Briefe als Tagebuch Pierre Teilhard de Chardins

Das Hauptschrifttum von Pierre Teilhard de Chardin liegt neben vier Büchern und vielen Essays (gesammelt in seinen Werkausgaben in 10 Bänden) sicher in seinen Briefen vor, hauptsächlich an Frauen gerichtet.

Dazu gehört auch das „Tagebuch Pierre Teilhard de Chardins“, das 1969 als „Letters to Two Friends“ im englischen Original  und im Französichen in der Parallel-Ausgabe unter dem Titel „Accomplir l’homme – Letters inédites (1926 – 1952)“ erschien. Die deutsche Ausgabe erschien dann 1971 im Walter-Verlag in zwei Bänden getrennt: „Briefe an eine Marxistin“ und „Briefe an eine Nicht-Christin“.

Diese Briefe wurden so editiert, dass alles Persönliche gestrichen wurde, selbst die Adressatinnen einer strengen Diskretion unterzogen. Solange es noch keine detaillierten Biographien von Teilhard de Chardin vorlagen, hatten diese Editionen und Übersetzungen sicher ihre Berechtigung. Am Ende dieser „unveröffentlichten Briefe“ blieb ein zum sachlichen „Tagebuch vom 24. April 1926 bis 16. Januar 1952“ editierte Version übrig, Auszüge aus Briefen von Teilhard de Chardin an Ida Treat (die Marxistin) und Rhoda de Terra (die Nicht-Christin), beides Amerikanerinnen. Heute ist das „Geheimnis“ um die beiden Adressatinnen längst gelüftet – und es gibt weiter gehende Auszüge aus dem Briefwechsel an diese beiden Frauen.

Mit Ida Treat, einer amerikanischen Geologin und überzeugten Kommunistin, hat Teilhard de Chardin im Laufe von ca. 30 Jahren – gemäß Günther Schiwy – 1929 Briefe gewechselt, im Durchschnitt mehr als wöchentlich einen. Der Band „Briefe an eine Marxistin“ enthält „Tagebuch-Auszüge“ aus 78 Briefen.

Brief an eine Marxistin

So schreibt Pierre Teilhard de Chardin in einem Brief an Ida Treat, die er im Winter 1924/25 kennen gelernt hatte, im Dezember 1933:

Meine großartige Freundin, Du bist gerade abgereist und hast mit Dir einen Teil meiner Pekinger Sonne mitgenommen. Aber mir blieb vor allem eine Kraft und Leichtigkeit für den Lebenskampf, die Du mir mitgeteilt hast. Während dieser drei Wochen habe ich in langen Zügen Deine Gegenwart genossen. Und ich bin tief glücklich, weil ich begriffen habe, daß Du […] für mich die wahre Kampfgenossin geworden bist, mit allem, was eine ähnliche Verbindung haben kann an Reichtum und Tiefe zwischen einem Mann und einer Frau, die sich nur deshalb aufeinander stürzen, um voranzuschreiten. Einer meiner Lebensträume … Mehr denn je werde ich Dich auf dem laufenden halten über das, was mir äußerlich und innerlich geschieht. Gut Glück! Und für immer. Pierre.“
(zitiert nach Günther Schiwy: Eine heimliche Liebe, S. 41)

Im unpersönlichen „Tagebuch“ als Brief an eine Marxistin klingt ein anderer Auszug aus dem Brief vom 21. Dezember 1933 ganz anders:

Etwas, was sehr wichtig sein könnte, nämlich ein Brief aus Frankreich […], scheint darauf hinzuweisen, dass man ernsthaft daran denken soll, mir ein Gespräch mit meinem General in Rom zu vermitteln. Ich werde die Einladung nicht zurück weisen, wenn man positiv die Initiative ergreift. Doch Sie kennen meinen Eindruck: Ich habe Angst, ein solches Gespräch würde schließlich nur definitive Meinungsverschiedenheiten offenbar machen.“ (Brief an eine Marxistin, S. 109)

In einem Brief vom 7. Juli 1933 hatte Pater Teilhard an Ida Treat noch geschrieben, dass er diese relative Ungebundenheit von seinem Ordnen schätzte. Ihm drohte wieder ein Verbot, in Paris aufzutreten:

Je mehr ich an dieses Verbot denke, um so weniger berührt es mich [ich glaube wirklich, es hat mich ernstlich keine Minute lang geärgert.] Ich schätze im Gegenteil die Vorteile, nach vornehin klarer zu sehen und keinerlei Bindungen zu haben, bei denen man mich zu fassen versuchen könnte. … Mir bleibt nur eines zu tun: intensiver als je zuvor das entwickeln, was ich glaube, und mich inniger als je in das Blut hineinmischen, das ich zu verbessern träume. eine Frage der größeren Liebe, nicht der Revolte. Ich weiß nicht, ob das möglich ist. Ich will es aber versuchen. Eines scheint mir klar. Im Einsatz für eine Sache wie diese fürchte ich nichts.“ (Briefe an eine Marxistin, S. 108)

Durch den intensiven Austausch mit Ida Treat war Teilhard de Chardin gezwungen, sich mit dem Kommunismus auseinander zu setzen. Das führte ihn zu der klaren Äußerung:

Meiner Meinung nach ist es mehr und mehr der Kommunismus, der gegenwärtig das wahre menschliche Wachstum repräsentiert und monopolisiert. (Schiwy, Bd. 2, S. 150)

Also nicht das Christentum! So wundert es einen nicht, dass Teilhards Vision der Menschheit am Punkt Omega an die „klassenlose Gesellschaft“ von Karl Marx erinnert.

Briefe an eine Nicht-Christin

Pierre Teilhard de Chardin hat Roda de Terra und ihren Mann Helmut de Terra bei einem Internationalen Geologenkongress 1933 in Washington kennen gelernt, 1935 sind sie zusammen auf einer Indienreise. Roda de Terra, die sich von ihrem Mann im Dezember 1935 scheiden ließ, wird in den letzten 10 Jahren des Lebens von Pater Teilhard dessen wichtigste Begleiterin auf Expeditionsreisen wie auch privat in Amerika. Pater Teilhard starb am Karfreitag 1955 in ihrer Wohnung in New York.

Die hier dokumentierten Briefe Pierrs an Rhoda beginnen am 5. Juni 1938 mit den Worten „Seit meinem letzten Brief …“ (S. 9). Es ist also keinesfalls der erste. Der letzte Brief stammt vom 8. September 1950.

Günther Schwiy: Eine heimliche Liebe

Untertitel: Lucile Swan und Teilhard de Chardin

Günther Schiwy hat sich ein großes Verdienst erworben, Pierre Teilhard de Chardin im deutschsprachigen Raum ein bleibendes Denkmal zu setzen. Dazu gehört herausragend dessen Biographie in 2 Bänden 1981 zu dessem 100. Geburtstag. (> meine Buchbesprechung). 1993 wurden dann aus dem Nachlass von Lucile Swan Dokumente (vor allem aus dem Briefwechsel, aber auch Tagebuchaufzeichnungen) veröffentlicht, die noch einmal ein neues Licht auf das Leben und LIeben Pierre Teilhard de Chardins warfen. Schiwy schreibt über dieses 2005 erschienene Buch: „… dann erfülle ich nur die Pflicht des Biographen gegenüber der historischen Wahrheit, die um viele größer und fasznierender ist, als wir bisher meinten.“ (S. 11 f.)

Diese Briefe sind in diesem Band nicht dokumentiert, es ist kein weiterer Briefband, aus ihnen nur ausführlich zitiert. Der Biograph Günther Schiwy schreibt eine Ergänzung zu seiner Biographie, bei der die Frauen in Teilhards Leben und die Rolle des Weiblichen bei der Entwicklung einer „Religion der Liebe“ im Vordergrund stehen.

