Pia Gyger: Maria – Tochter der Erde – Königin des Alls. Vision der neuen Schöpfung

Das Buch ist erschütternd, befreiend und bahnbrechend. Ich musste für das Buch erst jahrelang reif werden. ES hatte mich längst gefunden und wartete ein ganzes Jahrzehnt in meinem Bücherregal auf mein Reifwerden. Meine letzte > Buchbesprechung von Frederic Lionel über die Heilige Astrologie öffnete mir dann endlich den Zugang. Darin schreibt er, dass in der Heiligen Astrologie ein kosmischer Zyklus mit dem Sternbild der Jungfrau beginne und macht auch als Beispiel eine Andeutung über die Verkündigung Mariä: „Das Ewigweibliche empfängt und schöpft, und demnach wird dieses Zeichen zum Symbol göttlicher Potenz.“ (S. 70). Ich war wie elektrisiert. Was für Welten hier bei mir zusammen  kommen! Die uralte Heilige Astrologie des Frederic Lionel und die Neuinterpretation der Mairen-Dogmen der katholischen Kirche durch Pia Gyger. Ich selbst bin in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Meine Mutter hieß Maria wie auch meine römisch-katholisch getraute Frau. Das Buch ist auch aus persönlichen Grünen für mich sehr heilsam und berührt mich in den Tiefsten meiner Seele.

Das Buch ist erschütternd, weil es jedes Weltbild erschüttern muss. Wir leben – Gott sei Dank – in einem Zeitalter, in der das Weibliche wieder seinen Platz einnimmt. „Am Anfang war die Frau“ (Elisabeth Gould Davis 1986) oder „Rückkehr der Göttin“ aus der feministischen Literatur setzten schon Zeichen. Doch Pia Gyger geht dem Urweiblichen bis in die Festungen des Katholizismus nach und sprengt mit ihrer Interpretation der Marien-Dogmen die wohl stärkste religiöse Trutzburg des Patriarchats. Das Buch ist befreiend, weil es in der Barmherzigkeit der Mutter Maria die Erlösung von allem Bösen erkennt. Es erlöst uns gar von Teufel und Hölle. Das Buch ist bahnbrechend,  weil es für die „Vision der neuen Schöpfung“ selbst den revolutionären Keim des Katholizismus in MARIA erkennt und zur Entfaltung bringen kann. Den tiefen, archetypischen Sinn der MARIA als „Mutter Gottes“ zu erkennen, kann sogar die Errettung des Katholizismus für „die neue Schöpfung“ sein. Was für eine Vision!

Ich bedaure sehr, dass es das Buch nur noch antiquarisch gibt und werde es deswegen etwas ausführlicher besprechen. Zentrale Thesen des Buches:

Haben Sie keine Angst, heilig zu werden, öffnen Sie sich nur der Liebe, die Ihnen angeboten wird. Sie werden die Liebe in die Welt hineintragen. Sie werden „Mutter Gottes“ für die Welt von heute werden. (S. 24 und andere – aus dem Lourdes-Führer)

Marias steht für den Menschen, an dem die größtmögliche Vergöttlichung stattgefunden hat. (S. 98)

Hölle ist die Möglichkeit der selbstgewählten Trennung, des immerwährenden „Ich will nicht dienen.“. (S. 119)

Gott konnte in seiner frei gewählten Selbst-Entäußerung und Ohnmacht nicht handeln. Er konnte nichts tun. (S. 147)

Der Mensch ist erst ein Entwurf seiner selbst. (S. 149)

Das Buch beginnt mit einem im „intuitiven Schreiben“ 1999 entstandenen Text, den sie EINS UND ALLES genannt hat – mit den 6 Teilen und 77 Sätzen:

  • Gott Alles In Allem (13)
  • Christus – Alpha Und Omega (18)
  • Geist, Der Lebendig Macht (7)
  • Maria Und Die Erlöste Schöpfung (16)
  • Leibhaftigkeit Und Partnerschaft (14)
  • Kirche Und Welt (9)

Das Buch entfaltet diese Thesen für eine neue Schöpfung und Erneuerung der Kirche im Geiste Marias.

Die 7 Kapitel des Buches:

  1. MARIA – Leitbild für die Entwicklung menschlichen Potenzials
  2. MARIA – Königin der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung
  3. MARIA – zärtliche Mutter aller unerlösten Schöpfung
  4. MARIA – Auge, Ohr, Mund, Hand und Herz des Friedens
  5. MARIA – Urbild und Lehrerin neuer Macht
  6. MARIA – Braut des Auferstandenen
  7. MARIA – Wegbereiterin universeller Transformation

1. MARIA – Leitbild für die Entwicklung des menschlichen Potenzials

Das erste Kapitel geht den großen Marian-Dogmen nach und interpretiert sie neu im Sinne des menschlichen Potenzials.

Theotokos (die Gottesgebärerin): Wenn wir das Weibliche (die Verbindung von Sophia und Heiligem Geist) in uns entfalten, dann kann Gott in uns für die neue Schöpfung geboren werden. Wir werden Mitschöpfer des Göttlichen.

Aeiparthenos (die Ewig-Jungfrau): Jungfräulichkeit ist nicht im sexuellen Sinne gemeint, sondern „die radikale Offenheit und Hingabe an das Wirken des Geistes Gottes in uns. In diesem Sinne ist Maria Aeiparthenos, die Ewig-Jungfrau, Urbild und Leitbild des Wesensgehorsams“ (S. 37): Dein Wille geschehe. Es entspricht dem Archetyp Jungfrau als „Symbol für radikale Offenheit dem Göttlichen gegenüber“ (S. 41)

Immaculata-Concepta (die unbefleckt Empfangene): „Unbefleckt“ heißt frei von der Ursünde. Es ist möglich den „Alten Adam und die alte Eva“ in uns abzulegen, um den „neuen Menschen“ anzuziehen (S. 45). Wir sind unserem Wesen nach unschuldig wie die Kinder.

Assumpta (mit Leib und Seele zum Himmel Erhobene): Es ist das große Geheimnis der Auferstehung des Fleisches. So wie Maria „mit Leib und Seele“ auferstanden ist, so liegt dies auch im Potenzial eines jeden Menschen. Auch unser Körper kann unsterblich werden in in einer „auferstandenen“ Sphäre der Seele ewig leben. [In meinem Verständnis: In jedem von uns ist ein „Auferstandener Meister“.]

2. MARIA – Königin der sichtbaren und unsichtbaren Schöpfung

In diesem Kapitel diskutiert Pia Gyger die Lehren des Buddhismus für ein neues Verständnis von MARIA. Die Autorin selbst ist ZEN-Meisterin. Je mehr wir uns dem Mysterium des Göttlichen in der Sprache nähern, desto paradoxer werden die Sätze (die Koans des Zen-Buddhismus): „In jenen ortlosen Ort in uns, wo alles eins ist, wo es weder Nähe noch Distanz, weder Hier noch Dort, weder Vorher noch Nachher gibt.“ (S. 58) Es geht um das buddhistische Thema des NIRVANA. Hier sieht die Autorin „den markantesten Unterschied zwischen Buddhismus und Christentum“ (S. 63) „Mit der (christlichen, JS) Auferstehung ist eine völlig neue Dimension des Seins gemeint. Eine neue Schöpfung.“ (S. 64) Als fleischlich Auferstandene ist Maria „Königin des Himmels“.

In dieser Sphäre sind auch Engel zu Hause, die „Mittler zwischen Gott und Mensch“ und den Engelsturz das große Thema nicht nur der Bibel. Der Auftrag Gottes an die Engel war, dem Menschen zu dienen. Luzifer widersprach. Er wollte als Engel dem Mensch nicht dienen. Luzifer wurde zum Satan, weil er nicht dienen will. Er ist die Inkarnation des ICH WILL NICHT DIENEN! Das ist die eigentliche Ursünde, die Trennung vom Göttlichen und der Keim des Bösen. Doch „Maria ist nicht nur die Königin der Lichtengel, sie ist auch die Königin der Engel des Widerspruchs“ (S. 76) Sie trägt in sich auch die Erlösung der dunklen Engel, der Schattenreiche der Schöpfung.

In den alten Religionen war die Vermählung des Gottkönigs und der Göttin stets mit sexuellen Orgien verbunden. Maria als „Königin des Alls“ steht nicht für diese Vision der „Heiligen Hochzeit“. Es ist eine mystische Hochzeit. Wenn Maria auch die Königin des Alls ist, dann ist das All uns nicht unfreundlich gesonnen, doch: „Bevor nicht jedes Kind ein Dach über dem Kopf und genügend zu essen hat, sind wir im Kosmos nicht willkommen.“ (S. 84)

3. MARIA – zärtliche Mutter aller unerlösten Schöpfung

Das Göttliche thront nicht außerhalb seiner Schöpfung, sondern wurde die Schöpfung selbst. Es ist der „Abstieg Gottes“, seine „Selbstentäußerung“: „Gottes Abstieg bedeutet, er geht in die Werdewelt ein. Gottes Aufstieg bedeutet, diese Werdewelt entwickelt sich in aufsteigender Linie zu immer komplexeren, mit höherem Bewusstsein versehenen Gestalten. Im Menschen wird Gott in der Materie sich seiner selbst bewusst.“ (S. 97) Und „Maria steht für den Menschen, an dem die größtmögliche Vergöttlichung stattgefunden hat.“ (S. 98) Jesus war als „Gottes Sohn“ auf die Welt gekommen, doch Maria war ein Menschenkind.

„Luzifer steht für die im Geschöpf erwachte Freiheit zur Wahl.“ (S. 107) Es ist die Ursache seiner Verweigerung – im gewissen Sinne sogar der „verlorene Sohn“, der ihm zum „gefallenen Engel“ macht. Gegen das NEIN! der „dunklen Engel“ ist das Göttliche MACHT-LOS. Die Geschöpfe haben die Freiheit des NEIN!, sie sind damit aber auch „dem kosmischen Gesetz der Gerechtigkeit unterworfen. Weder der Vater noch der Sohn kann dieses Gesetz außer Kraft setzen. Da entscheidet sich die Mutter, für ewig in die Hölle zu gehen und mit den Verdammten zu leiden.“ (S. 111) MARIA nimmt alles Leiden auf sich. Väterliche Gerechtigkeit kann die Hölle nicht erlösen, sondern nur mütterliche Barmherzigkeit.

