Tom Amarque: Was wir wurden, wer wir sind …

und was wir werden können.
Eine kleine Geschichte der Bewusstseinsevolution

In seinem Nachwort weist der Autor in aller Bescheidenheit darauf hin, dass das Buch weder einen philosophischen noch wissenschaftlichen Anspruch hat. Die Evolution des menschlichen Bewusstseins ist sicher auf 190 Seiten kaum einzufangen. „Ich gebe mich nicht der Illusion hin, auch nur ansatzweise erfolgreich darin gewesen zu sein“ (S. 199). Er möchte sein Buch als erzählte Geschichte verstanden wissen. Eine schamanische Geschichte am Feuer oder eine Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene. Der Leser möge über den Wert für sich selbst entscheiden. Ich finde diese Geschichte der Bewusstseins-Evolution sehr gelungen und möchte sie gerne weiter empfehlen.

Die kurze, nein „kleine Geschichte“ beginnt nicht bei „Adam und Eva“, sondern da, wo die Wissenschaft sich der Evolution bewusst wird. In meinen Worten: Es war eine Art „Urknall des menschlichen Geistes“: HEGEL und SCHELLING deckten im Historizismus die Evolution des Geistes in der Geschichte der Menschheit auf, LAMARCK und DARWIN erkannten die biologische Evolution, MARX und ENGELS zeigten in der Entwicklung der Klassengesellschaften eine soziale Evolution auf, die erst in Zukunft eine wirklich menschliche Gesellschaft hervorbringen würde.

Wir im Kosmos – Die Entstehung des modernen Bewusstseins

Was für eine großartiges neues Weltbild entfaltete sich da – und mit ihr die „erste Aufklärung“. Der alte Mythos der Prämoderne von der zyklischen, ewigen Wiederkehr wird durchbrochen. Kosmische, biologische, kulturelle und soziale Evolution bekommen einen Zeitpfeil: Es gibt eine Entwicklung vom Niedrigen zum Höheren.

Je besser wir die Evolution verstehen, um so besser können wir mit ihr „mitgehen“ oder – um ein populäres Bild zu gebrauchen – „auf der Welle der Evolution surfen“ und die Kräfte, die unsere Existenz ohnehin gestalten, zu unserem Nutzen einsetzen. (S. 18)

Alles ist noch auf das Außen gerichtet, auf den Kosmos und Mikrokosmos, wie der sich den Teleskopen und Mikroskopen zeigt. Doch brüchig wird dieses Weltbild da, wo es sich immer mehr in seinen Pathologien zeigt. Doch dieses rationale, männlich orientierte Weltbild wird auch in Zukunft noch wichtig sein:

Sollten wir jemals die ökologischen Probleme der heutigen Zeit in den Griff bekommen, dann werden es moderne Bewusstseinsstrukturen sein, die dies bewerkstelligen. Weder traditionelle noch postmoderne Bewusstseinsstrukturen beabsichtigen dies, noch sind sie dazu in der Lage. (S. 63)

Das „moderne Selbst“, das Zusammenwirken von Denken, Fühlen und Handeln dieser Weltsicht, tendiert dazu, in der ES-Sprache zu sprechen. Alles IST, wie es erscheint. Wie ich etwas wahrnehme ist 1:1 so, wie „es ist“.

In dieser Welt ist auch der egoistische Wille zu Hause.  „Der moderne Wille zeigt auf die externe Welt und auf die persönliche Kraft, Ziele zu erreichen.“ (S. 71) In der Leiustungswelt von Gewinnern und Verlierern macht der „starke Wille“ zum Gewinner. In dieser modernen Welt steht das DENKEN und die VERNUNFT im Mittelpunkt: „Ich denke, also bin ich.“

Der Kosmos in uns – Die Entstehung des postmodernen Bewusstseins.

Die scheinbar „absoluten Wahrheiten“ der modernen Weltsicht mussten nach Einstein oder den Quantenphysikern „relativiert“ werden. „Alles ist relativ“ wurde zum Slogan der Post-Moderne. Auch die Wahrnehmung ist nicht objektiv, sondern „kostruiert“. Wir sehen die Welt nicht wie sie IST, sondern wie sie uns ERSCHEINT. Wir drücken uns in der Sprache relativer aus. „Mir scheint dies so und so …“

Mit der Psychoanalyse Freuds oder auch Jungs beginnt die „zweite Aufklärung“, die Aufklärung unserer Subjektivität und Innerlichkeit. Aus der Ego-Kultur wird eine WIR-Kultur, das Weibliche erobert sich Terrain vom Männlichen zurück. Mansche sehen in der Postmoderne schon das Zeitalter der Frau. Während in der Moderne der Mythos EROS als Gott stehen kann, ist es für die Postmoderne der Mythos von PSYCHE (das griechische Wort für Seele).

