R. Moore & D. Gillette: König, Krieger, Magier, Liebhaber

Untertitel: Die Stärken des Mannes

Das Buch ist 1990 in Amerika erstmals erschienen und ein Klassiker der Männer-Literatur. Es ist das erste Buch, dass die Archetypen (nach C.G.Jung) aufnimmt, um die Männerseele genauer zu beschreiben. Seitdem gibt es wohl kaum ein Männer-Buch, das an diesen Grundarchetypen (in vielen Variationen) vorbei kommt: Der König (als reifer Mann), der Krieger, der Magier und der Liebhaber. Doch dieses klassische Original hat eine Tiefe, an die andere Bücher über männliche Archetypen in meinen Augen nicht mehr heran kommen. Die „bipolaren Schattenseiten“ jedes Archetyps, auf die ich hier nicht weiter eingehen kann, sind für mich dabei unübertroffen. Deswegen lohnt sich auch heute noch eine Besprechung.

Teil 1 – Vom Jungen-Bewusstsein zum Mann-Bewusstsein

Irgendwie spüren wir alle, dass die Männer von heute noch irgendwie in der Pubertät stecken geblieben sind, nicht wirklich zum reifen Mann erwachsen werden (wollen / können). Das Buch gibt für mich eine schlüssige Antwort auf dieses merkwürdige Phänomen.

„In der gegenwärtigen Krise der Männlichkeit brauchen wir nicht, wie manche Feministinnen behaupten, weniger maskuline Stärke. Wir brauchen mehr davon. Aber wir brauchen mehr gereifte Männlichkeit. Wir brauchen mehr Mann-Bewusstsein.
… Wir müssen lernen, authentische maskuline Kraft und Potenz zu zelebrieren, nicht nur um unser Wohlergehen als Männer und unserer Beziehung zu anderen willen, sondern weil sich die Krise der gereiften Männlichkeit mit der globalen Überlebenskrise vereint, in der wir als Gattung stecken.“ (S. 15/16)

„Alle unreifen männlichen Energien sind, in der einen und anderen Form, allzusehr mit der Mutter verknüpft, und es mangelt ihnen an der Erfahrung nährender und reifer Männlichkeit.“ (S. 54)

Ein Riesenthema ist der Archetyp des HELDEN, den „viel Desorientierung“ umgibt.
Er ist „tatsächlich der Gipfel der virilen Energien des Jungen, der Archtyp, der das beste in der Adoleszenz-Phase vertritt.“ Hier hängen wir Männer fest. Einerseits sind wir fasziniert vom Helden (davon lebt eine ganze Filmindustrie), andererseits führen wir ein wenig heroisches Leben. Wenn wir überhaupt erwachsen werden wollen, müssen wir durch diese Heldenphase durch, sie überwunden haben. Erst als Helden werden wir zum reifen Mann. Der HELD ist aber nicht das Ziel männlicher Reife, sondern der Beginn.

„Wie die anderen unreifen männlichen Archetypen lässt der Held eine überstarke Mutterbindung erkennen. Doch der Held verspürt den starken Drang, sie zu überwinden. Er ist in einen Kampf auf Leben und Tod mit dem Weiblichen verstrickt, will es besiegen und seine Männlichkeit beweisen.“ (S. 61)

Es ist der Kampf gegen den Drachen (die inneren Dämonen und Monster), die den heldenhaften Mann aus der Muttebildung löst und erst dann REIF für eine Frau macht (das Burgfräulein, die Prinzessin), die kein Mutterersatz mehr ist. Wir Männer sind keine Drachentöter mehr. Wir haben das Mütterliche (auch als Unterbe-wusstsein) in uns nicht besiegt und uns eine REIFE BEZIEHUNG zu einer Frau nicht verdient. Das ist unser Dilemma. Wir wären so gerne Helden, machen uns aber nicht auf unsere Heldenreise in die männliche Seele.

Teil 2 – Die Entschlüsselung der männlichen Psyche – die vier Archetypen gereifter Männlichkeit

Ein ganz besonderer Archetyp der Autoren ist „das Göttliche Kind“, das ich bei anderen Autoren nicht mehr wiedergefunden habe. „An der Spitze der dreieckigen Archetypen-Struktur erfahren wir das Göttliche Kind, das uns erneuert und ‚im Herzen jung‘ hält.“ (S. 40). Auch als reife Männer bleiben wir mit diesem „Göttlichen Kind“ in uns in Verbindung.

Doch der Haupt-Archetyp gereifter Männlichkeit ist der KÖNIG. Während der HELD sich die Prinzessin verdient hat, ist es noch ein weiter Weg der Reifung, dass beide zu KÖNIG und KÖNIGIN werden.

„Der ‚Tod‘ des Helden ist der ‚Tod‘ des Jugendalters, des Jungen-Bewusstseins. Gleichzeitig steht er für die Geburt der Männlichkeit, des Mann-Bewusstseins. Der ‚Tod‘ des Helden im Leben eines Jungen (oder Mannes) bedeutet in Wirklichkeit, dass er schließlich an seine Grenzen gestoßen ist. Er ist dem Feind begegnet, und der Feind ist er selbst. Er ist seiner dunklen Seite begegnet, seiner sehr unheroischen Seite. Er kämpfte mit dem Drachen und verbrannte sich; er focht in der Revolution und trank vom Bodensatz seiner eigenen Unmenschlichkeit. Er hat die Mutter besiegt und dann seine Unfähigkeit eingesehen, die Prinzessin zu lieben. Der ‚Tod‘ des Helden signalisiert die Begegnung  eines Jungen oder Mannes mit wahrer Demut. Es ist das Ende seines heroischen Bewusstseins. (S. 64)

Zu diesem Reifungsprozess des Mannes gehört es, dass er die drei anderen Archetypen, den KRIEGER, den MAGIER und den LIEBHABER in reifer Form in sich entwickelt hat. Erst die seelische INTEGRATION all dieser Archetypen, des „Göttlichen Kindes“, des Kriegers, des Magiers und des Liebhabers macht den Mann in seiner reifen Form zum KÖNIG mit einer KÖNIGIN an seiner Seite.
Diesen Archetypen des König dürfen wir aber nicht in seinem feudalen Sinne verstehen. Auch Jesus wurde als „König“ gesehen, dessen „Königreich“ aber nicht von dieser Welt sei.