4. MARIA – Auge, Ohr, Mund, Hand und Herz des Friedens

In Maria liegt die „Abkehr von der ewigen Hölle“. Wenn die Schöpfung als Ganzes einer Transformation zustrebt, müssen auch Luzifer und die Hölle erlöst werden, die Schatten der Evolution integriert. Für die Autorin wurde „die Wichtigkeit des Weiblichen bei der Transformation des Dunklen überwältigend“ (S. 118) Dieses Kapitel stellt die 14 Stationen des Kreuzweges Jesu dar und Fürbitten an Maria zu jeder Station.

Dieser Kreuzweg enthält „das Mysterium der Wandlung aller Schöpfung“ (S. 149), unsere Entfaltung zu wahren Lichtwesen nach dem Kreuzweg durch die Hölle.

5. MARIA – Urbild und Lehrerin neuer Macht

Luzifers Macht des Habens ist das „Ich will nicht dienen!“. Marias Seins-Macht liegt in dem DEIN WILLE GESCHEHE.

„Bevor der Mensch zum Göttlichen „ICH BIN“ erwachen kann, musste er sich in einem „egozentrierten Ich“ erfahren und individualisieren.“ (S. 153) Das Göttliche lässt diese egozentristische Entwicklung zu, damit wir zu dem ICH BIN erwachen können und unsere Aufgabe und Verantwortung freiwillig übernehmen. Maria selbst wurde vom Engel befragt, ob sie den Sohn Gottes gebären wolle. Es war das erste GROSSE JA zur Übernahme der göttlichen Berufung, was Pia Gyger „Wesensgehorsam“ nennt:

In allen Zeugnissen von Menschen, die sich auf das große Abenteuer der Gotteserfahrung einlassen, liegt im freiwilligen Ja die Voraussetzung, dass die Initiation in eine neue Seinsweise und der dazu gehörende Prozess der Wandlung beginnen können. Der tiefste Sinn der Jungfräulichkeit hat nichts mit sexueller Enthaltsamkeit zu tun. Jungfräulichkeit meint die radikale Offenheit und Hingabe an das Wirken des Heiligen Geistes in uns. (S. 169)

In jedem die inneren Stimme hören und ihr gehorchen steckt dieser „Wesensgehorsam“. Aus dieser Wesenheit des Weiblichen in Mann und Frau kann auch eine neue Partnerschaft entstehen, eine neue planetare Macht: „die gegenseitige Inspiration von Mann und Frau“ (S. 184)

6. MARIA – Braut des Auferstandenen

Jesus war wie jeder Mann Sohn einer Mutter, ohne dabei ein Muttersöhnchen zu sein. Jesus als Gottessohn repräsentiert die neue Männlichkeit, Maria als Jungfrau, Mutter und Braut die neue Weiblichkeit. Als Menschenfrau BRAUT des Göttlichen zu sein bedeutet letztlich die Hochzeit zwischen Gott und Menschen, Himmel und Erde.

Leben bedeutet Vereinigung von Gegensätzen. Elemente, Atome, Moleküle, Zellen, aber auch Systeme psychisch-geistiger Gegensatzpaare, die konkurrierend nebeneinander existieren, werden durch integrierende Vereinigung auf neue höhere ebene gewandelt. „Hochzeit“ ist das Symbol für diesen Prozess der Vereinigung. (S. 187)
Die Feier der Hochzeit geschieht eben gerade nicht zwischen dem Sohn und der Mutter, wie in alten Mythologien oft dargestellt. Nicht eine Regression in die Ureinheit steht an. Denn nicht die Mutter wird zur Braut, sondern die Frau mit mütterlichen Zügen. (S. 196)

Mit dieser Hochzeit geschieht die „endgültige Auflösung des Dualismus zwischen Schöpfer und Geschöpf“. (S. 196) Die Heilige Hochzeit ist die Überwindung jeglichen Dualismus in unserem Bewusstsein. Wir erwachen zur „Weisheit“ des EINEN jenseits des WISSENS über das Viele. „Weisheit“ heißt im Griechischen SOPHIA und war immer weiblich. Hier beißt sich die Schlange in den Schwanz (das Symbol des EINEN im KREIS). Ist das Ur-Mütterliche das Gebären der Schöpfung, so kehrt es zur Einheit auch als Weiblichkeit wieder zurück. SOPHIA ist die „Personifizierung göttlicher Gegenwart“ (S. 202)

Die jetzt anstehende heilige Hochzeit geschieht in dem Maße, wie Sophia in uns Wohnung nimmt, wenn wir also weise werden. …
Wenn die Samen von „Maria-Sophia-Sponsa“ in uns zu sprießen beginnen, werden wir zu Erkennenden! Nicht mehr verführt durch die Schlange, essen wir vom Baum der Erkenntnis, sondern ermächtigt von Maria, der Mutter aller unerlösten Schöpfung. Durch ihre Hand gereicht wird uns die Frucht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zum Segen und zur unerlässlichen Nahrung. (S. 203)

Wir erschaffen – wie von Jesus prophezeit – nicht nur eine neue Erde, sondern auch einen neuen Himmel.

7. MARIA – Wegbereiterin universeller Transformation

Die universelle Transformation ist die „Vergeistigung der Materie“ (S. 212), die „Verklärung des Körpers“ (S. 223). Diese gewaltige Licht-Energie in unserem Körper wird in der indischen Spiritualität KUNDALINI genannt. SHAKTI – die weibliche Gottheit und göttliche Mutter im indischen Tantrismus neben ihrem Gemahl SHIVA verschafft sich in MARIA „unausweichlich als weibliche Dimension Gehör“ (S. 228) vor allem im katholischen Christentum.

Das Heil, in der universellen Transformation zum wahren Menschen zu werden, liegt in unserem physischen Körper, der fleischlichen Auferstehung als Lichtkörper. „Das archetypische Bild der heiligen Hochzeit, Vereinigung von Geist und Materie wird hier aktiviert. Diese Hochzeit geschieht leiblich an uns, sie vollzieht sich im Körper.“ (S. 252)

Mein Fazit: Ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen, der mit den großen religiösen und spirituellen Fragen ringt: Warum lässt Gott das zu? Was ist mit dem Teufel und der Hölle? Wo ist das Weibliche im Katholizismus? Wie kann MARIA die Welt erlösen uns erretten und die gebärende MUTTER einer neuen Erde und eines neuen Himmels werden? Wie kann das Leitbild der MARIA auch unser Bild der FRAU als gleichberechtiger Gefährtin des Heiligen Paares werden?
Das Buch kann alles in ein neues Licht stellen, unsere Wiedergeburt als Lichtwesen.

Sehr lichtvoll sind die illustrierenden Bilder von Susan Herrmann-Csomor zum Buch. Sie hat das in Bildern empfangen, was Pia Gyger als EINS UND ALLES beschreibt. Ihre Bilder illustrieren auch das, was Frederic Lionel im Buch „Heilige Astrologie“ sagt: „Kunst überhaupt ist eine Sprache jenseits von Zeit und Raum.“ (S.99).

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Nachruf zum 14. Juli 2014

Ohne danach gesucht zu haben, las ich bei der Buchbesprechung den >> Nachruf von Sabine Lichtenfels von TAMERA. Hier auch der Link zum >> Kondolenzbuch-online des Lassalle-Hauses.

Laotse: Tao Te King

Übersetzung aus dem Chinesischen von Heinz Klein

Heinz Klein ist ein ausgewiesener Kenner der chinesischen Sprache und der dem Tao Te King zugrunde liegenden Metaphysik. Er hat 4 Jahre an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan als Dozent unterrichtet. Sein Sinologiestudium war auf die traditionelle chinesische Medizin ausgerichtet, in der er promovierte. Darüber hinaus ist er ein Kenner des Zen-Buddhismus.

Wie kommt Heinz Klein dazu, das Tao Te King neu zu übersetzen? Gibt es nicht schon genug Übersetzungen?
Ist Heinz Klein der bessere Übersetzer?

Es liegt an der Eigenart der chinesischen Sprache, dass ihre Zeichen (Piktogramme, Ideogramme) so deutungsreich sind, dass jeder Übersetzer seinen eigenen Bewusstseinsstand in das Buch projiziert. Und hier meint Heinz Klein:

Wenn die Entscheidung nun zugunsten einer neuen überarbeiteten Übersetzung getroffen wurde, so liegt der Grund dafür hauptsächlich in der Erkenntnis, daß ein wichtiger Aspekt, wenn nicht gar der wichtigste, in den bereits erschienenen Werken übersehen oder nicht erkannt wurden. (S. 7)

Schon die knapp 40-seitige Einführung ist das ganze Buch wert. Darin schreibt er Erhellendes über die Besonderheit der chinesischen Sprache und der Zeichen, wie sie noch vor der Kulturrevolution genutzt wurden. Selbst für Chinesen erschließt sich die Tiefe des Tao Te King nur durch ein tiefes Bewusstsein selbst. Um so wichtiger ist dies für einen Übersetzer. Nur wer in dem Bewusstsein des Laotse ist, kann die Botschaft intuitiv (aus dem Herzen) in die Fremdsprache übertragen. Das ist Heinz Klein hervorragend gelungen. Seine Übersetzung des Tao Te King ist tiefsinnig und doch in einfache Worte gekleidet. Es geht um die Resonanz, die die Worte auslösen.

Was die Übersetzung des Tao Te King und die Erläuterungen von Heiz Klein bei mir ausgelöst hat: Ich habe in meinem Leben nie zuvor einen so tiefen Respekt vor der Tradition gehabt (nicht nur der chinesischen). Wie schon die „alten Weisen“ die „ewigen Wahrheiten“ in einfache Worte zu fassen wussten: die „heilige Wahrheit“ jenseits aller kulturellen Überwucherung.

