John Welwood: Vollkommene Liebe

Ute Wulfert zu ihrem heutigen Geburtstag gewidmet.

Ich beginne meine Besprechung mit dem Motto des Buches selbst:

Spring auf deine Füße, schwinge deine
Fäuste, drohe dem ganzen Universum und
warne es, dass dein Herz nicht länger
ohne wahre liebe Leben kann!
HAFIZ

Welwoods Buch ist kein Ratgeber mit ein paar Liebes-Tipps und Tricks – er spricht nicht den Kopf an, er spricht unsere tiefste Sehnsucht nach wahrer und vollkommener Liebe an – und zeigt uns, wie wir diese Liebe erfahren können – unabhängig von einem anderen Menschen. Wer sich auf dieses Buch einlässt, der bereitet sich darauf vor, seine tiefste Herzens-Wunde zu heilen, das tiefen Misstrauen der Liebe gegenüber, „unsere verwundete Beziehung zur Liebe selbst“ (S. 12)

Die verfahrendsten Probleme in menschlichen Beziehungen können auf das zurück geführt werden, was ich die Stimmung von mangelnder Liebe nenne, auf einen tief sitzenden Verdacht, den wir alle in unserem Inneren hegen, dass wir nicht einfach nur dafür, dass wir der sind, der wir sind, geliebt werden könnten oder als solcher nicht wirklich liebenswert seinen. Diese Grundunsicherheit macht es uns schwer, Vertrauen in uns selbst, in andere Menschen oder das Leben selbst zu haben.

Die Tatsache, dass wir nicht durch und durch wissen, dass wir wirklich geliebt werden oder liebenswert sind, untergräbt unsere Fähigkeit, Liebe frei zu geben und zu nehmen. Das ist die Kernwunde, welche zwischenmenschliche Konflikte und eine ganze Reihe bekannter Beziehungsprobleme verursacht.
Nicht vertrauen zu können, die Furcht zu haben, missbraucht oder abgelehnt zu werden, Eifersucht oder Rachsucht zu hegen, defensiv zu mauern, streiten zu müssen, um zu beweisen, dass man Recht hat, sich leicht verletzt oder beleidigt zu fühlen und anderen die Schuld an unserem Schmerz zuzuweisen – das sind nur einige der Weisen, auf die sich unsere Unsicherheit, ob wir geliebt werden oder liebenswert sind, zeigen. (S. 12 f.)

Ich würde Liebe ganz einfach definieren, nämlich als eine kraftvolle Mischung von Offenheit und Wärme, die uns erlaubt, echten Kontakt herzustellen, Freude und Wertschätzung
zu empfinden und in Harmonie zu sein – und zwar mit uns selbst, mit anderen und mit dem Leben an sich. (S. 15)

Das Buch findet überall sehr schöne, berührende Worte – es ist sanft, zärtlich und weise wie die Liebe selbst. Es ist überaus dicht an weisen Sätzen, sehr mitfühlend.
Es ist entstanden nach dem 11. September, als der Autor in sich selbst ein sehr liebloses Gefühl auftauchen sah – und das in ihm immer noch tief sitzende Gefühl der Trennung und des Grolls anschauen ließ. Er weist auch auf das Mitgefühl Dalai Lamas hin – angesichts der Qualen des tibetischen Volkes.
Also: Das Buch ist – unter der Sanftweit und Weisheit der Worte – ein sehr politisches Buch – weit mehr als manch ein politisches Manifest: Wir müssen ALLE unsere Wunden heilen.

Es ist wahr, dass wir ein Recht auf vollkommene Liebe haben. Das ist unser Recht von Geburt an. Das Problem ist aber, dass wir sie an den falschen Orten suchen – außerhalb von uns selbst, in unseren unvollkommenen Beziehungen mit unvollkommenen Menschen, die ebenso verwundet sind wie wir selbst. (S. 26)

1. Vollkommene Liebe, unvollkommene Beziehungen

Vollkommene Liebe ist immer da – wie die Sonne am Himmel, die alles nährt. Meistens leben wir aber unter einer dicken Wolkenschicht, die uns von der Sonne abgeschnitten fühlen und uns frieren lässt. Diese Sonne nennt der Autor die „absolute Liebe“.

Absolute Liebe ist die Liebe des Seins. (S. 43)

Das Licht bedingungsloser Liebe weckt die schlafenden, als Samen vorhandenen Potentiale der Seele, hilft ihnen zu reifen, zu erblühen und Früchte zu tragen, und lässt uns die einzigartigen Gaben hervorbringen, die wir als unsere ureigensten in diesem Leben anbieten können. (S. 42)

Neben der absoluten Liebe der Sonne und des Seins gibt es auch die relative Liebe zwischen Menschen, deren Herzkanal gewöhnlich zugeschüttet ist.

Das ist dann relative Liebe: Das Sonnenlicht der absoluten Liebe, das durch die Wolken unserer konditionierten Persönlichkeit und ihrer Verteidigungsmuster gefiltert wird – Angst, Misstrauen, defensives Reagieren, Unehrlichkeit, Aggression und verzerrte Wahrnehmung. Wie ein teilweise bewölkter Himmel ist die relative Liebe unvollständig, unbeständig und unvollkommen. Sie ist ein ständiges Spiel von Licht und Schatten. Das ganze Strahlen der absoluten Liebe kann nur in flüchtigen Momenten durchblitzen. (S. 45)

Wenn uns dann in Beziehungen nicht die ideale Form der Liebe, von der wir träumen, geboten wird, denken wir, dass etwas total schief gelaufen sei. Und diese enttäuschte Hoffnung reißt die Wunden des Herzens immer wieder auf und ruft Groll gegen andere hervor. (S. 46)

Diese unsere Sehnsucht nach der vollkommenen Liebe ist völlig berechtigt.

Wir bekommen jedoch unvermeidlich Probleme, wenn wir diese Sehnsucht auf eine andere Person richten. Das ist der Grund, weshalb es wichtig ist, zwischen absoluter und relativer Liebe zu unterscheiden – damit wir nicht herumlaufen und vollkommene Liebe in unvollkommenen Situationen suchen.
(S. 53)

2. Die Stimmung des Grolls

Diese unvermeidliche Enttäuschung, in unvollkommenen Situation die Sehnsucht nach der absoluten Liebe erfüllt zu bekommen, lässt uns bald grundsätzlich misstrauisch gegenüber der Liebe werden und staut einen immer größer werdenden selbstzerstörerischen Groll an.

Groll ist das fehlende Glied zwischen Liebe und Krieg: Aufgrund der Wiederbelebung alten Grolls schlägt Frieden um in Krieg und führen Flitterwochen zu Scheidungen. … Den meisten von uns ist nicht bewusst, wie sehr sie in Groll verstrickt sind und wie sehr dieser ihr Leben steuert. (S. 70)

All das beleuchtet, warum es oft so schwer ist, uns zu erlauben, Liebe zu empfangen, selbst dann, wenn sie erhältlich ist. Liebe in uns einzulassen verlangt, dass wir weich werden müssen – dass wir unsere verhärteten Abwehrmechanismen auflösen und unsere Deckung aufgeben. Liebe zu empfangen ist bedrohlicher, als Liebe zu geben, weil Empfänglichkeit Offenheit verlangt, wodurch man sich verletzlich fühlt.
(S. 82)

In dem Ausmaß, in dem wir der Stimmung des Grolls nachgeben, ist jeder von uns an den Konflikten beteiligt, die unseren Planeten beherrschen.
(S. 83)

3. Den Groll loslassen

Die Medizin ist im Gift zu finden. Wenn Groll einem Gift gleicht, weist diese Belehrung darauf hin, dass das Heilmittel im Groll selbst liegt. (S. 85)

Im Kern allen Grolls liegen tiefer Schmerz und Trauer über den Verlust an Verbundenheit. Weil wir über diese Verletzungen nie ganz und bewusst getrauert haben, verhärtet sie sich in unserem Körper und unserem Geist. Worüber wir nicht trauern, das verwandelt sich in Groll. (S. 86)

Mit dieser Erkenntnis können wir Groll in Trauer auflösen – und Trauer als Gefühl für den Verlust der Verbundenheit in uns selbst verstehen und fühlen lernen.