Der vollendete Archetyp des Königs besitzt die Eigenschaften der Geordnetheit, des besonnenen und rationalen Gestaltgebens, der Integration und Integrität in der männlichen Psyche. Er glättet chaotische Gefühle, bremst unmäßiges Verhalten. Er bringt Festigkeit, Zentrierung und Gelassenheit. …
Der König sorgt sich um sein ganzes Reich, er ist der oberste Verwalter von Natur und menschlicher Gesellschaft.
Es ist die Energie, manifestiert in alten Mythen, des ‚Hirten seines Volkes‘, des ‚Gärtners‘, des Schutzherrn der Pflanzen und Tiere im Königreich. Es ist die Stimme, die klar, gelassen und mit Autorität, als Fürsprecher der Menschenrechte für alle auftritt. Es ist die Energie, die geringste Strafen und höchstes Lob ausspricht. Es ist die Stimme, die aus unserer Mitte, vom archatischen Berg in jedem Menschen erschallt.“ (S. 91)

Im Vorwort des Buches heißt es: Dieses Buch gäbe der „Männerbewegunbg starke Impulse“, wäre ein „revolutionärer Durchbruch bei der Entschleierung der Tiefen-strukturen des menschlichen Selbst …, des männlichen wie weiblichen“ (S. 7).
Die Zeit hat dieser Einschätzung recht gegeben.

Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich: König, Krieger, Magier, Liebhaber. Die Stärken des Mannes.

 

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P.A. Schröter / C. Meyer: Die Kraft der männlichen Sexualität

„Neue Männer braucht das Land“ sang Ina Deter schon 1982. Wir sind immer noch auf der Suche nach ihnen. Ein wichtiger Meilenstein ihn zu bestimmen ist zweifellos das Buch von Peter A. Schröter und Charles Meyer: „Die Kraft der männlichen Sexualität“. Nach dem „Macho“ und dem „Softi“ sehen sie im PHALLISCHEN MANN den „neuen Mann“.

Der phallische Mann

Diese Beizeichnung ist sicher zunächst etwas irritierend. Ist das nicht eine andere Bezeichnung für den „Macho“, der total peniszentriert ist? Haben wir nicht genug von dem penisbesessenen Mann, der seine ganze Identität aus der „knallharten Erektion“ bezieht? (In einer Viagra-SPAM las ich sogar von „Killer-Erektion“. Was für ein Wahnsinn!)

Das wäre sicher ein grandioses Missverständnis! Das Buch räumt vielmehr mit den ganzen Mythen dieser peniszentrierten Pseudo-Männlichkeit auf. „Peniszentrierte Männer sind egoistisch, narzisstisch überhöht, selbstverliebt. Solche Männer üben rücksichtslos Macht aus, verletzen damit andere und meisten am Ende aus sich selbst.“ (S. 283)

Es geht um die männliche Kraft in seiner Ganzheit, eine Kraft, die den ganzen Körper, jede einzelne Zelle bestimmt. Und es ist mutig, diese Kraft „phallische Kraft“ zu nennen. Eine Kraft, die sich zwar im Bild des erigierten Penis symbolisiert, doch mit der patriarchalischen Peniszentriertheit nichts zu tun hat. „Die phallische Kraft dagegen ist eine seit Urzeiten heilige Kraft.“ Das, was der der indische Gott Shiva symbolisiert oder die griechischen Götter Dionysios (als Gott des Rausches und der Ekstase) und Apoll (der Sohn von Zeus als strahlendes Bewusstsein). „Vernunft und Ekstase sind die beiden Pole der phallischen, männlichen Kraft.“ (S. 287)

Der wohl größte Unterschied zwischen einem pentiszentrierten Macho und einem phallischen Mann ist wohl der: Der Macho hat das Weibliche in sich abgespalten, hasst (verachtet und erniedrigt) letztendlich Frauen, missbraucht sie selbstsüchtig. Der phallische Mann hat dagegen das Weibliche integriert und ist deswegen in der Lage, eine Frau im Innersten zu berühren und ihre tiefe Liebe zu erwecken. Das befreite Weibliche in sich erlaubt es dem phallischen Mann, loszulassen, sich hinzugeben, einen Ganzkörperorgasmus in vollkommener Ekstase geschehen zu lassen.

„Wenn wir Männer uns dem Glück zuwenden wollen, dann müssen wir phallisch werden, das Phallische in unserem ganzen Sein zulassen: ein klares Schwert entwickeln beim Denken, einen guten Schwanz zulassen beim Liebemachen. Und wenn der scharfe Geist und die wilde, aggressive Kraft zwischen den Beinen geweckt werden, das Urlicht im Kopf mit der Urkraft im Bauch zusammenkommen, öffnet sich das Herz, das gerade in der Mitte liegt zwischen diesen beiden Polen, und es entsteht eine Balance zwischen beiden Kräften.“ (S. 288)

Die vier Grundkräfte des Mannes und
ihre Integration im phallischen Mann

Auch Schröter/Meyer bedienen sich der Archetypen von C.G. Jung, um die Grundkräfte des Mannes zu bestimmen. Archetypen sind „… Energiefelder, die den Instinkten ähnlich sind. Er lokalisiert sie im Unterbewussten. Sie liegen in einem tiefen Bereich der Seele, im „kollektiven Unbewussten“, in dem unsere allgemeinmenschlichen Anlagen darauf warten und drängen, gelebt zu werden.“ (S. 89)

Diese vier seelischen Grundkräfte repräsentieren archetypisch

  • der Krieger (der wilde Mann, der Jäger)
  • der Liebhaber (der Held, der Vater)
  • der Magier (der Schamane, der Heiler) und
  • der König (der Großvater, der Narr, der Weise, der Heilige)

Mit dem Archetypischen kommen wir in die Seele des Mannes.
Jede dieser Kräfte hat im unerlösten Zustand auch ihre Schattenseiten. Beim König kann es der Tyrann oder der Schwächling sein. Der reife, der phallische Mann hat seine Schattenanteile und diese vier Grundkräfte integriert. Eine Aufgabe für´s Leben!