Was mich in ganz besonderem Maße berührt hat ist die kurze Darlegung einer Metaphysik der Schöpfung jenseits eines personifizierten Schöpfers (ähnlich dem Buddhismus) in der Einleitung (S. 15 – 17). Die wichtigsten chinesischen Ideogramme lesen sich so wie die „Chiffren der Transzendenz“ (Karl Jaspers): der (wahre) Mensch als Mittler zwischen Himmel und Erde. Diese „Drei-Einigkeit“ löst auch diese westliche Fixierung auf die Trennung von Geist und Materie. Es gibt keine geistlose Materie.

YIN-YANG und WU-WEI

Bei der ersten Aufnahme des TAO TE KING in der spirituellen Renaissance des Westens spielten die Begriffe YIN-YANG und WU WEI eine große Rolle. Heinz Klein zeigt in der Einleitung, wie wir diese Begriffe missverstanden haben. YIN-YANG spielt in den Versen des Laotse kaum eine Rolle. Wir Westler haben in unserem Bewusstsein der Dualität diesen Aspekt viel zu sehr betont. Denn im TAO TE KING geht es um die Transformation der Dualität und keine Fixierung auf YIN YANG.

Unsere Neospiritualität im Wesen betont das weibliche „Fließenlassen“. Und da schien das WU WEI als „Nichts-Tun im Fluss des Lebens“ eine Bestätigung aus dem TAO TE KING zu sein. Doch WU WEI als „Nichts-Tun“ zu verstehen ist kaum die halbe Wahrheit. Es geht darum, nichts mehr aus dem Eigenwillen heraus zu tun. Im Eigenwillen weniger zu werden, um den Schöpfungswillen durch sich fließen zu lassen.

Unter Nicht-Tun versteht man nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, ein vom Trägheit und Energielosigkeit gekennzeichnetes Leben. Gerade weil der Drang nach Selbstbehauptung und die ichbezogenen Wünsche, die aus dem Gefühl des Abgetrenntseins entstehen, zurückgestellt werden, kann sich im Menschen eine Aktivität entfalten, aus welchen die wahren geistigen Antriebskräfte der Schöpfung kommen. (S. 33)

Die Essenz des TAO TE KING

Im TAO TE KING geht es um Transformation ins Einheitsbewusstsein jenseits der Dualität. Und damit ist das TAO TE KING mit der Gnostik, der inneren Alchemie, der Metaphysik des Absoluten verwandt. Heinz Klein weist auf zwei Transformations-Prozesse hin:

Im Nicht-Tun liegt dann der Schlüssel zur ersten Stufe der Transformation. … Dieser Prozess der Neuschöpfung besteht nach Laotse darin, das niedere TE, welches die Wirklichkeit des nicht gewandelten Menschen gestaltet, durch vermehrtes Nicht-Tun zu verringern, damit hohes TE den Mikrokosmos wieder erneuern und beleben kann. (S. 33)

Mit der Überwindung der Polarität überschreitet er die Grenzen von Geburt und Tod, und er ist fähig, das Reich zu erlangen. In der zweiten Phase der Transformation hat er das Doppelkleid der Ewigkeit angezogen und ist unsterblich geworden auf allen Ebenen der Schöpfung. (S. 38)

Briefe zum TAO TE KING

Heinz Klein hat zu der Neu-Übersetzung des TAO TE KING „Briefe“ herausgegeben. Sie dienen als Kommentare der einzelnen der 81 Verse nur bedingt dem „besseren Verstehen“. Es sei ein „Wahn, das Phänomen TAO beziehungsweise Taoismus intellektuell einordnen zu können“ (Briefe, S. 8 )

Um dem Urgeist aus TAO und aus TE begegnen zu können, muss der Mensch seine ich bezogene Intellektualität aufgeben und Geist und Herz in die Einfachheit und Unverfälschtheit der ursprünglich reinen Schöpfung aus TAO und aus TE zurückzuführen. (Ebenda)

Die „Briefe zum TAO TE KING“ sind Wegbegleiter auf diesem „Weg der Rückkehr“, dem „Weg des Wenigerwerdens“ und zur Ergänzung ans Herz gelegt.

>> Mehr dazu in meiner Buchbesprechung

Mein Fazit: Es gab vor ein paar Jahren eine Zeit, in der jeder spirituelle Autor sein Thema mit den Gedanken des TAO in Verbindung brachte: das Tao der Physik, das Tao des Geldes, das Tao des Herzens, das Tao des Zufalls, das Tao der Liebe, das Tao der Fülle, … Dann wurde es still, das Thema war „ausgelutscht“.

Doch all diese Interpretationen des Tao blieben an der Ober-fläche des Yin-Yang, gingen nicht wirklich an die Substanz, an die ewige Metaphysik reinster Form  des Tao Te King, ohne mystischen, moralischen oder religiösen Schnörkel. Von allen Weisheitsschriften der Menschheit geht das Tao Te King wahrscheinlich am tiefsten. Ich würde der Neuübersetzung durch Hein Klein wünschen, das dieser Klassiker der Weisheit den Suchenden von Heute einen neuen Schlüssel zum Verständnis des Tao Te King in die Hände gibt als Wegbegleiter unserer Transformation als Berufene.

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>> Zum Autor Heinz Klein
und zu anderen hier besprochenen Büchern des Autors.

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Heinz Klein: Medizin und Alchemie

Untertitel: Wege zum Heil im traditionellen China

Das Buch ist mit Sicherheit eines der Hauptwerke von Heinz Klein. Er erweist sich darin als profunder Kenner der Weisheiten des traditionellen China. Er war vier Jahre Dozent an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan. Bei seinem Studium der Sinologie war sein Fachgebiet die chinesische Medizin, worüber er promovierte. Er übersetzte das Tao Te King neu ins Deutsche und führte in seinem Buch „Briefe zum TAO TE KING“ in diese Weisheitslehre des alten China im mystischen, gnostischen und alchemischen Sinne ein. Heinz Klein ist ein wahrlich WISSENDER im Sinne der Einsicht in die kosmischen Gesetze.

Seine besondere Begabung ist das letztlich EINFACHE zu erkennen und es in einfachen Worten zu vermitteln. Das ist die ganz große Kunst ganz im Sinne „seines Meisters“ LAOTSE, wenn ich mich so ausdrücken darf. Heinz Klein braucht nicht viele Worte, um das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Er schreibt in ESSENZEN (auch essentielle Worte können Medizin sein).

Ein Arzt, der die traditionelle Medizin ausübte, sah sich in einem Einzelschicksal mit einem gestörten Kosmos konfrontiert. … Die Aufgabe des Arztes war demnach vorrangig eine Rückführung des Patienten in ein ungestörtes Verhältnis zwischen Makro- und Mikrokosmos. (S. 9)

Was für ein universelles (im wahrsten Sinne des Wortes) Programm des Heilens!

Das Dreierprinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin

Das Dreierprinzip (die Trinität, Dreifaltigkeit) ist Teil aller Weltreligionen.

Bei uns im Westen formuliert als die Einheit von Vater, Sohn und Geist. Die Rückbindung vollzieht sich über die Stationen Weg, Wahrheit und Leben. Und vom Leben im wahrsten Sinne des Wortes kann erst dann die Rede sein. (S. 12)

Solche Begriffe der Dreifaltigkeit sind:

  • HIMMEL – (wahrer) MENSCH – ERDE
  • Haupt – Herz – Becken
  • Bewusstsein – Seele – Unbewusstes
  • Weg – Wahrheit – Leben
  • Patient – Arzt – TAO
  • Schauen – Befragen – Pulsfühlen
  • ch’i – ching – shen

Wenn es eine „ewige Wahrheit“ gibt, dann gibt es auch ewig wahre Heil-Prinzipien. Das ist der Schlüssel, um die traditionelle chinesische Medizin in ihrer Universalität und Tiefe zu verstehen.

Die Grundlagen der traditionellen Wissenschaften kommen quasi von oben; sie wurden von Trägern höheren Bewusstseins aus den kosmischen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet und dem Volk als Wegweiser zu einem geordneten Leben übergeben. Die chinesische Medizin kennt daher keine Fortentwicklung oder gar Fortschritte auf der Raum-Zeit-Achse. (S. 17)

Der Autor führt in bestimmte Grundbegriffe des Chinesischen ein bzw. entschlüsselt wichtige Piktogramme. Diese universelle Lehre der Heilung benutzt bestimmte Ausdrücke, die nicht mit dem Griechischen oder Lateinischen verbunden sind, sondern mit dem Chinesischen, die nicht einfach übersetz werden könne, sondern als Zeichen gedeutet werden müssen. TAO, YIN – YANG, CHI, T’AI-CHI und andere sind uns schon vertraut. Auch das häufig missverstandene WU WEI. Die Entschlüsselung der Begriffe ist schon wichtig für das Verständnis dieser Ur-Medizin. Nennen wir diese Piktogramme (Ideogramme mit Bild- und Symbolcharakter) zum besseren Zugang einfach „Heil-Codes“ für das Bewusstsein. Es sind keine magischen Codes, sondern Bewusstseinsöffner.

So ist der Arzt ein Hellsichtiger, letztlich ein WEISER, ein spirituell Erwachter.

Der Weise ordnet, er verwaltet, er heilt, aber nicht mehr aus der Überwucherung der Mitte heraus (dem vom EGO besetzten Herzen, J.S.). Er ist vielmehr der Mandatträger. Er ist die dritte kosmischen Potenz, Himmel und Erde verbindend. Durch sein Tun im Nicht-Tun, d.h. durch sein Ordnen, Walten und Heilen als Mandatträger der ursprünglichen Schöpfungsvibration, entsteht ein neuer Himmel und eine neue Erde. (S. 59)

Und das ist auch Teil dieser Medizin: Jede Heilung des Einzelnen heilt auch das Ganze.

Quintessenzen aus einem Hauptwerk
der traditionellen chinesischen Medizin

Das Buch enthält im mittleren Teil beispielhafte Übersetzungen von Heinz Klein aus den „Gesammelten Schriften“ von Chang Chieh-pin (erstmals 1644 herausgegeben), um „deutlich Denk- und Forschungsweise eines Gelehrten im traditionellen China“ zu zeigen (S. 94) und gibt dazu eine Zusammenfassung.