Der Feminismus ist mehr als alles andere das Symbol und das Kernthema der Postmoderne, und dies vor allem auch deshalb, weil es darum geht, das Weibliche gesellschaftlich zurückzuerobern und zu integrieren. (S. 106)

Kennzeichnend für die Postmoderne ist auch das „neu erwachte Interesse an der Spiritualität“ (S. 113 ff). Das postmoderne Selbst interessiert sich für Spiritualität oder Entwicklungspsychologie. Doch in dieser mehr weiblichen Spiritualität des Loslassens, Geschenenlassens, des Nicht-Tun, des SEIN liegt auch „das grüne Dilemma“ (S. 129):

Es ist die Unfähigkeit, aufgrund von sozialen Konventionen und der Ablehnung von Hierarchien Entscheidungen zu treffen, die das eigene psychische Wachstum betreffen. Der soziale Dialog kann nicht in handlungsrelevante Entscheidungen im Hinblick auf die Evolution der Psyche überführt werden.

Mit der Hinwendung auf seine Innerlichkeit wird dem postmodernen Selbst seine Neurosen und Störungen bewusst. Es beginnt, an sich zu arbeiten, „Schattenarbeit“ zu leisten. War die Domäne des modernen Menschen das DENKEN, so ist das GEFÜHL die Domäne des postmodernen Menschen. Das Wohlgefühl auf dem Weg wird selbst zum Ziel.

Das postmoderne Selbst beginnt, diesen Kontakt zum inneren Daimon (Seelenführer – JS), zu dieser starken Quelle von Inspiration, Kreativität und Glück herzustellen, denn es hat erkannt, dass in ihm das eigentliche transformative Potenzial liegt. (S. 142)

Der evolutionäre Zugewinn gegenüber dem modernen Bewusstsein liegt darin, dass das postmoderne Bewusstsein bestrebt ist, all das zu erreichen, wonvon auch das moderne Bewusstseins träumt, aber ohne seelischen Schaden davonzutragen. (S. 144)

Wille und Welt – Die Entstehung des evolutionären Bewusstseins

Diese „post-post-moderne“ Bewusstseinsstruktur nennt der Autor – zwar wie andere Autoren – „integral“, doch das Entscheidende das andere Bewusstsein, sondern die andere dominierende Domaine im Selbst. War es im modernen Menschen der Verstand, im postmodernen Menschen die Gefühle, so ist es im post-postmodernen Menschen der WILLE. Das „evolutionäre Selbst“ greift bewusst und willentlich in die Evolution auf allen Ebenen ein.

Dieses tiefe Verständnis des Wesens der psychischen Evolution, die über die Anwendung der materiellen und sozialen Evolution hinausgeht, nenne ich die dritte Aufklärung. (S. 154)

Mythologisch übernimmt die Tochter von EROS und PSYCHE das Sagen: VOLUPTAS.

Bleiben wir aber bei der römischen Form, Voluptas, so wird noch ein anderer Aspekt dieser Gottheit deutlich, und das ist der freudige Wille. (S. 157)

Vielmehr, als alle vorherigen Stufen zu integrieren, strebt das evolutionäre Bewusstsein aktiv der nächsten Entwicklungsstufe seiner selbst zu. Genau das macht es zum evolutionären Bewusstsein. (S. 160)

Frei von allen Ängsten, Aggressionen und Depressionen begreifen wir dann den Wesensgrund unserer Existenz, nämlich Freude, und können uns damit endlich vom kultureell-fundamentalistischen Buddha-Trauma befreien, nämlich dem Glauben, dass alles Leid ist. Existenz ist reine Freude, Existenz ist Wollen-Können, und dieses Wollen ist immer mehr evolutionär ausgerichtet. Dieser lebensfreudige Wille bejaht die Evolution in jeder Facette des Seins und kann sozial alle Menschen in ihrem eigenen Fortschritt unterstützen, wie er für sich selbst stets höhere Stufen der Selbstentwicklung anstrebt. Genau dies ist das Kennzeichen der evolutionären Bewusstseinsstufe. (S. 169)

Noch einen schönen Satz zum Pendant des Willens, nämlich der Liebe:

Wenn es auch der evolutionäre Wille ist, der die Liebe lenkt, so ist es doch die Liebe, die transzendiert. (S. 178)