„Der phallische Mann ist den Weg vom Helden zum Krieger, zum Liebhaber, zum Magier und zum König gegangen. … Er gewinnt die Einsicht, daß es im Leben gar nicht um das Ich geht, wie er als Held und Krieger immer glaubte, sondern daß es darum geht, das Selbst zu berühren, den Gral zu gewinnen. Oder wie es die Indianer sagen: Nicht den persönlichen Traum sollst du träumen, sondern den großen Traum.“ (S. 290)

„Ein phallischer Mann hat in sich den König entwickelt als Zentrum seiner Welt, in dem das Weltliche und das Heilige zusammenkommen, der die Himmelsenergie aufnimmt, um das Weltliche heilig zu machen. Der phallische Mann wird seine Sexualkraft am Ende heilend einsetzen. Sein Zentrum ist dieser phallische König, die Verbindung von Sexualität und Spiritualität, seiner geilen und seiner geistigen Kraft, die Verbindung von Urkraft und Urlicht. Und wenn die Sexualität, die Urkraft, gut verbunden ist mit dem Bewusstsein, dem Urlicht, dann geht diese Energie über das Herz hinaus in die Welt.“ (S. 294)

Mein Fazit: Zur Beantwortung der Frage, was der neue Mann ist und wie wir Männer uns dazu entwickeln können, ist dieses Buch in meinen Augen das am weitest entwickelte, stellt wirklich ein Leitbild für den neuen Mann dar. Absolut empfehlenswert!

Buchbestellung bei AMAZON: Die Kraft der männlichen Sexualität: Lebensbilder für Männer

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David Deida: Der Weg des wahren Mannes

Mit dem Untertitel: Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität.

Das Buch ist für mich nach wie vor ein Klassiker für den Bestimmung des „neuen Mannes“ und in meinen Augen eine Pflichtlektüre für jeden Mann, der sich seiner selbst bewusst werden will. Das Buch grenzt sich vom „Macho“ ab, der zwar Rückgrad, aber kein Herz hat, aber auch von „Softi“, der nur Herz, aber kein Rückgrat hat. Der „neue Mann hat Rückgrad UND Herz.

Gleich im Vorwort schreibt David Deida:

Eine der wichtigsten Lektionen ist diese: Im Zuge unserer natürlichen Entwicklung können wir lernen, das Erlangen von Meisterschaft als wichtigste Phase in unserer Lebensschulung anzuerkennen, die wir auf dem Weg zu einer vollendeten Liebeskunst absolvieren und hinter uns bringen.
Auf dem Weg, den ich hier beschreibe, habe ich gelernt, eine Frau ins Licht zu lieben, mit dem, was mir am Herzen liegt, so viel zu verdienen, wie ich will, und die Kunst der sexuellen Liebe zu vervollkommen. Sie können dasselbe tun. (S. 9)

Damit spricht David Daida in seinem Buch die drei Herausforderungen des Mannes an: Frauen, Arbeit und sexuelles Begehren. Er macht es großartig, und das Buch geht auch über diese Perspektive hinaus, als Zusammenfassung sozusagen:

Hören Sie auf zu warten. Fühlen Sie alles. Lieben Sie mit verwundbarem Herzen. Geben Sie Ihr Bestes. Lassen Sie los.
Verweilen Sie so lange mit dem, was bleibt, wie es sie hält. Der Weg löst sich in offene Weite auf. S. 10

Ich fühle mich mit dem Buch selbst sehr verbunden, da ich in meiner Vision von „Mannzipation“ ähnliche Thesen vertrete.

Siehe auch: www.Mannzipation.com

Über den Feminismus hinaus

Der Feminismus hat der Welt großartige Errungenschaften geschenkt: vor allem Gleichberechtigung, Anerkennung der Gleichheit und gleich Wertschätzung von Frau und Mann (auch wenn es dabei eine kaum zu übersehende Tendenz gab, die Männer nun abwertig zu behandeln). Wie dem auch sei: Inzwischen wird von vielen Seiten beklagt, dass diese „Gleichheit der Geschlechter“, ihrer „Androgynität“ die sexuelle Spannung zwischen Männern und Frauen in den gleichberechtigten Beziehungen dramatisch reduziert hat, zu „sexueller Neutralität“ geführt hat Oder wie David Deida es ausdrückt: „ihre inneren maskulinen und femininen Energien fiftiy-fifty auszupendeln. … Aber diese Fifty-fifty-Phase ist nur der zweite Wachstums-schritt für Männer und Frauen. Sie ist nur eine Übergangsphase, nicht der Endpunkt.“ (S. 13)

Dass sich so viele Paare trennen und es immer weniger nachhaltige Lebens-Partner-schaften gibt, ist ein Resultat dieser „Neutralisierung und Entpolarisierung“ in den Partnschaften in der Zeit des Feminismus. (Um nicht missvestanden zu werden: Der Feminismus ist nicht die URSACHE dafür.)

Darum geht es in den Buch, die männliche und weibliche Essenz, die sexuelle Polarität wiederzubeleben, so dass Männer in ihrer männlichen Essenz und Frauen in ihrer weiblichen Essenz sich „neu erfinden“ können.

Sexuelle Anziehungskraft basiert auf der Polarität der Geschlechter, der Kraft der Leidenschaft, die einen Bogen zwischen dem männlichen und dem weiblichen Pol spannt.
(S. 13)
Jetzt sind wir bereit, die nächste Stufe zu erklimmen. Auf der Basis von Gleichheit und gegenseitigem Respekt können wir nun die sexuelle und spirituelle Leidenschaft feiern,die der maskulin-femininen Polarität innewohnt. (S. 21)

Was ist „männlich“ und was ist „weiblich“?

Die Essenz weiblicher und männlicher Energien sind unterschiedlich und es hat zu viel Verwirrung geführt, weil wir beide Energien (Animus und Anima, wie C. G. Jung sie nannte) in uns tragen – und uns so selbst neutralsieren können.

Für einen Menschen mit einem maskulinen Wesenskern hat die „Mission“ oder die Suche nach der Freiheit Priorität, für einen Menschen mit einem femininen Wesenskern die Suche nach der Liebe.“ (S. 16)

Diesen Grundkonflikt zwischen „ungebundener“ Freiheit und „gebundener“ Liebe kennt sicher jeder, eben dieser Spannung zwischen männlicher und weiblicher Energie in uns. Wie kommen wir aus dem Dilemma? Indem wir in einer Liebes-Partnerschaft diese unterschiedlichen Energien als POLE von Mann und Frau verkörpern, so dass der Mann seine männliche Energie und die Frau ihre weibliche Energie ausleben kann. Das ist die Lösung, natürlich leichter gesagt als getan!
Ein Mann kommt in seine männliche Essenz, wenn er seine tief verstandene Freiheit leben kann (das hat gar nichts mit sexueller Freizügigkeit zu tun) und der Liebe der Frau dient.

