Christoph Riedweg: PHYTAGORAS

Untertitel: Leben – Lehre – Nachwirkung

Es fällt mir nicht leicht, dieses Buch zu besprechen. Doch in meiner kleinen Reihe von Pythagoras-Büchern darf dies nicht fehlen. Es ist ein Standardwerk der heutigen Wissenschaft über Pythagoras. Eigentlich bespreche ich hier nur Bücher, die mich wirklich begeistern. Das tut dieses Buch in keiner Weise. Es ist mühsam zu lesen und bringt mir Pythagoras keinen Millimeter näher. Deswegen will ich meinen – zugegeben etwas bissigen – Kommentar zum Buch auch gar nicht erst als „Buchbesprechung“  ausgeben.

Ich weiß das Buch zu schätzen. Der Altphilologe Christoph Riedweg hat hier aus wissenschaftlicher Sicht sicher ein Optimum „herausgeholt“. Das ganze Unverständnis des Buches – aus meiner Sicht – ist nicht dem Autor geschuldet, sondern seiner auf das Rationale begrenzten wissenschaftlichen Weltsicht. Er hatte wohl eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen, die ihn als Meister altgriechischer Philologie ausweisen konnte. Das Buch ist gefüllt mit Quellenangaben und ist sicher eine gute Quelle, um hier im Sinne eines wissenschaftlichen Apparates zu Pythagoras fündig zu werden. Vielmehr kann ich dem Buch allerdings auch nicht abgewinnen.

Das Buch ist allerdings das komplette Kontrastprogramm zum von mir davor beschriebenen > Buch Pythagoras von Konrad Dietzfelbinger. Vergleicht man alleine die pythagoräische Essenz des Tetraktys bei Dietzfelbinger (S. 42 – 50) und bei Riedweg (S. 110 – 111), so liegen Lichtjahre dazwischen. Riedweg hat ganz und gar keinen Zugang zur Symbolik von Zahlen – bzw. überhaupt zum symbolischen Denken (geschweige denn zur Mystik). Bei allen zugänglichen Quellen, die er flohbeinchen-zählend zusammen getragen hat, ist ihm die Lehre des Pythagoras ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. (Hier wird mir deutlich, wie sinnvoll es bei den Pythagoräern war, ihre Lehre geheim zu halten. Bei einer seelenlosen Annäherung an eine Seelenlehre kann ja nur Unverständnis und Verachtung heraus kommen.)

Und wenn man keinen Zugang zu Pythagoras hat (wie die von der Spiritualität getrennte heillose und unheilige „Wissenschaft“), dann kann wohl kaum mehr herauskommen als eine Demontage des Pythagoras. Doch auch hier gilt wie für jeden Kritiker (ich schließe mich dabei nicht aus): Die Kritik sagt mehr über den Kritiker (hier Riedweg) aus als den Kritisierten (hier Pythagoras). Wer keinen Zugang zur Seele und zur geistigen Seelen-Welt hat, der kann den Philosoph der Seele auch nicht verstehen. Wie kann man ein Buch über etwas schreibe, das man in seiner Essenz nicht versteht? Wenn ich das Buch jetzt etwas bissig interpretiere: Pythagoras sei ein Sektenführer, Betrüger und Scharlatan. Er sei nicht einmal ein Denker, weil er alles von anderen übernommen hat und ansonsten nur fromme Sprüche klopft. Und überhaupt: Wenn bei Pythagoras irgendetwas Geistreiches festzumachen ist, dann ist es sowieso von Platon (das nachweisen zu wollen, ist nicht ganz so einfach, lebte Pythagoras doch grob ein Jahrhundert vor Platon). Wenn wir Pythagoras und Platon heute an einen Tisch setzen könnten und fragten, was von wem sei, würden sie uns nur wie Narren und Dummköpfe ansehen. Für WEISHEIT gibt es keine Urheberrechte. Alleine schon dieses „Auseinanderdividieren-Wollen“ zeigt den begrenzten Horizont der Wissenschaft. (Für mich sind Sokrates, Platon und Aristoteles die „Dreifaltigkeit der Weisheitslehre des Pythagoras“.)

Mein Fazit: Das Buch kommt mir vor wie die Überarbeitung einer wissenschaftliche Abschlussarbeit (Promotion?). Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt der Prüfer das Buch vollständig gelesen und alle Quellverweise nachgeprüft hat. Es ist ungenießbar (wahrlich kein Lesegenuss). Aber so ist seelenlose, sinnentleerte  Wissenschaft. Das Buch ist für mich ein Paradebeispiel dafür, was dabei heraus kommt, wenn Wissenschaft sich Metaphysik und Mystik nähert – wie ein Schwarz-Weiß-Sichtiger den Farben des Lichtes.

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Konrad Dietzfelbinger: Pythagoras

Untertitel: Spiritualität und Wissenschaft

Dieses Buch von Konrad Dietzfelbinger wird von den aktuelll verfügbaren Büchern über Pythagoras wie kein zweites gerecht. Er nimmt Pythagoras als den Weisen wahr, wie „die Alten“ die großen spirituellen Meister gesehen haben: als Abgesandte einer geistigen Welt. Er interpretiert Pythagoras so, wie ein Pythagoräer ihn interpretieren würde. Er achtet sowohl die spirituelle Tiefe des Pythagoras als auch seinen Beiträge zur Begründung der abendländischen Wissenschaft. Mehr noch: In Pythagoras kann die spirituelle Tiefe „heiliger“ Wissenschaft noch nachvollzogen werden. So habe ich die Interpretation der Zahlenmystik, des „Tetraktys“, nirgends so tiefsinnig interpretiert gefunden wie in diesem Buch.

Wenn man Pythagoras gerecht werden will, so muss man ihn aus dessen Bewusstseisstand heraus interpretieren. Und das ist Konrad Dietzfelbinger meisterhaft gelungen. All diese Rätsel um Pythagoras, seine Abstammung von Appolon und die jungfräuliche Geburt durch seine Mutter werden in der Symbolik des damaligen Zeitgeistes interpretiert. Es war noch ein Zeitalter der Gleichnisse (wie wir es von Jesus auch kennen), Wundertaten waren nicht wörtlich zu verstehen, sondern in der Bildersprache der Seele. Wer dazu keinen Zugang hat, der findet auch keinen Zugang zu Pythagoras. Umgekehrt ist das Buch von Konrad Dietzfelbinger auch als eine Einführung in diese symbolische Seelensprache der damaligen Zeit zu lesen. Wir können auch Jesus als Wundertäter besser verstehen.

1. Die Herausforderung des Pythagoras

Pythagoras hat bei den Lehrstühlen der Universitäten bis heute noch nicht die Anerkennung erhalten, die er verdient und ist sehr umstritten. Die nach ihm großen anerkannten Philosophen Sokrates, Platon und Artistoteles haben Schriften von Pythagoras gelesen und waren in seine Lehren eingeweiht. Der Autor Konrad Dietzfelbinger weist zu recht darauf hin:

Es sind uns zahlreiche Zeugnisse über Pythagoras erhalten, mehr als über viele andere große Männer der Antike in diesen Jahrhunderten. (S. 22)

Daran kann es also nicht liegen. Es ist nicht Pythagoras als Wissenschaftler und Philosoph, sondern es ist der spirituelle Meister (als Abgesandter der geistigen Welt), der über den Horizont der Lehrstuhlinhaber hinaus geht und strittigen Widerspruch auslöst. Pythagoras war von seinen Zeitgenossen so hoch geachtet, als „Personifizierung Gottes“ gesehen,  dass er sogar eine Lichtgestalt wie Jesus in den Schatten zu stellen scheint. Er war neben Buddha und Laotse die Bewusstseinsgestalten, die im 6. Jh. v.Chr. die Menschheit auf dem Planeten Erde auf ein höheres Bewusstseins-Niveau führten. So wie man den Einfluss Buddhas und Laotses nicht hoch genug einschätzen kann, so auch nicht den Einfluss des Pythagoras auf die Entfaltung der abendländischen Kultur.

Der Autor schreibt:

Mit all diesen Eigenschaften ist ein solcher Mensch wie ein göttliches Wesen – oder besser: Es ist wie wenn ein göttliches Wesen, ihm bewusst geworden, in ihm und durch ihn wirkte. Die wahre Natur des Menschen, Ebenbild Gottes zu sein, hatte sich in Pythagoras entfaltet und seine gewöhnliche Identität, seine sterbende Persönlichkeit, durchdrungen.
(S. 64)

Für unsere Hochschulgelehrten ist das denn doch zu viel des Guten.

Pythagoras war in Samos selbst in einer kulturellen Hochburg Griechenlands (an der türkischen Küste) aufgewachsen und bereitete sich schon als junger Mann durch Reisen auf seine Berufung vor, das menschliche Bewusstsein auf eine neue Bewusstseinsstufe zu führen. Er lernte bei Thales (von Milet), besuchte Mysterienschulen in Phönizien, Ägypten und Babylon. Er war in die „Geheimwissenschften der Priester“ eingeweiht, besuchte „Priesteruniversitäten“.

Fest steht, dass Pythagoras im Orient einen vollständigen Einweihungsweg durchlaufen und dabei auch alle wissenschaftlichen Kenntnisse der damaligen Zeit erworben hat. (S. 39)

Das war seine Ausbildung als „Gesandter aus der Welt des Geistes“ (S. 40), bevor er selbst eine Mysterienschule begründen konnte. In dieser „Integration“ damaliger Mysterien und heiliger Wissenschaften entwickelte Pyphagras:

  • eine Zahlenmystik und heilige Geometrie
  • eine Astrologie der Sphären-Musik und Harmonie
  • eine Naturphilosophie, die auf Beziehungen und Verhältnisse beruhte
  • eine Theorie der Weltenseele einschließlich der (Re-)Inkarnation
  • eine Pädagogik der Führung der Kinder in die göttliche Ordnung
  • ein Heilkonzept über harmonische Klänge
  • eine Politik des Friedens und des Ausgleichs
  • eine Prognostik als Kunst des Vorhersagens
  • einer Gemeinschaft von Freunden
  • einer esoterische Mysterienschule der „verschworenen Gemeinschaft“
  • eine gesunde, natürliche Lebenspraxis und Lebensführung einschließlich Ernährungslehre

Kurz: Es ist eine holistische und integrale Weltsicht, wie es wohl keine mehr nach Pythagoras in dieser Breite und Tiefe gegeben hat. Sie war tief begründet in der geistigen Welt. Es waren die letzten Jahre, in denen auch die Wissenschaft noch „heilig“ war, ein Abbild und Verehrung göttlicher Ordnung. Ein „Wiedererinnern“ dieser großen Weisheit der Menschheit in Gestalt des Pythagoras noch ein halbes Jahrtausend vor Christi Geburt ist heute dringender denn je.

