Dalai Lama: Seid Rebellen des Friedens

Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt – mit Sofia Stril-Rever

Dieser Appell des Dalai Lama ist vor allem ein Appell an die Jugend, an die zur Jahrtausendwende Geborenen.

Am Horizont wird eine neue Seite im Buch der Menschheit aufgeschlagen, und ihr, meine lieben jungen Freunde, beginnt darauf die Geschichte eines neuen Jahrhunderts zu schreiben, die vielleicht die schönste und glücklichste der Menschheit wird. (S. 23)

Sein Appell ist durchaus dramatisch und eindringlich:

Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Friedens sein – oder das Ende der Menschheit bringen. Jugendliche der Welt, ich appelliere an euch, die erste friedliche Generation auf einer brüderlichen Erde zu sein. Baut eine Weltbürgerschaft auf! Und lasst das keine Utopie, sondern ein strategisches Ziel sein.“  (S. 24)
Schließlich seid ihr die letzte Generation, die sich mit der Gefahr konfrontiert sieht, dass das Leben von der Erde verschwindet, und damit seid ihr zugleich die Letzten, um etwas dagegen zu tun. Nach euch ist es zu spät. (S. 44)

Die Revolution des Mitgefühls und der Seele

Der Dalai Lama spricht von einer Revolution, doch einer friedlichen Revolution, einer Revolution des Mitgefühls und der Seele für alle lebendigen und beseelten Wesen (dazu gehören auch die Pflanzen, die Flüsse, die Meere). Er weiß dabei auch um die entscheidende Rolle der Frauen und Mütter:

Junge Frauen, ich appelliere an euch, die Mütter der Revolution des Mitgefühls zu sein, die dieses Jahrhundert so dringend braucht. … Junge Frauen dieses Jahrhunderts, seid die Pionierinnen der größtmöglichen aller Revolutionen! (S. 39 / 41)

Das Scheitern der Religionen

Wie schon in seinem ersten Appell „Ethik ist wichtiger als Religion“ (> meine Buchbesprechung) geht der Dalai Lama sehr kritisch mit den Religionen der Welt um:

Keine hat es geschafft, dass wir zu besseren Menschen werden, keine hat für das Entstehen einer besseren Welt gesorgt. deshalb habe ich keine Scheu zu sagen, dass wir heutzutage über die Religionen hinausdenken müssen. Ohne Religion kann man auskommen. Aber ohne Liebe und Mitgefühl? Nein. (S. 43)

Kriminelle Produktionsmethoden (S. 45)

Die Kritik des Dalai Lama an den Herrschenden der Welt nimmt kein Blatt vor den Mund und knüpft an die Französische Revolution im Geiste von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ an, ergänzt durch einen vierten Punkt, Gerechtigkeit (S. 29). Er bezeichnet sich in diesem Sinne nicht nur als Schüler von Buddha, sondern auch als „Schüler von Karl Marx“ (S, 32 f.)

Was also die Verteilung von Reichtümern und das Prinzip der Brüderlichkeit angeht, bin ich Marxist.“ (S. 33)

Seine Schlussworte in dem kleinen Büchlein:

Bewahrt euch den Enthusiasmus und den Optimismus eurer Jugend, um zu einer gerechten  und glücklichen Zukunft aufzubrechen. Die Revolution des Mitgefühls ist im Gang, und ihr, meine jungen Freunde, verkörpert sie. (S. 64)

Bei den Urvölkern wurde der Rat der „Alten“ noch befolgt. Die Alten waren immer die Weisen. Und wenn man den Dalai Lama liest oder hört, klingt diese „Weisheit des Alters“ immer ganz besonders durch. Wenn unsere Welt einen Ältestenrat der weisesten Menschen hätte, dann wäre der Dalai Lama wahrscheinlich und zu Recht der Vorsitzende. Wir müssen uns dabei bewusst sein, was er leibhaftig in seinem über 80-jährigen Leben alles auf unserem Planeten wirklich als Zeitzeuge erlebt hat. Zur Weisheit des Alters gehört es auch, die Jugend nicht zu verurteilen, sondern besondere Hoffnung in die Jugend zu legen. Das Buch ist ein solch eindringliches Manifest an die Jugend. Zur Weisheit des Alters gehört es auch, mit wenigen und einfachen Worten etwas auf den Punkt zu bringen, was andere nicht einmal in ganzen Büchern schaffen. Das ist auch das Lesenswerte dieses Appells: Es kommt auf den Punkt!

Der Dalai Lama hat auch einen ganz besonderen Bezug zu Europa und dem Ende des kalten Krieges in Europa, speziell einen besonderen Bezug zu Frankreich und Deutschland. Für ihn ist Europa ein Vorbild und Modell für die friedlicher Vereinigung der Länder und Völker in der Neuen Welt. Wir Europäer haben eine ganz besondere Verantwortung, dass die Vision des Dalai Lama aus dem Herzen Europas in die ganze Welt getragen wird – wie einst die Französische Revolution das Fanal für die Neue Zeit wurde – nur in unserem Falle ist es eine weltweite friedliche Revolution wie einst Fall der Berliner Mauer.

Auch wenn der Dalai Lama sein „Manifest für den Frieden“ (so sollte es gelesen werden) als Zweiundachtzigjähriger fast schon wie sein geistiges Vermächtnis formuliert (Das Ende meines und der Beginn eures Lebens kreuzen sich– S. 23), wünsche ich ihm und der Neuen Welt, dass er auch das Freie Tibet noch erleben darf.

Mein Appell: Macht diese Buchbesprechung und das Buch bekannt und verschenkt es auch.

Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt: Seid Rebellen des Friedens (Klick)

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