Teilhard de Cardin: Das Herz der Materie

Untertitel: Kernstück einer genialen Weltsicht

Keiner hat behauptet, Teilhard de Chardin zu lesen, sei einfach. Doch Kant, Hegel, Heidegger oder andere zu lesen, ist auch nicht einfach. Teilhards Sprache als Jesuitenpater ist zudem keine rein philosophische, sondern eine eigenartige Mischung aus philosophischer, poetischer, theologischer, profetischer und wissenschaftlicher Sprache. Dazu kommt die Problematik der Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche.

Schriften von Teilhard de Chardin sind keine Lehnstuhl-Lektüre. Sie wollen studiert werden, Kersätze können nur meditativ erfasst werden. Wie wäre es beispielsweise hiermit: „Sich vergeistigen = sich entmaterialisieren“ (S. 68) Dieses Buch ist vom Autor 1950 verfasst worden, 5 Jahre vor seinem Tod (1881 – 1955), eine Art Testament seines Lebens-Werkes. Es bringt darin die „Evolution seines Denkens“ und den Kern seiner neuen „Religion der Evolution“ oft formelhaft (im Sinne einer wissenschaftlichen Formel) auf den Punkt.

Was mich an diesem Buch am meisten fasziniert: Der Autor meint es mit der Liebe ernst! Heute sagen die einen „Alles ist Energie“, die anderen „Alles ist Bewusstsein“. Und was ist mit LIEBE? Unsere Intuition und unser religiöses Empfinden sagen uns: „Alles ist Liebe“. Doch in welchem Zusammenhang stehen dann Liebe, Energie und Bewusstsein? (Keine schlechte Frage, oder?)

Pierre Teilhard de Chardin hat diese Frage beantwortet, ohne dass es viele mitbekommen hätten, sonst wären wir heute in unserem Bewusstsein weiter. Und damit ist er aktueller denn je, vielleicht schließen wir langsam auf seine Bewusstseinshöhe auf. Das Entscheidende für ihn ist die Liebe, die evolutiv wachsende Durchseelung der Materie und des Kosmos. Er nennt dies im Sinne eines wissenschaftlich neuen Begriffes: AMORISATION. (Amor = Gott der Liebe) 

Nun wird man den Begriff der „Amorisation“ wohl in keinem wissenschaftlichen Wörterbuch finden. Also ist Teilhards Theorie keine wissenschaftliche … Zu dieser Schlussfolgerung könnte ein einfältiges Denken kommen. Ein visionäres Denken dagegen könnte zu einer ganz anderen Schlussfolgerung kommen: Solange der Begriff der „Amorisation“ nicht das Herz der Wissenschaften ist, sind wir noch weit von einer „Heiligen Wissenschaft“ entfernt. NUR EIN WORT, und unsere Wissenschaft wird ist heil und heilig.

Ich will aus diesem Buch noch eine andere Teilhardsche zentrale Formel kurz besprechen: „Gott über uns“ = „Gott vor uns“ (S. 79) „Gott über uns“ – ist ja noch zu verstehen: „Gott im Himmel“, der Gott aller traditioneller Religionen. Aber „Gott VOR uns“? … Das ist nach Teilhard der Gott der ZUKUNFT, der Gott am „Punkt OMEGA“. Dann wird die Menschheit völlig vergöttlicht sein. Dann ist aus dem EINEN JESUS von Nazareth ein KOSMISCHER CHRISTUS geworden. Das kann man allerdings nur meditativ in seiner mystischen Tiefe erfassen.

Das Buch hat drei Teile, „eigentlich“ sogar vier:

  • Das Kosmische oder das Evolutive
  • Das Menschliche oder das Konvergierende
  • Das Christliche oder das Zentrische
  • Das Weibliche oder das Einigende (als Schlussakkord)

Alleine das Inhaltsverzeichnis ist ja schon Poesie!

Das Buch hat einen Anhang mit drei mystischen Schriften von Pierre Teilhard de Chardin:

  • Christus in der Materie
  • Die geistige Potenz der Materie
    mit: Hymne an die Materie
  • Die Messe über die Welt

Eine Wohltat in Zeiten des Wahnsinns „Es gibt keine Materie.“ (Als ob es auch nur einen Menschen ohne MUTTER gäbe; wir sind alle Kinder von Mutter Erde – als das Ewig-Weibliche.)

Das Buch ist wirklich das Herz der Weltsicht Pierre Teilhard de Chardins. Wenn man genügend „Einführungs-Literatur“ (wie seine > Biographie von Günther Schiwy) gelesen hat, dann kann man sich an dieses konzentrierte Werk (die Essenz) heran machen. Wer tiefer einsteigen will, der lese dazu sinnigerweise das „Teilhard de Chardin Lesebuch“ herausgegeben und erläutert von Günther Schiwy (> meine Buchbesprechung). Die ausgewählten Teilhard-Texte von Günther Schiwy entsprechen dem Aufbau von „Das Herz der Materie“. Beide Bücher lassen sich gut „parallel“ lesen.

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