2. Die spirituelle Schule des Pythagoras

Pythagoras hatte durch seine Bildungs-Reisen „die Bahn geschaffen, auf der andere, Schwächere, ihm nachfolgen konnten.“ (S. 69)

Er baute eine Mysterienschule auf und leitete sie, eine spirituelle Schule, eine Philosophenschule, wie man es auch nennen will: eine Institution, in der Menschen, die das wollten und die geeigneten Voraussetzungen mitbrachten, unter seiner Anleitung und unterstützt von seinen Kräften ihrerseits ihr wahres, spirituelles Selbst entfalten konnten.
Im Rahmen des Weltbildes und der Erfahrungen des Pythagoras und der Alten sind Einrichtungen wie Mysterienschulen etwas sehr Folgerichtiges, Selbstverständliches, ja Notwendiges. (S. 69)

Es brauchte seine Zeit, bis Pathagoras in Kroton (einer griechischen Kolonie in Süditalien) mit seiner Schule Fuß fassen konnte. Er hielt vier programmatische Reden an die jungen Männer, an den Senat, an Knaben und Frauen und wurde in Kroton mit Begeisterung aufgenommen. Hier fiel der Samen auf fruchtbaren Boden.

Es gab einen „inneren Kreis“ der Eingeweihten (die „Esoteriker“) und einen „äußeren Kreis“ der Novitzen (die „Exoteriker“). In diesem Sinne ist Pythagoras auch die Gründer der Esoterik, die eigentliche Mysterienschule. Es gab für die Schüler bestimmte Rituale und Lebensregeln, Weisheitssprüche (die Akusmata zum Hören und Einschwingen) und Lehrsätze (die Mathemata zum Lernen und Wiedererinnern der Seele) –  über Arithmetik (Zahlen), Geometrie, Astronomie, Musik und Heilkunde. Das waren sozusagen die „Hauptfächer“ der Schule des Pythagoras.

3. Die Goldenen Verse

Die Interpretation der 71 „Goldenen Verse“ sind der Hauptteil des Buches. Hierin ist die Essenz der Lehre und der Lebenspraxis der Pythagoräer zu finden. Es ist sozusagen das Programm der Selbst-Bildung zum spirituellen Menschen zur Erreichung seiner „Seelenharmonie“. Auch wenn der Autor zugeben muss:

Damit ist nicht gesagt, dass die Goldenen Verse in genau der Formulierung, wie sie uns überkommen sind, von Pythagoras artikuliert wurden, auch nicht, dass Pythagoras sie selbst schriftlich niedergelegt hätte. (S. 167)

Diese 71 Verse stellen eine „Landkarte der geistigen und seelischen Welt“ dar und empfehlen „didaktisch aufgebaute Schritte“, den Seelenweg zu gehen. Sie enthalten zwei Teile (Vers 1 – 46 / Vers 48 – 71) und in der Mitte (Vers 47) steht der „Eid des Pythagoras“, der Schwur der verschworenen Gemeinschaft auf den Tetraktys (die Vierheit der Seele).

In ersten Teil der Verse geht es darum, dass der „Schüler“ seine Stellung in der Welt als spirituelles Wesen versteht: die Struktur der geistigen Welt mit Göttern, dem Jenseits und der Heroen; die Struktur der irdischen Welt mit „Eltern“ und Freunden und die neue Lebensführung mit ihren Tugenden und gewissen Lebensregeln.

Der Eid des Pythagoras stellt nach dieser Vorbereitung den Wendepunkt dar, um jetzt den Seelenweg gehen zu könne.

Eine totale Schwerpunktverlagerung also: Zuerst war die irdische Persönlichkeit führend und bereitete den Weg für die spirituelle Seele. Dann tritt die spirituelle Seele bewusst ins Dasein und ermöglicht dem Schüler die direkte Erfahrung der geistigen Welt, wodurch sich seine Persönlichkeit weiter verändert. (S. 228 f.)

Diese Umkehr kommt einer Neugeburt gleich, der „göttliche Mensch“ ist geboren. Die Verse gehen bis 71 bis zur „Auferstehung des Fleisches“, wie wir dies christlich formulieren:

Deshalb wird zum Abschluss der Goldenen Verse so sehr betont, dass der Mensch am Ende des spirituellen Weges „nicht mehr sterblich“ ist. (S. 255)

4. Gemeinschaftsleben und
Schicksal der Schule des Pythagoras

„Die Schüler des Pythagoras bildeten eine verschworene Gemeinschaft.“ (S. 260) Und der Begriff der „verschworenen Gemeinschaft“ hat heute noch die Aura eines unverbrüchlichen Freundschaftsbundes. Neben Kosmos, Harmonie und Esoterik führt die Verwendung des Wortes „Freundschaft“ auf Pythagoras zurück. Die in solchen spirituellen Gemeinschafen freundschaftlich verbundenen Menschen repräsentieren die GESUNDHEIT des Menschen im fünfzackigen Stern. Die vierfältige Seele hat in der Gemeinschaft ihre fünfgliedrige, ganzheitliche Seelenverfassung erfahren.

Diese Geheimhaltung war ein Schutz der Gemeinschaft und ein Schutz der Lehre, in der Spiritualität und Wissenschaft noch unverbrüchlich miteinander verbunden waren. Schon zu Lebzeiten des Pythagoras gab es Neider, die in den Bund nicht aufgenommen wurden und dann gegen die Pythagoräer hetzten. Pythagoras musste nach 2o auch politisch einflussreichen Jahren mit seiner Schule Kroton verlassen, begab sich nach Tarent und Metapont (beides noch in Süditalien).

Nach seinem Tod in hohem Alter von ca. 90 Jahren entzweiten sich die Pythagorärer in die Spirituellen und Wissenschaftler (um es grob zu sagen) und die heilige Einheit von Weisheit und Wissenschaft war entzweit. Trotzdem gab es immer wieder herausragende Persönlichkeiten, die sich auf Pythagoras beriefen – nicht zuletzt der große Astronom Johannes Kepler, der als „wiedergeborener Pythagoras verehrt wurde.

Mein Fazit: Wenn ich nur ein einziges aktuelles Buch von Pythagoras empfehlen dürfte, wäre es zweifellos dieses. Der Leser darf sich dabei auch auf eine spirituelle Abenteuerreise gefasst machen. Er sollte sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass „die Alten“ (zumindest die Meister) in ihrem Bewusstsein höher entwickelt waren als wir es heute sind. Und es ist kein Zufall, dass Pythagoras heute wieder in unser Bewusstsein drängt. Denn es wäre seine Botschaft bei der Lösung der Probleme unserer heutigen Zeit, Spiritualität und Wissenschaft wieder miteinander zu versöhnen und da anzusetzen, wo die Wissenschaft noch nicht vom Göttlichen getrennt war, sondern Ausdruck, eine höhere geistige Ordnung zu verstehen, wie es seine Lehre im 6. Jh. v.Chr. noch war.

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Eduard Baltzer: PYTHAGORAS – der Weise von Samos

Bei der Besprechung von Büchern über Pythagoras darf dieses Buch von Eduard Baltzer nicht fehlen.
Das Buch ist ein Faksimile-Nachdruck des erstmals 1886 erschienenen Buches und ist in Fraktur gedruckt, was das Lesen etwas erschwert. Der Autor Eduard Baltzer (1814 – 1887) begründete den ersten Vegetarier-Verein in Deutschland, war Präsident des Bundes Freireligiöser Gemeinden, Demokrat in der ersten bürgerlichen Revolution Deutschlands und evangelischer Theologe mit einer dann pantheistischen verstandenen Naturreligion. Er setze sich vor allem für eine „natürliche Lebensweise“ und den Vegetarismus ein. Kurz: ein „Vollblut-Pythagoräer“.

Daraus ist seine Pythagoras gegenüber sehr wohlwollende Biographie entstanden, die besonders die natürliche Lebensweise des Weisheitslehrers heraus hebt. Das Buch zeigt diese lebenspraktische Seite des Weisen Pythagoras auf und ist nach wie vor eine der umfrangreichsten Biographien des Pythagoras, eine klassische Biographie.

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Ekkirala Krishnamachary: Die Weisheit des Pathagoras

Zugegeben: Das Buch geht bei mir an die Grenze, ist aber auch eine Herausforderung, meine Grenze zu erweitern: Hier wird Pythagoras von einem indischem Meister interpretiert und mit den alten indischen Weisheitslehren der Veden in Verbindung gebracht. Doch es wird so dargestellt, dass Pythagoras selbst in Indien war und dort die Wissenschaft des Brahma Vidya studiert habe. Das deckt sich nicht mit westlichen Biographien des Pythagoras, der danach zwar in Griechenland, Ägypten, Babylon und später Süditalien war, doch nicht in Indien.  Es mag sein, dass Ekkirala Krishnamachary dabei von einer anderen Inkarnation des Pythagoras in Indien spricht.

Ich gehe auch davon aus, dass Pythagoras mehr als eine historische Persönlichkeit ist, sondern das, was wir „aufgestiegene Meister“ nennen, also ein Seelenwesen aus einer höheren Seenensphäre, die unterschiedliche Inkarnationen erfahren kann und als Weisheitslehrer der Menschheit noch sehr präsent ist. Hier ist das Büchlein von Ekkirala Krishnamachary im Grunde eine konsequente Fortführung des esoterischen Daseins von Pythagoras. Es wäre also möglich, dass Pythagoras in einer anderen Inkarnation in Indien war und dort die alten indischen Weisheitslehren lernte. Das Buch konfrontiert uns mit dieser Thematik! Und so sind die Worte von K. Parvathi Kumar aus dem Vorwort sehr bedeutsam:

Die pythagoreische Weisheit entfaltet sich durch Eingeweihte, die auf der Seelenebene leben. (S. 7)

Mit meinen Worten: Es bedarf des Seelenbewusstseins, um Zugang zur Weisheitslehre des Pythagoras zu finden. Das macht es für rational denkende Interpreten des Pythagoras im Westen so schwer, seine Rolle für unsere abendländische Kultur angemessen anzuerkennen.