David Daida zeigt dem Mann auf, wie er diesen „Weg des Mannes“ geht, um immer mehr in seine männliche Energie zu kommen, damit die Frau sich in ihre weibliche Energie „entspannen“ kann. Seine Themen:

  • Der Weg des wahren Mannes
  • Der Umgang mit Frauen
  • Polaritäts- und Energiearbeit
  • Was Frauen wirklich wollen
  • Ihre dunkle Seite
  • Weibliche Anziehungskraft
  • Körperübungen
  • Yoga der Intimität für Männer und Frauen

Die Verantwortung des Mannes

Für diesen Prozess der Ent-Polarisierung wie der Neu-Polarisierung zwischen den Geschlechtern müssen wir Männer die Verantwortung übernehmen! Mir ist der Punkt so wichtig, dann ich hier etwas über das Buch von David Deida hinausgehen will. Er spricht diese Verantwortung des Mannes auch an (S. 166 – 167), doch nicht in dem historischen Ausmaß, wie ich es wahrnehme.

Das will heißen: Wenn unsere Beziehungen in der Zeit des Feminismus gescheitert sind,
so ist nicht der Feminismus dafür verantwortlich zu machen. Wir Männer sind den Herausforderungen, vor denen uns er Feminismus gestellt hat, einfach nicht gewachsen gewesen! Wir sind nicht mitgekommen. Wir haben an Altem fest gehalten. Wir haben uns nicht genügend bewegt. Wir haben SIE ziehen lassen. Wir haben IHR nachgeschaut – wenn wir überhaupt wahrgenommen haben, was da historisch passiert ist.

Das wirklich zu erkennen heißt, dass wir Männer die Verantwortung für den nächsten Schritt voll übernehmen: die Neu-Polarisierung des Männlichen und Weiblichen. Ja, und das fängt natürlich bei uns selbst an! Und ein guter Wegweiser ist das Buch von David Deida!

Mein Fazit: Es wird höchste Zeit, dass wir Männer zu Bewusstsein erwachen, unserer historischen Verantwortung bewusst werden und mit unserem Körper, in unserer Liebe das leben, was die Zukunft bedeutet: das wahre Menschsein in Liebe und Freiheit. David Daidas Buch ist dafür ein hervorragender Wegweiser.

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Walter Kohl: Leben oder gelebt werden

Christine von Münster gewidmet

Mit diesem Buch bespreche ich erstmals einen Bestseller (Nr. 1 im Spiegel).
WER BIN ICH, dass ich zu diesem Buch auch noch meinen Senf dazu gebe?

Das Buch von Walter Kohl ist eine ganz ungewöhnliche Mischung aus einem wirklich einzigartigen Schicksal und der sehr bewussten Heilung eines Themas, das Hundert-Tausende von Männern haben: die Emanzipation (oder sollte ich besser schreiben: Mannzipation) eine Sohnes von seinem übermächtigen Vater, Schritte seiner Ver-Söhnung (im wahrsten Sinne des Wortes). Wir können unsere Rolle als Söhne nicht wirklich übernehmen, solange wir uns mit unseren Vätern nicht ver-söhnt haben.

Das Buch von Walter Kohl ist sehr persönlich (doch keinesfalls „exhibitionistisch“ – Sensationshascher werden hier kein Futter finden). Und gerade die rückhaltlos ehrliche Aufdeckung des Persönlichen in diesem Buch macht (sicher ungewollt) eine neue Art der Politik aus, eine menschliche Politik des Privaten. Der Maßstab dieses Buches ist nicht literarische Brillanz (oder Ähnliches), sondern Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit. Genau das, was wir in der „großen Politik“ vermissen, und was sie für uns immer unglaubwürdiger macht. Walter Kohl hat hier einen politischen Tabubruch begangen, den sein Vater Helmut Kohl ihm wohl nicht verzeihen kann: die Aufdeckung der privaten, menschlichen Seite der politischen Macher, das private Leiden dieser Menschen an ihrer eigenen Machtpolitik. Walter Kohl hat eine Fassade eingerissen. (Und gerade diese Unversöhnlichkeit, Gnadenlosigkeit des Vaters Helmut mit seinem Sohn Walter zeigt dessen eigenes, tiefes Leiden. Ein Vater zeigt seinen eigenen unerträglichen Schmerz gerade im hartherzigen Verstoßen seines Sohnes.)

So beschreibe ich auch meine eigene, ganz persönliche Betroffenheit durch dieses Buch in der Erwartung, dass es vielen Männern so geht wie mir: die Rolle des Buches von Walter Kohl bei der Heilung der eigenen Vater-Wunde und der Versöhnung mit einem Vater-Typ der Nachkriegszeit, der unser Leben so stark geprägt hat.
Ehrlich gesagt, ist dies gar keine wirkliche „objektive“ Buchbesprechung, sondern ein Stück subjektive Heilungs-Arbeit, die das Buch von Walter Kohl in mir ausgelöst hat. (Inzwischen bin ich selbst zum Großvater geworden und lebe derzeit mit Sohn und Enkel unter einem Dach – und weiß gar nicht so recht, in welcher inneren Rolle ich hier schreibe: Großvater, Vater, Sohn, kleiner Junge?)

Heilung der Vater-Wunde

Das Buch von Walter Kohl fällt mir „zufällig“ in die Hände, da ich selbst im Thema „Heilung von Vater-Wunde“ stecke (siehe meine letzte Buchbesprechung).

Ich komme aus einem katholischen Elternhaus, meine Mutter Maria war selbst CDU-Mitglied, mein Vater Joachim argumentationsfreudiger Anhänger von Helmut Kohl, auch wenn er sich parteilich nicht binden wollte (entfernt hatte er sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit Helmut Kohl). Für mich als junger Mann waren Helmut Kohl und mein Vater „ein und derselbe Typ„; ich hatte längst meine politische Position im „linksradikalen Lager“ gefunden.