Der Körper dient einmal als Instrument zur Selbstbewusstwerdung, und zum anderen liegt im Körper verborgen der Schlüssel zur Wiedererlangung der Unsterblichkeit. (S. 101) …
Und je nach Bestimmung des Patienten kann dieser, nachdem er über den Weg der Krankheit das Ziel Gesundheit erreicht hat, den Weg zur Verwirklichung des wahren Menschen betreten. Denn von einer höheren Warte aus gesehen, bleibt der (nicht wahre, J.S.) Mensch trotz zurückgewonnener Gesundheit im Zustand des Un-Heils. (S. 103)

Die alchemische Unsterblichkeit im Taoismus

Es ist ein Zeichen der TIEFE der traditionellen chinesischen Medizin, dass sie HEILUNG bis zur Unsterblichkeit „zu Ende denkt“ und so auch den Tod zu überwinden sucht. In dieser Medizin gibt es keine Grenze, kein Tabu, nichts „Unheilbares“.

Das Werkzeug dafür ist die „innere Alchemie“. Manchmal kann einen im Chinesischen der Begriff „edler Mensch“ irritieren. Ist das ein Ritter, ein Adliger? Nein, es ist der Ausdruck für den wahren Menschen. In der chinesischen Alchemie geht es nicht um die äußere Umwandlung unedler in edle Metalle, sondern um die innere Umwandlung des unedlen, sterblichen zum edlen, unsterblichen Menschen.

Die frühen Taoisten überließen den Wandlungsprozess dem immanenten Schöpfungsprinzip. Dieses wird normalerweise vom Eigenwillen und seinen Zielen überlagert. Wenn der Adept das Wenigerwerden auf allen vier Lebensbereichen, d.h. auf der mentalen und emotionalen Ebene, dem Willensbereich und im physischen Bereich, täglich umsetzt, so vollziehen sich die einzelnen Phasen der Transformation von selbst. Das immanente Schöpfungsprinzip kann das große Werk vollbringen. Der Prozess der Transformation ist kein widernatürlicher Vorgang, sondern es vollzieht sich, was in der Urschöpfung vorgesehen war. (S. 117)

Vielleicht noch ein erhellender Abschlusssatz aus dem Buch:

Ein Genußmensch, so ist auch heute bekannt, verzichtet lieber auf das Heil seiner Seele als auf einen körperlichen Genuß. (S. 130)

Mein Fazit: Die Heilkunst der Traditionellen Chinesischen Medizin ist als alternative Heilmethode im Westen sehr modern geworden. Oft wird dabei vergessen, dass es den chinesischen Ärzten vor allem darum ging, die Harmonie zwischen dem erkrankten Mikrokosmos des Menschen mit dem Makrokosmos wieder herzustellen. Heilung war vor allem Bewusstwerdung. Das Arbeiten an Meridianen, Akkupunkturnadeln usw. hatte nur den Sinn, Energien wieder zum Fließen zu bringen. Entscheidend für die nachhaltige Heilung jedoch ist das erwachende Bewusstsein.
Das Buch von Heinz Klein bringt dies auf den Punkt. Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich nach der Tradition der chinesischen Medizin behandeln lässt, um seinen eigenen Beitrag zur Heilung zu leisten. Und wenn ich ganz ehrlich sein darf: Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der Verantwortung für seine Gesundung übernimmt. Die Metaphysik der Heilung ist in keinem medizinischen System so tiefgehend und einleuchtend wie im Taoismus.

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Heinz & Aude Klein: Das wahre Erbe der Katharer

Untertitel: Zeitzeugnisse

Wie kommen Heinz Klein und seine Frau Aude dazu, ein Buch über „das wahre Erbe der Katharer“ zu schreiben? Es liegt nicht gerade auf der Hand. Vielleicht ist es manchmal auch die Rolle einer guten Buchbesprechungen, erst einmal einen Zugang zu dem besprochenen Werk zu schaffen.
Kurz die historische Einordnung:  Die Katharer („die Reinen“) – von der katholischen Kirche nach der französischen Stadt Albi als „Albigenser“ bezeichnet – waren eine mittelalterliche christliche Glaubensbewegung („die Kirche der Liebe“), die 1244 mit ca. 200 Menschen als Häretiker in Südfrankreich verfolgt und verbrannt wurden.

Die Katharer lebten sehr bescheiden wie indische Bettelmönche und zogen sich nach ihrer Verfolgung in Grotten der Pyrenäentäler der Grafschaft Foix zurück. Dann entwickelten sich in esoterischen Kreisen Legenden um den „Heiligen Gral der Katharer“.
Sie hatten auch gewisse Kontakte zu Rosenkreuzern.

Das Ehepaar Klein hat in den Buch durch persönliche Kontakte zu Nachfolgern durch Interviews, interne Briefdokumente, also „Zeitzeugnissen“ das eine und andere an Legendenbildung um die Katharer (auch ihrer inneren Struktur)  „entmystifizieren“ können, um dann aber die eigentliche Größe des letzten geistigen Führers Antonin Gadal (1877 – 1982) zu würdigen. Er war ein echter Gnostiker und bewahrte den gnostischen Kern der Katharer bis in die Neuzeit. Bei allen Legenden um den „Heiligen Gral“ sind die Katharer einer der letzten Gnostiker der jungen christlichen Gemeinden. Es geht dem Autorenpaar um die „Perlen, die in den vorangegangenen Zeiten von Wissenden zurückgelassen wurden“ (S. 7) Gnostiker sind wahrhaft Wissende. Und es kommt bei Verständnis dieses „wahren Erbes der Katharer“ (dem Heiligen Gral des Geistes) Heinz Klein wieder zugute, bis in das gnostische Verstehen des Tao Te Ting vorgedrungen zu sein.

Die Katharer, die im Mittelalter verstärkt in Frankreich gewirkt haben, standen in der Nachfolge der ägyptischen, der persischen, der griechischen und chinesischen Lehre der Gnosis. Nicht zu übersehen ist in Frankreich das gnostische Erbe der Druiden. Es gehört unter anderem auch zum Verdienst von Antonin Gadal, die Essenz der Weltsicht der Druiden in seinen Privatstudien herausgearbeitet zu haben … – Wie wenigen Menschen ist es heute bekannt, dass Laotse weder Naturphilosoph noch Weltverbesserer war, sondern Gnostiker wie ebenfalls Jesus, der Essener, ein Gnostiker war. (S. 117)

Zwei Fragen:

Woher kommt die grenzenlose Energie, die unbeugsame Kraft solcher „Abweichler“, um der großen, gewaltsamen Macht von Kirche und Staat zu trotzen. Doch auch die Frage: Was macht so eine kleine Gruppe von Christen so gefährlich, dass sie ausgerottet werden?

Die unbeugsame Kraft kommt aus der Energie der Urschöpfung, deren Gnostiker teilhaben. Es ist die reine Quelle der Liebe. Und genau das ist auch die Antwort auf die zweite Frage: In Zeiten der Kreuzzüge, der „Heiligen Kriege“ ist es eigentlich die Botschaft Jesu „Liebet deine Nächsten, liebet deine Feinde“, die da ausgerottet werden soll. Keine „Kirche der Liebe“ der Katharer darf an diese einfache, entwaffnende Botschaft von Jesus erinnern. Ausgerottet werden soll in Wirklichkeit die Erinnerung an die Reinheit der Liebeslehre von Jesus.

Das wahre Erbe

So schändlich der Versuch der römischen Kirche auch war, das Urwissen der Katharer wie der anderen Ketzer ausrotten zu wollen, indem man sie in den Flammen umkommen ließ, so gelang es den Machthabern jener Zeit jedoch nicht, den Strom der Gnosis zum Versiegen zu bringen. Denn die Quelle dieses Flusses liegt im geistigen Herzen des Menschen, und immer gibt es Gnostiker (S. 117)

Gnosis ist für diejenigen zugänglich, die noch mit dem Herzen denken. (S. 115)

Niemand, und auch kein Gnostiker, wird bestreiten, dass wir in der Zeit unserer Inkarnation auf dieser Welt einen Körper aus fassbarer, messbarer, fester Materie besitzen. Diese Materie ist nicht tot, so wie ein Stein nicht tot ist, sondern sie wird belebt. Diese Belebung nennen wir gemeinhin „Seele“. Die gnostische Lehre gründet auf dem Wissen, dass der Mensch zwei Naturordnungen unterliegt, auch wenn das nicht allen Menschen bewusst ist. Da sind einerseits die polare und andererseits die unpolare Naturordnung. (S. 119)

Das Endziel aller gnostischen Wege jedoch ist die Rückkehr in das ursprüngliche, unpolare Schöpfungsfeld. (S. 120)

Jede Rückführung der degenerierten Materie in die reine Urmaterie trägt dazu bei, die Schöpfung aus der polaren Spannung in die Einheit der Urschöpfung zurücktzführen. (S. 124)

Für den rein intellektuellen Menschen, die auf das erlernen von äußeren Fakten angewiesen sind und deshalb im wahrsten Sinne des Wortes unwissend sind, ist es nicht vorstellbar, dass das Wissen der Gnosis nicht von geistigen Führern und Gurus übermittelt oder aus Büchern bezogen wird, sondern authentisch aus dem Herzen kommt, wenn diese mit den Feldern der Urschöpfung in Verbindung steht. (S. 127)

Mein Fazit: Das Ehepaar Klein hat durch eigene Untersuchungsarbeit das geistige Erbe eine der letzten bis in die Antike zurück gehende gnostischen Bewegungen in ihrer Reinheit herausgeschält und bewahrt. Es gibt in der Esoterik und Exoterik sicher viele Legenden und Mythen. Da ist es sehr verdienstvoll, Verwirrungen zu entmystifizieren, um zum klaren Kern einer Botschaft herauszuschälen. Wer sucht noch den „Heiligen Gral“ der Katharer? Das Buch des Ehepaar Kleins ist es als Wegweiser. Denn was sollte der Schatz der Gnostiker sein wenn nicht WISSEN im Inneren des eigenen Herzens?