Und als Schlussatz: „Kosmos, Psyche und Evolution. Dies ist die Dreifaltigkeit der Existenz, wie wir sie derzeit begreifen können.“ (S. 197) Und weiter: „Wir sind erst in der Halbzeit der Evolution. Und wir alle blicken voller Spannung in die Zukunft.“

Mein Fazit: Der Wert des Buches liegt in seiner Kürze, im Verschaffen eines Überblicks als Orientierungshilfe für den großen roten Faden der Evolution unseres menschlichen Bewusstseins und wie dieses Bewusstsein unsere Realität von der Prämoderne (im archaischen Bewusstsein), der Moderne (dem männlich- wissenschaftlich orientierten Bewusstsein), der Postmoderne (dem weiblich orientierten Bewusstsein der Innerlichkeit) und dem evolutionären Bewusstsein der Zukunft, in dem die Menschheit bewusst über ihren evolutionären Willen zum „Agenten der Evolution“ wird. Es kann keine bessere Vision für die Zukunft der Menschheit geben, als die Evolution schöpfungsgerecht – sagen wir „im Einklang mit Gottes Wille“ – fortzusetzen. Hier ist die Roadmap, die wir immer mehr verfeinern können und müssen.

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Frederic Lionel: Das Vermächtnis des Pythagoras

Ich bin mir bewusst, dass ich hier wieder ein Buch besprechen, das 25 Jahre alt (1990) und längst vergriffen ist. Als ich mich vor einigen Jahren sehr intensiv mit der Zahlenmystik beschäftigt hatte, führte kein Weg an Pythagoras vorbei. Auch mit meiner Nähe zur „archetypischen Astrologie“ ist für mich die Harmonie des Kosmos (wie es auch Keppler vertreten hat) fundamental. Ich kenne kein Buch, das Pythagoras dermaßen tiefsinnig würdigt. Und diesen Bogbeitrag verstehe ich als vor allem als Würdigung dieses wertvollen Buches von Frederic Lionel.

1. Die Zahl und der Rhythmus des Lebens

Da das Leben sich in einer rhythmischen Aufeinanderfolge von Impulsen offenbart, ist die Erkenntnis der Gesetze seines Rhythmus die Erkenntnis der Gesetze des Lebens. Jede Aufeinanderfolge von Impulsen kann als Frequenz in Zahlen ausgedrückt werden, und so führt die von Pythagoras erdachte Zahlenmystik zu einer wesentlichen Bewusstseinserweiterung.
Die Entdeckung der rhythmischen Beziehungen, die im Kosmos, ein griechisches Wort für Ordnung und Harmonie, walten, enthüllen die Geheimnisse der offenbarten Welt. (S. 15)

Der Gesang der Sphären ist eine von Pythagoras geprägte Metapher, die das im Universum pulsierende Leben mit einer unhörbaren Symphonie, die den Menschen mit einbezieht, vergleicht. (S. 20)

Pythagoras verglich die überweltliche Ordnung, ihren Rhythmus und ihre Harmonie mit der erhabenen Liebe, Widerhall des göttlichen Wortes, den der Mensch dank seiner Vernunft als übersinnliche Wirklichkeit erfassen kann. Somit muß die Mysterienwissenschaft der Zahlen, der Figuren und der Sterne als eine Meditation gesehen werden. (S. 21)

Die pharaonische Kultur, das griechische Mysterium, die christliche Offenbarung haben unsere Zivilisation erblühen lassen. (S. 23)

2. Die Notwendigkeitsgesetze

Drei Notwendigkeitsgesetze sind besonders zu beachten. Das Gesetz der Analogie oder der Gleichartigkeit, das Gesetz der Umkehrung, auch Magie der Umkehrung genannt, und das Gesetz der Verschmelzung. … Wenn „n“ die Länge der Saite und „1/n“ die Schwingungsfrequenz des Klanges ist, den sie hervorruft, so bilden Saite und Klang ein Binom, eine Zwei-Einheit. (S. 27)
Der Rhythmus bildet das aktive Bindeglied, welches die Weiterentwicklung beider Aspekte ermöglicht, so zum Beispiel die Melodie. Die Formel (n+1) : n kennzeichnet diesen Vorgang. Selbstverständlich kann man nur Elemente verschmelzen, die eine Beziehung zueinander haben. … Die Harmonie ist stets und auf allen Ebenen der Sinneswelt der Ausdruck einfacher Beziehungen. (S. 28)

Eine von der Natur bevorzugte Beziehung ist der „Goldene Schnitt“, der von Paccioli „göttliche Beziehung“ genannt wurde.
Eines ist gewiss: Zahlen, Oberflächen und Volumen bilden eine Triade, die die geometrische Schöpfung des Universums veranschaulicht. (S. 30)

