Ida Friederike Görres: Sohn der Erde – der Mensch Teilhard de Chardin

Untertitel: Drei Versuche

Die vorläufig letzte und elfte Buchbesprechung einer kleinen Reihe über Teilhard de Chardin.

Die Autorin Ida Friederike Görres (1901 – 1971) hat in der katholischen Kirche eine herausragende Rolle gespielt, selbst Adelige und mit der französischen Sprache so gut vertraut, dass sie vieles aus den damals gerade fertig gestellten französischen Werkausgabe ins Deutsche für ihr Buch übersetzt hat, was allerdings die Zitat-Nachweise gegenüber der später erschienenen deutschen Werkausgabe erschwert.

Doch dieses Buch ist nicht nur eine Fundgrube an charakteristischen Zitaten, sondern zeigt auch eine weibliche und sehr einfühlsame Sicht auf Teilhard de Chardin. Sie glorifiziert ihn nicht, sonder distanziert sich eher von falscher Verherrlichung beispielsweise des ersten französischen Teilhard-Biographen Claude Cuénot. Darüber hinaus stellt sie die die große Rolle von Frauen in Teilhards Leben heraus. Die bescheiden formulierten „Versuche“ treffen genau den Kern von Person und Werk Teilhard de Chardins:

  1. Die Kriegsbriefe Pierrs an seine Cousine Marguerite
    Es ist die Zeit seines mystischen Erwachens, seiner erwachenden Liebe zu Frauen und der Formulierung seines Lebensthemas: der Versöhnung zwischen Gott und Welt, Religion und Wissenschaft, Glaube und Wissen.
  2.  Die Auseinandersetzung mit der Biographie von Cuénot und das Zurechtrücken falscher Glorifizierung
    Sie macht aus dem Heroen Teilhard einen Menschen mit seinen Schwächen und Stärken. Die „zwei Personen“ Pierrs als 1. stiller, frommer, vertrauensseliger Priester und 2. als mutiger Revolutionär, der die Welt aus den Angeln heben will, ein „neues Zeitalter“ ankündigt, arbeitet sie sehr sensibel heraus
  3. Die Rolle der Frauen im Leben Teilhard de Chardins
    Hier analysiert und interpretiert sie sehr treffsicher den Schlussakkord (sie nennt es „Clausule“) in Teilhards Werk „Das Herz der Materie“, nämlich das Schlusskapitel „Das Weibliche oder das Einigende“

Das Buch ist voller Perlen aus einer „kritischen Hochachtung“ heraus. Sie relativiert auch die ganze Thematik der „Verbannung von Teilhard de Chardin“ durch Kirche und Orden. Die „Oberen“ hatten kaum eine Chance, ihn zu verstehen. Sie hatten einen gewissen Respekt vor ihm, aber auch Angst. Die Autorin bringt gute Hinweise, diesen Konflikt zwischen Pater Teilhard und den Oberen zu entdramatisieren und versöhnlich betrachten zu können. Für mich ist dieses Buch unverzichtbar, das „Mysterium Pierre Teiilhard de Chardin“ einigermaßen angemessen betrachten zu können.

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