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Heinz & Aude Klein: Ihr seid Götter

Untertitel: Die Suche nach Unsterblichkeit

Die Bücher von Heinz Klein gehen immer an die Grenze des Denkbaren – und darüber hinaus.
Dieses Buch bespricht das größte Tabu des Menschseins: unsere Unsterblichkeit. Es geht dabei nicht um die Unsterblichkeit der Seele, sondern wirklich um die körperliche Unsterblichkeit. Dafür hat Heinz Klein als Experte des Taoismus (er hat das Tao Te King von Laotse neu ins Deutsche übersetzt) einen „neuen“ Ansatz, zumindest für unser westliches Denken: die Alchemie des Tao Te King (in China gilt Laotse als Urvater der Alchemie), das „Tao Te King“ – etwas grob formuliert – als Rezeptbuch für Unsterblichkeit.

Innere Alchemie (Laotse) und innere Auferstehung (Jesus)

Wir verbinden mit dem Begriff der Alchemie die Umwandlung von unedlem in edles Metall, also Blei in Gold. Natürlich kann man diese Transmutation auch allegorisch verstehen. Doch die Alchemie in China hatte nie die Herstellung von Gold zum Ziel, sondern die Unsterblichkeit des Menschen, die Verwandlung des unedlen Menschen  in den edlen Menschen, den göttlichen Menschen. Gut, auch in China wurde in den alchemischen Laboren nach der „Unsterblichkeitspille“ dafür gesucht. Doch das Ziel Laotses ist die „innere Alchemie“, die innere Umwandlung des Menschen.

Mit diesem „Ansatz“ bekommt auch die Auferstehung von Jesus einen neuen Sinn. Was wäre, wenn auch Jesus bereits als „Sohn Gottes“ diese körperliche Unsterblichkeit erreich hätte?

„Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet aus Wasser und Geist“, sagt die Bibel, „dann werdet ihr verrecken wie die Hunde“ führt Gurdjief den Satz zu Ende. Wiedergeboren heißt dann in anderen Worten ausgedrückt: aus dem vorhandenen Material des sterblichen Menschen mit Hilfe der inneren Alchemie einen Menschen mit einer unsterblichen Struktur zu machen. (S. 12)

In dieser Sicht ist Jesus nicht unser „Erlöser“, sondern der Wegweiser zur inneren Erlösung. Nur diese Selbsterlösung (der direkter Weg) kann zu dieser inneren Umwandlung führen und keine Fremderlösung (der indirekte Weg). Jesus steht dann für den direkten Weg der Selbsterlösung, Paulus (und die Kirche) für den indirekten Weg der „Fremderlösung“ mit all ihren Manipulationsstrategien.

Die Seele und der mystische Weg

Wir erleben eine „Renaissance der Seele“, weil wir uns von dem religiösen Bild der Seele befreien und zu einem tieferen Sinn der Seele vorstoßen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass der mystische Weg der Seele immer bedeutungsvoller wird. Immerhin: Die Vorstellung der Seele lehrt uns, wieder in Kategorien der Unsterblichkeit und Ewigkeit zu denken.

Auch hier ist das Verständnis des Taoismus von der Seele (p’o-Äther und hun-Äther) wegweisend, die Unterscheidung zwischen einerseits irdischer, sterblicher und andererseits unsterblicher Seele. Wobei es in der Tradition des Taoismus keine „an sich“ unsterbliche Seele gibt, sondern diese unsterbliche Seele erst erschaffen werden muss.

Die Idee, dass der Mensch von Geburt an eine unsterbliche Seele besitzt, war in den traditionellen Kulturen unbekannt und ist erst mit dem Christentum verbreitet worden. Eine unsterbliche „Seele“, besser gesagt ein Unsterblichkeitsleib musste erst noch geschaffen werden. (S. 31)

Noch einmal, weil es so wichtig ist: Die Seele ist in diesem Verständnis nicht „an sich“ unsterblich. Das Reich der Seele (das Reich der Mystik) ist immer noch ein Reich der Dualität, in dem es einen Anfang und ein Ende gibt. Die Seele (als duales Energiefeld des Alls) ist nicht das Medium der Ewigkeit.

Ist uns nämlich der Durchbruch durch diese seelische Sphäre, die unser Sosein aufrecht erhält, einmal gelungen, dann ist die Begegnung mit dem, was wir sein könnten, so überwältigend, dass wir bereit sind, alles Angelernte abzulegen und der wiedererkannten „Urform“ in uns zuzustreben. (S. 62)

Wohlgemerkt: „Durchbruch durch… “ heißt ja die Sphäre JENSEITS der „seelischen Sphäre“. Und das ist die Sphäre des GEISTES. Diese „Urform“ ist die nonduale Einheit.

„Diejenigen, die aus der Einheit herausfallen und nur die Dualität erleben, werden sterblich. Jene, die in der Einheit bleiben oder wieder in sie zurückkehren, sind unsterblich. (S. 46)

Körper – Geist – Seele

Das Buch der beiden Autoren räumt mit den beiden größte Missverständnissen und Verwirrungen unseres westlichen Denkens auf:

  • dass Körper und Geist zwei völlig unterschiedliche Substanzen seien,
  • dass die Seele das Prinzip der Unsterblichkeit sei

Das Ergebnis (in meinen Worten): Der GEIST ist das Nonduale – jenseits von Seele und Energie. Durch das „Erinnern“ an die Nondualität der GEISTES formen wir einen unsterblichen Seelenleib und einen unsterblichen Körper.

Das sind nur zwei Sätze, die unser westliches Denken erschütternd wachrütteln könnten. GEIST in seiner pollosen Nondualität ist keine Energie. Auf der Suche und der Sucht nach der absoluten Energie sind wir auf dem Irrweg.

Ein anderer Irrweg westlicher Esoterik ist es, das körperlose Jenseits (das Reich der Toten und ihre Wesenheiten) als „höhere Welt“, als den „Ort der Wandlung und Transformation“ zu sehen. Wirkliche Transformation und Wandlung braucht alle VIER ELEMENTE, also auch das Element ERDE. Der Ort der Wandlung ist unser zunächst sterblicher Körper. Der Urquell des GEISTES kann diesen Körper in einen göttlichen, unsterblichen neu strukturieren und verwandeln. Es beginnt mit einer einzigen Zelle (vornehmlich Herzzellen).

Der degenerierte Mensch wurde ausgetauscht gegen einen neuen Menschen, der aus Bausteinen der Urmaterie besteht. (S.53)

Wohlgemerkt: einer Urmaterie als Kristallisation des EWIGEN GEISTES.
Das Jenseitige ist eher eine „Müllhalde und Wiederaufbereitungsanlage für alle im Diesseits nicht gelösten Probleme“ (S. 63) – Hammer zum Wachrütteln, oder? Das ist ein Ort von „Fäulnis- und Gärungsprozessen“ (S. 65) und sollten uns nicht weiter beeinflussen.

Wenn der Verwesungsprozess in den vier Ebenen des Körpers noch zu Lebzeiten abgeschlossen wird, so kann das befreite Urwesen zeitig sein Gewand anziehen. Der Körper, so lässt sich zusammenfassend sagen, ist das notwendige Laboratorium der inneren Alchemie. Ohne ihn bleibt alles Imitation. Die Seele ist das ursprüngliche Gewand des geschaffenen Geistwesens. Die Seele ist weiblich und gleicht dem Wasser, sie erwartet ihren Bräutigam, das Feuer. Aus dieser Vereinigung entsteht das unsterbliche Leben, die Manifestation des ersten Menschen im Geist, durch den Geist und für den Geist. (S. 66)

Die Alchemie beschreibt in allegorischer Spreache die Vereinigung von Körper und Geist. (S. 88)

Die Alchemie in Le Monteil

Besonders schön und erhellend ist dieses Buchkapitel. Die beiden Autoren, das Ehepaar Klein, sitzen in ihrem französischen Wohnsitz Le Monteil mit Laotse, Julius Evola und Henk Leene zu einem Gespräch zusammen, um das Geheimnis der Unsterblichkeit weiter zu entschlüsseln. Spannende Themen werden in der Runde besprochen wie auch die Transformation der „Siebenfältigkeit“ (unserer Planeten, Metalle usw.), letztlich unserem schicksalhaften Gefangensein in der archetypischen Astrologie, durch die befreiende Achtheit der Oktave.

Der Körper ist Geist und der Geist ist Körper geworden.
Nur so kann der Tod überwunden werden. (S. 137)

Die Unsterblichen leben mitten unter uns. (S. 138)

Nachgedanke

Dies ist ausdrücklich mein Nach-Denken nach dem Lesen des Buches. Es ist im Buch nahe liegend, doch als vielleicht zu spekulativ nicht ausgesprochen. Wenn Unsterblichkeit eines göttlichen Menschen eine wirklich KÖRPERLICHE Unsterblichkeit meint, dann hinterlässt dieses Wesen bei seiner Auferstehung keinen Leichnam. Der Körper wird nicht verlassen, sonder transformiert. Es ist einfach WEG – und wir müssen uns jetzt korrekter ausdrücken: für unsere irdischen Augen verschwunden, unsichtbar geworden. Wir wissen es von Laotse, von Jesus, von Pythagoras und anderen, dass sie plötzlich verschwunden sind (ohne einen Leichnam oder Grab zu hinterlassen). Und was ist, wenn sie bereits diese unsterblichen, göttlichen Menschen sind, die unter uns weilen, ohne dass sie für unsere irdischen Augen sichtbar wären? Diese Wesen würden unter uns weilen und nur für die Augen des Herzens und der Seele Auserwählter wahrnehmbar sein. So würde sich erklären, dass manchen Menschen JESUS wie ein lebendes Wesen sehr nahe ist, den Hauch seines Atems spüren (oder Laotse z.B. dem Autor Heinz Klein).

Mein Fazit: Das Buch ist eine Herausforderung für die Grenzen des Denkbaren. Das hier von mir Referierte ist dabei nur „die Spitze des Eisbergs“. Es löst auf verblüffende Weise und in sich stimmig viele der großen Fragen des Menschseins, unsere Göttlichkeit.

Nicht nur Laotse, sondern auch Jesus als im GEISTE Auferstandener erstrahlen in neuem Licht … vielleicht als erste Unsterbliche, die als die gesuchten, neuen, göttlichen Menschen nach wie vor unter uns weilen.
Was für eine wundervolle Perspektive!