Wir haben in jedem Moment die Wahl, entweder Dankbarkeit zu empfinden für das, was uns gegeben wurde, oder Groll zu hegen in Bezug auf das, was fehlt. Groll und Dankbarkeit sind entgegengesetzte Pole. (S. 105)

4. Vom Selbsthass zur Selbstliebe

Der schlimmste Groll ist jedoch der auf sich selbst. Er zeigt sich in Selbstvorwürfen, Scham, dem Gefühl, nicht gut genug zu sein, bis hin zum Selbsthass: „In unserer Kultur ist Selbsthass epidemisch.“ (S. 108)

Die Menschheit ist als Ganzes immer noch ein Kind, das der Heilung bedarf und des Wissens, dass es von seinem ureigensten Wesen her schön ist. In traditionellen Kulturen halfen die Kunst, die Mythologie, die Religion und die Rituale den Menschen dabei, sich an ihren göttlichen Wesenskern zu erinnern. Aber heutzutage, wo es an Tradition fehlt, muss jeder von uns zum Wohle der Menschheit selbständig sein Herz heilen und zu seiner inneren Schönheit erwachen. (S. 115)

In den Momenten, in denen man die eignen Gefühle zulässt und sich ihnen öffnet, ist man da – ist man für sich selbst da. Man sagt ja zu sich selbst, so wie man ist, so wie man sich im Moment fühlt. Dies ist ein tiefer Akt der Selbstliebe. (S. 118)

Das ist die Definition von Selbstliebe, die ich vorschlage: Sich selbst das Wesen sein zu lassen, das man ist. (S. 121)

… In dem Buch geht es viel um LASSEN … Und erst, wenn wie SELSBT niemand anderes sein wollen, als wir sind, geschieht das Wunder: die eigenen Gaben wertzuschätzen.

Ein weiteres Stadium im Wachstumsprozess der Eigenliebe ist die Fähigkeit, das Einzigartige wertzuschätzen, das man zu bieten hat. Jeder von uns kann einen speziellen Beitrag zu dieser Welt leisten, besonders wenn wir als das Wesen hervortreten, das wir sind. (S. 128)

Solange ich nicht wertschätzen kann, was ich zu bieten habe, setze ich dem, was durch mich kommen möchte, Barrieren entgegen. (S. 129)

Folgender Satz zeigt die ganze Tiefe und Schönheit, die das Buch zu bieten hat:

… die einzigartige Gabe, die Sie zu bieten haben, ist die lebendige Qualität Ihrer eigenen Präsenz, der unbeschreibliche Funke, der SIE zu Ihnen selbst macht. Jede Seele hat ihren eigenen, facettenreichen, diamantenen Charakter, ihre eigene SOHEIT. Obwohl niemand dieses „besondere Etwas“ genau festmachen kann, ist es das, was die Menschen lieben, wenn sie Sie leben. Soheit bedeutet genau so. (S. 130)

5. Heiliges Verlangen

Wenn wir zu uns selbst ja sagen, uns selbst sein lassen, wie wir sind, unser Herz für uns selbst öffnen – all das entzündet den inneren Funken der Selbstliebe und heilt unsere Herzenswunde. (S. 131)

Der Autor setzt sich in diesem Kapitel mit einem großen Missverständnis auseinander. Es ist ein sehr erlösendes Kapitel, warnte doch Buddha (und in anderen Worten alle großen Religionsgründer) davor: „Die Ursache des Leidens ist Verlangen.“

Ich brauchte Jahre, um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen und um zu verstehen, wie Verlangen sowohl die Quelle endlosen Leidens als auch großer Glückseligkeit sein kann. Der Schlüssel bestand in der Erkenntnis, dass Verlangen eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Formen annehmen kann … (S. 138)

Niederes Verlangen schafft Leiden im Falle von Anhaftung. Doch es gibt ein ganzes „Spektrum des Verlangens“ (S. 136 ff.), von Begierde, gewöhnliches Besitzenwollen, Bedürftigkeit, unterschiedlichen Arten von Leidenschaften.

Verlangen ist in gleicher Weise vollkommen rein wie Feuer: Es ist einfach nur lodernde Energie, nichts von sich aus Schädliches. Es nimmt nur dann eine destruktive Form an, wenn wir falsch damit umgehen. Wenn wir das tiefere, in dieser strahlenden Hitze enthaltene Verlangen aufdecken können, kann das zu einem inneren Schmelzvorgang führen, der uns fähig macht, die Liebe ganz in uns hinein zu lassen. (S. 139)

Welwoods Buch ist kein Paarbuch. Ihm geht es vor allem um Selbstliebe, empfänglich für die allgegenwärtige Liebe zu werden. Doch hier an dieser Stelle, dem „heiligen Verlangen“ kommt auch das DU ins Spiel – das HEILIGE DU.

Natürlich müssen wir aufpassen, dass wir in das „relative Du“ nicht das Heilige Du hineinprojizieren, dieses andere Wesen mit unserer heiligen Sehnsucht nach vollkommener Liebe vollkommen zu überfordern.

Denn nur zu Gott oder der geheimnisvollen Quelle allen Seins können wir wirklich singen: „Du bist alles und alles bist du.“ Nur von der absoluten Liebe können wir zu Recht sagen: „Du bist mein Sonnenschein, mein einziger Sonnenschein“ und „Ich kann nicht ohne dich leben“. Unsere Sehnsucht nach der Quelle der Liebe ist so natürlich wie der Durst des Rehs nach Wasser.
(S. 142)

UND DOCH:

Leidenschaft und Sehnsucht sind dann meine Reaktionen auf das heilige Du – das die Form des geliebten Menschen, eines Berges in der Abenddämmerung oder der Mondscheinsonate annehmen kann -, eine Reaktion auf das Du, das mir erlaubt, in das Mysterium des eigenen Wesens einzutauchen. (S. 142)

Dann ERKENNE ich das Heilige DU im anderen, dann sieht der andere das Heilige Du in mir: der tiefe Sinn von „Grüß Gott“ (Ich grüße das Göttliche in dir) und NAMASTE.

Heilige Sehnsucht ist das geheime Gefäß, das die Liebe einlädt, in uns einzutreten. … Wenn Sie zum geheimen Gefäß werden, ist es nicht mehr nur so, dass Sie Liebe wollen. Vielmehr stellen Sie fest, dass die Liebe Sie will. (S. 149)

6. Die Liebe, die Sie frei macht

Es gibt keine Getrenntheit.
Zu wissen, dass Sie geliebt sind, bedeutet dann zu wissen, dass Sie Lebe sind. Wenn Sie Ihr Abwehrverhalten ablegen und der Liebe erlauben, sich in sie zu ergießen, werden Sie eins mit der Liebe, wie eine Eisscholle, die zu dem Fluss wird, in den sie schmilzt. So wie das Eis in Wirklichkeit immer eins mit dem Fluss war, hat das Gefrieren des Herzens nur eine vorübergehende Trennung von Ihrer Natur als Liebe erzeugt.
Dass wir in die Liebe schmelzen, ist das, was die Seele immer gewollt hat. Die Erleichterung, die das bringt, geht viel tiefer, als nur über den Schmerz der Kindheit hinaus zu wachsen. Sie heilt die universelle spirituelle Wunde der Getrenntheit von der Liebe. (S. 160)

Brauchen wir dann überhaupt noch einen anderen, um zu lieben? Achtung, das könnte auch wieder eine Falle der Trennung sein. Die SEELE ist im Absoluten wie im Relativen zu Hause, sie ist absolute wie auch relative Liebe. Es gibt das eine nicht ohne das andere. Wir erfahren das Absolute im Relativen – das Relative als Erscheinung des Absoluten. Es gibt kein „heiliges DU“ ohne das DU des anderen. BEIDES zu lieben und sich bewusst zu sein – es ist dasselbe und doch etwas anderes – dieses Paradox leben zu können, ist die Auflösung des Lebensdramas. (Das sind jetzt allerdings meine Worte.)

Zwischenmenschliche Beziehungen bieten uns den ultimativen Prüfstein dafür, wie geheilt oder ganz oder spirituell reif wir wirklich sind. (S. 136)

Ich schwärme so für das Buch, dass ich meine Besprechung unzensiert und weiträumig habe fließen lassen. Danke für die Aufmerksamkeit.

So wie am Anfang ein Motto stand,
so möge auch am Ende eines des Autoren stehen (S. 172):

Wenn die Liebe oder die Leidenschaft
ungehindert fließt, erlebt man sie
als Glückseligkeit.
Und wenn wir zur Glückseligkeit
in unseren Adern erwachen,
fließt sie als strahlende Liebe
aus uns heraus.
JOHN WELWOOD

Mein Fazit: Es gibt eine schmerzliche Kluft zwischen reiner Liebe in unserem Herzen und den schwierigen Beziehungen, in denen wir leben. Diese Kluft stellt ein Rätsel dar, das einen verrückt macht und das jeder von uns „lösen muss, oder er wird in Stücke zerrissen“ (D.H. Lawrence, S. 10 des Buches).
Das Buch ist überaus hilfreich, dieses Lebensdrama zu lösen.

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Matthew Fox: Die verborgene Spiritualität des Mannes

Ich schätze, dass ich mich in der deutschsprachigen Männerliteratur ganz gut auskenne (angefangen bei Volker Elis Pilgrim, viel Sam Keen). Und deswegen erlaube ich mir das Urteil, dass das Buch von Matthew Fox das ist, das am tiefsten geht: Nachdem die Frauen in den letzten 20 Jahren in ihrer weiblichen Spiritualität uns Männer um „Lichtjahre“ abgehängt haben, präsentiert uns Matthew Fox jetzt den HEILIGEN MANN! Mit diesem Buch kommen wir endlich wieder wieder in Augenhöhe mit der Göttlichen Weiblichkeit.