Ich erlebe im Leiden von Walter Kohl an seinem abwesenden Vater mein eigenes Leiden als Sohn wieder. Es war nicht die hohe Politik, sondern der Beruf, den mein Vater für mich nahezu unsichtbar gemacht hat. „Papa arbeitet.“ Wie viele Jungs haben das tagtäglich von Mama zu hören bekommen? PAPA und ARBEIT scheinen Synonyme zu sein. (In was für einer Welt leben wir, die uns diese unheilvolle Gleichung aufdrückt?)

Irgendwann sagte mein Vater zu mir, ich sei ein „Muttersöhnchen“. Ja, Gott, dabei wäre es doch SEINE Aufgabe gewesen, mich aus dem Einflussbereich der Mutter zu entziehen und mir ein Vorbild für wahrhafte Männlichkeit zu sein. Als ob ICH die Verantwortung dafür zu tragen hätte! EIN WORT – „Muttersöhnchen“, das die ganze Machtlosigkeit dieser Väter und ihre Verachtung gegenüber ihren Söhnen zum Ausdruck bringt. Doch in Wahrheit ist das Wort Ausdruck ihres Scheiterns als Väter, das Eingeständnis ihres Versagens, letztlich auf ihre Söhne projizierte Selbstverachtung!
Wir haben als Jungs bei den abwesenden Vätern keine andere Wahl gehabt, als uns am Weiblichen zu orientieren, an den Werten des Weiblichen.
Und bei aller Loyalität dieser Frauen (unseren Müttern) ihren Männern gegenüber haben wir doch diesen fundamentalen Groll der genauso alleingelassenen Frauen gefühlt und somit die Berechtigung unseres Grolls auf unsere Väter. Während sie die Welt „da draußen“ aufbauten, haben unsere Mütter eine andere Welt „da drinnen“ aufgebaut.
(Unsere eigenen Frauen haben diese selbstzerstörerische Loyalität unserer Mütter für ihre Männer uns gegenüber nicht mehr mitgemacht – Gott sei Dank!)

Bei mir äußerte sich dieser Groll auf den Vater (auf diese Vätergeneration) im politischen Links-Radikalismus. Als ich dann selbst Vater (eines Sohnes) wurde, merkte ich sehr schnell, dass ich das gleiche Muster der Abwesenheit meines Vaters  meinem Sohn gegenüber lebte – nur unter anderer politischen Flagge.
Dass mein kleiner Junge unter meiner Abwesenheit litt, schmerzte mich dann allerdings so sehr, dass ich von heute auf morgen die ganze Politik an den Nagel hängte: Mir war das Wohlergehen meines Sohnes wichtiger als die ganze Weltrevolution! Was für einen Sinn sollte diese große Politik machen, wenn ich nicht einmal die Welt für meinen kleinen Jungen fundamental verbessern konnte, sondern den alten Käse des „abwesenden Vaters“ fortsetzte?

Neben dieser Abwesenheit der Väter ist der andere fundamentaler Aspekt (den das Buch von Walter Kohl anspricht) die Notwendigkeit der Identifikation und Desidenti-fikation eines Mannes bei der Auseinander-Setzung mit seinem Vater. Wir MÜSSEN uns mit unseren Vätern identifizieren – und wir MÜSSEN aus ihrem Schatten heraus kommen, unser eigenes Licht leuchten lassen und unseren eigenen Weg gehen. („Aus dem Schatten der Väter austreten“, „über den eigenen Schatten springen“ ist AUCH „Schattenarbeit“.)

Es muss dabei nicht der große NAME, nicht „der Sohn vom Kohl“ als Identifitationsbild sein (das ist bei Walter Kohl neben seinem Bruder Peter sicher einzigartig). Jeder über-mächtige Vater stellt ein Identifikationsbild dar, an dem sich der Sohn abzuarbeiten hat.

Es ist für mich sehr STARK, wie Walter Kohl in aller Ehrlichkeit und Offenheit sein eigenes Gefühl des Versagens beschreibt, das bis hin zur Erwägung des Freitods führt.
Wie viel VERSAGEN steckt in jedem MANN? Sind wir im Außen doch die Superhelden des Erfolgs, öffnet sich im Inneren ein Abgrund des Versagens.
Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um aus der Rolle des „perfekten Assistenten“ für andere, „größere“ Männer heraus zu kommen und meinen eigenen Weg zu gehen. Es gibt eine Menge Ersatzväter auf dem Weg, für die Mann alles tut, um deren Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen (aus der Vater-Wunde mangelnder Liebe heraus). Ein Großteil meines beruflichen Lebens „diente“ der assistierenden Andienung bei Ersatzvätern; ich versagte mir die Versöhnung mit meinem leiblichen Vater, ich versagte mir meine Selbstliebe als Mann. Das ist der Kern des Gefühls von VERSAGEN als Mann. Ich bettelte beruflich und spirituell um die Liebe von Ersatzvätern. – Was soll dabei schon Weltbewegendes heraus kommen?!

Walter Kohl lebt in einiger Hinsicht das „Erbe seines Vaters“. So gesehen ist das „Verstoßen des Sohnes durch den Vater“ auch ein Geschenk für den Sohn, um diesen fundamentalen menschlichen Konflikt aus LIEBE zu heilen – und nicht nur für sich alleine, sondern „vorausgehend“ für eine ganze Generation von Söhnen. In gewissem Sinne setzt Walter Kohl das Werk seines Vaters fort – auf einer ganz anderen Ebene – in anderen Dimensionen. Er füllt das aus, was sein Vater und die „große Politik“ ihm und uns allen versagt hat: die nackte, verletzliche Menschlichkeit.
Eine politische Versöhnung (wie z.B. Kohl und Mitterand) kann nur halbherzig sein, wenn es nicht auch eine menschliche Versöhnung ist. Wie kann man sich mit einem alten nationalen und politischen Gegner versöhnen, wenn man mit seinem eigenen Sohn in Unversöhnlichkeit lebt? Walter Kohl zeigt den Weg menschlicher Versöhnung, insbesondere des Sohnes dem Vater gegenüber. Wir müssen unsere Väter erlösen. (Ich weiß, dass das nicht gerade ein besonders spiritueller Spruch ist.)