Am Anfang waren die Enthüllungen dieser doch überraschend intimen Beziehung noch sensationell, heute macht es Piere Teilhard de Chardin nur um so glaubwürdiger in seiner Suche nach der „Mystik der Liebe“ als Kraft, die die Menschheit zusammen bringt. So schreibt Günther Schiwy:

Der wichtigste Beitrag eines jeden zum Gelingen der globalen Einigung der Menschheit ist die individuelle Erweckung und Intensivierung der zwischenmenschlichen Liebe, die sich nicht auf Ehe und Familie beschränkt, sondern ausstrahlt in die größere Gemeinschaft und letztlich die Einigung der Menschheit möglich macht. (S. 13)

In dem Buch wird deutlich, wie sehr Pierre speziell von Lucile als Frau geprägt wurde. So schickt er Lucile die Kopie seines Essays „Das Herz der Materie“ als

… eine Art von Geschichte meines spirituellen Abenteuers […] Ich frage mich, ob sie Dir gefallen wird – aber ich denke, sie wird.  Jedenfalls sind diese Seiten eine Anstrengung, eine innere Evolution auszudrücken, die tief von Dir geprägt ist. (S. 175)

Und Lucile anwortet:

Der gleiche Geist weht durch dein Briefe, und wie stolz und glücklich war ich, als Du sagtest, wie sehr ich half, Deine Ideen zu klären, sie mit dir durchzusprechen, und so war es UNSERE Arbeit – und Du sagst so freundlich in diesem letzten Brief: ‚die innere Evolution so tief geprägt durch Dich‚. (S. 179)

Lucile war wahrlich nicht die einzige Frau im Leben Teilhard de Chardins, die wichtigsten weiteren: seine Cousine Marguerite Teillard-Chambon, die Feministin Léontine Zanta, die Marxistin Ida Treat und die Geologin Rhoda de Terra, um nur die wichtigsten zu nennen.

Das Buch macht deutlich, wie wichtig Pater Teilhard die Beziehung zu Frauen war, die ihn Sätze schreiben lassen wie:

„Nicht mehr als auf Licht, Sauerstoff oder Vitamine kann der Mann – kein Mann – (mit einer täglich dringlicher werdenden Evidenz) auf das Weibliche verzichten.“ (S. 177) Oder: „Das Lebendigste des Greifbaren ist das Fleisch. Und für den Mann ist das Fleisch die Frau.“ (S. 175)

Hier entflammt bei Teilhard de Chardin eine „Mystik der Liebe“, bei der der Frau eine zentrale Bedeutung zukommt, anders als in der östlichen Mystik, die gänzlich von „Fleisch und Frau“ entmaterialisiert und vergeistigt ist, um es gelinde auszudrücken.

In der Liebe zwischen Lucile und Pierre ging es immer um den „dritten, den höheren Weg“ der Liebe zwischen Mann und Frau, die geistige Vervollkommnung ausgerichtet auf das Dritte: Gott. Das Buch liest sich teilweise wie einen Liebesroman – auch mit weiblichen Rivalinnen, Lucile, Ida und Rhoda, einem Herzinfarkt von Pierre, ein gebrochenes Herz bei Lucile. Eine biographisches Buch kann kaum menschlicher sein als dieses. Pater Teilhard de Chardin sagte von sich selbst: „Ich bin kein Gott.“ … und sicher auch kein Heiliger. Doch ein liebender Mann mit einer großen Vision der Liebe, die er selbst kaum leben konnte.

Günther Schiwy bewertet die Tragik dieser Liebe so:

Die Tragik bestand darin, dass sich Lucile, deren Liebe ungebrochen war, gerade deswegen nicht imstande sah …, auf eine möglichst intensive Teilnahme am Alltagsleben Teilhards, wie sie es jahrelang in Peking erlebt hatte, zu verzichten. Teilhard hatte jedoch einen viel abgehobeneren Begriff von Liebe: einerseits sah er – typisch Mann – vor allem die erotisch-sexuelle Dimension, von der er glaubte, daß sie in seinem Verhältnis zu Lucile in gegenseitigem Einvernehmen keine Rolle mehr spielte, womit er wohl recht hatte; andererseits betonte Teilhard – typisch Zölibatär – vor allem die spirituelle Dimension der partnerschaftlichen Liebe als Realisierung der Gottesliebe, worin er auch wohl … mit Lucile übereinstimmte. Wo, mußte er sich fragen, lag ihr Problem? Weil Teilhard, was Lucile instinktiv spürte, eben doch anders liebte als eine Frau, viel weniger ganzheitlich und „alltäglich“, konnte er im letzten Luciles Unglücklichsein nicht verstehen. (S. 191)

Sandra Tissot: Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit

Untertitel: Wie sich ein Sensibelchen selbstständig machte und seine Lösung für das hochsensible Berufsleben fand

Die Autorin Sandra Tissot hat den Weg zu ihrem persönlichen Glück gefunden. Es ist der Weg von einer hochqualifizierten Betriebswirtin und einem „Sensibelchen“ aus der „unerträglichen Sinnlosigkeit“ des Angestellten-Daseins als Marketingleiterin über den „Befreiungsschlag“ der beruflichen Selbstständigkeit bis zum Meistern der „unternehmerischen Realität“ hin zum persönlichen Glück.

Sie schreibt gleich zu Anfang: „… ich habe die Lösung für MICH gefunden und bin der festen Überzeugung, dass jeder seinen eigenen Weg entdecken und Schritt für Schritt gehen muss.“ (S. 9)

Sie beschreibt diesen Weg so einfühlsam und humorvoll, dass sich das Buch fesselnd liest wie ein Roman. Der allgemeine „Ratgeber“ für Hochsensible steht im Hintergrund, die ganz persönliche Lebensgeschichte ist spannend und humorvoll erzählt. All die Menschen, die ihr begegnen, sind „Typen“ (Caraktere würde man in einem Roman wohl sagen), die einem bekannt vor kommen. Doch sie stellt Besonderheiten ihres eigenen Lebensweges gar nicht so sehr heraus. Ihre zusätzliche Rolle als Mutter ist kaum mehr als erwähnt. Der Name der Tochter bleibt unerwähnt, dafür ihre Rolle als „Mompreneurin“ (Mutter und Selbstständige) gleichzeitig zu sein. Das Typische Ihres persönlichen Weges auch für andere ist deutlich zu erkennen.

Sie beobachtet ihre Lebenssituationen nicht nur scharf, sondern auch sehr erfrischend. Der Leser wird in keine Leidensgeschichte hineingezogen, sondern in einen (typischen) Bewusstseinsprozess, einer jungen Frau, die die Kraft hat, sich selbst zu befreien.

Die vordefinierte Arbeitsatmosphäre, der fremdgesteuerte Leistungsdruck und alle Abhängigkeiten hatten bei meinem sensiblen Wesen zu gesundheitlichen Problemen und letztendlich zur Selbstaufgabe geführt.
Ich passte einfach nicht in diese Arbeitnehmerwelt. So sehr ich mich auch bemühte – ich fühlte mich zu sensibel, zu empfindsam, zu eingeengt, zu fremdbestimmt … (S. 48)

Und dann der Prozess, sich selbstständig zu machen:

Spätestens an dem Tag, in der ich mir meiner eigenen abweisenden Haltung und meiner „inneren Kündigung“ klar geworden bin, gab es kein Zurück mehr. Ich hatte eine Türe geschlossen, um eine neue Türe zu passieren und einen neuen Lebensabschnitt betreten zu können. Ich hatte dafür keinen vorgefertigten Plan.“ (S. 87)

Immer wieder (nahezu auf jeder Seite) findet der Leser Gedanken-Boxen, die das gerade Erzählte mit seinem eigenen Leben als Impuls des Nach-Denkens verbinden kann – wie beispielsweise die Box:

Die Erkenntnis der eigenen Hochsensibilität verändert nicht alles, aber lässt vieles im neuen Licht erscheinen. (S. 105)

Darüber hinaus regt jedes der 22 Kapitel am Ende zum Reflektieren der eigenen Lebenssituation an.

Ich empfehle dieses Buch jedem sensiblen Menschen, der im Angestellten-Dasein kein Glück findet und den berufichen Leidensweg endlich beenden will. Das Buch hilft, den eigenen Weg der beruflichen Befreiung besser zu reflektieren, sich aber auch auf die Stolpersteine der beruflichen Selbstständigkeit vorzubereiten, auf sie gefasst zu sein, um sie dann meistern zu können.

Die berufliche Selbstständigkeit ist kein Sonntagsspaziergang, entspricht den Potenzialen eines HSP doch im besonderen Maße, da er hohe Leistungsansprüche an sich selbst hat, die Interessen seiner Kunden sehr deutlich spürt und Kunden-Projekte so heraussragend erfüllen kann, dass der Kunde glücklich und sie (die HSP) auch stolz auf die eigene Leistung sein kann. Das Buch macht HSPs Mut, den Weg der Selbstständigkeit zu gehen!