Matthew Fox gehört schon lange zu meinen Lieblingsautoren. Mich haben vor allem seine „Schöpfgungsspiritualität“ (Kreuz 1993) und „Revolution der Arbeit“ (Kösel 1996). Jüngst fasziniert mich sein mit Rupert Sheldrake herausgegebenes Buch „Die Seele ist ein Feld“.
Und jetzt dieses spirituelle Männerbuch!

Viele Autoren versuchen dem „neuen Mann“ über männliche Archetypen zu Leibe zu rücken. So auch Matthew Fox. Die Besprechung von 10 männlichen Archetypen machen den I. Teil des Buches aus:

  1. Vater Himmel – der Kosmos lebt! (der kosmische Alchemist)
  2. Der Grüne Mann (der Schamane)
  3. Ikarus und Dädalus (die Tragik gestörter Vater-Sohn-Kommunikation)
  4. Jäger und Sammler (der Ernährer der Gemeinschaft)
  5. Spirituelle Krieger (die keine Soldaten sind, sondern machtvolle Mitschöpfer)
  6. Männliche Sexualität, Göttliche Sexualität (der Liebende)
  7. Unsere kosmischen und tierischen Körper (der Tempelpriester)
  8. Der Blaue Mann (der meditierende Mystiker, Künstler und Prophet)
  9. Erdvater: Das väterliche Herz (der präsente und liebevolle Vater)
  10. Großvater Himmel: Das großväterliche Herz (der mit allem „versöhnte“ Weise)

Das Buch ist an Weisheiten dermaßen dicht, dass es sich fast verbietet, daraus zu zitieren. Man kann dabei gar nicht anders, als Worte aus dem Zusammenhang zu reißen. Das ganze Buch ist EIN Zusammenhang. Es ist nicht leicht zu lesen, keine leicht verdauliche Kost. Es hat weder den Charakter eines „Manifestes“ noch den eines Ratgebers. Es lädt uns Männer auf eine Heldenreise in BEWUSSTHEIT und SEELENGRÖSSE ein, auch durch die „dunkle Nacht der Seele“ gegen männlich-gewaltsame Aggression, Beschämung und Scham zu unserer Heiligkeit zu erwachen.

„Es ist an der Zeit, dass Männer spirituell erwachsen werden.“ (S. 15) Es ist gut, wenn wir unsere Frauen „vergöttern“. Doch es ist für eine spirituelle Partnerschaft ebenso wichtig, in unsere Größe als Heilige zu kommen, das den WAHREN MANN ausmacht.

Die Vermählung des Männlichen und Weiblichen, die „Heilige Hochzeit“, ist Thema des II. Teils des Buches. Vielleicht haben wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit die Chance ohne Überbetonung des einen (Matriarchat) oder des anderen (Patriarchat) eine absolut gleichberechtigte Kooperation des Weiblichen und Männlichen herbei zu führen, um eine wahrhaft MENSCHLICHE Gesellschaft aufzubauen.

Für viele Männer ist ihre männliche Spiritualität etwas „Verborgenes“; sie bleibt ungesehen und unerkannt. Doch wenn wir die männliche Spiritualität auf angemessene Weise ehren und anerkennen, verlieren wir jede Furcht vor dem Weiblichen und können hoffentlich alle spirituellen, sozialen, persönlichen Merkmale (frei von Vorurteilen den Geschlechtern gegenüber) in Form eines gesunden Gleichgewichts in uns vereinigen.
Natürlich vollzieht sich dieser Prozess in jedem von uns anders, was unsere wunderbare Vielfalt zu erklären hilft. Aber wenn diese Hochzeit nicht auf irgendeine Weise stattfindet, geraten wir entweder als Individuen oder als Gemeinschaften in Schwierigkeiten, Tatsächlich steckt unsere ganze Spezies in der Klemme, wenn wir diese heiligen Hochzeiten nicht feiern.
(S. 266)

Die Heilige Hochzeit ist die von „Vater Himmel und Mutter Erde“, von „Grünem Mann“ und der „Schwarzen Modanna“, von Yin und Yang als Hochzeit des Gleichgewichts und der Harmonie.
Matthew Fox weist in diesem zweiten Teil darauf hin, dass das kommende Zeitalter auch andere Hochzeiten von scheinbar Widersprüchlichem feinern wird und als „das ultimative heilige Ehebündnis: Geist und Seele“ (S. 319 f)

Ich kann für dieses Buch nur dadurch werben, dass ich jetzt zwei längere Zitate aus der „Schlussfolgerung“ (S. 321 – 341) zitiere, um dem Leser, der Leserin eine Möglichkeit zu geben, mit der Quintessenz des Buches in Resonanz zu kommen:

Was ist ein echter Mann?

Echte Männer befassen sich mit ihrer eigenen verwundeten Männlichkeit, mit den männlichen Themen der Scham und der Aggression. Sie verinnerlichen die in diesem Buch genannten Archetypen und fragen: Wie läuft es bei mir? Welcher dieser Archetypen spricht mich am meisten an? Wo bin ich am stärksten? Wo mangelt es mir noch am meisten? Die große Heilung besteht darin, wieder dazuzugehören. Auf diese Weise wird die Scham in die Flucht geschlagen und mit ihr auch ein großer Teil des Zorns und der Frustration: wieder zum Universum zu gehören (Vater Himmel); zur Erde und ihren vielen Geschöpfen (der Gründe Mann); zur Gemeinschaft (Jäger und Sammler); zu einem Stamm mutiger Menschen, die die Erde sowie Frauen und Kinder beschützen (spiritueller Krieger); aktiv zuhören und kommunizierend zu den eigenen Söhnen und Töchtern (Ikarus und Dädalus); zu unserer eigenen göttlichen und freudvollen Sexualität (der Liebende); zu unserem heiligen und wunderbaren Körper (der Tempel); zu unserer Fähigkeit zu erweitertem Bewusstsein (der Blaue Mann); zu unserem väterlichen Selbst (Erdvater) und zu unseren Ältesten und zum großväterlichen Selbst (Großvater Himmel). All das lässt die Entwicklung von Männern und der Männlichkeit Realität werden. Dadurch werden Scham, Zorn und fehlgeleitete Aggression in die Flucht geschlagen, was zu einem inneren Frieden führt, der auch auf unsere Institutionen, unsere Politik und unsere Religion projiziert wird. (S. 339)

Was ist ein Heiliger?

Männer müssen das Mitgefühl in ihr Herz, in ihrer Arbeit, in Beziehungen, in das Bürgerrecht, in Politik, Wirtschaft, in die Geschäftswelt und in die Religion hineinbringen. Wenn wir das tun, werden wir schließlich die Essenz der Lehren des Buddhas, Jesu, Mohammeds und anderer leben. Jene, die sich diese Lehren zu Herzen genommen und im täglichen Leben umgesetzt haben, bezeichnen wir als „Heilige“. Sie sind viel zu selten. „Heiliger“ ist der wahre Name für „Held“ wie in dem Wort „Heldenreise“. Ein Heiliger ist ein Mensch, der sein volles Selbst lebt. Dabei ist er uns gar nicht so fern; die Reise des Heiligen hat ihre Höhen und Tiefen, und auch er ist nicht vollkommen unschuldig oder von Zorn, Scham, Aggressionen oder „Sünde“ unberührt. Er ist jemand, der sein Herz vollständig in jener Reise einbringt, die wir das „Leben“ nennen und den nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere lebt. Ein heiliger hat Großherzigkeit und Seelengröße geschmeckt und verbreitet diese. Ein Heiliger bringt seine Seele selbst inmitten von Leid und Enttäuschung zum Wachsen. Er schwingt sich hoch auf und weiß, dass die Begeisterung des Höhenflugs dennoch in der Gemeinschaft und dem Irischen verwurzelt bleiben muss. Ein Heiliger ringt mit allen in diesem Buch erwähnten Archetypen und vergisst dabei keinen einzigen von ihnen. Wie einst Jakob ringt auch eher mit den Engeln, um verwundet zu erwachen, aber zugleich auch Besuch vom Einen Heiligen und unseren Ahnen zu erhalten – jenen heiligen Ringern, die diesen Kampf vor uns geführt haben. Ein Heiliger gibt sich nicht mit Geringfügigkeit oder einer kleinen Seele zufrieden, sondern engagiert sich für die Erweiterung des Universums, der wahren Energie von Vater Himmel, um seinem sich erweiternden Herzen und seiner wachsenden Seele gerecht zu werden.