Ich lebe auch das „Erbe meines Vaters“, durchaus auch im materiellen Sinne. Es ist Gnade und Fluch zugleich. Wir beerben unsere Väter und MÜSSEN dieses Erbe antreten. Das ist der gesunde Teil der Identifikation, das ist der Segen. Gleichzeitig müssen wir mit unseren Vätern brechen, auf eigenen Füßen stehen, eigene Wege gehen, damit der Segen nicht in einem unendlichen Schatten zum Fluch wird.
Walter Kohl hat von seinem Vater als Erbe das Thema der VERSÖHNUNG übernommen und es als EIGENES THEMA in die Welt des Privaten gebracht. So können in der Perspektive Politisch-Öffentliches und Privates-Innerliches wieder versöhnt werden (eine Spaltung der Welt, an der wir alle leiden)!

Politik der Versöhnung
Versöhnung mit Politik

Mir ist das Menschliche in der Politik noch nie so nahe gegangen wie bei diesem Buch von Walter Kohl: Noch so große Politik wird immer noch und vor allem von fehlbaren MENSCHEN gemacht, nicht von Göttern.

In meiner Revoluzerzeit war mein Vater im politisch gegnerischen Lager. Ich wurde als Jugendlicher zweimal aus dem Elternhaus wegen meiner linksradikalen Einstellung gefeuert und „verstoßen“ („Ich habe keinen Sohn mehr.“). Politik stand über Familie und Menschlichkeit, bei meinen Eltern wie bei mir.
Das Buch von Walter Kohl hat meine alte politische Härte und Rigorosität aufgeweicht und aufgelöst. Gewiss, ich habe sie heute nicht mehr im offensichtlichen Sinne (lebe nur noch „privat“, habe mich von der Politik losgesagt). Doch da ist etwas, das immer noch geheilt werden will. Und ist meine radikale Privatisierung, die Abwendung von Politik überhaupt nicht auch eine Form von ungesunder Rigorosität?!

An der Stelle, an der Walter Kohl seine Begegnung mit Hans-Martin Schleier kurz vor dessen Ermordung erzählt, habe ich Tränen vor Scham in die Augen bekommen, gehörte ich seinerzeit doch auch zu denen, die eine „klammheimliche Freude“ bei der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten empfunden hatten. Ich schäme mich in Grund und Boden angesichts meiner Menschenverachtung, obwohl ich damals doch glaubte, die Fahne wahrer Menschlichkeit zu schwenken. Was für ein Irrsinn! Dieser IRRSINN bedarf immer noch der Heilung, und das Buch von Walter Kohl – das ja notwendigerweise auch GESCHICHTE berührt, die auch meine Geschichte war – hat bei mir den Impuls für diese noch not-wendige Heilung gesetzt.

Ich bitte um Vergebung für meine alten Gefühle des politischen Hasses.

Mein Vater sagte mir, ich würde „bei der Zerstörung der Familie über Leichen gehen“.
Ich hatte nichts verstanden. Ich habe für „meine Politik“ (die nicht wirklich meine war) „Leichen in Kauf genommen“, wörtlich wie bei Hans-Martin Schleier, aber auch und viel mehr im übertragenen Sinne: „Der Zweck heiligt die Mittel.“ – Was für ein Irrsinn. Menschlichkeit kann nicht mit unmenschlichen Mitteln herbeigeführt werden. Vielleicht tragen wir Söhne wirklich die Verantwortung der Versöhnung: wieder die Hand reichen, dem Irrsinn ein Ende setzen, die Werte unserer Mütter in die Welt der Männer zu tragen – insbesondere dem eigenen Vater gegenüber (vermutlich die Meisterprüfung).

Ich habe durch das Buch von Walter Kohl mehr denn je Verständnis für die politische, konservative Sichtweise meines Vaters (als Anhänger der Politik von Helmut Kohl)! Ich kann die Versöhnung mit meinem Vater nicht trennen von seiner politischen Einstellung und Sichtweise. (Bis zum Buch von Walter Kohl war das für mich tabu.) Diese politische Sichtweise muss ich nicht teilen, doch ich verstehe ihre BERECHTIGUNG. Menschen haben ein Recht auf konservative Sichtweise. Sie ist ein Teil mensch-licher Perspektive. „Links“ ist nicht besser als „rechts“ – „rechts“ nicht besser als „links“.

Im Grund muss ich mich immer wieder in meinem Leben selbst fragen: Was ist im konservativen Sinne bewahrenswert? Was ist im radikalen Sinne loszulassen und zu erneuern? Ich muss diese Lebendigkeit des Tanzes von Ordnung und Chaos in mir selbst austragen. Dann machen politische Lager und politische Gegnerschaft gar Feindschaft keinen Sinn mehr.

Das eigentlich Tragische und Unheilvolle ist nicht die politische Trennung von „links“ und „rechts“, sondern die Trennung von Politik und Privatem. Zur Heilung gehört: Das Politische muss bis ins Private transparent werden, das Private muss seine politische Macht erkennen und bewusst einsetzen.
Das Buch von Walter Kohl ist ein wichtiger, sehr heilsamer Schritt in diese Richtung.

Danke, Walter Kohl, für deinen Weg der Versöhnung und dieses sehr heilsame Buch. Es hat mich mit meinem Vater und einer ganzen Generation von Vätern (wie deinem) tief versöhnt. Mögen wir alle Seelenfrieden und politischen Frieden miteinander finden. Peacemaker aus dem Herzen sind die wahren Helden, die wir heute brauchen.

Ich empfehle dieses Buch allen Männern, die an der Vater-Wunde leiden und sich gegenüber einem Übervater versöhnen wollen. Das Buch ist auch ein Stück Versöhnung mit der eigenen Beteiligung an unserer deutschen Geschichte.

Bestellung des Buches bei AMAZON: Leben oder gelebt werden: Schritte auf dem Weg zur Versöhnung

Mir ist nach dem Lesen des Buches gleich aufgefallen, dass der Untertitel des Buches „Schritte auf dem Weg zur Versöhnung“ nicht wirklich angemessen ist. Zwar wird an einigen Stellen vom „ersten Schritt“ gesprochen, aber das Buch bleibt in der Aufarbeitung unmittelbarer Erfahrung. Einen Tag später habe ich das neue Buch von Walter Kohl in den Händen: „Leben, was du fühlst“. Es hat mehr Abstand von der Versöhnung mit dem eigenen Vater und benennt 5 klare Schritte der Versöhnung, ein ARBEITSBUCH der Heilung durch Versöhnung.