Die Gesetze der Natur gehorchen nicht äußeren Kräften, sondern inneren. Diese bekunden eine innenwohnende, „immanente“ Ordnung“, welche die transzendentale Ordnung widerspiegelt. (S. 37)

3. Das Sternenpentagon und sein Mysterium

Die Zahlenmystik spiegelt die sichtbaren und unsichtbaren Beziehungen wider, die alles mit allem einen. Sie verbildlicht die transzendentale Wirklichkeit, die dem erwachten Menschen eine Vision der Ewigkeit erschließt. Da er bewußt vitale Krafte leiten kann, vermag der „erwachte“ Mensch auf der von ihm gewählten Ebene harmonisch zu wirken. Allerdings muß er den Rhythmus seiner Seele mit dem Rhythmus der Weltseele in Einklang bringen, denn in einer gigantischen Sistole und Diastole pulsiert ohne Unterlass das kosmische All. (S. 41)

Pythagoras lehrte, daß jede Zahl drei Aspekte versinnbildlicht: dan archetypischen, den symbolischen und den wissenschaftlichen. … Eine Zahl im pythagoräischen Sinne ist keine mathematische Größe und dient nicht dem Zählen. Seien wir bewusst, daß „Eins“ keine Zahl ist. (S. 41 f.)

Die Zahlenmystik ist keineswegs eine Numerologie. In ihrem Sinne ist die Zahl Übermittlerin einer Botschaft. Sie vermag das Erwachen zum Wesentlichen hervorzurufen, weil die Vision der Architektur des Universums überwältigt und das Erwachen fördert. Dementsprechend wurde die archetypische Zahl göttlich genannt, da sie die Wurzel der symbolischen und wissenschaftlichen Zahl war. (S. 45)

Auf der Ebene der Geometrie bezeugt analog das Sternenpentagramm – der fünfzackige Stern – die Bedeutung einfacher Beziehungen. Er soll symbolisch das irdische Spiegelbild der Vollkommenheit des Makrokosmos sein sowie auch seiner Harmonie, seiner Ordnung und deren schöpferische Kraft. In dieser Hinsicht versinnbildlicht das Sternenpentagramm auf der Ebene des Makrokosmos die Gesundheit, also den Einklang der menschlichen Seele und der Weltenseele. (S. 46)

Gott schöpft als Geometer, sagten wir. Somit ist die Geometrie die Wurzel der Philosophie, welche wiederum die Wurzel der Mathematik darstellt. … Die Wurzel ist ein Element der Wandlung … (S. 50 f.)

Ich denke die bisherigen Zitate zu den Kapiteln geben schon einen Hinweis darauf, welche Tiefen dieses Buch erschließt. Ich will es jetzt nicht kapitelweise weiter zitieren, sondern nur noch auf einige besondere Aspekte hinweisen:

Der Autor weist darauf hin, dass Pythagoras „in Ägypten in die Geheimnisse der heiligen Astrologie eingeweiht (wurde). Platon entwickelte sie später.“ (S. 83)

Von Geheimnis umgeben, als Wissenschaft der Wissenschaften angesehen, sollte die heilige Astrologie nicht der Vorhersage der Zukunft dienen, sondern dazu verhelfen, ein lichtes Morgen vorzubereiten, das der transzendentalen Ordnung entspräche, um das göttliche Gesetz jenseits des Anscheins der Phänomene der Welt zu erkennen. (S. 89)

Schon Pythagoras kannte den großen kosmischen Rhythmus über 25.150 Jahre, die er das „große kosmische Jahr“ (S. 90) nannte. Wir kennen es als das „Platonische Jahr“.

Wahrlich überrascht hat mich der Zusammenhang zwischen Pythagoras, Platon, dem mystischen Jesus, den Essener und Gnostikern. Viele spekulieren, dass Jesus in den Zeiten seines „Verschwindens“ vielleicht in Indien gewesen ist, um vom Buddhismus geprägt zu werden. Frederic Lionel weist dagegen darauf hin, dass es auch Gemeinschaften im Geiste Pythagoras und Platons („Mysterienschulen“) gab, in denen Jesus gelernt haben könnte – möglicherweise sogar in Galiläa selbst.