Würdigung des Pythagoras durch indische Meister

Es ist zunächst bemerkenswert, dass Pythagoras durch indische spirituelle Meister tiefer verstanden wird als durch unsere abendländischen Philosophen selbst. Kein Wunder: Man kann Pythagoras eben nur aus dem Bewusstsein interpretieren, auf dem man selbst ist. Es ist hervorzuheben, dass Pythagoras in der indischen theosophischen Spiritualität ein hohes Ansehen genießt. Hier werden die 5 pythagoräischen Schlüssel (Sprache, Klang, Farbe, Form, Zahl) angemessen gewürdigt. Ekkirala Krishnamachary stellt immer wieder den Bezug zum Tantrismus oder einer „schöpferischen Intelligenz“ (Deva) her, die in Indien KAPILA heißt, der geistige Herrscher über die Zahlen. Die Lehren des Pythagoras sind Weisheitslehren, die überall auf der Welt Gültigkeit haben. ZAHLENMYSTIK repräsentiert eine Wesenheit, die überall auf der Welt den Namen (und den Titel) PYTHAGORAS trägt. Wobei Pythagoras für weit mehr steht als seine Zahlenmystik.

Der Weisheitslehrer der Integration

Wir könnten auch umgekehrt argumentieren: Wenn es wirklich höhere Wesenheiten einer „geistigen Welt“ gibt, die uns bei der Lösung aktueller Menschheitsprobleme beiseite stehen, dann ist PYTHAGORAS sicher als einer der ersten zu nennen. Wir brauchen eine Integration von Religion und Wissenschaft, von Mystik und Weisheitslehren der Welt, eine Heilung der Welt, eine neue Harmonie. Unsere Wissenschaft muss wieder HEILIG werden, wie sie zur Zeiten von Pythagoras noch waren, d.h. wirklich GANZ und GANZHEITLICH. So gesehen ist es kein Wunder, dass uns bei der Lösung der aktuellen Weltprobleme Pythagoras immer mehr ins Bewusstsein zurück findet – und das weltweit.

Meine Fazit: Wenn man von dieser esoterischen Problematik der unterschiedlichen Inkarnationen des Meister Pythagoras absehen kann, ist das Buch inhaltlich sehr wertvoll für ein tieferes Verständnis der Zahlenmystik. So gesehen kann ich es nur sehr empfehlen.

Das Buch geht an Grenzen und hilft, sie zu überschreiten. Vielleicht sind wir noch nicht für alle Aussagen des Büchleins reif, doch das, was eine Resonanz in unserem Bewusstsein findet, ist sehr wertvoll.


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Heinz Klein: Briefe zum TAO TE KING

Vorweg: Das Buch beinhaltet die 81 Verse des Tao Te King nicht selbst, sondern kommentiert sie. Ich empfehle unbedingt die Neuübersetzung des Tao Te King durch Heinz Klein parallel zu diesen Briefen zu lesen.
>> Mehr dazu in meiner Buchbesprechung

Es gibt wohl kein menschliches Schriftwerk, das so nahe am Unsichtbaren, Unantastbaren und Unaussprechbaren des Urgrunds allen Seins dran ist wie das TAO TE KING.

Es gibt nichts „zu verstehen“ im rein intellektuellen Sinne.
Es erklärt alles, wenn man es mit dem Herzen liest.

Das Chinesische ist als Sprache prädestiniert, dieser Metaphysik des Absoluten nahe zu kommen. Doch selbst bei einer Übersetzung des TAO TE KING, die dem gemeinten Sinn von Laotse am nächsten kommt, bleibt immer noch viel Raum für Kommentare, um die Leere zwischen den Zeichen des Absoluten zu füllen. Das ist Heinz Klein nicht nur in der Übersetzung, sondern auch in den Kommentaren in der Form von Briefen meisterhaft gelungen.

Laotses Verse in ihrer Vielschichtigkeit zu verstehen war zu allen Zeiten sowohl für Chinesen wie auch für Europäer gleich schwierig. Seine Worte richten sich an die für einen spirituellen Weg Berufenen und erhalten in unmißverständlicher Form die Botschaft von der zeitlosen zweifachen Transformation des Menschen mit dem Bewusstsein aus dieser Natur zum „wahren Menschen“, welcher die dritte kosmische Position – die Position zwischen Himmel und Erde – innehat. Dieser Weg, der zu allen Zeiten und an allen Orten aus dem Koordinationssystem von Raum und Zeit hinausführt in die Gegenwart von TAO und von TE, wird in den Erklärungen der Briefe immer wieder in den Mittelpunkt gestellt. (S. 8 )

Die von Heinz Klein für den Kommentar der 81 Verse des Laotse gewählte Form der Briefe ist besonders sympathisch. Es ist kein Dozieren eines Kenners gegenüber einem Schüler von oben herab, sondern eine sehr freundliche Darlegung von Sichtweisen, die man von jedem einfühlsamen Lehrer erwartet. Überall sind die Fragen des Suchenden, des Freundes, des Weggefährten zu spüren, der Dialog mit ihm. Es ist ein nachvollziehbarer „Briefwechsel“, in dem wir die Briefe von Heinz Klein lesen.

Mein Fazit: Die Neuübersetzung des TAO TE KING durch Heinz Klein und seine Kommentare in der Form von 81 Briefen an den (jungen) Freund, den Suchenden (auf dem Weg), den Weggefährten gehören zusammen. Es ist ein Geschenk, das uns nicht nur die letzten Geheimnisse des Lebens nahe bringt, sondern uns auch Respekt vor der Tradition abfordert. Es gibt eine spirituelle Tiefe, die einfach zeitlos und ewig ist. Das haben die Weisen Chinas verstanden, diese spirituelle Tiefe ist die Basis unser aller Kultur. Es ist auch die Basis für die Wiedergeburt der Menschheit im erdumfassenden Sinne.

Es wird sicher eine Renaissance des Aufnehmens der Weisheiten von Laotse geben, jenseits von Yin-Yang, mitten ins Herz des TAO. Die beiden Bücher von Heinz Klein (Neuübersetzung und Briefe) sind ein Wegweiser dorthin.

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und zu anderen hier besprochenen Büchern des Autors.

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Laotse: Tao Te King

Übersetzung aus dem Chinesischen von Heinz Klein

Heinz Klein ist ein ausgewiesener Kenner der chinesischen Sprache und der dem Tao Te King zugrunde liegenden Metaphysik. Er hat 4 Jahre an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan als Dozent unterrichtet. Sein Sinologiestudium war auf die traditionelle chinesische Medizin ausgerichtet, in der er promovierte. Darüber hinaus ist er ein Kenner des Zen-Buddhismus.

Wie kommt Heinz Klein dazu, das Tao Te King neu zu übersetzen? Gibt es nicht schon genug Übersetzungen?
Ist Heinz Klein der bessere Übersetzer?

Es liegt an der Eigenart der chinesischen Sprache, dass ihre Zeichen (Piktogramme, Ideogramme) so deutungsreich sind, dass jeder Übersetzer seinen eigenen Bewusstseinsstand in das Buch projiziert. Und hier meint Heinz Klein:

Wenn die Entscheidung nun zugunsten einer neuen überarbeiteten Übersetzung getroffen wurde, so liegt der Grund dafür hauptsächlich in der Erkenntnis, daß ein wichtiger Aspekt, wenn nicht gar der wichtigste, in den bereits erschienenen Werken übersehen oder nicht erkannt wurden. (S. 7)

Schon die knapp 40-seitige Einführung ist das ganze Buch wert. Darin schreibt er Erhellendes über die Besonderheit der chinesischen Sprache und der Zeichen, wie sie noch vor der Kulturrevolution genutzt wurden. Selbst für Chinesen erschließt sich die Tiefe des Tao Te King nur durch ein tiefes Bewusstsein selbst. Um so wichtiger ist dies für einen Übersetzer. Nur wer in dem Bewusstsein des Laotse ist, kann die Botschaft intuitiv (aus dem Herzen) in die Fremdsprache übertragen. Das ist Heinz Klein hervorragend gelungen. Seine Übersetzung des Tao Te King ist tiefsinnig und doch in einfache Worte gekleidet. Es geht um die Resonanz, die die Worte auslösen.

Was die Übersetzung des Tao Te King und die Erläuterungen von Heiz Klein bei mir ausgelöst hat: Ich habe in meinem Leben nie zuvor einen so tiefen Respekt vor der Tradition gehabt (nicht nur der chinesischen). Wie schon die „alten Weisen“ die „ewigen Wahrheiten“ in einfache Worte zu fassen wussten: die „heilige Wahrheit“ jenseits aller kulturellen Überwucherung.

Was mich in ganz besonderem Maße berührt hat ist die kurze Darlegung einer Metaphysik der Schöpfung jenseits eines personifizierten Schöpfers (ähnlich dem Buddhismus) in der Einleitung (S. 15 – 17). Die wichtigsten chinesischen Ideogramme lesen sich so wie die „Chiffren der Transzendenz“ (Karl Jaspers): der (wahre) Mensch als Mittler zwischen Himmel und Erde. Diese „Drei-Einigkeit“ löst auch diese westliche Fixierung auf die Trennung von Geist und Materie. Es gibt keine geistlose Materie.

YIN-YANG und WU-WEI

Bei der ersten Aufnahme des TAO TE KING in der spirituellen Renaissance des Westens spielten die Begriffe YIN-YANG und WU WEI eine große Rolle. Heinz Klein zeigt in der Einleitung, wie wir diese Begriffe missverstanden haben. YIN-YANG spielt in den Versen des Laotse kaum eine Rolle. Wir Westler haben in unserem Bewusstsein der Dualität diesen Aspekt viel zu sehr betont. Denn im TAO TE KING geht es um die Transformation der Dualität und keine Fixierung auf YIN YANG.