Dem vergleichsweise geringen Risiko der Selbstständigkeit steht ein großer Gewinn gegenüber. Hochsensible können aus der beruflichen Selbstständigkeit Lebensfreude generieren und darin ihr ganz individuelles Glück finden und jeden Tag aufs Neue leben. (S. 184 f.)

Sandra hat es geschafft – und es werden immer mehr werden. Und irgendwann wird unsere Arbeitswelt sich so verändert haben, das sie zu einer Quelle des Glücks und der Selbstverwirklichung wird.

Sandra Tissot:
Hochsensibilität und die berufliche Selbstständigkeit: Wie sich ein Sensibelchen selbstständig machte und seine Lösung für das hochsensible Berufsleben fand (Klick)

Silvia Christine Strauch: Meine Hochsensibilität positiv gelebt

Untertitel: Persönliche Einsichten aus einem langen, bewegten Leben

Es gibt inzwischen Bücher, die das Phänomen der Hochsensibilität vor allem in der Psychologie wissenschaftlich zu erfassen suchen. Doch darum geht es in diesem Buch nicht. Die Autorin legt viele Facetten „aus einem langen, bewegten Leben“ dar, die sie als Hochsensible ausweisen. Es geht in diesem Buch um keine (neue) Theorie der Hochsensibilität, sondern um die Verbalisierung und Verallgemeinerung von Erfahrungen der Autorin als HPS. Die Autorin arbeitet als „Pferdeflüsterin“ und hat schon mehrere Bücher zum Umgang mit Pferden geschrieben. Als hochsensibler Leser findet man sich leicht im Buch wieder. Vieles kommt einem bekannt vor. Das eigene „Sonderling-Sein“ bekommt nicht nur einen Namen, sondern auch eine Deutung und Be-Deutung.

Im ersten Teil des Buches beschreibt die Autorin aus ihren persönlichen Lebenserfahrungen, wie sich Hochsensible Personen in bestimmten Situationen verhalten: Kindheit, Partnerschaft, Beruf, Tiere, Feste, Veranstaltungen und Sozialleben, Arbeit in Gruppen, Abgrenzung und Urlaub. (Ich habe mich hier in vielen Punkten wiedergefunden, sogar den Grund für eine aktuelle Krise gefunden.)

Im zweiten Teil geht die Autorin insbesondere auf mentale Techniken ein, um die Hochsensibilität als Chance zu sehen und die eigene Entwicklung voranzubringen. Zu diesen Techniken, die jeweils kurz vorgestellt werden, gehören: Zeitmanagement, positives Denken, Affirmationen, Gesundheit, Sport, Ernährung, progressive Muskelentspannung, Atemtechniken, Mantra-Meditation, Kontemplation, Visualisierung, Achtsamkeitstraining; kurz: Mental-Training für Hochsensible. (Die meisten dieser Methoden habe ich in meinem eigenen Entwicklungsprozess auch angewendet.)

Im dritten Teil des Buches geht es darum, „im Alltag Ruhe zu finden“. Dieser „ruhende Pol“ ist die Quelle der Inspiration und Kreativität für den Hochsensiblen. Auch hier behandelt die Autorin wieder Schlüsselthemen: Natur, Stadt, Sinnesreize, Drogen, Kunst und Wissenschaft, Wohnung, Einrichtung und Ästhetik, Freunde und Bekannte. (Ich lebe sehr zurückgezogen in einem südfranzösischen Bergdorf – mit Sohn und Enkeln; ich liebe Philosophie und Wissenschaft, möchte einen Beitrag leisten, Wissenschaft und Spiritualität wieder zu integrieren.)

Im vierten und letzten Teil gibt die Autorin ein zusammenfassendes, „persönliches Schlusswort“. Das Thema „Urvertrauen“ spricht sie dabei gleich in zwei Sätzen an:

„Um zur Ruhe zu kommen, ist es von besonderer Bedeutung, dem Leben zu vertrauen.“ (S. 180) „Ich habe großes Urvertrauen und wünsche dies auch jedem anderen Menschen.“ (S. 183)

Zu Beginn eines jeden Kapitels stehen Fragen, die die Erfahrungen des Lesers im Sine von „Kennst du das auch …?“ direkt ansprechen . Jedes Kapitel endet mit einem Resümee im Sinne einer Zusammenfassung, aber auch Handlungsimpulsen aus dem Kapitel.

 

Hochsensible – seien es Menschen oder Tiere – sind Pioniere der Evolution. Je mehr wir uns unserer Rolle im eigenen Heilungs- und Selbsterkennungs-Prozess bewusst geworden sind, desto mehr leben wir in einem Ur- oder Gottvertrauen, das unerschütterlich geworden ist. Dieser „Zustand“ zaubert einem ein ständiges Buddha-Lächeln ins Gesicht, ein ganz stilles Glück, einem Einvernehmen mit allem, was ist.

Ich finde das Buch sehr sympatisch! Es beschreibt persönliche Einsichten der Autorin, die ich als Leser sofort nachvollziehen kann, meine eigenen Erfahrungen einsichtig verbalisiert sind. Großartig!


Silvia Christine Strauch:
Meine Hochsensibilität positiv gelebt: Persönliche Einsichten aus einem langen, bewegten Leben (Klick)


Nachtrag

Ich erlaube mir, dieses Buch über Hochsensibilität mit dem von Luca Rohleder aus dem gleichen Verlag zu vergleichen, das ich kürzlich besprochen habe (> hier). In dem Buch von Silvia Christine Strauch geht es nicht vordergründig um Berufung, obwohl die Autorin sicherlich ihre Berufung lebt. Dann und wann klingt das Thema auch an, wenn sie darauf hinweist, dass Hochsensible sich sowohl in KUNST wie auch WISSENSCHAFT berufen fühlen.

Luca Rohleder beschreibt 5 Phasen auf dem Weg der Berufung: die 1. geistige, 2. überlastete, 3. lebensverneinende, 4. erwachende und 5. erlösende Phase. Das Buch der Autorin  Silvia Christine Strauch scheint mir dabei sehr auf die geistige Phase ausgerichtet zu sein, Hochsensibilität mit geistigen Techniken (Mental-Training) zu bewältigen, ist vor allem in diese 1. Phase „einzuordnen“. (Ich weiß, wovon ich spreche, kenne ihre Vor- und Nachteile. Ich bin inzwischen kein „Denker“ mehr, auch kein ganzheitlicher. Selbst wenn ich ein Buch schreibe, denke ich kaum noch nach. Ich glaube, Luca würde mich sofort verstehen …) Um nicht missverstanden zu werden: Um so wertvoller ist das Buch von Silvia Christine Strauch, das für diese für viele Hochsensiblen entscheidende 1. Phase einen Orientierung der mentalen Bewältigung gibt.

Luca Rohleder: Die Berufung für Hochsensible

Untertitel: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch

Das Thema beschäftigt mich schon seit 20 Jahren (> meine Buchbesprechung zu Tepperweins Buch „Vom Beruf zur Berufung“). Ich habe in der Zeit mehr als ein Dutzend Bücher zum Thema Berufung gelesen, sehe mich inzwischen selbst „angekommen“. Um so mehr hat mich das Buch „in Atem gehalten“. Es gehört zu der Sorte Büchern, von der man sich wünscht: „Hätte ich sie schon vor 20 Jahren lesen können, es hätte mir einiges erspart.“

Okay, Pioniere ebnen mühsam anderen den Weg, und wir wünschen uns, dass andere es dann leichter haben. Grundsätzlich kann ich als „Angekommener“ die Inhalte und Phasen zu 100% bestätigen. Wenn der Autor z.B. schreibt: „Sie werden Ihr komplettes Leben im Schlaf regeln können.“ (S. 91), weiß ich genau, was er meint. In der Bibel heißt es dementsprechend: „Den Seinen gibt’s der Herr in Schlaf.“

Mehr noch: Ich sehe meinen eigenen Seelenweg auch in der Rückschau noch einmal neu beleuchtet. Mir ist das eine und andere meiner eigenen „Berufungs-Karriere“ bewusster geworden. Aus diesem Grund empfehle ich auch „Angekommenen“, dieses Buch noch einmal zu lesen. Es hilft, Vergangenes besser zu verstehen. Noch bevor die „Hochsensiblen“ psychologisch und soziologisch erkannt wurden, wusste ich, dass ich einer bin – und mich hat das Thema nicht weiter interessiert. HEUTE fasziniert es mich und macht mich noch selbst-bewusster.

