiefe zwischen einem Mann und einer Frau, die sich nur deshalb aufeinander stürzen, um voranzuschreiten. Einer meiner Lebensträume … Mehr denn je werde ich Dich auf dem laufenden halten über das, was mir äußerlich und innerlich geschieht. Gut Glück! Und für immer. Pierre.“
(zitiert nach Günther Schiwy: Eine heimliche Liebe, S. 41)

Im unpersönlichen „Tagebuch“ als Brief an eine Marxistin klingt ein anderer Auszug aus dem Brief vom 21. Dezember 1933 ganz anders:

Etwas, was sehr wichtig sein könnte, nämlich ein Brief aus Frankreich […], scheint darauf hinzuweisen, dass man ernsthaft daran denken soll, mir ein Gespräch mit meinem General in Rom zu vermitteln. Ich werde die Einladung nicht zurück weisen, wenn man positiv die Initiative ergreift. Doch Sie kennen meinen Eindruck: Ich habe Angst, ein solches Gespräch würde schließlich nur definitive Meinungsverschiedenheiten offenbar machen.“ (Brief an eine Marxistin, S. 109)

In einem Brief vom 7. Juli 1933 hatte Pater Teilhard an Ida Treat noch geschrieben, dass er diese relative Ungebundenheit von seinem Ordnen schätzte. Ihm drohte wieder ein Verbot, in Paris aufzutreten:

Je mehr ich an dieses Verbot denke, um so weniger berührt es mich [ich glaube wirklich, es hat mich ernstlich keine Minute lang geärgert.] Ich schätze im Gegenteil die Vorteile, nach vornehin klarer zu sehen und keinerlei Bindungen zu haben, bei denen man mich zu fassen versuchen könnte. … Mir bleibt nur eines zu tun: intensiver als je zuvor das entwickeln, was ich glaube, und mich inniger als je in das Blut hineinmischen, das ich zu verbessern träume. eine Frage der größeren Liebe, nicht der Revolte. Ich weiß nicht, ob das möglich ist. Ich will es aber versuchen. Eines scheint mir klar. Im Einsatz für eine Sache wie diese fürchte ich nichts.“ (Briefe an eine Marxistin, S. 108)

Durch den intensiven Austausch mit Ida Treat war Teilhard de Chardin gezwungen, sich mit dem Kommunismus auseinander zu setzen. Das führte ihn zu der klaren Äußerung:

Meiner Meinung nach ist es mehr und mehr der Kommunismus, der gegenwärtig das wahre menschliche Wachstum repräsentiert und monopolisiert. (Schiwy, Bd. 2, S. 150)

Also nicht das Christentum! So wundert es einen nicht, dass Teilhards Vision der Menschheit am Punkt Omega an die „klassenlose Gesellschaft“ von Karl Marx erinnert.

Briefe an eine Nicht-Christin

Pierre Teilhard de Chardin hat Roda de Terra und ihren Mann Helmut de Terra bei einem Internationalen Geologenkongress 1933 in Washington kennen gelernt, 1935 sind sie zusammen auf einer Indienreise. Roda de Terra, die sich von ihrem Mann im Dezember 1935 scheiden ließ, wird in den letzten 10 Jahren des Lebens von Pater Teilhard dessen wichtigste Begleiterin auf Expeditionsreisen wie auch privat in Amerika. Pater Teilhard starb am Karfreitag 1955 in ihrer Wohnung in New York.

Die hier dokumentierten Briefe Pierrs an Rhoda beginnen am 5. Juni 1938 mit den Worten „Seit meinem letzten Brief …“ (S. 9). Es ist also keinesfalls der erste. Der letzte Brief stammt vom 8. September 1950.

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