Unsere Neospiritualität im Wesen betont das weibliche „Fließenlassen“. Und da schien das WU WEI als „Nichts-Tun im Fluss des Lebens“ eine Bestätigung aus dem TAO TE KING zu sein. Doch WU WEI als „Nichts-Tun“ zu verstehen ist kaum die halbe Wahrheit. Es geht darum, nichts mehr aus dem Eigenwillen heraus zu tun. Im Eigenwillen weniger zu werden, um den Schöpfungswillen durch sich fließen zu lassen.

Unter Nicht-Tun versteht man nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, ein vom Trägheit und Energielosigkeit gekennzeichnetes Leben. Gerade weil der Drang nach Selbstbehauptung und die ichbezogenen Wünsche, die aus dem Gefühl des Abgetrenntseins entstehen, zurückgestellt werden, kann sich im Menschen eine Aktivität entfalten, aus welchen die wahren geistigen Antriebskräfte der Schöpfung kommen. (S. 33)

Die Essenz des TAO TE KING

Im TAO TE KING geht es um Transformation ins Einheitsbewusstsein jenseits der Dualität. Und damit ist das TAO TE KING mit der Gnostik, der inneren Alchemie, der Metaphysik des Absoluten verwandt. Heinz Klein weist auf zwei Transformations-Prozesse hin:

Im Nicht-Tun liegt dann der Schlüssel zur ersten Stufe der Transformation. … Dieser Prozess der Neuschöpfung besteht nach Laotse darin, das niedere TE, welches die Wirklichkeit des nicht gewandelten Menschen gestaltet, durch vermehrtes Nicht-Tun zu verringern, damit hohes TE den Mikrokosmos wieder erneuern und beleben kann. (S. 33)

Mit der Überwindung der Polarität überschreitet er die Grenzen von Geburt und Tod, und er ist fähig, das Reich zu erlangen. In der zweiten Phase der Transformation hat er das Doppelkleid der Ewigkeit angezogen und ist unsterblich geworden auf allen Ebenen der Schöpfung. (S. 38)

Briefe zum TAO TE KING

Heinz Klein hat zu der Neu-Übersetzung des TAO TE KING „Briefe“ herausgegeben. Sie dienen als Kommentare der einzelnen der 81 Verse nur bedingt dem „besseren Verstehen“. Es sei ein „Wahn, das Phänomen TAO beziehungsweise Taoismus intellektuell einordnen zu können“ (Briefe, S. 8 )

Um dem Urgeist aus TAO und aus TE begegnen zu können, muss der Mensch seine ich bezogene Intellektualität aufgeben und Geist und Herz in die Einfachheit und Unverfälschtheit der ursprünglich reinen Schöpfung aus TAO und aus TE zurückzuführen. (Ebenda)

Die „Briefe zum TAO TE KING“ sind Wegbegleiter auf diesem „Weg der Rückkehr“, dem „Weg des Wenigerwerdens“ und zur Ergänzung ans Herz gelegt.

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Mein Fazit: Es gab vor ein paar Jahren eine Zeit, in der jeder spirituelle Autor sein Thema mit den Gedanken des TAO in Verbindung brachte: das Tao der Physik, das Tao des Geldes, das Tao des Herzens, das Tao des Zufalls, das Tao der Liebe, das Tao der Fülle, … Dann wurde es still, das Thema war „ausgelutscht“.

Doch all diese Interpretationen des Tao blieben an der Ober-fläche des Yin-Yang, gingen nicht wirklich an die Substanz, an die ewige Metaphysik reinster Form  des Tao Te King, ohne mystischen, moralischen oder religiösen Schnörkel. Von allen Weisheitsschriften der Menschheit geht das Tao Te King wahrscheinlich am tiefsten. Ich würde der Neuübersetzung durch Hein Klein wünschen, das dieser Klassiker der Weisheit den Suchenden von Heute einen neuen Schlüssel zum Verständnis des Tao Te King in die Hände gibt als Wegbegleiter unserer Transformation als Berufene.

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Heinz Klein: Medizin und Alchemie

Untertitel: Wege zum Heil im traditionellen China

Das Buch ist mit Sicherheit eines der Hauptwerke von Heinz Klein. Er erweist sich darin als profunder Kenner der Weisheiten des traditionellen China. Er war vier Jahre Dozent an der Hochschule für chinesische Kunst in Taipei/Taiwan. Bei seinem Studium der Sinologie war sein Fachgebiet die chinesische Medizin, worüber er promovierte. Er übersetzte das Tao Te King neu ins Deutsche und führte in seinem Buch „Briefe zum TAO TE KING“ in diese Weisheitslehre des alten China im mystischen, gnostischen und alchemischen Sinne ein. Heinz Klein ist ein wahrlich WISSENDER im Sinne der Einsicht in die kosmischen Gesetze.

Seine besondere Begabung ist das letztlich EINFACHE zu erkennen und es in einfachen Worten zu vermitteln. Das ist die ganz große Kunst ganz im Sinne „seines Meisters“ LAOTSE, wenn ich mich so ausdrücken darf. Heinz Klein braucht nicht viele Worte, um das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Er schreibt in ESSENZEN (auch essentielle Worte können Medizin sein).

Ein Arzt, der die traditionelle Medizin ausübte, sah sich in einem Einzelschicksal mit einem gestörten Kosmos konfrontiert. … Die Aufgabe des Arztes war demnach vorrangig eine Rückführung des Patienten in ein ungestörtes Verhältnis zwischen Makro- und Mikrokosmos. (S. 9)

Was für ein universelles (im wahrsten Sinne des Wortes) Programm des Heilens!

Das Dreierprinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin

Das Dreierprinzip (die Trinität, Dreifaltigkeit) ist Teil aller Weltreligionen.

Bei uns im Westen formuliert als die Einheit von Vater, Sohn und Geist. Die Rückbindung vollzieht sich über die Stationen Weg, Wahrheit und Leben. Und vom Leben im wahrsten Sinne des Wortes kann erst dann die Rede sein. (S. 12)

Solche Begriffe der Dreifaltigkeit sind:

  • HIMMEL – (wahrer) MENSCH – ERDE
  • Haupt – Herz – Becken
  • Bewusstsein – Seele – Unbewusstes
  • Weg – Wahrheit – Leben
  • Patient – Arzt – TAO
  • Schauen – Befragen – Pulsfühlen
  • ch’i – ching – shen

Wenn es eine „ewige Wahrheit“ gibt, dann gibt es auch ewig wahre Heil-Prinzipien. Das ist der Schlüssel, um die traditionelle chinesische Medizin in ihrer Universalität und Tiefe zu verstehen.

Die Grundlagen der traditionellen Wissenschaften kommen quasi von oben; sie wurden von Trägern höheren Bewusstseins aus den kosmischen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet und dem Volk als Wegweiser zu einem geordneten Leben übergeben. Die chinesische Medizin kennt daher keine Fortentwicklung oder gar Fortschritte auf der Raum-Zeit-Achse. (S. 17)

Der Autor führt in bestimmte Grundbegriffe des Chinesischen ein bzw. entschlüsselt wichtige Piktogramme. Diese universelle Lehre der Heilung benutzt bestimmte Ausdrücke, die nicht mit dem Griechischen oder Lateinischen verbunden sind, sondern mit dem Chinesischen, die nicht einfach übersetz werden könne, sondern als Zeichen gedeutet werden müssen. TAO, YIN – YANG, CHI, T’AI-CHI und andere sind uns schon vertraut. Auch das häufig missverstandene WU WEI. Die Entschlüsselung der Begriffe ist schon wichtig für das Verständnis dieser Ur-Medizin. Nennen wir diese Piktogramme (Ideogramme mit Bild- und Symbolcharakter) zum besseren Zugang einfach „Heil-Codes“ für das Bewusstsein. Es sind keine magischen Codes, sondern Bewusstseinsöffner.

So ist der Arzt ein Hellsichtiger, letztlich ein WEISER, ein spirituell Erwachter.

Der Weise ordnet, er verwaltet, er heilt, aber nicht mehr aus der Überwucherung der Mitte heraus (dem vom EGO besetzten Herzen, J.S.). Er ist vielmehr der Mandatträger. Er ist die dritte kosmischen Potenz, Himmel und Erde verbindend. Durch sein Tun im Nicht-Tun, d.h. durch sein Ordnen, Walten und Heilen als Mandatträger der ursprünglichen Schöpfungsvibration, entsteht ein neuer Himmel und eine neue Erde. (S. 59)

Und das ist auch Teil dieser Medizin: Jede Heilung des Einzelnen heilt auch das Ganze.

Quintessenzen aus einem Hauptwerk
der traditionellen chinesischen Medizin

Das Buch enthält im mittleren Teil beispielhafte Übersetzungen von Heinz Klein aus den „Gesammelten Schriften“ von Chang Chieh-pin (erstmals 1644 herausgegeben), um „deutlich Denk- und Forschungsweise eines Gelehrten im traditionellen China“ zu zeigen (S. 94) und gibt dazu eine Zusammenfassung.

Der Körper dient einmal als Instrument zur Selbstbewusstwerdung, und zum anderen liegt im Körper verborgen der Schlüssel zur Wiedererlangung der Unsterblichkeit. (S. 101) …
Und je nach Bestimmung des Patienten kann dieser, nachdem er über den Weg der Krankheit das Ziel Gesundheit erreicht hat, den Weg zur Verwirklichung des wahren Menschen betreten. Denn von einer höheren Warte aus gesehen, bleibt der (nicht wahre, J.S.) Mensch trotz zurückgewonnener Gesundheit im Zustand des Un-Heils. (S. 103)

Die alchemische Unsterblichkeit im Taoismus

Es ist ein Zeichen der TIEFE der traditionellen chinesischen Medizin, dass sie HEILUNG bis zur Unsterblichkeit „zu Ende denkt“ und so auch den Tod zu überwinden sucht. In dieser Medizin gibt es keine Grenze, kein Tabu, nichts „Unheilbares“.