Die Heilige Männlichkeit hat sich erhoben und ist jetzt zur Rückkehr bereit. Vieles in unserem Leben und in unserer Kultur – einschließlich der Katastrophen, die uns täglich ins Gesicht starren – weist darauf hin, dass wir uns an einem Scheitel- oder Wendepunkt befinden. Sind wir bereit dafür, können wir die verzerrte Männlichkeit loslassen, um die Heilige Männlichkeit einzuladen? Die Zeit ist nicht auf unserer Seite. Aber unsere Ahnen sind es. Sie und die Schöpfung selbst feuern uns dazu an, die richtige Entscheidung zu treffen. Echte Männer zu sein – für selbst, für unsere Kinder und für zukünftige Generationen.
(S. 341)

Mein Fazit: Das Buch von Matthew Fox ist Programm und Landkarte unserer Heldenreise. Zu unserer Größe als Wahre Männer zu erwachen heißt auch, zur Größe (und Tiefe) dieses Buches zu erwachen. Es hebt unsere „verborgene“ Männerbewegung auf ein höheres Niveau und wird sie hoffentlich auch bald im Außen kraftvoll in Erscheinung treten lasse.

Oh, das heutige Veröffentlichungsdatum 3. Mai ist mein Geburtstag als Großvater! Mein Enkel Mika ist vor 4 Jahren auf die Welt gekommen. Das möge ein Zeichen sein! Ich möchte diese Buchbesprechung gerne ihm – heute zu seinem Geburtstag – widmen.

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Michael & Diana Richardson: Zeit für Männlichkeit

Wir Männer sind sexuelle Trottel. Die sich am potentesten Wähnenden wahrscheinlich die größten. Ich schließe mich in dieses Urteil mit ein, wird mir diese Wahrheit doch erst seit kurzer Zeit WIRKLICH bewusst. Und das habe ich Diana und Michael Richardson zu verdanken.

Schon vor ein paar Jahren hatte mich Barry Long in seinem Buch „Sexuelle Liebe auf göttliche Weise“ sehr irritiert. (Irritation ist der erste Schritt, eingefahrene Denkweisen zu ändern.)

Dort schreibt er:

Das grundlegende Leiden der Frau, ihre beständige Unzufriedenheit, entsteht, weil der Mann sie nicht mehr körperlich erreichen kann. Ihre emotionale Maßlosigkeit, ihre Depression, ihre Frustration, sogar prämenstrualen Spannungen und die Zustände, die zu Hysterektomie und anderen Gebärmutterproblemen führen, sind auf das sexuelle Versagen des Mannes (Hervorhebung JS) zurück zu führen, der während des Liebesaktes ihre feinsten und tiefsten weiblichen Energien nicht zu sammeln oder freizusetzen vermag. (S. 17)

Die Bücher von Diana und Michael Richardson „Zeit für Liebe„, „Zeit für Gefühle“ haben mir sehr geholfen, diese fundamentale Aussage von Berry Long nicht nur zu verstehen, sondern auch meine sexuelle Identität als Mann zu verändern und eine Frau anders zu lieben, (sexuelle) Liebe ganz anders zu erfahren.

Das Buch „Zeit für Männlichkeit. Mehr Kompetenz in Sachen Sex und Liebe zwischen Mann und Frau“ stellt diese neue (und wie ich meine revolutionäre) Beziehungsweise von Liebe und Sex zwischen Mann und Frau speziell aus der männlichen Perspektive dar.

Was will der Mann, wenn er Liebe macht? Was ist der tiefste Grund? Es geht ihm nicht um die Ejakulation, es geht ihm darum, von der Frau geliebt zu werden. Die Frau ist die Quelle der Liebe, die Mutter der Liebe. (S. 9)

Es geht aber um mehr als persönliches Glück. Es geht darum, den Jahrtausenden Geschlechterkrieg zu beenden. LIEBE ist FRIEDENSARBEIT.

Es gibt für mich eine Hoffnung für die Menschheit, uind zwar nur diese eine Hoffnung: Dass die Männer einen Weg durch den „Filter ihrer konditionierten Sexualität“ hindurch finden und ihre wahre männliche Autorität entdecken. Dann können sie mit ihren Frauen in Frieden zusammen sein und mit ihrem Körper, ihrem Herzen und ihrer Seele „Liebe machen“. (S. 9 f.)

Das Buch ist das vierte in der Reihe und noch etwas reifer als die anderen.

Michael und Diana Richardson sprechen so nicht mehr von „Penetration“, sondern „Hineingleiten“ und begründen dies so:

Das Wort „Penetration“ bedeutet Eindringen, Durchdringen, Durchbruch, Einstechen … Es beschreibt einen gewaltsamen Vorgang; es beschreibt einen Vorgang, der unangenehm, unwillkommen oder sogar schmerzhaft ist – zumindest für diejenigen, denen diese Penetration widerfährt. Das Wort bedeutet im Englischen und im Deutschen (annähernd) das gleiche. Doch im Deutschen kommt hinzu, dass es durch die Aussprache einen noch deutlich härteren Klang hat als im Englischen. Beim Eigenschaftswort „penetrant“ wird klar, was eine Penetration ist: sie ist einfach aufdringlich.
Bei der neuen Art von Sex, die wir anregen, geht es um Präsenz, Achtsamkeit und Bewusstheit; um ein bewusstes und liebevolles Miteinander. Es geht nicht darum, dass der Mann in die Frau eindringt oder aufdringlich ist. Wir empfinden es daher einfach angemessen, neue Wörter für den neuen Sex zu finden. Wir werden von „Hineingleiten“ und „Hineinschlängeln“sprechen; wir werden das „weiche Einführen“ und das „tiefe Ineinandersein“ oder das „tiefe Ineinanderbleiben“ beschreiben. (S. 96)

Mir ist der Zusammenhang zwischen POTENZ und POTENZIAL(ität) noch nie so bewusst geworden wie in diesen Büchern von Diana und Michael:
Ein Potenzial baut sich als Spannungsverhältnis zwischen zwei Polen auf. Dieses sexuelle (energetische) Potenzial baut sich im Mann wie auch in der Frau auf. Energie fließt vom positiven zum negativen Pol. Der positive, energetische Pol des Mannes ist der PENIS, der positive, energetische Pol der Frau sind die BRÜSTE! Beide sind die „positiven Pole der Liebe“. Negativ (geladen) beim Mann geladen ist seine Brust, bei der Frau ihre Vagina. Im sexuellen Spiel der Liebe bauen sich diesen Polaritäten IN Mann und Frau und ZWISCHEN Frau und Mann der Fluss der sexuellen Energie auf. Die vitale POTENZ des Mannes ist ein Ausdruck, wie diese Energie in Fluss kommt. Der Mann ist nicht „an sich potent“, sondern seine (liebende und nicht missbräuchliche) Potenz ist abhängig von der Empfangsbereitschaft der Frau:

Die Frau nimmt eine zentralere Stellung beim Sex ein. Es ist nämlich sehr bedeutsam, dass die Frau dich wirklich empfangen will. Nur dann kann sich die Vitalität deines Penis entfalten. (S. 66)

All zu oft missbrauchen Männer die Frauen, um Stress, emotionale oder sexuelle Spannung abzuladen. Ein schneller Abspritz-Fick schafft beim Mann kurzfristige Spannungs-Entladung, doch die Frau wird mit dieser SPANNUNG aufgeladen, die sich letztlich in weiblicher Frustration und Wut äußert. Der Mann hat sich dann durch seine Art der lieblosen Sexualität diese Zicke, Dramen-Queen, Furie selbst erschaffen.

Viele Frauen haben einen rasenden Zorn auf die Männer wegen ihres missbräuchlichen Verhaltens – eine Wut, die über das Persönliche hinaus geht und auch mit der kollektiven Ebene zu tun hat.
Wenn der Liebesakt bewusst ist, ihr also keinen heißen Sex mehr habt, bewirkt das schon bald eine sichtbare Veränderung des „emotionalen“ Zustands der Frau. Sie wird strahlender, offener und zufriedener. Sie hört auf herumzunörgeln und beginnt aufzublühen. (S. 179)

Manche Männer sind stolz auf die HÄRTE ihrers „Schwanzes“. Doch gerade die Gefühlslosigkeit im Penis macht ihn hart, so wie der von seinen Gefühlen abgespaltene Mann HART ist. Das erklärt, warum Vergewaltiger eine Erektion haben können! (Dieser harte, gefühlslose Penis ist in Wahrheit ein Zeichen von IMPOTENZ!) Der Penis als Liebes-Instrument des Mannes ist etwas ganz anderes!