„Hochsensible Personen“ (HSP) machen etwa 15% einer Bevölkerung aus, anscheinend in allen Kulturen. Sie gehören zu den Pionieren, den Trägern der Evolution, aber nicht nur auf der großen Bühne, sondern auch der kleinen Bühne des Alltags. Alle großen Erfinder und Künstler gehören dazu, doch auch alle Helfer-Seelen, die den Alltag anderer verbessern.

Mich hat das „Konzept der 3 Ichs“ einer Hochsensiblen Person be-geistert, die „Dreifaltigkeit unseres Selbst“ [meine Worte]. Der Autor unterscheidet:

  • das Neugeborenen-Ich (die existenziellen Bedürfnisse) [das natürliche Selbst = Körper]]
  • das Höhere-Ich (die Verbindung zum Höheren, das „Höhere Selbst“) [das göttliche Selbst = Seele]
  • das Erwachsenen-Ich (der Verstand) [das kulturelle Selbst = Verstandes-Geist].
  • in […]: Deutungen in meinem „Dreifaltigkeits-Konzept“

Okay, auch das ist „nur ein Konzept“, doch ich bin offen genug, um es als das ein-leuchte-ndere Konzept gegenüber anderen anzunehmen und in ein Großes zu integrieren. Mir gefällt insbesondere die Wertschätzung des Neugeborenen mit seinen elementaren Bedürfnissen (nicht zu verwechseln mit dem „Inneren Kind“).

Die fünf großen Fragen, die das Buch behandelt:

  • Warum bin ich so?
  • Was schlummert in mir?
  • Was muss ich loslassen?
  • Wann habe ich Arbeitsspaß? [und gehe den Weg der Freude]
  • Wie finde ich die Berufung? (mit 5 Phasen)

Für Menschen auf dem Seelenweg gibt es einen wegweisenden und auch irritierenden Spruch:

Wenn du deinen eigenen Weg gehen willst,
dann frage nicht andere nach dem Weg.

Das ist ein Paradox (selbst gehen und um Hilfe bitten) – und der Autor geht damit intelligent um: Der erste Teil des Buches (drei Viertel) hat viele wichtige Empfehlungen mit klaren Themen. Hier geht es vor allem um das LOSLASSEN des Alten, damit Neues Platz hat. Der zweite Teil des Buches (ein Viertel) gibt nur noch grobe Hinweise, Wegweiser, ohne den Weg genau vorzuschreiben. Diese Seiten mit Leben zu füllen, ist die Aufgabe eines jeden auf seinem Seelen-Weg.

Das Thema „Berufung“ ist ein ganz elementares spirituelles Thema. Wir folgen dem „Ruf der Seele“ oder dem „Ruf einer Höheren Welt“. Eine große Falle dabei sind verführerische „esoterische Irrwege“, die der Autor auch benennt und vor der er warnt (nichts gegen die ursprüngliche Esoterik im Sinne von Pythagoras!) Trotz seiner spirituellen Essenz verwendet das Buch eine geerdete Alltagssprache. Das ist für mich ein großes PLUS des Buches und macht es noch einmal besonders wahrhaftig.
Mein vielleicht größtes Kompliment für dieses bahnbrechende Buch:
Es fordert mich heraus, mein Berufungs-Coaching neu zu erfinden!

 

Luca Rohleder: Die Berufung für Hochsensible: Die Gratwanderung zwischen Genialität und Zusammenbruch (Klick)

Manfred Ehmer: Gaia – Portrait einer Göttin

Ich habe das Buch schon vor einiger Zeit mit Begeisterung gelesen – aber irgendwie war die Rezension noch nicht dran, in den letzten Tagen war es dann doch ganz hoch gerutscht als „das Nächste“. Heute früh habe ich es noch einmal quergelesen, um es mir wieder ganz präsent zu machen. Dann wird mir bewusst, dass heute Tag der Erde ist. Na, einen besseren Tag hätte das Buch sich für die Besprechung gar nicht aussuchen können!

Das Buch hat im Grunde zwei Teile: Teil 1 geht der Namensgebung der Erde als Gottheit in den verschiedenen alten Kulturen nach, Teil 2 (ab S. 98) geht den spirituellen Naturwissenschaftlern nach, die der uralten Hochzeit von  „Himmel und Erde“ wissenschaftlich aufbereiten.

Der Autor mahnt eindringlich:

Heutzutage besteht die einzige Rettung für das Abendland in einem Globalen Bewusstseinswandel, in der Gewinnung eines kosmischen Bewusstseins, das Geist und Natur, Himmel und Erde wieder zur Einheit verbindet. Gegenwärtig, wo die Wende zum kosmischen Bewusstsein in vollem Gange ist, besinnt man sich immer mehr auf die uralten Traditionen ökologischen Denkens, die uns von den Naturvölkern und den Hochkulturen des Fernen Ostens überliefert sind. (S. 97)

Alle alten Kulturen der Menschheit verehrten „Vater Himmel“ und „Mutter Erde“. Das Kultbild der Großen Muttergöttin, der Magna Mater, ist in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit nahezu 30.000 Jahre zurück zu erkennen (in diesem Alter ist die berühmte „Venus von Willendorf„).

Noch bis in unsere jüngere Geschichte des klassischen Altertums waren der Himmelsgott Uranos der Erdgöttin Gaia gleichgestellt. Doch indem Zeus in Griechenland zum Vater aller Götter erhoben wurde, Jupiter, Juni, Mars und Apollo in Rom zu den Hauptgöttern, begannen die Vater-Religionen und die Verdrängung, Entmachtung und Verbannung der Erdgöttin. Diesen für die Menschheit verheerenden Kurs wieder zu korrigieren, ist ein Anliegen des Buches:

Die Göttlichkeit der Erde gilt es also wiederzuentdecken, und dazu mag auch dieses vorliegende Buch beitragen, das sich als ein Portrait der Göttin Gaia versteht. (S. 11)

Oder an anderer Stelle:

In dem Maße, in dem das jahrtausendealte Patriarchat zerfällt, wird eine neue Spiritualität der Erde sich Bahn brechen. Die Erde spricht! Sie mahnt die heutigen Menschen, umzukehren und abzulassen von dem sinnlosen – letzten Endes selbstzerstörerischen – Raubbau an der Natur. Die Natur muss wieder jene höhere Weihe erhalten, die ihr als geistig wirkender Organismus zukommt. (S. 20)

Das Buch geht Mutter Erde und der Erdgöttin in den verschiedenen Traditionen nach:

  • Der Magna Mater (Große Mutter) der Jungsteinzeit (vor ca. 20.000 Jahren)
  • Die altindische, vedische Frühzeit verehrte als Erdmutter die Göttin Bhu oder Bhudevi, auch Prithivi
  • Die Hymnen von Orpheus und Homer an die Allmutter Erde
  • Uranos und Gaia in der Theogonie (Gottwerdung) Hesidos; bei ihm war Chaos die eigentliche Urgöttin als Urstoff allen Lebens; aus Chaos gingen Gaia und Uranos hervor, Rhea als Tochter von Uranos und Gaia. Bei Orpheus, Homer und Hesidos ist die materialistische Urreligion Europas noch zu erkennen.
  • Demeter war bei den Griechen auch Ausdruck der „Großen Mutter“, wobei Demeter weniger für den PLANETEN Erde als die fruchtbare Erde (Humus), als ELEMENT Erde gesehen wurde. (S. 46)
  • In der altrömischen Religion war Terra Mater eine weitere Erscheinungsform von Mutter Erde
  • Bei den Phrygiern (Kleinasien, Türkei) war es die Göttin Kybele, die als Mutter Erde verehrt wurde. Der heilige Stier (!) war ihr Kulttier. Die dunkle Seite der Erdgöttin als Verschlingende, Zerstörende, Tötende kommt bei Kybele wohl am deutlichsten in unserem Kulturraum heraus. Sie erinnert an die indische Kali-Yug oder die aztekische Erdgöttin Coatlicue. (S. 55)
  • Nerthus – die Erdgöttin der Germanen
  • Ostara ist eine alte Frühjahrs und Fruchtbarkeitsgöttin der Gemanen, die zwar relativ unbekannt ist, doch dem Deutschen Ostern den Namen gegeben hat. Ostara ist auch die Lichtbringerin, an die die Osterfeuer noch erinnern.
  • Die keltische Brighid (oder Brigitte) war die Weltenmutter und Hüterin der Erde (die keltische Isis), ursprünglich Brigantia. 
  • Ukko und Akka in der altfinnischen Mythologie als Götterpaar.
  • Natura – die Erdgöttin des MIttelalters

Bei allen Erdgöttinnen ist eine Polarität von Lebens- und Fruchtbarkeits-Göttin einerseits und Todes- und Unterweltsgöttin andererseits zu erkennen. Ihr Reich ist Geburt und Tod. doch anders als bei den männlichen Kriegsgöttern, war die Erdmutter immer eine Friedensgöttin.  