Das Werkzeug dafür ist die „innere Alchemie“. Manchmal kann einen im Chinesischen der Begriff „edler Mensch“ irritieren. Ist das ein Ritter, ein Adliger? Nein, es ist der Ausdruck für den wahren Menschen. In der chinesischen Alchemie geht es nicht um die äußere Umwandlung unedler in edle Metalle, sondern um die innere Umwandlung des unedlen, sterblichen zum edlen, unsterblichen Menschen.

Die frühen Taoisten überließen den Wandlungsprozess dem immanenten Schöpfungsprinzip. Dieses wird normalerweise vom Eigenwillen und seinen Zielen überlagert. Wenn der Adept das Wenigerwerden auf allen vier Lebensbereichen, d.h. auf der mentalen und emotionalen Ebene, dem Willensbereich und im physischen Bereich, täglich umsetzt, so vollziehen sich die einzelnen Phasen der Transformation von selbst. Das immanente Schöpfungsprinzip kann das große Werk vollbringen. Der Prozess der Transformation ist kein widernatürlicher Vorgang, sondern es vollzieht sich, was in der Urschöpfung vorgesehen war. (S. 117)

Vielleicht noch ein erhellender Abschlusssatz aus dem Buch:

Ein Genußmensch, so ist auch heute bekannt, verzichtet lieber auf das Heil seiner Seele als auf einen körperlichen Genuß. (S. 130)

Mein Fazit: Die Heilkunst der Traditionellen Chinesischen Medizin ist als alternative Heilmethode im Westen sehr modern geworden. Oft wird dabei vergessen, dass es den chinesischen Ärzten vor allem darum ging, die Harmonie zwischen dem erkrankten Mikrokosmos des Menschen mit dem Makrokosmos wieder herzustellen. Heilung war vor allem Bewusstwerdung. Das Arbeiten an Meridianen, Akkupunkturnadeln usw. hatte nur den Sinn, Energien wieder zum Fließen zu bringen. Entscheidend für die nachhaltige Heilung jedoch ist das erwachende Bewusstsein.
Das Buch von Heinz Klein bringt dies auf den Punkt. Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich nach der Tradition der chinesischen Medizin behandeln lässt, um seinen eigenen Beitrag zur Heilung zu leisten. Und wenn ich ganz ehrlich sein darf: Ich würde dieses Buch jedem empfehlen, der Verantwortung für seine Gesundung übernimmt. Die Metaphysik der Heilung ist in keinem medizinischen System so tiefgehend und einleuchtend wie im Taoismus.

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und zu anderen hier besprochenen Büchern des Autors.

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Thomas Werner: Die Seele

Untertitel: Vorstellungen und Bekenntnisse der Philosophie

Der Autor Thomas Werner ist kein Berufsphilosoph, sondern ein Lebensphilosoph, dem die Philosophie wirklich zu einem Wegweiser zur Beantwortung der großen Fragen des Lebens geworden ist. Das ist für mich schon ein großes Plus des Buches. Es ist keine wissenschaftliche Philosophie, sondern Lebensphilosophie als „Liebe zur Weisheit“, wie sie jeden berühren sollte. Ich könnte dieses Buch als „Einführung in die Philosophie“ für jedermann (den „…mann“ verwende ich hier durchaus mit Bedacht) sofort empfehlen. Es geht um die Philosophie Platons und seinem Kerngedanken, der unsterblichen Seele.

Ich habe das Thema SEELE nirgends so differenziert und gleichzeitig ganzheitlich beschrieben gefunden wie in diesem Buch. Nachdem Aristoteles die Psyche entseelt hat, um sie wissenschaftlich handhabbar, begreifbar zu machen, ist sie in viele Facetten zersplittert. Da tut ein Buch „gut“, das die Seele wieder als GANZES sieht, so wie es bei dem Lehrer von Aristoteles noch der Fall war, bei Platon. Andere große Philosophen in der Tradition Platons werden „herbeizitiert“: Plotin, Jamblich, Cusanus, Marsilio Ficino, die als „Neoplatoniker“ noch einige wichtigen Differenzierungen vornehmen. Am Ende des Buches habe ich den Eindruck: Es ist alles Wesentliche und das verständlich zur Seele gesagt, was philosophisch zu sagen ist und gesagt werden kann.

Platon

Platon (428 – 348 v. Chr.) und sein Lehrmeitser Sokrates (469 – 399 v. Chr.) sind wohl die größten antiken Philosoph des Abendlandes. Ihre Philosophie will Gott erkennen und die unsterbliche Seele als göttlichem Teil in uns. Manche Philosophen sagen, nach Platon gäbe es „nichts Neues unter der Sonne im Bereich der Philosophie“, maximal noch Fußnoten. Es ist noch eine „göttliche Philosophie“ im Gegensatz zu der wissenschaftllichen Philosophie des Aristoteles, in der auch die Seele zu einer begreifbaren Psyche wird, eine unbeseelte Psychologie sozusagen.

Wer Philosophie im Sinne einer Wegweisung zu dem großen Fragen des Lebens studieren will, der kommt an Platon nicht vorbei. Er sucht die zeitlose WAHRHEIT, die WEISHEIT jenseits des Wissens, das GUTE, das SCHÖNE, das GERECHTE in himmlischer Klarheit.
Das Buch ist eine lebensnahe auf Lebenspraxis ausgerichtete Einführung in das Lehrgebäude des Platon, mit der SEELE als Schlüsselbegriff, dem Universalschlüssel, der erlaubt, auch die anderen großen Grundbegriffe der Philosophie „aufzuschließen“.

Die Grundfragen der Philosophie,
die Platon und seine Nachfolger beantworten, sind (S. 219):

  • Was ist der Ursprung von Welt und Menschheit?
  • Wie kann dieser Ursprung beschrieben und erklärt werden?
  • Was ist die Seele und welche Rolle spielt sie im Leben des Menschen?
  • Was ist Vernunft?
  • Von welchen Triebkräften wied der Mensch geleitet,
    und von welcher Natur sind diese Triebkräfte?
  • Selbsterkenntnis:
    Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?

Perlen der Weisheit

Um einen „Geschmack“ des Buches zu geben, möchte ein paar, willkürlich zusammengetragene Zitate anführen. Es ist nicht als Exzerpt zu verstehen.

Die als erstes wahrnehmbare Ordnung betrifft die sichtbare Welt, hier gilt das Recht des Stärkeren und Anpassungsfähigeren, der Eigennutz steht vor dem Nutzen des anderen. Die zweite Ordnung betrifft eine nur mittels des Denkens erfassbare Welt, erfahrbar im Liebesgesetz (Johannes 13.34-35) und der Welt des Neuen Testaments sowie in der Idee des Guten. (S. 28)

Eine Seele, die ein ewig seiendes Gesetz befolgt und verinnerlicht, hat damit Anteil an etwas Ewigem. Das ewige Seelenleben ist also nur für solche Seelen gewährleistet, welche auch das dem Menschen gewährte und von ihm erkennbare Liebesgesetz befolgt. (S. 29)

Im Sokrates offenbarte sich der innere Mensch. Er nannte diese innere Stimme „Daimonion“ (griechisch: „göttliches Wesen“), die ihn leitete, dem Guten zu dienen und dessen Kraft anzuwenden. (S. 30) Der sokratische Daimonion, von Platon als innere Stimme des Philosophen dargestellt, erlaubte Sokrates, das Wesen „Mensch“ zu ergründen … und gelangte zu dem Schluss, dass die unsterbliche Seele, als des Menschen innerstes Wesen, der wahre Mensch sei und nicht die sichtbare vergängliche Persönlichkeit. (S. 31)

Der wesentliche Unterschied zwischen Wissen und Weisheit besteht darin: Wissen ist erlernbar und praktisch anwendbar in der äußeren Welt, es ist von einem zum anderen Menschen übertragbar. Weisheit, Einsicht in die Kreisläufe des Lebens zum Erkennen der Wahrheit, ist dagegen nicht übertragbar. Sie muss in der eigenen Seele erarbeitet und erkannt werden und in der Folge der eigenen Lebenspraxis angewandt werden. (S. 39)

Das Leben erfüllt sich in der eigenen Seele, und diese muss sich am Geist orientieren, denn dann wird sie sich ihrer Unsterblichkeit bewusst und kann nach den Gesetzen der Ewigkeit leben. (S. 40)

Die wahre Philosophie hat sich nie um das Äußere des Menschen gekümmert, sondern immer nach der Wahrheit gesucht und diese auch im Wesen des inneren Menschen gefunden, in seiner unsterblichen, an den höchsten Gott gebundenen Seele. (S. 47)

Wer ist Jesus der Christus? Er kann als Prototyp des wahren geistigen Menschen (Sohn und Erbe, entfaltet aus dem göttlichen Ursprung) verstanden werden. (S. 57)

Die Seele ist vertraut mit der Wahrheit, ist inzwischen aber vom Weg der Vernunft abgekommen und erinnert sich nun wieder an ihren Ursprung. Sie erkennt die ewigen Ideen  und damit das wahre Seiende wieder (Platon). (S. 64)

Viele Philosophen haben das Wesen Gottes beschrieben und dabei ein ziemlich einheitliches Bild gezeichnet. Platon spricht vom Guten. Ohne die Güte Gottes wäre überhaupt nichts, was ist. (S. 73)

Der Eros ist also eine sich im Menschen befindliche Kraft, die weisheitsliebend, das heißt philosophisch ist. (S. 79)
Im Heilungsprozess der Seele dient der Eros als begehrende Kraft für das Heilwerden. (S. 83)
Die Bewusstwerdung des Menschen, erkennbar im Werk Platons, ist der Weg vom Eros zur Liebe. (S. 86) Die Erkenntnis des Guten bewirkt nun eine neue Liebeskraft, die des Eros nicht mehr bedarf. (S. 87)

Die anderen Philosophen nach Platon

Philosophen, die auf Platon folgen, haben keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse vorgelegt. Wahrheit ist und kann nicht neu erfunden werden. Die platonische Philosophie bedarf keiner weiterführenden Erkenntnisse. (S. 97)

Die Neoplatoniker haben ein paar Nuancen anders gesetzt, die ich versuche hier kurz aufzuzeigen (auch zum besseren Einstieg ins Buch).