Es ist von der Liebesqualität her etwas VÖLLIG anders, ob der Mann mit einem erigierten Penis in die Frau eindringt ODER sich seine Erektion IN DER VAGINA wie im Schlangentanz aufrichtet:

Tatsächlich ist eine Erektion auch ohne Stimulation und Erregung möglich, wenn der Mann beginnt, seinem Penis zu trauen. Eine wahre Erektion ist eine elektromagnetische Antwort auf die gleichwertige und entgegengesetzte Kraft. Aus einem weichen Zustand heraus kann der Penis langsam wachsen – als direkte Antwort auf die ihn umgebende Vagina. Die weibliche Kraft beginnt sich durch ihre Empfänglichkeit am Penis zu „ziehen“ wie ein Magnet. Das „zieht“ den Penis in die Erektion – Millimeter um Millimeter. Der Penis bewegt sich wie eine Schlange spiralförmig in die Vagina hinein. …
Eine spontane Erektion ist nicht etwas, das man von seinem Körper erwarten oder fordern kann. Sie ist die Folge einer besonderen Konstellation verschiedener Faktoren – und zwar Bewusstheit, Präsenz, Entspannung und Liebe. (S. 107)

In dem Buch heißt es:

In unserer Gesellschaft gibt es nach wie vor praktisch keine sexuelle Aufklärung, die den Menschen die wirkliche Natur und Bedeutung von Sexualität nahebringt. (S. 75)

Mein Fazit: Ja, das ist ein Aufklärungsbuch für Männer! Wenn ein Mann wirklich „mehr Kompetenz in Sachen Sex und Liebe“ erreichen will, dann kenne ich kein besseres als dieses: die wirklich hohe Liebesschule. Es wird höchste Zeit, dass wir ein neues Kapitel der Liebe zwischen Männer und Frauen schreiben. Es wird Zeit, dass unsere Liebe uns HEIL macht.

Bestellmöglichkeit des Buches bei AMAZON:
Zeit für Männlichkeit: Mehr Kompetenz in Sachen Sex und Liebe zwischen Mann und Frau

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Die deutschsprachige Internet-Seite
von Michael und Diana Richardson

>> HIER

Diana & Michael Richardson: Zeit für Gefühle

Glauben Sie, Liebe sei Leidenschaft, das stetige Auf und Ab der Beziehung Ausdruck einer leidenschaftlichen Liebe? Das Buch belehrt uns eines BESSEREN!
Leiden-schaftliche EMOTIONEN zerstören Liebe mehr als alles andere! UND: Wir wissen das! Wir wissen, dass Leidenschaft Leiden schafft. Doch endlich ein Buch, das diesen für die Liebe zerstörerischen Emotionen an die Wurzeln geht!

Die Liebe ist eine zarte und zerbrechliche Blume, die die Giftigkeit emotionaler Streitigkeiten und Auseinandersetzungen nicht lange überleben kann. Liebe zeigt sich in einer Atmosphäre der Stille und Gelassenheit und nicht auf einem Schlachtfeld. (S. 38)

Das Buch kann man gut für sich lesen; es steht für sich allein, ist in sich schlüssig. Und trotzdem empfehle ich, erst das Buch „Zeit für Liebe“ von Diana Richardson zu lesen. So bekommt dieses Buch „Zeit für Gefühle“ einen ganz anderen, viel größeren Zusammenhang.

Schon in dem Buch „Zeit für Liebe“ (>> Meine Buchbesprechung) hatte die Autorin Gefühle und Emotionen (in einem eigenen Kapitel S. 221 – 236) klar voneinander unterschieden, was in dem neuen Buch „Zeit für Gefühle“ jetzt bedeutend vertieft wird.

Es geht um etwas GANZ WESENTLICHES, das unser Bild von Männern und Frauen entscheidend ändern kann. Glauben wir nicht, Frauen seinen  „emotionale Wesen“, ihre „Zickigkeit“ geradezu ein weibliches Wesensmerkmal? Wir sollten von diesem Frauenbild schleunigst Abschied nehmen! In „Zeit für Liebe“ schreibt Diana Richardson im Kapitel „Frauen, Emotionen und das Herz“ (S. 237):

Frauen sind bekannt für ihre scheinbar überwältigenden Emotionen. Die Tatsache, daß ständig Emotionen im Spiel sind, sogar wenn alles wunderbar zu funktionieren scheint, bringt den Mann oft genug zur Verzweiflung. Wie kann er seine Frau lieben und verstehen, wenn die Harmonie plötzlich in Depression umschlägt oder ohne ersichtlichen Grund ein Streit entbrennt? Die irrationalen Launen der Frau, ihr Streiten und Schimpfen, ihre Fragerei und ihr Sticheln sind ein Alptraum für ihn. Es sieht fast so aus, als wäre die Frau, die er liebt, von Zeit zu Zeit besessen.
Der Grund für diese emotionalen Schwankungen liegt im Sex. Tantra lehrt uns, daß der Mann die emotionalen Eigenschaften, die ihn an seiner Frau am meisten stören, dadurch selbst erzeugt, daß er auf Erregung und Orgasmus besteht. Dadurch hält er die Frau auf dem niedrigsten Stand ihrer sexuellen Ausdrucksmöglichkeiten und hindert sie, ihr weibliches Potenzial zu erfüllen. Sie ist jahrhundertelang als Sexobjekt benutzt worden, als Mittel zur Befriedigung des Mannes. Das schmerzt und macht sie wütend. Mit der Zeit sind ihre ungenutzten göttlichen Energien immer mehr eingeschlafen und stagnieren jetzt, so daß eine tiefgreifende Unzufriedenheit, Enttäuschung und ein Mangel an Liebe jede Zelle ihres Körpers erfüllt und sie emotional instabil macht. Konventioneller Sex bringt diese Emotionen im Inneren zum Kochen, weil er (der Mann, JS) hektisch und darauf aus ist, das eigene Selbst zu befriedigen. Und diese Art sexueller Erregung hindert die Frau daran, empfänglich zu sein. (S. 237)

Wir sehen, es geht bei der „Emotionalität der Frau“ um GROSSES, Jahrtausenden Missbrauch durch den Mann – gespeichert in jeder Körperzelle der Frau. Deswegen ist der Umgang mit unseren EMOTIONEN dermaßen wichtig für die Befreiung der Liebe zwischen uns.

Zurück zu dem Buch „Zeit für Gefühle“!

Emotionen sind keine Gefühle! Das ist eine zentrale Botschaft des Buches.

Emotionen sind nicht dasselbe wie Gefühle. Wenn man seine innere Welt erforscht, dann erkennt man, daß sie etwas völlig Verschiedenes sind. Tatsächlich sind sie zwei diametral entgegengesetzte Erfahrungen. Die Erfahrung eines Gefühlös ist Welten entfernt von der Erfahrung einer Emotion. (S. 20)

Emotionen bilden ein Reservoir von Gefühlen, die wir in der Vergangenheit nicht ausgedrückt haben. (S. 20 f.)

Generell fallen Emotionen unter die Schirmherrschaft der Angst, und Gefühle fallen unter die Schirmherrschaft der Liebe. (S. 33)

Emotionen sind ein Aspekt des Egos (S. 70), Gefühle ein Aspekt des Herzens.

Emotionen erschaffen Karma, was wiederum die Zukunft beeinflussen kann. Wenn unsere Beziehungen frei von Emotionen sind und stattdessen voller Liebe, dann wird kein Karma aufgebaut. (S. 102)

Woran erkennt man EMOTIONEN? Diana und Michael Richardson haben 25 Symptome aufgeführt (S. 22 – 23). Wer sich darin erkennt (…), der hat hier ein Buch, diese Emotionen zu heilen:

  1. An dem Gefühl vom anderen abgetrennt oder ihm entfremdet zu sein, so als stände plötzlich eine Mauer zwischen euch.
  2. Der Augenkontakt wird schwierig, du vermeidest, dem anderen in die Augen zu schauen, blickst woanders hin; oder der andere scheint dir weit weg zu sein oder du siehst ihn nur verschwommen.
  3. Du gibst deinem Partner die Schuld an der Situation oder am eigenen Unglück.
  4. Du benutzt Worte wie „Nie machst du …“ oder „Immer machst du …“. Du sprichst über deinen Partner, nicht über dich.
  5. Du ziehst dich zurück und verschließt dich.
  6. Dein Körper ist zusammengezogen, du fühlst dich wie gelähmt, wie taub – manchmal treten auch Schmerzen auf.
  7. Dein Gesichtsfeld verengt sich und ist umwölkt.
  8. Du fühlst dich erschöpft, hast wenig Energie und möchtest am liebsten schlafen.
  9. Du bist auf der Hut, in Abwehrstellung.
  10. Du fühlst dich allein gelassen und abgelehnt.
  11. Du fühlst dich einsam und unvollständig.
  12. Du bist selbstgerecht, nach dem Motto: „Ich habe Recht und ich weigere mich so lange, einzulenken, bis du zugibst, dass ich Recht habe.“
  13. Du fühlst dich falsch verstanden und du hast das Gefühl, dass alles, was du machst, für selbstverständlich gehalten wird.
  14. Du liebst es zu streiten, zu diskutieren, zu kämpfen und den anderen zu provozieren.
  15. Deine Gedanken drehen sich im Kreis, du bist voller Negativität und hast Zweifel.
  16. Was auch immer auftaucht, es folgt demselben Muster und Themen wiederholen sich.
  17. Du fühlst dich hilflos und als Opfer der Situation.
  18. Die Zukunft erscheint dir hoffnungslos und deprimierend.
  19. Du bist angespannt und kratzbürstig, dein Partner kann dir nichts recht machen.
  20. Der emotionale Zustand kann einige Tage bestehen bleiben, bevor er sich löst und wieder Harmonie einkehrt.
  21. Du willst, dass dein Partner sich ändert.
  22. Du willst dich rächen, indem du  etwas Unfreundliches und Liebloses tust oder sagst.
  23. Du reagierst aus dem Ego.
  24. Unbewusste Reaktionen. Du verstehst nicht, warum du so reagierst.
  25. Du beziehst dich auf etwas Vergangenes.