Im alten China war die Geomantie viel weiter verbreitet als im Westen, Strahlung und Kräfte der Erde: Kraftlinien, Gittermuster, tellurische Kraftorte (aus der Erde hervorgehend). Geomantie war einst eine Heilige Erdwissenschaft wie die Heilige Astrologie eine Wissenschaft des Himmels.

Spirituelle Naturwissenschaft

Der Autor benennt und bespricht folgende Größen und Theorien:

  • Leonardo da Vinci
  • Johannes Kepler
  • Goethe (Die Frage ist: „Goethe oder Newton?“ S. 112)
  • Jakob Lorber („Schreibknecht des Herrn“)
  • Theosophie, der Kreis um Madame Blavatzki
  • Rudolf Steiner
  • Chakrensystem der Erde
  • Tiefenökologie als universale Vernetzungswissenschaft
  • Die Gaia-Hypothese (Ludwig Klages, Jim Lovelock und Lynn Margulis)

Gaia Sophia – das Selbst der Erde

Das ist sozusagen die „Abschluss-Hymne“ des Buches an Mutter Erde (S. 134):

Unter Gaia Sophia verstehen wir das höhere Selbst der Erde – ausgeflossen aus der ewigen himmlischen Sophia. Sie ist die ökologische Sophia, die aus der Wesensmitte zu uns spricht: Impulsgeberin eines neuen Weltzeitalters, die allein die Wiederverzauberung der Welt, eine Wiedervereinigung und Versöhnung von Männlichem und Weiblichem, Intellekt und Intuition, Logik und Mythos, Wissenschaft und Mystik zustandebringen kann. Gaia Sophia wirkt gegenwärtig im Ätherleib der Erde, und ihr Impuls zielt ab auf die Begründung echter Harmonie von Mensch, erde und Kosmos.

Das Buch ist mit diesem umfassenden Inhalt keineswegs ein Wälzer von 1.000 Seiten, sondern hat gerademal 150 Seiten. Es ist überaus konzentriert auf die Essenz, dafür um so überzeugender. Man hat in der Bibel die Rückkehr des „verlorenen Sohns“ gefeiert. Das Buch feiert die „Rückkehr der verlorenen Mutter“. Natürlich hat uns Mutter Erde nie verlassen, wir haben sie nur aus dem Bewusstsein verloren.

Es macht Hoffnung für die Zukunft der Menschheit, dass sich unser Bewusstsein wieder für die ganze Wahrheit öffnet: Gott ist ein Paar, Vater und Mutter. Erst mit der „Wiedergeburt“ von Mutter Erde nehmen wir vom Göttlichen auch die Allumfassende Liebe wieder wahr. Der Autor weist auch darauf hin, dass auch die Seele der Erde reinkarnieren kann. Die „Renaissance“ von Mutter Erde möglicherweise auch eine ganz junge Göttin, eine Neue Erde hervorbringt. Das Buch ist – im wahrsten Sinne des Wortes – eine blaue Perle. Wie lange wird es dauern, bis dies das Wissen aller Menschen wird?

 

Manfred Ehmer: Gaia: Portrait einer Göttin (Klick)

Ruediger Dahlke: Wenn wir gegen uns selbst kämpfen

Untertitel: Die seelischen Muster hinter Infektionen, Allergien, Hyperaktivität bis zu Impfproblemen

Bücher von Ruediger Dahlke sind richtungsweisend und gesellschaftsverändernd. Er ist der „Papst“ des Fastens und der veganen Ernährung. Mich selbst haben auch seine Bücher zu den „Lebensprinzipien“ stark beeinflusst. Man kann zur (Horoskop-) Astrologie stehen wie man will, doch dahinter stecken Urprinzipien und archetypische Urbilder (ich nenne es „Heilige Astrologie“), mit denen sich jeder auseinandersetzen sollte, wenn er seine Seele verstehen will. Dahlke, von Hause aus Mediziner („Integrale Medizin“), ist für mich auch der „Guru“ einer wahrhaften Seelen-Psychologie, die die Seele wieder im ursprünglichen Sinne versteht (Stichwort: Pythagoras).

Auch das hier besprochene Buch ist ein solches richtungsweisendes Buch mit dem Potential der Gesellschaftsveränderung. Es war ursprünglich als Männerbuch gedacht, trugt den Titel „Aggression als Chance“ (2003) und widmet sich einem der größten Probleme (wenn nicht DAS größte) unserer Gesellschaft: dem „unerlösten Mars-Prinzip“. Das ist natürlich schon die Diagnose. Die Erscheinung ist vielfältig:

  • Weltweite Kriege, Zuspitzung im „Terrorismus“
  • Glaubenskriege
  • Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit
  • Aggression im Alltag, von der Straße bis zur Familie
  • Schuldzuweisungen in Politik und Religion
  • Autoaggression von Selbstverbrennung bis Autoimunerkrankungen

Das Buch hat zwei Teile:

Teil 1 fragt nach dem Urprinzip der Aggression, des Männlichen und Mars als dessen archetypisches Urbild (und Pluto als Urbild für weibliche Aggression)

Teil 2 behandelt die Krankheitsbilder und Lernaufgaben aus einer fehlgeleiteten und unerlösten Aggressivität.

Der Autor geht den gängigen Aggressionstheorien nach und kommt zu dem Schluss:

Wir haben lediglich die Wahl, ob wir die unerlöste brutale Aggressionsvariante leben oder die entwickeltere, erlöstere. Die Wahl, ob wir uns überhaupt mit dem Aggressions- oder Marsprinzip beschäftigen, haben wir dagegen nicht. (S. 55)

Das Aggressionsthema ist ganz offensichtlich ein Männerthema, doch wenn der Autor vom „Marsprinzip“ spricht, dann ist damit nicht der Mann gemeint, sondern das männliche Prinzip in jedem Menschen, natürlich meistens bei Männern ausgeprägt. Doch man muss grundsätzlich aufpassen, dies nicht zu verwechseln. Ich möchte dazu ein längeres Zitat einfügen, weil es zentral und bedeutsam ist:

Bei der Beantwortung der Frage „Wie männlich ist Aggression?“ empfehlen sich zwei Schritte. Zum einen ginge es darum, die Wertung aufzuheben und zu erkennen, dass alles und eben auch Aggression zwei Seiten hat: die der mutigen und positiv eingeschätzten Selbstverwirklichung und die der negativ erlebten zerstörerischen Gewalt. Zum anderen löst die Erkenntnis der Urprinzipien und ihre Akzeptanz das Problem. Wer sehen kann, dass die marische Aggression archetypisch mehr dem Männlichen entspricht und die (…) plutonische Aggression mehr dem weiblichen, wer bei beiden schließlich noch zwischen mehr oder weniger erlösten Ebenen unterschieden lernt, kann sich von dem unergiebigen Hickhack bei der Geschlechterfrage lösen. Eine „männliche“ Frau kann also auch einmal zerstörerisch und aggressiv auftreten als ein sehr „weiblicher“ Mann. (S. 90 f.)

Wann ist Mann ein Mann?