Ich empfehle das Buch jedem als erstes zu lesen, der sich in das Gedankengut von Heinz Klein einlesen möchte. Es ist in gewissem Sinne das zusammenfassende Ergebnis seines Schaffens, die anderen Bücher dienen dann zur Vertiefung dieser Essenz.

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Heinz Klein: Sein eigener Meister und Schüler

Untertitel: Der einfache, direkte Weg

Das Buch ist etwas für Menschen, die auf dem mystischen Weg keine Irrwege und Umwege mehr gehen wollen, sondern den direkten (und einfachen) Weg wählen. Dieser Weg ist der Ausweg aus spirituellen Verwirrungen. Er ist ein Rückweg ins pollose Feld der Urschöpfung. Es geht um die Neugeburt des „wahren Menschen“. Das Buch richtet sich insbesondere gegen die Verwirrungen viele Strömungen der „neuen Spiritualität“, die mit „Gnostik“, „Chakraarbeit“, Channeln von aufgestiegenen Meistern und Ähnlichem wie die Kirchen wieder einen indirekten Weg predigen. Ja, der Weg selbst sei das Ziel.

Wenn der Weg selbst das Ziel sein sollte, spielt es eigentlich keine Rolle, welchen Weg man geht, gibt es auch kein eigentliches Ziel. Das Problem ist, „auf dem Weg einzuschlafen“, weil es kein Kriterium dafür gibt, den direkten Weg „zu Gott“ oder indirekte Wege in die Illusion – auch der spirituellen Illusionen – zu gehen. Indirekte Wege heißt, sich das Göttliche „vermitteln“ zu lassen. Und hier spielt die „Geistige Welt“ eine große Rolle der Verführung. Es ist eines der Hauptbotschaften des Buches.

Die Welt des Jenseits als Welt der Verführung

In der neuen Esoterik spielt die Welt des Jenseits eine große Rolle: die Welt der „aufgestiegenen Meister“, das Channeln von „jenseitigen Wesenseinheiten“ und vieles mehr auf dem „Jahrmarkt der Esoterik“. Das Buch warnt davor und macht bewusst, dass diese astrale Welt letztlich die Welt der Toten ist. Das Jenseits ist nicht die Welt der Erlösung, sondern das Diesseits. Mehr noch: Je weniger wir uns dessen bewusst sein, desto mehr können wir über unseren „Emotionalkörper“ von solchen Wesensheiten manipuliert werden. Wir müssen uns nicht nur von den Manipulatoren des Diesseits (den Finanzmächten und ihren Medien) befreien, sondern auch den Manipulatoren des Jenseits (letztlich die Welt der Toten), die von unserer Lebensenergie abhängig sind.

Solange sich er Mensch von der fiktiv angenommenen Ich-Persönlichkeit gelenkt fühlt und seine Abhängigkeit von astralen Besetzungen nicht erkannt hat, kann er den kosmischen Willen weder wahrnehmen noch erfüllen. (S. 24)

Eine große Aufgabe ist es heute, sich von diesen Jenseitskräften zu befreien:

Daher ist der Ätherträger Mensch, selbst im gewöhnlichen Zustand, den Wesen der Astrahlsphäre überlegen. In seiner Unwissenheit aber fühlt er sich der Geister- und Totenwelt unterlegen. (S. 139) … Die Aufhebung dieser Verstrickung ist wohl der schwierigste Teil des Transformationsprozesses. (S. 140)

Suche und Sucht nach Energie

Nachdem der westliche Mensch Gott für tot erklärt hat, ist er auf der Suche nach Energien. (S. 109)

Die esoterische Verführung lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Energien statt auf GEIST und „fußt auf der unzulässigen Gleichstellung von Geist und Energie“ (S. 92). Der Autor sieht in diesem „Neospiritualismus … die konzentriert austretenden Energieströme verbrauchter und degenerierter kosmischer Kräfte“ (S. 95)

Eine mediale Veranlagung beruht nicht, wie oft geglaubt wird, auf einem hohen geistigen Entwicklungsstand, sondern in den meisten Fällen heutzutage auf einer abnormen Durchlässigkeit der Ätherleiber.  Den meisten Medien sind die Gesetze der unpersönlichen Metaphysik nicht bekannt. Daher stehen sie unter dem direkten Einfluss von jenseitigen Entitäten, die der Totenwelt angehören. (S. 104) … Das Sehen von Energien, Naturgeistern und feinstofflichen Wesen ist in sich kein Weg. (S. 106)

Das Autor weist darauf hin, dass es grundsätzlich nur zwei grundsätzlich qualitativ unterschiedliche Energiefelder gibt: „einerseits die pollose Urschöpfung und andererseits die polarisierte Antischöpfung“ (S. 107)

Der Mensch kann, so paradox es auch klingen mag, voll von Energien und doch arm an Geist sein. (S. 111)

Menschwerdung

Die wahre Menschwerdung des transformierten, neuen Menschen vollzieht sich in der Verbundenheit zur „pollosen Urschöpfung“. Er lässt sich aus diesem Energiefeld neu erschaffen.

Der transformierte neue Mensch ist dem gewöhnlichen Menschen so wenig ähnlich wie der Affe dem homo sapiens. (S. 64) … Durch den einsetzenden Prozess der Transformation entsteht im Ersatzwesen der „wahre Mensch“ – der Menschensohn -, und er Weg führt, wenn der Sucher Beständigkeit zeigt, an den Behinderungen vorbei in das Land der Lebenden. (S. 134)

Und doch führt der „direkte Weg“ über das Menschsein hinaus, lässt das Menschsein hinter sich.

Der innere Meister

In früheren Zeiten suchter der Schüler, der bereit für den direkten Weg war, einen Meister auf, doch:

Bei der heutigen Verwirrung innerhalb der esoterischen Lehren wird der Schüler auch den Weg zum inneren Meister selbst auf sich nehmen müssen. (S. 132) … Nun erst beginnt der direkte Weg unter der Leitung des inneren Meisters. (S. 184)

Ich bin weit davon entfernt, das Buch angemessen besprochen zu haben. Vielleicht können diese kurzen Lichblicke aus dem Buch eine Ahnung vermitteln, dass es erschütternd ist. Und das sollte Spiritualität ja sein,  uns nicht in Illusionen einschläfern, sondern unseren alltäglichen Selbstbetrug erschüttern.

Mein Fazit: Es braucht viel Mut, sich den Weisheiten dieses Buches zu stellen. Es entreißt auch einem sich noch so spirituell herausgeputzten Ego gnadenlos die Maske. Obwohl der Autor sich so nicht ausdrücken würde. Aus seiner Sicht führt jeder Kampf gegen das „Böse“ oder das „Falsche“ nur in Teufels Küche. Wer im Vibrationsfeld der Ur-Schöpfung steht, der kann das Böse und Falsche widerstandslos in sich hinein lassen, denn es wird dort zu neuer Kraft transformiert. Sobald der innere Meister erwacht ist, ist das Herzzentrum befreit, so dass wir willige Werkzeuge der Schöpfung werden, satt mit unseren Egos der „Antischöpfung“ zu dienen. Das Buch ist sanft und messerscharf zugleich. Aus ihm spricht die Güte wie auch das Schwert. Es ist ein Wegbegleiter auf dem direkten Weg, der ein Rückweg und Ausweg ist.

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Frederic Lionel: Das Vermächtnis des Pythagoras

Ich bin mir bewusst, dass ich hier wieder ein Buch besprechen, das 25 Jahre alt (1990) und längst vergriffen ist. Als ich mich vor einigen Jahren sehr intensiv mit der Zahlenmystik beschäftigt hatte, führte kein Weg an Pythagoras vorbei. Auch mit meiner Nähe zur „archetypischen Astrologie“ ist für mich die Harmonie des Kosmos (wie es auch Keppler vertreten hat) fundamental. Ich kenne kein Buch, das Pythagoras dermaßen tiefsinnig würdigt. Und diesen Bogbeitrag verstehe ich als vor allem als Würdigung dieses wertvollen Buches von Frederic Lionel.

1. Die Zahl und der Rhythmus des Lebens

Da das Leben sich in einer rhythmischen Aufeinanderfolge von Impulsen offenbart, ist die Erkenntnis der Gesetze seines Rhythmus die Erkenntnis der Gesetze des Lebens. Jede Aufeinanderfolge von Impulsen kann als Frequenz in Zahlen ausgedrückt werden, und so führt die von Pythagoras erdachte Zahlenmystik zu einer wesentlichen Bewusstseinserweiterung.
Die Entdeckung der rhythmischen Beziehungen, die im Kosmos, ein griechisches Wort für Ordnung und Harmonie, walten, enthüllen die Geheimnisse der offenbarten Welt. (S. 15)

Der Gesang der Sphären ist eine von Pythagoras geprägte Metapher, die das im Universum pulsierende Leben mit einer unhörbaren Symphonie, die den Menschen mit einbezieht, vergleicht. (S. 20)

Pythagoras verglich die überweltliche Ordnung, ihren Rhythmus und ihre Harmonie mit der erhabenen Liebe, Widerhall des göttlichen Wortes, den der Mensch dank seiner Vernunft als übersinnliche Wirklichkeit erfassen kann. Somit muß die Mysterienwissenschaft der Zahlen, der Figuren und der Sterne als eine Meditation gesehen werden. (S. 21)

Die pharaonische Kultur, das griechische Mysterium, die christliche Offenbarung haben unsere Zivilisation erblühen lassen. (S. 23)

2. Die Notwendigkeitsgesetze

Drei Notwendigkeitsgesetze sind besonders zu beachten. Das Gesetz der Analogie oder der Gleichartigkeit, das Gesetz der Umkehrung, auch Magie der Umkehrung genannt, und das Gesetz der Verschmelzung. … Wenn „n“ die Länge der Saite und „1/n“ die Schwingungsfrequenz des Klanges ist, den sie hervorruft, so bilden Saite und Klang ein Binom, eine Zwei-Einheit. (S. 27)
Der Rhythmus bildet das aktive Bindeglied, welches die Weiterentwicklung beider Aspekte ermöglicht, so zum Beispiel die Melodie. Die Formel (n+1) : n kennzeichnet diesen Vorgang. Selbstverständlich kann man nur Elemente verschmelzen, die eine Beziehung zueinander haben. … Die Harmonie ist stets und auf allen Ebenen der Sinneswelt der Ausdruck einfacher Beziehungen. (S. 28)