Eine Quelle von giftigen Emotionen hatten wir schon kennengelernt, konventioneller Sex. Die Autoren benennen insgesamt fünf Quellen:

  1. Unterdrückung von Gefühlen in der Kindheit
  2. Körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch und sexuelle Gewalt
  3. Konventioneller Sex = emotionaler Sex (Erregung und Spannung erzeugend)
  4. Der Verstand – er kann zwanghaft werden
  5. Kollektive Schmerzen und Emotionen

Diana und Michael Richardson zeigen fünf goldene Regeln, wie wir mit emotionalen Zuständen umgehen und sie heilen können. Auch diese seien hier kurz benannt. Im Buch werden diese Schritte natürlich genau ausgeführt und an Beispielen erläutert (S. 68 – 79):

  1. Erkennen, dass man emotional ist.
  2. Drei einfache, alles verwandelnde Worte laut aussprechen: „Ich bin emotional.“
  3. Dem Partner sagen: „Ich gehe jetzt, weil ich eine Weile allein sein muss. Ich komme später wieder.“
  4. Deinen Körper für eine Zeit lang aktiv bewegen (nicht ins Bett legen!)
  5. Zum Partner zurück kehren, wenn die Emotionen vorbei sind und ihn in den Arm nehmen.

Und was ist mit den GEFÜHLEN, mit „Zeit für Gefühle“?

Die alten Gefühle zu erkennen und uns durch Emotionen durchzuarbeiten ist nur die halbe Lösung. Die andere Hälfte ist ebenso wichtig: Gefühle in dem Augenblick auszudrücken, in dem sie aufkommen – im Hier und Jetzt! (S. 92)

Wenn wir in der Lage sind, Gefühle wie Wut, Trauer, Verzweiflung oder Frustration an der Wurzel zu packen in dem Moment, in dem sie aufkommen, dann haben sie keine lange Überlebenschance – etwa acht Sekunden. (S. 93)

Hier sind im Buch auch viele Tipps im Umgang mit authentischen, aktuellen Gefühlen zu finden. Das Buch schließt mit 19 Empfehlungen zur Kunst, miteinander zu reden und sich aufeinander zu beziehen.

Mein Fazit: Dieses kleine Büchlein ist ein wertvoller Schatz, emotionales Gift zu erkennen und uns davon zu befreien. Es lässt traditionelle Psychologie in ihrer Theorie und Praxis weit hinter sich. Wir lernen, selbst VERANTWORTUNG für unsere Emotionen zu übernehmen und in ihrer Heilung nicht nur erwachsen zu werden, sondern auch liebesfähig.

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Zeit für Gefühle: Die Krux mit den Emotionen in der Partnerschaft

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Die deutschsprachige Internet-Seite
von Michael und Diana Richardson

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Diana Richardson: Zeit für Liebe

Ich dachte, ich hätte alles Wesentliche über Tantra gelesen und einiges (auch über Tantra-Seminare) praktiziert. Und dann dieses Buch! Es hat alles wieder „auf den Kopf gestellt“ (oder vom Kopf auf die Füße). Es ist ein echter „Paradigmenwechsel“,
was Sex, Intimität & Ekstase in Beziehungen angeht!

Was mich beim Lesen des Buches besonders gewundert hat: als ob ich das alles längst gewusst hätte! Es beschreibt das, was mein „genitales Bewusstsein“ (Diana Richardson) schon seit ewigen Zeiten weiß. Das Buch ist auch ein Stück „wieder nach Hause kommen“.

Diana Richardson lehrt uns ein neues (zugleich ursprüngliches) TANTRA-Bewusstsein:

  • Tantra ist „in die sexuelle Energie hineinzuentspannen statt Druck auszuüben“ (S. 8); mehr noch: „Wahre Entspannung beginnt mit Sex“ (S. 10) Alles, was unter „Leistungsdruck“ steht, hat mit Tantra nichts zu tun.
  • Beim Tantra geht es um das „kosmische Ausbalancieren von männlicher und weiblicher Energie“ (S. 20); dazu hat sie ein völlig neues Polaritäts-Konzept entwickelt!
  • „Es ist das Geheimnis und Hauptinteresse von Tantra, uns zu ermutigen, die sexuelle Energie im Körper zurückzuhalten.“ (S. 21) ENERGIE, wohlgemerkt, die Energie IN SICH kreisen, auf- und absteigen zu lassen, um Langlebigkeit und „Erleuchtung“ zu erlangen.
  • Tantra ist nicht zielorientiert (und kopfgesteuert) auf den ORGASMUS gerichtet, sondern Seins-orientiert in den entspannten Körper.
  • Tantra ist bewusstes Lieben. „Die Kunst des Tantra läßt sich am einfachsten als Vereinigung von Sex und Meditation definieren.“ (S. 45) Und an gleicher Stelle: Bewusstsein verwandelt Sex in Liebe.

Es ist wahr, dass Diana Richardson Sexualität an erste Stelle stellt!

Ganz gleich, ob man über Sex redet oder ihn ignoriert, ob man ihn auslebt oder verdrängt, genießt oder erträgt, er ist einfach der wichtigste Aspekt unseres Lebens. (S. 17)

Jeder von uns sehnt sich danach zu lieben und geliebt zu werden. Nichts kann die Liebe ersetzen. Und wenn wir jemand lieben, wird der Sex zu einem konstanten Kommunikationsmittel. (S. 18)

Wenn das übertrieben scheint, der kann durch das Buch eine neues Sichtweise der Polaritäten gewinnen und durch das Praktizieren dieses „Entspannungs-Tantra“ eine ganz andere Lebensweise. Wenn wir unsere männlich und weibliche Polarität (in uns und zwischen uns) verstehen, dann wird unsere tiefe Sehnsucht nach der anderen Hälfte sofort verständlich. Spiritualität ist ja auch die Auflösung von Trennung, die Herstellung von Vereinigung, natürlich auch körperlicher Vereinigung. Und das ist das Wesen des Tantra: Spiritualität und Sexualität wieder in Einklang zu bringen.

So wird leicht verständlich: Wenn Spiritualität im Leben an erster Stelle steht, dann auch Sexualität, weil beides nicht mehr zu trennen ist. Und vergessen wir nicht: Spirituelle Bewusstheit macht aus Sexualität LIEBE. So schließt sich der Kreis!

Das halbe Buch ist zitierenswert. Hier ein paar Kernsätze:

Sex gibt uns die Gelegenheit, Bewusstheit zu üben und zu intensivieren, um den gegenwärtigen Moment zu erschaffen. Im Sex lernen wir, mehr zu „sein“ und weniger zu „tun“. (S. 47)

Diese spirituelle Phase der sexuellen Energie entsteht, wenn der Mann und die Frau lernen, sich beim Sex gemeinsam zu entspannen. Das steht im Widerspruch zu der weit verbreiteten Auffassung von Sex als Leistung, als eine mit Druck und Spannung verbundenen Aktivität. (S. 22)

Die größte Einsicht von Tantra, ja ihr Fundament ist, daß die maskuline und feminine Energie gleiche und entgegengesetzte Kräfte sind. Sie ziehen sich an und ergänzen sich, genau wie Yin und Yang, dynamisch und rezeptiv, positiv und negativ … . Das bedeutet, dass die Bioenergie des männlichen und weiblichen Körpers durch das Zusammenspiel der entgegengesetzten Polaritäten in der Vereinigung eine ekstatische sexuelle Erfahrung schaffen. Und das geschieht ganz ohne unser Zutun. In der Tat beginnt die tantrische Reise erst, wenn wir mit den uns innewohnenden männlichen und weiblichen Polaritäten Kontakt machen und sie wieder in Kraft setzen. Diese Präsenz der entgegengesetzten Polaritäten oder Kräfte im Mann und in der Frau ist entscheidend, denn sie bringt uns zu einer neuen Sichtweise des Sexaktes. (S. 35)

Manches in diesem Buch ließen sich leicht als „größte Geheimnisse der Sexualität“ vermarkten. Das Buch ist viel leiser und doch voller endlich ausgesprochenen Wahrheiten, so, wenn Diana Robinson schreibt:

Wenn der Penis erigiert in der Frau liegt, wird der Mann normalerweise genau in dem Moment seine Erektion verlieren, in dem das Bewusstsein der Frau ihre Vagina verläßt. So sensitiv ist der Penis. Schon aufgrund eines einigen Gedankens kann die Erektion verloren gehen. Ich bin jedes Mal von neuem schockiert, daß in der gleichen Sekunde, in der ich mein Bewusstsein abschweifen lasse, der Penis augenblicklich schrumpft. (S. 214)

Erfüllte Sexualität erfordert PRÄSENZ von beiden, und darum ist Meditation so wichtig; anders: Der Sexakt wird zur Meditation selbst, frei von jedem abschweifenden Gedanken.