Die Liedermacherin Ina Deter sprühte es auf jede Wand: „Neue Männer braucht das Land!“ Und Herbert Grönemeyer widmete der Jahrhundertfrage den Song: „Wann ist Mann ein Mann?“

Der „neue Mann“ macht sich – noch etwas unsicher – auf den Weg. Er entsteht nicht wie Phönix aus der Asche. Es ist eher eine Heldenreise. Doch diese „neuen Männer“ (weder Machos noch Softies) sind einem Hohn der „ganzen Kerle“ ausgesetzt. In diesem Kapitel (S. 98 – 104) geht der Autor extrem sarkastisch und entlavend mit den abfälligen Bemerkung der „neuen Männer“ durch seine Geschlechtsgenossen um. Eine Kostprobe:

Im Socken- und Unterhosenwechsler wird jede Form von Hygiene heruntergeputzt, der richtige Mann hat eben zum Himmel zu stinken, wobei dies in der Regel sein einziger Bezug zu dieser Region bleibt. (S. 103)

Autoaggressionskrankheiten

Aggressionen finden nicht „da draußen“ statt, sondern letztlich nur in uns selbst. So wie die Kriege in uns toben, so kann der Friede auch nur in uns selbst herbeigeführt werden.

Wenn wir mit dem Aggressionsprinzip nicht zurecht kommen, wird es immer auf uns zurückfallen, und letztlich können wir überhaupt nur gegen uns selbst kämpfen. (S. 14)

Während der erste Zeil des Buchs die Aggression als Lebensprinzip erklärt und verständlich macht, geht es im zweiten Teil darum, ihre fehlgeleitete Energie in Krankheit und Lernaufgaben zu erkennen. Es ist ja auch der Haupttitel des Buches: Wenn wir gegen uns selbst kämpfen. Der Autor konzentriert sich hierbei auf folgende Themen-Felder:

  • Infektiionen
  • Allergien
  • Autoaggressionskrankheiten wie Rheuma, Fibromyalgie und Krebs
  • Zähne und Gebiss
  • Hyperaktivität bei Kindern

Ich will hier ein eindrucksvolles Beispiel geben, wie der Autor dies am Beispiel Krebs behandelt:

Krebs könnte man als eine Art Intifada im eigenen Körper verstehen, als einen Bürgerkrieg von gut getarnten und vom Abwehrsystem nicht zu identifizierenden Zellen, die jede Solidarität mit dem eigenen Körperland aufgegeben haben und nur noch für die eigenen Ziele kämpfen und wachsen. … (S. 113)
In gewissem Sinne könnte man hier sogar von einer Art heiligem Krieg (gegen den Krebs, JS) sprechen, den schließlich geht es ums Ganze und darum, heil und ganz zu werden. … (S. 115)
Der Patient sollte sich seinen Lebensbereich erkämpfen – anstelle der Körperzelle, die sich auf den Weg macht und das Körperreich erobert. Der Patient könnte zu seinen Ursprüngen  zurückkommen und seinen ursprünglichen Lebenssinn wiederfinden – anstelle der Körperzelle, die sich bei Krebs zurück zu ursprünglichen (embryonalen) Mustern entwickelt. (S. 267)

Typisch Dahlke ist der Hinweis und Bewusstmachung auf Worte aus dem „Kriegsarsenal“: Es ist kaum zu glauben, mit welch kriegerischen Worten unsere Alltagssprache durchsetzt ist.

Das Buch gehört zu den großen Werken von Ruediger Dahlte und wird sicher noch eine lange Zeit aktuell und wegweisend sein. Wer immer ein Thema mit fehlgeleiteter und krankmachender Aggressivität hat, wer immer von einem unerlösten Mars-Prinzip geleitet wird (sicher die Mehrheit der Männer als Täter wie Opfer), der findet in diesem Buch die prinzipiellen Erklärungen und heilsamen Antworten. Es ist sehr verständlich geschrieben, nimmt kein Blatt vor den Mund, ist mutig und ehrlich.

Das Buch enthält auch eine eingetütete CD mit zwei Meditationen „Ärger und Wut loslassen“ – mit einer Gesamtspieldauer von ca. 70 Minuten. Nicht zu vergessen: Dieses Kombipack hat einen wirklich „unschlagbaren“ Preis!

Ruediger Dahlke: Wenn wir gegen uns selbst kämpfen: Die seelischen Muster hinter Infektionen, Allergien, Hyperaktivität bis zu Impfproblemen – Mit CD „Wut und Ärger“ (Klick)

 


Nachtrag

Um nicht missverstanden zu werden: Meine „Bedenken“ gelten nur einem einzigen Punkt – ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich da selbst eine „Schatten-Macke“ habe. Doch ich will dies offen darstellen – als MEIN Problem und nicht als Kritik am Buch.

Der heilige Krieg gegen das Ego?

Ich tue mir wirklich sehr schwer, irgendeine Form von „heiligen Krieg“ anzunehmen und will dies hier etwas thematisieren.

Die Darstellung von Krebs als eine Art „Bürgerkrieg“ im eigenen Körper, auch das plutonische der Krebszelllen, hat mir gefallen! Für mein Verständnis ist es gerade noch grenzwertig, hier vom „heiligem Krieg“ zu sprechen – auch wenn es wirklich um „Heilung“ geht. Es geht im „Kampf gegen Krebs“ um Leben und Tod. Es ist sicher leicht als „Kriegsverhältnisse“ zwischen gesunden Zellen und „kranken“ Zellen zu deuten. Und jeder Betroffene hat sicher das Gefühl, in einem Kriegszustand zu leben, einem Krieg, den er möglicherweise gar nicht gewinnen kann.

Ich habe hier einige Bücher zum Krebs besprochen. Da ist ein ehemaliger Soldat (Uwe Kapfer, „Krebs go home!“), der auf seine Krankheit einen „militärischen Blick“ hat (> meine Buchbesprechung). Selbst er führt als ehemaliger Soldat keinen Vernichtungsfeldzug gegen seinen Krebs, sondern führt Friedens-Verhandlungen: Selbstheilung geschieht durch Versöhnung.  Der Autor Andreas Moritz geht noch einen Schritt weiter und sieht im Krebs gar keine Krankheit (Titel seines Buches, > meine Besprechung), sondern gar ein Überlebens-Mechanismus des Körpers. Es ist also durchaus fraglich, selbst bei Krebs von einem „heiligen Krieg“ zu sprechen. Was wäre, wenn Krebs ein Ausdruck des Mangels an Selbstliebe wäre? Lässt sich das durch einen „heiligen Krieg“ beheben?

Rüdiger Dahlke sieht in allen Religionen den „heiligen Krieg“ letztlich als Krieg gegen das Ego. Sein Buch endet mit den Worten:

Schließlich folgt das große Retreat, der Tod, mit der Chance der großen Bewusstheit für die Seele und der Erkenntnis, worum es im Leben wirklich gegangen wäre. Diese Erfahrung ließe sich auch schon vorziehen und wird mit Worten wie Erleuchtung, Befreiung, Nirvana, Samadhi oder Himmelreich Gottes umschrieben – letztlich bezeichnen diese Ausdrücke immer dasselbe: den Sieg über das Ego im heiligen Krieg. (S. 373 f.)

Die große Frage ist nur: Wer führt denn diesen „heiligen Krieg“ gegen das Ego? Die Antwort kann doch eigentlich nur sein: die Seele. Die Seele bestraft das Ego im heiligen Krieg für sein pubertäres Verhalten. Für mein Verständnis ist die Seele aber keine „kriegführende Partei“ oder eine strafende Instanz. Die andere Antwort wäre: der Körper. Der Körper wehrt sich gegen das Ego. Dann wären die Krebszellen aber selbst die Partisanen des Körpers gegen das Ego, um ihn zu Vernunft zu bringen, ihn aufzuwecken. Was wäre also, wenn Krebs der „heilige Krieg der Körper-Seele“ gegen das selbstsüchtige Ego wäre? Es ist nicht mehr als ein Gedankenspiel. Sinn macht auch das am Ende nicht. Was bleibt dann noch von „heiligen Kriegen“?

Doreen Virtue: Mut zur Kreativität

Untertitel: Wecke deine künstlerische Begabung und leben deine Berufung

Der zentrale Begriff des Buches ist Mut. Der erste Satz des Buches gleich in der Einleitung lautet: „Kreativ zu sein, erfordert Mut.“ Alle 17 Kapitel des Buches beginnen mit dem Begriff Mut, sogar die beiden Teile des Buches: Teil I: Der Mut zum kreativen Prozess und Teil II: Der Mut, mit kreativer Arbeit Ihren Lebensunterhalt zu verdienen – und einen Beitrag für die Welt zu leisten.