Wenn man aufhört, das Opfer der Duallität zu sein, öffnet man sich dem Licht des Geistes, dem Christus-Licht, das vielleicht vom Stern versinnbildlicht wird, der die drei Könige zur Krippe des göttlichen Kindes leitete. (S. 102)

Das Buch endet mit den „zehn Botschaften der fundamentalen Zahlen“ (S. 115 – 119) – in ihrem Wesen auf die Gleichung zusammengebracht: 1 + 2 + 3 + 4 = 10

Wenn man dem Leben vertraut, ohne eine logische Erklärung des „Warum“ zu suchen, beschreitet man den ganzen Weg, der vom stolzen, egozentrischen Intellekt zur geistigen Reife und somit vom mentalen Zweifel zum übermentalen Verständnis führt. (S. 125)

Fazit: Wer ein wirklich ernsthaftes Interesse an Pythagoras als einen großen Weisheitslehrer der Menschheit hat, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen. Bücher, die Pythagoras wirklich zu würdigen wissen, sind sehr dünn gesät. Es gibt „Gott sei Dank“ noch einige gebrauchte Exemplare des Buches von Frederic Lionel bei Amazon:

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Lutz von Werder: Lehrbuch der philosophischen Lebenskunst

für das 21. Jahrhundert

Das Buch ist nicht einfach ein dröges Lehrbuch, eine Pflichtlektüre für Philosophie-Studenten, nein, das Buch ist eine Anleitung für jeden Menschen, der einen Verstand hat und mit Vernunft begabt ist, selbst zu denken. Was war noch der aufklärerische Aufruf Kants: „Hab Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Oder: „Selbstdenken heißt, auf keines Meisters Worte zu hören.“ Und das ist dringender denn je. Nie zuvor gab es so perfekte Manipulations-Instrumente wie heute im „digitalen Informatins-Kapitalismus“: „Wir ertrinken in der Informationsflut und dürsten nach Weisheit.“

Praktische Philosophie als Lebenskunst

Mich hat das Buch angesteckt, dazu animiert, ein philosophisches Tagebuch in der Form eines Blogs zu schreiben. Es hat mich nicht nur angeregt, selbst zu denken, sondern auch KRITISCH zu denken. Die Seele der Mystik ist das JA!-Sagen, die Seele der Philosophie ist das NEIN!-Sagen, die KRITIK. Das Buch hat mich an vielen Stellen selbst zur Kritik herausgefordert. So ist es für mich nahezu unverständlich, dass Lutz von Werder von „philosophischem Selbstmanagement“ statt von philosophischer Selbstbildung spricht. Wie dem auch sei, ein großartiges Lehrbuch zum „Selberdenken“.

Die große Frage, die das Buch stellt und zu beantworten sucht, lautet:

Wie kann das Individuum, das Ich, in Zukunft seine Autonomie behaupten und Lebenskunst entwickeln? (S. 11)

Praktische Philosophie entfaltet sich heute als Ethik, Selbsterkenntnis, Weltbildanalyse, sokratische Hebammenkunst, Hermeneutik, Dialogik und geistige Übung. Sie setzt sich ab von Esoterik, Psychoboom und Totalitarismus. Ihr Anspruch der Ich-Rettung ist keineswegs bescheiden. Allerdings fehlt der praktischen Philosophie und der philosophischen Lebenskunst für das 21. Jahrhundert bisher ein gründliches Lehrbuch. Diese Lücke versucht dieses Buch zu schließen. (S. 12)

Teil A: Grundlagen praktischer Philosophie und Lebenskunst (S. 17 – 109)

1. Dreh- und Angelpunkt des Buches ist das Selberdenken: „Praktische Philosophie muss zum Selberdenken anregen.“ (S. 23)

Die Philosophen haben die Welt zur Genüge totalitär interpretiert, es kommt darauf an, dass das Ich selber denkt. (S. 23)

2. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die „Vermittlung von praktischer Philosophie und Lebenswelt“ (S. 26 ff) Niemand kann ohne Philosophie leben, sie ist den meisten unbewusst.

Durch die Bewusstmachung unserer unbewussten Lebensphilosophie können wir im Selbstdenken als Lebenskunst erheblich voran kommen. (S. 27)

3. Das ICH ist der Ausgangspunkt praktischer Philosophie.

Das Ich kann sich für seine Rettung nur auf sich selbst besinnen, auf das Prinzip „Selbst-Sein“. Zu dieser Rattung braucht das Ich praktische Philosophie. (S. 35)

Die Fragen zur eigenen Lebensphilosophie (S. 71)

Kosmologie:

  • Wie entstand das Weltall?
  • Welche Zukunft hat der Kosmos?
  • Wie erklären Sie sich die Evolution?

Metaphysik:

  • Was ist Gott?
  • Wie verhält sich die Schöpfung zu Gott?
  • Wie erklärt sich das Böse?
  • Warum gibt es den Tod?

Erkenntnistheorie:

  • Was ist Wahrheit?
  • Was ist zweifelsfrei sicher?
  • Wie sind Ihre Glaubenssätze entstanden?