Diana Richardson empfiehlt „eine komplette Umerziehung im Sex“ (S. 68). Dazu dienen auch die neun Schlüssel zur Liebe (Teil 2 des Buches):

  1. die Augen
  2. der Atem
  3. Kommunikation
  4. genitales Bewusstsein
  5. Berührung
  6. Entspannung
  7. weiche Penetration
  8. tiefe Penetration
  9. rotierende Stellungen

Der 3. Teil des Buches beschreibt die Reise:

Es ist sehr wichtig, sich als Paar klar zu machen, dass es eine Kunst ist, das Liebemachen zu verändern. Es ist kein kleiner Ausflug, sondern eine lange Reise. (S. 61)

Dieser Teil ist sehr hilfreich, die neue Art des Liebens als Paar zu praktizieren. Es ist EIGENTLICH sehr leicht und SOFORT umzusetzen. Was die neue Art des Liebens so langwierig macht, ist die Notwendigkeit der DEKONDITIONIERUNG, uns von unseren alten Sex- und emotionalen Mustern zu lösen. Und diese Sucht- und Ausbeutungsmuster (das sich gegenseitig Instrumentalisieren) sitzen tief. IHRE Auflösung macht die Reise so langwierig, nicht das entspannte Lieben selbst.

Doch schon beim ersten Mal des neuen Zusammen-Liebe-Seins ist die neue Qualität spürbar. Und wenn es uns für Augenblicke des Glücks gelingt, dann gibt es keinen Weg mehr zurück, dann sind Sex, Liebe, männlich-weibliche Energie und Bewusstsein in EINS verschmolzen.

Mein Fazit: Das Buch ist wahrlich eine Revolution in Sachen LIEBE. Und das Schöne ist, es ist keine höhere Entwicklungsstufe und das Durchschreiten niedrigerer Stufen eine Voraussetzung. Mann und Frau können damit SOFORT beginnen, weil das Buch die tiefste Sehnsucht unserer Seele anspricht und unsere „organisch genitale Intelligenz“ SOFORT geweckt und aktiviert wird.
Ich wünsche jeder/m einen Partner, diese NEUE LIEBESSCHULE ausprobieren und nachhaltig praktizieren zu können (Es ist weit mehr als eine spirituelle Praxis). Wir stehen vor dem neuen Zeitalter des PAARES – und das ist das praktische Einstiegsbuch dazu!

Bestellung bei AMAZON:
Zeit für Liebe: Sex, Intimität und Ekstase in Beziehungen

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Aus einem Vortrag von Diana Richardson (engisch mit deutscher Übersetzung)

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von Michael und Diana Richardson

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Kay Pollak: Durch Begegnungen wachsen

Kay Pollak ist ein schwedischer Regisseur, der 2004 mit seinem oscar-nominierten
Film WIE IM HIMMEL (>> meine Filmbesprechung) ein grandioses Comeback
feiern konnte.

Sein Buch „Durch Begegnungen wachsen. Mehr Achtsamkeit und Nähe im Umgang mit anderen“ ist sozusagen der philosophisch-psychologische Hintergrund des Films. Es ist nicht nur für das tiefere Verständnis des Films wichtig, sondern auch eine Hilfestellung, um in einer Gemeinschaft spirituell zu wachsen.

Kay Pollak schreibt im Vorwort AN DEN LESER zum Buch

Man könnte es auch als eine Art Schnellkurs bezeichnen, der Sie – dank Ihrer eigenen Fähigkeiten – in die Lage versetzt, anderen Menschen auf eine neue Art und Weise gegenüberzutreten.

Das Buch besteht aus drei Teilen, gliedert sich also gewissermaßen in einen Grundkurs, einen Fortsetzungskurs und einen Abschlusskurs. (S. 9)

Das Buch liefert keine Theorie über Beziehungen. Es ist ein kleines Handbuch mit vielen Idee, Übungen, markanten Sätzen, Einsichten, das man an jeder Stelle aufschlagen kann, um eine Inspiration für einen tieferen, authentischeren Umgang mit anderen Menschen zu pflegen.

Was ich von einem anderen Menschen denke,
handelt mehr von mir als von diesem anderen Menschen. (S. 35)

Jeder meiner Gedanken trägt zur Wahrheit oder zur Illusion bei.
Jeder Meiner Gedanken vergrößert die Wahrheit oder die Lüge. (S. 36)

Jede Wut ist ein Versuch,
jemand ein Schuldgefühl zu vermitteln. (S. 50)

Sobald ich Angst habe, tendiere ich dazu,
die Wirklichkeit umzudeuten, das heißt,
die Wahrheit zu verkennen. (S. 72)

Wir besuchen die Schule des Lebens,
um etwas zu lernen. Nur wenn wir gar nichts lernen,
kann man wirklich von einem Scheitern sprechen. (S. 81)

Angst und Liebe können niemals gleichzeitig erlebt werden.
(S. 97)

Manche Menschen spenden Liebe,
andere haben Angst und bitten um Liebe. (S. 99)

In dem Film von Kay Pollak WIE IM HIMMEL geht es um ZUHÖRERN.
Sein Buch enthält einen wunderschönen Text (ANONYMUS), den ich hier am Ende noch zitieren möchte:

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,
und du beginnst mir Ratschläge zu geben,
hast du nicht getan, worum ich dich gebeten habe.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,
und du beginnst mir zu erklären,
warum ich nicht so fühlen sollte, wie ich es tue,
trampelst du auf meinen Gefühlen herum.

Wenn ich dich bitte, mir zuzuhören,
und du denkst, du müsstest etwas tun,
um mein Problem zu untersuchen,
dann läßt du mich im Stich –
so merkwürdig sich das auch anhören mag.

Vielleicht helfen manchen Menschen deshalb Gebete so gut,
weil Gott stumm ist, keine Ratschläge gibt
und sich nicht einmischt
Er hört zu und lässt mich selbst zurecht kommen.

Deshalb sei so nett und hör mir einfach zu.
Und wenn du reden möchtest,
kannst du doch wohl eine Weile warten, bis du dran bist.

Dann verspreche ich, dir zuzuhören.
(S. 88)

Mein Fazit: Ein sehr schönes Büchlein nicht nur zum Film, sondern geeignet, sich Gedanken über die Beziehung zu seinen Mitmenschen zu machen – tagtäglich. Ein praktisches 1×1-Übungsprogramm, um Frieden unter die Menschen zu bringen. Es beginnt mit jedem einzelnen.

Bestellmöglichkeit bei Amazon:
Durch Begegnungen wachsen: Für mehr Achtsamkeit und Nähe im Umgang mit anderen

Hier noch einmal >> meine Besprechung des Films WIE IM HIMMEL

Paul Ferrini: Zusammen Wachsen

Irgendwann ist es so weit, da weißt du: Beziehungen funktionieren nicht „einfach so“. Im Gegenteil: „Einfach so“ funktionieren Beziehungen auf Dauer ganz und gar nicht. Förderliche Partner-Beziehungen brauchen Bewusstsein, brauchen ein Wissen um die Grundregeln, wie wir zusammen wachsen und zu einem WIR zusammenwachsen können.

„Eine Beziehung ist wie die Geburt eines neuen Wesens. Sie betrifft den Übergang vom gedanklichen Rahmen des ‚Ich‘ zum ‚Wir‘, ohne daß dabei Opfer gebracht werden müssen. So etwas geschieht nicht über Nacht. Es braucht Zeit und Geduld. Auch Klarheit ist vonnöten. Beide Partner müssen sich auf diese Erfahrung vorbereiten.“ (S. 9)

Ich kenne kein Buch, das dieses Thema dermaßen brillant und einfach, in wenigen und glasklaren Worten beschreibt wie Ferrinis kleines Brevier: Zusammen Wachsen. Ich liebe das Buch! Es begleitet mich nun schon über 10 Jahre, und immer wieder lese ich in ihm – und immer wieder fallen mir Schuppen von den Augen.

Das Buch unterteilt sich in drei Teile:

  • Vorbereitung einer Partnerschaft
  • Die sieben Schritte zu einer spirituellen Partnerschaft
    (der Hauptteil des Buches)
  • Veränderung der Beziehung

Das vielleicht größte Hindernis zu einer gesunden Partnerschaft ist unsere Beziehungssucht. Wir leben – ehrlich gesagt – in einer Suchtgesellschaft (siehe auch die Thematik von Anne Wilson Schaef). Ist es da ein Wunder, dass wir auch unseren geliebten Partner wie eine Droge missbrauchen? Ist es ein Wunder, dass missbrauchte Liebe verwelkt und zu einem Ort des offenen oder versteckten Partner-Krieges wird?