Das ist auch die ganze Botschaft des Buches: Jeder Mensch ist ein kreatives und schöpferisches Wesen, was den meisten in in unterschiedlichem Maße fehlt, ist der Mut, sich von den Blockaden der Kreativität zu befreien. Kreativität bedarf zwar auch handwerklichen Geschicks und erlernten Könnens, doch im Wesentlichen ist es Intuition und der Mut, der inneren Stimme zu folgen.

Was uns an der Entfaltung unseres kreativen Wesens behindert, ist Angst, Ängste aller Art. Es gibt nur einen Schlüssel, diese Ängste zu überwinden, und das ist Mut. Ja, so einfach ist es im Grunde. Die Autorin geht in ihrem Buch alle möglichen (Ego-gesteuerten) Ängste in den unterschiedlichen Phasen des kreativen Prozesses nach, um den Ausweg aus diesen Ängsten zu weisen.

Der Mut, empfänglich zu sein, hat damit zu tun, die Kontrolle dem wohlwollenden Universum zu überlassen, das eins ist mit Ihrem höheren Selbst. Es bedeutet, nicht der Angst die Kontrolle zu überlassen, sondern der Liebe. (S. 94)

Die Autorin weist im 2. Teil darauf hin: „Marketing ist wahrscheinlich der schwierigste Teil im Leben eines kreativen Menschen.“ (S. 185) Sie gibt Hinweise, diese vielleicht größte Blockade zu überwinden. Viele kreative Werke landen in Schubladen und werden nicht „mit der Welt“ geteilt.

Eine weitere Gefahr ist, ein kreatives Produkt zu „verwässern“, um es „markttauglich“ zu machen, den Bedürfnissen des Marktes anzupassen. Es ist eines der wichtigsten Lektionen des Buches:

Verwässern Sie nie Ihre Vision in dem Versuch, sie kommerziell erfolgreich zu machen. Vertrauen Sie der Reinheit der ursprünglichen Inspiration. (S. 213)

Hier weist die Autorin auf etwas sehr Wichtiges hin: Kreativität erfordert eine Harmonie und ein Zusammenspiel männlicher und weiblicher Energien. Im Schöpfungsprozess selbst dominieren eher weibliche Energien – im Vermarktungsprozess eher männliche Energien. Es ist wichtig, den Vermarktungsprozess selbst auch als einen kreativen Prozess zu sehen und zu gestalten.

Wenn Sie für Fülle und finanzielle Sicherheit gebeten haben, sind die göttlich inspirierten Ideen, die Sie empfangen, Antworten auf Ihre Gebete. Gott legt nicht wie der Heilige Nikolaus einfach ein Bündel Geldscheine vor die Tür. Gott gibt Innen Ideen, mit denen Sie – wenn Sie sie umsetzen – das nötige Geld verdienen werden. Das nennt man gemeinsam mit Gott schöpferisch tätig zu sein. (S. 199)

Eine wichtige Lehre des Buches ist nicht zuletzt, dass man den Erfolg eines kreativen Projektes nicht herbei-affirmieren, herbei-visualisieren oder herbei-beten kann. Irgendwann muss jeder Kreative das Werk im Vertrauen loslassen können:

Was wir nicht kontrollieren können, sind die Entscheidungen anderer Menschen. Aus diesem Grund ist es reine Zeitverschwendung, sich darüber Sorgen zu machen, ob Ihr kreativen Projekt „erfolgreich“ sein wird oder nicht. (S. 219)

Das Buch ist für mich ein umfassendes (spirituelles) Handbuch der Kreativität. (Letztlich sind Spiritualität und Kreativität zwei Seiten einer Medaille.) Es umfasst den ganzen kreativen Prozess: vom ersten Schritt, dem Mut, das eigene kreative Selbst zu leben bis zum Mut, mit seinem Werk einen großen Erfolg zu haben, damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen und zur Heilung der Welt beizutragen.

Die Autorin Doreen Virtue, eine Bestseller-Autorin, greift dabei auf einen großen Erfahrungsschatz zurück, untermauert dies doch auch mit wissenschaftliche Untersuchungen. Das Buch macht Mut, seiner Berufung zu folgen. Was immer die Berufung im einzelnen und konkreten Falle ist, ihre Quelle ist das kreative Selbst und kraftvolle Kreativität ist der Ausdruck ihres Wachstums. Es ist kein Buch, das man nur einmal liest, sondern ein Handbuch, das einen in alles Phasen des kreativen Prozesses begleiten kann, um einen immer wieder aufzurichten.

 

Doreen Virtue:  Mut zur Kreativität: Wecke deine künstlerische Begabung und lebe deine Berufung (Klick)

Elisabeth Gilbert: BIG MAGIC

Untertitel: Nimm dein Leben in die Hand und es wird dir gelingen

(Der deutschsprachige Untertitel ist allerdings Käse; das Original triff es viel besser: Creative Living Beyond Fear – kreatives Leben jenseits der Angst).

Elisabeth Gilbert ist durch ihren Roman „Eat Pray Love“ und die Verfilmung mit Julia Roberts als Autorin weltbekannt geworden. In diesem Buch „Big Magic“ verrät sie die Geheimnisse Ihres Schreibens.

Ein anderes Buch, das ich von ihr gelesen habe, ist das „Ja-Wort“ und wie es am Ende zur Hochzeit zwischen Elisabeth und Filippe kommt. Es ist die Fortsetzungs-Geschichte von „Eat Pray Love“. Es hat mir von der Geschichte und der lockeren und witzigen Sprache im Grunde noch besser gefallen als der Weltbestseller. … Verkaufszahlen sagen noch lange nichts über die Qualität eines Buches aus. Von der Qualität des Buches her hätte das „Ja-Wort“ mindestens solche Verkaufszahlen verdient. Auch ein großes Thema, wie sich zwei Eheunwillige am Ende im „Ja-Wort“ doch für das Heiraten entscheiden.

Doch wenn Elizabeth Gilbert etwas über die Magie des Schreibens und der Kreativität überhaupt schreibt, dann weiß sie, wovon sie spricht. Mich hat das Buch sehr fasziniert, weil ich viele diese beschriebenen „Wunder der Kreativität“ als kreativer Mensch selbst erfahren habe. Das Buch hat mich bestätigt und angeregt, auf meinem Weg weiter zu gehen.

Das vielleicht Wichtigste, das nahezu einem Perspektivenwechsel gleichkommt: Eine kreative Idee (z.B. für ein Buch) ist wie eine eigenständiges Wesen, das sich einen Autor/Künstler „auserwählt“:

Ideen werden von einem einzigen Impuls angetrieben – sich zu manifestieren. Und der einzige Weg für eine Idee, sich in unserer Welt zu manifestieren, besteht in der Zusammenarbeit mit einem Menschen. Nur durch die Anstrengung eines Menschen kann eine Idee aus dem Äther ins Reich des Tatsächlichen geleitet werden. Deshalb umspielen Ideen uns in alle Ewigkeit, immer auf der Suche nach verfügbaren und willigen menschlichen Partnern. (S. 45)
Das ist die Kehrseite des Vertrages mit der Kreativität: Wenn die Inspiration dich unerwartet heimsuchen darf, darf sie dich auch unerwartet wieder verlassen. (S. 60)

Die Kreativität verlässt dich für ein bestimmtes Projekt aus einem einfachen Grund, „… du hast nicht geliefert!“ (S. 71) und wendet sich mit dem Projekt einem anderen zu. (Die Autorin hat dazu selbst ein unglaubliche, magische Geschichte zu erzählen.)

Und jetzt schreibt die Autorin etwas sehr Wichtiges, was sicher nur wirklich kreative  Menschen verstehen (weil sie wissen, dass sie „nur“ ein Kanal sind):

Es gibt keinen Diebstahl; es gibt kein Eigentum; es gibt keine Tragödie; es gibt kein Problem. Wo die Inspiration herkommt, gibt es weder Zeit noch Raum – und auch keinen Wettbewerb, kein Ego, keine Schranken. Es gibt nur die Sturheit der Idee selbst, die nicht aufhören wird zu suchen, bis sie einen gleichermaßen sturen Partner gefunden hat. (Oder mehrere Partner gleichzeitig.) (S. 77)

Große Kunst entsteht nicht aus Leiden, sondern aus Neugier, Freunde und Leichtigkeit. Es ist ein Mythos, dass ein großer Künstler leiden müsse.