Plotin (205 – 270) sieht das Grundprinzip im EINEN. Er in interpretiert Gott nicht unter dem Aspekt der GÜTE (Platon), sondern des EINEN als Ursache von allem. Die Frage ist auch, wie dann das Böse durch Eigenwilligkeit der Seele in die Welt kommen kann. Ein weiterer wichtiger Aspekt: die Ewigkeit des Göttlichen und das Leben der Seele in der Zeit.

Das Eine bedarf des Guten nicht, es ist der Ursprung des Guten und mit ihm identisch. (S. 104)

Also ist Gott, der gut ist, nicht Ursache von allem, sondern, was die menschlichen Angelegenheiten anbelangt, nur von wenigem. Beim Menschen aber überwiegt das Übel. Für das Gute liegt die Ursache bei Gott, für das Übel aber müssen die Ursachen gesucht werden, die nicht bei Gott liegen. (S. 104)

Plotin weist auch stärker noch als Platon darauf hin, dass es der GEIST ist, der über der Seele steht. Die Seele „ist vollkommen, wenn sie Geist hat“ (S. 113).

Die Fessel der Seele, der Körper, muss als das verstanden werden, was er ist: der Aufenthaltsort der Seele in ihrem aktuellen Bewusstseinszustand. (S. 115)

Falls jedoch der Körper als Diener der Seele eingesetzt wird, indem die im Kopf … verfügbaren Denktätigkeiten ausgeübt werden, wird die Seele zum Führer des Menschen. (S. 133)

Durch Individuation trennt sich die Seele von der All-Einheit. Sie verliert den Kontakt zum Einssein. … Die von der Ganzheit des Seins gelöste Seele verliert das Ewigkeitsbewusstsein, durch die Bindung an einen Körper vergisst sie ihren vormaligen Zustand und führt ein Leben in der Zeit. (S. 136)

Jamblich (ca. 240 – 320) aus Syrien greift auf Pythagoras zurück und stellt die Einheit der Lehre von Pythagoras und Platon heraus. Seine große Herausforderung ist das EINE als sowohl (unbeweglich ewiges) SEINENDES wie auch schöpferisch WERDENDES zu verstehen. Pythagoras war für ihn ein Weiser, der beide Gebiete kannte: „Weisheit ist Erkenntnis von den Gesetzen der Ewigkeit, und Wissen ist die Kenntnis von den in der sichtbaren Welt geltenden Gesetzen.“ (S. 151) Pythagoras lehrte auch die Reinheit des Körpers wie Abstinenz von Alkohol oder Fleischverzehr.

Cusanus (Nikolaus von Kues, 1401 – 1464) konzentriert sich darauf, aus der immer stärkeren Differenzierung des Göttlichen (GEIST, SEIN, WERDEN) wieder das EINE zu finden, die „Einheit der Gegensätze“ (etwas grob formuliert). Das „Nicht-Beschreibbare“ ist das „Nicht-Andere“. Mit andren Worten: Obwohl es nicht beschreibbar ist, ist es keinesfalls etwas ganz anderes. So ist der Mensch auch ein „zweiter Gott“ (S. 177). Es ist kein Wunder, dass Cusanus Pantheismus vorgeworfen wurde (Alles-ist-Gott). Er gehörte zu den ersten Humanisten und war auch dem Islam gegenüber wohlgesonnen.

Christus, der Sohn gegenüber dem Vater ist, ohne damit seine absolute Einheit mit ihm zu verlieren, ist zugleich auch Gott und Mensch in einem. … Zugleich aber ist Christus Gott selbst, in gleichsam absoluter Identität, die auch ihre Differenz zugleich ist. (S. 184)
In jedem Menschen ist also der noch eingefaltete Christus, der Prototyp des Menschen, enthalten (ebenda).

Erkennbar ist der Eine nur in seiner Entfaltung, das heißt in der Offenbarung außerhalb seiner selbst. Die Entfaltung bedeutet, dass ein Anderer aus dem Einen hervorkommt, der von gleicher Art ist, denn sonst könnte er den Einen nicht erkennen. (S. 189)

Wichtig für die Arbeiten von Cusanus ist, dass der die Arbeiten Platons mit dem neuen Testament in Verbindung bringt. Das Tragische des Menschen ist, dass er Teil beider Welten ist, die „ungöttliche“ Welt des Sichtbaren und Vergehenden und der „göttlichen Welt“ des Ewigen.

Der Zugang zu beiden Welten kann allein in der menschlichen Seele erfahren werden. (S. 203) Und damit besteht für die Seele „eine Wahlmöglichkeit“ (S. 207)

Marsilio Ficino (1433 – 1499) ist in der Runde der Neoplotoniker noch bedeutsam, da er Glück, Glückseligkeit und Liebe mit der Seele verband. Die Liebe der Seele ist für ihn „platonische Liebe“.

Glück und Seligkeit müssen vielmehr im Bewusstsein von der unsterblichen Seele gesucht werden. (S. 222)

Vom Ursprung geht also der Geist aus, er formt die Seele, um sich darin zu zeigen. (S. 233)

An diesem Grenzstein des Denkens setzt Ficino die Liebe ein, das umfassendste Merkmal des Einen und alles Seiende.
Der Kreis ist geschlossen, der Weg ist absolviert, die Seele ist wieder in das Gebiet zurückgekehrt, aus dem sie stammt, in ihr wahres Zuhause. … Dieses Leben findet seine Bestätigung im Tätigsein in Vernunft und Liebe für diese Welt. (S. 245)

Das Buch endet mit einer lehrreichen Zusammenfassung des Autors, die man auch als Einführung lesen kann: „Philosophie als Tätigkeit und angewandte Weisheit“ (S. 245 – 252), „Philosophisches Leben“ (S. 252 – 261), „Das Wesen der Seele“ (S. 261 – 263), „Weisheit und Wissen“ (S. 264 – 266) und „Die Ideenlehre als Grundstein der Weisheit“ (S. 266 – 267).

Not-wendiger Nach-Gedanke

Mein Nach-Denken nach dem ersten Studium des Buches muss mit einem DANKE an den Autor beginnen. Es hat dieses Feld der SEELE sehr umfassend dargestellt und sicher auch ganz im Sinne Platons und der besprochenen Neoplatoniker. Es scheint mir das zu sein, was als Seelen-Mystik philosophisch darstellbar ist.

Und doch bleibt mir der Eindruck und „Nach-Geschmack“: Es ist noch nicht der Gipfel selbst, sondern das letzte Plateau vor dem Gipfel. Das Buch durchzieht eine merk-würdige Dualität, die es trotz Philosophie des EINEN nicht transformiert. Und das ist PLATON „geschuldet“, nicht dem Autor. Hier die „göttliche Welt“, dort die „ungöttliche Welt“. Wenn Platon in Gott das GUTE sieht, dann ruft es das BÖSE regelrecht hervor. Es ist thematisch im Buch verdrängt, dann und wann taucht das Wort „Schlechtes“ auf. Der „Schatten des verdrängten Bösen“ macht sich jedoch überall in dieser durchgängigen Dualität breit, vor allem in der Missachtung des KÖRPERS. Die ganze Welt des Sichtbaren scheint die Welt des Unheils zu sein, unheilig, ungöttlich. Die Seele ist im Körper „gefangen“, muss sich aus diesen Fesseln „befreien“. Der „Befreiungsweg“ der Seele scheint vom Körper WEG zu gehen, statt sich VOLLKOMMEN als unsterbliches Prinzip in den Körper zu INKARNIEREN, um ihn zur Unsterblichkeit selbst zu transformieren.

Und vielleicht darf ich jetzt noch meine Empfehlung für „jeder Mann“ aufklären: Diese Art zu philosophieren ist „typisch Mann“. Entweder liebt er sexgierig missbrauchend oder platonisch göttlich. Der „wahre Mensch“ ist dann DER Philosoph. Nicht nur das „Böse“ ist verdrängt, sondern auch FRAU und SEX (klar, oder?). „Irgendwie“ ist diese Philosophie in allen Glieder „blutleer“. Böse Zungen interpretieren diese Worte als „impotent“.
Das ist eine Konsequenz dieser Dualität im zerrissenen Mann (der die Frau dann auch nur als Hure oder Heilige sehen kann). Es ist mir noch nie so bewusst geworden, wie durch dieses Buch. Es führt an eine Grenze, die es zu überschreiten gilt. DANKE!

Mein Fazit: Wer von der Philosophie eine Antwort auf die großen Fragen des Lebens erwartet, insbesondere die Themen „Seele, Unsterblichkeit, Göttlichkeit“, dem empfehle ich das Buch trotzt Nach-Gedanken uneingeschränkt. Der Autor erklärt alles in eigenen Worten (viele Zitate der Philosophen als Belege), doch es sind durchgängig seine Worte, so dass das Werk eine gewisse Geschlossenheit hat. Das Buch ist auch für christlich Suchende eine große Hilfe, die diesen christlichen Begriff der Seele mehr verstehen wollen. Die Verwandtschaft zwischen Platon und Paulus wird häufig heraus gestellt, Jesus als der Inbegriff des auch philosophisch „wahren Menschen“.

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Heinz & Aude Klein: Ihr seid Götter

Untertitel: Die Suche nach Unsterblichkeit

Die Bücher von Heinz Klein gehen immer an die Grenze des Denkbaren – und darüber hinaus.
Dieses Buch bespricht das größte Tabu des Menschseins: unsere Unsterblichkeit. Es geht dabei nicht um die Unsterblichkeit der Seele, sondern wirklich um die körperliche Unsterblichkeit. Dafür hat Heinz Klein als Experte des Taoismus (er hat das Tao Te King von Laotse neu ins Deutsche übersetzt) einen „neuen“ Ansatz, zumindest für unser westliches Denken: die Alchemie des Tao Te King (in China gilt Laotse als Urvater der Alchemie), das „Tao Te King“ – etwas grob formuliert – als Rezeptbuch für Unsterblichkeit.