Im ersten Teil thematisiert Paul Ferrini diese vielleicht größte Falle für eine Beziehung (Beziehung als Sucht). Dieser Text ist dermaßen fundamental, dass ich ihn gerne und mit Dringlichkeit vorlese:

Der zweite Teil stellt die 7 Grundregeln und Schritte
einer gelungenen Partnerschaft vor:

Der erste Schritt: Verpflichtung.
Um in einer Beziehung über die Konflikte hinaus wachsen zu können, bedarf es einen RAUM DER SICHERHEIT. Das ist vor allem ein emotionaler Raum, dass ich alle meine Ängste, meine Wut und meinen Groll äußern darf, ohne dass ich Sanktionen von dir erwarten muss.

„Freiheit endet nicht dadurch, dass wir eine Verpflichtung eingehen. In Wahrheit müssen wir die Freiheit haben, unsere Verpflichtung jede Woche, jeden Tag und jeden Moment zu erneuern und zu überdenken, wenn sie echt sein soll. Ohne die Freiheit der Entscheidung können wir uns nicht verpflichten.“
(S. 59)

Der zweite Schritt: (Mit-) TEILEN
Nach der romantischen Phase, dem Verliebtsein (Verliebtsein ist wie eine Droge) beginnt die eigentliche Partnerschaft.

„In Wahrheit setzt der spirituelle Aspekt einer Beziehung erst dann ein, wenn das Paar das Ende der Romanze übersteht. Wenn sie einander dann (ohne Sterne in den Augen) anschauen, mögen sie das, was sie da vor sich haben? Können sie die dunkle Seite ihres Partners ansehen und sie ebenso mitfühlend annehmen, wie sie es bei sich selbst gelernt haben? Halten sie nach einem Menschen oder einem Heiligen Ausschau?“ (S. 63)

Der andere ist nicht mehr nur ein narzisstischer Spiegel meiner selbst, sondern ein ANDERES Wesen mit individuellen Eigenheiten. Das WIR entsteht, indem wir uns austauschen, miteinander teilen.

Der dritte Schritt: Wachstum
Die Beziehung kann als WIR nicht wachsen, wenn nicht jeder einzelne in der Beziehung einen eigenen Raum des Wachstums hat. Co-Abhängige Partner geben sich diesen Raum nicht. Sie klammern, vereinnahmen sich, überschreiten Grenzen des anderen.

„Grenzen sind in Beziehungen außerordentlich wichtig. Die Tatsache, dass wir ein Paar sind, bedeutet nicht, daß wir aufhören, Individuen zu sein. Paare, die zu sehr ineinander verstrickt und voneinander abhängig sind, legen die Saat für künftigen Streit. Keiner sollte sich selbst aufgeben, um mit einem anderen zusammenzusein. Tatsächlich kann die Stärke einer Beziehung daran gemessen werden, wie frei sich jeder der Partner fühlt, sich im Rahmen der Partnerschaft selbst zu verwirklichen.“ (S. 77)

Der vierte Schritt: Kommunikation
Die häufigste Form der Kommunikation in einer Partnerschaft ist der ANGRIFF: der Partner wird beschuldigt. Es findet dann auch kein offenes und mitfühlendes ZUHÖREN statt, sondern die VERTEIDIGUNG, die Rechtfertigung, der Gegenangriff.

„Eine gute Kommunikation vermeidet stets die Extreme, einen anderen entweder verärgert anzugreifen oder den Ärger zu unterdrücken. Weder Sadismus noch Masochismus tragen zum Frieden und zur Verständigung bei. Kommunikation ohne Schuldzuweisung ist eine Kunst, die jedes Paar lernen muss, wenn es sich wünscht, dass seine Beziehung wächst und gedeiht.“ (S. 98f.)

Der fünfte Schritt: Spiegelung
Der Weg in den Himmel führt durch die Hölle. Förderliche Beziehungen sind deshalb so heilsam, weil sie uns mit unseren inneren Dämonen konfrontieren. Wir können ihnen in einer Beziehung nicht ausweichen. Es geht um den Schmerz, die Wunden, das Leiden in einer Beziehung.

„Die Frage, die ich mir stellen muß, lautet nicht, ‚wer greift mich an?‘, sondern ‚warum fühle ich mich angegriffen?'“ (S. 111)

„Paare, die sich ihren Dämonen stellen und ihre Ängste überwinden, haben eine entscheidende Schlacht gegen die Ungewissheit gewonnen. Sie fallen auf den Boden der Tatsachen und erkennen, daß der einzige Grund für ihr Zusammensein darin besteht, einander zu lieben und anzunehmen. Das ist der Weg, der in den Himmel führt.
Es ist ein spirituelles Gesetz, daß alles, was uns an jemand anderem stört, der Teil von uns selbst ist, den wir nicht lieben und akzeptieren wollen.“
(S. 116)

Der sechste Schritt: Verantwortung übernehmen
Das WIR entsteht eigentlich erst in diesem Schritt. Jeder einzelne von uns wird wirklich ER-WACHSEN und so kann ein WIR WACHSEN. Wir müssen nicht nur unsere Eltern aus der Verantwortung für unser Leben entlassen, sondern auch unseren Partner (als Elternersatz). Jeder ist selbst verantwortlich.

„Wir sind niemals für die Erfahrungen unseres Partners verantwortlich, und unser Partner ist niemals für die unsrigen verantwortlich. Die Schönheit dieses spirituellen Gesetzes geht für diejenigen verloren, die ihre Partner für ihr Glück oder ihren Schmerz verantwortlich machen.“ (Seite 123)

„Das ‚Wir‘-Bewusstsein in eurer Beziehung ist entweder aus der Stärke und Integrität des ‚Ich‘-Bewusstseins entstanden, oder es ist eine Täuschung. Wenn du und dein Partner aufrichtig zueinander seid und die Verantwortung für eure eigenen Erfahrungen übernehmt, hat das ‚Wir‘ eine tiefgehende Bedeutung. Wenn Aufrichtigkeit oder Aufmerksamkeit fehlen, kann das ‚Wir‘ nur ein Verrat am Selbst sein.
Du kannst dir sicher sein, daß Gott Beziehungen nicht erschuf, damit wir uns selbst betrügen. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Der Zweck einer Beziheung ist es zu lernen, uns selbst treu zu sein.“ (S. 138f.)

Der siebte Schritt: Vergebung
Der Dünger für die Liebe ist die Vergebung. Ich mache Fehler. Du machst Fehler. Ich verletze dich. Du verletzt mich.

„Ihr seid beide Menschen. Das heißt, daß ihr zusammen die Höhen des Himmels und die Tiefen der Hölle erfahren werdet. In eurer Umarmung lieben Engel und Teufel und gehen gemeinsam mit euch auf eure beständige Reise in Richtung Selbstvergebung.
(S. 141)
„Um Vergebung zu bitten heißt nicht, zum anderen ‚Tut mir leid‘ zu sagen. Es heißt, dem anderen zu sagen, ‚das ist mit mir los. Ich hoffe, du kannst es akzeptieren und verarbeiten. Ich versuche mein Bestes.‘ Es geht darum, die eigene Situation zu akzeptieren, auch wenn es schwierig ist, und dem Partner die Möglichkeit zu bieten, sie zu akzeptieren, auch wenn es ihm oder ihr nicht leicht fällt. Wenn wir das, was uns geschieht, in dem Augenblick akzeptieren, in dem wir es bewerten wollen, vollzieht sich Selbstvergebung.“ (S. 146)

Der dritte Teil klärt „Veränderung der Beziehung“

Trennung in Würde und Liebe, Trauer (auch wenn ein Partner verstorben ist) und „Neu-Verpflichtung zur Liebe“ sind die Themen des letzten (dann nur noch sehr kurzen)  Teils.

„So schwer die Reise manchmal auch erscheinen mag, so gibt es doch Momente, die einfach atemberaubend sind. Der harte Panzer, der das Herz umgibt, beginnt aufzubrechen. Wo uns einst Furcht zurückhielt, lernen wir nun, kleine Schritte nach vorn zu machen. Wir gehen Risiken ein und überwinden unsere Ängste. Wir lernen, einander zu vertrauen.
Wir erleben eine Sanftheit, die aus dem Kampf geboren wurde, eine Süße, die aus Schmerzen entstand. In den Blicken, die sich begegnen, steht ein Funkeln, das über die Feierlichkeit des Begehrens hinausgeht. Es ist die innere Erkenntnis des Selbst und des anderen: eine Hingabe, die in das Herz und Anerkennung und Liebe führt.
Möge dir diese Gnade zuteil werden.“ (S. 14)

Mein Fazit: Wenn du dich mit deinem Partner der Liebe verpflichten willst (Was gibt es Höheres im Leben??!!), dann hast du in diesem Buch eine wundervolle Anleitung, die ans Herz geht und die Grundlage eures Liebesvertrags werden kann. (Gemeinsam lesen, bis ihr es auswendig kennt!)

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Zusammen Wachsen – Schritte zum liebevollen Miteinander

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