Aber zu behaupten, dass niemand jemals Kunst von Wert geschaffen habe, solange er sich dabei nicht in akuter seelischer Not befand, ist nicht nur unwahr, sondern auch irgendwie krank. (S. 236)  Und : „Jeder Künstler, der Alkoholiker ist, ist Künstler trotz, nicht wegen seines Alkoholismus.“ (S. 240)

Als großer Künstler musst du dein Leben auch nicht in jungen Jahren schon verausgaben. Du darfst auch nicht denken, dass deine Kunst dich sofort ernähren und deinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Unter diesem Druck erstickst du deine Kreativität schon im Keim. Die Autorin zeigt in ihrem Buch einen ganz anderen Weg auf:

Ich wahrte andere Einkommensquellen, damit ich, wenn meine Inspiration gerade nicht sprudelte, beruhigt sagen konnte: „Keine Sorge, Süße. Lass dir Zeit. Ich bin da, wann immer du so weit bist.“ Ich war immer bereit, hart zu arbeiten, damit meine Kreativität unbeschwert spielen konnte. Auf diese Weise wurde ich zu meiner eigenen Mäzenin; ich wurde meine eigene Frau im Hintergrund. (S. 178)

Ein wichtiger Schatz des Buches noch: Als kreativer Mensch liebst du hoffentlich deine Arbeit (oder meinst du, sie mache dich verrückt?). Doch wie ist es mit deiner kreativen Arbeit: Liebt sie dich? Liebt sie dich wie einen Auserwählten? Bist du ihr Baby? Ja, richtig gelesen: Deine Kreativität ist größer als du – und du bist es, der in diesem kreativen Prozess wächst, dein ganzes Leben lang: „Das Werk will erschaffen werden, und es will von dir erschaffen werden.“ (S. 251) Es muss eine Liebesbeziehung sein, oder es wird nichts daraus.

Ich könnte noch seitenweise aus dem Buch zitieren: Ich liebe es! Doch im Sinne des Buches: Irgendwann ist es gut genug und dann muss es raus, auch als Rezension.  

Für jeden Fan von Elisabeth Gilbert ist dieses Buch schon Pflichtlektüre für den Intellekt, um einen Blick in ihre Werkstatt zu werfen: wie ihre großen und kleinen Werke entstanden sind. (Der Verlag hat deswegen auch die Autorin in einer Neuauflage des Buches mehr in den Mittelpunkt gestellt als den Originaltitel „Große Magie“.)

Doch das Buch ist weit mehr: Es ist ein Schlüssel für kreatives Schreiben und Arbeiten, enthüllt die wichtigsten Schätze dieser „Großen Magie“, der Kooperation des Menschen mit der Schöpfung. Und jeder Mensch ist in seiner Seele ein Künstler. Wer seinem Seelenweg folgen will, der folge seiner kreativen Ader, der befreie sich vom Kommando seines Egos und überlasse sich der Führung seiner Seele, seiner Intuition, seiner Kreativität.

Vielleicht passen folgende Worte der Autorin noch zum Abschluss:

Ich habe mein ganzes Leben schöpferischem Tun gewidmet, und ich verbringe viel Zeit damit, andere ebenfalls zu ermuntern, weil ich glaube, dass ein kreatives Leben das wundervollste Leben ist, das man haben kann. (S. 147)

 

Elisabeth Gilbert:  Big Magic: Nimm dein Leben in die Hand und es wird dir gelingen (Klick)

 

Danielle MacKinnon: Die geheimen Verträge der Seele

Untertitel: Wie wir unheilsame Verbindungen zu unseren Ahnen lösen

Gleich vorweg: Der deutsche Untertitel des Buches ist völlig daneben (er war der Grund, weshalb ich das Buch überhaupt lesen wollte). Es geht im Buch nicht um Ahnen, das Lösen von karmischen Verstrickungen; ganz im Gegenteil: Es geht der Autorin ausdrücklich um „Lebenszeit-Seelenverträge“ – und keine Seelenverträge mit Verstorbenen oder Tieren. Also Verträge, die die Seele mit sich selbst innerhalb der aktuellen Lebenszeit und für diese Lebensspanne eingegangen ist.

TROTZDEM: Wenn wir von diesem Maketing-Missgriff des deutschen Verlages absehen können: Das Buch ist großartig! Es gehört zu den besten Büchern, die ich über die Arbeit von der Seele mit der Seele kenne. Vieles erinnert in dem Buch an bekannte Therapiekonzepte (wie Schattenarbeit oder Glaubenssätze), doch es sind nicht nur andere Begriffe („Seelenvertrag“, „mentale Samen“, „ungute Emotionen“ …) für bekannte Konzepte. Es schließt solche Konzepte ein und geht tiefer bis auf den Grund der Lektionen, die die Seele in dieser Inkarnation lernen will und muss. Der Seelenweg ist immer ein Heilungsweg – für sich selbst und den Planeten. Der heilige Heilungsweg des Buches ist ein energetischer, körperlicher, emotionaler, mentaler und seelischer, der auch durch die „dunkle Nacht der Seele“ führt.

Wenn wir an die Reinkarnation und Wiedergeburt glauben, dann gehört dazu auch das Konzept, dass die Seele für die aktuelle Inkarnation, die jetzige Lebenszeit sich bestimmte Lebensaufgaben und Ziele des Erwachens gestellt hat und sich dafür Lektionen selbst auferlegt hat. Diese Aufgaben als Herausforderungen zeigen sich in „Seelenverträgen“ (als Ausbildungsverträge der Seele mit sich selbst sozusagen), die es zu lösen gilt, von der es sich zu lösen gilt. Wenn wir dieses Bewusstsein haben, dass unsere Seele sozusagen Lehr-Meister und Lehrling zugleich ist, Meister und Schüler, dann finden wir einen guten Zugang zum Buch und seiner wirklichen Tiefe. Das Buch raubt uns die letzte Illusion, dass da irgendein Ritter kommt, uns zu retten, irgendein Erlöser, uns zu erlösen, irgendein Heiler, uns zu heilen, sondern all das unsere eigene Seelenaufgabe ist, damit unsere Seele wachsen und erwachen kann. Es ist ein Arbeitsbuch deiner Seele als Meisterin – für deine Seele als Schüler – in einer vertraglichen Verbundenheit.

Doch das Buch arbeitet auch mit geistigen Helfern, das „Spirituelle Geleit“, wie die Autorin es nennt. Diese Geistigen Helfer sind beispielsweise „Arkasha-Archivare“, die helfen, die Arkasha umzuschreiben. „Wie du deine Arkasha-Archivare bittest, deine Arkasha umzuschreiben“ wäre wahrscheinlich ein passenderer und ehrlicher Untertitel des Buches, doch wahrscheinlich marketingmäßig nicht so prickelnd.

Es geht im Buch im Grunde auch nicht um „Geheimverträge“, sondern selbst erstellte Inkarnations-Verträge, deren wir uns nicht mehr bewusst sind, weil wir sie vergessen haben. Doch irgendwann auf unserem Seelenweg führt an der Lösung unserer Seelenaufgaben (im Begriff der Autorin: „Seelenverträge“) kein Weg mehr vorbei. Diese Verträge sind sozusagen „verklausuliert“, so dass wir ihre Botschaft erst erkennen müssen. Alles, was „im Himmel“ an Lebensaufgaben von der Seele beabsichtigt ist, finden seine speziellen Erfahrungen und Verkörperungen in den ersten Lebensjahren, um sie dann im Laufe des Lebens durch die Arbeit mit der Seele erfüllen zu können. Das Buch ist kein „Crashkurs“, im Grunde kann man mit dem Buch ein ganzes Leben arbeiten. Doch es lohnt sich. Für mich „erste Wahl“ auf dem Seelenweg. 

 

Die geheimen Verträge der Seele: Wie wir unheilsame Verbindungen zu unseren Ahnen lösen (Klick)

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