Das zweite Buch von Walter Kohl „Leben, was du fühlst“ ist in meinen Augen deutlich reifer als das erste „Leben oder gelebt werden“. War das erste noch sehr auf Erfahrungsebene als Weg der Versöhnung mit seinem Vater, kann das zweite Buch die Erfahrungen systematisieren und konkrete Anleitungen zur Versöhnungsarbeit geben.

Der erste Teil des Buches (Von der Freiheit, glücklich zu sein) thematisiert das Gefangensein von der Vergangenheit, nicht ausgelebter Gefühle, nicht zugelassenem Schmerz, nicht beleuchtetem Schatten. So wird man von seiner Vergangenheit gelebt, statt im Hier und Jetzt zu leben. Versöhnung wird in diesem Teil mehr als „Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit“ thematisiert.

Ich würde sagen, in der Gestaltung unserer Gedankenwelt liegt unsere erste Freiheit. (S. 79)

Man kann dem eigenen Schatten nicht entkommen, bevor man nicht Licht in seine Vergangenheit gebracht hat. (S. 80)

Ich nehme mir die Freiheit, glücklich zu sein. (S. 24)

Im zweiten Teil des Buches (Der Weg der Versöhnung) gibt Walter Kohl eine sehr konkrete Anleitung für die innere Arbeit der Versöhnung – immer gepaart mit mit den eigenen Erlebnissen und Erfahrungen und ihrer leicht nachzuvollziehenden Reflexion darüber. Letztlich geht es um den inneren Frieden. Entweder leben wir im inneren Frieden, oder im Krieg, Kampf und Konflikt. Innere Versöhnungsarbeit ist das Mittel, um zum inneren Frieden mit sich selbst zu kommen.

Walter Kohl erkennt 5 Schritte, um Vergangenheitsmuster aufzulösen und zum inneren Frieden zu finden:

  1. Schritt: Was ist mein Anliegen? Will ich kämpfen, fliehen oder mich versöhnen. Zwischen Kampf und Flucht ist Versöhnung nicht nur der dritte Weg, sondern auch der Weg aus dem Kreisverkehr, aus dem Teufelskreis.
    In diesem zweiten Buch geht es Walter Kohl nicht um die Versöhnung mit seinem Vater, sondern Frieden zu finden mit seinen Terrorismuserfahrungen.
  2. Schritt: Alles auf den Tisch. Hier empfiehlt er in rückhaltloser Ehrlichkeit Briefe an sich selbst zu schreiben, um diese Aussagen dann immer mehr zu „Kerngefühlen“ zu verdichten wie „Einsamkeit, Ohnmacht, innere Sprachlosigkeit, kämpfen müssen, Ungerechtigkeit, eigene Wertlosigkeit“.
  3. Schritt: Den Energiewandel erleben. Jedes der oben genannten „Kerngefühle“ alter Vergangenheitsmuster hat ein „Gegengefühl“, eine „Spiegelenergie“, in die man sich durch bewusste mentale Arbeit versetzen kann.
    So kommt er in die neue Energie von „Verbundenheit, Selbstverantwortlichkeit, ES sagen können, gelassen kämpfen, Akzeptanz und Vertrauen.“
    (Die hier vorgestellte innere Arbeit von Walter Kohl ist in meinem Augen nicht nur überzeugend, sondern auch beispielgebend.)
  4. Schritt: Meinen Friedensvertrag mit mir selbst. Ja, die Formulierung eines solchen „Manifestes“ (das manifestiert!), einer „Verpflichtungserklärung“  hat mehr als nur symbolischen Wert. Hier dokumentiert Walter Kohl seinen eigenen Friedensvertrag zum Thema Terrorismuserfahrungen. Auch wenn es nicht mehr das Thema des Buches ist, dokumentiert er hier auch seinen Friedensvertrag mit seinem Vater Helmut Kohl. Es ist für mich ein Beispiel, wie jeder Mann einen Friedensvertrag mit seinem eigenen Vater schließen sollte.
  5. Schritt: Die neue Kraft im Fluss des Alltags nutzen. Es werden Lebensprüfungen kommen, die zeigen, wie weit die Vergangenheitsmuster aufgelöst sind und die Vergangenheit geheilt. So „öffnet sich unser Denken und Fühlen für die bisher unbeachteten Potenziale und Chancen, die uns in der Zukunft erwartehn.“ (S. 183)

Das Buch endet nicht mit „Friede, Freude, Eierkuchen“ und ist hier auch sehr realistisch. Es wird immer Streit geben, Konflikte werden aufbrechen. Kann innere Versöhnungsabeit dafür sorgen, hier eine neue, friedfertige „Streitkultur“ zu entwickeln. „Was wir brauchen, ist ein gesundes Verhältnis zum Konflikt, eben eine Streitkultur der Gelassenheit.

Alle diese Gedanken und Gefühle sind meine persönliche Wahrheit – sie sind zumutbar, denn ich habe sie angenommen. Sie schmerzen nicht mehr. Heute sind sie ein akzeptierter Teil meiner selbst. Sie haben ihre Macht über mich verloren. (S. 196)

Wer seinen inneren Frieden noch nicht auf anderem Weg gefunden hat, dem lege ich auch das zweite Buch von Walter Kohl sehr ans Herz. Es zeigt sehr detailliert und leicht nachvollziehbar der Weg der inneren Versöhnung. Innerer Friede ist ein Geheimnis des Glücks. Und wir haben die Freiheit, uns unseres eigenen Verstandes und eigener Gedanken zu bedienen, um diese Zustände des Glücks und des inneren Friedens herbei zu führen.

Bestellmöglichkeit bei AMAZON: Leben, was du fühlst; Von der Freiheit glücklich zu sein. Der Weg der Versöhnung

Gerald & Lee Jampolsky: Verzeih mir bitte

Meinem Sohn zu seinem gestrigen Geburtstag gewidmet.