Ethik:

  • Welches sind Ihre Werte?
  • Was sollen Sie tun?
  • Was ist das Ziel Ihres Lebens?

Anthropologie

  • Was ist der Mensch?
  • Wie ist er entstanden?
  • Was ist seine Zukunft?

Teil A zeigt, wie man Philosophieren lernt, die praktische Philosophie in Umrissen, die Abgrenzung von anderen Disziplinen und Strömungen, die berufliche Möglichkeit des praktischen Philosophen und „wie die praktische Philosophie laufen lernt“.

Teil B: Praktische Philosophie und Lebenskunst des 19. und 20. Jahrhunderts (S. 112 – 559)

Teil B ist der Kern des Buches und bespricht insgesamt 43 Philosophen der „Vormoderne, Moderne und Postmoderne“ – gemessen an Ausschwitz. Jeder Philosoph wird befragt und gemessen an dem, 1. wie er das ICH erklärt, 2. was er zur Überwindung von Befindelichkeitsstörungen zu sagen hat und 3. was er zur Transzendenz zu sagen hat.

Die Philosophen werden nach den Weltanschauungs-Typen eingeordnet:

  • Die Nihilisten verachtet die Welt. Sie halten sie für Schwindel. Alles ist für sie Täuschung.
  • Der Zyniker vertritt eine Mischung aus Nihilismus und Skepsis.
  • Der Dogmatiker weiß sich im Besitz der Erkenntnis der Objektivität und der bestimmenden Gesetze. Der Dogmatiker kennt nur die Autorität des Dogmas an.
  • Die Humanisten stellen den Menschen in den Mittepunkt.
  • Der Agnostiker oder Skeptiker weiß, daß er über die Dinge und die Welt nichts Sicheres wissen kann.
  • Die Mystiker streben über die Welt hinaus, um die „unio mystica“ zu erreichen.

Jedem Philosophen wird ein bestimmter Kernsatz zugeordnet, wie beispielsweise

  • Marx Stirner (1806 – 1956): Als Einziger dem Nichts trotzen
  • T. W. Adorno (1903 – 1969): Im Zerfall des Kapitalismus sich behaupten
  • A. Watts (1915 – 1974): Das weibliche Nichts suchen
  • S. de Beauvoir (1908 – 1989): Das weibliche Ich stärken
  • R. Steiner (1861 – 1925): Höhere Welten erkennen
  • M. Buber (1878 – 1965): Philosophische Dialoge führen

Die durch praktische Philosophie auzulösenden Befindlichkeitsstörungen sind:

  • Aggressivität
  • Alkoholmissbrauch
  • Angst
  • Depression
  • Eheprobleme
  • Frigidität
  • Frustration
  • Kommunikationsstörungen
  • Konzentrationsmängel
  • Krebs
  • Nervosität
  • Perfektionismus
  • Phobien
  • Schlafstörungen
  • Schmerzen
  • Schüchternheit
  • Stress
  • Süchte
  • Überempfindlichkeit
  • Vereinsamung
  • Versagungen
  • Negative Vorstellungen
  • Willensschwäche

Dieser Teil ist gespickt mit Übungen und bestimmten Analyse-Modellen und Methoden.

Teil C: Philosophisches Selbstmanagement für das 21. Jahrhundert (S. 561 – 598)

Das neue Paradigma der Philosophie im 21. Jahrhundert könnte das philosophische Selbstmanagement werden. (S. 563)

Mit anderen Worten, dass jeder erwachte Mensch auch ein Philosoph ist – mit der „Entwicklung einer eigenen Weltanschauung als Kern der eigenen Lebensphilosophie“ (S. 577). Eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei die Standordbestimmung zwischen Lebensverneinung (Nihilismus) und Lebensbejahung (Mystik).

Dabei können die großen Themen der über das Ich hinaus gehende Transzendenz geklärt werden:

  • das Wir
  • der Staat
  • die Gesellschaft
  • die Natur
  • die Evolution
  • das Nichts
  • das EINE

Als „Settings für das philosophische Selbstmanagement“ (S. 597 f.) empfiehlt Lutz von Werder:

  • die Selbstanwendung männlicher und weiblicher Ich im Alltag
  • die philosophische Beratung
  • die philosophische Gruppenarbeit
  • philosophische Cafés
  • die Ausbildung zum praktischen Philosophen

Mein Fazit: Wir waren als Kinder schon Philosophen und sollten es als reif gewordene Erwachsene erst recht sein. „Selbst-Bildung“ ist eine Art praktische Lebensphilosophie, ein bewusstes Wählen eines Weltbildes, die bewusste Gestaltung unseres Lebens. Unsere historische Aufgabe ist es, das bestehende Weltsystem zu transformieren in eine wirklich humane Gesellschaft. Und diese Transformation zum „wahren Menschen“ beginnt bei jedem einzelnen. Das Buch gehört in die Bibliothek eines jeden Menschen, der sich der Manipulation entziehen will, um selbst zu denken.