Eine von der Natur bevorzugte Beziehung ist der „Goldene Schnitt“, der von Paccioli „göttliche Beziehung“ genannt wurde.
Eines ist gewiss: Zahlen, Oberflächen und Volumen bilden eine Triade, die die geometrische Schöpfung des Universums veranschaulicht. (S. 30)

Die Gesetze der Natur gehorchen nicht äußeren Kräften, sondern inneren. Diese bekunden eine innenwohnende, „immanente“ Ordnung“, welche die transzendentale Ordnung widerspiegelt. (S. 37)

3. Das Sternenpentagon und sein Mysterium

Die Zahlenmystik spiegelt die sichtbaren und unsichtbaren Beziehungen wider, die alles mit allem einen. Sie verbildlicht die transzendentale Wirklichkeit, die dem erwachten Menschen eine Vision der Ewigkeit erschließt. Da er bewußt vitale Krafte leiten kann, vermag der „erwachte“ Mensch auf der von ihm gewählten Ebene harmonisch zu wirken. Allerdings muß er den Rhythmus seiner Seele mit dem Rhythmus der Weltseele in Einklang bringen, denn in einer gigantischen Sistole und Diastole pulsiert ohne Unterlass das kosmische All. (S. 41)

Pythagoras lehrte, daß jede Zahl drei Aspekte versinnbildlicht: dan archetypischen, den symbolischen und den wissenschaftlichen. … Eine Zahl im pythagoräischen Sinne ist keine mathematische Größe und dient nicht dem Zählen. Seien wir bewusst, daß „Eins“ keine Zahl ist. (S. 41 f.)

Die Zahlenmystik ist keineswegs eine Numerologie. In ihrem Sinne ist die Zahl Übermittlerin einer Botschaft. Sie vermag das Erwachen zum Wesentlichen hervorzurufen, weil die Vision der Architektur des Universums überwältigt und das Erwachen fördert. Dementsprechend wurde die archetypische Zahl göttlich genannt, da sie die Wurzel der symbolischen und wissenschaftlichen Zahl war. (S. 45)

Auf der Ebene der Geometrie bezeugt analog das Sternenpentagramm – der fünfzackige Stern – die Bedeutung einfacher Beziehungen. Er soll symbolisch das irdische Spiegelbild der Vollkommenheit des Makrokosmos sein sowie auch seiner Harmonie, seiner Ordnung und deren schöpferische Kraft. In dieser Hinsicht versinnbildlicht das Sternenpentagramm auf der Ebene des Makrokosmos die Gesundheit, also den Einklang der menschlichen Seele und der Weltenseele. (S. 46)

Gott schöpft als Geometer, sagten wir. Somit ist die Geometrie die Wurzel der Philosophie, welche wiederum die Wurzel der Mathematik darstellt. … Die Wurzel ist ein Element der Wandlung … (S. 50 f.)

Ich denke die bisherigen Zitate zu den Kapiteln geben schon einen Hinweis darauf, welche Tiefen dieses Buch erschließt. Ich will es jetzt nicht kapitelweise weiter zitieren, sondern nur noch auf einige besondere Aspekte hinweisen:

Der Autor weist darauf hin, dass Pythagoras „in Ägypten in die Geheimnisse der heiligen Astrologie eingeweiht (wurde). Platon entwickelte sie später.“ (S. 83)

Von Geheimnis umgeben, als Wissenschaft der Wissenschaften angesehen, sollte die heilige Astrologie nicht der Vorhersage der Zukunft dienen, sondern dazu verhelfen, ein lichtes Morgen vorzubereiten, das der transzendentalen Ordnung entspräche, um das göttliche Gesetz jenseits des Anscheins der Phänomene der Welt zu erkennen. (S. 89)

Schon Pythagoras kannte den großen kosmischen Rhythmus über 25.150 Jahre, die er das „große kosmische Jahr“ (S. 90) nannte. Wir kennen es als das „Platonische Jahr“.

Wahrlich überrascht hat mich der Zusammenhang zwischen Pythagoras, Platon, dem mystischen Jesus, den Essener und Gnostikern. Viele spekulieren, dass Jesus in den Zeiten seines „Verschwindens“ vielleicht in Indien gewesen ist, um vom Buddhismus geprägt zu werden. Frederic Lionel weist dagegen darauf hin, dass es auch Gemeinschaften im Geiste Pythagoras und Platons („Mysterienschulen“) gab, in denen Jesus gelernt haben könnte – möglicherweise sogar in Galiläa selbst.

Wenn man aufhört, das Opfer der Duallität zu sein, öffnet man sich dem Licht des Geistes, dem Christus-Licht, das vielleicht vom Stern versinnbildlicht wird, der die drei Könige zur Krippe des göttlichen Kindes leitete. (S. 102)

Das Buch endet mit den „zehn Botschaften der fundamentalen Zahlen“ (S. 115 – 119) – in ihrem Wesen auf die Gleichung zusammengebracht: 1 + 2 + 3 + 4 = 10

Wenn man dem Leben vertraut, ohne eine logische Erklärung des „Warum“ zu suchen, beschreitet man den ganzen Weg, der vom stolzen, egozentrischen Intellekt zur geistigen Reife und somit vom mentalen Zweifel zum übermentalen Verständnis führt. (S. 125)

Fazit: Wer ein wirklich ernsthaftes Interesse an Pythagoras als einen großen Weisheitslehrer der Menschheit hat, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Bücher, die Pythagoras wirklich zu würdigen wissen, sind sehr dünn gesät. Es gibt „Gott sei Dank“ noch einige gebrauchte Exemplare des Buches von Frederic Lionel bei Amazon:

Bestell-Link: Das Vermächtnis des Pythagoras

Ziegler / Gruber: Das Ur-Evangelium

Untertitel: Was Jesus wirklich sagte

Natürlich bin ich kein Bibelgelehrter, und eine buchstabentreue Auslegung der Bibel führt leicht in die dogmatische Starrheit. Doch das Buch hat bei mir etwas ausgelöst, das weit darüber hinaus geht „was Jesus wirklich sagte“. Als ob das Buch mir einen Zugang zum „lebendigen Jesus“ gegeben und mich auf einen Weg geführt hätte, vielleicht genauer: eine neue Station auf meinem Weg.
Wichtiger als das, „was Jesus wirklich sagte“, ist sicher das, wie wir es verstehen. Doch ein rechtes Verstehen der Wahrheit Jesu setzt die „wahren Worte“ voraus. Und hier hat das Buch sicher einen großen Verdienst erworben.

Die Evangelien

Ursprünglich gab es nur EIN Evangelium, nämlich die mündlich überlieferte „Frohe Botschaft“ der Zeitgenossen, insbesondere der Apostel von Jesu. Alle erwarteten das „Reich Gottes“ auf der Erde als irdisches Reich. Dieser „Traum“ zerplatzte nach dem Tod Jesu vermutlich 33 n. Chr. und der Zerstörung Jerusalems (des Tempels) durch die Römer 70 n. Chr. . Mit dieser Zerstörung einer Illusion des nahen Reich Gottes ergab sich auch die Notwendigkeit, die Worte Jesu schriftlich „für die Nachwelt“ zu fixieren. Nach vielleicht 30 Jahren seines Todes gab es ganz natürlich Dutzende, vielleicht Hunderte Variationen der mündlichen NACHERZÄHLUNG. 325 n. Chr. kanonisierte die Kirche vor allem zum Konzil zu Nicäa vier von über 50 Evangelien zum „Neuen Testament“, die Evangelien NACH Markus (etwa 70 entstanden), Mätthäus (etwa 85 entstanden), Lukas (etwa 90 entstanden) und Johannes (80 bis 100 entstanden). Allen diesen Evangelien muss eine Urquelle (genannt Q) zugrunde gelegen haben, die um 50 – 60 entstanden ist, sogar noch VOR der „Zerstörung Jerusalems“.
Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass die 4 Evangelien nicht von den 4 Aposteln selbst verfasst wurden, sondern von unbekannten Schreibern, die sich auf jeweils EINEN Apostel beriefen.
Dann wird viel spekuliert über die sogenannten „apokryphischen Schriften“, also Evangelien wie das wohl älteste Thomas-Evangelium, die von der Amtskirche NICHT ins Neue Testament aufgenommen wurden. Wir brauchen uns damit nicht zu vertiefen, weil sich das Ur-Evangelium in der Neuübersetzung von Herbert Ziegler darauf gar nicht bezieht. Er versucht durch die Neuübersetzung der 4 kanonisierten Evangelien das Ur-Evangelium selbst zu „destillieren“.

Der Übersetzer Herbert Ziegler (1916 – 1998)

Der Zweck dieses Buches ist eine zusammenfassende Übertragung de vier kanonischen Evangelientexte in einem einzigen Text. Das völlig Neue dieser Übersetzung aber ist: Ich führte sie anhand des heutigen Erkenntnisstandes der wissenschaftlichen Forschung nach dem geschichtlichen Wahrheitsgehalt der vier überlieferten griechischen Evangelien durch. Damit lege ich dem Publikum eine Evangelienübersetzung vor, die erstmals den Anspruch erheben darf, die inhaltlich (nicht wortwörtlich) authentische, historisch glaubwürdige und „glaubenswürdige“ Übersetzung der Evangelien Jesu zu sein. (S. 114)

Sein Resümee:

Die Geschichte unserer Welt,  trotz aller Rätsel und Dunkelheiten, ist eine gigantische LIebesgeschichte zwischen Gott und uns Menschen. (S. 14)

Der „Kommentator“ Elmar R. Gruber

Elmar R. Gruber, der Autor mehrerer Bücher über Jesus wie „Das Jesus-Komplott“, „Der Ur-Jesus“ und „Jesus starb nicht am Kreuz“, führt in die kritische Bibelwissenschaften ein, referiert die Ergebnisse des „Jesus-Seminars“ in Amerika und lässt „den wahren Jesus“ aus der neuen Interpretation wieder in Erscheinung treten.