Zum Vatertag und aus gegebenem Anlass (ich lebe bei Sohn und Enkel, ohne meinen Sohn zum Vatertag gesehen zu haben) fällt mir ein Buch nicht zufällig in die Hand, das ich umgehend rezensieren möchte: „Verzeih mir bitte. Die Geschichte einer Heilung zwischen Vater und Sohn“

Es geht um die Heilung einer Wunde, die vielleicht größte Wunde eines Mannes: die Vater-Wunde. Wir haben mit Sicherheit auch eine Mutter-Wunde, doch die Vater-Wunde trifft uns im Mark. Mit unserer Vater-Wunde sind wir im Kern in unserer Männlichkeit verletzt. Und es geht um mehr: Wir können nicht nur unseren Söhnen keine authentischen Väter sein, sondern auch zu Frauen keine wirklich intime Beziehung aufbauen, solange unsere Vater-Wunde nicht geheilt ist.

Erst als ich die Beziehung zu meinem Vater heilte, wurde ich zu einem „ganzen Mann“, der mit einer Frau auch Intimität teilen kann. (Lee, S. 14)

Es ist nicht nur ein wichtiges Buch für Väter und Söhne, sondern auch für Frauen:

Je umfassender Frauen verstehen, warum Väter und Söhne sich so verhalten, wie sie es tun, desto deutlicher können sie auch die Furcht erkennen, die Männer vor ihren eigenen Gefühlen und ihrer Verletzlichkeit haben. Und genau diese Furcht führt oft zu einem Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Männern und Frauen.

Tiefsitzende Ängste, die aus ihrer Beziehung zu ihrem Vater stammen, können Männer buchstäblich betäuben – sie taub machen gegenüber ihren Gefühlen. Die Frauen in ihrem Leben halten sie dann möglicherweise für gefühllos und unsensibel. Doch das Gegenteil ist der Fall. Männer haben in Wirklichkeit unendlich viele Gefühle, aber sie sind so voller Angst, dass sie an diesen Gefühlen nicht um alles in der Welt rühren würden. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum so viele Männer zu Workaholics werden, zu Männern, die zu beschäftigt sind, um Zeit für Gefühle zu haben. (Lee und Jerry aus der Einleitung, S. 22)

Ich wünsche jedem Mann, dass er irgendwann an den Punkt kommt, wo er seinem Vater sagen kann: „Ich weiß, dass ich nicht länger ohne dich wachsen kann.“ (Lee, S. 29)
Irgendwann ist die Grenze erreicht, da müssen wir uns unserer Vater-Wunde stellen, da geht es ohne diese Heilung nicht weiter, drehen wir uns nur noch im Kreis.

Das  Buch ist sehr ehrlich und offen, immerhin sind Vater und Sohn in Amerika bekannte Psychiater, Psychologen, spirituelle Lehrer. „Für Außenstehende waren wir eine vorbildliche Familie, doch unter der Oberfläche dieses idyllischen Familienlebens spürte ich eine Spannung, über die niemals gesprochen wurde. Zu diesem Mangel an Frieden gesellte sich für mich auch ein mangelndes Selbstwertgefühl.“ (Lee, S. 14)
Es geht um viele alltägliche Probleme, Alkoholismus, Drogensucht, elterliche Trennung und Scheidung, Arbeitssucht, Krankheiten; viele Stellen, in denen „man“ sich im Buch wieder findet.

Weil das Buch so authentisch ist (Briefe zwischen Vater und Sohn, auch mit Gedichten von Lee), geht es sehr nahe. Es reflektiert aber an vielen Stellen auch die Heilungsschritte und gibt allgemeine Tipps.

Der Schlüssel zu meiner Heilung lag in der Erkenntnis, dass beides zwingend notwendig ist: Jeder Mann muss sich gleichzeitig mit seinem Vater identifizieren und sich von ihm trennen. (Lee, S. 55)

„Solange wir unseren Schmerz und unsere Leere voneinander verstecken, zeigen sie sich regelmäßig in selbstzerstörerischer Weise. Wenn wir unseren Schmerz voreinander verstecken, können wir keine ganzen Männer werden. Unsere Beziehung zum verinnerlichten Vater muss geheilt werden, bevor wir wirklich frei sein können. (S. 67)

Wir bedauern beide, dass sich so viele Menschen in unserer Gegenwart lange Zeit nicht wohl gefühlt haben, weil sie nie sicher sein konnten, wie wir uns in der nächsten Sekunde verhalten würden. (S. 70)

Da ich meine Männlichkeit durch meine Mutter als Vaterersatz entdeckt habe, habe ich die Suche nach Bestätigung bei anderen Frauen wiederholt. In meinem Zwanzigern suchte ich ständig nach Frauen, die meine Männlichkeit anerkannten und bestätigten. (Lee, S. 82)

Weil ich meinen eigenen Vater akzeptiere, kann ich auch den göttlichen Vater akzeptieren. Wenn die Schlacht gegen den eigenen Vater geheilt wird, hört der Kampf gegen den göttlichen Vater auf. (Lee, S. 98)

Ich hatte ganz bewusst meine spirituelle Reise angetreten, kurz nachdem ich Mutter Theresa hatte sagen hören, das größte Problem in der Welt sei der Mangel an Spiritualität. Sie erklärte, es sei ein Mangel an Spiritualität, wenn man sich seelenlos und ungeliebt fühlte, wenn man weder anderen noch sich selbst gegenüber Liebe empfinden könne. … Ich fühlte mich von Gott getrennt, und mein Leben bestand nur aus Schuldgefühlen, Schuldzuweisungen und Selbstverurteilungen.
Im Verlaufe meines spirituellen Weges wurde mir klar, dass der Sinn meines Lebens darin bestand, zu geben, zu lieben, zu vergeben und die Ängste der Vergangenheit loszulassen. (Jerry, S. 101)

Unsere Seele schreit nach einem bedeutungsvollen Leben, einem Leben voller Liebe und einem Leben ohne Angst. (S. 221)

Ich wüsste keine bessere Botschaft, die ich hinterlassen möchte, als die: „Die Vater-Sohn-Beziehung ist heilig. Die Bindung zwischen Vater und Sohn ist so stark, dass sie so lange keine Ruhe geben wird, wie man sie unterdrückt. Die Heilung der eigenen Beziehung zum Vater oder Sohn ist die Pforte zum Leben und zur Freiheit. Heilung ist nicht nur möglich, sie ist Voraussetzung für Frieden.“ (S. 224)

Mein Fazit: Das Buch – obwohl leider schon vergriffen – kennt kein Vergleichbares zu einem großen „Tabuthema“: die Heilung des Bandes zwischen Vater und Sohn.

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