Innere Alchemie (Laotse) und innere Auferstehung (Jesus)

Wir verbinden mit dem Begriff der Alchemie die Umwandlung von unedlem in edles Metall, also Blei in Gold. Natürlich kann man diese Transmutation auch allegorisch verstehen. Doch die Alchemie in China hatte nie die Herstellung von Gold zum Ziel, sondern die Unsterblichkeit des Menschen, die Verwandlung des unedlen Menschen  in den edlen Menschen, den göttlichen Menschen. Gut, auch in China wurde in den alchemischen Laboren nach der „Unsterblichkeitspille“ dafür gesucht. Doch das Ziel Laotses ist die „innere Alchemie“, die innere Umwandlung des Menschen.

Mit diesem „Ansatz“ bekommt auch die Auferstehung von Jesus einen neuen Sinn. Was wäre, wenn auch Jesus bereits als „Sohn Gottes“ diese körperliche Unsterblichkeit erreich hätte?

„Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet aus Wasser und Geist“, sagt die Bibel, „dann werdet ihr verrecken wie die Hunde“ führt Gurdjief den Satz zu Ende. Wiedergeboren heißt dann in anderen Worten ausgedrückt: aus dem vorhandenen Material des sterblichen Menschen mit Hilfe der inneren Alchemie einen Menschen mit einer unsterblichen Struktur zu machen. (S. 12)

In dieser Sicht ist Jesus nicht unser „Erlöser“, sondern der Wegweiser zur inneren Erlösung. Nur diese Selbsterlösung (der direkter Weg) kann zu dieser inneren Umwandlung führen und keine Fremderlösung (der indirekte Weg). Jesus steht dann für den direkten Weg der Selbsterlösung, Paulus (und die Kirche) für den indirekten Weg der „Fremderlösung“ mit all ihren Manipulationsstrategien.

Die Seele und der mystische Weg

Wir erleben eine „Renaissance der Seele“, weil wir uns von dem religiösen Bild der Seele befreien und zu einem tieferen Sinn der Seele vorstoßen. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass der mystische Weg der Seele immer bedeutungsvoller wird. Immerhin: Die Vorstellung der Seele lehrt uns, wieder in Kategorien der Unsterblichkeit und Ewigkeit zu denken.

Auch hier ist das Verständnis des Taoismus von der Seele (p’o-Äther und hun-Äther) wegweisend, die Unterscheidung zwischen einerseits irdischer, sterblicher und andererseits unsterblicher Seele. Wobei es in der Tradition des Taoismus keine „an sich“ unsterbliche Seele gibt, sondern diese unsterbliche Seele erst erschaffen werden muss.

Die Idee, dass der Mensch von Geburt an eine unsterbliche Seele besitzt, war in den traditionellen Kulturen unbekannt und ist erst mit dem Christentum verbreitet worden. Eine unsterbliche „Seele“, besser gesagt ein Unsterblichkeitsleib musste erst noch geschaffen werden. (S. 31)

Noch einmal, weil es so wichtig ist: Die Seele ist in diesem Verständnis nicht „an sich“ unsterblich. Das Reich der Seele (das Reich der Mystik) ist immer noch ein Reich der Dualität, in dem es einen Anfang und ein Ende gibt. Die Seele (als duales Energiefeld des Alls) ist nicht das Medium der Ewigkeit.

Ist uns nämlich der Durchbruch durch diese seelische Sphäre, die unser Sosein aufrecht erhält, einmal gelungen, dann ist die Begegnung mit dem, was wir sein könnten, so überwältigend, dass wir bereit sind, alles Angelernte abzulegen und der wiedererkannten „Urform“ in uns zuzustreben. (S. 62)

Wohlgemerkt: „Durchbruch durch… “ heißt ja die Sphäre JENSEITS der „seelischen Sphäre“. Und das ist die Sphäre des GEISTES. Diese „Urform“ ist die nonduale Einheit.

„Diejenigen, die aus der Einheit herausfallen und nur die Dualität erleben, werden sterblich. Jene, die in der Einheit bleiben oder wieder in sie zurückkehren, sind unsterblich. (S. 46)

Körper – Geist – Seele

Das Buch der beiden Autoren räumt mit den beiden größte Missverständnissen und Verwirrungen unseres westlichen Denkens auf:

  • dass Körper und Geist zwei völlig unterschiedliche Substanzen seien,
  • dass die Seele das Prinzip der Unsterblichkeit sei

Das Ergebnis (in meinen Worten): Der GEIST ist das Nonduale – jenseits von Seele und Energie. Durch das „Erinnern“ an die Nondualität der GEISTES formen wir einen unsterblichen Seelenleib und einen unsterblichen Körper.

Das sind nur zwei Sätze, die unser westliches Denken erschütternd wachrütteln könnten. GEIST in seiner pollosen Nondualität ist keine Energie. Auf der Suche und der Sucht nach der absoluten Energie sind wir auf dem Irrweg.

Ein anderer Irrweg westlicher Esoterik ist es, das körperlose Jenseits (das Reich der Toten und ihre Wesenheiten) als „höhere Welt“, als den „Ort der Wandlung und Transformation“ zu sehen. Wirkliche Transformation und Wandlung braucht alle VIER ELEMENTE, also auch das Element ERDE. Der Ort der Wandlung ist unser zunächst sterblicher Körper. Der Urquell des GEISTES kann diesen Körper in einen göttlichen, unsterblichen neu strukturieren und verwandeln. Es beginnt mit einer einzigen Zelle (vornehmlich Herzzellen).

Der degenerierte Mensch wurde ausgetauscht gegen einen neuen Menschen, der aus Bausteinen der Urmaterie besteht. (S.53)

Wohlgemerkt: einer Urmaterie als Kristallisation des EWIGEN GEISTES.
Das Jenseitige ist eher eine „Müllhalde und Wiederaufbereitungsanlage für alle im Diesseits nicht gelösten Probleme“ (S. 63) – Hammer zum Wachrütteln, oder? Das ist ein Ort von „Fäulnis- und Gärungsprozessen“ (S. 65) und sollten uns nicht weiter beeinflussen.

Wenn der Verwesungsprozess in den vier Ebenen des Körpers noch zu Lebzeiten abgeschlossen wird, so kann das befreite Urwesen zeitig sein Gewand anziehen. Der Körper, so lässt sich zusammenfassend sagen, ist das notwendige Laboratorium der inneren Alchemie. Ohne ihn bleibt alles Imitation. Die Seele ist das ursprüngliche Gewand des geschaffenen Geistwesens. Die Seele ist weiblich und gleicht dem Wasser, sie erwartet ihren Bräutigam, das Feuer. Aus dieser Vereinigung entsteht das unsterbliche Leben, die Manifestation des ersten Menschen im Geist, durch den Geist und für den Geist. (S. 66)

Die Alchemie beschreibt in allegorischer Spreache die Vereinigung von Körper und Geist. (S. 88)

Die Alchemie in Le Monteil

Besonders schön und erhellend ist dieses Buchkapitel. Die beiden Autoren, das Ehepaar Klein, sitzen in ihrem französischen Wohnsitz Le Monteil mit Laotse, Julius Evola und Henk Leene zu einem Gespräch zusammen, um das Geheimnis der Unsterblichkeit weiter zu entschlüsseln. Spannende Themen werden in der Runde besprochen wie auch die Transformation der „Siebenfältigkeit“ (unserer Planeten, Metalle usw.), letztlich unserem schicksalhaften Gefangensein in der archetypischen Astrologie, durch die befreiende Achtheit der Oktave.

Der Körper ist Geist und der Geist ist Körper geworden.
Nur so kann der Tod überwunden werden. (S. 137)

Die Unsterblichen leben mitten unter uns. (S. 138)

Nachgedanke

Dies ist ausdrücklich mein Nach-Denken nach dem Lesen des Buches. Es ist im Buch nahe liegend, doch als vielleicht zu spekulativ nicht ausgesprochen. Wenn Unsterblichkeit eines göttlichen Menschen eine wirklich KÖRPERLICHE Unsterblichkeit meint, dann hinterlässt dieses Wesen bei seiner Auferstehung keinen Leichnam. Der Körper wird nicht verlassen, sonder transformiert. Es ist einfach WEG – und wir müssen uns jetzt korrekter ausdrücken: für unsere irdischen Augen verschwunden, unsichtbar geworden. Wir wissen es von Laotse, von Jesus, von Pythagoras und anderen, dass sie plötzlich verschwunden sind (ohne einen Leichnam oder Grab zu hinterlassen). Und was ist, wenn sie bereits diese unsterblichen, göttlichen Menschen sind, die unter uns weilen, ohne dass sie für unsere irdischen Augen sichtbar wären? Diese Wesen würden unter uns weilen und nur für die Augen des Herzens und der Seele Auserwählter wahrnehmbar sein. So würde sich erklären, dass manchen Menschen JESUS wie ein lebendes Wesen sehr nahe ist, den Hauch seines Atems spüren (oder Laotse z.B. dem Autor Heinz Klein).

Mein Fazit: Das Buch ist eine Herausforderung für die Grenzen des Denkbaren. Das hier von mir Referierte ist dabei nur „die Spitze des Eisbergs“. Es löst auf verblüffende Weise und in sich stimmig viele der großen Fragen des Menschseins, unsere Göttlichkeit.

Nicht nur Laotse, sondern auch Jesus als im GEISTE Auferstandener erstrahlen in neuem Licht … vielleicht als erste Unsterbliche, die als die gesuchten, neuen, göttlichen Menschen nach wie vor unter uns weilen.
Was für eine wundervolle Perspektive!

Ich empfehle das Buch jedem als erstes zu lesen, der sich in das Gedankengut von Heinz Klein einlesen möchte. Es ist in gewissem Sinne das zusammenfassende Ergebnis seines Schaffens, die anderen Bücher dienen dann zur Vertiefung dieser Essenz.

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Amarque / Markert (Hg.): Was ist Liebe?

Untertitel: Eine integrale Anthropologie über die Facetten der Liebe

Das Buch als „integrale Anthologie“ von 14 Autor(inn)en ist nicht romantisch (das Wunder des Verliebtseins ist kein Thema), es ist nicht geil (Wunder und Verwirrung der Sexualität ist kein Thema), es ist nicht politisch (Patriarchat und Geschlechterkrieg ist kein Thema), das Buch ist philosophisch, wie es Männer zuwege bringen, wenn sie über Liebe philosophieren. Halt! Unter den 14 Autoren sind zwei Frauen dabei (Elvira Greiner und Christina Kessler), deren Beiträge noch am ehesten das Herz berühren. Ja, das Buch hat etwas von dieser „blutleeren Abstraktion der Philosophie“. Es ist in einer sehr konzeptionellen  Sprache formuliert.