Das Ur-Evangelium hat gezeigt, daß trotz der Aussichtslosigkeit der Aufgabe, den historischen Jesus und seine wahre Lehre aus dem Dunkel der Geschichte heben zu können, genau dies geglückt ist. (S. 108)

Das Buch reklamiert für sich, erstmals die authentischen Worte Jesu – von allem theologischen Ballast befreit – zu präsentieren, so kann ich mir nicht anmaßen, dies beurteilen zu können. Ich kann nur wahrnehmen, was das Buch mit mehr gemacht hat. Es hat etwas von ESSENZ, die mich berührt hat. Worte von Jesus, ich ich Hunderte Mal schon gehört habe,  sind in dieser Reinheit und Dichte eine ganz andere Kraft. Ich vergleiche dieses „Ur-Evangelium“ gerne mit den 81 Versen des LaoTse. Wenige Worte sind so voller Weisheit, dass sie einen das ganze Leben begleiten können.

Statt zu einem neuen Bestseller zu werden, ist das Buch leider vergriffen.

Hier der Link zu gebrauchten Angeboten bei AMAZON: Das Ur-Evangelium. Was Jesus wirklich sagte.

Heinz Klein: Die Magie vom Wenigerwerden

Untertitel: Die Transformation zum wahren Menschen

Ich habe das Buch in der Zeit einer spirituellen Krise gelesen, weil ich nicht mehr wusste, was oben und was unten war, ob ich mich nicht einer grandiosen Selbsttäuschung über meine spirituelle Reife hingegeben hatte. Ich lebte faktisch schon dieses „Wenigerwerden“, alles loslassen, was nicht mehr wesentlich ist.  Doch es war mehr ein Genommenwerden, als dass ich diesen Weg freiwillig gegangen wäre. Ich wollte wissen,  ob ich in meinem Leben komplett versagt hatte oder mich gerade in einem „Transformationsprozess zum wahren Menschen“ befinde.

Das Buch steht unter dem Motto von LaoTse:

Lernen und studieren bedeutet täglich größer werden.
Dem Tao folgen bedeutet täglich weniger werden. (S. 7)

Der Autor Heinz Klein ist ein ausgewiesener Kenner des Taoismus und hat das Tao Teking von Laotse neu ins Deutsche übersetzt.

Es macht wenig Sinn, für das Buch zu werben. Wenn du reif für es bist, wird es dich finden. Hier nur ein paar Kostproben aus dem Buch:

Perlen der Mystik

Der Rückweg in das Vibrationsfeld der Urschöpfung wird in der christlichen Esoterik als Kreuzweg bezeichnet oder auch das Endura genannt. Auf diesem Weg wird das horizontale Naturbewusstsein getroffen vom vertikalen Bewußtseinsstrahl kosmischer Natur. … Er Mensch wird so quasi zum Tun gezwungen. (S. 23)

Wer nicht durch das eigene Tun zur Erkenntnis seiner selbst gelangt, sondern sich Eingebungen anderer Wesen hingibt, gelangt nicht zur wahnlosen Wirklichkeit, sondern wird ein Opfer von Wahnwelten. Daher rät jeder geistige Lehrer seinen Schülern davon ab, Anweisungen und Ratschläge bei Geistern der Astralwelt zu suchen. (S. 24)

Östliche Methoden kommen hier im Westen in die falschen Hände und verführen viele suchende Menschen zu einer voreiligen Passivität, zu einem falsch verstandenen Nichts-Tun, und so blockieren sie den notwendigen Prozeß der Selbsterkenntnis. (S. 25)

Um der göttlichen Schwingung begegnen zu können, müssen wir den ehemals göttlichen Mikrokosmos in uns wieder zum Leben erwecken oder mit den Worten der Bibel ausgedrückt, wir müssen wieder geboren werden aus dem Wasser und dem Geist. (S. 38)

Die uns überlieferten Worte Jesu am Kreuz werden uns dann in neuem Licht erscheinen. Die Worte: „Es ist vollbracht“ sind dann nicht mehr Ausdruck einer Todesagonie, sondern ein Freudenschrei über das vollbrachte Werk. Der zweifache Paradiesesfluch wird wieder aufgehoben, und mit dem Erstrahlen der unsterblichen Geistseele kann in uns das Männliche und das Weibliche seine lebensspendende Hochzeit feiern. (S. 42)

Von Natur her, von unserer Inkarnation her, handeln wir in Bezug auf Spiritualität und das Reich vorwiegend aus einem der drei Felder. Wir fühlen uns mehr als Gnostiker und sind auf der Suche nach den Gesetzen des Kosmos, oder wir fühlen uns mehr als Prister, als Vermittler zwischen Himmel und Erde, oder aber wir gehören zu den Lebensbehütern, den ritterlichen Menschen. Erst durch das harmonische Zusammenwirken der drei Aspekte – Haupt, Herz und Becken – kann sich sowohl im einzelnen Menschen als auch auf der Ebene der Menschheit der vollkommene Christos offenbaren. (S. 59)

In der allgemeinen Begriffsverwirung, die in unserer Zeit herrscht, werden die jenseitigen Welten irrtümlich oft für die „höheren Welten“ angesehen. Die Tatsache allein, dass alle Toten in diese feinstofflichen Welten eingehen, sollten uns davor hüten, dort „höhere Welten“ zu vermuten. (S. 94) In allen ernsthaften Schulen zur geistigen Entwicklung wird der Kenntnis über das Jenseits und den Mitteilungen aus dem Jenseits so gut wie keinerlei Bedeutung beigemessen. (S. 100)

„Spiritualität“ … bedeutet eine Lebensgestaltung, die vorwiegend von geistigen Gesetzen bestimmt wird. (S. 105)

Ein spiritueller Sucher, der den Schritt zur vegetarischen Lebensweise nicht auf sich nehmen kann, bleibt trotz größter Anstrengungen in seinen Gedankenspekulationen gefangen, ohne je das Erwachen auf einer anderen Seinsebene zu erleben. (S. 107)

Spiritualität bedeutet folglich nicht Suche nach höheren Energien, sondern eine langsame Rückführung des Mikrokosmos Mensch in die siebenfältige Strahlung des Makrokosmos, so daß der ursprüngliche Mensch, der Adamas, wieder im achten Feld erwachen konnte. (S. 108)

Vor allem sollte man wissen, wo der Weg beginnt und an welchen Stationen man vorbei kommt. Denn es hat schon seine Bedeutung, wenn im Dreierprinzip des Kosmos – Weg, Wahrheit, Leben – der Aspekt Weg zuerst genannt ist. Ohne Weg kommen wir nicht zur Wahrheit und zum Leben. (S. 120)

Der Organ-Mensch ist der Menschentyp, der uns überall begegnet. In einigen Schulen, so z.B. bei Gurdjieff, bezeichnet man diesen Menschen als den „Tier-Menschen“, weil er noch weit entfernt vom Menschen, vom wahren Menschen ist. …
In allen Kulturen umspannte der denkende Mensch alles, was im Himmel und auf Erden ist. Dieses Denken ist allerdings nur möglich, wann die drei oberen Chakras in Blüte stehen. So kann der wahre Mensch nur in einem Chakra-Menschen geboren werden. … Der Chakra-Mensch ist noch nicht der wahre Mensch, aber aus ihm kann der wahre Mensch hervor gehen. (S. 128 f.)

Wir erleben gesetzmäßig den Durchbruch von der sieben zur acht, von der zwölf zur dreizehn, wenn wir bereit sind, uns selbst aufzugeben. (S. 136)

Einige geistige Schulen gehen sogar so weit, daß jeder Schüler, der in irgendeiner Form von sozialen Unterstützung des Staates abhängig ist, nicht aufgenommen wird. (S. 150)

Unser Weg zurück beginnt ein Weg zu sein, wenn sich die beiden verschiedenen polarisierten Wesen nicht mehr um die Vorherrschaft streiten. Denn im Kampf zwischen Mann und Frau um die Vorherrschaft über den anderen verfestigt sich die Polarisierung, die eigentlich überwunden werden soll. … Im gegenseitigen Dienen werden beide befreit vom egoistischen Haben- und Seinwollen. Indem so jeder für sich zurücktritt, kann der latente gegensätzliche Teil wieder regenerieren. (S. 162 f.)

Die Wege zu Meisterschaften im Hellsehen, Heilen von Krankeiten oder Astralreisen sind die vielen indirekten Wege, die sich dann als Umwege oder sogar als Irrwege erweisen. (S. 180)

Wenn wir unseren religiösen Autoritäten folgen, dann werden wir schon früh auf das fundamentale Dreieck von Glaube, Hoffnung und Liebe aufmerksam gemacht. Wir machen dann die paulinische Fehl- oder Uminterpretation des echten Christuswortes von Weg, Wahrheit und Leben zu unserer Basis und wundern uns vielleicht, daß wir der Wahrheit und dem Leben nicht begegnen. Wenn der Glaube den Weg ersetzt, dann wird allen spekulativen Glaubenssätzen Tür und Tor geöffnet. … Schüler jedoch, die Jahrhunderte später leben, kommen durch Paulus nicht mehr auf den direkten Weg zum Reich, sondern in das Gebäude der Theologie. (S. 183)

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept. Was wir brauchen, ist das Schwert der Erkenntnis, um mit wachsenden Unterscheidungsvermögen für unseren Fall den Irrweg vom Weh zu trennen. (S. 184)

Mein Fazit: Das Buch ist nicht leicht zu lesen und eine Heausforderung. Es braucht viel Mut, lieb gewonnene spirituelle Selbstgefälligkeit in Frage stellen zu lassen. Das Buch ist etwas für Menschen, die die „absolute WAHHEIT“ das ewige TAO suchen – zu dem Preis, eine Demaskierung, eine Erschütterung  nach der anderen über sich ergehen zu lassen. „Ein Erwachen zu einem bewussten Leben erfordert viel Kraft; daher schaffen die meisten diesen Akt der Befreiung nicht, und sie folgenden den vorgegebenen Spuren. Das Buch erinnert mich sehr an Krishnamurti: keine Gurus mehr, nur noch den direkten Weg!

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>> Zum Autor Heinz Klein
und zu anderen hier besprochenen Büchern des Autors.

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