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Zohar / Marshall: SQ – Spirituelle Intelligenz

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Das Buch ist meine 100. Buchbesprechung am 25. März 2015,
auch wenn ich das Eintragedatum (2. Februar) etwas vorgezogen habe,
da ich es an diesem Tage tatsächlich wieder gelesen hatte.

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IQ als Intelligenz-Quotient und EQ (Daniel Goleman) als emotionale Intelligenz wird jetzt erweitert durch SQ als Spirituelle Intelligenz.
„Der SQ ist das notwendige Fundament dafür, dass sowohl IQ als auch EQ wirkungsvoll funktionieren. Es handelt sich um unsere höchste Intelligenz.“ (S. 11 f.) Er ist „letztlich die integrierende Kraft für alle unsere Inteligenzien. Er macht uns zu den vollständigen – verstandesmäßigen, emotionalen und spirituellen – Lebewesen, die wir sind.“ (S. 13) „Es verschafft dem Selbst ein aktives, vereinheitlichendes, Sinn gebendes Zentrum.“ (S. 15)

Spirituelle Intelligenz ist nicht der Ausdruck einer Religion, religiöser Glaubenssysteme oder religiöser Gefühle, sondern „ist die Intelligenz der Seele„. (S. 17) „Der SQ ist unser Gewissen.“ (S. 22) „Unsere spirituelle Intelligenz verankert uns im Kosmos; das Leben hat Sinn und Zweck im unfassenden Zusammenhang des kosmischen Evolutionsprozesses.“ (S. 102)

Die Krise unserer Zeit ist eine Sinnkrise

Unsere hoch gezüchteter mentaler IQ, unser überbetontes rationales, lineares Denken hat als Folge „die spirituelle Wüste“ (S. 31): „Die heutige Kultur ist spirituell abgestumpft“ (S. 32). Bei dem Großteil unserer Leiden, selbst bei den chronischen, handelt es sich um „Sinnkrankheiten“ (S. 38)

Krebs, Herzkrankheiten, Alzheimer und andere Formen der Demenz, denen möglicherweise Depression, Erschöpfung, Alkoholismus oder Drogenmissbrauch vorausgegangen sind, zeugen davon, dass die Krise der Sinnlosigkeit bis in die Zellen unseres Körpers vorgedrungen ist. (S. 38)
In der Folge suchen wir viel zu oft Sinn in überspannten oder randständigen Aktivitäten wie Materialismus, Promiskuität, zielloser Rebellion, Gewalt, Drogenmissbrauch oder New-Age-Okkultismus. (S. 35)

Wir können kauf auf vergangene, wirklich spirituelle Tradition in gelebter, kultureller Gemeinschaft zurück greifen, sondern:

Jeder von uns muss „sein Lied singen“ Wir alle müssen mit Hilfe unserer verborgendsten Ressourcen und durch den Einsatz unserer spirituellen Intelligenz einen Zugang zur tiefsten Schicht unseres wahren Selbst finden und aus der Quelle der einzigartigen „Musik“ schöpfen, die jeder Mensch hervorzubringen vermag. (S. 44)

Anzeichen für einen hoch entwickelten SQ

Die Autorin nennt folgende Anzeichen (S. 24):

  • die Gabe, flexibel (aktiv und spontan anpassungsfähig) zu sein;
  • ein hohes Maß an Selbstbewusstsein;
  • eine Fähigkeit, sich Leid auszusetzen und es zu nutzen;
  • eine Fähigkeit, sich Schmerz auszusetzen und ihn zu überwinden;
  • die Eigenschaft, sich von Visionen und Werten inspirieren zu lassen;
  • ein Widerwille, jemanden unnötig Schaden zuzufügen;
  • eine Neigung, Zusammenhänge zwischen verschiedenartigen Dingen zu erkennen („holistisch“ zu sein);
  • eine ausgeprägte Neigung Fragen zu stellen wie „Warum?“ oder: „Was wäre, wenn?“ sowie nach grundlegenden Antworten zu suchen;
  • das zu sein, was die Psychologen „feldunabhängig“ nennen – die Begabung zu besitzen, gegen Konventionen anzuarbeiten. (S. 24)