Mich hat auch der Beitrag von Papst Benedikt „Deus Caritas est“ über die Liebe Gottes verblüfft und ist sehr lesenswert! – Auch sehr nachdenkenswert, wenn der ehemalige  „Chefinquisitor“ der katholischen Kirche über die göttliche Liebe philosophiert … Es sind die Größen integraler Spiritualität vertreten: Ken Wilber, Andrew Cohen und Genpo Merzel Roshi – Michael Habecker und Tom Amarque nicht zu vergessen.

Einige „Perlen der Liebe“ aus dem Buch
(nicht alle Autoren zitiert):

Erich Fromm:

Welches sind die notwendigen Schritte, um die Kunst (des Liebens – JS) zu erlernen? Man kann den Lernprozess in zwei Teile aufteilen: Man muss einerseits die Theorie und andererseits die Praxis beherrschen. … Aber abgesehen von Theorie und Praxis muss noch ein dritter Faktor gegeben sein, wenn wir Meister in einer Kunst werden wollen: Die Meisterschaft in dieser Kunst muss uns mehr als alles andere am Herzen liegen; nichts auf der Welt darf uns wichiger sein als diese Kunst. (S. 12 f.)

Papst Benedikt XVI.:

Ja, es gibt Vereinigung des Menschen mit Gott – der Urtraum des Menschen mit Gott – aber diese Vereinigung ist nicht Verschmelzen, Untergehen im namenlosen Ozean des Göttlichen, sondern ist Einheit, die Liebe schafft, in der beide – Gott und Mensch – sie selbst bleiben und doch ganz eins werden. ( S. 26)

Elvira Greiner:

Gleichzeitig bin ich auch die Beschenkte: Was die Menschen, mit denen wir arbeiten, mir geben, das ist der größte Lohn, die wertvollste Motivation: Sie geben ein lebendiges Zeugnis dafür, was wirklich zählt – und das ist letztlich immer nur die Liebe. (S. 63)

Christine Kessler:

Selbst unbewegt, ist sie die große Bewegerin – Auflösung, Leerheit, Formwerdung und Form in sich und durch sich vereinend, Zustand und Prozess zugleich. Liebe ist die implizite Ordnung, die den Kosmos organisiert und erhält und gleichzeitig die Dynamik, die ihn bewegt. Sie ist der kosmische Rhythmus, den das gesamte Universum tanzt, der Rhythmus des Werdens, des Loslassens und Neu-Entstehens. Die ist Kommunikation in ihrer reinsten Form: Kommunion. (S. 107)

Deshalb glaube ich an die Liebe, und nur an die Liebe. Mehr brauche ich nicht zu glauben, denn in ihr ist alles enthalten, was dem Leben dient. Liebe ist Leben, und ich glaube an das Leben. Aus diesem Grund ist amo ergo sum eine Liebesphilosophie, eine Lebensphilosophie, eine Lebenshaltung. Mein Credo. (S. 112)

Tom Amarque:

Die Frage Was ist Liebe? ist wahrscheinlich die wichtigste unterscheidbare Frage, die es überhaupt gibt. … Mit jedem Versuch, eine Antwort auf die Frage Was ist Liebe? zu  finden, gehen wir einen Schritt auf uns selbst zu und erkennen uns ein klein wenig mehr. Und doch werden wir diese Frage niemals endgültig beantworten können. (S. 150)

Ich liebe dann, wenn ich mich selbst für jemanden verändere, um mehr leben und zum Wohle des anderen handeln zu können. Ich liebe dann, wenn ich in bestimmten Situationen, in denen ich dazu neige, nicht mehr zu lieben, meine inneren Prozesse unterbreche, neu ausrichte und mehr liebe. Und ich möchte diese Neigung, den Prozess des Liebens zu unterbrechen, nun „Ego“ nennen. … Und es wird mehr als ersichtlich, dass der eigene Tod, nämlich meines Egos, zum Referenzwert für die tatsächliche Liebe wird. (S. 158)

Hardy Fürch:

Denn eigentlich ist es nicht möglich, über Liebe zu schreiben, schon gar nicht über die Liebe – es sei denn, man ist Dichter. (S. 162)

Integrale Liebe, die die spirituelle Dimension mit umfasst, wird so von der Liebe zur LIEBE. Das bedeutet für mich darüber hinaus auch, dass eine spirituelle Liebe zwischen Menschen immer den transpersonalen Kern des Menschen meint. Dass sich Seele mit Seele, Atman mit Atman verbindet. (S. 170)

Wie es aussieht, kommen wir auf dem so genannten spirituellen Weg nicht um eine ganz normale, vollständige Individuation herum. Ein „gesundes Ego“ ist zwar immer auch ein Hindernis, weil es zu Kontraktionen und Selbstbezogenheit neigt, aber gleichzeitig ist es die sicherste Basis für weiteres Wachstum. (S. 172)

Das Sich-getrennt-Fühlen ist ein „göttliches Spiel“, in dem der Eine den Einen sucht. Und das Glück, in der Tiefe des Wesens einander zu finden und zu erkennen, gehört zu den ergreifendsten und heiligsten Momenten des Lebens. (S. 185)

Denn ein „Wir-Feld“ würde wahrscheinlich desto kraftvoller ausstrahlen, je mehr Liebe bzw LIEBE dort gelebt wird. Das schon alleine wäre aus meiner Sicht ein guter Grund, ein polyamorischers Experiment im Sinne eines „Höheren Wir“ zu wagen. (S. 190)

Michael Habecker:

Die Kartographie der Liebe … in diesem Sinne ist ein Ausdruck von Liebe. (S. 243)

Gibt es etwas in dir, was nicht kommt und geht, sondern einfach nur IST und LIEBT? (S. 258) – Schau auf die geschaffene Welt, und wie alles mit allem zusammen hängt. Ist dies nicht alleine schon ein Liebesbeweis? Das gleiche Wasser, welches uns erfrischt, hat schon unzähligen Lebewesen als Nahrung gedient, ebenso wie die Luft, die wir nur deshalb einatmen können, weil andere Wesen sie ausatmen. Das ist die liebende Ökologie allen Seins! (S. 268)

Dem Leben mit allen seinen Gegebenheiten zu begegnen und dabei das Herz offen zu halten, als der Ort, den die meisten Menschen als Lokalisation ihrer Liebe bezeichnen, ist die ultimative Liebespraxis. (S. 270)

Auf einmal war aus einem abstrakten Schildkröten-Es ein Du geworden, ein lebendiges Wesen. … Schuildkrötenkommunikation. … Gute Reise, liebe Schildkröte, du hast mich viel über die Liebe gelehrt, und danke für deinen Besuch bei uns. (S. 272 f.)

Ken Wilber:

Liebe auf diesen frühen Entwicklungsstufen ist Teil eines Spiels um den Mangel. … Dies ist die Ursache für die unzähligen Dramen, die sich abspielen, wenn jemand das Gefühl hat, dass seine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Dieses Spiel ist quasi endlos, denn es ist das Wesen einer Liebe aus Mangel heraus.
Doch die Entwicklung kann weiter gehen, hin zu den Entwicklungsstufen …, wo es nicht länger um Mangelbedürfnisse, sondern um Seinsbedürfnisse geht. Erst hier kann Liebe wirklich in ihrer wahren Natur gesehen und erkannt werden, und das bedeutet in Fülle und Überfluss. einheit und höhere Verbindungen werden jetzt aus einem Erleben von Überfluss und Überströmen angestrebt. (S. 279)

Andrew Cohen

Die Erfahrung der absoluten Liebe als unendliches, zeitloses Sein ist die Entdeckung der Natur Gottes im Zustand der Ruhe. Doch wie ich erfahren habe, ist Gott auch Eros, der kreative Impuls. Beim ursprünglichen Übergang von der Zeitlosigkeit zur Zeit, vom Sein zum Werden, vom Nichts zum Etwas veränderte sich die Manifestation und der Ausdruck der unendlichen Natur des Absoluten dramatisch. Wenn Sein die Natur Gottes in Ruhe ist, so ist Werden die Natur Gottes in Aktion – Gott als Eros oder das Verlangen, in Zeit und Form zu existieren. (S. 293)

Die Liebe Gottes, die direkt aus dem Grund des Seins kommt, ist die Quelle dessen, was gewöhnlich „bedingungslose Liebe“ genannt wird. … Es ist die spirituelle Quelle aller wirklichen Heilung, von Individuen und der gesamten Welt gleichermaßen. Die Liebe Gottes als Eros hat jedoch eine andere Qualität. … Es ist eine Naturgewalt, ein vertikaler Impuls im Bewusstsein, der neue Ideen, neue Erfindungen und neue Welten schöpft. Es bringt ununterbrochen neue Potenziale hervor. Unser Verständnis dessen, was absolute Liebe ist, muss immer beide Dimensionen des ultimativen Paradoxes beinhalten. (S. 294)

Genpo Merzel Roshi:

Ich liege jenseits des Persönlichen und des Unpersönlichen. Ich bin die Identität des Relativen und des Absoluten. Ich bin Big Heart. Ich bin wahre Liebe, die bedingte Liebe wie auch  bedingungslose Liebe, bedingungslose Offenherzigkeit, das Große Herz. (S. 305)

Mein Fazit: Unter dem Strich ist das Buch „sehr gut“, weil es den Stand integraler Philosophie über Liebe „sehr gut“ widerspiegelt. So treten auch Schwachstellen auf. Evolutionär gesehen steckt die integrale Philosophie ja erst in den Kinderschuhen. Und das Buch zeigt gut auf, dass das Thema der LIEBE – im Gegensatz zu GEIST – nicht gerade ihre Stärke ist, dass hier noch starker Entwicklungsbedarf besteht. Ich wünsche der integralen Philosophie und Spiritualität einen „Urknall der Liebe“. Das Buch ist ein erste große Schwerpunktverschiebung von GEIST auf LIEBE, wenn auch noch sehr konzeptionell.

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