Der Lotos des Selbst

Gemäß 6 Lotusblättern entwickelt die Autorin 6 Persönlichkeits-Typen (und bezieht sich dabei auf C.G. Jung und Myers-Briggs), bringt sie auch mit den Planeten und den Chakren zusammen:

  1. die konventionelle Persönlichkeit (Saturn)
  2. die soziale Persönlichkeit (Venus)
  3. die forschende Persönlichkeit (Merkur)
  4. die künstlerische Persönlichkeit (Mond)
  5. die realistische Persönlichkeit (Mars)
  6. die unternehmerische Persönlichkeit (Jupiter)

Tatsächlich werden wir sehen, dass die Neigung, Wesenszüge aus unterschiedlichen Kategorien (die den Lotusblütenblättern entsprechen) an den Tag zu legen, ein Zeichen für persönliche Reife und einen hohen SQ ist. Ein sehr unreifer Mensch hat möglicherweise nur einen einzigen Ich-Stil (ein einziges Lotosblütenblatt) entwickelt, während ein zur Gänze erleuchtetr (spirituell hochintelligenter) Mensch in sehr ausgewogenem Maße Eigenschaften aller sechs Persönlichkeitstypen aufweisen würde. (S. 145)

Als Kultur werden wir verrückt. Warum? Die These dieses Buches lautet, dass die Gründe dafür vor allem spirituelle sind, dass sich unsere persönliche und kollektive seelische Instabilität aus der besonderen Erscheinungsform der Entfremdung ergibt, die mit der Entfremdung vom Zentrum zusammen hängt – Entfremdung von Sinn, Wert, Ziel und Vision, Entfremdung von den Wurzeln und Gründen unseres Menschseins. (S. 189)

Spirituelle Heilung

Wir sind spirituell krank, wenn wir zersplittert sind. Die Seele kann uns heilen, wenn wir uns dem Kanal öffnen (S. 203)

Spirituelle Gesundheit ist ein Zustand der zentrierten Ganzheit. Spirituelle Intelligenz ist das Mittel, mit dessen Hilfe wir von einem Zustand zu einem anderen gelangen können; das Mittel, mit dessen Hilfe wir uns selbst heilen können. (S. 204)

Sechs Wege zu höherer spiritueller Intelligenz

Jeder dieser Pfade kann in einer bestimmten Lebensphase von Bedeutung sein. Ich fasse diese Pfade zusammen:

  • Der erste Weg ist der Weg der PFLICHT (Saturn)
  • Der zweite Weg ist der Weg des NÄHRENS (Venus)
  • Der dritte Weg ist der Weg des WISSENS (Merkur)
  • Der vierte Weg ist der Weg der persönlichen TRANSFORMATION (Mond)
  • Der fünfte Weg ist der Weg der BRUDERSCHAFT (Mars)
  • Der sechste Weg ist der Weg der dienenden FÜHRUNG (Jupiter)

Die Autoren fassen sieben Schritte zu höherer spirituellen Intelligenz zusammen (S. 286 – 289):

  • Machen Sie sich bewusst, wo sie jetzt sind.
  • Entwickeln Sie ein starkes Gefühl, dass Sie etwas ändern möchten.
  • Denken Sie darüber nach, was Ihr Zentrum ist und worin Ihre tiefste Motivation besteht.
  • Entdecken Sie Hindernisse und räumen Sie sie aus dem Weg.
  • Erkunden Sie viele Möglichkeiten, wie man vorankommen kann.
  • Legen Sie sich auf einen Weg fest.
  • Bleiben Sie sich der Tatsache bewusst, daß es viele Wege gibt.

Mein Fazit: Wenn wir traditionell von Körper, Geist und Seele sprechen, dann ist es an der Zeit, auch ihre unterschiedliche Form der Intelligenzien wahrzunehmen, „Spirituelle Intelligenz“ als Intelligenz der Seele. Das Buch empfiehlt sich selbst als das erste, das diese Thematik in seinem Wesen ausbreitet: „SQ ist eine Fähigkeit, so alt wie die Menschheit, doch der Begriff wird in diesem Buch erstmals vollständig entwickelt.“ (S. 19) Als „höchste Form“ unserer menschlichen Intelligenz ist es sicher nicht das letzte Wort zum Thema, sondern erst einmal eine Absteckung des Themenfeldes und wird in diesem Sinne immer der Klassiker sein. „Die Vorstellung, dass das Gehirn zu einer dritten Art von Denken befähigt ist und dass es von daher eine dritte Intelligenz gibt, die orginär mit Sinn zusammenhängt, ist radikal neu. (S. 100)

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